Disclaimer: Digimon und die enthaltenen Charaktere gehören mir nicht.
Ich
habe nicht vor, aus meiner Schreiberei Profit zu schlagen, oder das
Copyright zu verletzen.
Kommentar: Ken will sich an einem freien Tag mit Daisuke treffen.
~*~*~
Kissing Disease
Ken hielt sich die Hand schützend vor die Augen, als die ersten
Sonnenstrahlen durch das Blätterdach der Bäume im Stadtpark fielen.
Es war
eben erst sechs Uhr durch, aber er war nicht mehr müde und hatte
beschlossen, den Tag mit dem Sonnenaufgang zu beginnen.
Er lächelte, als ihn die Sonne kitzelte. Er war schon immer ein
Frühaufsteher gewesen. Es gab einfach nichts über einen Spaziergang
in der
Frühe, wenn noch kaum Leute an Orten sind, die man erst in seiner Freizeit
besuchen kann. Die Luft ist frisch, die Laute noch jung und die Sonne
begrüsst einen freundlich.
Er war ohnehin in guter Laune. Heute war schulfrei... Die meisten Schulen
in der Stadt fielen heute wegen Fortbildung der Lehrer aus. Seine sogar
noch morgen... Und danach war eh Wochenende.
Er seufzte zufrieden und zog die Schuhe aus. Er wollte barfuss über das
taunasse Gras laufen. Er spürte die Halme an seinen Fusssohlen und fühlte
sich lebendig.
Im Kopf ging er seine Pläne für den heutigen Tag durch, das heisst
eigentlich, seinen Plan... Er hatte nur eines vor: Sich um zehn mit
Daisuke treffen. Er freute sich darauf. Gerade weil er sich einfach
glücklich fühlen, ihm der Sonnenaufgang gefallen oder er einfach lächeln
konnte... Das alles könnte er heute nicht, hätte er nicht den
unvoreingenommenen, offenen, ungestümen Jungen kennen gelernt...
Eine Weile ging er noch gemütlich der Nase nach, als er einmal kurz den
Kopf hob und vielleicht zweihundert Meter weiter Matt und Tai am See
sitzen sah. Offenbar hatten sie so eine Art Picknick dabei.
'Wie hat er Tai dazu gebracht so früh aufzustehen?', fragte sich Ken
grinsend. Aber die Antwort war schon klar. Das Team bekam Matt kaum noch
zu sehen, er war ständig im Studio in letzter Zeit... So früh morgens
war
wohl die einzige Möglichkeit für Tai, sich mit seinem besten Freund
zu
treffen.
"Armer Kerl", murmelte Ken. Er setzte sich wieder in Bewegung, um
die
beiden schnell zu begrüssen. Er folgte dem Weg, der für kurze Zeit
hinter
einigen Bäumen verschwand.
Er äugte um den letzten Baum am Weg und erstarrte, als er die beiden nur
noch einige Schritte entfernt sehen konnte.
Tai hatte sich auf den Rücken gelegt und Matt beugte sich über ihn,
schob
ihm einen Happen von was auch immer sie in dem Korb hatten in den Mund und
küsste ihn darauf zärtlich.
Ken stockte der Atem. Das konnte doch nicht sein... Der Gedanke verschwand
allerdings schnell, er glaubte nicht, jemals eine so liebevolle Berührung
gesehen zu haben. Es sah so sanft aus, so innig.
Die beiden lösten sich und lächelten sich lange an, ehe Matt mit seinem
Finger über Tais Lippen strich. "Mehr?", fragte er leise.
Tai grinste. "Wovon?"
Matt lachte und holte ein weiteres Stück aus dem Korb. "Mund auf.
Sonst
werden wir hier nie fertig."
Tais Gesichtsausdruck verriet, dass ihm das eigentlich egal war...
Matt seufzte. Er wusste selbst, dass er die letzten Wochen zu wenig Zeit
für Tai hatte. "Je eher ich ins Studio komme, um so schneller bin
ich
wieder zurück."
Tai schluckte den Bissen runter und lächelte Matt an. "Das weiss ich
doch.
Es ist ja nicht mehr für ewig. Du hast es bald geschafft."
Matt erwiderte das Lächeln leicht gequält. "Mir fehlt die Zeit
mit dir."
Tai legte seine Hand in Matts Nacken und zog ihn zu sich. "Komm her",
flüsterte er, ehe er seinen Geliebten küsste.
Ken war so fasziniert und überrascht, dass ihm gar nicht auffiel, dass
er
direkt im Sichtfeld der beiden stand, wenn sie denn aufgesehen hätten.
Wieder endete der Kuss und Tai zwinkerte mutmachend. Ohne sich abzuwenden
lachte er plötzlich und meinte laut: "Hallo, Ken." Dann drehte
er den
Kopf.
Der Angesprochene war eben zur Salzsäule erstarrt.
Matt hob ebenso den Kopf und brach in Lachen aus, als er Kens ertappten
Gesichtsausdruck sah.
Nun konnte sich Ken nicht länger beherrschen und lachte auch. Verlegen
meinte er: "Eigentlich wollte ich nur mal kurz hallo sagen..."
Matt und Tai setzten sich auf und Matt antwortete: "Setzt du dich her?"
"Ich... will aber nicht stören...", druckste er.
Tai lachte. "Nun setzt dich endlich."
Ken tat wie ihm geheissen und bekam von Matt gleich eine Portion
hingeschoben. "Sieht lecker aus..."
Tai seufzte und hauchte Matt einen Kuss an den Hals. "Hmm, find ich auch."
Dafür bekam er einen Stoss in die Rippen. "Autsch." Er grinste.
"Lass das, er ist schon rot genug." Im Plauderton zu Ken fuhr er fort:
"Was hast du denn heute noch so vor?"
Ähm... Ich wollte mich mit Daisuke treffen..."
"Aha."
Ken druckste noch einen Moment und zwang schliesslich die Frage, die auf
seiner Zunge lag, auch zwischen seinen Zähnen raus: "Kann ich euch
mal was
fragen?"
"Sicher", Tai zuckte nur die Schultern.
Ken legte sich noch mal die Worte zurecht. "Ähm... Bin ich eigentlich
der
einzige, der hier was nicht mitgekriegt hat?"
Matt lachte leise und Tai grinste einfach. Matt meinte schliesslich:
"Nein, du bist der einzige, DER was mitgekriegt hat."
"Ab... aber warum haltet ihr es denn geheim?"
Tai blinzelte. "Es ist nicht so, dass wir es geheim halten... es ist nur,
dass es sich irgendwie nie ergeben hat..."
"Und wie lange schon?", fragte Ken weiter.
Nun schienen die beiden auch verlegen. Matt hob eine Augenbraue. "Sieben
Jahre."
"Sieben Jahre?? Da wart ihr doch erst elf!"
"Tja...", meinte nun auch Tai.
"Mann... elf", sinnierte Ken vor sich hin.
Matt wandte sich an Tai: "Sag mal... Geht es nur mir so, oder klingt das
mit dem 'es hat sich nie ergeben' wie eine schlechte Ausrede?"
"Irgendwie schon..." Er lächelte leicht. "Wir sind ziemliche
Feiglinge,
nicht?"
Beide kicherten. Die Tatsache schien sie nicht weiter zu stören.
Ken schenkte ihnen einen bewundernden Blick. "Sieben Jahre..." Er
schien
das immer noch nicht ganz verdaut zu haben... Das war noch bevor er die
beiden kennen gelernt hatte, als die zwei Jungs selbst noch in der
Digiwelt waren. "So lange... und ihr seht immer noch so verliebt aus."
Matt grinste breit. "Ich hab nicht vor, es im verflixten siebten Jahr
scherbeln zu lassen."
"Das wär ja noch schöner!", pflichtete Tai ihm nickend bei.
Ken lachte.
Matt schien zufrieden. "Manchmal frage ich mich selbst wie wir zwei
Streithähne es so lange miteinander ausgehalten haben."
Ken legte den Kopf schief. "Ich glaube, ich hab euch nie streiten
sehen..."
Tai lachte wieder. Es gefiel ihm, etwas in der Vergangenheit zu schwelgen.
Das machte richtig Spass. Und ausserdem zeigte es ihm aufs Neue, was er an
Matt hatte. "Das war auch noch vor deiner Zeit, Kleiner."
Kens Blick schweifte etwas zur Seite, er lächelte verträumt.
"Was ist denn?", fragte Tai.
"Hm?", kam zurück. "Oh... Ach, nichts." Er versuchte
seine Abwesenheit
durch ein fröhliches Lächeln zu überspielen. Es wollte ihm nicht
so recht
gelingen und die drei schwiegen sich eine ganze Zeit lang einfach an. Bis
Ken es aufgab und tief seufzte. "Kann... Kann ich euch noch etwas fragen?"
Matt hob eine Augenbraue. Täuschte er sich, oder zitterte die Stimme des
Jungen?
Ken warf schnell noch was ein: "Aber ihr dürft nicht lachen!"
Tai starrte ihn mit offenem Mund an. "Hä?" So ganz schien er
nicht
verstanden zu haben.
Matt hingegen war jetzt bestätigt worden, dass Ken etwas für ihn offenbar
Wichtiges auf dem Herzen hatte. "Natürlich nicht!", meinte er
verständnisvoll. "Was ist denn?"
"Na ja, also... Ich wollte fragen... ob ihr... ich meine..." Genervt
verdrehte er die Augen. 'Kriegst du nicht mal einen Satz ohne Stottern
zustande?!', fragte er sich. Der Gedanke amüsierte ihn schon fast. Er
hielt seine Stirn mit einer Hand, lachte leicht und schüttelte den Kopf.
"Das ist doch blöd!", murmelte er leise und fuhr etwas lauter
fort: "Dabei
seid ihr bestimmt die Letzten, die das nicht verstehen würden." Er
nahm
die Hand weg, wagte aber nicht, aufzusehen.
Während Matt noch über diese Aussage sinnierte, platzte Tai plötzlich
heraus: "Ach du Scheisse! Der Kleine ist schwul!"
"TAI"!, schrie Matt gleich zur Antwort. "Er schüttet uns
sein Herz aus und
du..."
Weiter kam er nicht, Ken unterbrach ihn: "Lass nur, Matt." Er schien
unglaublich erleichtert, was sein heiteres Lachen bestätigte.
Tai war sofort Feuer und Flamme. "Und? Gibt es schone einen Auserwählten?"
Matt wollte ihn gleich wieder in seine Schranken weisen. "Was bist du auch
immer so direkt?"
Ken lächelte. "Aber genau deswegen liebst du ihn, nicht wahr?"
Matt stutzte einen Moment lang und erwiderte das Lächeln. So langsam
begann er das Ganze zu verstehen. Kens Bemerkung klang nach mehr, als nur
nach einer Feststellung. Nein, das klang wie etwas, das aus tiefstem
Herzen kam. Sein Lächeln wurde breiter. "Du bist in Daisuke verliebt,
richtig?"
Ken zuckte unweigerlich etwas zusammen und wurde rot.
Matt kicherte. "Wusste ich's doch." Er warf einen Blick auf Tai. Ja,
er
verstand den jüngeren Jungen sehr gut. Wenn Tai jemandem ähnlich war,
dann
Daisuke. Und wenn er selbst jemandem ähnlich war... so wohl am ehesten
Ken...
