Autor Stephen Hasam

ensayo escrito en abril en alemán sobre

la corrupción en México y que fue publicado en la revista de asuntos

internacionales de los teólogos de la liberación luteranos de Alemania,

(Evangelischer Entwicklungsdienst=Servicio Luterano para el Desarrollo)

"Der

Überblick"

 

Der Überblick - Zeitschrift für ökumenische Begegnung und

internationale

Zusammenarbeit

Der Überblick, Hamburg, 2/2006, S. 60

 

 

Eine alles vereinnahmende Familie - ein Essay

Die Erfolgsgeschichte der Korruption in Mexiko

 

von Stephan Hasam

 

Während die Alchimisten in Europa noch vergebens versuchten, unedle

Metalle in

Gold zu verwandeln, eroberten die marianischen Konquistadoren und

Ordensleute

jenseits des Atlantiks neue Territorien und steckten dem spanischen

Königreich

Neuspanien* ab. Sie strebten danach, die infantile Machtsehnsucht nach

einem

von ergebenen Dienern wimmelnden Schlaraffenland auf Erden zu

verwirklichen

und die unersättliche Begierde nach Gold zu sättigen, ohne eigene Opfer

aufzubringen.

 

von Stephan Hasam

 

Fast ein halbes Jahrtausend später erklärte der heute größte Tycoon

Mexikos,

Carlos Slim*, auf der Forbes-Milliardär-Liste 2006 mit über 30

Milliarden

US-Dollar drittreichster Mann der Welt, Mexiko sei ein Schnäppchen,

"Mexico is

a buy" - ein Eldorado, also, wo "avancieren" zugleich "vorrücken" und

"erbeuten" heißt: quien no tranza, no avanza.

 

Seit Jahrhunderten ist Mexiko ein von einer Oligarchie geschnapptes

Land der

Korruption und organisierten Erpressung, der massiven

Reichtumsaneignung durch

Anwendung regulativer Gewalt, wo Ausbeutung der Schwächeren,

marianisch-ödipale Männergewalt und Frauenfeindlichkeit, Folter,

Entführungen

(Kolumbien übertreffend) sowie Hinrichtungen allgemeine Praxis und

geschichtliche Tradition sind. Die Lebenswelt ist aufgebaut auf

hierarchisch

eingeordneten von Schutzherren kontrollierten Körperschaften und

besteht aus

autoritätshörigen Dienern. Daher die alltäglichen Formeln: "dienen",

servir,

"zu Eurem Befehl", a sus órdenes, "um Sie zu bedienen", para servir a

usted,

und "dieser Diener", este servidor, statt einfach "ich" zu sagen. Das

Ich als

mündiges Subjekt fehlt, und Kritiker gelten als Störenfriede und

Verräter.

Eine gesellschaftsfeindliche Lebenswelt aus autoritär ausbeutenden und

ausgebeuteten "flexiblen Menschen", die Renaissance und Aufklärung

zurückwies.

 

In einem solchen Staat sind die Einzelnen angreifbar und wehrlos. Die

Menschen

müssen, auch wenn sie selbst nicht zu den Erben der Rauboligarchie

gehören, im

wesentlichen ebenso ausgeprägt sein, und jene Mentalität,

Aneignungsmethoden

und Gewaltpraktiken nachahmen. Diese Lebenswelt wird als natürlich und

allein

existierend aufgefasst, und alle Menschen müssen sich einer oder

mehreren

Selbstschutzgemeinschaften unterordnen, wenn sie Existenzsicherheit

erwarten

wollen. Je ärmlicher sie sind, desto unentbehrlicher ist die

Selbstschutzkörperschaft. Je ärmlicher diese Selbstschutzkörperschaft,

desto

weniger findet sie Beachtung - bis sie schließlich Gewalt anwendet:

"Wer nicht

weint, wird nicht gestillt", el que no llora, no mama.

 

Das vom Tridentinum* propagierte mittelalterlich geschlossene

Staatsgebilde

vom organischen Sozialkörper, dessen Seele und Vernunft im

Staatsoberhaupt

innewohnen und dessen Glieder und Organe aus stratifiziert miteinander

verbundenen Unterkörperschaften bestehen, war die Grundlage des

Nationalismus

des spanischen Königreichs, daher auch Siziliens*, Neapels* und

Neuspaniens,

wo es heute noch im republikanischen Gewand weiter besteht und sichtbar

ist:

im Gebilde Mexikos als marianischer Gesamtkörper und im liturgiestarken

allgegenwärtigen mexikanischen Nationalismus, der fortwährend Gefahr

läuft,

innerlich zu zersplittern. Nimmt die Gefahr zu, wie 1982 mit der

mexikanischen

Schuldenkrise, wird der sanierende Kapitalaneignungsplan von

großartigen

Fahnen- und Nationalhymnegesetzen begleitet. Heute an der Schwelle

eines

qualitativen Sprungs im Aneignungsmodell, lancierte das Medienmonopol

der

Oligarchie ausgehend vom Palast der Schönen Künste* eine neue

nationalistische

Evangelisierungskampagne: Celebremos México* "lasst uns Mexiko feiern",

die

von Pop- und Sportstars, Schauspielern, Schriftstellern, und

Nachrichtensprechern über das ganze Land, mit Betonung auf den

Kultworten

"Mexico",  "mexikanisch", und "in unserem Land" verbreitet wird, und

von

allen, unbewusst, wiederholt wird.

 

Mexiko gilt als die allumfassende Körperschaft, der alle anderen

untergeordnet

sind, und die alle anderen schützend in sich aufnimmt, la gran familia

mexicana, eine nur die Familienangehörigen angehende cosa nuestra*, wo

das

omertá*-bewahrende Diktum herrscht, "die schmutzige Wäsche wäscht man

daheim",

la ropa sucia se lava en casa. Über das Wie spricht man lieber nicht.

