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Das beste Album aller Zeiten! Das einflussreichste, erfolgreichste Album aller Zeiten! In derartigen Superlativen wird �ber Kind of Blue gesprochen. Oder: das Jazz-Album, das sogar die lieben, die ansonsten Jazz verabscheuen. Das Album, das vorzeigt, dass h�chste k�nstlerische Qualit�t und kommerzieller Erfolg keine Widerspr�che sind.
Wie durch die Sicht eines Fischauges blicken wir auf zwei Jahrzehnte von Karriere und Musik des Miles Davis. Im Zentrum stehen zwei Aufnahmesessions, die zu einem legend�ren Album werden sollten. Wir fokussieren also auf das Fr�hjahr 1959: Davis hat sein Quintett, dem John Coltrane seit drei Jahren angeh�rt, mit Cannonball Adderley zum Sextett erweitert. Der junge wei�e Pianist Bill Evans bringt das modale Konzept George Russells ein, das gr��ere musikalischen Freiheiten erlaubt, als die ausgetretenen Pfade das Hardbop. Miles Davis bringt nur musikalische Skizzen mit ins Studio, die die meisten Mitmusiker noch nie gesehen haben, oder ver�ndert spontan Material, das die Gruppe seit Monaten live gespielt hat. So ist frische, aber dennoch vorsichtig tastende Musik das Resultat dieser Sessions.
Die geniale Integration von Coolness, Swing, Freiheit, und der Melancholie des Blues war damals ein sofortiger Erfolg und ist heute immer noch ungeschlagen. Man kann die Musik nicht als revolution�r bezeichnen aber ihre Neuheit �ffnete in vielerlei Hinsicht Tore in die Zukunft und gerade das ist der Grund warum die Wirkung dieses Album so weit in das Heute ausstrahlte. Zehn Jahre nach Kind of Blue sollte Miles mit In a Silent Way ein weiteres Mal mit dieser Methode der kontrollierten Spontaneit�t Erfolg haben und eine neue musikalische �ra (diesmal die des Rock-Jazz) einl�uten. Solche Zusammenh�nge macht Khan klar, und unterstreicht damit die historische Bedeutung von Kind of Blue. Die Wirkung des Albums entfaltet sich nachhaltig, auch kommerziell: das Album verkauft sich in den letzten Jahren besser denn je.
Kind of Blue von Ashley Khan ist rundum gelungen. Die
musikalischen Analysen sind auch f�r Nicht-Musiker verst�ndlich und es werden
eine F�lle von Details rund um die Aufnahmesessions geboten, die die
Arbeitsweise von Miles Davis verst�ndlich machen. Neben historisch wichtigen
Fragen (Wie spontan waren die Sessions wirklich? Gab es Proben? etc) gibt es
viele nette Nebens�chlichkeiten, wie etwa das Faksimile der Liner Notes von
Bill Evans, Abbildungen von Original-Rechnungen und Verkaufs�statistiken,
Geschichtchen zu Aufnahmetechnik und Studio. Positiv f�llt auch das sehr h�bsche
Layout auf, sowie die vielen � gro�teils bisher unver�ffentlichten - Fotos.
Das Buch ist uneingeschr�nkt empfehlenswert, nicht nur f�r Freunde der Musik
von Miles Davis, sondern f�r alle Kulturinteressierten!
(Stubenrauch)
Es ist eine Freude, dass dieses sch�ne Buch nun auch in einer deutschsprachigen Ausgabe vorliegt. Das englische Original wurde ausf�hrlich in Jazz Live Nr. 132/2001 besprochen und empfohlen. Daher bleibt hier nur anzumerken, dass diese deutsche Ausgabe in allen Punkten der Ausstattung der hohen Qualit�t des Originals in nichts nachsteht. Spannend und informativ. Geschmackvolles Layout, hochqualitative Fotos. Lesenswert und ein Muss f�r jede private Musikbibliothek.
Miles Beyond ist das erste allgemein verf�gbare Buch, das sich ausschlie�lich mit der �elektrischen Periode� von Miles Davis befasst und ist damit ein l�ngst �berf�lliger Beitrag zum Gesamtverst�ndnis des Werkes dieses gro�en Musikers. Der Zeitabschnitt, der hier abgehandelt wird, umfasst immerhin ungef�hr die H�lfte der gesamten Schaffenszeit von Miles Davis und spannt einen Bogen �ber eine gro�e Anzahl verschiedener Str�mungen, die Davis in dieser Zeit in seine Musik einbezog: Soul-Funk, Weltmusik, europ�ische Avantgarde, Pop und anderes mehr.