Tai blickte zurück und für einen kurzen Moment verloren sie sich in
ihren
Augen. Tai schliesslich brach das seufzend ab und fragte Ken: "Und? Weiss
er schon davon?"
"Um Himmels Willen! Nein!"
Die Antwort kam so plötzlich, dass die anderen beiden leicht lachen
mussten.
Ken fuhr unsicher fort: "Ich meine, was wenn er mich dann nicht mehr sehen
will? Wenn er das krank findet? Wenn er nicht mehr mein Freund sein will?"
Matt blickte überrascht drein - und furchtbar niedlich, fand Tai - und
antwortete prompt: "Davis soll Vorurteile haben? Er weiss ja nicht mal,
wie man das schreibt!" Er schüttelte den Kopf. "Er würde
sich niemals von
dir abwenden und das weißt du! Egal, wie seine Gefühle für dich
sind.
Vielleicht braucht er etwas Zeit, um sich an einen solchen Gedanken zu
gewöhnen, aber er würde nicht seinen besten Freund aufs Spiel setzen.
Das
weißt du genau!"
Ken stockte ob dieser Wortflut. "Aber ich will ihn doch nicht verletzen...
Ich möchte ihn auch nicht verunsichern oder so."
Tai zog die Augenbrauen zusammen. "Aber dafür baust du eure Freundschaft
auf einer Lüge auf? Du musst es ihm sagen!"
"Ich lüge ihn doch nicht an!", gab Ken erschrocken zurück.
"Das würde ich
nie tun! Ich kann... ich kann ihm einfach nicht ganz alles sagen." Er
blickte traurig auf den Boden. "Er war der erste wirkliche Freund, den
ich
hatte. Der einzige, der an mich geglaubt hat." Tränen glitzerten plötzlich
in seinen Augen, als er den nächsten Satz hinausschrie: "Ich würde
es
nicht ertragen, ihn zu verlieren!"
Tai liess sich von dem Schreien nicht beeindrucken. "Ich weiss, dass du
es
ihm sagen willst. Du willst ihn halten und ihn küssen können."
Ken unterbrach ihn: "Hast du eine Ahnung wie hoch die Chancen stehen, dass
er auch... dass er auch... Jungen mag?"
Matt lachte knapp. "Die Digiritter sprengen mit uns dreien sowieso schon
jede Statistik..."
Ken überlegte kurz. Na ja... sie waren zu dritt... und das verteilt auf
12
Jugendliche in der Umgebung... Eigentlich konnte Daisuke genauso gut
auch... Nein! Das durfte er nicht mal denken! Schliesslich war es mehr als
offensichtlich, dass Daisuke in Kari verknallt war... Nur keine falschen
Hoffnungen! Aber dieser Gedanke, ihn tatsächlich eines Tages wie einen
Geliebten halten zu können... Ken seufzte.
"Ich mach dir einen Vorschlag", fuhr Matt schliesslich fort. "Du
gehst die
Sache langsam an. Erzähl ihm erst mal von Tai und mir. Dann siehst du ja,
wie er reagiert." Er warf einen kurzen Blick zu Tai.
Der nickte nur. "Ist doch ein guter Vorschlag", stimmte er zu.
Ken schüttelte den Kopf. "Ich will euch aber nicht in den Rücken
fallen..."
"Tust du nicht", beruhigte ihn Tai. "Wie du sagtest... sieben
Jahre sind
eine lange Zeit. Es ist soweit, mit dem Versteckspiel auf zu hören."
Ken zögerte. "Für euch, oder für mich?"
Seine Gegenüber lächelten ihn an. Matt meinte leise: "Du musst
selber
entscheiden, ob es für dich an der Zeit wäre, oder nicht."
Wieder überlegte der blauhaarige Junge einen Augenblick lang. "Nun...
der
Gedanke, es ihm zu sagen, ist nicht mehr so abwegig, wie vor fünf
Minuten..."
Wieder war Matt es, der ihm antwortete: "Es ist nichts Falsches daran,
wenn Jungs andere Jungs mögen. Das tun viele."
Tai bemerkte, dass er zwar gut geeignet war, Ken aufzuheitern, oder aus
der Reserve zu locken, jedoch nicht, um mit ihm zu diskutieren. Dazu war
Matt Ken weitaus ähnlicher. Er warf einen alibihaften Blick in den
Picknickkorb und meinte schnell: "Ich hol uns noch was zu Trinken. Bin
gleich wieder da." Er stand auf und drückte Matt noch einen liebevollen
Kuss auf den Mund und blickte ihn vielsagend an. Dann verschwand er, als
er sah, dass Matt verstand.
Ken schaute ihm verwundert hinterher. "Das war doch nur ein Vorwand,
oder?"
Matt nickte. "Natürlich." Er seufzte. "Wir sollten reden."
Ken atmete ebenso tief. Jetzt ging's also ans Eingemachte... "Schon klar."
"Fassen wir zusammen", begann Matt. "Du bist in Davis verliebt,
du hast
ihm bisher aber nichts gesagt, obwohl du das eigentlich tun möchtest. Du
hast Angst, er könnte dann nichts mehr mit dir zu tun haben wollen..."
Ken schüttelte den Kopf. "Ihr hattet Recht, das ist Unsinn. Er würde
mein
Freund bleiben. Ich... Ich bin das Problem, nicht er."
"Du bist doch kein Problem. Du hast nur Angst. Ist doch klar."
"Du weißt doch... Und gib mir bitte eine klare Antwort... Du weißt,
wie
direkt Davis ist. Nur mal angenommen, er fühlt so wie ich... Warum hätte
er dann nie etwas gesagt?"
Matt lachte leise. "Vielleicht aus dem selben Grund, wie du? Ich meine,
nur weil er direkt ist, will auch er nicht seinen besten Freund verlieren,
oder?"
Ken verwirrte jetzt noch etwas, ganz deutlich... "Wie kommt es eigentlich,
dass ihr zwei zusammen gekommen seid? Ich meine, dass ihr euch getraut
habt, es überhaupt zu sagen?"
Matt zuckte die Schultern. "Wie gesagt, wir waren erst elf und haben uns
wohl nie so genaue Gedanken gemacht."
"Wie ist es dazu gekommen?"
Matt sinnierte einen Moment lang und lächelte vor sich hin. "Das war...
Du
kennst die Geschichte ja ungefähr... Ich war schon eine ganze Weile in
ihn
verliebt, hab das um so deutlicher gemerkt, bei der Sache mit den
'Liebespfeilen'..." Er lachte.
Ken lachte mit. Ja, er kannte die Geschichte.
Matt fuhr fort: "Dann hab ich nur kurz darauf trotzdem Tai angegriffen,
bloss, weil ich auf einen Kirschbaum gehört hab... Kannst du dir das
vorstellen? Wie dämlich muss man eigentlich sein..." Er senkte den
Kopf
etwas.
Ken hörte ihm gebannt zu. Er selbst war also nicht der einzige mit
Schuldgefühlen...
Matt redete weiter: "Wie dem auch sei, ich konnte ihm darauf kaum noch
in
die Augen sehen, ich dachte, jeder merkt, was ich fühle... Also bin ich
gegangen. Es gab so viele Dinge über die ich nachdenken wollte. Aber
dann... auf dem Spiralberg..." Er stockte. "Ich dachte... er wäre
tot. Ich
hätte mir nie verziehen, wenn..."
Ken nickte verstehend.
Matt schüttelte den Kopf. "Ich meine, dieser kleine, verrückte
Drahtkopf
lag einfach da, ohne sich zu rühren! Ich glaube, das war das erste Mal,
dass ich mir erlaubt habe zu denken, dass ich ihn liebe. Dann hat er die
Augen auf gemacht und mich angelächelt." Matt seufzte. "Du hast
mir
gefehlt, du blöder Kerl... Das hat er gesagt." Er erinnerte sich deutlich,
wie er den anderen Jungen im Arm gehalten hatte... Er hätte beinahe
geweint. Die Tränen hatten wirklich ganz vorne gestanden.
"Was ist dann passiert?"
Matt holt seine Gedanken wieder in die Gegenwart und erzählte weiter:
"Nun... Dann hat es noch ziemlich gedauert, bis ich mich tatsächlich
getraut hab, etwas zu sagen. Wir waren da wieder zu Hause."
"DU hast es ihm gesagt?"
Matt lachte. "Wir beide waren es. Mehr oder weniger... Ich hab ihm dann
gesagt, dass ich ihn sehr gerne habe... Da hat er seinen
verständnislosesten Blick aufgesetzt und gefragt, ob ich meine, einfach
gerne haben, oder gerne haben, dass ich mit ihm gehen wolle."
Ken lachte wieder mit. Er konnte sich das bildlich vorstellen.
"Dann war ich ziemlich erstaunt... und er hat einfach gesagt, dass er
gerne mit mir gehen möchte."
Ken wischte sich Lachtränen aus den Augen. "Das ist... so..."
"Furchtbar süss", beendete der andere ebenso lachend.
"Und wie!"
"Nun, für SO eine Diskussion seid ihr dann wohl schon zu alt."
Ken grinste. "Schade, eigentlich." Noch eine Frage tauchte auf: "Wie
konntet ihr denn mit elf schon wissen, dass ihr Jungs mögt?"
"Wussten wir gar nicht. Nicht so richtig. Wir waren einfach verliebt."
"Das klingt schön."
"War es auch... und ist es noch."
"Sag mal... nach eurem Geständnis... wie ist es da weitergegangen?"
"Hm." Er hob eine Augenbraue. "Willst du wissen, wie schnell
wir zur Sache
gekommen sind?"
"Ääähm... So genau wollte ich es eigentlich nicht wissen."
Wieder ein verständnisvolles Lachen. "Tja, wie ging es weiter... Hm...
Wir
haben einfach so viel wie möglich zusammen unternommen... Eben zusammen
gehen, Händchenhalten und so, wenn's keiner sehen konnte. Nach zwei Wochen
ungefähr meinte Tai mal, er würde mich gerne küssen."
"Was hast du gesagt?"
"Na was wohl. Ich wollte ja auch. Ich hatte davor einfach nicht darüber
nachgedacht. Ich war eigentlich glücklich, so wie es war. Aber küssen..."
Seine Mundwinkel verzogen sich leicht nach oben. "... Das ist wieder eine
ganz andere Welt." Dann lachte er. "Das hätte man filmen sollen.
Es muss
unglaublich ausgesehen haben... Wir haben uns gegen über gesessen, uns
bei
den Händen gehalten, dann die Augen geschlossen und sind uns immer näher
gekommen. Mir ging's irgendwann zu langsam und ich bin nach vorne
gerutscht. Ich glaube, er hat sich im ersten Moment ziemlich erschreckt.
Aber dann war es doch sehr schön."
Ken kicherte bei dem Gedanken an einen überraschten Taichi, mit Matts
Lippen auf den eigenen... "Es ist auch schön, sich an den ersten Kuss
so
deutlich erinnern zu können", meinte er schliesslich.
"Ist es." Matt holte tief Luft. "Sooo, noch mal zu dir, mein
Lieber..."
Ken grinste. "Oje."
"Wirst du es ihm sagen?"
"Schätze, ich hab keine besonders guten Ausreden mehr, oder?"
