29 : Oktober 1986
Meine Lieben

Ein sehr aufregender Sommer, angefllt mit intensiven Aktivit.ten, ist vorbergegangen! Ich hatte - im Zusammenhang mit meinem 70. Geburtstag - Vorbehalte gegenber persnlichen Schmeicheleien, die mein Ego verderben knnten. Was sich jedoch ergab, als ich das Geschehen huldvoll akzeptierte, war, da ich vielen Menschen die Mglichkeit gab, ihre Liebe zu zeigen, was mir die Gelegenheit bot, sie hundertfach zu erwidern. Ich realisiere, da das Geschenk der Liebe von so vielen in mir neues Leben fr den Dienst an der Botschaft weckte.

Indem wir die H-Moll-Messe von Bach ben, sind wir irgendwie auf dem Weg, sie im Jahre 2000 aufzufhren. Wir sind ihm dankbar, da er uns durch die Sprache der Musik die Tore zu den Himmeln ffnet.

Die beiden Schauspiele, die bei der Feier aufgefhrt wurden - eines habe ich im Alter von 15 Jahren selber geschrieben, das andere schrieb Michael Seraphiel (jetzt Zia) - zerschmetterten eine sensible Faser im Kern meines Wesens, weil sie so dramatisch die Anliegen, Ideale und Herausforderungen jener verkrpern, die sich einem spirituellen Ideal widmen. Man h.tte Pir-o-Murshids Schauspiel "Der lebende Tote" beifgen knnen. Der traditionelle Weg war entweder derjenige des Sannyasins oder der des Haush.lters, heute ist es, in der Welt zu sein, ohne von der Welt zu sein. Aber das Spektrum der Traditionen schwebt unauslschbar im Unbewuten; es mu durch die Erforschung der Spiritualit.t der Zukunft berwunden werden.

Die gestrige Reise des Pilgers zum Gipfel des Glanzes in der Einsamkeit der Einheit oder in die Herrlichkeit der Himmel wird zum heutigen Arbeiter auf den Feldern der Erde oder zum Ritter auf dem Schlachtfeld unserer allt.glichen Existenz. Wir bringen den Himmel auf die Erde, indem wir mit h.lichen Situationen in Schnheit umgehen, anstatt in ein utopisches Niemandsland der Seligkeit zu flchten. Mache Gott zur Realit.t! Aber ist es nicht manchmal erlaubt, die Bemhungen aufzuschieben, um einen auserw.hlten Moment in beseligender Musik zu verweilen? Verpassen wir aber nicht die Erhebung, die ausgelst wird durch die Ahnung jenes Aspektes von Gott, der jenseits allen manifestierten Ausdrucks ist, wenn wir Gott Nachdruck verleihen, wie er sich in der Gttlichkeit unseres eigenen Wesens manifestiert oder im flchtigen Blick hinter unser Bewutsein und im Hintergrund unserer Persnlichkeit? Erobere diesen Moment zwischen Momenten, der vorbeigeht, bevor wir ihn wahrgenommen haben, wenn wir mit dem Versuch aufgehrt haben, zu sein. Es ist wie das Parfm der Rose, es scheint keinem Zweck zu dienen, ist eine Art Bonus, eine gttliche Gunst.

Solch flchtige Blicke sind selten auf dem Weg zur Transformation durch angewandte Meditation mithilfe von 	bungen. Lange knnen wir nicht auf dem Berggipfel verweilen. Die Einblicke erhalten wir unerwartet, wenn wir aufgehrt haben, nach ihnen zu suchen. Sie geschehen meistens, wenn wir nach mhevollen Anstrengungen alles friedlich geschehen lassen, sozusagen ziellos. Erinnern Sie sich an Murshids Worte, die besagen, da Errungenschaften uns Macht verleihen, aber da Losgelstheit, die den passiven Willen veranschaulicht, noch mehr Macht verleiht, weil sie nicht durch ein Ziel begrenzt wird.

Meine Liebe Euch allen
