Der Umfang und die                            Abschnitt 1
Reichweite der Untersuchung
 

Bei ihrer ersten Zusammenkunft, im August 1963, erhielten die Mitglieder der Sonderstudiengruppe die Weisung, bei ihren Überlegungen stets drei Grundsätze zu beachten. Kurz gesagt waren es diese: 1. unbedingte Objektivität, 2. keine vorgefassten Wertannahmen, 3. Einbeziehung aher Theorien und Fakten, die von Bedeutung sein könnten.

Diese Postulate waren von vornherein keineswegs so selbstverständlich, wie sie auf den ersten Blick scheinen mögen, und wir halten es für notwendig darauf hinzuweisen, wie sehr sie unsere Arbeit förderten; denn sie lassen deutlich erkennen, woran es früheren «Friedensstudien» fehlte und warum sowohl die Regierung als auch nichtoffizielle Institutionen mit den Resultaten nicht zufrieden waren. Es ist gewiss nicht unsere Absicht, die Arbeit unserer Vorgänger herabzuwürdigen. Was wir versucht und, wie wir glauben, auch erreicht haben, ist die Ausweitung des Rahmens solcher Untersuchungen. Wir hoff en, das unsere Ergebnisse als Ausgangspunkt dienen mögen für spätere, noch ausgedehntere Studien, für eine gründlichere Sondierung eines jeden Aspekts der Friedensherbeiführung und der Probleme, die zu lösen sind, bevor der Ubergang zum Frieden vollzogen werden kann.
Es ist eme Binsenwahrheit, das Objektivitát öfter ein fester Vorsatz als ein befolgter Grundsatz ist, doch die Absicht � ehrlich, beharrlich und selbstkritisch � ist immerhin eine Voraussetzung für strikte Objektivitát. Es war gewiss kein Zufail, das man uns nahelegte, bei unseren Untersuchungen von der Annahme emes «militärischen Ernstfalls» auszugehen, und wir schulden den zivilen Behörden für Rüstungsplanung grossen Dank für ihre bahnbrechende Arbeit der objektiven Prúfung des möglichen Ablaufs emes Atomkrieges. Im Rahmen der Friedensstudien ist diesbezüglich keine Vorarbeit geleistet worden. Die Nützlichkeit der sorgsam ausgearbeiteten Programme fiir die Umstellung der Wirtschaft auf Friedensbedingungen z. B. ist oft beeinträchtigt worden durch den allzu grossen Eifer, mit dem man nachzuweisen versuchte, das Frieden nicht allein möglich, sondern sogar billig oder leicht herzustellen sei. In einem offiziellen Bericht wird immer wieder die entscheidende Bedeutung des «dynamischen Optimismus» fiir die Weiterentwicklung der Wirtschaft betont, worauf es dann heisst, man könne sich in Anbetracht dessen kaum vorstellen, das «das amerikanische Volk auf ein einhellig anerkanntes und Sicherheit bietendes Programm zur Errichtung einer internationalen Herrschaft von Recht und Ordnung etc.» nicht sehr positiv reagieren würde. Ein anderes Argument, das nicht selten vorgebracht wird, lautet, das eine Abrüstung nur eine verhältnismässig geringe Störung der Wirtschaft mit sich bringen würde, da ja nur ein gewisser Teil der Wirtschaft davon betroifen wäre. Wir werden später noch darauf zurückkommen. Konsequente Objektivität bei der Untersuchung von Fragen der Kriegführung ist oft als inhuman angeprangert worden. Herman Kahn, der in der breiten Öffentlichkeit bekannteste Verfasser von kriegsstrategischen Untersuchungen, drückte es so aus: «Häufig protestieren Kritiker gegen das eiskalte Vernunftsdenken des HudsonInstituts, der Rand Corporation und ähnlicher Einrichtungen. Ich bin dann immer versucht, diejenigen zu fragen, ob sie einen warmherzigen menschlichen Irrtum vorziehen würden und ihnen ein netter emotionaler Fehler lieber sei.»2 Oder wie Verteidigungsminister McNamara sagte: «Einige Menschen haben Angst, von einem Gipfel herab in den Abgrund zu sehen. Aber in einem thermonuklearen Krieg können wir uns keine politische <Höhenangst> Ieisten.»3 Selbstverständlich solte dies gleichfalls fiir den entgegengesetzten Fall, den eines möglichen dauerhaften Friedens gelten, aber bis heute hat noch niemand mehr als einen schüchternen Blick auf das Ufer des Friedens riskiert.