"Nein", bestätigte der andere fest, auch wenn sein Gesichtsausdruck
zwischen einem leichten Grinsen und einem handfesten Lachanfall schwankte.
"Mach dir keine Sorgen", meinte er darauf etwas ernsthafter. "Er
wird sich
nicht von dir abwenden."
"Das weiss ich. Er ist mein bester Freund. Ich vertraue ihm."
Matt schlug seine Faust in die Handfläche und zeigte darauf mit dem Finger
auf Ken. "Das ist die richtige Einstellung."
Ken lächelte. Er fühlte sich besser. Das war das erste Mal, dass er
überhaupt über seine Gefühle geredet hatte. Das allererste Mal...
"Ich
werde... heute mit ihm reden."
"Na, das ist ein Wort", klang es hinter ihnen. Tai grinste breit und
hob
die Getränke etwas höher, die er besorgt hatte. Er gab Ken eine Dose
und
die zweite Matt - worauf er einen Kuss bekam - die dritte behielt er für
sich.
Ken stand auf. "Ich glaube, ich sollte langsam gehen. Sonst macht sich
Mama noch Sorgen." Er erntete zwei Lächeln.
"Na, dann viel Glück heute", sagte Matt und hob seine Dose hoch.
Ken nickte. "Vielen Dank. Euch beiden." Dann wandte er sich ab.
Tai rief ihn noch mal. "Ach ja... Ken! Versuch nicht, dir irgendwelche
Worte zurechtzulegen. Wenn es soweit ist, hast du sie wieder vergessen...
Glaub mir."
Ken liess sich das durch den Kopf gehen und erkannte, dass da
wahrscheinlich was dran war. Darüber hinaus entschied er, sich so weit
als
möglich daran zu halten. Ganz ohne Zweifel würde Daisuke jede Art
von
Planung ohnehin über den Haufen werfen. Dann nickte er dankend.
Matt und Tai sahen ihm noch hinterher, bis er verschwunden war und
genossen die wenige noch übriggebliebene Zeit zusammen.
'Heute Abend ist er wieder bei mir', dachte sich Tai immer wieder. Matts
Gedanken sahen ähnlich aus, bis zu dem Moment, in dem sie sich küssten...
da waren alle Gedanken weg.
Tai legte Matt zurück und beugte sich über ihn. Plötzlich lächelte
er. "Du
hast ihm von uns erzählt, nicht?"
"Warum? Wirke ich sentimental?"
Tai kicherte. "Ein Bisschen."
Matt hob eine Hand und strich Tai über die Wange. "Ich liebe dich
immer
noch wie wahnsinnig, weisst du..."
Tais Grinsen wurde liebevoll. "Da hast du aber Glück gehabt."
"Ich weiss." Das war Matt ernst. Er wusste, dass er sehr viel Glück
hatte,
dass Tai seine Gefühle erwiderte. Er schlang seine Arme um Tais Hals und
zog ihn zu sich.
Zwischen zwei Küssen flüsterte Tai: "Ich liebe dich auch."
Ken war inzwischen heimgekommen und frühstückte. Es war jetzt neun
durch.
Noch eine Stunde...
Nun, er würde ja nicht gleich mit DEM Thema anfangen... Er konnte das ja
tun, wenn sie eine Weile irgendwas unternommen hatten. Sozusagen als
Henkersmahlzeit. Bei dem Gedanken musste er unwillkürlich grinsen. Es
würde schon nicht so schlimm werden. Davon war er eigentlich schon
ziemlich überzeugt... Aber trotzdem, auch wenn Davis sich nicht von ihm
abwenden würde, es konnte nicht mehr so sein wie davor. Etwas würde
sich
verändern. Nur was?
Er seufzte, räumte seinen Teller weg und trottete gedankenverloren zurück
in sein Zimmer. Seiner Mutter schenkte er noch ein Lächeln und meinte:
"Ich ruh mich noch ein Bisschen aus bis Daisuke kommt. Ich war ja schon
ziemlich früh wach."
"Natürlich, mein Liebling", erwiderte diese. Sie freute sich
immer über
den Besuch des lebendigen Jungen. Ken blühte in seiner Gegenwart so auf...
"Ihr seid dann den ganzen Tag unterwegs?", fragte sich noch nach.
Ken nickte. "Davis meinte, wir sollten mal einfach abhängen. Vielleicht
kommen wir am Nachmittag noch mal her, ich weiss noch nicht." Aber er
würde versuchen, ihn zu überreden. Er dachte bei sich, dass es ihm
leichter fallen würde, bei sich im Zimmer mit ihm zu sprechen. Da hatte
er
seine Ruhe.
Seine Mutter nickte und wandte sich wieder ab.
Ken schloss die Türe hinter sich und setzte sich auf sein Hochbett. Nach
einer Weile legte er sich zurück und hing seinen Gedanken nach. Er hatte
alle Mühe, sich eben nicht Gedanken darüber zu machen, was er Davis
sagen
würde... Irgendwann döste er mit dem Bild seines Freundes ein, dem
Jungen,
der ihn trotz allem was geschehen war, als seinen besten Freund
bezeichnete.
Geweckt wurde er ziemlich unsanft vom unangenehmen Klingelton der
Türglocke. Sofort schoss er hoch und schwang sich von seinem Bett. Er
schlug die Zimmertüre regelrecht auf und blieb einen Augenblick vor dem
Eingang stehen, um Luft zu schnappen. Dann öffnete er auch diese Türe.
Davor stand wie erwartet Davis und lachte ihn an. "Hallo, Ken. Bist du
soweit?"
"Klar", kam die Antwort. Er packte sich seine Jacke und etwas Geld
und
rief noch in die Wohnung hinein: "Wir sind weg!" Dann schloss er die
Türe
auch schon.
Bis etwa um drei waren die beiden unterwegs, waren im Park, auf dem
Rummelplatz, Essen gegangen (wo Ken sich erinnerte, wie Matt Tai gefüttert
hatte und sich zusammenreissen musste, nicht hochrot anzulaufen) und
einfach durch die Gegend gelaufen.
Jetzt sass Davis auf Kens Bett und wartete auf seinen Freund, der etwas zu
Trinken holen ging.
Dieser trat auch gleich darauf wieder lächelnd durch die Türe und
hatte
zwei Getränke in der Hand. Er kletterte ebenso hinauf und reichte Davis
eines davon.
Lange sassen sie so da und unterhielten sich... eher harmlos, bis Ken
entschied, dass es an der Zeit wäre, zumindest ein Bisschen die Richtung
des Gesprächs zu wechseln... Er würde einfach nur langsam heranschleichen
und konnte sich ja notfalls schnell wieder zurückziehen. "Du, sag
mal,
Davis...", begann er leise, fast etwas zu leise.
Davis blickte verwundert auf, etwas klang anders. "Was denn?" fragte
er.
"Ähm... Ich hab heute morgen Matt und Tai im Park getroffen..."
"Ehrlich?", Davis schien begeistert. "Wie geht's ihnen denn?"
Ken schrak etwas hoch bei Davis 'Ausbruch' und lächelte leicht. Das liebte
er so an dem Jungen, er konnte sich begeistern. Er fuhr dann aber fort:
"Es... geht ihnen gut. Aber, Davis...?"
"Hm?"
"Hast du... hast du gewusst, dass die beiden zusammen sind?" Er wusste,
dass die Frage albern war. Sie hatten doch selbst gesagt, dass niemand
davon wusste. Er blickte unsicher hoch, erwartete eine Reaktion, die erst
mal ausblieb.
Davis blinzelte verwirrt. "Wie jetzt? Was meinst du mit zusammen?"
Ken hob die Schultern. "Na, eben zusammen. Ein Paar."
Der andere brauchte einen Augenblick, um die Aussage zu verdauen. "WAS??"
Ken zuckte erneut zusammen. Das klang nicht gut. Das klang gar nicht gut.
Davis bemerkte es nicht. "Mann! Das ist ja irre!" Er schien eigentlich
gar
nicht wütend oder enttäuscht, bloss erstaunt. "Und du bist sicher?"
Kens Gesicht erhellte sich etwas. "Ich schätze, wenn sie sich gegenseitig
füttern und dann küssen, ist das ziemlich eindeutig. Ausserdem haben
sie
es gesagt."
"Du hast mit ihnen geredet? Echt? Wow!" Davis lachte plötzlich,
nachdem er
sich gefasst hatte. "Also, das hätte ich echt nicht gedacht. Ist ja
ein
Ding!" Er lachte weiter. "Matt und Tai... Wenn das meine Schwester
mitkriegt!" Bei dem Gedanken lachte er noch lauter.
Ken lachte unweigerlich mit. Aber das Bild einer vor Eifersucht rasenden
Jun war zu komisch. "Das macht dir nichts aus?"
Davis schien nicht gleich zu verstehen. "Hä...? Ach so! Nö, wieso
sollte
es?"
Ken zuckte erleichtert die Schultern. "Nur so." Seine Augen leuchteten
fast unmerklich. Davis' Worte rissen ihn aus seinen Gedanken.
"Ken?"
"Hm? Was ist?"
"Warst du... auch schon mal verliebt?"
Ken spürte plötzlich einen tonnenschweren Kloss im Hals. Vergeblich
schluckte er, der Kloss blieb. Er nickte nur gepresst.
"Dann warst du schon mit jemandem zusammen?"
Ken blickte erstaunt auf. "Nein... Ich doch nicht."
"Was soll das denn heissen? Du doch nicht? Ich glaube, du hast keine
Ahnung, wie beliebt du immer warst!"
"Ja... Vielleicht. Aber du hast mich doch gekannt. Ich wollte nie
jemanden... Und seit du mich kennen gelernt hast, war ich doch nie mit
jemandem zusammen, oder?"
Davis schüttelte den Kopf. "Ich hab dich jedenfalls nie mit jemandem
gesehen", murmelte er kleinlaut.
Ken lachte leise. "Das hätte ich dir doch gesagt."
Mit leuchtenden Augen blickte Davis auf. "Echt?"
Ken lachte immer noch. "Natürlich. Hey, was hast du denn gedacht?"
Verlegen zuckte er die Schultern. "Ich bin froh, dass du mein bester
Freund bist", sagte er leise, fast flüsternd.
"Ich auch, Davis... Ich auch."
Eine Zeit lang sahen sie sich einfach in die Augen und waren glücklich.
Davis schliesslich druckste wieder herum: "Sag... Hast du auch... noch
nie
jemanden geküsst?"
Ken blinzelte. Das lief ja besser, als erwartet. Sie schienen jetzt beide
am gleichen Thema angelangt zu sein. Er schüttelte den Kopf. "Nein.
Du?"
Wieder ein Kopfschütteln. "Ausser...", warf er ein, "einmal
im
Kindergarten, aber das zählt nicht. Das war eine dumme Gans, aber sie hat
mir eine Tüte Gummibärchen versprochen, wenn..."
Ken warf sich zurück und lachte laus los.
"Das ist nicht komisch!", protestierte Davis, lachte aber auch. Mit
wildem
Kampfegeschrei warf er sich auf Ken und begann, ihn zu kitzeln.
"Aufhören! Gnade!", prustete Ken, schlug dann aber mit einer
ebenso
effektiven Kitzelattacke zurück.
