Der Weg aus der Arbeitslosigkeit
Sachverstand2 @ Geocities.com,
08.04.1998
Index
0. Einleitung
1. Der Weg in die Arbeitslosigkeit
2. Der Weg in der Arbeitslosigkeit
3. Der Weg aus der Arbeitslosigkeit
3.0 Was das kostet?
3.1 Schriftliche Bewerbung
3.1.1 Anschreiben
3.1.2 Lebenslauf
3.1.3 Zeugnisse
3.1.4 Drumherum
3.2 Telefonische Bewerbung
3.3 Das Vorstellungsgespr�ch
4. Motivation
0. Einleitung
Deutschland hat 7 Millionen Arbeitslose (offen + verdeckt) - und die Regierung guckt
seit Jahrzehnten tatenlos zu.
7 Millionen Leute, die nicht in die Sozialversicherung einzahlen - und die Pl�ne, die
Sozialversicherung einzustampfen, werden jeden Tag konkreter.
7 Millionen Leute, die nicht am BIP mitarbeiten k�nnen - mit allen h��lichen Folgen:
- Rentner, die am Lebensabend von einem Apfel und einem Ei leben d�rfen;
- Umverteilung des Volksverm�gens von unten nach oben;
- Millionen Menschen, die sich eigene Kinder nicht mehr leisten k�nnen;
- nutzlose F�rderung von Euro-W�hrung, Euro-Fighter, Gentechnik und Expo2000.
Nun, Sie haben diese Regierung auch gew�hlt. Sie sind T�ter. �brigens: Sie sind
(von Ihnen aus gesehen) der wichtigste T�ter.
Unsere Verfassung garantiert, da� Sie innerhalb der FDGO tun und lassen k�nnen, was Sie
wollen. Sie werden lernen, dieses Recht als Pflicht zu begreifen:
- f�r sich,
- f�r Ihre Lieben,
- und f�r unsere Republik!
1. Der Weg in die Arbeitslosigkeit
Wir haben in Deutschland einen ArbeitsMARKT.
Markt bedeutet, da� die Kunden (in diesem Fall: die Arbeitgeber) sich aussuchen, f�r welche
Leistungen sie ihr Geld ausgeben. Sofern Sie diese W�nsche nicht erf�llen k�nnen - oder falls
sie jemand anders besser erf�llen kann -, ist Ihre Leistung nicht gefragt.
- W�hrend Ihrer Schulzeit haben Sie sich nicht f�r Dreisatz und Rechtschreibung,
sondern f�r brandneue CDs und hippe Klamotten interessiert?
- W�hrend Ihrer Ausbildung haben Sie sich nicht durch Flei� und Pr�zision, sondern
durch Mofatouren und Lifestyle-Exzesse profiliert?
- W�hrend Ihres Studiums sind Sie den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, statt
zu �ben, Ihre Arbeitskraft zu verkaufen?
- W�hrend Ihrer letzten T�tigkeit haben Sie die Signale von Umstrukturierung und Reorganisierung
�bersehen?
- Waren Sie jemals nicht bereit, etwas dazuzulernen?
Mich interessiert das Schema nicht, nach dem Sie ausgesiebt wurden. Sie sind nicht Opfer des
Schemas, sondern T�ter: Sie pa�ten auf die Kriterien des Schemas.
Mich interessiert nicht, warum Ihr Chef Sie ha�te. Sie sind nicht Opfer des Chefs, sondern T�ter:
Sie haben nach dem Eindruck des Chefs zu oft die falschen Priorit�ten gesetzt.
Mich interessiert nicht, wer an Ihrer Misere die Schuld tr�gt. Wenn Sie von 2 Cassettenrecordern
einen nicht kaufen - und sei es, weil Ihnen die Farbe nicht gef�llt -, dann ist es die Schuld des
stehengelassenen Cassettenrecorders, da� er weiterhin den Laden h�tet. Sie hatten die
falschen Eigenschaften - Ende der Debatte.
Es sind immer Sie. Sie tun und lassen, was Sie wollen. Sie werden
f�r Ihre Taten und Unterlassungen zur Rechenschaft gezogen. Genau so, wie Sie das von
jedem anderen auch erwarten.
Es sind immer Sie.
2. Der Weg in der Arbeitslosigkeit
Sie waren besch�ftigt oder in Ausbildung. Das ist jetzt vorbei.
Machen Sie nicht den Fehler, den viele andere machen: Blicken Sie nicht zur�ck. An der
Vergangenheit k�nnen Sie nichts mehr drehen.