Der Vorsatz, vorgefasste Werturteile zu vermeiden, verstärkt die Selbsttäuschung meistens nur noch. Natiirlich sind wir als Individuen von dieser Schwáche nicht frei, doch waren wir ständig ganz bewusst bemüht, die Probleme des Friedens so zu behandein, als wäre der Frieden nicht unbedingt von vomnherein per se «gut» oder «schlecht». Das war nicht leicht, aber bindend. Unseres Wissens ist die notwendige Wertfreiheit der Begriffe bei früheren Untersuchungen nicht so strikt beachtet worden. Man ist vielmehr davon ausgegangen, das der Frieden wünschenswert, das menschliche Leben etwas Kostbares und die Demokratie anderen Herrschaftsformen überlegen sei, «das höchste Gut flir die grösste Zahl von Menschen.» Die «Würde» des einzelnen, ein Maxirnum an Gesundheit und an Lebenserwartung und andere ideale Vorstellungen hat man zu Axiomen erhoben, die überhaupt erst die Friedensforschung rechtfertigen. Wir sind anderer Meinung. Wir haben versucht, die Massstbe der Physik auf unser Denken anzuwenden, deren wichtigstes Kennzeichen nicht das Messen von Quantitäten ist, wie man allgemein glaubt, sondern � um Whitehead zu zitieren � «die Ausserachtlassung aller Werturteile, z. B. aller ästhetischen und moralischen Prinzipien»4. Indessen basiert zweifellos jede ernsthafte Untersuchung eines Problems, wie «rein» dieses sich auch immer darstellt, dennoch auf formativen Voraussetzungen. In diesem Fall gingen wir von der Erhaltung der menschlichen Gesellschaft im allgemeinen und der amerikanischen im besonderen aus, sowie von der Stabilität dieser Gesellschaft.
Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht interessant, das die so leidenschaftslosen Strategen eines Atomkriegs die Stabilität der Gesellschaft ebenfalls als eine Grundvoraussetzung ansehen, um die man nicht herumkommt. Verrteidigungsminister McNamara hat die Notwendigkeit der atomaren Überlegenheit Amerikas mit der Begründung verteidigt, das sie «eine Strategie ermöglicht, die darauf ausgerichtet ist, unsere Gesellschaftsstruktur im Falle eines Krieges zu erhalten». Ein früheres Mitglied des politischen
Planungsstabes der Regierung ging sogar noch weiter. Er sagte: «Em treffenderes Wort für <Frieden> ist, genaugenommen, <Stabilität>... Die atomare Rüstung ist eines der wesentlichsten Mittel, um diese Stabilität, wie sie heute existiert, zu erhalten. Unser gegenwärtiges Bestreben muss sein, zu lernen, wie wir mit der Bombe leben können.»6 Wir setzen natürlich nicht Frieden mit Stabilität gleich, betrachten sie aber als das gemeinsame Ziel von Krieg und Frieden.
Der dritte Grundsatz � den Umfang der Untersuchung so weit wie möglich auszudehnen � hat uns ein gutes Stück über alle bisherigen Friedensforschungen hinausgebracht. Jeder Laie wird begreifen, das die wirtschaftliche Situation einer Welt ohne Krieg sich erheblich von der gegenwärtigen unterscheidet, und es ist auch einleuchtend, das die politischen Beziehungen zwischen den Nationen dann anderer Art sein werden als diejenigen, die wir als unabänderlich hinzunehmen pflegen und von denen es oft heisst, das sie, global gesehen, dem Parteiensystem unseres Common Law entsprechen. Aber die Folgen des Friedens für die Gesellschaft reichen noch weit über seinen mutmasslichen Einfluss auf die nationale Wirtschaft und die internationalen Beziehungen hinaus. Wie wir zeigen werden, dürfen auch die Auswirkungen von Frieden oder Krieg auf die innere politische Struktur der einzelnen Gesellschaften, auf die Beziehungen ihrer Mitglieder untereinander, auf psychologische Verhaltensweisen, auf ökologische Vorgänge sowie auf Hervorbringungen der Kultur nicht unterschätzt werden. Wir hielten es für notwendig, alle Konsequenzen eines Übergangs zu dauerndem Frieden und die Durchführbarkeit emes solchen Friedens überhaupt zu untersuchen.
