Kaiserslautern. Torsten Lang vom Oberligisten Landau hat beim 75. Pfälzischen Schachkongress in Kaiserslautern seinen zweiten Pfalzmeister-Titel nach dem im Jahre 2000 geholt. Der 31-Jährige verwies mit 6,5 Punkten aus neun Partien Titelverteidiger Karl-Jasmin Muranyi vom Bundesliga-Aufsteiger Bann (6) auf Platz zwei.
Das erhoffte Fernduell zwischen den beiden Fide-Meistern blieb gestern aus. Muranyi, nach eigenem Bekunden entnervt von einem alles andere als geplanten Turnierverlauf „mit einer viel zu hohen Remis-Quote", hatte sich schon am Vorabend mit seinem Samstag-Gegner Gerd Gnichtel (Pirmasens) auf Unentschieden geeinigt. Zu aussichtslos erschien ihm das Unterfangen, in der letzten Runde den halben Punkt auf Lang aufzuholen, den dieser sich bis zu diesem Zeitpunkt herausgespielt hatte. Lang fackelte dann gestern auch nicht lange, ging kein Risiko mehr ein und spielte gegen Lorenz Busch (Herxheim) schnell auf Remis. Nach beiderseits vier Zügen war der „Kampf" vorbei.
„Vor drei Jahren bin ich mit sieben Punkten unglücklich nur Zweiter geworden; diesmal haben 6,5 Punkte gereicht - das war vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit", sagte der strahlende Sieger. „Ich habe alle Partien mit Weiß gewonnen und alle mit Schwarz remisiert. Meine Turniertaktik hat also ganz gut gegriffen", zog er sein zufriedenes Fazit. Und die Begegnung mit Muranyi ging ebenfalls nach wenigen Zügen schon ins Remis über. „Eine solche Meisterschaft wird selten im Duell der Favoriten entschieden, sondern in der Frage, wer gegen die schwächeren Spieler mehr Punkte holen kann", erläutert er.
Der Pfalz-Titel beschließt für Lang, der zurzeit seine Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft mit den Schwerpunktfächern Deutsch und Geschichte absolviert, die bisher erfolgreichste Saison. In der Oberliga blieb er am Spitzenbrett ungeschlagen und bei den deutschen Schnellschach-Meisterschaften landete er sensationell auf Platz drei. Weitergehende Ambitionen - etwa den zweithöchsten Titel des Weltverbands Fide, Internationaler Meister - hegt er nicht. „Das ist zeitaufwändig und eine finanzielle Frage", sagt Lang. Denn um die notwendigen Normen zu erzielen, müsste er entsprechend besetzte Turniere spielen - und die gibt es in Deutschland so gut wie nicht.
Sein Dauerkontrahent und guter Freund Muranyi will genau diesen Weg allerdings beschreiten. Zwei der drei Normen für den „Internationalen Meister" hat der 26-Jährige bereits in der Tasche; dank einer überragenden Saison in der Zweiten Bundesliga (sieben Punkte aus neun Partien) und dank seines sehr guten elften Platzes bei den deutschen Meisterschaften. Dort, ausgerechnet bei seiner (unnötigen) Niederlage gegen Nationalspieler Graf, „habe ich wieder so richtig Spaß am Schach gefunden. Seither läuft"s", sagt der Rockenhausener, der nun seinen „Lauf mitnehmen will, um IM zu werden. Das muss einfach drin sein". Dafür fährt Muranyi Ende April in sein Geburtsland Rumänien und spielt zwei Großmeister-Turniere. „Bei einem wird es mit der Norm klappen", ist er sich sicher, dass er noch im Mai beim jährlichen Fide-Kongress die begehrte Auszeichnung erhält.
Ohnedies freut er sich auf diese beiden Turniere, weil dort „viel freier und ohne zu klammern gespielt wird". Klammern bedeutet in der Schach-Sprache, dass der - meist schwächere - Gegner von vorneherein nur auf ein Remis aus ist und sich seine Bemühungen darin erschöpfen, dass er gegnerische Attacken unterbindet. Genau das sei ihm häufig beim Kongress passiert, beklagt Muranyi, der aber auch hervorhebt, „dass Torsten ein verdienter Meister ist".
Die Enttäuschung des Turniers war Vorjahres-Vize Fred Feibert (Pirmasens), der mit 2,5 Punkten Vorletzter wurde. Er wird wegen eines anderen Vorgangs in die Turniergeschichte eingehen: Gestern forderte er seinen Gegner Pascal Flierl (Schwegenheim) auf, einen groben Schnitzer zu korrigieren und einen Zug zurückzunehmen; ungewöhnlich, denn im Schach gilt „berührt, geführt". Der ob derartiger Kulanz überraschte Flierl nahm das Angebot dankend an und strich wenige Züge später einen Aufgabesieg ein.
Bei den Frauen ergänzte Claudia Müller (Niederkirchen), die nach mehrjähriger Pause erstmals wieder antrat, die Reihe ihrer früheren Titelgewinne („Ich weiß gar nicht mehr, wie viele es waren") um einen weiteren - hauchdünn vor der punktgleichen Kirstin Auburger (Mutterstadt). Bei den Senioren setzte sich Vorjahressieger Oskar Rahn (Frankenthal) durch. Die Pfalzmeisterschaft im Mannschafts-Blitz gewann gestern Abend der SC Bann vor Kaiserslautern/Mehlingen. Wolfgang Pfeiffer
KONZOKH / KONZOKH
Quelle:
Publikation: Sonntag Aktuell
Regionalausgabe: Südpfalz
Datum: Nr.16
Datum: Sonntag, den 16. April 2006
Seite: Nr.13
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