Plötzlich hielten beide heftig atmend inne, als sie bemerkten, dass sie
eng in einander verschlungen auf dem Bett lagen, und setzten sich wieder
auf. Verschämt senkten sie den Blick.
Ken musste dann weiterreden. Sein Herz stand kurz vor dem Platzen.
"Wüsstest du auch gerne... wie es ist, jemanden zu küssen?"
Davis nickte unsicher. Irgendetwas in seinem Bauch schlug gerade
Purzelbäume und er wunderte sich, dass er nicht zitterte wie verrückt.
"Wollen wir... ich meine..." Ken wusste nicht, wie weiter.
Davis nickte heftig. "Wir könnten doch... Nur so zum Spass..."
Diesmal ein wackliges Nicken von Ken. Das war zwar eigentlich nicht ganz
so, wie er sich das gedacht hatte... Aber Tai meinte ja, er solle nicht
planen... Und, egal was dann kam, er würde doch etwas haben, an das er
sich erinnern konnte. Schüchtern rutschte er näher an Davis heran.
Davis kam ebenso etwas näher. Sein Herz schlug so laut, dass er dachte,
man müsste es bis nach Schottland hören können. In seinem Bauch
wurde
inzwischen Salsa getanzt und das brachte ihn nun auch äusserlich zum
zittern.
Ken legte sachte seine Hände um Davis' Hüfte und sah ihm in die Augen,
ehe
er langsam sein Gesicht zu dessen senkte. Seine Augen waren halb
geschlossen.
Davis schloss seine Augen ganz. Dann spürte er die warme, schüchterne
Berührung von Kens Lippen auf seinen. Er erwiderte den süssen Kuss.
Eigentlich hätten sie ja jetzt gewusst, wie es denn nun war, jemanden zu
küssen. Aber beide wollten noch nicht abbrechen.
Kens Arme umschlangen Davis' Taille, als Davis seine Hände anhob und sie
zärtlich um Kens Gesicht legte.
Ken glaubte, den Verstand zu verlieren und nur durch diesen Mund auf
seinem gerettet zu werden. Er liebte Davis... so sehr. Ihm wären vor Glück
fast die Tränen gekommen, als er spürte, wie sich Davis' Zunge sanft
gegen
seine Lippen presste. Enthusiastisch öffnete er seinen Mund und gewährte
ihr Einlass, begann auch gleich mit ihr zu spielen.
Lange küssten sie sich, erforschten den Mund des anderen, der sich so warm
und gut anfühlte... Es war so unbeschreiblich schön... Und merkwürdig
vertraut.
Aber auch solche Momente enden irgendwann... Sie lösten ihre Lippen
voneinander, sich immer noch in den Armen behaltend. Sie starrten sich
einfach ausser Atem an, nicht gewillt, die Magie in der Luft zu brechen.
Ken schossen all die Bilder von heute morgen durch den Kopf. Den Kuss, den
er gesehen hatte... Er hatte ja selbst gedacht, dass es wundervoll sein
musste... Aber so... so stark... Dann das Bild von Matt, wie er sich von
Tai löste... Ohne es zu merken flüsterte Ken: "Mehr?"
Davis lächelte. Kein wirklich ausgereiftes Lächeln, dazu schwebte
er noch
viel zu weit weg. Er nickte, klammerte seine Arme um Kens Hals und küsste
ihn energisch auf den Mund.
Ken erwiderte sofort. Er drückte seinen besten Freund fester an sich,
realisierte kaum, wie er ihn langsam nach hinten legte und sich über ihn
beugte. Eine seiner Hände suchte sich ihren Weg unter Davis' T-Shirt und
streichelte sanft die weiche Haut darunter.
Davis seufzte wohlig.
Das schickte einen dunklen Gedanken durch Ken hindurch. Mein Gott! Es
sollte doch nur ein Spass sein! Er konnte doch den Jungen nicht so
überrumpeln, auch wenn - oder gerade weil - er ihn über alles liebte...
Er
musste es ihm sagen! Er musste ihm sagen, dass es für ihn nicht bloss ein
Spiel war... Es schmerzte ihn, sich langsam von Daisuke zu lösen.
Dieser öffnete verträumt die Augen und blickte in Kens besorgtes Gesicht.
Ken seufzte laut und hatte somit Davis' volle Aufmerksamkeit. "Davis...
ich..." Er kniff die Augen zusammen. "Das ist... Es ist nicht bloss
ein
Spass für mich", presste er hinaus. Er riss die Augen wieder auf und
starrte in Davis'. Was jetzt? Was würde er sagen?
Davis hob eine Hand und strich über Kens Wange. Dann lächelte er.
"Dummerchen", flüsterte er liebevoll. "Glaubst du, ich hätte
dich nur so
zum Spass SO geküsst?"
Mit den Worten brach mit einem Mal der ganze Moment aus Ken heraus. Die
ganze Anspannung, Angst, Liebe, Nervosität, Hoffnung... Er begann zu
lachen und weinen, die Tränen liefen unaufhaltsam über seine Wangen.
Er
klammerte sich an Davis und verbarg sein Gesicht an dessen Halsbeuge.
Leise schluchzte er: "Ich liebe dich, Davis."
Davis konnte ein paar Tränen nun auch nicht mehr zurückhalten. Er
strich
seinem Freund sanft über den Rücken. "Ich dich auch, Ken-chan."
Kurz darauf kam Kens Mutter vom Einkaufen zurück. Sie sah Kens und Davis'
Schuhe im Eingang stehen und lächelte. Also hatte sie doch richtig
gedacht, als sie einen Kuchen gekauft hatte. Sie war nicht mehr dazu
gekommen, selbst einen zu backen.
Sie brachte die Lebensmittel in die Küche und wollte darauf die Jungs
fragen, ob sie Lust auf etwas Kuchen hatten. Bei Davis war sie sich da
eigentlich ziemlich sicher. Sie öffnete die Türe zu Kens Zimmer. "Ken,
möchtet ihr..." Sie erstarrte für einen Augenblick, als sie sah,
dass die
Jungen eng umschlungen auf Kens Bett sassen und sich innig küssten.
Natürlich schreckten die beiden sofort auf, als sie Kens Mutter hörten,
aber nicht schnell genug, als dass sie es nicht mehr gesehen hätte.
"Mama...", brachte Ken erschrocken heraus.
Diese kicherte jetzt bei den erschrockenen Gesichtern leicht - nicht, dass
sie selbst weniger erschrocken gewesen wäre. "Hui!", war ihr
erster
Kommentar.
Die Jungs liefen nun rot an. Die Situation war peinlich genug und da fand
es Kens Mutter auch noch lustig.
Ken lachte schliesslich leise. Lieber so, als ein Aufstand. Er kuschelte
sich wieder etwas näher an Davis, da er ja zuvor weggerutscht war.
Frau Ichijoji fuhr schliesslich fort: "Ich wollte eigentlich fragen, ob
ihr Lust auf ein Stück Kuchen habt..."
Und, egal in welcher Lebenslage, bei der Nennung von etwas Essbarem läutet
bei Davis ein Signalhorn. "Kuchen?"
Ken lachte laut und knuddelte seinen Koi noch etwas fester.
"Entschuldige, Ken-chan."
Dieser schüttelte den Kopf und küsste sanft Davis' Wange. Danach wandte
er
sich an seine Mutter: "Ich glaube wir hätten gerne etwas Kuchen."
Frau Ichijoji grinste breit und warf einen prüfenden Blick auf Davis. "So
als Quasi-Schwiegersohn hab ich ihn noch nie betrachtet... Gute Wahl, Ken.
Er ist gar nicht mal schlecht gebaut für sein Alter." Damit verliess
sie
das Zimmer.
Davis wurde nun WIRKLICH rot und Ken meinte nachdenklich: "So kenne ich
sie ja gar nicht." Aber offensichtlich freute sie sich für ihn und
mochte
Davis gerne. Er lächelte erleichtert und glücklich.
Davis seufzte. "Ich will mir gar nicht erst vorstellen, wie die bei mir
zu
Hause reagieren werden..."
Ken lachte wieder leise. "Das wird schon, keine Angst."
"Ich hab ja nicht wirklich Angst oder so... Meine Schwester wird
ausflippen... Und meine Eltern... Na ja..." Dann lächelte er auch
und
legte seinen Kopf auf Kens Schulter. "Was soll's."
Ken strich ihm durch die Haare. "Ich muss mich wohl noch bei Matt und Tai
bedanken..."
Davis grinste. "Sag bloss, du hast dir bei denen Rat geholt."
Ken wurde rot um die Nase. "Na ja... ein Bisschen."
Davis kicherte. "Dann werd ich mich auch noch bei ihnen bedanken."
Eine halbe Stunde später sass Davis am Telefon und diskutierte heftig mit
seiner Mutter am anderen Ende der Leitung.
"Nein, Mama... Natürlich, Mama..."
Ken hockte neben ihm am Boden und schaute ihn mit hoffnungsvollen Augen
an, während seine Mutter aus der Küche lugte und wissend lächelte.
"Also, wirklich! Ich bin kein kleines Kind mehr!", protestierte Davis
und
liess vor seinem geistigen Auge die Reaktion seiner Mutter ablaufen, die
gefolgt wäre, hätte er ihr seine "Reife" durch eine illustre
Erzählung
seiner Erlebnisse heute Nachmittag verdeutlicht... Er tat den Gedanken als
selbstmörderisch ab. Immerhin wollte er ja seine Mutter gerade überzeugen,
dass es doch kein Problem wäre, heute bei Ken zu übernachten. Er maulte
weiter: "Ja, Mama. Ich mache meine Hausaufgaben. Ken hilft mir auch
dabei... Nein, er wird sie NICHT für mich machen! ... Was soll das
heissen, dann hätte ich einmal eine gute Note?!", donnerte er.
Ken kicherte.
"Ja, Mama, ich werd morgen früh auch pünktlich losgehen... Nein,
Ken hat
morgen keine Schule... Nein, ich werde ihn nicht zu früh wecken...
Meinetwegen schleiche ich mich am Morgen aus seinem Zimmer, um ihn nicht
in seinem Intelligenzschlaf zu stören!" Davis schüttelte den
Kopf. Als ob
seine Mutter fürchten würde, Ken könnte schlecht in der Schule
werden,
bloss weil er bei ihm war.
Ken stand auf und deutete Davis, ihm mal den Hörer zu geben.
"Mama, warte mal... Ken will mit dir reden." Erleichtert reichte er
den
Hörer weiter.
Ken handelte Davis' Mutter wesentlich souveräner... "Aber nein, das
ist
doch gar kein Problem. Ich freue mich doch, wenn er hier ist... Ich bitte
Sie, aber nicht doch..."
Das Gespräch dauerte nun gerade noch 23 Sekunden und Ken hatte über
die
mütterliche Sorge gesiegt.
"Aber selbstverständlich. Einen schönen Abend wünsche ich
Ihnen noch. Auf
Wiedersehen." Er hängte auf und suchte Davis' Blick.
Dieser schüttelte anerkennend den Kopf. "Sag, dass du bei mir einziehst",
lachte er schliesslich.
Ken lachte mit und nickte zur Küche. "Da hätte wohl jemand entschieden
was
dagegen..."
Auf Kommando schaute seine Mutter heraus. "Ist deine Mutter einverstanden,
Davis?"