Folgerichtig steht - in republikanischer Sprache verkleidet - im

Paragraphen

33 der mexikanischen Verfassung, dass jeder Outsider, der nicht mit den

Oberkörperschaftshäuptern unter einer Decke steckt und gar Kritik

ausübt,

zügig aus dem Land verbannt werden kann, wie es dem Schriftsteller

Mario

Vargas Llosa geschah, als er Mexiko die perfekte Diktatur nannte. Der

Gesamtkörper - so die grundlegende Auffassung - müsse sich gegen

Aneignungsversuche durch Fremde schützen.

 

Als Präzedenzfälle gelten die Invasion und Einverleibung der Hälfte des

Nationalkörpers 1848 durch die USA, die kurzlebige Herrschaft im

Schloss

Chapultepec Kaiser Maximilian von Habsburgs (1864-1867) auf Einladung

eines

Teils der mexikanischen Oligarchie, und die US-Invasion 1914. Den

Sorgen vor

einer imperialistische Aneignung von außen entspricht ein Imperialismus

im

Innern, oft mittels Joint Ventures der Körperschaftshäupter mit ihren

fremden

Partnern. Die Mafiaorganisationen im Drogen- und Entführungsgeschäft

ahmen die

Samthandschuhkartelle der Staatsoligarchie nach und sind ihnen oft

untergeordnet. Wie in Russland spielen auch in Mexiko Polizei-,

Militär- und

Geheimdienstkontakte eine Schlüsselrolle. Carlos Slims Bruder Julián

machte

Karriere in der Staatssicherheit und wurde Direktor für Nationale

Sicherheit.

 

Schon das spanische Königreich versuchte seine nationale Einheit durch

den

Aufbau eines geschlossenen Körpers zu konsolidieren, "wo die

Partikularismen

der Personen oder der Territorien und die Vielfalt der Privilegien und

Rechte

von Korporationen eines zentralisierten Staats, stark und mächtig,

absorbiert

werden sollten", wie Mexikos Historikerin Marialba Pastor formulierte.

"Um

sich Treue und Gehorsamkeit zu vergewissern, behielt der Staat die

mittelalterlichen patrimonialen Beziehungen bei, wo die Landes- und

Schutzherren - die Autoritätsfiguren - ihren Gefolgsleuten Schutz

gewährten,

womit sie sich ihren Adelsrang, ihre Privilegien und ihr Erbgut

sicherten.

Dafür in Umtausch versicherte der Staat, wie ein 'großer Vater', den

'Kindern

des Vaterlandes' die Bereitstellung von Vorräten für ihr Überleben".

Hier der

Ursprung des populistischen Caudillos als Körperschaftsoberhaupt und

seiner

ihm ergebenen, unmündigen und opferbereiten Schützlingsmasse der ewig

Ärmlichen: das Volk, el pueblo.

 

Die Partikularisierungstendenzen der Glieder und Organe wurden durch

eine

Mischung von Privilegien, Bestechung, Lob, Komplizenschaften, omertá,

Sippenhaftung, Erpressung, gegenseitiges Überwachen, Beichten,

Intrigen,

Gerüchte, Drohungen und Strafen bekämpft. Auf dem Lande errichteten die

Ordensleute Konzentrationsdörfer, reducciones*, für die arme

Landbevölkerung.

Jedes Dorf ein Körperschaftsghetto: einen Heiligen, ein Dialekt, eine

andersfarbige Uniform zur Identifizierung und Kontrolle, heute noch als

Folklore verkauft. Neben der Inquisition als Großnötigung, gab es ein

zweites

Herrschaftsinstrument: ein Spioniernetzwerk der ekklesiastischen

Gerichte,

zuständig für die Überwachung der Einhaltung von Sitten- und Gebräuchen

bis in

die Intimsphäre. Ein Erpressungsparadies. Öffentlichkeit und

Privatleben

gingen ineinander über, was auch für die untergeordneten Sozialkörper

bis zu

den einzelnen Monaden* galt, den marianischen Familien nämlich, aus

welchen

die übergeordneten Sozialkörper sich bildeten.

 

Der italienische Elitentheoretiker Gaetano Mosca glaubte, die

Grundlagen der

Mafiakultur, der Symbiose zwischen der regulären und irregulären

Hemisphäre

der Lebenswelt, im spanischen Sizilien entdeckt zu haben, nämlich "im

System

der Übereinkünfte und Verpflichtungen, das die Obrigkeit mit den

Missetätern

vornahm" und "im Schutz, den die Oberklasseangehörigen, manchmal in

öffentlichen Ämtern eingesetzt, und die Behörden selbst, den cosche

mafiosi*

[gewährten]". Zu dem Schutz des Übeltäters durch den erhabenen Herrn

komme

hinzu, "jene viel höhere Leistungsfähigkeit: die des Abgeordneten, des

Bürgermeisters, des Assessors zugunsten des mafiosen Caudillos oder

sogar

eines einflussreichen Mitglieds einer Kamarilla". In Mexiko auch des

Staatshauptes.

 

Die Körperschaften sind Janusköpfe, allen voran der oligarchische

Staat.

Symbiotische Beziehungen zwischen Körperschaften und Staat sind

beidseitig

vorteilhaft, erklärt die Historikerin Pastor. Die Körperschaften, die

Korruption und Unterwerfung ihrer Mitglieder fördern, erhalten

Privilegien zur

Monopolisierung der Produktion, des Warenverkaufs, des Arbeitsmarktes,

eines

politischen oder religiösen Glaubens. Dafür leisten sie dem Staat viele

Dienste zwecks Sozialkontrolle und Erhaltung des Status quo. Der

mafiose Geist

ist antisozial und eine korporative Lebenswelt toleriert keine

Zivilgesellschaft. Anstelle politischer Parteien gibt es als Parteien

verkleidete Körperschaften, die sich aus grupos oder tribus (Stämme)

bilden.