Es kann nicht überraschen, das die weniger klar erkennbaren Faktoren in der bisherigen Friedensforschung allgemein ignoriert wurden. Sie eigneten sich nicht zur systematischen Analyse. Es war ausserordentlich schwer, vielleicht sogar unmöglich, auch nur mit einiger Sicherheit zu beurteilen, in welcher Weise sie sich auswirken würden. Sie sind «unfassbar», jedoch nur in dem Sinne, wie abstrakte mathematische Werte unfassbar sind im Vergleich zu messbaren. Wirtschaftsfaktoren können allerdings berechnet werden, zumindest ungefähr; und internationale Beziehungen lassen sich wie Gesetze in Iogischen Satzreihen ausdrücken.
Wir behaupten nicht, einen unfehlbaren Weg gefunden zu haben, die ebengenannten schwer wäbaren Faktoren zu berechnen oder ihnen in der Gleichung der Friedenseinführung einen bestimmten Wert zu geben. Aber wir glauben ihrer Bedeutung bis zu einem gewissen Grad Rechnung getragen zu haben: wir haben sie aus dem Bezirk des «Unfassbaren» herausgenommen und in den Bereich des Fassbaren überführt, damit sie nicht länger als wissenschaftlich suspekt und als nebensächlich gelten. Das Resultat, so meinen wir, ergibt einen realistischen Zusammenhang der vielfältigen Probleme des Friedens, wie er der Diskussion bis heute gefehlt hat.
Damit wollen wir nicht behaupten, die Antworten, die wir suchten, auch gefunden zu haben. Doch glauben wir, daIs unsere besondere Bemühung um die Ausweitung des Rahmens der Friedensforschung es zumindest möglich gemacht hat, die Fragen zu verstehen.


Die Abrüstung                    Abschnitt 2
und die Wirtschaft

In diesem Abschnitt untersuchen wir kurz einige der gemeinsamen Grundgedanken bereits veröffentlichter Studien, die sich mit dem einen oder anderen Aspekt der zu erwartenden Auswirkung einer Abrüstung auf die amerikanische Wirtschaft beschäftigen. Ob Abüistung als eine Begleiterscheinung des Friedens betrachtet wird oder als seine Vorbedingung � ihre Rückwirkung auf unsere Wirtschaft wird in jedem Fall die unmittelbarste aller ihrer Konsequenzen sein. Da ökonomische Phänomene und Vorgänge als halbwegs berechenbar gelten, sind in diesem Bereich viel mehr ins einzelne gehende Spekulationen angestellt worden als auf jedem anderen Sektor der Friedensforschung.
Aligemeine Übereinstimmung herrscht bezüglich der bedeutenderen Wirtschaftsprobleme, die eme weltweite Abrüstung mit sich bringen würde. Wir können hier auf eine genaue Untersuchung, welcher Rang jedem Problem im Vergleich mit den anderen zukommt, verzichten. Em kurzer Überblick über diese Probleme reicht für unsere Zwecke aus.
Der erste Faktor ist die Grössenordnung der wirtschaftlichen Auswirkungen. Die «Welt- Kriegsindustrie», wie  Kenneth E. Boulding die Branche treffend bezeichnet hat, erzeugt Güter im Wert von etwa einem Zehntel des gesamten Produktionswertes der Weltwirtschaft. Obwohl der Prozentsatz Schwankungen unterworfen ist, die wiederum von regionalen Veränderungen abhängen, zeigt er doch eine recht feste Tendenz. Die USA als der reichste Staat der Welt hat an der Rüstungsproduktion nicht nur den grössten Einzelanteil, absolut betrachtet � die Ausgaben belaufen sich auf über 60 Milliarden Dallar (ANMERKUNG: 1967)  im Jahr �, «sie haben auch einen höheren relativen Anteil ihres Bruttosazialpradukts für die Rüstung aufgewendet als jede andere Grossmacht der freien Welt, und zwar schon vor unseren erhöhten Aufwendungen in Südostasien»2. Pläne für eine Wirtschaftsumwandlung, die die Umstellungsprobleme verringern sollen, vertuschen nur � mehr oder weniger überzeugend � die Beibehaltung eines beträchtlichen militärischen Restbudgets unter euphemistischen Bezeichnungen.
Die Verwendung van Rüstungsgeldern für andere Zwecke ist mit einer Reihe von Schwierigkeiten verbunden. Die grösste ergibt sich aus der starren Spezialisierung, die die moderne Waffenproduktion kennzeichnet, zumal auf dem Gebiet der nuklearen und Raketentechnik. Das war nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs noch kein Problem; ebensowenig war die Frage van Wichtigkeit, welche Konsumgegenstände die Verbraucher in einer freien Marktwirtschaft verlangen würden. Man durfte erwarten, das es die gleichen «konventionellen» Waren und Dienstleistungen sein wurden wie bisher. Die heutige Lage ist im einen wie im anderen Fall anders.