Davis nickte lächelnd. "Ja. Und nochmals vielen Dank..." Er wusste
nicht
so recht wofür... Dafür, dass er hier schlafen konnte? Dafür
dass sie es
so gut aufgenommen hatte? Er seufzte und fuhr immer noch lächelnd fort:
"Für alles."
Frau Ichijoji nickte fröhlich. "Du tust Ken gut", meinte sie
nur und
bereitete weiter das Abendessen zu. "Ihr Jungs habt noch etwa zehn Minuten
für euch..." Sie zwinkerte über ihre Schulter.
Die beiden lachten und verschwanden wieder in Kens Zimmer.
Frau Ichijoji blieb nachdenklich in der Küche zurück. Ken war tatsächlich
verliebt... Ihr Junge, der immer so verschlossen gewesen war... Verliebt.
Sie wischte sich eine kleine Glücksträne aus den Augen. So lange hatte
sie
befürchtet, ihr kleiner Junge würde niemanden an sich heran lassen.
Tat er
auch nicht... bis... Nun, der Zeitpunkt hatte einen Namen: Daisuke.
Am nächsten Morgen stand Ken in seinem Pyjama an der Wohnungstüre
und
verabschiedete Daisuke, der sich nur mit sichtbarem Widerwillen in die
Schule schicken liess... Er klammerte seine Arme um Kens Hals.
Ken beschwichtigte ihn, obwohl auch er seinen Liebling lieber bei sich
behalten hätte. "Wir sehen uns ja am Nachmittag wieder. Du kommst
gleich
nach der Schule wieder her und wir haben das ganze Wochenende nur für
uns."
Davis nickte hektisch und drückte Ken einen heftigen Kuss auf die Lippen.
Der wurde schnell zu einem leidenschaftlichen Zungenkuss, an dem Ken
massgeblich mitbeteiligt war...
Mit einem ziemlich geräuschvollen Schmatzer liessen sie schliesslich von
einander.
"Ich liebe dich, Ken", hauchte Davis noch, ehe er ihm ein kleines
Küsschen
auf die Lippen streifte. Dann drehte er sich um und rannte zum Fahrstuhl.
"Ich liebe dich auch!", rief ihm Ken hinterher und ignorierte einfach,
dass ihn die Nachbarn hätten hören können.
Davis strahlte ihn ob dieser Liebesbezeugung an und trat mit einem fast
schmerzvollen Lächeln in den Fahrstuhl, der sich mit einem leisen
"Ping"-Geräusch bemerkbar machte.
Ken blieb einen ziemlich langen Augenblick lang stehen und sah auf die
geschlossene Fahrstuhltüre, als er auf der Schulter angetippt wurde. Er
drehte sich zu seiner Mutter und lächelte sie an.
Sie setzte ein ernstes Gesicht auf. "Dass ihr seiner Mutter nicht gesagt
habt, dass ich und dein Vater heute Abend gar nicht da sind war nicht sehr
nett..."
"Ach komm schon...", bettelte er und grinste sie breit an. Das Verhältnis
zu seiner Mutter war richtig locker geworden in letzter Zeit, er mochte
das. "Er wäre sonst das ganze Wochenende mit seiner nervenden Schwester
alleine. Das können wir ihm doch nicht antun", fügte er mit gespielt
empörtem Tonfall an, während er die Türe schloss.
Seine Mutter kicherte. "Nun, ihr kennt ja meine Bedingung. Er redet mit
seinen Eltern, sobald das Wochenende vorbei ist."
"Versprochen."
Und auch Davis hatte dieses Versprechen, wenn auch nicht so begeistert,
gegeben. Ken verstand das gut. Er hätte ja auch nicht so recht gewusst,
wie seinen Eltern beibringen, dass er einen Freund hatte... Sein Vater
wusste auch noch nichts davon. Aber seine Mutter hatte gemeint, dass sie
damit noch ein paar Tage warten sollten, da sein Vater an einem wichtigen
Projekt arbeitete. Gnadenfrist...
Am Abend gegen sieben Uhr sass Davis in Kens Schlafzimmer, während dieser
im Flur stand und seine Mutter verabschiedete, die von seinem Vater
bereits im Auto erwartet wurde.
Sie drückte ihn an sich. "Also, dann habt einen schönen Abend,
ihr zwei."
"Werden wir. Danke, Mama."
"Es wird wahrscheinlich spät werden..."
"Ich weiss doch. Kein Problem." Ken hustete.
"Hast du dich erkältet?", fragte seine Mutter, sofort alarmiert.
"Nein", beruhigte sie Ken lächelnd. "Ich hab nur etwas Halsschmerzen.
Geht
bald wieder weg."
Sie wuschelte ihm liebevoll durch die Haare und holte ein Geschenk hinter
ihrem Rücken hervor. "Hier. Falls ihr es mal braucht..."
Ken nahm es entgegen. "Was ist das?", fragte er und hob den Deckel
an.
Sofort schoss ihm die Röte ins Gesicht. "Mama!", rief er aus.
"Man weiss ja nie...", grinste sie.
"Ich hab doch nicht vor, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit über
ihn her zu fallen!"
Sie kicherte. "Natürlich nicht. Nur für den Fall..." Sie
drückte ihm einen
Kuss auf die Wange. "Bis dann."
Ken nickte verwirrt. "Ja... Bis dann."
Dann schloss sich die Türe und Ken brauchte eine ziemliche Weile, bis er
sich aus seiner Starre lösen konnte. Er betrat sein Zimmer.
Davis sass auf dem Bett. "Was war denn? Du hast geschrieen...?"
Ken starrte immer noch ungläubig auf die Schachtel, die er in den Händen
hielt. Schliesslich kletterte er zu Davis hinauf und reichte ihm das
Geschenk.
Davis nahm es verwundert ab und öffnete den Deckel. Seine Augen wurden
tellergross.
Ken machte eine merkwürdige Kopfbewegung irgendwo zwischen einem Nicken
und einem Kopfschütteln. Er verwarf die Hände und liess sich rückwärts
fallen. Schliesslich rief er los: "Meine Mutter schenkt uns Kondome und
Gleitmittel! Das darf doch einfach nicht wahr sein!"
Davis machte den Mund auf und zu, wusste allerdings nicht, was er hätte
sagen sollen, also schloss er ihn wieder. Er glotzte in die Schachtel und
grinste plötzlich, er fing an, darin herumzuwühlen, nahm ein keines
Briefchen heraus. "Erdbeere...", begann er, "Kiwi... Vanille..."
Ken prustete los und setzte sich auf neben Davis. "Echt? Zeig mal her."
Er
griff ebenso hinein. "Oh... Minze, Banane, Schokolade... Wer stellt so
was
her? Die Dinger sind ja nicht zu Essen!"
Davis war zu beschäftigt beim Wühlen und nahm die Tube raus. "Kirsche?
Bäh! Ich hasse Kirsche!"
Ken kicherte, fischte nach noch einem. "Caramel... Ich glaub, ich hab
Hunger."
Davis blickte auf. "Jetzt, wo du's sagst..."
"Meine Mutter hat uns was im Kühlschrank bereit gestellt." Er
lehnte sich
zu Davis. "Aber zuerst..." Er beugte sich weiter vor und begann, Davis
zu
küssen.
Innerhalb kürzester Zeit wurden die Küsse leidenschaftlicher, die
Jungen
glitten mit ihren Händen langsam unter das Shirt des anderen...
Davis seufzte laut, als Ken mit seinen Lippen an seinen Hals rutschte.
Dann grinste er. "Sag bloss, du hast vor, die Kiste an einem Tag zu
leeren."
Ken lachte leise, hörte aber nicht mit seinen Liebkosungen auf. Zwischen
zwei Küsschen murmelte er aus Davis' Halsbeuge heraus: "Och... Nicht
unbedingt die GANZE Kiste..."
Davis seufzte erneut. Von Kens Berührungen und Küsse strahlte eine
solche
Wärme durch seinen Körper... Er liebte Ken, mit all seiner Kraft und
hatte
bestimmt nichts dagegen, wenn er ihm noch näher sein könnte... Trotzdem
fragte er: "Glaubst du, wir sind soweit?"
Ken löste sich etwas und schaute in Davis' Augen. So ernst hatte er das
gar nicht gemeint. Aber der Gedanke daran schickte ihm wohlige Schauer
über den Rücken. "Ich weiss nicht", antwortete er wahrheitsgemäss.
"Ich
möchte von dir berührt werden, noch mehr berührt werden... Ich
weiss nur
nicht, wie weit wir gehen sollten..."
Davis lächelte und schüttelte verliebt den Kopf. "Weißt
du, seit ich dich
zum ersten Mal getroffen habe, habe ich dieses Band zwischen uns
gespürt... Dann wurdest du mein Partner, mein bester Freund. Und jetzt
liebe ich dich wirklich über alles. Lass uns einfach sehen, wie weit wir
gehen wollen..."
Ken erwiderte das Lächeln und nickte. Seine Augen wurde aber plötzlich
nachdenklich.
"Was ist denn?", fragte Daisuke.
Ken senkte den Blick. "Wie kommt es eigentlich, dass du mir immer vertraut
hast? Selbst, als ich es nicht konnte?"
Davis zuckte die Schultern. "Ich weiss nicht. Ich wusste nur, dass du zu
uns gehörst, zu mir."
"Aber das mit der Saat der Dunkelheit, und..."
Davis unterbrach ihn: "Und der ganze Müll... Ja, ja..." Er seufzte
tief.
"Ich hab mal über das mit dieser Saat nachgedacht. Und weisst du was?
Das
ist alles Humbug! Die haben dich einfach reingelegt. Jeder hat etwas
Dunkles in sich. Jeder. Und als dein Bruder starb warst du eben sehr
verletzlich und das haben die ausgenutzt. Ganz einfach. Mach dich deswegen
nicht verrückt. Du bist nicht eine Gefahr oder so, bloss weil man dir
gesagt hast, du hast diese blöde Saat in dir. Ich hab sie auch, na und?
Ich werde sie einfach nicht gewinnen lassen, und du hast das auch nicht!"
"Doch hab ich!", protestierte Ken.
Davis legte beide Hände um Kens Gesicht. "Sieh mich an! Wer hat gewonnen?"
Ken blinzelte verwirrt. Konnte das sein? Jeder hatte die Saat der
Dunkelheit in sich? Natürlich hat jeder eine dunkle Seite, aber... Hatte
Davis recht?
Davis lächelte. "Na, siehst du?" Er senkte den Kopf etwas. "Ich
weiss
schon... Ich bin nicht gerade die Intelligenzbestie, aber diesmal bin ich
mir absolut sicher."
Ken lief eine Träne über die Wange. Davis hatte Recht. Sein kleiner
Freund
hatte Recht. "Du bist sehr viel intelligenter, als ich", hauchte er
heiser.
Davis lachte nur leicht. "Unsinn. Ich hab mir nur überlegt, was du
gesagt
hättest, wenn es umgekehrt gewesen wäre. Ich denke, wenn es nicht
dich
getroffen hätte, hättest du dir auch Gedanken machen können,
ohne vor
diesem Gefühl Angst zu haben."
Ken lächelte. Davis klang richtig erwachsen. Er seufzte. "Tut mir
leid,
wenn ich die Stimmung versaut hab..."
