Autor Stephen Hasam
ensayo escrito en abril en alemán
sobre
la
internacionales de los teólogos de la
liberación luteranos de Alemania,
(Evangelischer
Entwicklungsdienst=Servicio Luterano para el Desarrollo)
"Der
Überblick"
Der Überblick - Zeitschrift für
ökumenische Begegnung und
internationale
Zusammenarbeit
Eine alles vereinnahmende Familie - ein
Essay
Die Erfolgsgeschichte der Korruption in
Mexiko
von Stephan Hasam
Während die Alchimisten in Europa noch
vergebens versuchten, unedle
Metalle in
Gold zu verwandeln, eroberten die
marianischen Konquistadoren und
Ordensleute
jenseits des Atlantiks neue Territorien
und steckten dem spanischen
Königreich
Neuspanien* ab. Sie strebten danach,
die infantile Machtsehnsucht nach
einem
von ergebenen Dienern wimmelnden
Schlaraffenland auf Erden zu
verwirklichen
und die unersättliche Begierde nach
Gold zu sättigen, ohne eigene Opfer
aufzubringen.
von Stephan Hasam
Fast ein halbes Jahrtausend später
erklärte der heute größte Tycoon
Mexikos,
Carlos Slim*, auf der
Forbes-Milliardär-Liste 2006 mit über 30
Milliarden
US-Dollar drittreichster Mann der Welt,
Mexiko sei ein Schnäppchen,
"Mexico is
a buy" - ein Eldorado, also, wo
"avancieren" zugleich "vorrücken" und
"erbeuten" heißt: quien no
tranza, no avanza.
Seit Jahrhunderten ist Mexiko ein von
einer Oligarchie geschnapptes
Land der
Korruption und organisierten
Erpressung, der massiven
Reichtumsaneignung durch
Anwendung regulativer Gewalt, wo
Ausbeutung der Schwächeren,
marianisch-ödipale Männergewalt und
Frauenfeindlichkeit, Folter,
Entführungen
(Kolumbien übertreffend) sowie
Hinrichtungen allgemeine Praxis und
geschichtliche Tradition sind. Die
Lebenswelt ist aufgebaut auf
hierarchisch
eingeordneten von Schutzherren
kontrollierten Körperschaften und
besteht aus
autoritätshörigen Dienern. Daher die
alltäglichen Formeln: "dienen",
servir,
"zu Eurem Befehl", a sus
órdenes, "um Sie zu bedienen", para servir a
usted,
und "dieser Diener", este
servidor, statt einfach "ich" zu sagen. Das
Ich als
mündiges Subjekt fehlt, und Kritiker
gelten als Störenfriede und
Verräter.
Eine gesellschaftsfeindliche Lebenswelt
aus autoritär ausbeutenden und
ausgebeuteten "flexiblen
Menschen", die Renaissance und Aufklärung
zurückwies.
In einem solchen Staat sind die
Einzelnen angreifbar und wehrlos. Die
Menschen
müssen, auch wenn sie selbst nicht zu
den Erben der Rauboligarchie
gehören, im
wesentlichen ebenso ausgeprägt sein,
und jene Mentalität,
Aneignungsmethoden
und Gewaltpraktiken nachahmen. Diese
Lebenswelt wird als natürlich und
allein
existierend aufgefasst, und alle
Menschen müssen sich einer oder
mehreren
Selbstschutzgemeinschaften unterordnen,
wenn sie Existenzsicherheit
erwarten
wollen. Je ärmlicher sie sind, desto
unentbehrlicher ist die
Selbstschutzkörperschaft. Je
ärmlicher diese Selbstschutzkörperschaft,
desto
weniger findet sie Beachtung - bis sie
schließlich Gewalt anwendet:
"Wer nicht
weint, wird nicht gestillt", el
que no llora, no mama.
Das vom Tridentinum* propagierte
mittelalterlich geschlossene
Staatsgebilde
vom organischen Sozialkörper, dessen
Seele und Vernunft im
Staatsoberhaupt
innewohnen und dessen Glieder und
Organe aus stratifiziert miteinander
verbundenen Unterkörperschaften
bestehen, war die Grundlage des
Nationalismus
des spanischen Königreichs, daher auch
Siziliens*, Neapels* und
Neuspaniens,
wo es heute noch im republikanischen
Gewand weiter besteht und sichtbar
ist:
im Gebilde Mexikos als marianischer
Gesamtkörper und im liturgiestarken
allgegenwärtigen mexikanischen
Nationalismus, der fortwährend Gefahr
läuft,
innerlich zu zersplittern. Nimmt die
Gefahr zu, wie 1982 mit der
mexikanischen
Schuldenkrise, wird der sanierende
Kapitalaneignungsplan von
großartigen
Fahnen- und Nationalhymnegesetzen
begleitet. Heute an der Schwelle
eines
qualitativen Sprungs im
Aneignungsmodell, lancierte das Medienmonopol
der
Oligarchie ausgehend vom Palast der
Schönen Künste* eine neue
nationalistische
Evangelisierungskampagne: Celebremos
México* "lasst uns Mexiko feiern",
die
von Pop- und Sportstars, Schauspielern,
Schriftstellern, und
Nachrichtensprechern über das ganze
Land, mit Betonung auf den
Kultworten
"
von
allen, unbewusst, wiederholt wird.
Mexiko gilt als die allumfassende
Körperschaft, der alle anderen
untergeordnet
sind, und die alle anderen schützend
in sich aufnimmt, la gran familia
mexicana, eine nur die
Familienangehörigen angehende cosa nuestra*, wo
das
omertá*-bewahrende Diktum herrscht,
"die schmutzige Wäsche wäscht man
daheim",
la ropa sucia se lava en casa. Über
das Wie spricht man lieber nicht.
Folgerichtig steht - in
republikanischer Sprache verkleidet - im
Paragraphen
33 der mexikanischen Verfassung, dass
jeder Outsider, der nicht mit den
Oberkörperschaftshäuptern unter einer
Decke steckt und gar Kritik
ausübt,
zügig aus
Mario
Vargas Llosa geschah, als er Mexiko die
perfekte Diktatur nannte. Der
Gesamtkörper - so die grundlegende
Auffassung - müsse sich gegen
Aneignungsversuche durch Fremde
schützen.