Gegenw�rtig sind Sie aufgrund eines Fehlers, den Sie zu verantworten haben, aus dem Arbeitsmarkt
herausgefallen.
Sie wollen da wieder hinein: Blicken Sie nach vorne, in die Zukunft.
Akzeptieren Sie Ihre T�terrolle.
Sie waren T�ter, Sie sind T�ter, Sie werden T�ter sein. Unsere Urgro�v�ter haben sich
gegenseitig die K�pfe eingeschlagen, um unsere heutige Handlungsfreiheit zu verwirklichen.
Diese Chance darf man nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Ich w�nsche Ihnen und uns allen, da� Sie Ihre T�terrolle eines Tages genie�en werden.
3. Der Weg aus der Arbeitslosigkeit
WIE Sie t�tig werden k�nnen, dar�ber gibt es massenhaft B�cher zu kaufen; es sind auch gute
darunter.
Fakt ist, da� Sie einen Arbeitgeber �berzeugen m�ssen,
- da� Sie die anfallenden Arbeiten erledigen k�nnen und
- da� Sie keine Fehler haben, die ihn jemand anders bevorzugen lassen.
Er mu� Sie kaufen wollen. Machen Sie ihn hei� auf Sie.
- Werden Sie heute t�tig.
- Jeder Tag sp�ter treibt Sie weiter von Ihrem Ziel weg.
- Sie m�ssen sich vorbereiten.
-
- Termin bei Fris�r und Fotograf (in dieser Reihenfolge).
- Umschl�ge, Papier, M�ppchen und ein uralter 386er mit funktionierendem Diskettenlaufwerk.
Niemand verlangt die Anschaffung eines teuren Druckers. Viele Kopierl�den
halten gute Drucker f�r Sie bereit - da m�ssen Sie schon sehr viel drucken, bevor sich ein
teures Exemplar rentiert.
- Finden, Sortieren und Kopieren Ihrer Zeugnisse.
- Suche nach den besten Quellen f�r die besten Zeitungen.
- Damit ist die erste Woche herum.
- Am Wochenende: Lesen, ausw�hlen, schreiben. Wo waren Ihre Vorbereitungen l�cherig?
- Samstag und Sonntag.
- Sie �rgern sich mit den Unzul�nglichkeiten Ihres Textprozessors herum. Sie installieren
3mal neu, und dann stirbt die Festplatte. Zum Gl�ck haben Sie Backup-Disketten.
- Montag morgen.
- Sie sind fix und fertig. Eine Woche Hektik, und das Ergebnis halten Sie nun in der Hand
und bringen es zur Hauptpost.
- N�chste Woche
- werden Sie 2 Bewerbungen machen, in der 3. drei, und ab der 5. f�nf.
3.0 Was das kostet?
Ab der 5. Woche:
| 50 Kopien | 5,00 |
| 5 M�ppchen | 17,50 |
| 5 Umschl�ge | 5,00 |
| Porto | 15,00 |
| 5 Zeitungen | 10,00 |
| Zwischensumme | 52,50 |
| Sonstiges (20%) | 10,50 |
| Endsumme | 63,00 pro Woche |
| |
3.1 Schriftliche Bewerbung
Die schriftliche Bewerbung enth�lt ein Anschreiben, einen Lebenslauf und Ihre Zeugnisse.
Auf dem engen Arbeitsmarkt von heute mu� auch das Drumherum stimmen. Darum machen
Sie Anschreiben und Lebenslauf selber; Sie kleben Ihr Foto selber ein, und Sie packen das
Ganze in die Mappe, die Ihnen gef�llt.
- Verwenden Sie Bankpost-Papier.
- Nehmen Sie einen Klemmhefter.
- Gehen Sie zu einem guten Fotografen.
Der kostet zwar DM 200, das haben Sie mit dem ersten Monatsgehalt schon wieder herein.
- Verwenden Sie kr�ftige DIN-A-4-Umschl�ge, die sich zuverl�ssig schlie�en lassen.
- Machen Sie das Ganze so, da� es wertvoll aussieht, und da� Anfassen Spa� macht.
3.1.1 Anschreiben
Das Anschreiben ist nicht eine trockene Aufz�hlung Ihrer St�rken und Schw�chen, sondern
Ihr Verkaufsprospekt.
Sie verkaufen �brigens nicht Ihre Arbeitskraft, sondern Sie sind ein aufgeschlossener,
munterer, konstruktiver, loyaler Mensch, mit dem es eine Freude ist zu arbeiten.
