DIHK fordert unbezahlte Mehrarbeit
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat
vorgeschlagen, dass Arbeitnehmer in Deutschland in den
kommenden fünf Jahren 500 Stunden umsonst
arbeiten.
Forderung nach höherer Wochenarbeitszeit
DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun (Foto) sagte laut
Tageszeitung "Die Welt", dies würde die Arbeitskosten senken
und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöhen.
Deutschland brauche längere und gleichzeitig flexiblere
Wochenarbeitszeiten. Erforderlich sei keine starre
40-Stunden-Woche, sondern ein Korridor, der phasenweise
höhere Wochenstundenzahlen ermögliche, sagte Braun der
Zeitung zufolge.
500 Stunden umsonst arbeiten
"Ich plädiere für Vereinbarungen über 500 Stunden
unbezahlte Arbeit verteilt auf fünf
Jahre", sagte Braun gegenüber der "Welt". Braun leitet selbst
ein international tätiges
Medizintechnik-Unternehmen. Hintergrund der Arbeitszeit-Debatte
seien
Vereinbarungen im neuen Tarifvertrag für den öffentlichen
Dienst. Darin werden die
Angestellten verpflichtet,
einen Tag im Jahr länger zu arbeiten.
Gleichzeitig versucht die
IG Metall, die Wochenarbeitszeit im Osten Deutschlands stufenweise
von 38 auf 35
Stunden zu senken.
Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang
Clement will den Kündigungsschutz für Mitarbeiter in
kleinen Betrieben lockern. Der strenge deutsche
Kündigungsschutz bereits für Unternehmen ab sechs
Mitarbeitern behindere dringend notwendige
Einstellungen im Mittelstand, sagte Clement der
"Financial Times Deutschland ".
Mehr Einstellungen erhofft
Der verminderte Kündigungsschutz in Betrieben mit bis zu
fünf Arbeitnehmern führe
dazu, dass diese kleinen Unternehmen nicht mehr als fünf
Leute einstellten, erklärte
Clement gegenüber der Zeitung. "Also muss ich doch darüber
nachdenken, ob und
wenn ja, wie ich diese harte Grenze abschleife." Eine Situation
mit einem Wachstum
von 0,2 Prozent in 2002 und einer hohen Arbeitslosigkeit könne
niemanden ruhen
lassen, sagte Clement.
Scharfe Kritik des DGB
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den Vorstoß von
Clement zur Lockerung
des Kündigungsschutzes scharf zurückgewiesen. Clement
müsse seine Ankündigung
sofort zurücknehmen, sagte DGB-Chef Michael Sommer. Eine
solche Reform des
Arbeitsmarktes werde bei den Gewerkschaften auf härtesten
Widerstand stoßen. Der
Minister verunsichere mit
derartigen Vorschlägen die Arbeitnehmer in den kleinen
Betrieben. Stattdessen solle Clement eher Vorschläge machen,
die tatsächlich zu mehr
Beschäftigung führten.
Vorstoß bei Existenzgründern
Erst vor kurzem hatte Clement vorgeschlagen, dass Existengründer
bis zu
Betriebseinnahmen von jährlich 17.500 Euro die Hälfte
davon pauschal als
Betriebskosten steuerlich absetzen
können. Ab 2004 soll die Summe auf 35.000 Euro
verdoppelt werden. Die Regelung wird allerdings nicht für
bestehende
Kleinunternehmen gelten.
Ziel: Vollbeschäftigung
Weit aus dem Fenster gelehnt hat
sich Clement auch mit der Aussage, dass er das Ziel
habe, noch in diesem Jahrzehnt wieder Vollbeschäftigung
zu erreichen. Um dies zu
erreichen, fordert er eine "Allianz der Erneuerung" aus Regierung,
Arbeitgebern und
Gewerkschaften. Nach Einschätzung des Ministers wird spätestens
im März eine neue
Spitzenrunde zusammen kommen.
Bündnis für Arbeit in 2002 gescheitert
Die letzte Spitzenrunde im Bündnis für Arbeit war im
Januar 2002 am Streit über die
Einbeziehung der Tarifpolitik gescheitert. Die Wirtschaft hatte
angesichts der
Konjunkturflaute eine Empfehlung für maßvolle Lohnabschlüsse
gefordert. Schröder
und die Gewerkschaften hatten es jedoch abgelehnt, dies zum Thema
der Spitzenrunde
zu machen.
[Fri2003]