Als Präzedenzfälle gelten die
Invasion und Einverleibung der Hälfte des
Nationalkörpers 1848 durch die
Schloss
Chapultepec Kaiser Maximilian von
Habsburgs (1864-1867) auf Einladung
eines
Teils der mexikanischen Oligarchie, und
die US-Invasion 1914. Den
Sorgen vor
einer imperialistische Aneignung von
außen entspricht ein Imperialismus
im
Innern, oft mittels Joint Ventures der
Körperschaftshäupter mit ihren
fremden
Partnern. Die Mafiaorganisationen im
Drogen- und Entführungsgeschäft
ahmen die
Samthandschuhkartelle der
Staatsoligarchie nach und sind ihnen oft
untergeordnet. Wie in Russland spielen
auch in Mexiko Polizei-,
Militär- und
Geheimdienstkontakte eine
Schlüsselrolle. Carlos Slims Bruder Julián
machte
Karriere in der Staatssicherheit und
wurde Direktor für Nationale
Sicherheit.
Schon das spanische Königreich
versuchte seine nationale Einheit durch
den
Aufbau eines geschlossenen Körpers zu
konsolidieren, "wo die
Partikularismen
der Personen oder der Territorien und
die Vielfalt der Privilegien und
Rechte
von Korporationen eines zentralisierten
Staats, stark und mächtig,
absorbiert
werden sollten", wie Mexikos
Historikerin Marialba Pastor formulierte.
"Um
sich Treue und Gehorsamkeit zu
vergewissern, behielt der Staat die
mittelalterlichen patrimonialen
Beziehungen bei, wo die Landes- und
Schutzherren - die Autoritätsfiguren -
ihren Gefolgsleuten Schutz
gewährten,
womit sie sich ihren Adelsrang, ihre
Privilegien und ihr Erbgut
sicherten.
Dafür in Umtausch versicherte der
Staat, wie ein 'großer Vater', den
'Kindern
des Vaterlandes' die Bereitstellung von
Vorräten für ihr Überleben".
Hier der
Ursprung des populistischen Caudillos
als Körperschaftsoberhaupt und
seiner
ihm ergebenen, unmündigen und
opferbereiten Schützlingsmasse der ewig
Ärmlichen: das Volk, el pueblo.
Die Partikularisierungstendenzen der
Glieder und Organe wurden durch
eine
Mischung von Privilegien, Bestechung,
Lob, Komplizenschaften, omertá,
Sippenhaftung, Erpressung,
gegenseitiges Überwachen, Beichten,
Intrigen,
Gerüchte, Drohungen und Strafen
bekämpft. Auf dem Lande errichteten die
Ordensleute Konzentrationsdörfer,
reducciones*, für die arme
Landbevölkerung.
Jedes Dorf ein Körperschaftsghetto:
einen Heiligen, ein Dialekt, eine
andersfarbige Uniform zur
Identifizierung und Kontrolle, heute noch als
Folklore verkauft. Neben der
Inquisition als Großnötigung, gab es ein
zweites
Herrschaftsinstrument: ein
Spioniernetzwerk der ekklesiastischen
Gerichte,
zuständig für die Überwachung der
Einhaltung von Sitten- und Gebräuchen
bis in
die Intimsphäre. Ein
Erpressungsparadies. Öffentlichkeit und
Privatleben
gingen ineinander über, was auch für
die untergeordneten Sozialkörper
bis zu
den einzelnen Monaden* galt, den
marianischen Familien nämlich, aus
welchen
die übergeordneten Sozialkörper sich
bildeten.
Der italienische Elitentheoretiker
Gaetano Mosca glaubte, die
Grundlagen der
Mafiakultur, der Symbiose zwischen der
regulären und irregulären
Hemisphäre
der Lebenswelt, im spanischen Sizilien
entdeckt zu haben, nämlich "im
System
der Übereinkünfte und
Verpflichtungen, das die Obrigkeit mit den
Missetätern
vornahm" und "im Schutz, den
die Oberklasseangehörigen, manchmal in
öffentlichen Ämtern eingesetzt, und
die Behörden selbst, den cosche
mafiosi*
[gewährten]". Zu dem Schutz des
Übeltäters durch den erhabenen Herrn
komme
hinzu, "jene viel höhere
Leistungsfähigkeit: die des Abgeordneten, des
Bürgermeisters, des Assessors
zugunsten des mafiosen Caudillos oder
sogar
eines einflussreichen Mitglieds einer
Kamarilla". In Mexiko auch des
Staatshauptes.
Die Körperschaften sind Janusköpfe,
allen voran der oligarchische
Staat.
Symbiotische Beziehungen zwischen
Körperschaften und Staat sind
beidseitig
vorteilhaft, erklärt die Historikerin
Pastor. Die Körperschaften, die
Korruption und Unterwerfung ihrer
Mitglieder fördern, erhalten
Privilegien zur
Monopolisierung der Produktion, des
Warenverkaufs, des Arbeitsmarktes,
eines
politischen oder religiösen Glaubens.
Dafür leisten sie dem Staat viele
Dienste zwecks Sozialkontrolle und
Erhaltung des Status quo. Der
mafiose Geist
ist antisozial und eine korporative
Lebenswelt toleriert keine
Zivilgesellschaft. Anstelle politischer
Parteien gibt es als Parteien
verkleidete Körperschaften, die sich
aus grupos oder tribus (Stämme)
bilden.
Und die "politische"
Tätigkeit wird grilla (zirpende Vortäuscherei)
genannt.
Die Körperschaftsspitzen, jefes
(Chefs) oder cabezas de grupo
(Gruppenoberhäupter) genannt,
verbinden die auf verschiedenen Schichten
in
fortwährender Spannung koexistierenden
Körperschaften untereinander und
mit
dem Staat. Pastor schreibt:
"Genauso wie die Körperschaften sich aus
ihren
eigenen Familien und ihren Anhängern
bilden, nimmt der Staat die Führer
der
Körperschaften als seine
prominentesten Leiter und Funktionäre in eine
idyllische und monolithische Beziehung
auf. Die Korruptionspraktiken
verwandeln sich in alltägliche
Praktiken und bilden die
Zentralstruktur, von
der ausgehend das ganze System
definiert wird. Die Körperschaften sind
die
Erziehungsquelle der korrupten
Mentalitäten und Verhaltensweisen, die
ihre
Mitglieder dafür vorbereitet, große
Aktionen zu vollbringen" - unter
dem
Schutzmantel Marias. Eine Ordnung durch
Vermittlung der Unordnung
entsteht:
eine unaufhörliche Dynamik von
Intrigen, Allianzen, Bestechungen,
Pakten,
Kriegen, Verrat, Erpressung, in der die
Schwachen immer verlieren.
