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Durch seine Abgeschiedenheit wurde Irland von der europäischen Geschichte
weitgehend verschont. Die Frühzeit des Landes wird von Legenden von
kriegerischen Göttern und heroischen Königen verkündet.
Römische Armeen haben Irland nie erreicht. Erst mit der Ankunft des
hl. Patrick 432 AD und der damit beginnenden Christianisierung gelangten
europäische Einflüsse auch nach Irland.
Bis zu den Einfällen der Wikinger im 9. Jhd. herrschte eine relativ friedliche
Zeit. Es entstanden riesige Klosteranlagen wie Clonmacnoise und Glendalough,
Mittelpunkte von Gelehrsamkeit und Glauben. Die Herrschaft der Wikinger beschränkte
sich auf nur wenige kleine Gebiete, doch 1169 trafen die Anglo-Normannen ein. Vile Stammesfürsten unterwarfen sich Henry II von England. Nach seinem Abzug 1172 teilten seine Ritter das Land unter sich auf.
Als Henry VIII 1532 mit dem Katholizismus brach, kam es zwischen den irischen Katholiken und den protestantischen Truppen der britischen Monarchie zu erbitterten Kämpfen.
Wo immer Iren geschlagen wurden, ging ihr Land in den Besitz englischer Protestanten über.
1690 wurde die englische Eroberung durch den Sieg von Wilhelm III von Oranien über seinen Schwiegervater James II abgeschlossen.
Den Iren wurden grundlegende Freiheitsrechte genommen, aber die Opposition konnte nicht zerschlagen werden.
Die Hungersnot von 1845-48 dezimierte die Bevölkerung durch den Hungerstod unds Auswanderung. Das Streben nach Unabhängigkeit wurde stärker, aber es erforderte noch jahrzehntelange Parlamentsdebatten und blutige Kämpfe bis das Land 1921 durch Gründung des Irischen Freistaates geteilt wurde. Nordirland ist bis heute Teil des Vereinigten Königreiches.
Die Besiedelung Irlands
Bis zur Einwanderung von Jägern und Sammlern über eine damalige Landbrücke nach Schottland vor etwa 9500 Jahren war Irland von Menschen unbewohnt.
4000 BC trafen jungsteinzeitliche Bauern ein, die ihre Felder mit Steinmauern einfaßten und Monumentalgräber wie das in Newgrange errichteten.
Die Eisenzeit begann im 3. Jhd. v.Chr. mit der ersten keltischen Einwanderungswelle. Diese gelangten von Mitteleuropa aus auf die Insel und etablierten sich schnell als beherrschende Kultur.
Das keltische Irland teilte sich in über 100 Stammesgebiete auf, von denen viele den Kouml;nigen größerer Provinzen wie Connaught und Munster untertan waren. Zeitweilig gab es auch einen �ber ganz Irland herrschenden Hochkönig in Tara.
Mit Einführung des Christentums begann im 5. Jhd. ein Zeitalter, das durch Bau von Klöstern geprägt war.
Die ersten wikingischen Langschiffe erreichten 795 Irland. Die Wikinger gründeten einige Siedlungen wie Dublin (Dubh Linn, "schwarzer Pfuhl"), Wexford (Waesfjord "West-Fjord"), Waterford und Limerick. Sie stellten eine Bedrohung insbesondere für die reichen Schätze der Klosteranlagen dar, welche bei Angriffen in den typischen hohen Rundtürmen in Sicherheit gebracht wurden. Der Einfluß der Wikinger beschränkte sich allerdings nur auf kleine Gebiete und endete nach der Niederlage der Wikinger gegen den irischen Hochkönig Brian Boru 1014 in der Schlacht von Clontarf. Die wikingische Bevölkerung ging in der irischen auf.
Oliver Cromwell - warum es in Irland so viele Ruinen gibt
Es war zur Zeit des 30-jährigen Krieges: Auch in Irland war die Stimmung - wie immer - gereizt. Opfer des religiösen Hasses wurden immer wieder protestantische Kleinbauern in Ulster. Dann erschien 1649 Cromwell. Die gesamte Bürgerschaft und die Garnison der Stadt Drogheda wurde hingerichtet, ebenso in Wexford. Katholische Adelige und Großbauern wurde in Gebiete westl. des Shannon verbannt, ins steinige, unfruchtbare Connaught, womit das Wort der "Hölle von Connaught" geprägt wurde.
Dann ließ Cromwell seiner Armee freien Lauf. Normannische Burgen gingen in Flammen auf. Mönche wurden mit Bluthunden durch die Klöster gehetzt, besonders beliebt war das "Heißläuten". Man band einen Mönch an ein Glockenseil und warf ihm glühende Kohlen unter die nackten Füße. Das Verstummen der Glocke verkündete nach einiger Zeit das Ende des Mönches.