Deshalb schreiben Sie auch einen fr�hlichen Aufsatz mit folgenden Unterpunkten:
- warum diese Stelle zu Ihnen pa�t;
- wann, bei wem und mit wieviel Spa� Sie die Sachen, die im Anzeigentext verlangt werden,
schonmal gemacht haben;
-
Hier sagen Sie, was gesagt werden mu�, und nicht mehr:
- als was Sie sich bewerben;
- wie Sie auf das Unternehmen aufmerksam geworden sind;
- in welchen Punkten Sie das Anforderungsprofil ganz oder teilweise erf�llen;
- was Sie noch zu bieten haben, das Ihrer Meinung nach auch sehr n�tzlich f�r das
Unternehmen ist;
- wenn Sie eine Mu�-Voraussetzung nicht erf�llen: da�, wo und wie Sie bereits erste
Einblicke in die entsprechenden Bereiche gewonnen haben;
- und da� Sie sich �ber eine Einladung sehr freuen w�rden.
Und jetzt ein paar Tips (alle gleich wichtig!):
- Sie wollen sich verkaufen. Also erz�hlen Sie das von sich, was der Empf�nger lesen will.
- Erz�hlen Sie nicht von Ihren Fehlern - die mu� der Empf�nger selbst herausfinden.
- Erz�hlen Sie nichts, was nicht dazugeh�rt - verschwenden Sie die Zeit des Empf�ngers nicht.
- Das Anschreiben ist so eine Art Brief an Maria M.: Willst du mich heiraten?
Auch Maria M. m�ssen Sie erz�hlen, was sie in Ihren Augen so erstrebenswert macht.
Erz�hlen Sie ihr aber nix �ber ihre kurzen Beine.
- Falls nicht ersichtlich ist, da� Ihre einst ausge�bte T�tigkeit BB in etwa der Anforderung B
entspricht, m�ssen Sie das vorkauen. R�tselraten ist out.
- Erzeugen Sie eine positive Haltung beim Empf�nger, indem Sie selber positiv wirken.
Ein positiver Satz w�re: B kann ich, das habe ich schon mal gemacht.
Noch positiver: B kann ich, das habe ich schon immer gerne gemacht.
Geht noch: B werde ich schnell lernen, das hat mich schon immer interessiert.
- Lassen Sie niemals durchblicken, da� Sie sich einer Teilaufgabe nicht gewachsen f�hlen.
Besser: Halten Sie den Mund.
Noch besser: Sie haben bereits etwas eng Verwandtes gemacht.
- �u�ern Sie keine Zweifel an sich. Treten Sie selbstbewu�t auf.
- Sehr sch�n w�re eine Klimax, d.h. eine Steigerung:
Teilt�tigkeit A gef�llt mir, habe ich schon mal gemacht.
Teilt�tigkeit B gef�llt mir sehr, mache ich seit Jahren mit wachsendem
Vergn�gen.
Teilt�tigkeit C finde ich rasend interessant, wollte ich schon immer mit
A und B verbinden.
Insgesamt berauscht mich Ihr Angebot. Wollen Sie mich nicht auch
heiraten?
- Zeigen Sie Gef�hle. Aber ausschlie�lich positive: Spa�, Engagement, Blick nach vorn.
Stellen Sie sich vor, der Personalverantwortliche hat zwei Anschreiben:
In einem weist Bewerber 1 trocken und sachlich nach, da� er der Aufgabe gewachsen ist.
Im anderen zeigt Bewerber 2, da� er so viel Spa� an der Sache hat, da� er richtig Energie
hineinstecken w�rde. Welches gef�llt Ihnen besser?
- Begr�nden Sie Ihre offiziellen Macken (z.B. L�cher im Lebenslauf) en passant. Machen Sie
deutlich, da� es sich um einmalige Ausrutscher handelte.
- Rechtfertigen Sie sich nicht dabei: Wer sich verteidigt, klagt sich an. (Das ist nicht von mir,
aber bildet die Realit�t ab.)
- Verkauftstrick 1: Der Empf�nger will Sie nicht kaufen. Der Empf�nger ist nicht
scharf auf noch einen aufs�ssigen, teuren Angestellten.
Er ist aber scharf auf den Nutzen, den seine Firma von Ihrer Pr�senz hat. Es ist Ihre Aufgabe,
da� er das auch so sieht.