Skandale signalisieren den Ausbruch von
Kämpfen zwischen Körperschaften
um
Macht und Mittel zur Nötigung. Das
öffentlich Ausgetragene ist
weitgehend
Liturgie, Fassade. Das Wesentliche
bleibt Outsidern ein unzugängliches
Geheimnis. Die Korruption "des
Anderen" wird öffentlich "mit voller
Kraft des
Gesetzes" bekämpft, bis - nach
einer von den Medien getragenen
andauernden
tauziehenden Machtdemonstration - bei
einem Frühstück die
Gruppenoberhäupter
Vereinbarungen treffen. Dann schrumpft
schlagartig der Skandal
zusammen,
verschwindet aus den Medien, und die
Legalität wird den
Frühstücksvereinbarungen angepasst.
Der Übergang von der verbrauchten
Einparteienherrschaft des 20.
Jahrhunderts
zum neuen Modell ist fast vollzogen. Im
domestizierenden Rausch der
neuen
Nationalevangelisierung hat sich die
Oligarchie dank eines neuen
Gesetzes die
Totalherrschaft der Elektromedien und
Telekommunikation des Landes
angeeignet.
Ein Goebbels'scher Traum. Fast
gleichzeitig machte Carlos Slim,
zusammen mit
Zementtycoon Lorenzo Zambrano*, den
Chapultepec-Schloss- Pakt* "für die
nationale Einheit" bekannt; lobend
von den Unterkörperschaftshäuptern
des
Landes unterschrieben: Gouverneuren,
Gewerkschaftshäuptern,
Universitätsrektoren,
Hofintellektuellen, Wissenschaftlern,
Schriftstellern,
Sportund Popstars und
Präsidentschaftskandidaten.
Wer sich der Ein- und Unterordnung
entziehen will, wird öffentlich
brüskiert.
Das Flaggschiff des korporativen Pakts
heißt IDEAL*, Slims neu
gegründetes,
Halliburton* nachahmendes Geschäft zur
Ausführung riesiger
Staatsprojekte. Das
Startkapital, sagt er, soll aus den
zwangsinvestierten Pensionsfonds
der
Gehaltsempfänger kommen. Das private
bankrotte Bankwesen wurde 1982
verstaatlicht, und die Besitzer wurden
entschädigt. Nach Sanierung
privatisierte es der Staat 1992 erneut
gegen ein Schnäppchen von 3,5
Milliarden US-Dollar. Zwei Jahre
später musste er die Banken wieder auf
Staatskosten sanieren, was ihn 100
Milliarden Euro kostete. Thukydides
berichtete, dass in der Antike
gewalttätige Räuber und friedlich
einnehmende
Händler als gleich ehrenhaft galten.
In Mexiko ist es heute noch so.
Postmodern avant la lettre, erkennt
sich Mexiko wieder in der heutigen
aufklärungsfeindlichen postmodernen
Welt der janusköpfigen
Megacorporations,
und verzahnt sich tadellos damit.
aus: der überblick 02/2006, Seite 60
--------------------------------------------------------------------------------
zurück zum Inhaltsverzeichnis
zum nächsten Artikel
Artikel drucken
das Heft 02/2006 bestellen
Artikel per E-Mail versenden
Begriffserklärung (Wikipedia):
1. Begriff im Text markieren
2. auf das Icon klicken
AUTOR(EN):
Stephan Hasam
Stephan Hasam ist Politologe in
Mexiko-City und langjähriger Beobachter
der
mexikanischen Lebenswelt.
Glossar
Neuspanien war der Name der spanischen
Kolonie, aus dem der
Nationalstaat
Mexiko 18 21 hervorging. Rund 300 Jahre
lang blieb Neuspanien in der
Obhut der
spanischen Krone.
Carlos Slim ist ein mexikanischer
Unternehmer, der insbesondere in der
Telekommunikationsbranche in Mexiko und
Lateinamerika tätig ist. Er ist
unter
anderem der Hauptaktionär der
Telefongesellschaft Telmex, dem größten
privaten
Unternehmen Mexikos, einem ehemaligen
Staatsbetrieb, der 1990 unter
Präsident
Carlos Salinas privatisiert wurde.
Ferner ist er Hauptaktionär von
América
Móvil, dem zweitgrößten
Mobilfunkanbieter Lateinamerikas. Im Rahmen der
Privatisierung von Telmex gab es
Gerüchte von Korruption. Carlos Slim
unterhielt mit dem damaligen
Präsidenten Carlos Salinas eine
freundschaftliche
Beziehung. Eine weitere berüchtigte
Affäre bildet seine Spende von 50
Millionen US-Dollar für die
Restaurierung der Altstadt von Mexico-
City. Der
Bürgermeister und Kandidat für die
Präsidentschaftswahl im Juli 2006,
Andrés
Manuel López Obrador, garantierte ihm
dafür ein Vorkaufsrecht an
zahlreichen
Gebäuden im Stadtkern. Nach den mit
den Millionen von Slim
durchgeführten
Restaurationen waren diese Häuser ein
Mehrfaches von dem wert, was Slim
ursprünglich investiert hatte. Im Jahr
2005 startete er als Abzweigung
seiner
Bank Imbursa das Megaprojekt IDEAL*
(Initiative für die Wirtschaftliche
Entwicklung Lateinamerikas - vor kurzem
in Initiative für Entwicklung
und
Arbeit in Lateinamerika umbenannt).
Dabei handelt es sich um einen
Aktionsplan
für Großinvestitionen in
Infrastrukturen und in die Wasser- und
Energieversorgung in Lateinamerika, der
von einer multinationalen
Holding mit
einem Startkapital von 800 Millionen
US-Dollar getragen wird.
Das Tridentinum bezeichnet das Konzil
von Trient, das dreimal zwischen
1545
und 1563 getagt hat. Es wurde als
Antwort der katholischen Kirche auf
die
Reformation einberufen.
Sizilien und Neapel gehörten zum
Zeitpunkt der Kolonisation Neuspanien
zum
spanischen Königsreich.