Und die "politische" Tätigkeit wird grilla (zirpende Vortäuscherei)

genannt.

 

Die Körperschaftsspitzen, jefes (Chefs) oder cabezas de grupo

(Gruppenoberhäupter) genannt, verbinden die auf verschiedenen Schichten

in

fortwährender Spannung koexistierenden Körperschaften untereinander und

mit

dem Staat. Pastor schreibt: "Genauso wie die Körperschaften sich aus

ihren

eigenen Familien und ihren Anhängern bilden, nimmt der Staat die Führer

der

Körperschaften als seine prominentesten Leiter und Funktionäre in eine

idyllische und monolithische Beziehung auf. Die Korruptionspraktiken

verwandeln sich in alltägliche Praktiken und bilden die

Zentralstruktur, von

der ausgehend das ganze System definiert wird. Die Körperschaften sind

die

Erziehungsquelle der korrupten Mentalitäten und Verhaltensweisen, die

ihre

Mitglieder dafür vorbereitet, große Aktionen zu vollbringen" - unter

dem

Schutzmantel Marias. Eine Ordnung durch Vermittlung der Unordnung

entsteht:

eine unaufhörliche Dynamik von Intrigen, Allianzen, Bestechungen,

Pakten,

Kriegen, Verrat, Erpressung, in der die Schwachen immer verlieren.

 

Skandale signalisieren den Ausbruch von Kämpfen zwischen Körperschaften

um

Macht und Mittel zur Nötigung. Das öffentlich Ausgetragene ist

weitgehend

Liturgie, Fassade. Das Wesentliche bleibt Outsidern ein unzugängliches

Geheimnis. Die Korruption "des Anderen" wird öffentlich "mit voller

Kraft des

Gesetzes" bekämpft, bis - nach einer von den Medien getragenen

andauernden

tauziehenden Machtdemonstration - bei einem Frühstück die

Gruppenoberhäupter

Vereinbarungen treffen. Dann schrumpft schlagartig der Skandal

zusammen,

verschwindet aus den Medien, und die Legalität wird den

Frühstücksvereinbarungen angepasst.

 

Der Übergang von der verbrauchten Einparteienherrschaft des 20.

Jahrhunderts

zum neuen Modell ist fast vollzogen. Im domestizierenden Rausch der

neuen

Nationalevangelisierung hat sich die Oligarchie dank eines neuen

Gesetzes die

Totalherrschaft der Elektromedien und Telekommunikation des Landes

angeeignet.

Ein Goebbels'scher Traum. Fast gleichzeitig machte Carlos Slim,

zusammen mit

Zementtycoon Lorenzo Zambrano*, den Chapultepec-Schloss- Pakt* "für die

nationale Einheit" bekannt; lobend von den Unterkörperschaftshäuptern

des

Landes unterschrieben: Gouverneuren, Gewerkschaftshäuptern,

Universitätsrektoren, Hofintellektuellen, Wissenschaftlern,

Schriftstellern,

Sportund Popstars und Präsidentschaftskandidaten.

 

Wer sich der Ein- und Unterordnung entziehen will, wird öffentlich

brüskiert.

Das Flaggschiff des korporativen Pakts heißt IDEAL*, Slims neu

gegründetes,

Halliburton* nachahmendes Geschäft zur Ausführung riesiger

Staatsprojekte. Das

Startkapital, sagt er, soll aus den zwangsinvestierten Pensionsfonds

der

Gehaltsempfänger kommen. Das private bankrotte Bankwesen wurde 1982

verstaatlicht, und die Besitzer wurden entschädigt. Nach Sanierung

privatisierte es der Staat 1992 erneut gegen ein Schnäppchen von 3,5

Milliarden US-Dollar. Zwei Jahre später musste er die Banken wieder auf

Staatskosten sanieren, was ihn 100 Milliarden Euro kostete. Thukydides

berichtete, dass in der Antike gewalttätige Räuber und friedlich

einnehmende

Händler als gleich ehrenhaft galten. In Mexiko ist es heute noch so.

Postmodern avant la lettre, erkennt sich Mexiko wieder in der heutigen

aufklärungsfeindlichen postmodernen Welt der janusköpfigen

Megacorporations,

und verzahnt sich tadellos damit.

 

aus: der überblick 02/2006, Seite 60

 

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Begriffserklärung (Wikipedia):

 

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AUTOR(EN):

 

Stephan Hasam

 

Stephan Hasam ist Politologe in Mexiko-City und langjähriger Beobachter

der

mexikanischen Lebenswelt.

 

Glossar

Neuspanien war der Name der spanischen Kolonie, aus dem der

Nationalstaat

Mexiko 18 21 hervorging. Rund 300 Jahre lang blieb Neuspanien in der

Obhut der

spanischen Krone.

 