W�hrend die Alben In a Silent Way und Bitches Brew von 1969 heute allgemein als Meisterwerke anerkannt werden, die die �ra des Rockjazz einl�uteten, gibt es daneben eine Reihe von Aspekten der Musik von Davis aus der Zeit von 1970 bis 1975, die bis heute nicht analytisch verstanden, geschweige denn gew�rdigt wurden. Dem gegen�ber hat die popul�re Musikentwicklung des letzten Jahrzehnts immer wieder nachtr�glich best�tigt, dass Miles Davis seiner Zeit voraus war: die Editier�arbeit im Studio mit dem genialen Produzenten Teo Macero, die �pastoralen� St�cke, die heute als Vorl�ufer von Ambient gelten, die Integration von indischen Elementen, von Loops und zyklischen Bassfiguren gaben eine Vorahnung von heutigen Stilen wie Drum&Bass, Trip-Hop oder Trance, lange bevor diese geschaffen wurden. Die Abwendung von Virtuosit�t und Melodie und die Hinwendung zu gr��eren Sound-Strukturen auf der Basis zyklisch-komplexer Rhythmik waren die zukunftsweisenden Eckpfeiler dieser Musik. Dass sie auf teilweise extreme Ablehnung stie� (bei Kritikern st�rker als beim Publikum) ist zum Teil dadurch zu erkl�ren, dass Jazzkritiker die Falschen waren, �ber solche Musik zu urteilen.
Paul Tingen korrigiert dieser Situation: als Rockgitarrist blickt er aus dem richtigen Blickwinkel auf die elektrische Musik von Miles Davis. �u�erst detailreich und spannend beschreibt er die musikalische Entwicklung von Davis und st�tzt sich dabei besonders stark auf die Aussagen von Zeitgenossen (Mitmusikern, Partnerinnen, Familienmitgliedern ...), die er extra f�r sein Projekt interviewt hat. Tingen liebt besonders die Musik, die zwischen 1969 und 1975 geschaffen wurde, behandelt aber in der gleichen Qualit�t das letzte Jahrzehnt von Davis, in dem die Musik nach einer 5-j�hrigen krisenbedingten Pause nicht mehr das Niveau von zuvor erreichte. Dass Tingen die Musik auch bewertet und dies offen als subjektiven Akt erkennt, macht ihn symphatisch und erf�llt die analytischen Abhandlungen, die ohne Musiktheorie auch f�r den Laien gut verst�ndlich sind, zus�tzlich mit Leben.
Der Autor scheut sich auch nicht, auf die schwierigen Elemente der Pers�nlichkeit von Miles Davis einzugehen. Er sieht die Person des K�nstlers als integrale Gegebenheit und deren problematische Komponenten als nicht losl�sbar von seiner Musik. Dem bekannten Aspekt der Drogensucht von Davis setzt er beispielsweise spekulativ hinzu, dass der Akt des Musikschaffens f�r Davis ein Suchtmittel gewesen sein k�nnte, das ihm half, mit den Schmerzen fertig zu werden, die ihm ein H�ftleiden bereitete. Schlie�lich ist da die Art und Weise, wie Davis seine Gruppe leitete und seine Mitmusiker mit minimaler, oft absurd erscheinender Kommunikation zu ein Maximum an Kreativit�t und Spontaneit�t anregt. Tingen verdichtet diese Charakterisierung des magischen Bandleaders zur gelungenen Analogie mit einem Zenmeister.
Neben einem guten Register ist ein wichtiger Bestandteil von Miles Beyond die hervorragend gemachte Diskographie des Davis-Forschers Enrico Merlin. Diese beschr�nkt sich allerdings � und das gilt leider auch f�r die analytischen Ausf�hrungen im Textteil � auf offizielle Alben. Die Dokumentation der Livebands wurde von Sony/Columbia aber nur sehr l�ckenhaft durchgef�hrt und so fehlen etwa offizielle Aufnahmen der ausgedehnten Tourneen von 1971 und 1973, von denen andererseits etliche Bootlegs im Umlauf sind. Wenn das auch auf Kosten der musikalischen Studie geht, man k�nnte dieses Vorgehen noch mit Loyalit�t zum Musikbusiness zu erkl�ren versuchen. Noch schwerer wiegt allerdings, dass Tingen auf die Bitte von Sony hin die bisher unver�ffentlichten Aufnahmen im Ausma� von ca. 10 CDs, die 2001 und 2002 erscheinen, unber�cksichtigt l�sst, obwohl sie ihm bereits als Referenz-CDs vorlagen. So wird man also in einem Jahr �ber die dann aktuellsten Davis-CDs nichts in diesem Buch finden � schade! Eine weitere kleine Schw�che des Buches ist das recht sp�rliche Bildmaterial: bescheidene 8 Seiten mit qualitativ eher unbefriedigenden Fotos finden sich in der Mitte des Buches.
Trotz dieser kleinen Entt�uschungen ist das
Buch ein Muss f�r jeden Miles-Davis-Fan, aber auch f�r jeden, der sich f�r
Rockjazz oder generell f�r die Musik der letzten 30 Jahre interessiert. Es
erhellt die zweite H�lfte der musikalischen Welt von Miles Davis, die damit
hoffentlich eine noch gr��ere H�rerschaft finden wird.
(Stubenrauch)