Das nun herrenlose Land bekam protestantische Herren. Cromwells Feldzug hat Irland tiefgreifend wie kaum ein Ereignis zuvor verändert. Bauern lebten auf einer kleinen Parzelle in einer Hütte und mußten hierfür hohen Pachtzins zahlen und verarmten zusehends. Dies geschah im Gegensatz zu keltischer Zeit, in der kleine Bauern auch arm waren, aber keltische Könige hatten für ihre Untertanen zu sorgen, da ihr Ansehen vom Wohl des Volkes abhing. Die Engländer dagegen betrachteten die Bauern nur noch als Objekt der Ausbeutung, eine Einstellung, die sich in die Kolonialzeit fortsetzte.
Die Penal Laws
Nach Cromwell und dem Sieg über die Katholiken 1690 am Boyne-Fluß beabsichtigte England, Irland protestantisch zu machen. Hierzu dienten u.a. die penal laws, katholischer Geistliche wurden ins Exil geschickt, das Lesen einer Messe wurde mit 1 Jahr Gefängnis und anschließender Verbannung bestraft, zuerst nach Frankreich, nach der Entdeckung Australiens dorthin. Die irische Sprache wurde verboten, Englisch Amtssprache. Katholiken durften kein Land besitzen, keine Schulen besuchen, hatten kein Wahlrecht.
Gerichtsurteile im 19.Jh., meist Verbannung nach Australien (Van-Diemens-Land):
| z.B.: | David O'Brian, 18 J, Diebstahl einer Taschenuhr: 15 Jahre Verbannung| Nancy Gilligan, 17 J, Vernachlässigung ihres an Unterernährung gestorbenen Kindes: 20 Jahre Verbannung | Tom Maloney, 23 J, renitentes Verhalten gegen den Gutsbesitzer: lebenslängliche Verbannung | |
Potato Famine
Zwischen 1800 und 1845 erlebte Irland einen Bevölkerungsanstieg von 5 auf 8 Mio.
Irland hatte - außer einigen Leinenmanufakturen - keine Industrie, welche die Landflucht hätte auffangen können: 1834 2,4 Mio. (= 1/3 der Bevölkerung) Bettler auf Irlands Straßen. Englische Zeitungennutzen dies, um das Negativimage der Iren als faul und nichtsnutzig zu prägen. 1845-48 fiel die Kartoffelernte der Kartoffelpest zum Opfer. Seit Einführung aus Amerika war diese schnell Hauptnahrungsmittel der Katholiken geworden. Der ausschließlich für den Export bestimmte Weizen diente der Bereicherung der (protestantischen) Landbesitzer. So kam es zu der widersinnigen Situation, daß die Menschen vor gefüllten Lagerhäusern verhungerten. Die in London wohnenden Gutsbesitzer waren nicht bereit, auf den Profit aus dem Weizenexport zu verzichten. Eingerichtete Notküchen waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein, da die Spendierfreudigkeit der Engländer zu wünschen übrig ließ. Es geht die Geschichte um, daß Queen Victoria, aufgefordert, für die notleidende irische Bevölkerung zu spenden, ganze 5 Pfund gab.
800.000 Menschen verhungerten in diesen 3 Jahren. Die Hälfte der Iren wanderte aus, bis 1910 4,2 Mio. Somit ist Irland das einzige Land Europas, das mit heute 4,5 Mio. Einwohnern seine Bevölkerungszahl halbiert hat, vergl. mit 8 Mio. vor 150 Jahren.
Irlands Helden
Unter der englischen Besetzung fehlte es nicht an Leuten, die aktiv für ihr Land eintraten.
Jonathan Swift, Dekan der Christ Church in Dublin - Gullivers Reisen als Märchen kaschierte Anklage an die Gesellschaft.
Wolfe Tone versuchte 1796 mit französischen Soldaten einen gewaltsamen Umschwung. Die Landung an der Bantry Bay scheiterte, er selbst wurde hingerichtet.
Daniel O�Connell, Bauernsohn aus Cathair Saidhbhin (Cahersiveen, Kerry) setzte als Rechtsanwalt eine Lockerung der penal laws durch und wurde als erster katholischer Ire in das Unterhaus zu London gewählt.
Desweiteren gibt es eine endlose Liste kleiner Saboteure und politischer Agitatoren wie White Boys, Ned of the Hill, Croppy Boys, Brennan of the Moor, die Märtyrer des Osteraufstandes.
Der Osteraufstand
Auf dem Dach des General Post Office in Dublin weht immer die irische Fahne, als Zeichen für den Osteraufstand, der hier sein Zentrum hatte, zwar fehlschlug, aber die Befreiung Irlands einleitete.