Der Palast der Schönen Künste ist ein
nationales Architekturmonument
und eine
Opernund Kunstausstellungsstätte im
Zentrum von Mexiko-City. Zugleich
ist es
ein Totenwachmausoleum für
Nationalberühmtheiten.
Celebremos México ist eine von
Televisa lancierte Medienkampagne, die
die
"Grundwerte des
Mexikanertums" anpreist. Sie soll das Nationalgefühl
der
Mexikaner angesichts der Plagen Mexikos
- Armut und Ungleichheit,
Unsicherheit
und Korruption - stärken. Sie fand
zwischen August und Oktober 2005
statt. Zum
Medienkonzern Televisa gehören
Fernsehkanäle, Radios, eine
TV-Produktion-Firma, ein Verlag,
Internetaktivitäten, Fußballklubs und
das
riesige Atztekenstadion. Er ist im
Besitz der Familie Azcárraga, die
einst
enge Beziehungen zur jahrzehntelangen
Staatspartei PRI unterhielt. Mit
dem
Ende des Quasi-Monopols des Konzerns in
der zweiten Hälfte des 1990er
Jahren
geriet das Medienunternehmen in die
Krise, die es unter anderem dank
Investitionen von Carlos Slim
überwandt.
Die cosa nuestra ist die spanische
Version der Cosa nostra, eine
kriminelle
Organisation nach dem Vorbild der
sizilianischen Mafia. Die omertá* ist
das
Gesetz des Schweigens der Mafia.
Die reducciones (Reduktionen) sind die
Indianer-Missionen der
Franziskaner und
später der Jesuiten, die zwischen dem
16. und 18. Jahrhundert in
Lateinamerika
existierten. Mit dem Begriff kann
sowohl das Verfahren, Indianer in
Siedlungen
zu sammeln, als auch die Siedlung
selbst gemeint sein. Das Projekt der
Reduktionen sah eine Konzentration der
Urbevölkerung vor, um diese in
ein
"politisches und
menschliches" Leben zu integrieren, was den Verzicht
auf
bestimmte mit der christlichen Moral
und Religion unvereinbare
Verhaltensweisen voraussetzte. Zwar
hatte das Projekt offiziell die
Bekehrung
und Unterweisung der Indianer zum Ziel,
doch diente deren
Zusammenfassung in
Siedlungen vor allem dem politischen
und militärischen Interesse der
spanischen Krone.
Monaden sind eine der letzten, in sich
geschlossenen, vollendeten,
nicht mehr
auflösbaren Ureinheiten, aus denen die
Weltsubstanz zusammengesetzt
ist.
Der Ausdruck cosche mafiosi ist
italienisch und bedeutet Mafia-Klans.
Lorenzo Zambrano ist ein mexikanischer
Unternehmer. Auf der
Forbes-Milliardär-Liste 2006 belegt er
mit seiner Familie Platz 428.
Unter
anderem ist er Mitglied des
Aufsichtsrats des Medienkonzerns Televisa.
Der Chapultepecschlosspakt wurde im
September 2005 von den drei
mexikanischen
politischen Hauptparteien PRI, PAN und
PRD sowie von den großen
Unternehmern
des Landes und Gerwerkschaftsbossen,
Schriftstellern, Künstlern,
Wissenschaftlern und Prominenten in der
Hauptstadt im Schloss
Chapultec,
welches das historische Nationalmuseum
beherbergt, unterzeichnet. Der
Pakt
ruft zu einem korporativistischen Pakt
auf unter der Führung der
Oligarchie
und beschwört den guten Willen der
Elite, alles zu tun um Entwicklung
und
Wachstum zu fördern.
Halliburton ist ein multinationaler
texanischer Konzern, dessen
Kerngeschäft
Energieversorgung und Ölförderung und
-handel sind. Halliburton stand
auf
Grund fragwürdiger Geschäfte mit
Ländern wie Libyen, Irak und Iran in
den
letzten Jahren vermehrt in der Kritik.
Halliburton hat im Irak Verträge
von
der US-amerikanischen Regierung im
Umfang von einigen Millionen
US-Dollar
zugesprochen bekommen.
oj/pvh
--------------------------------------------------------------------------------
Seitenanfang© 2005 | der überblick |
Hamburg |
------- End of Forwarded Message
-------
Universidad Autonoma Metropolitana
Unidad Xochimilco, Mexico, D. F.
Text Attachment [ Scan
and Save to Computer | Save
to Yahoo! Briefcase ]
<!DOCTYPE HTML PUBLIC
"-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN">
<HTML><HEAD>
<META content="text/html;
charset=iso-8859-1" http-equiv=Content-Type>
<META content="MSHTML
5.00.2314.1000" name=GENERATOR>
<STYLE></STYLE>
</HEAD>
<BODY bgColor=#ffffff>
<DIV><FONT face=Arial
size=2><A id=top name=top></A> <!--
###################### Kopfbereich
Anfang ########################### -->
<DIV id=kopf><!--
###################### Infopoint-Navigation Anfang
########################### -->
<HR class=hide>
<H1><SPAN class=hide>Der
Überblick - </SPAN>Zeitschrift für ökumenische
Begegnung und internationale
Zusammenarbeit</H1>
<DIV><FONT size=4>Der
Überblick, Hamburg, 2/2006, S.
60</FONT></DIV></DIV><!--
###################### Kopfbereich Ende
########################### -->
<HR class=hide>
<!-- ######################
Hauptkontentbox Anfang
########################### -->
<DIV id=contentboxmember><!--
###################### Hauptnavigation
Anfang ###########################
-->
<DIV id=navcontainer>
<UL
id=navlist></UL></DIV>
<DIV id=right>
<H2 style="BORDER-TOP: medium
none">Eine alles vereinnahmende Familie -
ein
Essay</H2>
<P><FONT
size=4><STRONG>Die Erfolgsgeschichte der Korruption in
Mexiko</STRONG></FONT></P>
<P>Stephan Hasam</P>
<P> </P>
<P class=italic>Während die
Alchimisten in Europa noch vergebens
versuchten,
unedle Metalle in Gold zu verwandeln,
eroberten die marianischen
Konquistadoren
und Ordensleute jenseits des Atlantiks
neue Territorien und steckten
dem
spanischen Königreich Neuspanien* ab.
