34: Sufismus und Islam
In einer Zeit, in der die nicht-Informierten so zungenfertig politische Fragen mit religisen verwechseln, in der der Terrorismus der religisen Wiederann.herung durch die falsche Darstellung des Islam viel geschadet hat, ist es wichtig, etwas ber die Realit.t des Islam zu wissen (Islam heit zuf.lligerweise blo: Glauben. - Mohammedanismus ist Kirchenbann).

Der Koran (sherif) ist die einzige religise Schrift, die alle in der damaligen Zeit bekannten groen Propheten erw.hnt und ehrt, namentlich jene des alten Testaments und Christus. Die Zoroaster sind manchmal enthalten im 'Ahl al Kitab' (jenen, die eine Schrift haben). Wir mssen uns gewahr bleiben, da die Berichte ber religise Praktiken jenseits der Ufer des arabischen Meeres, die damals Arabien erreichten, haupts.chlich von H.ndlern stammten, deren erste Eindrcke auf ihren Erfahrungen mit der Maskerade der verkleideten Hindugottheiten in den Volksritualen grndeten, die zum Teil den verabscheuten heidnischen Praktiken der St.mme glichen. Aber nicht bevor Biruni einen 	berblick ber den metaphysischen Hintergrund dieser Rituale gab, wurde den Arabern etwas verl.liches ber die spirituelle Tiefe der Hindureligion bekannt. In den Upanischaden wird Gott zweifellos als Eins betrachtet. Es gibt eine eindrckliche Parallele zwischen dem "Tat twam Asi" der Upanischaden und dem muslimischen Shahada: "La ilaha illa 'lla hu" und auch dem "Adonai Ekhod" der Juden (Ekhod = Ahad) und dem "Unum Deum" der Christen.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, da aus dieser breiten, allumfassenden Sicht des Propheten Mohammed der Sufismus entstand, als das Erblhen einer Pflanze, die in der prophetischen Mission Abrahams ihren Ursprung fand.

Und wirklich gab der Prophet dem Sufismus seinen Lebensimpuls nach der Zeremonie mit dem Mantel (Ashab) indem er den ersten Sufiorden grndete: den Ahl al Suffa (die Leute der Sofa, in der N.he der Moschee von Medina), untersttzt durch Salman Farsi. Das Wachstum des Ordens vertraute er dem sanften Schutz seines Schwiegersohnes Hazrat Ali an, der der anerkannte Begrnder vieler verschiedener "silsila", das heit Ketten oder Zweige der Sufiorden ist (wie ein Baum mit vielen Gabelungen, einige verschieden von anderen). Zugang dazu fand man durch eine Initiation, genannt Bayat: eine Erneuerung des Treuegelbdes an Gott, das die Menschen am Anfang der Zeit eingingen,und das die Oberlehensherrschaft in der Beziehung zum Einen und einzig Hchsten etablierte. Dem folgte strenge Disziplin und andauernde Wiedererinnerung (Dhikr) an die gttliche Gegenwart. Auch Kontemplation (wazifa) seiner Qualit.ten, reflektiert in der eigenen menschlichen Natur, indem man sich so daran hinderte, sich in seinem eigenen persnlichen Ego zu entfremden (fana: die Vernichtung der Vorstellung eines individuellen Selbstes).

Sufismus erfordert so viel Disziplin und Hingabe, da er nur fr wenige sein kann. Fr die Masse der Leute ist das Bedrfnis nach Disziplin und danach, alles zu stoppen um eine verstandesm.ige und geistige Kommunikation mit der gttlichen Gegenwart wiederherzustellen, von der wir durch unsere t.glichen Aufgaben distanziert wurden, ein Schutz gegen die Schmutzigkeit, Kriminalit.t und Grobheit, die als Nebenprodukte unserer modernen Zivilisation erscheinen. Und wenn die Menschen nicht genug Selbstdisziplin haben um ihr Bewutsein auf die gttliche Gegenwart und den Glanz hinter dem Universum (den gttlichen Glanz) eingestimmt zu halten, dann hilft es manchmal, wenn ihr Mangel an Entschlossenheit durch einen obligaten Gebetszwang erg.nzt wird. Es ist sehr eindrcklich zu sehen, wie in Kairo oder Karachi beim Ruf des Muezzin alles stoppt: die betende Haltung w.chst kraft der reinen Disziplin in die t.gliche Routine hinein, nur fr einige Minuten. Die Gebetsmatte ist wie eine extra-territoriale Oase, umringt von der profanen Welt. Der Geist wird erhht und die Arbeit kann mit einem frischen Ausblick wiederbegonnen werden, Die Briten erlebten etwas .hnliches im zweiten Weltkrieg, als der Londoner Verkehr und die eilenden Massen ausnahmslos beim Schlag des Big Ben (der monumentalen Uhr der Westminster Abtei) fr eine Minute stillen Gebetes fr den Frieden anhielten.