Carlos Slim ist ein mexikanischer Unternehmer, der insbesondere in der

Telekommunikationsbranche in Mexiko und Lateinamerika tätig ist. Er ist

unter

anderem der Hauptaktionär der Telefongesellschaft Telmex, dem größten

privaten

Unternehmen Mexikos, einem ehemaligen Staatsbetrieb, der 1990 unter

Präsident

Carlos Salinas privatisiert wurde. Ferner ist er Hauptaktionär von

América

Móvil, dem zweitgrößten Mobilfunkanbieter Lateinamerikas. Im Rahmen der

Privatisierung von Telmex gab es Gerüchte von Korruption. Carlos Slim

unterhielt mit dem damaligen Präsidenten Carlos Salinas eine

freundschaftliche

Beziehung. Eine weitere berüchtigte Affäre bildet seine Spende von 50

Millionen US-Dollar für die Restaurierung der Altstadt von Mexico-

City. Der

Bürgermeister und Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Juli 2006,

Andrés

Manuel López Obrador, garantierte ihm dafür ein Vorkaufsrecht an

zahlreichen

Gebäuden im Stadtkern. Nach den mit den Millionen von Slim

durchgeführten

Restaurationen waren diese Häuser ein Mehrfaches von dem wert, was Slim

ursprünglich investiert hatte. Im Jahr 2005 startete er als Abzweigung

seiner

Bank Imbursa das Megaprojekt IDEAL* (Initiative für die Wirtschaftliche

Entwicklung Lateinamerikas - vor kurzem in Initiative für Entwicklung

und

Arbeit in Lateinamerika umbenannt). Dabei handelt es sich um einen

Aktionsplan

für Großinvestitionen in Infrastrukturen und in die Wasser- und

Energieversorgung in Lateinamerika, der von einer multinationalen

Holding mit

einem Startkapital von 800 Millionen US-Dollar getragen wird.

 

Das Tridentinum bezeichnet das Konzil von Trient, das dreimal zwischen

1545

und 1563 getagt hat. Es wurde als Antwort der katholischen Kirche auf

die

Reformation einberufen.

 

Sizilien und Neapel gehörten zum Zeitpunkt der Kolonisation Neuspanien

zum

spanischen Königsreich.

 

Der Palast der Schönen Künste ist ein nationales Architekturmonument

und eine

Opernund Kunstausstellungsstätte im Zentrum von Mexiko-City. Zugleich

ist es

ein Totenwachmausoleum für Nationalberühmtheiten.

 

Celebremos México ist eine von Televisa lancierte Medienkampagne, die

die

"Grundwerte des Mexikanertums" anpreist. Sie soll das Nationalgefühl

der

Mexikaner angesichts der Plagen Mexikos - Armut und Ungleichheit,

Unsicherheit

und Korruption - stärken. Sie fand zwischen August und Oktober 2005

statt. Zum

Medienkonzern Televisa gehören Fernsehkanäle, Radios, eine

TV-Produktion-Firma, ein Verlag, Internetaktivitäten, Fußballklubs und

das

riesige Atztekenstadion. Er ist im Besitz der Familie Azcárraga, die

einst

enge Beziehungen zur jahrzehntelangen Staatspartei PRI unterhielt. Mit

dem

Ende des Quasi-Monopols des Konzerns in der zweiten Hälfte des 1990er

Jahren

geriet das Medienunternehmen in die Krise, die es unter anderem dank

Investitionen von Carlos Slim überwandt.

 

Die cosa nuestra ist die spanische Version der Cosa nostra, eine

kriminelle

Organisation nach dem Vorbild der sizilianischen Mafia. Die omertá* ist

das

Gesetz des Schweigens der Mafia.

 

Die reducciones (Reduktionen) sind die Indianer-Missionen der

Franziskaner und

später der Jesuiten, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in

Lateinamerika

existierten. Mit dem Begriff kann sowohl das Verfahren, Indianer in

Siedlungen

zu sammeln, als auch die Siedlung selbst gemeint sein. Das Projekt der

Reduktionen sah eine Konzentration der Urbevölkerung vor, um diese in

ein

"politisches und menschliches" Leben zu integrieren, was den Verzicht

auf

bestimmte mit der christlichen Moral und Religion unvereinbare

Verhaltensweisen voraussetzte. Zwar hatte das Projekt offiziell die

Bekehrung

und Unterweisung der Indianer zum Ziel, doch diente deren

Zusammenfassung in

Siedlungen vor allem dem politischen und militärischen Interesse der

spanischen Krone.

 

Monaden sind eine der letzten, in sich geschlossenen, vollendeten,

nicht mehr

auflösbaren Ureinheiten, aus denen die Weltsubstanz zusammengesetzt

ist.

 

Der Ausdruck cosche mafiosi ist italienisch und bedeutet Mafia-Klans.

 

Lorenzo Zambrano ist ein mexikanischer Unternehmer. Auf der

Forbes-Milliardär-Liste 2006 belegt er mit seiner Familie Platz 428.

Unter

anderem ist er Mitglied des Aufsichtsrats des Medienkonzerns Televisa.

 

Der Chapultepecschlosspakt wurde im September 2005 von den drei

mexikanischen

politischen Hauptparteien PRI, PAN und PRD sowie von den großen

Unternehmern

des Landes und Gerwerkschaftsbossen, Schriftstellern, Künstlern,

Wissenschaftlern und Prominenten in der Hauptstadt im Schloss

Chapultec,

welches das historische Nationalmuseum beherbergt, unterzeichnet. Der

Pakt

ruft zu einem korporativistischen Pakt auf unter der Führung der

Oligarchie

und beschwört den guten Willen der Elite, alles zu tun um Entwicklung

und

Wachstum zu fördern.

 

Halliburton ist ein multinationaler texanischer Konzern, dessen

Kerngeschäft

Energieversorgung und Ölförderung und -handel sind. Halliburton stand

auf

Grund fragwürdiger Geschäfte mit Ländern wie Libyen, Irak und Iran in

den

letzten Jahren vermehrt in der Kritik. Halliburton hat im Irak Verträge

von

der US-amerikanischen Regierung im Umfang von einigen Millionen

US-Dollar

zugesprochen bekommen.