Sie strebten danach, die
infantile
Machtsehnsucht nach einem von ergebenen
Dienern wimmelnden
Schlaraffenland auf
Erden zu verwirklichen und die
unersättliche Begierde nach Gold zu
sättigen,
ohne eigene Opfer aufzubringen.
</P>
<P align=right><SPAN
class=italic>von Stephan Hasam</SPAN></P>
<P>Fast ein halbes Jahrtausend
später erklärte der heute größte Tycoon
Mexikos,
Carlos Slim*, auf der
<I>Forbes</I>-Milliardär-Liste 2006 mit über 30
Milliarden
US-Dollar drittreichster Mann der Welt,
Mexiko sei ein Schnäppchen,
"<I>Mexico
is a buy</I>" ein
Eldorado, also, wo "avancieren" zugleich
"vorrücken" und
"erbeuten" heißt:
<I>quien no tranza, no avanza</I>. </P>
<P>Seit Jahrhunderten ist Mexiko
ein von einer Oligarchie geschnapptes
Land der
Korruption und organisierten
Erpressung, der massiven
Reichtumsaneignung durch
Anwendung regulativer Gewalt, wo
Ausbeutung der Schwächeren,
marianisch-ödipale
Männergewalt und Frauenfeindlichkeit,
Folter, Entführungen (Kolumbien
übertreffend) sowie Hinrichtungen
allgemeine Praxis und geschichtliche
Tradition
sind. Die Lebenswelt ist aufgebaut auf
hierarchisch eingeordneten von
Schutzherren kontrollierten
Körperschaften und besteht aus
autoritätshörigen
Dienern. Daher die alltäglichen
Formeln: "dienen", <I>servir</I>, "zu
Eurem
Befehl", <I>a sus
órdenes</I>, "um Sie zu bedienen", <I>para servir a
usted</I>,
und "dieser Diener",
<I>este servidor</I>, statt einfach "ich" zu
sagen. Das Ich
als mündiges Subjekt fehlt, und
Kritiker gelten als Störenfriede und
Verräter.
Eine gesellschaftsfeindliche Lebenswelt
aus autoritär ausbeutenden und
ausgebeuteten "flexiblen
Menschen", die Renaissance und Aufklärung
zurückwies.
</P>
<P>In einem solchen Staat sind
die Einzelnen angreifbar und wehrlos.
Die
Menschen müssen, auch wenn sie selbst
nicht zu den Erben der
Rauboligarchie
gehören, im wesentlichen ebenso
ausgeprägt sein, und jene Mentalität,
Aneignungsmethoden und Gewaltpraktiken
nachahmen. Diese Lebenswelt wird
als
natürlich und allein existierend
aufgefasst, und alle Menschen müssen
sich einer
oder mehreren
Selbstschutzgemeinschaften unterordnen, wenn sie
Existenzsicherheit erwarten wollen. Je
ärmlicher sie sind, desto
unentbehrlicher
ist die Selbstschutzkörperschaft. Je
ärmlicher diese
Selbstschutzkörperschaft,
desto weniger findet sie Beachtung
bis sie schließlich Gewalt
anwendet: "Wer
nicht weint, wird nicht gestillt",
<I>el que no llora, no mama</I>.
</P>
<P>Das vom
<I>Tridentinum</I>* propagierte mittelalterlich geschlossene
Staatsgebilde vom organischen
Sozialkörper, dessen Seele und Vernunft
im
Staatsoberhaupt innewohnen und dessen
Glieder und Organe aus
stratifiziert
miteinander verbundenen
Unterkörperschaften bestehen, war die Grundlage
des
Nationalismus des spanischen
Königreichs, daher auch Siziliens*,
Neapels* und
Neuspaniens, wo es heute noch im
republikanischen Gewand weiter besteht
und
sichtbar ist: im Gebilde Mexikos als
marianischer Gesamtkörper und im
liturgiestarken allgegenwärtigen
mexikanischen Nationalismus, der
fortwährend
Gefahr läuft, innerlich zu
zersplittern. Nimmt die Gefahr zu, wie 1982
mit der
mexikanischen Schuldenkrise, wird der
sanierende Kapitalaneignungsplan
von
großartigen Fahnen- und
Nationalhymnegesetzen begleitet. Heute an der
Schwelle
eines qualitativen Sprungs im
Aneignungsmodell, lancierte das
Medienmonopol der
Oligarchie ausgehend vom Palast der
Schönen Künste* eine neue
nationalistische
Evangelisierungskampagne:
<I>Celebremos México</I>* "lasst uns
Mexiko
feiern", die von Pop- und
Sportstars, Schauspielern, Schriftstellern,
und
Nachrichtensprechern über das ganze
Land, mit Betonung auf den
Kultworten
"Mexico",
"mexikanisch", und "in unserem Land" verbreitet wird,
und von
allen, unbewusst, wiederholt wird.
</P>
<P>Mexiko gilt als die
allumfassende Körperschaft, der alle anderen
untergeordnet sind, und die alle
anderen schützend in sich aufnimmt,
<I>la gran
familia mexicana</I>, eine nur
die Familienangehörigen angehende
<I>cosa
nuestra</I>*, wo das
<I>omertá</I>*-bewahrende Diktum herrscht, "die
schmutzige
Wäsche wäscht man daheim",
<I>la ropa sucia se lava en casa</I>. Über
das Wie
spricht man lieber nicht. Folgerichtig
steht in republikanischer
Sprache
verkleidet im Paragraphen 33 der
mexikanischen Verfassung, dass jeder
Outsider, der nicht mit den
Oberkörperschaftshäuptern unter einer Decke
steckt
und gar Kritik ausübt, zügig aus dem
Land verbannt werden kann, wie es
dem
Schriftsteller Mario Vargas Llosa
geschah, als er Mexiko die perfekte
Diktatur
nannte. Der Gesamtkörper so die
grundlegende Auffassung müsse sich
gegen
Aneignungsversuche durch Fremde
schützen. </P>
<P>Als Präzedenzfälle gelten
die Invasion und Einverleibung der Hälfte
des
Nationalkörpers 1848 durch die USA,
die kurzlebige Herrschaft im
Schloss
Chapultepec Kaiser Maximilian von
Habsburgs (1864-1867) auf Einladung
eines
Teils der mexikanischen Oligarchie, und
die US-Invasion 1914. Den
Sorgen vor
einer imperialistische Aneignung von
außen entspricht ein Imperialismus
im
Innern, oft mittels Joint Ventures der
Körperschaftshäupter mit ihren
fremden
Partnern. Die Mafiaorganisationen im
Drogen- und Entführungsgeschäft
ahmen die
Samthandschuhkartelle der
Staatsoligarchie nach und sind ihnen oft
untergeordnet. Wie in Russland spielen
auch in Mexiko Polizei-,
Militär- und
Geheimdienstkontakte eine
Schlüsselrolle. Carlos Slims Bruder Julián
machte
Karriere in der Staatssicherheit und
wurde Direktor für Nationale
Sicherheit.