- Sie sehen Ihren eigenen Nutzen nicht? Dann setzen Sie sich hin, und verklickern Sie sich
selbst, da� Sie enorm nutzbringend w�ren. Sie k�nnen anderen nur Sachen verkaufen, die Sie
sich selber auch verkaufen k�nnen.
- Verkaufstrick 2: Unter X Cassettenrecordern nehmen Sie den mit der witzigen Zusatzfunktion.
Jeder Mensch hat auch Zusatzfunktionen. Finden Sie Ihre, und werben Sie damit.
- Versetzen Sie sich dabei in den Personalverantwortlichen. Der soll ein gutes Gef�hl haben,
wenn er Ihre Sachen zur Hand nimmt, w�hrend des Lesens immer gl�cklicher werden und Sie
gegen Ende unbedingt pers�nlich kennenlernen wollen.
Mit anderen Worten: Nehmen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen zur Hand, lesen Sie sie wie ein
Personalverantwortlicher und entscheiden Sie dann, ob Sie den Bewerber (n�mlich sich selber)
einladen w�rden.
Muster
Thomas Muster Wolkenkuckucksheim, xx.xx.xxxx
Musterweg 1
xxxxx Wolkenkuckucksheim
Tel.: tags�ber: (0xxxx) xx xx xx x
abends: (0xxx) xx xx xx
Eastern Europe Beauties, Inc.
Frau Maria Maier
Schifferstr. 13
13131 Mannheim
Bewerbung als Br�utigam
Ihre Anzeige vom xx.xx.xxxx in der Musterzeitung
Sehr geehrte Frau Maier,
du hast es noch nicht gemerkt, aber ich liebe Dich. Und deshalb schlage
ich Dir vor, mich zu heiraten, und zwar bald, d.h. in 1 bis 2 Monaten.
{Nun fragts du dich: Warum sollte ich Hans heiraten? Das kostet nur Geld,
nimmt mir einen Gro0teil meiner Freiheit und kettet mich auf Gedeih und
Verderb an den.
Sieh aber einmal genauer hin, was du daf�r bekommst:}
Du bekommst einen athletischen, knackigen K�rper in den besten Jahren,
der Dich beim Sex verr�ckt macht, Deine Leidenschaft zum
Briefmarkensammeln teilt, mit Dir in eine gro�e Zukunft starten will und
ansonsten durch Zuverl�ssigkeit und Vertrauensw�rdigkeit gl�nzt.
�berleg einmal: Wir k�nnten einen Sack voll Kinder haben, Eigentum
erwerben, und wenn dann eines Tages die private Rente flie�t, gucken
wir uns den Rest der Welt an.
{Das sind die Vorteile. Nat�rlich solltest Du dann nicht mehr mit Jedem
rumficken, und sowohl f�r eigene Kinder als auch eigenes Eigentum
erwarte ich ein gewisses Verantwortungsbewu�tsein. Du wei�t, welche
Richtung ich damit meine: Meine. Du wei�t auch, da� ich Dir
entgegenkomme, wenn Du mir entgegenkommst, und an gutem Willen,
sich in der Mitte zu treffen, soll's bei mir nicht fehlen.}
Insgesamt �berwiegen die Vorteile f�r Dich. Ruf mich bald an, damit
wir das in Ruhe besprechen k�nnen. �ber jede Haltung, die keine
krasse Ablehnung ist, w�rde ich mich sehr freuen.
Dein Thomas
Achtung!
Ins echte Bewerbungsschreiben kommen nur die Abs�tze, die Ihre Vorz�ge aufzeigen,
und die, die aus Ihren Fehlern Vorz�ge machen.
Aufz�hlungen von Nachteilen dagegen, wie sie im obigen Text in {geschweiften Klammern}
stehen, kommen NICHT hinein.
An einem guten Anschreiben kann man 4 bis 6 Stunden arbeiten, dann ist es 99% perfekt.
3.1.2 Lebenslauf
Aus dem Lebenslauf soll ohne Kenntnis des Anschreibens erkennbar sein, da� Sie zu der
angestrebten Position passen.
Nach rechts oben kommt Ihr Foto. Gucken Sie in die Seite hinein; d.h. das Foto zeigt Ihre
linke Gesichtsh�lfte.