 

oj/pvh

 

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Begegnung und internationale Zusammenarbeit</H1>

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60</FONT></DIV></DIV><!-- ###################### Kopfbereich Ende

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<H2 style="BORDER-TOP: medium none">Eine alles vereinnahmende Familie -

ein

Essay</H2>

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Mexiko</STRONG></FONT></P>

<P>Stephan Hasam</P>

<P>&nbsp;</P>

<P class=italic>Während die Alchimisten in Europa noch vergebens

versuchten,

unedle Metalle in Gold zu verwandeln, eroberten die marianischen

Konquistadoren

und Ordensleute jenseits des Atlantiks neue Territorien und steckten

dem

spanischen Königreich Neuspanien* ab. Sie strebten danach, die

infantile

Machtsehnsucht nach einem von ergebenen Dienern wimmelnden

Schlaraffenland auf

Erden zu verwirklichen und die unersättliche Begierde nach Gold zu

sättigen,

ohne eigene Opfer aufzubringen. </P>

<P align=right><SPAN class=italic>von Stephan Hasam</SPAN></P>

<P>Fast ein halbes Jahrtausend später erklärte der heute größte Tycoon

Mexikos,

Carlos Slim*, auf der <I>Forbes</I>-Milliardär-Liste 2006 mit über 30

Milliarden

US-Dollar drittreichster Mann der Welt, Mexiko sei ein Schnäppchen,

"<I>Mexico

is a buy</I>" – ein Eldorado, also, wo "avancieren" zugleich

"vorrücken" und

"erbeuten" heißt: <I>quien no tranza, no avanza</I>. </P>

<P>Seit Jahrhunderten ist Mexiko ein von einer Oligarchie geschnapptes

Land der

Korruption und organisierten Erpressung, der massiven

Reichtumsaneignung durch

Anwendung regulativer Gewalt, wo Ausbeutung der Schwächeren,

marianisch-ödipale

Männergewalt und Frauenfeindlichkeit, Folter, Entführungen (Kolumbien

übertreffend) sowie Hinrichtungen allgemeine Praxis und geschichtliche

Tradition

sind. Die Lebenswelt ist aufgebaut auf hierarchisch eingeordneten von

Schutzherren kontrollierten Körperschaften und besteht aus

autoritätshörigen

Dienern. Daher die alltäglichen Formeln: "dienen", <I>servir</I>, "zu

Eurem

Befehl", <I>a sus órdenes</I>, "um Sie zu bedienen", <I>para servir a

usted</I>,

und "dieser Diener", <I>este servidor</I>, statt einfach "ich" zu

sagen. Das Ich

als mündiges Subjekt fehlt, und Kritiker gelten als Störenfriede und

Verräter.

Eine gesellschaftsfeindliche Lebenswelt aus autoritär ausbeutenden und

ausgebeuteten "flexiblen Menschen", die Renaissance und Aufklärung

zurückwies.

</P>

<P>In einem solchen Staat sind die Einzelnen angreifbar und wehrlos.

Die

Menschen müssen, auch wenn sie selbst nicht zu den Erben der

Rauboligarchie

gehören, im wesentlichen ebenso ausgeprägt sein, und jene Mentalität,

Aneignungsmethoden und Gewaltpraktiken nachahmen. Diese Lebenswelt wird

als

natürlich und allein existierend aufgefasst, und alle Menschen müssen

sich einer

oder mehreren Selbstschutzgemeinschaften unterordnen, wenn sie

Existenzsicherheit erwarten wollen. Je ärmlicher sie sind, desto

unentbehrlicher

ist die Selbstschutzkörperschaft. Je ärmlicher diese

Selbstschutzkörperschaft,

desto weniger findet sie Beachtung – bis sie schließlich Gewalt

anwendet: "Wer

nicht weint, wird nicht gestillt", <I>el que no llora, no mama</I>.