Davis grinste anzüglich. "Welche denn? Diese...?" Er beugte sich
vor und
zog Ken zu einem Kuss an sich.
Kens anfängliches Lachen erstickte an dem fordernden Kuss und spätestens,
als er eine warme Hand unter seinem Shirt seine Wirbelsäule entlang
wandern spürte, waren alle dunklen Gedanken weg. Er begann, die
Liebkosungen zu erwidern, rutschte mit flinken Fingern unter Davis' Shirt
und zog es ihm schliesslich ungeduldig über den Kopf.
Davis machte es ihm nach und drückte ihn darauf fest an sich. Er fühlte
die Wärme und die weiche Haut auf seinem Oberkörper. Mit einer Hand
glitt
er tiefer, bis an den Bund von Kens Hose. Er löste den Kuss für einen
Moment, um Ken in die Augen blicken zu können.
Ken nickte nur hektisch und zog seinen Geliebten wieder heran. Mit beiden
Händen griff er nach Davis' Hintern und drückte ihn fester an sich.
Davis brachte nur ein gepresstes "uhm" heraus, da fühlte er auch
schon
Kens Mund an seinem Hals.
>Ich kann deinen Herzschlag spüren.<
Zwei Stunden später standen beide in Bademänteln in der Küche
und wärmten
das Essen auf, das ihnen Kens Mutter bereitgestellt hatte.
Davis lehnte sich gegen Ken und zwinkerte ihm zu. "So ein Mist, jetzt
haben wir immer noch keins dieser lustigen, bunten Dinger gebraucht..."
Ken lachte. "Was nicht ist, kann noch werden. Die Nacht ist noch jung..."
Davis Grinsen wurde zu einem zärtlichen Lächeln, als er Ken die Arme
um
den Hals schlang. "Es war sehr schön, Ken", flüsterte er.
Ken nickte und umarmte ihn ebenso. "Ja, wunderschön." Er setzte
gerade zu
einem Kuss an, als die Mikrowelle anzeigte, dass das Essen fertig war. Er
seufzte. "Hunger?"
Davis lachte. "Ich bin am Verhungern."
"Wir hatten's ja auch streng..."
Davis holte zwei Teller aus dem Schrank und fragte: "Sag mal, Ken, können
wir noch Tee kochen?"
Ken nickte. "Ja klar."
"Ich hab irgendwie Halsschmerzen."
"Was denn? Du auch?"
Davis wehrte gleich ab. "Ist nicht schlimm."
Ken setzte Wasser auf. "Ich hab auch schon die ganze Zeit so ein blödes
Kratzen im Hals. Hoffentlich hab ich dich nicht angesteckt."
"Och... Dann brauchen wir eben viel Bettruhe..." Davis grinste.
"Können wir das mit der Ruhe weglassen?"
Beide lachten, ehe sie wieder in einem tiefen Kuss versanken.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich dazu durchringen konnten, sich
doch noch zu lösen. Das Essen war mittlerweile bestenfalls noch lauwarm...
Und da sie sich gegenseitig fütterten und sich sowieso mehr küssten
als zu
essen, war es bis zuletzt kalt.
Der Videofilm, den sie sich ausgeliehen hatten, blieb unberührt. Ebenso
die Spielkonsole. Die beiden Jungen waren aus der Küche direkt wieder ins
Schlafzimmer gesteuert.
Unwillkürlich landeten sie erneut auf dem Bett. Sie erforschten sanft und
geduldig den Körper des anderen, geübt von den Liebespielen davor.
Vor dem Fenster wurde es dunkel. Die Lichter von der Strasse her
zeichneten Muster durch die Scheibe hindurch auf die Körper der Liebenden,
brachte den Schweiss auf den zitternden Jungen zum Schillern.
Ken bewegte sich von dieser Welt losgelöst über Davis, lauschte seinem
Stöhnen und dem erregten Rufen seines Namens.
"Ken, ich liebe dich. So... so sehr. Ken... Ken..."
"Ich liebe dich auch, Davis. Es ist so schön... so wahnsinnig schön..."
Kens Bewegungen wurden erneut schneller, als er spürte, wie sich Davis
um
ihn zusammenzog. "Ich... Davis!", keuchte er.
"Oh, ja, Ken! Ken! Ja!"
Dann hörte die Zeit in einem heiseren Schrei auf zu existieren. Nur für
einen Moment... Der süsseste Augenblick.
Ken war schweratmend über Davis zusammengebrochen. Er keuchte und schlang
seine Arme um Davis, als er dessen Hände fest an seinem Rücken spürte.
Davis traute sich erst langsam, die Augen wieder zu öffnen. Er blickte
geradewegs in Kens.
Dann lächelten sie sich an.
Ken strich Davis liebevoll über die Wangen. "Du bist wunderschön.
Weisst
du das?"
Davis errötete leicht, mehr konnte man in der Dunkelheit des Zimmers nicht
erkennen. "Danke", murmelte er verlegen. "Aber für mich
bist du der
wundervollste Mensch, den ich je gesehen habe." Sein Gesicht verriet, wie
ernst es ihm war.
Ken schniefte gerührt.
Davis erkannte in den Augen über sich eine kleine Träne, die sich
losgelöst hatte. Er hob lächelnd eine Hand und wischte sie zärtlich
weg.
"Ich liebe dich über alles, Ken."
"Ich liebe dich auch, mein Davis." Langsam rappelte er sich von seinem
Geliebten und legte sich nahe neben ihn, nahm ihn in die Arme.
Davis schmiegte sich noch immer lächelnd an ihn.
Bald waren sie eingeschlafen.
Ken wurde von einem ekelhaften Schmerz im Hals geweckt. Er bewegte sich
unruhig und schluckte einmal. Der Schmerz blieb. 'So ein Mist!', schimpfte
er stumm. Er rappelte sich etwas auf und sah aus dem Fenster. Die Sonne
war eben erst aufgegangen.
Sein Blick fiel auf Davis, der mit geschlossenen Augen neben ihm
schlummerte.
Ken musste lächeln. Er sah so süss aus, so unschuldig... Nun, das
mit dem
unschuldig sollte man besser noch einmal überdenken. Er grinste. Dann
beugte er sich vor und berührte sanft mit den Lippen Davis Stirn... und
schrak zurück. Alarmiert legte er diesmal eine Hand darauf und begann
leise: "Davis...?"
Dieser reagierte nicht.
"Davis?", diesmal lauter. "Davis!" Ken legte die Arme auf
Davis Schulter
und schüttelte ihn leicht. Jetzt spürte er die Hitze, die schon von
Davis'
Stirn ausging, auch hier. "Du glühst ja... Davis, wach auf!"
Nach wie vor bewegte sich der Junge nicht.
Ken fiel auf, wie flach dessen Atmung war und überprüfte schnell den
Puls... Der schien normal. Erneut schüttelte er ihn. "Davis, Liebster,
wach doch auf!" Tränen stiegen ihm in die Augen. Jetzt nur nicht die
Nerven verlieren. Davis musste ins Krankenhaus. Sofort!
"Mama!", rief er laut. Noch einmal: "Mama!!" Da hörte
er hastige Schritte.
Die Türe sprang auf und eine etwas zerzauste Mutter trat ein. "Ken,
Junge,
was ist denn?" Sie sah nur, wie ihr aufgelöster Sohn nackt über
einem
ebenso nackten Davis gebeugt war.
"Er wacht nicht auf. Er hat hohes Fieber!", stammelte Ken.
Frau Ichijoji zögerte keinen Moment lang, trat auf das Hochbett zu, stieg
die ersten Stufen nach oben und griff nach Davis Stirn. "Hast du versucht,
ihn zu wecken?"
Ken nickte.
Seine Mutter zwang sich zur Ruhe. "Gut. Zieh ihn und dich schnell an. Ich
hole deinen Vater." Sie wandte sich bereits wieder ab.
"A... aber, Mama..."
Sie drehte sich zurück. "Ich werde es ihm eben kurz erklären
müssen. Wir
haben jetzt keine Zeit für so was."
Ken nickte. Verzweiflung in seinen Augen. Dann tat er schnell, was seine
Mutter von ihm verlangt hatte.
Er hatte Davis zu Ende angezogen und war mit sich ebenso fast fertig, als
die Türe wieder aufgestossen wurde und sein Vater hinein stapfte.
Dieser blieb einige Herzschläge lang stehen und ordnete seine Gedanken,
als er sah, wie sich Ken die Hose zuknöpfte. Dann seufzte er laut. Nun
gut, etwas, womit er sich halt abfinden musste.
Kens Mutter klettert derweil auf das Hochbett hinauf und half ihrem Mann
den bewusstlosen Davis auf die Arme zu nehmen.
Herr Ichijoji verliess den Raum. "Ich bringe ihn gleich zum Auto",
erklärte er.
Ken starrte unsicher hinterher und setzte sich in Bewegung, als ihm seine
Mutter beruhigend die Hand auf die Schulter legte.
"Keine Angst, Ken, er hat es ganz gut aufgefasst", lächelte sie,
als sie
zusammen in die Garage eilten.
Ken sass auf dem Rücksitz, Davis' Kopf auf seinem Schoss. Sanft strich
er
ihm über die verschwitzte Stirn und durch die Haare, murmelte ihm
liebevolle Worte zu.
Ein Ruck holte ihn aus seiner Welt zurück. Sie standen vor dem
Krankenhaus. Direkt beim Eingang der Notaufnahme.
Er sah seinen Vater schnell aussteigen und einen Arzt abfangen. Er
erklärte ihm hastig etwas, da kam der Arzt auch schon auf das Auto
zugestürzt und rief hinter sich nach Pflegern. Er öffnete die hintere
Autotür, eine Bare wurde eilig herbei gerollt.
Der Arzt erwiderte mit einem beruhigenden Lächeln das besorgte Gesicht
von
Ken, der nur widerwillig von Davis abliess, damit man ihn wegbringen
konnte.
Jetzt sass Ken neben seinen Eltern im Wartetrakt und spielte nervös
zitternd mit seinen Fingern. Wo blieb der Arzt denn so lange?? Was war mit
Davis?
Dann kam auch noch der ständige, fragende Blick seines Vaters. Er konnte
das förmlich spüren. Als erneut dessen Kopf in seine Richtung schielte,
stand Ken genervt auf. "Papa, bitte, können wir das später klären?"
Unruhig wandte sich dieser ab. "Ich kenne ja die Antwort. Ich wollte es
nur mal aus deinem Mund hören...", meinte er vorsichtig. Er wollte
Ken
nicht noch mehr durcheinander bringen. Er konnte sich gut vorstellen, wie
seinem Jungen jetzt zumute sein musste... Aber auch er war verwirrt.
Ken erkannte das. Er seufzte. "Ja, ich liebe Davis. Ich liebe ihn mehr
als
irgendetwas auf der Welt." Er zitterte wieder. "Und ich werde hier
noch
wahnsinnig!"
Dann hörte er Schritte. Eilige Schritte. Er drehte sich um, stiess beinahe
mit dem Arzt zusammen, der Davis abgeholt hatte. Er keuchte erschrocken.
"Davis? Wie geht es Davis?", rief er.
Der Arzt lächelte ruhig. "Keine Angst, junger Mann. Es geht ihm gut.