Die erwähnte Starrheit der hochspezialisierten Rüstungsindustrie zeigt sich auch in der Bindung der Betriebe an bestimmte Orte oder Bezirke und darin, das die Arbeiter auf spezielle Fertigungsverfahren festgelegt sind. Dies hat die meisten Analytiker der wirtschaftlichen Folgen einer Abrüstung bewogen, ihre Aufmerksamkeit erstens auf Stufenpläne zur Umsiedlung von Rüstungsarbeitern und die Verlagerung von Kapitalinvestitionen, zweitens auf die Entwicklung neuer Konsumgewohnheiten zu lenken. Alle diese Pläne beruhen auf einem gravierenden Irrtum, den die Naturwissenschaftler als einen «makroskopischen Fehler» bezeichnen würdcn. Es wird nämlich stillschweigend vorausgesetzt, ein umfassender nationaler Umwandlungsplan unterscheide sich nicht wesentlich von einem kommunalen Programm zur Lösung der Probleme, die die Stillegung einer Rüstungsfabrik hervorruft.
Wir glauben weder, das dies zutrifft, noch das sich örtliche Programme � wie gut durchdacht sie auch im Hinblick auf Wohnungsbeschaffung, Umschulung und dergleichen sein mögen � in einen grossen Massstab übertragen lassen. Eine Nationalwirtschaft kann zwar beinahe jede Menge von Sanierungsmassnahmen innerhalb der eigenen Grenzen verkraften, aber nur unter der Bedingung, das ihre Struktur sich nicht grundlegend verändert hat. Allgemeine Abrüstung, die einen solchen Strukturwandel erfordern würde, kann man jedoch nicht mit Wirtschaftsumstellungen in kleinem Rahmen vergleichen.
Noch fragwürdiger sind die ModellvorschIäge für die Umschulung der Arbeiter auf Beschäftigungen in der Nicht-Rüstungsindustrie. Lassen wir ím Augenblick die ungelösten Probleme neuer Güterverteilungsformen einmal ausser acht, so bleibt die Frage: Umschulung worauf? Dic hochspezialisierten Fachkenntnisse und Fertigkeiten, die heute noch in der Rüstungsindustrie gebraucht werden, verlieren künftig mehr und mehr an Wert durch die immer stärkere Verbreitung jener neuen Produktionsverfahren, für die sich der Sammelbegriff «Automation» eingebürgert hat. Man kann ohne weiteres sagen, das eine totale Abrüstung eme bedenkIich grosse Zahl von Facharbeiterberufen überflüssig machen wird. Die politischen Schwierigkeiten, die eine solche «Anpassung» verursachen würde, Iässt die Aufschreie, die nach der Schliessung einiger weniger veralteter Armee- und Marineeinrichtungen im Jahre 1964  zu hören waren, nachträglich als ein Wispern erscheinen.
Aligemein kann festgestellt werden: Die Diskussion über die Möglichkeiten von Wirtschaftsumwandlungen Iitten bisher unter der fehlenden Bereitschaft, die besondere Problematik dieser Materie anzuerkennen. Das geht am deutlichsten aus dem 1965 veröffentlichten Bericht des Ackley-Ausschusses3 hervor. Em Kritiker hat überzeugend nachgewiesen, das der Bericht blind annehme, «nichts in der Rüstungswirtschaft � weder ihr Umfang noch ihre Iokale Konzentration, noch ihre wesenseigene hochgradige Spezialisierung, noch die Besonderheit ihres Absatzmarktes, noch die prekäre berufliche Situation ihrer Arbeitskräfte � werde im Augenblick der Umstellung aussrgewóhnliche Schwierigkeiten bieten».
Trotz der geringen Wahrscheinlichkeit, das im Rahmen der gegenwärtigen Wirtschaftsstruktur ein brauchbares Umwandlungsprogramm entwickelt werden kann, wollen wir dennoch einmal annehmen, das die oben aufgeführten Probleme irgendwie gelöst werden können. Welche Vorschläge wurden bisher für eine anderweitige Verwendung der Produktionskräfte gemacht, die eine Abrüstung voraussichtlich freisetzen würde?

Am verbreitetsten ist die Theorie, das eine generelle Neuverteilung der Investitionen den grössten Teil dieser Kapazität absorbieren würde. Obwohl heute weithin als selbstverständlich angesehen wird (sogar von den Nachfahren der traditionalistischen Laissez-faire-ÖIkonomen), das staatliche Subventionen von beispielloser Höhe (und gleichzeitig staatliche Kontrolle) nötig sein werden, um die «strukturellen» Übergangsschwierigkeiten zu meistern, vertraut man darauf, das die Krise durch die Entwicklung neuer Konsumgewohnheiten zu beheben sei. Weniger klar ist, welcher Art sie sein werden.