</P>

<P>Das vom <I>Tridentinum</I>* propagierte mittelalterlich geschlossene

Staatsgebilde vom organischen Sozialkörper, dessen Seele und Vernunft

im

Staatsoberhaupt innewohnen und dessen Glieder und Organe aus

stratifiziert

miteinander verbundenen Unterkörperschaften bestehen, war die Grundlage

des

Nationalismus des spanischen Königreichs, daher auch Siziliens*,

Neapels* und

Neuspaniens, wo es heute noch im republikanischen Gewand weiter besteht

und

sichtbar ist: im Gebilde Mexikos als marianischer Gesamtkörper und im

liturgiestarken allgegenwärtigen mexikanischen Nationalismus, der

fortwährend

Gefahr läuft, innerlich zu zersplittern. Nimmt die Gefahr zu, wie 1982

mit der

mexikanischen Schuldenkrise, wird der sanierende Kapitalaneignungsplan

von

großartigen Fahnen- und Nationalhymnegesetzen begleitet. Heute an der

Schwelle

eines qualitativen Sprungs im Aneignungsmodell, lancierte das

Medienmonopol der

Oligarchie ausgehend vom Palast der Schönen Künste* eine neue

nationalistische

Evangelisierungskampagne: <I>Celebremos México</I>*&nbsp;"lasst uns

Mexiko

feiern", die von Pop- und Sportstars, Schauspielern, Schriftstellern,

und

Nachrichtensprechern über das ganze Land, mit Betonung auf den

Kultworten

"Mexico",&nbsp; "mexikanisch", und "in unserem Land" verbreitet wird,

und von

allen, unbewusst, wiederholt wird. </P>

<P>Mexiko gilt als die allumfassende Körperschaft, der alle anderen

untergeordnet sind, und die alle anderen schützend in sich aufnimmt,

<I>la gran

familia mexicana</I>, eine nur die Familienangehörigen angehende

<I>cosa

nuestra</I>*, wo das <I>omertá</I>*-bewahrende Diktum herrscht, "die

schmutzige

Wäsche wäscht man daheim", <I>la ropa sucia se lava en casa</I>. Über

das Wie

spricht man lieber nicht. Folgerichtig steht – in republikanischer

Sprache

verkleidet – im Paragraphen 33 der mexikanischen Verfassung, dass jeder

Outsider, der nicht mit den Oberkörperschaftshäuptern unter einer Decke

steckt

und gar Kritik ausübt, zügig aus dem Land verbannt werden kann, wie es

dem

Schriftsteller Mario Vargas Llosa geschah, als er Mexiko die perfekte

Diktatur

nannte. Der Gesamtkörper – so die grundlegende Auffassung – müsse sich

gegen

Aneignungsversuche durch Fremde schützen. </P>

<P>Als Präzedenzfälle gelten die Invasion und Einverleibung der Hälfte

des

Nationalkörpers 1848 durch die USA, die kurzlebige Herrschaft im

Schloss

Chapultepec Kaiser Maximilian von Habsburgs (1864-1867) auf Einladung

eines

Teils der mexikanischen Oligarchie, und die US-Invasion 1914. Den

Sorgen vor

einer imperialistische Aneignung von außen entspricht ein Imperialismus

im

Innern, oft mittels Joint Ventures der Körperschaftshäupter mit ihren

fremden

Partnern. Die Mafiaorganisationen im Drogen- und Entführungsgeschäft

ahmen die

Samthandschuhkartelle der Staatsoligarchie nach und sind ihnen oft

untergeordnet. Wie in Russland spielen auch in Mexiko Polizei-,

Militär- und

Geheimdienstkontakte eine Schlüsselrolle. Carlos Slims Bruder Julián

machte

Karriere in der Staatssicherheit und wurde Direktor für Nationale

Sicherheit.

</P>

<P>Schon das spanische Königreich versuchte seine nationale Einheit

durch den

Aufbau eines geschlossenen Körpers zu konsolidieren, "wo die

Partikularismen der

Personen oder der Territorien und die Vielfalt der Privilegien und

Rechte von

Korporationen eines zentralisierten Staats, stark und mächtig,

absorbiert werden

sollten", wie Mexikos Historikerin Marialba Pastor formulierte. "Um

sich Treue

und Gehorsamkeit zu vergewissern, behielt der Staat die

mittelalterlichen

patrimonialen Beziehungen bei, wo die Landes- und Schutzherren – die

Autoritätsfiguren – ihren Gefolgsleuten Schutz gewährten, womit sie

sich ihren

Adelsrang, ihre Privilegien und ihr Erbgut sicherten. Dafür in Umtausch

versicherte der Staat, wie ein 'großer Vater', den 'Kindern des

Vaterlandes' die

Bereitstellung von Vorräten für ihr Überleben". Hier der Ursprung des

populistischen Caudillos als Körperschaftsoberhaupt und seiner ihm

ergebenen,

unmündigen und opferbereiten Schützlingsmasse der ewig Ärmlichen: das

Volk,

<I>el pueblo</I>. </P>

<P>Die Partikularisierungstendenzen der Glieder und Organe wurden durch

eine

Mischung von Privilegien, Bestechung, Lob, Komplizenschaften,

<I>omertá</I>,

Sippenhaftung, Erpressung, gegenseitiges Überwachen, Beichten,

Intrigen,

Gerüchte, Drohungen und Strafen bekämpft. Auf dem Lande errichteten die

Ordensleute Konzentrationsdörfer, <I>reducciones</I>*, für die arme

Landbevölkerung. Jedes Dorf ein Körperschaftsghetto: einen Heiligen,

ein

Dialekt, eine andersfarbige Uniform zur Identifizierung und Kontrolle,

heute

noch als Folklore verkauft. Neben der Inquisition als Großnötigung, gab

es ein

zweites Herrschaftsinstrument: ein Spioniernetzwerk der

ekklesiastischen

Gerichte, zuständig für die Überwachung der Einhaltung von Sitten- und

Gebräuchen bis in die Intimsphäre. Ein Erpressungsparadies.

Öffentlichkeit und

Privatleben gingen ineinander über, was auch für die untergeordneten

Sozialkörper bis zu den einzelnen Monaden* galt, den marianischen

Familien

nämlich, aus welchen die übergeordneten Sozialkörper sich bildeten.

</P>

<P>Der italienische Elitentheoretiker Gaetano Mosca glaubte, die

Grundlagen der

Mafiakultur, der Symbiose zwischen der regulären und irregulären

Hemisphäre der

Lebenswelt, im spanischen Sizilien entdeckt zu haben, nämlich "im

System der

Übereinkünfte und Verpflichtungen, das die Obrigkeit mit den

Missetätern

vornahm" und "im Schutz, den die Oberklasseangehörigen, manchmal in

öffentlichen

Ämtern eingesetzt, und die Behörden selbst, den <I>cosche mafiosi</I>*

[gewährten]". Zu dem Schutz des Übeltäters durch den erhabenen Herrn

komme

hinzu, "jene viel höhere Leistungsfähigkeit: die des Abgeordneten, des

Bürgermeisters, des Assessors zugunsten des mafiosen Caudillos oder

sogar eines

einflussreichen Mitglieds einer Kamarilla". In Mexiko auch des

Staatshauptes.

</P>

<P>Die Körperschaften sind Janusköpfe, allen voran der oligarchische

Staat.

Symbiotische Beziehungen zwischen Körperschaften und Staat sind

beidseitig

vorteilhaft, erklärt die Historikerin Pastor. Die Körperschaften, die

Korruption

und Unterwerfung ihrer Mitglieder fördern, erhalten Privilegien zur

Monopolisierung der Produktion, des Warenverkaufs, des Arbeitsmarktes,

eines

politischen oder religiösen Glaubens. Dafür leisten sie dem Staat viele

Dienste

zwecks Sozialkontrolle und Erhaltung des Status quo. Der mafiose Geist

ist

antisozial und eine korporative Lebenswelt toleriert keine

Zivilgesellschaft.

