|
5 CDs haupts�chlich mit Solo-Trompete, 1 CD mit gesprochenem Wort, eine Brosch�re mit 13 Farbreproduktionen von bildnerischen Werken, eine Brosch�re mit Texten vom und �ber den K�nstler (u.a. mit Beitr�gen von Graham Lock und Ben Young): das ist die geballte Ladung Bill Dixon, die man mit dieser Box bekommt. Von Dixon selbst produziert und in einer nummerierten und signierten Auflage von 1000 St�ck im Eigenverlag erschienen ist dieses Werk sein definitives Statement zum Thema Solo-Spiel und individueller Trompetentechnik.
Die meisten Aufnahmen sind Archivaufnahmen aus den 70-er Jahren, als Dixon am Bennington College lehrte und seinen musikalischen Entwicklungsprozess akribisch auf Band festhielt. Aber nicht alle Nummern sind Solo-Trompete: Dixon spielt auf etlichen Nummern Solo-Piano bzw. mithilfe von Overdubs Duos mit sich selbst (auf Trompeter und/oder Piano); und auch ein Duo mit einem Keyboarder findet sich!
Die Musik l�sst sich vielleicht am ehesten durch das NICHT charakterisieren: sie ist nicht rhythmisch, nicht thematisch, und abgesehen von elektronischem Echo gibt es Wiederholungen weder im Kleinen noch im Gro�en. Dennoch ist jedes St�ck ganz klar als individuelle Entit�t und Ganzheit erkennbar; die Pr�senz des K�nstlers ist in jedem Moment sehr eindringlich sp�rbar. Die Musik hat meist eine starke erz�hlerische Qualit�t, oft getragen von einer melancholischen Grundstimmung. Die Mitteilsamkeit Dixons gipfelt auf CD Nr. 6 darin, dass er tats�chlich spricht, und zwar nicht unter Verwendung eines Instrumentes, sondern seiner Stimmb�nder! Auch dieser sonoren Stimme zu lauschen, die �ber Musik spricht, �ber Solo-Trompete, Musikunterricht, �ber das Business, �ber die Schwarzen in Amerika, �ber Odyssey ... auch das ist ein �u�erst anregendes, informatives Vergn�gen!
Dixon gelingt in seiner Musik auf magische Weise die Vereinbarung scheinbarer Gegens�tze: Konzentration und Gelassenheit, Sch�nheit und Rohheit, Dichte und Klarheit und schlie�lich h�chste Abstraktion mit dem Ausdruck tiefer Emotion. Das R�tsel dar�ber, wie solches gelingt, macht einen gro�en Teil des Reizes dieser Musik aus. Aber wie tief auch immer man in diesen Klang-Kosmos einzutauchen vermag, er scheint immer weitere R�tsel bereithalten. Sind m�glicherweise die hektisch hingeworfenen Phrasen nichts anderes als selbst-referenzierende Kopien der getragenen, so einsamen Klaget�ne an anderen Stellen? Eine Analogie zu den unendlich verschachtelten Landschaften der Chaostheorie?
Ist die Musik auch in h�chstem Grade magisch, so ist ihr Sch�pfer doch in keinem Moment ein Verschleierer oder Mystifizierer. Obwohl Dixon manch diskographisches Detail unterschl�gt (u.a., dass Material der Box im Ausma� von ca. 2 CD bereits fr�her � wenn auch auf schwer erh�ltlichen Vinyl-Ausgaben - erschienen war): die beigelegten Texte und die gesprochenen Ausf�hrungen zu verschiedensten Themen zeigen, dass es ihm sehr daran gelegen ist, seine Musik und deren Einbettung in Gesellschaft, Kultur und Business (bzw. die Abgrenzung davon) m�glichst akkurat zu beschreiben. Doch trotz all des beeindruckend pr�zisen sprachliches Ausdruckes und der so klar logischen Gedankenfl�sse bleibt Dixon sich letztlich selbst ein R�tsel; der 75-j�hrige sucht und findet das Wunder des Kosmos in sich selbst.
Der Gedanke an Narzissmus mag sich aufdr�ngen, doch Dixon hat l�ngst bewiesen, dass er kein selbstverliebter Solo-Trompeter ist, sondern zielstrebig sein ureigenstes k�nstlerisches Konzept in vielen musikalischen Konfigurationen verfolgt und zur pers�nlichen Reife bringt. Seine Werke f�r gr��ere Ensembles harren indes gr��tenteils der (Wieder)Ver�ffentlichung bzw. der Realisierung; aus �konomischen Gr�nden. Odyssey: ein Steinchen im Mosaikbild der Kunst Bill Dixons, ein Meilenstein auf einer einsamen, mutigen Reise durch das Unbekannte.
Robert Stubenrauch
Details siehe http://www.geocities.com/rstubenrauch/Dixon/Odyssey.htm