Er
hat sich offenbar Drüsenfieber eingefangen. Das ist nicht
lebensgefährlich, allerdings ist diese Art von Fieberausbruch selten. Wir
haben die hohe Temperatur jetzt unter Kontrolle. Fieber ist zwar
eigentlich nicht aussergewöhnlich bei dieser Krankheit, aber der Junge
hatte 41,2 als sie ihn hergebracht haben. Das ist doch sehr hoch. Er wird
eine Weile hier bleiben müssen."
Ken zitterte noch immer. "Er ist doch aber okay, nicht?"
Der Arzt nickte. "Natürlich. Jetzt, wo das Fieber keine Gefahr mehr
darstellt, wird er okay sein."
Ken fühlte sich erleichtert. Davis war okay... es würde ihm gut gehen.
Die
Erleichterung stieg ihm wie Adrenalin zu Kopf. Ihm wurde schwindlig. Er
lächelte noch, als er einen Schritt machte und direkt in den Armen des
Arztes zusammenklappte.
Dieser fing ihn überrumpelt auf. Er sah die leuchtend roten Wangen, legte
kurz die Hand an die Stirn. Dann zögerte er keinen Augenblick, hob den
Jungen hoch und legte ihn auf eine Trage, die im Flur stand.
Kens Eltern waren hochgeschossen und stürzten auf die Bare zu.
"Ken?", fragte seine Mutter erschrocken. "Ken?"
Dieser blinzelte. "Mama... Ich fühle mich nicht so gut...", hauchte
er.
Der Arzt nickte schnell und wandte sich an die Eltern. "Er hat sich wohl
angesteckt... Oder umgekehrt. Das Fieber muss umgehend gesenkt werden. Ich
komme danach gleich wieder zu ihnen." Damit rollte er den fiebrigen Jungen
weg.
Er bedeutete einer Pflegerin, Ken Blut abzunehmen und beugte sich zu ihm.
"Ken, nicht wahr?"
Der nickte müde.
"Warst du in letzter Zeit oft in der Nähe von deinem Freund?"
Ken drehte wacklig den Kopf. Sein Hals brannte jetzt wie die Hölle. Er
schluckte. Irgendwie nervte ihn diese Frage. Das war doch klar, oder
nicht? Sonst wären sie ja nicht beide krank geworden... Er wollte seine
Antwort wütend klingen lassen, aber es war einfach nur heiser: "Ich
hab
mit ihm geschlafen. Ist das nahe genug?"
Der Arzt grinste. "Ja, ich fürchte, das war nahe genug."
Bei dem Gesicht musste Ken jetzt auch leise lachen.
Ein paar Minuten später bekam er eine Spritze, um das Fieber zu senken
und
schlief erschöpft ein.
Ken wurde langsam wach. Als erstes versuchte er zu schlucken, was ihm nur
mit viel Mühe gelang. Er fühlte sich, als hätte er einen Ballon
im Hals
stecken. Eine seiner Hände suchte orientierungslos nach seiner Stirn.
Kraftlos fiel sie zurück auf das Bett. Etwas störte ihn an seinem
Arm...
Er zwang sich, die Augen zu öffnen und erkannte eine Infusion.
Schwankend drehte er seinen Kopf und blickte direkt auf einen schlafenden
Davis, der in einem Bett neben seinem lag.
Ken lächelte, als er leises Seufzen und schliesslich ungelenke Bewegungen
an ihm ausmachte. Er wachte wohl auch bald auf.
Geduldig wartete Ken, bis Davis die Augen aufschlagen würde. Er war selber
kurz davor, wieder einzuschlafen, wehrte sich aber noch dagegen.
Da! Davis blinzelte.
Ken holte Luft und wollte etwas sagen. Aber alles, was er rausbrachte, war
ein krächzendes aber liebevolles "Hey..."
Davis drehte verwirrt den Kopf und lächelte dann Ken an. "Hey."
Auch er
klang nicht besser. "Was ist passiert?", fragte er heiser.
Ken schluckte erneut und suchte seine Stimme. "Wir haben Drüsenfieber,
glaube ich."
Da öffnete sich die Türe und Kens Eltern traten ein.
Seine Mutter stürzte sofort zum Bett. "Ihr seid wieder wach",
flüsterte
sie glücklich.
Ken grinste leicht. "Komm bloss nicht zu nahe..."
Herr Ichijoji wandte sich derweil an Davis. "Ich habe deine Schwester
angerufen, sie müsste deine Eltern inzwischen benachrichtigt haben."
Davis nickte nur.
Ken legte seinen Kopf zur Seite und blickte weiter Davis an. Er streckte
eine Hand nach ihm aus, musste aber feststellen, dass das andere Bett zu
weit weg war.
Seine Mutter lächelte und löste die Bremse an Kens Bett. Dann schob
sie
ihn näher an seinen Freund heran.
Ken lächelte dankbar und langte erneut nach Davis.
Dieser legte seine Hand in die des anderen und flocht ihre Finger
ineinander.
Einen Moment lang sahen sie sich noch in die Augen, bis sie kurz darauf
wieder einschliefen.
Am nächsten Tag. Sonntag. Es war der erste August.
Die Digiritter hatten sich alle zusammen im Park getroffen, ausser Mimi,
die es leider auch zu ihrem Jubiläum nicht geschafft hatte.
Jeder packte seinen Anteil am Picknick aus. Sie redeten und scherzten, und
einige Augen fielen immer wieder auf den Weg, der an ihren Platz führte...
Es fehlten noch zwei...
Matt und Tai sassen nebeneinander, hatte aber bisher noch nicht mit ihrem
siebenjährigen Geheimnis rausgerückt. Sie dachten sich, dass der heutige
Tag passend dafür wäre.
Aber gerade die beiden drehten sich immer wieder zum Weg um. Wo blieben
denn Ken und Davis? Hatten sie sich gestritten und wollten sich nicht
treffen?
Matt versicherte sich in Gedanken immer wieder, dass keiner der beiden das
zugelassen hätte. Trotzdem war er unruhig.
Tai bemerkte das. Er legte vorsichtig eine Hand auf Matts und blickte dann
in die Runde. "Sagt mal... Wo sind Ken und Davis? Kommen sie nicht?"
Jou meldete sich zu Wort: "Sie sind im Krankenhaus..."
Und bevor er noch mehr Erklärungen abgeben konnte, wurde er von Matt
unterbrochen: "Was?! Was ist denn passiert?"
Jou lachte nur leicht. "He, langsam. Sie sind nur krank, das ist alles.
Die kommen schon wieder auf die Beine."
Tai blinzelte. Krank? "Was haben sie denn?"
"Drüsenfieber", kam die Antwort. "Kens Mutter hat mich gestern
Abend noch
angerufen. Ich soll sie entschuldigen..."
Wieder wurde er von Matt unterbrochen. Diesmal durch einen Lachanfall.
Matt plumpste nach hinten ins Gras und kugelte sich vor Lachen.
Tai sah ihn verständnislos an. "Sag mal, was ist denn mit dir los?"
Der Rest der Truppe verstand offensichtlich auch nicht, obwohl sich einige
vom Lachen anstecken liessen. Matt bot einfach einen zu komischen Anblick.
Der blonde Junge riss sich gezwungen zusammen und stützte sich auf Tais
Schulter. Immer noch schüttelten ihn kleine Lacher. "Tai...",
begann er
verschwörerisch. "Weisst du, wie man das Drüsenfieber auch noch
nennt?" Er
kicherte wieder.
Tai starrte ihn nur noch an. "Hä?"
Matt lehnte sich etwas vor und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
Tai produzierte ein so breites Grinsen, dass sein Gesicht beinahe in zwei
Hälften zersprang. Dann platzte das Lachen auch aus ihm.
Jou, der offensichtlich der einzige war, der verstand, warf ein: "Das ist
doch nicht euer Ernst!"
Die beiden kicherte immer noch. Tai schliesslich lehnte sich gegen Matt
und grinste: "Ma~att?", säuselte er, "Wie kommt es dann,
dass wir das nie
hatten?"
Matt grinste als Antwort noch breiter, überwand den letzten Abstand
zwischen ihnen und küsste seinen Freund.
Um die beiden herum wurde es schlagartig mucksmäuschenstill, bis auf das
Geräusch von herunterfallenden Unterkiefern.
TK zupfte Jou am Ärmel. "Hey, was war denn jetzt eigentlich der Gag
mit
diesem Fieber?"
Jou schüttelte ungläubig den Kopf, antwortete aber trotzdem: "Nun
ja...
ähm... das Drüsenfieber wird im Allgemeinen auch... äh... Küsserkrankheit
genannt." Er errötete sichtlich.
Nun ging wieder ein Kichern durch die Runde.
Kari schliesslich meinte zu ihrem (zugegeben etwas abgelenkten) Bruder:
"Ihr zwei seid vielleicht Angsthasen." Sie grinste, als sie Tais fragenden
Blick sah, als er sich von Matt löste. Sie fingerte in ihrem Rucksack und
holte ein kleines Päckchen raus. "Ich trag dieses blöde Ding
jetzt seit
sieben Jahren mit mir rum!", begann sie lachend. "Ich hab mir vorgenommen,
es euch zu geben, wenn ihr endlich damit rausrückt..."
Tai guckte kariert aus der Wäsche. "Du... hast das gewusst?"
Kari straffte ihre Schultern. "Klar! Ich bin deine Schwester!"
TK kicherte und warf einen Blick auf Matt. "Brauchst mich gar nicht so
anzusehen... Sie hat es mir natürlich längst auch gesagt."
Kari reichte Tai das Geschenk. "Mach es auf", sagte sie.
Tai entfernte die Verpackung und stiess auf ein gerahmtes Bild.
Kari beobachtete seine Reaktion genau.
Erst erstarrte er, dann blühte ein absolut zauberhaftes Lächeln auf,
und
kleine Tränen sammelten sich in seinen Augen. Gerührt wandte er sich
an
Matt und zeigte ihm das Bild auch.
Matt reagierte in ziemlich genau derselben Reihenfolge und schlang
schliesslich die Arme um Tai.
Kari lächelte. "Das Geschenk ist wohl gelungen."
TK pflichtete ihr bei. "Es ist aber auch zu süss."
Es dauerte noch etwas, bis die beiden Beschenkten wieder in der Lage
waren, etwas zu sagen. Tai begann: "Danke... Vielen Dank, Kari."
Kari wurde etwas verlegen. "Das muss dann wohl ein besonderer Kuss gewesen
sein...", vermutete sie.
Beide nickten unter Tränen und Matt antwortete: "Es war der erste."
Das stimmte offensichtlich, denn das Bild entsprach ziemlich genau der
Beschreibung, die Matt Ken gegeben hatte: Sie hielten sich bei den Händen
und Matt war weiter vorgelehnt, als Tai. Beide hatten die Augen zufrieden
geschossen, also musste die Aufnahme kurz nach Tais Überraschungsmoment
gemacht worden sein.
Kari kicherte. Der erste Kuss... Ihr erster Schnappschuss... "Schade, dass
ich nicht ein paar Sekunden früher abgedrückt hab. Tai hat sich so
erschreckt..."
Matt lachte leise mit. Er konnte Tais Gesicht damals ja nicht sehen, aber
gut vorstellen. "Meine Güte, warst du niedlich", kommentierte
er, während
er immer noch auf das Bild starrte.