Anstelle politischer Parteien gibt es als Parteien verkleidete

Körperschaften,

die sich aus <I>grupos </I>oder <I>tribus </I>(Stämme) bilden. Und die

"politische" Tätigkeit wird <I>grilla </I>(zirpende Vortäuscherei)

genannt. </P>

<P>Die Körperschaftsspitzen, <I>jefes </I>(Chefs) oder <I>cabezas de

grupo

</I>(Gruppenoberhäupter) genannt, verbinden die auf verschiedenen

Schichten in

fortwährender Spannung koexistierenden Körperschaften untereinander und

mit dem

Staat. Pastor schreibt: "Genauso wie die Körperschaften sich aus ihren

eigenen

Familien und ihren Anhängern bilden, nimmt der Staat die Führer der

Körperschaften als seine prominentesten Leiter und Funktionäre in eine

idyllische und monolithische Beziehung auf. Die Korruptionspraktiken

verwandeln

sich in alltägliche Praktiken und bilden die Zentralstruktur, von der

ausgehend

das ganze System definiert wird. Die Körperschaften sind die

Erziehungsquelle

der korrupten Mentalitäten und Verhaltensweisen, die ihre Mitglieder

dafür

vorbereitet, große Aktionen zu vollbringen" – unter dem Schutzmantel

Marias.

Eine Ordnung durch Vermittlung der Unordnung entsteht: eine

unaufhörliche

Dynamik von Intrigen, Allianzen, Bestechungen, Pakten, Kriegen, Verrat,

Erpressung, in der die Schwachen immer verlieren. </P>

<P>Skandale signalisieren den Ausbruch von Kämpfen zwischen

Körperschaften um

Macht und Mittel zur Nötigung. Das öffentlich Ausgetragene ist

weitgehend

Liturgie, Fassade. Das Wesentliche bleibt Outsidern ein unzugängliches

Geheimnis. Die Korruption "des Anderen" wird öffentlich "mit voller

Kraft des

Gesetzes" bekämpft, bis – nach einer von den Medien getragenen

andauernden

tauziehenden Machtdemonstration – bei einem Frühstück die

Gruppenoberhäupter

Vereinbarungen treffen. Dann schrumpft schlagartig der Skandal

zusammen,

verschwindet aus den Medien, und die Legalität wird den

Frühstücksvereinbarungen

angepasst. </P>

<P>Der Übergang von der verbrauchten Einparteienherrschaft des 20.

Jahrhunderts

zum neuen Modell ist fast vollzogen. Im domestizierenden Rausch der

neuen

Nationalevangelisierung hat sich die Oligarchie dank eines neuen

Gesetzes die

Totalherrschaft der Elektromedien und Telekommunikation des Landes

angeeignet.

Ein Goebbels'scher Traum. Fast gleichzeitig machte Carlos Slim,

zusammen mit

Zementtycoon Lorenzo Zambrano*, den Chapultepec-Schloss- Pakt* "für die

nationale Einheit" bekannt; lobend von den Unterkörperschaftshäuptern

des Landes

unterschrieben: Gouverneuren, Gewerkschaftshäuptern,

Universitätsrektoren,

Hofintellektuellen, Wissenschaftlern, Schriftstellern, Sportund

Popstars und

Präsidentschaftskandidaten. </P>

<P>Wer sich der Ein- und Unterordnung entziehen will, wird öffentlich

brüskiert.

Das Flaggschiff des korporativen Pakts heißt IDEAL*, Slims neu

gegründetes,

Halliburton* nachahmendes Geschäft zur Ausführung riesiger

Staatsprojekte. Das

Startkapital, sagt er, soll aus den zwangsinvestierten Pensionsfonds

der

Gehaltsempfänger kommen. Das private bankrotte Bankwesen wurde 1982

verstaatlicht, und die Besitzer wurden entschädigt. Nach Sanierung

privatisierte

es der Staat 1992 erneut gegen ein Schnäppchen von 3,5 Milliarden

US-Dollar.

Zwei Jahre später musste er die Banken wieder auf Staatskosten

sanieren, was ihn

100 Milliarden Euro kostete. Thukydides berichtete, dass in der Antike

gewalttätige Räuber und friedlich einnehmende Händler als gleich

ehrenhaft

galten. In Mexiko ist es heute noch so. Postmodern <I>avant la

lettre</I>,

erkennt sich Mexiko wieder in der heutigen aufklärungsfeindlichen

postmodernen

Welt der janusköpfigen Megacorporations, und verzahnt sich tadellos

damit. </P>

<P class=ArticleLit><EM>aus: der überblick 02/2006, Seite 60</EM></P>

<HR SIZE=1>

 

<P></P>

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<P><STRONG>AUTOR(EN):</STRONG></P>

<P><SPAN class=headline>Stephan Hasam </SPAN><BR><BR>Stephan Hasam ist

Politologe in Mexiko-City und langjähriger Beobachter der mexikanischen

Lebenswelt. </P>

<H3>Glossar</H3><B>Neuspanien</B> war der Name der spanischen Kolonie,

aus dem

der Nationalstaat Mexiko 18 21 hervorging. Rund 300 Jahre lang blieb

Neuspanien

in der Obhut der spanischen Krone. <BR><BR><B>Carlos Slim</B> ist ein

mexikanischer Unternehmer, der insbesondere in der

Telekommunikationsbranche in

Mexiko und Lateinamerika tätig ist. Er ist unter anderem der

Hauptaktionär der

Telefongesellschaft <I>Telmex</I>, dem größten privaten Unternehmen

Mexikos,

einem ehemaligen Staatsbetrieb, der 1990 unter Präsident Carlos Salinas

privatisiert wurde. Ferner ist er Hauptaktionär von <I>América

Móvil</I>, dem

zweitgrößten Mobilfunkanbieter Lateinamerikas. Im Rahmen der

Privatisierung von

<I>Telmex </I>gab es Gerüchte von Korruption. Carlos Slim unterhielt

mit dem

damaligen Präsidenten Carlos Salinas eine freundschaftliche Beziehung.

