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Foundation - Center for Contemporary Arts FW 0001 2 331
Rec. October 2002
Diese slowakisch-österreichische Produktion enthält eine Reihe hervorragenden Zutaten, darunter Spielfreude, Abwechslung, Witz, Geschmack. Skuta setzt die vielfachen Klangmöglichkeiten des Oktetts gekonnt in seinen intelligenten Kompositionen und vielschichtigen Arrangements ein. Dabei reicht die Bandbreite von Freebop über Latin und einen "Instrumental-Rap" (in dem Köhldorfers Gitarre allerdings so sehr nach Mickeymaus klingt, dass Assoziationen an Rapper sofort wieder abgewürgt werden) bis zu getragenen Balladen und Sphärischem. Auf der sehr soliden Rhythmusbasis von Herbert und Deutsch können sich die Musiker maßvoll entfalten, aber virtuose Soloausritte stehen nicht im Vordergrund dieser Musik, sondern ausgereifter Ensembleklang. Öfteres Hören ist empfohlen, es fördert jedes Mal neue Tiefenschichten zu Tage!
(Stubenrauch)
Jazzland / Universal 0440 038500-2 6
Rec. live, April 2000 - Dez 2002
Er sei stolz, auf diesem Album ohne Overdubs und "Repairs" zu demonstrieren, wie man nur auf der Basis eines elektronischen Beats spontan Musik und guten "Spirit" schaffen kann. Das bringt den Großteil der Musik dieser CD tatsächlich auf den Punkt: Übungen in Rhythmus, die in langen minimalistischen Entwicklungsbögen (dazu geben die 76 Minuten Hörzeit reichlich Gelegenheit!) Körper und Geist des Hörers durchdringen, sei es in entspanntem Schaukeln oder ekstatischer Intensität. Das Ziel ist in einem Trancezustand ganz im Sinne von Drum'n'Bass und "Dance" erreicht, wenn man nicht mehr nach solistischen Höhepunkten im Jazzgeist fragt (die aber dennoch jederzeit passieren können), sondern ganz in diesem Geschehen aufgeht. Dementsprechend sind keine Solisten an Blasinstrumenten vertreten, um die Rhythumssuppe mit jazziger Würze zu versehen, wie das auf früheren NCOJ-Alben der Fall war (John Scofield, der auf einer Nummer gastiert, fügt sich gut als Rhythmusgitarrist ein, kann oder will darüber hinaus aber nicht wirklich hervortreten). Feinheiten spielen sich vor dem Anwerfen der Rhythmusmaschine ab: In den Einleitungen kann es lyrisch-leichte Return-to-Forever-Reminiszenzen am Fender Piano geben oder schräge bis wunderschöne Klänge am gestrichenen Bass von Ingebrigt Flaten, der die tragende Kontinuitätsrolle glänzend spielt. Durchatmen bei dezent-ruhigem Schönklang am Konzertflügel. Das Material ist teils neu, teils basiert es auf bekannten Nummern, deren Interpretationen hier durchwegs originell anders klingen als die ursprünglichen Studioeinspielungen, deren hohen Standard aber kaum erreichen können. Am Schluss wird es doch noch "jazzig", wenn die Band auf ein "klassisches" akustisches Klaviertrio reduziert - und lediglich mit dezenter Elektronik hinterlegt - zeigt, dass man auch auf diese Art Intensität erzeugen kann. Swing meets Groove meets Beat. Fazit? Mit dieser schönen CD sollte Wesseltoft einen Bogen abgeschlossen haben und sich jetzt neuen Horizonten zuwenden, bevor es zum kreativen Stillstand kommt. Nach sieben Jahren des "neuen Jazzkonzeptes" scheint der Plafond erreicht, auch wenn die Marketing-Strategen das geniale Etikett "New Conception of Jazz" nicht gerne aufgeben werden.