Tai hob eine Augenbraue. "Ach? Jetzt nicht mehr?"
Matt grinste erst, lächelte ihn aber darauf sanft an. "Nein... Jetzt
bist
du schön."
Tai blieben seine humorvollen Sprüche im Hals stecken. Er brachte
überhaupt kein Wort mehr heraus, also entschied er sich dagegen etwas zu
sagen und küsste seinen Geliebten einfach.
Matt legte das Bild vorsichtig auf den Boden vor sich und umarmte Tai.
Sora, die daneben sass, griff danach. Ihr Gesicht zeigte eine gewisse
Wehmut, als sie es sich ansah. Dann lächelte sie. Der Kloss in ihrem
Herzen war zwar nicht weg, aber die beiden schienen damals wie heute sehr
glücklich zu sein.
Yolei rückte näher heran und äugte ebenso darauf. "Nein,
wie süüüüüüss!",
kommentierte sie und lachte.
Das brachte den Rest der Truppe nun auch dazu, sich um Sora zu drängen.
Alle Kommentare zu dem Bild fielen in etwa so aus, wie der von Yolei. Bis
auf Jou, der fassungslos auf die Fotografie starrte und den Kopf
schüttelte. "Tze", gab er grinsend von sich. "Und keiner
hat was bemerkt."
Matt und Tai bemerkten im Moment auch nichts mehr. Der Kuss hatte zwar
inzwischen geendet, aber sie hielten sich immer noch fest in den Armen.
Beide hatten Tränen in den Augen und schnieften.
Tai schliesslich lachte leise. Ihm fiel der Tag ein, an dem sie Ken
getroffen hatte. "Nein", begann er, "du wirkst überhaupt
nicht
sentimental..."
Matt lachte zurück. "Daran ist bloss Ken Schuld. Seinetwegen hab ich
die
letzten Tage nur an früher gedacht. Und dann auch noch das Bild..."
Er
seufzte tief. "Jaja..."
"Wir sollten ihn besuchen und ihm den Kopf waschen", meinte Tai in
gespieltem Ernst.
Matt kicherte wieder. "Ken und Davis mit der Küsserkrankheit im
Krankenhaus... Ich glaubs nicht!"
Tai war im Moment einfach blendend gelaunt. Er stützte die Hände empört
in
die Hüften. "Was hast du dem armen, kleinen Jungen denn erzählt?"
Matt zuckte grinsend die Schultern. "Och... nichts weiter. Bloss, dass
er
ihn flachlegen soll." Dann prustete er los.
Tai stürzte sich auf ihn und beide wälzten sich lachend im Rasen.
Als ihr Lachen in einem Kuss verstummte, fielen nach und nach die Blicke
der anderen auf sie.
TK stützte sein Gesicht auf eine Hand. "Jetzt brauchen wir bloss noch
Popcorn..."
Yolei verschränkte ihre Arme. "Und so was am helllichten Tag! Wir
haben
Kinder hier!" Für den Ausdruck "Kinder" bekam sie einen
Knuff in die Seite
von Cody. "Autsch! Lass das, du Baby!"
Die beiden Verliebten lösten sich etwas und Tai blitzte seinen Koi
verschmitzt an. "Aber gezeigt hast du Ken nicht, was er tun soll, oder?"
Matt stutzte einen Moment lang, ehe er verstand und Tai lachend durch den
Park jagte. "Na, warte!"
Die anderen schauten ihnen hinterher.
"Und jetzt?", fragte Izzy.
Kari wehrte ab. "Tai kommt schon wieder, wenn er Hunger hat."
Nun mussten alle lachen. Ja, Tai hatte ja so seine Vorliebe fürs Essen.
Wie auch noch ein anderer Junge im Team...
Mittlerweile war es späterer Nachmittag. Die Sonne schien rötlich
durch
die Bäume vor dem Fenster in das Krankenzimmer. Ein sanftes Lichtspiel,
das vom Wind dirigiert wurde.
Ken und Davis bekamen immer noch Medikamente gegen das Fieber und
schliefen oft. Allerdings hatte man sie vom Tropf abgehängt, und sie
hatten bloss noch das Infusionsbesteck im Arm, wo man ihnen das Mittel
verabreichte.
Mit dieser neugewonnen Freiheit hatte sich Ken zu Davis ins Bett gelegt.
Sie schliefen selig, beide mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Die vorwitzigen Lichter, die ihnen über das Gesicht hüpften nahmen
sie
nicht wahr. Es schien eher im Gegenteil ihre süssen Träume zu beflügeln.
Ab und zu seufzte einer glücklich oder räkelte sich in der warmen
Umarmung.
Die eiligen Schritte im Flur bekamen sie nicht mit.
Davis Eltern und seine Schwester waren soeben angekommen und rannten
aufgeregt zu dem Zimmer, das man ihnen an der Rezeption genannt hatte.
Einige Meter davor wurden sie von Kens Mutter aufgehalten.
Frau Motomiya packte die andere Frau an den Schulter. "Wie geht es meinem
Jungen?"
Ihr Gegenüber hob beruhigend die Hände. "Es geht ihm gut. Machen
Sie sich
keine Sorgen. Man hat das Fieber unter Kontrolle bringen können."
Herr Motomiya fragte nun ebenso: "Er hat Drüsenfieber, ist das richtig?"
Jun, die sie im Schlepptau hatten murmelte beleidigt: "Das hab ich doch
alles schon gesagt..."
Frau Ichijoji nickte erneut. "Beide schlafen jetzt. Sie sind noch oft
müde..."
Daisukes Mutter stürzte sofort weiter auf das Zimmer zu. "Ich will
zu
meinem Jungen!"
Frau Ichijoji hielt sie noch zurück. "Warten Sie... Es gibt da etwas,
was
sie wissen sollten..." Sie hatte nicht so früh mit Davis Eltern gerechnet,
sie wusste aber auch, dass sich Davis und Ken nun eng in den Armen
lagen... Also irgendetwas musste sie sagen.
"Was denn? Was ist mit Davis?"
Kens Mutter lächelte beruhigend, "Wie ich sagte, es geht ihm gut.
Es ist
nur, dass sich die beiden Jungs wohl ineinander verliebt haben..."
Die Eltern des einen Verliebten stutzten einen Moment lang, bis der Vater
wieder den Mund aufmachte: "Wie bitte? Ihr Ken und Davis?"
Frau Ichijoji nickte verlegen.
Jun verwarf die Hände. "Na, toll! Nicht genug, dass er ein Idiot ist,
nein, schwul ist mein Bruder auch noch!"
"Jun!", schimpfte ihre Mutter gleich. "Was fällt dir ein?!
Dein Bruder
könnte auch tot sein!"
In dem Moment blinzelte Davis verwirrt. Er glaubte doch tatsächlich seine
Schwester gehört zu haben, die irgendetwas über einen schwulen Bruder
zeterte. Erschrocken riss er die Augen auf, als seine Mutter darauf
antwortete.
Sein Blick fiel auf Ken, der weiterhin friedlich schlief... Nun, um
unauffällig zu sein müsste Ken wieder in sein Bett... Aber dafür
müsste er
ihn wecken...
Angestrengt wog er Pro und Contra ab (nicht, dass er diese Worte gekannt
hätte...) und entschied, dass nichts es wert wäre, diesen süssen,
schlafenden Engel zu wecken.
Er lächelte, schloss die Augen und rückte näher an ihn. Dann
schloss er
die Augen und harrte der Dinge, die da folgen würden.
Leise betrat seine Familie und Kens Mutter das Zimmer und blieben stehen.
Davis horchte angestrengt, aber niemand sagte etwas. Nun, es schrie auch
keiner "Sofort auseinander!", oder so...
Vorsichtig öffnete er die Augen und sah die erleichterten Gesichter seiner
Eltern - insbesondere seiner Mutter, sein Vater runzelte trotz aller
Erleichterung die Stirn.
Seine Mutter flüsterte leise: "Geht es dir gut, Junge?"
Davis nickte und antwortete heiser: "Nur saumässige Halsschmerzen."
Jun verdrehte die Augen. "Ich will mir gar nicht erst vorstellen, wo er
die her hat..."
Beide Elternteile liefen purpurrot an und die Mutter schrie - ihre
Vorsicht keinen zu wecken in den Wind geschossen - los: "Jun! Halt den
Mund! Setz dich!"
Jun, die die donnernde Stimme ihrer Mutter nicht erwartet hatte setzte
sich kleinlaut auf einen Stuhl in der Ecke und bedauerte sich gerade, wie
man sie in der Schule wegen ihrem Bruder hänseln würde. Es war ja
nicht
so, dass sie sich keine Sorgen um ihren kleinen Bruder gemacht hatte. Sie
liebte ihn, auch wenn sie sich ständig stritten. Aber der Gedanke
bereitete ihr Unbehagen - und das nicht nur wegen ihrem eigenen Ansehen...
Auch Davis würde noch Probleme bekommen. Dann grinste sie. Aber es würde
noch einige Situationen geben, in denen sie Davis damit würde aufziehen
können...
Ken fuhr bei den lauten Worten erschrocken zusammen und riss die Augen
auf.
Die aufgebrachte Mutter bereute ihren Ausbruch sofort. "Oh, entschuldige,
Ken."
Ken blickte sich verwundert um... Sollten Davis Eltern nicht erst morgen
zurück sein? Er schaute zurück auf Davis. "Was ist denn passiert?"
hauchte
er fragend.
Davis grinste. "Jun hat den Marsch geblasen bekommen."
Jun wollte darauf wieder eine blöde (und fast so geschmacklose wie vorhin)
Bemerkung loslassen, verstummte aber, als ihr Vater drohend den Finger
hob.
Ken kletterte nun doch zurück in sein eigenes Bett, das ihm allerdings
unangenehm kalt vorkam.
Davis nestete in seinem Bett herum und versuchte verzweifelt eine bequeme
Position ohne Ken zu finden. Es gelang ihm nicht. Er seufzte resignierend.
"So wird das nichts." Kurzerhand folgte er Ken in dessen Bett.
Ken lachte.
Davis' Mutter seufzte und lächelte leicht gequält. "Also tatsächlich...?"
Davis sah seinen Eltern in die Augen. Sich selbst mutmachend atmete er
einmal tief ein. "Mama, Papa... Ich liebe Ken."
Sein Vater straffte die Schultern. "Tja", meinte er nur, grinste aber.
Seine Mutter hingegen wandte sich an Ken. "Und du fühlst ebenso?"
Ken nickte nur und lachte fröhlich, soweit es sein schmerzender Hals
zuliess, blickte in Davis' Augen.
Dieser strahlte ihn an, legte sanft die Hände um sein Gesicht...
Zärtlich küssten sie sich. Ignorierten ihre Besucher einfach.
Nach einigen, langen Sekunden wandten sich die drei Elternteile diskret
ab.
Jun hingegen rollte die Augen. "Warum kann mein Bruder nicht ein Bisschen
mehr so wie Matt sein...?"
Davis löste sich grinsend von Ken, erkannte, dass dieser seinen Mund auch
zu einem Grinsen verzogen hatte, und antwortete Jun mit einem lauernden
Unterton: "Ich glaube nicht, dass du das wirklich willst..."
Jun schoss hoch. "Was soll das denn heissen?"
ENDE ^-^
30.09.2001
~*~*~