</P>
<P>Schon das spanische
Königreich versuchte seine nationale Einheit
durch den
Aufbau eines geschlossenen Körpers zu
konsolidieren, "wo die
Partikularismen der
Personen oder der Territorien und die
Vielfalt der Privilegien und
Rechte von
Korporationen eines zentralisierten
Staats, stark und mächtig,
absorbiert werden
sollten", wie Mexikos Historikerin
Marialba Pastor formulierte. "Um
sich Treue
und Gehorsamkeit zu vergewissern,
behielt der Staat die
mittelalterlichen
patrimonialen Beziehungen bei, wo die
Landes- und Schutzherren die
Autoritätsfiguren ihren
Gefolgsleuten Schutz gewährten, womit sie
sich ihren
Adelsrang, ihre Privilegien und ihr
Erbgut sicherten. Dafür in Umtausch
versicherte der Staat, wie ein 'großer
Vater', den 'Kindern des
Vaterlandes' die
Bereitstellung von Vorräten für ihr
Überleben". Hier der Ursprung des
populistischen Caudillos als
Körperschaftsoberhaupt und seiner ihm
ergebenen,
unmündigen und opferbereiten
Schützlingsmasse der ewig Ärmlichen: das
Volk,
<I>el pueblo</I>.
</P>
<P>Die
Partikularisierungstendenzen der Glieder und Organe wurden durch
eine
Mischung von Privilegien, Bestechung,
Lob, Komplizenschaften,
<I>omertá</I>,
Sippenhaftung, Erpressung,
gegenseitiges Überwachen, Beichten,
Intrigen,
Gerüchte, Drohungen und Strafen
bekämpft. Auf dem Lande errichteten die
Ordensleute Konzentrationsdörfer,
<I>reducciones</I>*, für die arme
Landbevölkerung. Jedes Dorf ein
Körperschaftsghetto: einen Heiligen,
ein
Dialekt, eine andersfarbige Uniform zur
Identifizierung und Kontrolle,
heute
noch als Folklore verkauft. Neben der
Inquisition als Großnötigung, gab
es ein
zweites Herrschaftsinstrument: ein
Spioniernetzwerk der
ekklesiastischen
Gerichte, zuständig für die
Überwachung der Einhaltung von Sitten- und
Gebräuchen bis in die Intimsphäre.
Ein Erpressungsparadies.
Öffentlichkeit und
Privatleben gingen ineinander über,
was auch für die untergeordneten
Sozialkörper bis zu den einzelnen
Monaden* galt, den marianischen
Familien
nämlich, aus welchen die
übergeordneten Sozialkörper sich bildeten.
</P>
<P>Der italienische
Elitentheoretiker Gaetano Mosca glaubte, die
Grundlagen der
Mafiakultur, der Symbiose zwischen der
regulären und irregulären
Hemisphäre der
Lebenswelt, im spanischen Sizilien
entdeckt zu haben, nämlich "im
System der
Übereinkünfte und Verpflichtungen,
das die Obrigkeit mit den
Missetätern
vornahm" und "im Schutz, den
die Oberklasseangehörigen, manchmal in
öffentlichen
Ämtern eingesetzt, und die Behörden
selbst, den <I>cosche mafiosi</I>*
[gewährten]". Zu dem Schutz des
Übeltäters durch den erhabenen Herrn
komme
hinzu, "jene viel höhere
Leistungsfähigkeit: die des Abgeordneten, des
Bürgermeisters, des Assessors
zugunsten des mafiosen Caudillos oder
sogar eines
einflussreichen Mitglieds einer
Kamarilla". In Mexiko auch des
Staatshauptes.
</P>
<P>Die Körperschaften sind
Janusköpfe, allen voran der oligarchische
Staat.
Symbiotische Beziehungen zwischen
Körperschaften und Staat sind
beidseitig
vorteilhaft, erklärt die Historikerin
Pastor. Die Körperschaften, die
Korruption
und Unterwerfung ihrer Mitglieder
fördern, erhalten Privilegien zur
Monopolisierung der Produktion, des
Warenverkaufs, des Arbeitsmarktes,
eines
politischen oder religiösen Glaubens.
Dafür leisten sie dem Staat viele
Dienste
zwecks Sozialkontrolle und Erhaltung
des Status quo. Der mafiose Geist
ist
antisozial und eine korporative
Lebenswelt toleriert keine
Zivilgesellschaft.
Anstelle politischer Parteien gibt es
als Parteien verkleidete
Körperschaften,
die sich aus <I>grupos
</I>oder <I>tribus </I>(Stämme) bilden. Und die
"politische" Tätigkeit wird
<I>grilla </I>(zirpende Vortäuscherei)
genannt. </P>
<P>Die Körperschaftsspitzen,
<I>jefes </I>(Chefs) oder <I>cabezas de
grupo
</I>(Gruppenoberhäupter)
genannt, verbinden die auf verschiedenen
Schichten in
fortwährender Spannung koexistierenden
Körperschaften untereinander und
mit dem
Staat. Pastor schreibt: "Genauso
wie die Körperschaften sich aus ihren
eigenen
Familien und ihren Anhängern bilden,
nimmt der Staat die Führer der
Körperschaften als seine
prominentesten Leiter und Funktionäre in eine
idyllische und monolithische Beziehung
auf. Die Korruptionspraktiken
verwandeln
sich in alltägliche Praktiken und
bilden die Zentralstruktur, von der
ausgehend
das ganze System definiert wird. Die
Körperschaften sind die
Erziehungsquelle
der korrupten Mentalitäten und
Verhaltensweisen, die ihre Mitglieder
dafür
vorbereitet, große Aktionen zu
vollbringen" unter dem Schutzmantel
Marias.