Während die englische Armee ihre Soldaten im 1.WK benötigte, wollte eine kleine Gruppe ein Signal für einen Generalaufstand setzen. Sie waren schlecht ausgerüstet, mit Schrotflinten und Spitzhacken. Ein engl. Offizier, der ein Telegramm aufgeben wollte, wurde verhaftet. Trotzdem nahm die Aufständischen niemand ernst, die Engländer besuchten eine Sportveranstaltung, eine Lady sah nicht ein, warum sie keine Briefmarke kaufen könne.
Umso ernster fielen eine Woche später die Urteile aus, nachdem engl. Kanonenboote die Stadt beschossen hatten: 100 Todesurteile, 400 Gefängnisstrafen. Bis 1921 zogen sich die Unruhen hin, bis England, kriegsmüde, einwilligte, Irland einen Commonwealth-Status zuzubilligen. Dies stieß auf Ablehnung der Protestanten in Ulster, die um ihre Vorrechte bangten, so daß es zur Teilung des Landes kam. Von 32 Grafschaften blieben 6 bei England. Das freie Irland löste sich allmählich von England. Regierungspräsident de Valera, Teilnehmer am Osteraufstand, lehnte bei Amtsantritt den Eid auf den engl. König ab. Im 2.WK blieb Irland neutral. 1946 proklamierten die Iren die Republik und traten aus dem Commonwealth aus. Alsdann verschwanden die Statuen engl. Helden und Könige, als letztes
Lord Nelson auf der O�Connell Street, gesprengt 1966 von der IRA.
(Foggy Dew, Oro! Se Do Bheatha Bhaile)
Derry
1607 wurde im Rahmen der Plantation of Ulster die Grafschaft Coleraine und die Stadt Derry in "Londonderry" umbenannt.
Jährliche Parade der Apprentice Boys (militante Protestantenorganisation, Feier der Niederschlagung der Belagerung Derrys 1688/89). Zuspitzung der Ereignisse in Derry ab 1968. Das Bestreben der protestantischen Unionisten überall in Nordirland die Macht zu behalten, führte dazu, daß angesichts der katholischen 2/3-Mehrheit in Derry zu Mitteln wie Wahlrechtsbeschränkungen und "günstigen" Wahlkreisabgrenzungen gegriffen wurde, was der Unionistenpartei ständige Mehrheit im Stadtrat sicherte. Die Spannung zwischen Protestanten und Katholiken verhärtete sich, nachdem eine Demonstration der katholischen Bürgerrechtsbewegung von der Polizei brutal zusammengeprügelt wurde. Die jährliche Parade der Apprentice Boys führte im August 1969 nach einigen Steinwürfen im katholischen Viertel Bogside zu den Unruhen, die fortan die Medien beschäftigen sollten. Die durchweg protestantische Polizei versuchte erfolglos die Bogside zu stürmen, woraufhin erstmals brit. Militär nach Nordirland geschickt wurde. Zuerst auch von den Katholiken als Hilfe gegen protestantische Angriffe begrüßt, wurde brit. Militär immer mehr zum Organ protestantischen Terrorismus. Ein Höhepumkt der terroristischen Aktivität der "Sicherheitsorgane" war der Bloody Sunday (30.1.1972) , als eine unbewaffnete katholische Demonstration von brit. Fallschirmjägern beschossen wurde. 13 tote Katholiken.
Tinkers
Tinkers, auch Tinsmiths oder Traveling People, führen ein Leben wie Sinti, sind aber keltischer Abstammung und verdienten früher ihr Geld als Kesselflicker und Schmiede, als Kaminkehrer in größeren Anwesen und verkauften Amulette. Die Bauern brauchten die Tinkers, sahen sie aber nicht gerne, da sie beim Handel stets das schlechtere Geschäft machten, da die Tinkers über Preise an anderen Orten stets besser informiert waren.
Wahrscheinlich gehörten die Tinkers schon einer vorkeltischen Schmiedegilde an. Sie besaßen Wissen über Metallbearbeitung, fanden an einem Ort nicht genügend Arbeit und zogen daher von Burg zu Burg. Shelta, die Sprache der Tinker ist keltischen Ursprungs, wird aber von Iren nicht verstanden. Viele Konsonanten sind vertauscht, aus cailin wurde das Shelta-Wort laicin, lackeen, was den Eindruck vermittelt, jemand habe absichtlich eine Geheimsprache geschaffen. Diverse Brocken Latein im Shelta lassen vermuten, daß dies das Werk nach Auflösung kathholischer Klöster unter Henry VIII im 16. Jh arbeits- und heimatlos gewordener und zu den Tinkers gestoßener Mönche war.
Windhundrennen
1868 und in den folgenden beiden Jahren gewann ein irischer Windhund namens Master McGrath den Waterloo-Cup in London, und symbolisierte die Rache des kleinen Mannes in dem er zeigte, daß auch Iren große Leistungen vollbringen können. An der Südküste, etwas außerhalb von Dungarvan, an der Kreuzung der Straßen nach Lismore und Clonmel wurde ihm zu Ehren ein Denkmal errichtet.