Lebenslauf
Hans Muster
Musterweg 1
xxxxx Wolkenkuckucksheim
Tel.: tags�ber: (0xxxx) xx xx xx x
abends: (0xxx) xx xx xx
Geburt: am xx.xx.xxxx in xxxxxxxx
Religion: keine
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Schulischer Werdegang
07/56 bis 06/60 Grundschule
07/60 bis 06/66 Aufbauschule (Name) in Hallelujahausen
Abschlu�: Erweiterte Realschule (Sek. II)
07/66 bis 06/69 Ausbildung zum Musterer bei Firma Z, Amenberg
Abschlu�: Musterergeselle (Note: befriedigend)
Bundeswehr
07/69 bis 12/69 Gruppenf�hrer im Landsturm der GSG 9
25.12.69 Ausscheiden als Generalmajor
Beruflicher Werdegang
Monat/Jahr Firma A als Praktikant
T�tigkeiten: Assistent bei Musterentwurf,
telefonische Kundenbetreuung
(wenn das nicht aus dem Zeugnis hervorgeht oder sehr
wichtig f�r die angestrebte Position ist!)
Monat/Jahr Firma C als D
Monat/Jahr stellungsuchend; Weiterbildung in Musterbewertung
Monat/Jahr Firma E als Fleischfachverk�ufer
seit Monat/Jahr stellungsuchend; Nebent�tigkeit im Innenausbau und als
Elektroinstallateur und G�rtner
3.1.3 Zeugnisse
Schicken Sie unbeglaubigte Kopien. Zum Bewerbungsgespr�ch nehmen Sie dann die Originale
mit.
3.1.4 Drumherum
Personalleute sind heutzutage sehr verw�hnt. Selbst auf eine Schrauberanzeige kommen 100
Bewerbungen. Da mu� gesiebt werden:
- Zerknittertes oder Kaffeebeflecktes fliegt raus.
- Un�bersichtliches und Unvollst�ndiges fliegt raus.
Nun wird stellenweise gelesen:
- Rechtschreibfehler (besonders im Namen der Firma oder des Ansprechpartners) oder
zu alt: fliegt raus.
- Keine Berufspraxis (nicht mal nebenberuflich) oder dumm aufgefallen (chronische Krankheit,
schwanger, Trinker, Labertasche, Serienbrief) fliegt raus.
Nat�rlich ist das nicht immer fair! Aber stellen Sie sich mal vor, Sie h�tten einen Berg von Arbeit,
den Sie nach nachpr�fbaren Kriterien ausd�nnen sollen.
So, bis jetzt sind 5 �briggeblieben.
Die kommen auf einen Echtholzschreibtisch, zu einem Herrn mit gepflegten Fingern�geln und
einem analytischen Blick f�r Aufm�pfigkeit, Unp�nktlichkeit, Faulheit, Schluderei, Unruhestifterei,
Drogensucht und sonstige Vergehen.
- Der Herr greift zur ersten Mappe: ein PVC-Schnellhefter, Preisschild DM 0,60 klebt noch
dran, Anschreiben und Lebenslauf auf grauem �ko-Papier, Lichtbild aus dem Automaten,
Zeugniskopien mit Schatten und schief, in Plastikh�llen, damit die Sachbearbeiter sie nicht mit
Kaffee bekleckern.
- Die zweite Mappe: Bessere Qualit�t, violett, Anschreiben auf rosa Papier mit Azteken-Graffiti am
Rand. Er versucht, den vielen kleinen Text in einer schwungvollen Computerschrift zu entziffern.
- Die dritte Mappe: Gute Qualit�t, stabiles Papier, akkurat gefaltet, der Bewerber l�chelt. Der Herr
findet alles sofort, was er finden will, und findet nichts, was auf die o.g. Nachteile hinweist.
- Vierte Mappe: Schweres Leder mit zwei Klappdeckeln, Kalligrafie auf handgesch�pftem
B�ttenpapier, das Lichtbild k�nnte man als Titelbild f�r das TimeMagazin nehmen.
Keiner wei�, wen der Herr denn nun nehmen wird. Aber uns d�rfte nun klar sein, welche Mappe er
mit welchen Empfindungen in die Hand nimmt.
3.2 Telefonische Bewerbung
Eine Firma, die Mitarbeiter sucht, mu� mit R�ckfragen rechnen. Insbesondere, wenn sie ihre
Telefonnummer mit in die Anzeige setzt.
Prinzipiell suchen alle Firmen st�ndig gute Mitarbeiter: die wissen, was sie wollen und
wie sie das zum Nutzen der Firma umsetzen k�nnen.