Ein auergewhnliches prophetisches Wesen war vonnten um die kriegerischen Wstenst.mme zu der Zivilisation zu transformieren, die die Meisterwerke der Kunst, Architektur, Musik und Poesie hervorbrachte, die den Islam bilden, Von den geschichtlichen Chroniken, aber auch wenn wir ber den Propheten meditieren, erscheint seine Persnlichkeit als eine glorreiche, knigliche Figur, die uns Respekt auferlegt durch ihre Herrlichkeit und durch ihre Hingabe an die ausdrcklichen Befehle der Stimme, die der Prophet hrte, als er seinen Kopf mit dem Mantel bedeckte, und die ihm die Worte des Koran (sherif) inspirierte. Hingabe an Gott.

Sufismus wurde oft die Sahne des Islam genannt. Vielleicht w.re das Wort Perle angemessen (wie die Perlenmoschee). Ein Ding von auserlesener Schnheit, reserviert fr die Eingeweihten, das tr.nentr.chtige Produkt, dessen Symptom das gebrochene Herz ist. Deshalb .uern die Sufis, hingerissen von der Entdeckung der Gegenwart Gottes, Seufzer (rakhs) in denen sie Schmerz und Freude gleichzeitig ausdrcken. Das "La illaha illa 'llah" bedeutet: Es ist alles Eins - "Allah ho Ahad, Allah ho samad": Gott ist Eins, Gott ist... Das Wort samad kann vielf.ltig interpretiert werden: einige bersetzen es mit dem Wort "ewig", andere als: der Eine, von dem alles abh.ngt oder mit dem alles verbunden ist oder in dem alles verwurzelt ist (zuf.lligerweise ist die klangm.ige Verbindung zu Samadhi sehr auffallend!). Das, was das menschliche Wesen als seinen Schmerz identifiziert, ist in Wirklichkeit Gottes Schmerz ber die Begrenzung aufgrund jener Teile von sich (Menschen), die sich von Seinem Bewutsein entfremdet haben. Und wenn das menschliche Wesen durch das Gebet erhht wurde, dann ist es Gott, der sich freut zu bezeugen, wie eines seiner Krperglieder, das sich entfremdet hatte, sich zuletzt wieder in seinen gttlichen Geist eingestimmt hat.

Die Gelehrten haben sehr unterschiedliche Ansichten ber den Ursprung des Sufismus und die Etymologie des Wortes Sufi. Einige unterstreichen den ausschlaggebenden Einflu des einen Gottes aus abrahamischem Ursprung, der die Seele des Propheten Mohammed so tief berhrte (Sal aleih wa salam), angesichts der Gtzendienerei und der Blutorgien der Wstenst.mme seiner Zeit; einige sehen darin eine Reliquie des Mazd.ischen Einflusses in Iran und verweisen auf den Beitrag von Salman Pak (dem zoroastrischen Magier, den der Prophet rettete und in seinen Stamm aufnahm); einige ziehen unsere Aufmerksamkeit auf die Achtung, die christlichen Mnchen in der Wste durch hingebungsvolle, von der Askese angesprochene Muslime erwiesen wurde, und auf die spezielle Rolle, die der Prophet Christus zuschreibt: "Und wir bliesen unseren Geist in jene, die ihre Keuschheit bewahrte, und wir machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen fr die Welt." (Qr.21/91)... "An Jesus, Sohn der Maria, gaben wir die Beweise." (Qr.42/13) Nach Prof. Seyyed Hossein Nasr hatte Mevlana Jelal-ud-Din Rumi christliche Mureeds.

In Indien ist die Perspektive wieder anders, aufgrund der Osmose, die ber die Jahrhunderte, in denen der Islam und der Hinduismus in Wechselbeziehung standen, stattfand und die ihren Hhepunkt im eher eklektischen Synkretismus hatte, den der Sufismus in Indien unter Kaiser Akbar annahm. Kaiser Akbar begrndete in Fatehpur Sikri den ersten interreligisen Kongre der Geschichte, in dem sich alle Religionen gegenseitig respektierten. Kaiser Akbars Sufi-Murshid gehrte dem Chishti Sufi-Orden an, dessen Zentrum in Ajmer ist und von Khwaja Moin-ud-Din Chishti (RA) begrndet wurde, der auch viele Hindu-Mureeds hatte. Es ist dieser Orden, in den Pir-o-Murshid Inayat Khan eingeweiht wurde
