HELMUTH Artur Friedrich DOMIZLAFF (1902-1983)
Schon w�hrend der Schulzeit am Nikolaigymnasium in Leipzig ist Helmuth Domizlaff ein kundiger Sammler. Der junge Kunsthistoriker Karl Friedrich Suter steht ihm als sein Mentor und sp�terer Freund zur Seite. Bereits als Neunzehnj�hriger hat er eine Sammlung deutscher Literatur zusammen getragen.

Er beginnt seine Ausbildung 1922 in der Buchhandlung Otto Harrassowitz in Leipzig. 1924 beendet er seine Lehrzeit und wechselt nach Frankfurt zu Joseph Baer & Co. Hier sind die Schwerpunkte Einbandkunde und die illustrierten B�cher des 15. und 16. Jahrhunderts, ein Bereich, der zu Domizlaffs bevorzugtem Gebiet wird.

Seine n�chste Station ist ab 1925 eine Dependance von Jaques Rosentahls "L'Art Ancien" in Lugano an der Piazza Allessandro Manzoni.

Um 1928 wechselt Domizlaff in das M�nchner Antiquariat Jaques Rosenthals. Dort sind neben Jaques Rosenthal, dessen Sohn Erwin Rosenthal und Fritz Finkenstaedt t�tig. Weitere Mitarbeiter sind Adolf Seeba� und Waldemar Lessing. Domizlaff wird Assistent von Erwin Rosenthal.

M�nchen ist nach dem ersten Weltkrieg neben London das internationale Zentrum des antiquarischen Buchhandels in Europa. Hier sind die bedeutendsten deutschen Antiquariate und Auktionsh�user in den Stra�en zwischen dem Universit�tsviertel und dem Karolinenplatz versammelt. Domizlaff bezieht eine einfache Wohnung am Nikolaiplatz im Stadtteil Schwabing.

Bereits 1930 zeichnen sich die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auch im antiquarischen Buchhandel ab. Dennoch macht er sich im Dezember 1931 mit einem kleinen Betrieb selbst�ndig. Unter der nationalsozialistischen Diktatur ist das geistige Klima in Deutschland f�r ein international agierendes Antiquariat denkbar schlecht. Dessen ungeachtet kann er den Betrieb trotz Krise und den nachfolgenden Kriegsjahren zu einem erfolgreichen Seltenheitsantiquariat entwickeln.

Von den Verboten des Reichskulturkammergesetzes von 1933 sind auch die Antiquare betroffen. Die j�dischen Buchhandlungen und zahlreichen, namhaften Antiquariate werden in den Jahren bis 1938 nach und nach geschlossen, die j�dischen Buchh�ndler mit Berufsverbot belegt. So l�st sich unter der nationalsozialistischen Diktatur binnen weniger Jahre eine in sechs Jahrzehnten gewachsene Antiquariatslandschaft von internationalem Rang auf, deren Exponenten sich gezwungener Ma�en �ber Nordamerika und Europa verteilen.

Die Wertsch�tzung der internationalen Kollegen hilft ihm nach 1945, die w�hrend der Kriegszeit verk�mmerten Kontakte wieder aufzunehmen. Zu Beginn seiner M�nchener Zeit lernte Helmuth Domizlaff den englischen Antiquar Percy M. Muir kennen, mit dem er seither freundschaftlich verbunden war. Diese Freundschaft dauerte �ber die Zeit der Nazi-Diktatur an und bew�hrte sich schlie�lich in den Nachkriegsjahren.

Nach dem Krieg regt der Amsterdamer Antiquar Menno Hertzberg die Bildung einer internationalen Vereinigung der nationalen Verb�nde von antiquarischen Buchh�ndlern an. 1948 wird in Kopenhagen die "International League of Antiquarian Booksellers (ILAB)" (http://www.ilab-lila.com/) gegr�ndet und Percy M. Muir als deren Pr�sident gew�hlt.

Im Januar 1949 schlie�en sich die deutschen Antiquare in M�nchen zur "Vereinigung Deutscher Buchantiquare und Graphikh�ndler" (http://www.antiquare.de/) zusammen. Im Gr�ndungsvorstand sind neben Helmuth Domizlaff als Vorsitzenden Dr. Ernst Hauswedel aus Hamburg, Willi Heinrich aus Frankfurt sowie Dr. Georg Karl und Bernhard Wendt aus M�nchen.

Helmuth Domizlaff unterl��t zun�chst jede Aktivit�t in Richtung auf eine Aufnahme, "um nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, eine Absage zu erhalten", wie er 1977 in einem Interview �u�ert. Schlie�lich erh�lt er als Vorsitzender der deutschen Vereinigung eine offizielle Einladung, an dem Liga-Kongre� in Br�ssel im September 1951 teilzunehmen. Dort wird die deutsche Vereinigung dann als dreizehntes Mitglied in die Liga aufgenommen.

Seinen antiquarischen Buchhandel in Schwabing f�hrt Helmuth Domizlaff bis 1980 weiter, bevor er sich 1983 in �bersee am Chiemsee niederl��t. Sein Unternehmen gilt selbst in Branchenkreisen als ungew�hnlich. Er ist unter den Antiquaren in Deutschland bekannt als einer der wenigen "marchand amateur", der mehr Sammler als H�ndler ist.

Am 30. August 1983 stirbt Helmuth Domizlaff im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in �bersee.
Peter Sumerauer, Carmen Zotta: Helmuth Domizlaff - Der Antiquar als Botschafter, in: M�hlrad, Schulbank und Carri�re - Geschichte und Familien�berlieferungen der Domizlaff aus Pommern und Preu�en, T�bingen 2003, S. 485-501. ISBN 3-89308-360-X.
:: BACK ::
Hosted by www.Geocities.ws

1