Also spricht nichts dagegen, dort mal anzurufen. In diesem Fall sollten Sie den Namen des
Verantwortlichen kennen und eine Liste mit Fragen vorbereitet haben. Die Fragen sollten alle
in sichtbarem Zusammenhang mit Ihrer ggf. sp�teren T�tigkeit stehen.
| H.M.: | (w�hlt) |
| Sekret�r: | Firma Z-Muster, mein Name ist Gabriel von Birkenst�cker-Wellheimer, was kann ich f�r Sie tun? |
| H.M.: | Guten Tag, Herr von Birkenst�cker-Wellheimer, mein Name ist Hans Muster... |
| Sekret�r: | Guten Tag, Herr Muster. |
| H.M.: | ... und ich w�rde gern mit Ihrem Herrn M�ller sprechen. |
| Sekret�r: | Erwin M�ller oder Edwin M�ller? |
| H.M.: | Das wei� ich nicht, in der Stellenanzeige stand nur ein E. |
| Sekret�r: | Augenblick, ich verbinde... |
| Chef: | M�ller! |
| H.M.: | Guten Tag, Herr M�ller, mein Name ist Hans Muster... |
| Chef: | Guten Tag, Herr Muster! |
| H.M.: | Sie suchen einen Mustermusterer. Ich wollte mich erkundigen, ob die Stelle schon vergeben ist? |
| Chef: | Ja, also, wir haben schon einen Haufen Bewerbungen bekommen... aber vergeben ist sie noch nicht. |
| H.M.: | Der Entscheidungsproze� l�uft also noch. Fein, dann bin ich ja noch rechtzeitig. In der Anzeige steht, Sie legen besonderen Wert auf Musterologie? |
| Chef: | Ja, auch, nat�rlich. Haben Sie in dieser Richtung schon gearbeitet? |
| H.M.: | Ja, bei meinem derzeitigem Unternehmen habe ich f�r meinen Chef immer die entsprechenden Pr�sentationen ausgearbeitet. |
| Chef: | Sch�n, sch�n. (Pause) |
| H.M.: | Wann kann ich denn mal vorbeikommen und Ihnen meine Bewerbungsunterlagen �berreichen, Herr M�ller? |
| Chef: | Hmmm. Heute is' schlecht. Kommen Sie mal n�chsten Dienstag um halb vier. |
| H.M.: | Dienstag, das ist der 14., nicht wahr? Dann sehen wir uns Dienstag um halb vier. Fein. Bis dann, Herr M�ller. |
| Chef: | Ja. Auf Wiedersehen, Herr Muster. |
3.3 Das Vorstellungsgespr�ch
Damit ist das Fachliche zum Gro�teil erledigt. Im Vorstellungsgespr�ch wird getestet, ob Sie
tats�chlich der sind, der die Bewerbungsunterlagen geschickt hat, und ob Sie zum
soziokulturellen Klima der Firma passen.
Seien Sie nicht steif, und seien Sie nicht flegelhaft. Seien Sie einfach, offen, freundlich und
nat�rlich.
Nat�rlich ist das schwer! Insbesondere wenn Sie sich Sorgen machen, da� Ihre
Gespr�chspartner Vorbehalte gegen Sie haben. Man hat aber keine Vorbehalte.
Sonst h�tte man Sie nicht eingeladen.
Ihre Gespr�chspartner sind Menschen. Menschen sitzen am liebsten in
angenehmer Atmosph�re herum, trinken Kaffee und unterhalten sich. Tragen Sie dazu bei.
�ben Sie vorher! Gehen Sie allein oder mit Partner irgendwo hin, wo Sie keiner kennt,
und sorgen Sie daf�r, da� man nachher anerkennend �ber Sie spricht. Was Sie verifizieren.
4. Motivation
Noch (1998) haben wir ein soziales Netz. Was, glauben Sie, haben wir in 10 Jahren? Dabei ist
es mir v�llig egal, welche Partei unsere Republik runterwirtschaftet.
Wof�r arbeiten Sie?
- Brauchen Sie ein dickeres Auto, um besser Schnecken angraben zu k�nnen?
- Wollen Sie in den n�chsten Jahren eine Familie gr�nden, und brauchen daf�r Geld auf
der hohen Kante?
- Beabsichtigen Sie gar, 60 zu werden, und wollen trotzdem noch mit dem eigenen Auto
gelegentlich in Urlaub fahren?
Ja, dann brauchen Sie Geld. (Und einen oder zwei Anti-Waigel-Berater.)
Sie werden nicht heute und auch nicht morgen schon Erfolg haben.
Aber wenn Sie nicht heute anfangen, wenigstens zum �ben, schaffen Sie's nie.
Back to home page
This page hosted by
Get your own Free Home Page