Eine Ordnung durch Vermittlung der
Unordnung entsteht: eine
unaufhörliche
Dynamik von Intrigen, Allianzen,
Bestechungen, Pakten, Kriegen, Verrat,
Erpressung, in der die Schwachen immer
verlieren. </P>
<P>Skandale signalisieren den
Ausbruch von Kämpfen zwischen
Körperschaften um
Macht und Mittel zur Nötigung. Das
öffentlich Ausgetragene ist
weitgehend
Liturgie, Fassade. Das Wesentliche
bleibt Outsidern ein unzugängliches
Geheimnis. Die Korruption "des
Anderen" wird öffentlich "mit voller
Kraft des
Gesetzes" bekämpft, bis
nach einer von den Medien getragenen
andauernden
tauziehenden Machtdemonstration
bei einem Frühstück die
Gruppenoberhäupter
Vereinbarungen treffen. Dann schrumpft
schlagartig der Skandal
zusammen,
verschwindet aus den Medien, und die
Legalität wird den
Frühstücksvereinbarungen
angepasst. </P>
<P>Der Übergang von der
verbrauchten Einparteienherrschaft des 20.
Jahrhunderts
zum neuen Modell ist fast vollzogen. Im
domestizierenden Rausch der
neuen
Nationalevangelisierung hat sich die
Oligarchie dank eines neuen
Gesetzes die
Totalherrschaft der Elektromedien und
Telekommunikation des Landes
angeeignet.
Ein Goebbels'scher Traum. Fast
gleichzeitig machte Carlos Slim,
zusammen mit
Zementtycoon Lorenzo Zambrano*, den
Chapultepec-Schloss- Pakt* "für die
nationale Einheit" bekannt; lobend
von den Unterkörperschaftshäuptern
des Landes
unterschrieben: Gouverneuren,
Gewerkschaftshäuptern,
Universitätsrektoren,
Hofintellektuellen, Wissenschaftlern,
Schriftstellern, Sportund
Popstars und
Präsidentschaftskandidaten. </P>
<P>Wer sich der Ein- und
Unterordnung entziehen will, wird öffentlich
brüskiert.
Das Flaggschiff des korporativen Pakts
heißt IDEAL*, Slims neu
gegründetes,
Halliburton* nachahmendes Geschäft zur
Ausführung riesiger
Staatsprojekte. Das
Startkapital, sagt er, soll aus den
zwangsinvestierten Pensionsfonds
der
Gehaltsempfänger kommen. Das private
bankrotte Bankwesen wurde 1982
verstaatlicht, und die Besitzer wurden
entschädigt. Nach Sanierung
privatisierte
es der Staat 1992 erneut gegen ein
Schnäppchen von 3,5 Milliarden
US-Dollar.
Zwei Jahre später musste er die Banken
wieder auf Staatskosten
sanieren, was ihn
100 Milliarden Euro kostete. Thukydides
berichtete, dass in der Antike
gewalttätige Räuber und friedlich
einnehmende Händler als gleich
ehrenhaft
galten. In Mexiko ist es heute noch so.
Postmodern <I>avant la
lettre</I>,
erkennt sich Mexiko wieder in der
heutigen aufklärungsfeindlichen
postmodernen
Welt der janusköpfigen
Megacorporations, und verzahnt sich tadellos
damit. </P>
<P
class=ArticleLit><EM>aus: der überblick 02/2006, Seite 60</EM></P>
<HR SIZE=1>
<P></P>
<DIV class=pfeil><A
href="http://www.der-ueberblick.de/_SIRR6vm8mCTiLJWCxI/archiv/200602/index.html">zurück
zum
Inhaltsverzeichnis</A><BR> </DIV>
<DIV class=pfeil><A
href="http://www.der-ueberblick.de/_SIRR6vm8mCTiLJWCxI/abonnement/archiv/200602/200602.058/index.html">zum
nächsten
Artikel</A><BR> </DIV>
<DIV class=pfeil><A
href="javascript:window.print()">Artikel
drucken</A><BR> </DIV>
<DIV class=pfeil><A
Heft 02/2006
bestellen</A><BR> </DIV>
<DIV class=pfeil><A
href="javascript:window.open('index.html?_wdss_mailto_feature=1&_wdss_mailto_template=index.html&_wdss_mailto_mailfrom=[email protected]','_blank','width=420,height=400,menubar=no,scrollbars,status=no,toolbar=no,resizable').focus()">Artikel
per E-Mail
versenden</A><BR> </DIV></DIV>
<DIV id=left>
<DIV id=begriffbox>
<FORM class=check>
<P><STRONG>Begriffserklärung
(Wikipedia):</STRONG><BR><BR><A
href="http://www.der-ueberblick.de/_SIRR6vm8mCTiLJWCxI/abonnement/archiv/200602/200602.060/index.html#"
onclick=Check();><IMG
alt=Begriffserklärung border=0 height=105
src="http://www.der-ueberblick.de/images/check.gif"
width=208></A><BR><BR>1.
Begriff im Text markieren <BR>2.
auf das Icon klicken
<BR></P></FORM></DIV>
<DIV id=kontextbox>
<P><STRONG>AUTOR(EN):</STRONG></P>
<P><SPAN
class=headline>Stephan Hasam </SPAN><BR><BR>Stephan Hasam ist
Politologe in Mexiko-City und
langjähriger Beobachter der mexikanischen
Lebenswelt. </P>
<H3>Glossar</H3><B>Neuspanien</B>
war der Name der spanischen Kolonie,
aus dem
der Nationalstaat Mexiko 18 21
hervorging. Rund 300 Jahre lang blieb
Neuspanien
in der Obhut der spanischen Krone.
<BR><BR><B>Carlos Slim</B> ist ein
mexikanischer Unternehmer, der
insbesondere in der
Telekommunikationsbranche in
Mexiko und Lateinamerika tätig ist. Er
ist unter anderem der
Hauptaktionär der
Telefongesellschaft
<I>Telmex</I>, dem größten privaten Unternehmen
Mexikos,
einem ehemaligen Staatsbetrieb, der
1990 unter Präsident Carlos Salinas
privatisiert wurde. Ferner ist er
Hauptaktionär von <I>América
Móvil</I>, dem
zweitgrößten Mobilfunkanbieter
Lateinamerikas. Im Rahmen der
Privatisierung von
<I>Telmex </I>gab es
Gerüchte von Korruption. Carlos Slim unterhielt
mit dem
damaligen Präsidenten Carlos Salinas
eine freundschaftliche Beziehung.
