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Rezensionen Juni 2002

Jon Eberson Group

Dreams That Went Astray

Jazzland 013 421-2

 

Jon Eberson (g), Bugge Wesseltoft (key, synth-b), Tom Erik Antonsen (b), Pal Thowsen (dr), Pal Strangefruit (vinyl), Beate (voc)

Rec. Jänner und August 2000

 

Es beginnt rockig-funky im Stile des übermächtigen John Scofield. Wie er ist auch Eberson Meister eines entspannten Groove, der nichtsdestotrotz einen hohen Dichtegrad erreichen kann. Bugge Wesseltoft spielt Keyboards, für Sample-Zusätze sorgt ein gewisser Strangefruit am Vinyl, auf drei Nummern ist souliger Gesang von Beate zu hören. Hervorzuheben ist der gelassen grummelnde E-Bass, der den Anker im abwechslungsreichen Geschehen darstellt. Eberson selbst drängt sich solistisch nie auf und dient lieber dem Allgemeingeschehen, großzügig aufgebauten Spannungsbögen, die sich meist auf ruhigem Bluesfeeling mit einem Schuss Funk aufbauen und Zeit haben sich zu entfalten. Es ist nicht bedeutend, dass es sich um die CD eines Gitarristen handelt. Aktueller Jazzrock von solider Qualität, offen für neue Strömungen!

(Stubenrauch)

 

 


Skatalites

From Paris With Love

Celluloid 13692-3 (Ixthuluh)

 

Lloyd Knibbs (dr), Lloyd Brevett (b), Ken Stewart (key), Johnny Dizzy Moore (tp), Lester Sterling (as), Cedric Brooks (ts), Doreen Schaffer (voc)

Rec. 2001

 

Die Skatalites schufen vor nunmehr vierzig Jahren auf Jamaica den Ska, den Vorläufer von Reggae, Dub und allem, was den heute bei Acidjazz und Remixern so begehrten lockertiefen Groove hat. Unglaublich, aber wahr: es gibt sie noch, die Skatalites. Letztes Jahr waren sie auf Tour und haben die vorliegende Studio-CD aufgenommen. Und die alten Herren grooven, was das Zeug hält! Wer dabei ruhig sitzen bleiben kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Unbeschwert fröhliche Musik mit netten Bläsersoli und dem „phatten“ Bass; alles lässig und mit viel entspanntem Gefühl. Nette Themen zum Mitsummen; simpel und dennoch nicht banal; rettungslos altmodisch und doch aktuell. Da kann man über ein kleines Manko hinweg sehen: auf drei Nummern ist mittelmäßig schmalzig-dümmlicher Gesang zu hören. Ansonsten besonders empfohlen für die Sommerparty und fürs Auto.

(Stubenrauch)


Sussan Deyhim

Shy Angels – Reconstruction and Mix Translation of “Madam of God” by Bill Laswell

Crammed Discs craw 26 (Ixthuluh)

 

Sussan Deyhim (voc), mit Reggie Workman (b), Bill Laswell (b, synth), Zakir Hussain (tabla), Hamid Drake (dr, tabla), Aiyb Dieng (chatan) u.a.

 

Die Exil-Iranerin Deyhim hat vor Jahren auf ihrer CD „Madman of God“ Interpretationen persischer Sufimeister geliefert, die in ihrer spirituellen Verbindung von traditionellem orientalischem Gesang und Instrumentierung mit westlichen Elementen durchaus erfolgreich war. Bill Laswell meinte, auch diese aktuelle Produktion „rekonstruieren“ zu müssen, wie zuvor schon historische Aufnahmen von Miles Davis, Bob Marley und Carlos Santana. Wer Laswell kennt ist vom Ergebnis nicht überrascht. Er greift selbst in die Basssaiten und unterlegt die Musik mit seinen bekannt tiefen Grooves. Am anderen Ende des Spektrums ein bisschen der so hippen Tabla-Loops, dazu rockige Drums, mal als hypernervöse Breakbeats, mal cool-relaxed. Weitere Zutaten: Spaciges E-Piano, ein bisschen Sitar und die stimmungsvollen akustischen Instrumente der ursprünglichen Fassung. Mit dem richtigen Schuss exotischer Spiritualität und der sinnlich-himmlischen Stimme ist die neue Version fertig für den Dancefloor, aber auch fürs Chill-Out. Die Scheibe muss laut gehört werden, damit die erwünschte Derwisch-mäßige Trance eintreten kann. Intensiv ist die Sache jedenfalls allemal!

(Stubenrauch)

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