Eine

weitere berüchtigte Affäre bildet seine Spende von 50 Millionen

US-Dollar für

die Restaurierung der Altstadt von Mexico- City. Der Bürgermeister und

Kandidat

für die Präsidentschaftswahl im Juli 2006, Andrés Manuel López Obrador,

garantierte ihm dafür ein Vorkaufsrecht an zahlreichen Gebäuden im

Stadtkern.

Nach den mit den Millionen von Slim durchgeführten Restaurationen waren

diese

Häuser ein Mehrfaches von dem wert, was Slim ursprünglich investiert

hatte. Im

Jahr 2005 startete er als Abzweigung seiner Bank Imbursa das

Megaprojekt IDEAL*

(Initiative für die Wirtschaftliche Entwicklung Lateinamerikas – vor

kurzem in

Initiative für Entwicklung und Arbeit in Lateinamerika umbenannt).

Dabei handelt

es sich um einen Aktionsplan für Großinvestitionen in Infrastrukturen

und in die

Wasser- und Energieversorgung in Lateinamerika, der von einer

multinationalen

Holding mit einem Startkapital von 800 Millionen US-Dollar getragen

wird.

<BR><BR>Das <B>Tridentinum</B> bezeichnet das Konzil von Trient, das

dreimal

zwischen 1545 und 1563 getagt hat. Es wurde als Antwort der

katholischen Kirche

auf die Reformation einberufen. <BR><BR><B>Sizilien</B> und

<B>Neapel</B>

gehörten zum Zeitpunkt der Kolonisation Neuspanien zum spanischen

Königsreich.

<BR><BR><B>Der Palast der Schönen Künste</B> ist ein nationales

Architekturmonument und eine Opernund Kunstausstellungsstätte im

Zentrum von

Mexiko-City. Zugleich ist es ein Totenwachmausoleum für

Nationalberühmtheiten.

<BR><BR><B>Celebremos México</B> ist eine von <I>Televisa </I>lancierte

Medienkampagne, die die "Grundwerte des Mexikanertums" anpreist. Sie

soll das

Nationalgefühl der Mexikaner angesichts der Plagen Mexikos – Armut und

Ungleichheit, Unsicherheit und Korruption – stärken. Sie fand zwischen

August

und Oktober 2005 statt. Zum Medienkonzern Televisa gehören

Fernsehkanäle,

Radios, eine TV-Produktion-Firma, ein Verlag, Internetaktivitäten,

Fußballklubs

und das riesige Atztekenstadion. Er ist im Besitz der Familie

Azcárraga, die

einst enge Beziehungen zur jahrzehntelangen Staatspartei PRI

unterhielt. Mit dem

Ende des Quasi-Monopols des Konzerns in der zweiten Hälfte des 1990er

Jahren

geriet das Medienunternehmen in die Krise, die es unter anderem dank

Investitionen von Carlos Slim überwandt. <BR><BR>Die <B>cosa

nuestra</B> ist die

spanische Version der <I>Cosa nostra</I>, eine kriminelle Organisation

nach dem

Vorbild der sizilianischen Mafia. Die omertá* ist das Gesetz des

Schweigens der

Mafia. <BR><BR>Die <B>reducciones</B> (Reduktionen) sind die

Indianer-Missionen

der Franziskaner und später der Jesuiten, die zwischen dem 16. und 18.

Jahrhundert in Lateinamerika existierten. Mit dem Begriff kann sowohl

das

Verfahren, Indianer in Siedlungen zu sammeln, als auch die Siedlung

selbst

gemeint sein. Das Projekt der Reduktionen sah eine Konzentration der

Urbevölkerung vor, um diese in ein "politisches und menschliches" Leben

zu

integrieren, was den Verzicht auf bestimmte mit der christlichen Moral

und

Religion unvereinbare Verhaltensweisen voraussetzte. Zwar hatte das

Projekt

offiziell die Bekehrung und Unterweisung der Indianer zum Ziel, doch

diente

deren Zusammenfassung in Siedlungen vor allem dem politischen und

militärischen

Interesse der spanischen Krone. <BR><BR><B>Monaden</B> sind eine der

letzten, in

sich geschlossenen, vollendeten, nicht mehr auflösbaren Ureinheiten,

aus denen

die Weltsubstanz zusammengesetzt ist. <BR><BR>Der Ausdruck <B>cosche

mafiosi</B>

ist italienisch und bedeutet Mafia-Klans. <BR><BR><B>Lorenzo

Zambrano</B> ist

ein mexikanischer Unternehmer. Auf der <I>Forbes</I>-Milliardär-Liste

2006

belegt er mit seiner Familie Platz 428. Unter anderem ist er Mitglied

des

Aufsichtsrats des Medienkonzerns <I>Televisa</I>. <BR><BR>Der

<B>Chapultepecschlosspakt</B> wurde im September 2005 von den drei

mexikanischen

politischen Hauptparteien PRI, PAN und PRD sowie von den großen

Unternehmern des

Landes und Gerwerkschaftsbossen, Schriftstellern, Künstlern,

Wissenschaftlern

und Prominenten in der Hauptstadt im Schloss Chapultec, welches das

historische

Nationalmuseum beherbergt, unterzeichnet. Der Pakt ruft zu einem

korporativistischen Pakt auf unter der Führung der Oligarchie und

beschwört den

guten Willen der Elite, alles zu tun um Entwicklung und Wachstum zu

fördern.

<BR><BR><B>Halliburton</B> ist ein multinationaler texanischer Konzern,

dessen

Kerngeschäft Energieversorgung und Ölförderung und -handel sind.

Halliburton

stand auf Grund fragwürdiger Geschäfte mit Ländern wie Libyen, Irak und

Iran in

den letzten Jahren vermehrt in der Kritik. Halliburton hat im Irak

Verträge von

der US-amerikanischen Regierung im Umfang von einigen Millionen

US-Dollar

zugesprochen bekommen.

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