HILDEGARD Martha Helene DOMIZLAFF (1898-1987)
Die ersten k�nstlerischen Arbeiten Hildegard Domizlaffs - vorerst Zeichnungen - entstehen um 1916 in Leipzig. Eine der ersten Portraitb�sten stellt einen ihrer Br�der dar. Sie beginnt sich mit dem Katholizismus auseinanderzusetzen und schlie�t sich in Leipzig dem Kreis um Ilse von Stach und Martin Wackernagel an. Unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg fertigt Hildegard Domizlaff eine Portraitb�ste von Ilse von Stach an. Martin Wackernagel, der zu dieser Zeit den Leipziger Kunstverein leitete, bekam die B�sten zu Gesicht und nimmt sie in die Ausstellungen auf. Max Klinger begutachtet ihre ersten Arbeiten, und er r�t ihr zu einer k�nstlerischen Laufbahn.

Ab Mitte des Jahres 1918 beginnt sie eine Ausbildung an der Akademie in Weimar in der Bildhauerklasse Richard Engelmanns, einem Rodin-Sch�ler. Sie geh�rt zur ersten Generation von K�nstlerinnen in Deutschland, die offiziell eine Kunsthochschule besuchen d�rfen. Ihren Aufenthalt an der Weimarer Akademie erlebt Hildegard Domizlaff in einer Phase des Umbruchs: Walter Gropius �bernahm die Leitung der Hochschule f�r bildende Kunst einschlie�lich der ehemaligen Kunstgewerbeschule in Weimar und das "Staatliche Bauhaus". Das Studium in Weimar war jedoch nur von kurzer Dauer.

Nachdem sie mit 21 Jahren die Vollj�hrigkeit erreicht hat, konvertiert sie im Fr�hjahr 1919 zum katholischen Glauben, woraufhin die Eltern ihr die finanzielle Basis f�r ein weiteres Studium entziehen. Max Klinger verhilft ihr zu einem Platz bei dem aus der Wiener Secession stammenden Professor Richard Luksch an der Hamburger Kunstgewerbeschule. Dessen Frau Elena Luksch-Makowsky war selbst eine bekannte Hamburger Bildhauerin. Hildegard Domizlaff erh�lt dort ein Atelier als au�ergew�hnliche Studentin.

Anfang 1922 �bersiedelt sie in die Geburtsstadt ihres Vaters nach Soest, wo sich eine kleine K�nstlergemeinde von Malern des Expressionismus angesiedelt hatte. Ihre ersten Erfolge auf Ausstellungen verhelfen ihr zu wirtschaftlicher Unabh�ngigkeit, und sie kann sich unbefangen ihrer Arbeit widmen.

Nach einer kurzen Zwischenstation in Leipzig siedelt Hildegard Domizlaff 1923 nach M�nster �ber. Martin Wackernagel ist dort Ordinarius f�r Kunstgeschichte an der Westf�lischen Wilhelms-Universit�t. In M�nster tritt auch der schon in Leipzig zu den Freunden der Familie Domizlaff z�hlende Theodor D�ubler zum Kreis um Wackernagel und seiner Frau Ilse von Stach. In den Jahren zwischen 1919 und 1924 unternimmt sie mehrere Reisen durch Deutschland, Italien und sp�ter auch nach Griechenland. 1924 h�lt sie sich f�r l�ngere Zeit in Paris auf.

Mitte der 20er Jahre nimmt Hildegard Domizlaff Kontakt mit Franz Xaver M�nch und dessen Freund Peter Wust, dem �Philosophen von M�nster' auf und beginnt eine langj�hrige fruchtbare Auseinandersetzung insbesondere um Fragen der Liturgiegestaltung. Aus dieser Zeit stammen die ersten gro�en bildnerischen Werke f�r kirchliche Auftraggeber: das Kriegerdenkmal f�r die Kirche zu Esch bei K�ln von 1925 und der Herz-Jesu-Altar in der Kirche zu Weiler bei K�ln von 1926.

1927 verlegt Hildegard Domizlaff ihren Lebensmittelpunkt endg�ltig nach K�ln, wo sie zuerst eine gemeinsame Wohnung mit der K�nstlerin Helen Wiehen bezieht. Ab 1929/30 l��t sie sich mit Helen Wiehen in dem von Theodor E. Merrill nach den Bed�rfnissen der beiden K�nstlerinnen entworfenen Wohn- und Atelierhaus in K�ln-M�ngersdorf nieder. Mit dem K�nstler Gerhard Marcks verbindet sie seit 1938 intensive Freundschaft und ein reger Briefwechsel, der bis 1953 reicht, als sich Marcks mit seiner Frau aufgrund der steten Bem�hungen von Hildegard Domizlaff in einem Atelierhaus ebenfalls in M�ngersdorf niederl��t.

Seit Beginn des Zweiten Weltkrieges lebt sie zur�ckgezogen in ihrem Haus in M�ngersdorf und widmet sich ihrer Arbeit an Holzschnitten f�r die Bibel. Ein gro�er Teil der Werke von Hildegard Domizlaff sind im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Die ersten Auftr�ge nach dem Krieg bekommt sie von der katholischen Kirche. Sie entwirft und erstellt liturgisches Ger�t, bisch�fliche Insignien und gestaltet Innenr�ume von Kirchen, z.B. von St. Engelbert in K�ln-Riehl und die M�nsterkirche in Essen.

Sie wendet sich der Elfenbeinschnitzerei und dem Entwurf und Ausf�hrung von Schmuckst�cken und kirchlichen Insignien zu. Bis zum Anfang der 80er Jahre entstehen zahlreiche kleinformatige Reliefs, deren Motive sie aus ihren Naturstudien bezieht.

Im Februar 1987 stirbt Hildegard Domizlaff 89j�hrig in ihrem Atelierhaus.

In einer Erinnerung an Hildegard Domizlaff schreibt Joachim Kardinal Meisner: "Ihre profunde theologische Kenntnis und ihr scharfes Wahrnehmungsverm�gen der oft verborgenen Ursachen f�r die kirchliche und gesellschaftliche Gegenwart machten die Begegnungen mit Hildegard Domizlaff zu interessanten, oft unbequemen, aber immer positiven Erlebnissen."

Das Atelierhaus steht heute unter Denkmalschutz und wurde 1989 vom K�lner Auktionator Henrik Hanstein erworben, der es renovieren lie�, um es in Zukunft - nach dem Willen Hildegard Domizlaffs - einem K�nstler zur Verf�gung zu stellen.
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