Eine Schule von Wirtschaftstheoretikern meint, das neue Konsumgewohnheiten sich ganz von selbst entwickeln werden. Sie stellt sich vor, das der Gegenwert des Rüstungsbudgets dem Verbraucher, unter sorgfältiger Überwachung der Prozedur, in Form von Steuersenkungen «zurückerstattet» wird. Eme andere Richtung spricht von unabdingbarer Notwendigkeit eines steigenden «Verbrauchs» auf dem sogenannten «öffentlichen Sektor» der Wirtschaft und legt das Hauptgewicht auf enorm erhöhte Staatsausgaben für nationale Angelegenheiten, wie Gesundheits- und Bildungswesen, Transport und Verkehr, sozialer Wohnungsbau, Wasserversorgung, Kontrolle der Umwelteinflüsse und, ganz aligemein, «Kampf gegen die Armut».
Die Mechanismen, die den Übergang zu einer rüstungsfreien Wirtschaft steuern sollen, sind ebenfalls traditioneller Art: Veränderungen auf der Einnahmen- wie auf der Ausgabenseite des Bundeshaushalts, Manipulation des Zins- und Diskontsatzes etc. Wir verkennen keineswegs den Wert von fiskalischen Massnahmen in einer normalen zyklischen Wirtschaft; sie können als Mittel dienen, um einen bestehenden Trend zu beschleunigen oder aufzuhalten. Ihre eifrigsten Befürworter neigen allerdings dazu, die Tatsache aus dem Auge zu verlieren, das der Einfluss solcher Massnahmen auf die grundlegenden Faktoren der Wirtschaft begrenzt ist. Sie können ihr zwar neue Impulse geben, aber sie sind nicht imstande, aus sich heraus die Milliarden-Produktion von Raketen in eine gleichwertige Produktion von Nahrungsmitteln, Bekleidung, Fertighäusern oder Fernsehgeräten umzuwandeln. Im Grunde spiegeln sie das Wirtschaftsgeschehen nur wider; sie kurbeln es gewiss nicht an.

Phantasievollere und weniger zuversichtliche Experten erwägen die Überführung des Rüstungsbudgets in einen nichtmilitärischen Wirtschaftsbereich, der gleichfalls von der Marktwirtschaft unabhängig ist. Was diese «Pyramidenbauer» nahelegen, ist die Ausdehnung von Weltraumforschungs-Programmen bis zur Kapazität der gegenwärtigen Rüstungs- ausgaben. Die Übertragung der finanziellen Mittel wäre, oberflächlich gesehen, unkompliziert, doch entstehen dafür andere Schwierigkeiten, auf die wir in Abschnitt 6 eingehen werden.
Statt einen der diskutableren Untersuchungsberichte über die zu erwartende Auswirkung einer Abrüstung auf die Wirtschaft herauszugreifen und im einzelnen zu kritisieren, möchten wir unsere Einwände, auf einen Nenner gebracht, folendermassen zusammenfassen:

1. Keines der vorgeschlagenen Programme fiir die Wirtschaftsumwandlung im Hinblick auf eine totale Abrüstung stellt genügend das enorme Ausmass der unumgánglichen Änderungen in Rechnung.
2. Vorschläge, die bisher in die Rüstung investierten Gelder fiir den Ausbau gemeinnütziger Einrichtungen zu verwenden, zeugen eher von Wunschdenken als von realistischer Beur- teilung der Grenzen unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems.
3. Fiskalische und finanzielle Massnahmen sind als Regulativ fúr den Prozess des ÜJbergangs zu einer rüstungsfreien Wirtschaft ungenügend.
4. Zu wenig Aufmerksamkeit ist bisher der Frage gewidmet worden, ob die vorgeschlagenen Umwandlungsmodelle vom politischen Standpunkt aus akzeptiert werden könnten und welche politischen Massnahmen ergriffen werden müten, um diese Umstrukturierung zustande zu bringen.
In keinem der vorgeschlagenen Umwandlungspläne sind die fundamental wichtigen nicht- militärischen Funktionen des Krieges und der Rüstung für die moderne Gesellschaft berücksichtigt worden; es wurde auch kein ernsthafter Versuch gemacht, einen wirksamen Ersatz fiir sie zu finden. Zu diesem Punkt wird in den Abschnitten 5 und 6 ausfiihrlicher Stellung genommen.

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