(Stubenrauch)
ESC/EFA 03684-2
Rec. May 2002
Wer zwischen Hochglanz-Fadesse, kitschiger Belanglosigkeit und schlaffen Balladen nach funkiger Energie sucht, findet auch diese in Spuren. Weiters auf der Haben-Seite dieser Produktion sind einige der Themen, die durchaus Ohrwurm-Qualitäten aufweisen. Die Ausführung in typischer Perfektion hat man erwartet. Was fehlt dann hier noch, um aus der technisch einwandfreien Musik einen Genuß zu machen? Vielleicht etwas mehr Gefühl, Spontaneität, und lockere Freude und etwas weniger angespannte, glatte Perfektion? Der unvereinbare Gegensatz von "down-to-earth" Groove und kopflastiger Komplexität der Strukturen bleibt jedenfalls auf schmerzhafte Weise unaufgelöst.
(Stubenrauch)
Telarc CD-83558
Rec. September 2002
Die 24-jährige, in Boston lebende Japanerin legt ein hörenswertes Debut vor. Ihre eingängigen Eigenkompositionen mit Hang zum Pathos zeigen eine erstaunliche Bandbreite zwischen energetischem Post-Bop, funkigem Jazzrock, groovigem Soul, rockig-quirligem Hochgeschwindigkeits-Boogie und Stride, mit einigen balladesken Verschnaufpausen. Die Musik ist technisch brillant vorgetragen, mit vollem Sound und einer gewissen lässigen Eleganz auch in komplexen Phasen, die verstehen lässt, warum gerade Ahmad Jamal uns die Dame besonders empfiehlt. Das Trio ist wunderbar aufeinander eingespielt und ohne besonders innovativ zu sein macht die gesamte Produktion einen runden, frischen Eindruck. Dennoch: die in den Medien hochgejubelte Pianistin wird in den nachfolgenden Produktionen erst zu zeigen haben, zu welcher Entwicklung sie fähig ist. Das Potential dazu ist jedenfalls beachtlich.
(Stubenrauch)
Between the lines BTL 026 / EFA 10196
Rec. April 16 & 17, 2001
Diese Musik ist eine Verbeugung vor Jimmy Giuffre. Stark verkürzt dargestellt könnte man sagen, dass der Klarinettist Giuffre Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderst als Weißer einen wesentlichen Gegenpol zum schwarzen Powerplay des schwarzen Freejazz gesetzt hat, und damit trotzt musikalisch großartiger Beiträge lange Zeit auf Ablehnung stieß (vor allem in den USA). Im schlagzeuglosen Trio mit Giuffre spielte damals Paul Bley, der auch auf dieser CD auf einigen Tracks zu hören ist, deren Material sowohl "alte" Kompositionen von Giuffre und Bley, als auch neue der beteiligten Musiker umfasst. Gemäß dem Geiste Giuffres ist die Grundstimmung der kurzen Nummern meist ruhig und introspektiv, die Musik komplex und ohne durchgängigen Beat. Sphärenklänge an der E-Gitarre lassen an Pat Metheny erinnern und erlauben ein Regenerieren des angestrengten Geistes. Aber auch hektische Freitöne sind zu hören. Für Höhepunkte sorgt Bley mit wunderschönen lyrisch-klaren Beiträgen, dargebracht in bekannter Ökonomie. Musik, die geduldiges Zuhören offener Ohren erfordert.
(Stubenrauch)
Between the lines BTL 027 / EFA 10197
Rec. September 2001
Das 40-minütige "Transformations" nennt sich auch schlicht "Musik für 3 Improvisatoren und Orchester", besteht aus fünf Sätzen und drei Interludien und ist kurzweilig anzuhören. Rhythmische Gebundenheit, Improvisation und Intensität kommen vom Jazz, komplex vielschichtiger Ensembleschönklang von der Neuen Musik. Dass auch die Mitglieder des Klangforums durchaus zu swingen verstehen, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die solistischen Einsprengsel sind willkommen, haben an der Definition des Gesamten aber nur geringen Anteil. Die große Menge der verschiedensten klanglichen und rhythmischen Bausteine, die in schneller Abfolge zum Einsatz kommen, erweckt zeitweise den Eindruck von hektischem und etwas ziellosem Probieren in neuem Terrain. Fehlt hier mehr Mut zum Abenteuer oder mehr Bekenntnis zur Stabilität? Oder eine klare Entscheidung zugunsten eines der beiden Prinzipien? Der zweite, kürzere Teil der CD besteht aus vier Quartetten, gespielt von Emery, Koglmann, Coe und Herbert. Auch hier ist alles drinnen zwischen sperrigen, arhythischen Neutönen bis zu lässig swingenden Jazzthemen, immer mit der gebotenen emotionalen Zurückhaltung.