Eine
weitere berüchtigte Affäre bildet
seine Spende von 50 Millionen
US-Dollar für
die Restaurierung der Altstadt von
Mexico- City. Der Bürgermeister und
Kandidat
für die Präsidentschaftswahl im Juli
2006, Andrés Manuel López Obrador,
garantierte ihm dafür ein
Vorkaufsrecht an zahlreichen Gebäuden im
Stadtkern.
Nach den mit den Millionen von Slim
durchgeführten Restaurationen waren
diese
Häuser ein Mehrfaches von dem wert,
was Slim ursprünglich investiert
hatte. Im
Jahr 2005 startete er als Abzweigung
seiner Bank Imbursa das
Megaprojekt IDEAL*
(Initiative für die Wirtschaftliche
Entwicklung Lateinamerikas vor
kurzem in
Initiative für Entwicklung und Arbeit
in Lateinamerika umbenannt).
Dabei handelt
es sich um einen Aktionsplan für
Großinvestitionen in Infrastrukturen
und in die
Wasser- und Energieversorgung in
Lateinamerika, der von einer
multinationalen
Holding mit einem Startkapital von 800
Millionen US-Dollar getragen
wird.
<BR><BR>Das
<B>Tridentinum</B> bezeichnet das Konzil von Trient, das
dreimal
zwischen 1545 und 1563 getagt hat. Es
wurde als Antwort der
katholischen Kirche
auf die Reformation einberufen.
<BR><BR><B>Sizilien</B> und
<B>Neapel</B>
gehörten zum Zeitpunkt der
Kolonisation Neuspanien zum spanischen
Königsreich.
<BR><BR><B>Der Palast
der Schönen Künste</B> ist ein nationales
Architekturmonument und eine Opernund
Kunstausstellungsstätte im
Zentrum von
Mexiko-City. Zugleich ist es ein
Totenwachmausoleum für
Nationalberühmtheiten.
<BR><BR><B>Celebremos
México</B> ist eine von <I>Televisa </I>lancierte
Medienkampagne, die die
"Grundwerte des Mexikanertums" anpreist. Sie
soll das
Nationalgefühl der Mexikaner
angesichts der Plagen Mexikos Armut und
Ungleichheit, Unsicherheit und
Korruption stärken. Sie fand zwischen
August
und Oktober 2005 statt. Zum
Medienkonzern Televisa gehören
Fernsehkanäle,
Radios, eine TV-Produktion-Firma, ein
Verlag, Internetaktivitäten,
Fußballklubs
und das riesige Atztekenstadion. Er ist
im Besitz der Familie
Azcárraga, die
einst enge Beziehungen zur
jahrzehntelangen Staatspartei PRI
unterhielt. Mit dem
Ende des Quasi-Monopols des Konzerns in
der zweiten Hälfte des 1990er
Jahren
geriet das Medienunternehmen in die
Krise, die es unter anderem dank
Investitionen von Carlos Slim
überwandt. <BR><BR>Die <B>cosa
nuestra</B> ist die
spanische Version der <I>Cosa
nostra</I>, eine kriminelle Organisation
nach dem
Vorbild der sizilianischen Mafia. Die
omertá* ist das Gesetz des
Schweigens der
Mafia. <BR><BR>Die
<B>reducciones</B> (Reduktionen) sind die
Indianer-Missionen
der Franziskaner und später der
Jesuiten, die zwischen dem 16. und 18.
Jahrhundert in Lateinamerika
existierten. Mit dem Begriff kann sowohl
das
Verfahren, Indianer in Siedlungen zu
sammeln, als auch die Siedlung
selbst
gemeint sein. Das Projekt der
Reduktionen sah eine Konzentration der
Urbevölkerung vor, um diese in ein
"politisches und menschliches" Leben
zu
integrieren, was den Verzicht auf
bestimmte mit der christlichen Moral
und
Religion unvereinbare Verhaltensweisen
voraussetzte. Zwar hatte das
Projekt
offiziell die Bekehrung und
Unterweisung der Indianer zum Ziel, doch
diente
deren Zusammenfassung in Siedlungen vor
allem dem politischen und
militärischen
Interesse der spanischen Krone.
<BR><BR><B>Monaden</B> sind eine der
letzten, in
sich geschlossenen, vollendeten, nicht
mehr auflösbaren Ureinheiten,
aus denen
die Weltsubstanz zusammengesetzt ist.
<BR><BR>Der Ausdruck <B>cosche
mafiosi</B>
ist italienisch und bedeutet
Mafia-Klans. <BR><BR><B>Lorenzo
Zambrano</B> ist
ein mexikanischer Unternehmer. Auf der
<I>Forbes</I>-Milliardär-Liste
2006
belegt er mit seiner Familie Platz 428.
Unter anderem ist er Mitglied
des
Aufsichtsrats des Medienkonzerns
<I>Televisa</I>. <BR><BR>Der
<B>Chapultepecschlosspakt</B>
wurde im September 2005 von den drei
mexikanischen
politischen Hauptparteien PRI, PAN und
PRD sowie von den großen
Unternehmern des
Landes und Gerwerkschaftsbossen,
Schriftstellern, Künstlern,
Wissenschaftlern
und Prominenten in der Hauptstadt im
Schloss Chapultec, welches das
historische
Nationalmuseum beherbergt,
unterzeichnet. Der Pakt ruft zu einem
korporativistischen Pakt auf unter der
Führung der Oligarchie und
beschwört den
guten Willen der Elite, alles zu tun um
Entwicklung und Wachstum zu
fördern.
<BR><BR><B>Halliburton</B>
ist ein multinationaler texanischer Konzern,
dessen
Kerngeschäft Energieversorgung und
Ölförderung und -handel sind.
Halliburton
stand auf Grund fragwürdiger
Geschäfte mit Ländern wie Libyen, Irak und
Iran in
den letzten Jahren vermehrt in der
Kritik. Halliburton hat im Irak
Verträge von
der US-amerikanischen Regierung im
Umfang von einigen Millionen
US-Dollar
zugesprochen bekommen.