(Stubenrauch)
Altri Suoni AS 138
Rec. live, November 2001
Die reizvolle Besetzung mit den Gegenspielern Gitarre und Flöte definiert den individuellen Gruppensound. Dezent kraftvoller Rockjazz ist die eine Säule der Musik, gefühlvoll ruhige Introspektion die andere. Ökonomisch eingesetztes Blues-Feeling an der Gitarre, klassisches Feingefühl an der Flöte und ein fundierter Beat verdichten sich in der Atmosphäre der Live-Aufnahme mit prägnanten Themen zu einem entspannten und doch anregenden Hörerlebnis.
(Stubenrauch)
Altri Suoni AS 138
Rec. live, Juni 2002
Daumengitarrist Ulmer läuft mit dem Franzosen Burger zur Höchstform auf, wie schon lange nicht. Sein tiefschwarzer Blues trifft auf den klassischen Strom-Rock der Franzosen. Die Gitarristensänger sind sich Echo und umkreisen sich spielerisch. Das Material ist setzt sich zu gleichen Teilen aus Ulmerschem Song-Urgestein in neuem Gewand ("Blues Allnight" ...) und aus Kompositionen Burgers zusammen (plus eine Rolling-Stones-Nummer!). Die Sache lebt vom Kontrast der beiden "Frontmen", gitarristisch und stimmlich. Ulmers herrlich krächzendes Wiehern! Und wenn Burger dezent auf Französisch singt findet man sich plötzlich mitten in einem "Chanson". No-Wave-Blues-Rock-Chanson. Die kochende Live-Atmosphäre trägt dazu bei, auch dem Hörer Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Und der Bonus: Die CD enthält ein gut gemachtes Live-Video!
(Stubenrauch)
Golton AG, keine Nummer
Rec. June 2001
"Glutmut's Erzählung": Carlo Crameri (ac-g,el-g,text,voc), Heiri Känzig (b)
"Sandbrot": Carlo Crameri (el-g,Chinese weding chalmei,text,voc), Carola Wirth (voc), Heiri Känzig (e-cello,b,el-b,gongs), Marc Halbheer (dr,batarukka-perc,gongs,background voc)
Wenn ein Universalkünstler zu viele Talente hat, muss er eben auch CDs produzieren. Der bildende Künstler Crameri hat sich schon früher auch musikalisch betätigt, die poetische Ader hat sich ebenfalls irgendwann erschlossen. Das Resultat ist eine Herausforderung an unsere Offenheit: Ziellos anmutendes Gitarrengezupfe, das auch durch Känzigs kompetente "Begleitung" nicht gerettet werden kann. Spätestens bei der krächzend vorgetragenen "Poesie" lässt uns Gänsehaut der unangenehmen Art endgültig erschaudern, zumal die Textfetzen eine nur noch größere trostlose Leere hinterlassen. "Sandbrot" bietet mit doppelt so vielen Beteiligten eine größere klangliche Bandbreite und daher mehr Spannung, folgt aber insgesamt dem gleichen Prinzip. Ach ja, wie gesagt: Crameri ist eigentlich bildender Künstler. Daher wollen wir nicht unerwähnt lassen, dass die Cover Art beider CDs durch den Künstler wirklich gelungen ist.
PS: Kunst muss und kann nicht immer "schön" sein (was immer man darunter verstehen will), sondern kann und soll durchaus auch auf anderen Bedeutungsbenen Relevanz zeigen. In diesem Sinne mag sich denjenigen, die sich auf diese Werke einlassen, eine positive Sinnhaftigkeit erschließen, die dem Rezensenten nicht zugänglich war.
(Stubenrauch)