Sprachliche Herausforderungen

 

Ich weiss, ich habe schon lange einen neuen Newsletter aus Umeå angekündigt, welcher aber auf sich warten liess. Die letzten Wochen hier waren ziemlich stressig, ich musste ziemlich viel für die Uni tun (und natürlich gab’s auch ausserhalb der Uni genügend Beschäftigung). Nun ja, ich habe den Kurs überlebt, und hoffe der nächste wird etwas besser.

Hier in Umeå ist es schon seit längerem relativ kalt (um 0 Grad) aber Schnee ist leider bisher noch keiner gekommen. Nach der Umstellung auf Winterzeit ist es nun auch schon ziemlich früh dunkel, um 4 ist die Sonne bereits definitiv weg. Jetzt kann ich mir schon mal ein Bild machen, was mich im Dezember/Januar erwartet.

Diesen Newsletter will ich mal unter das Thema Sprachen stellen. Wie ihr vielleicht wisst (oder auch nicht) war ein wichtiger Grund wieso ich mich für Schweden entschieden habe, dass ich hier in Englisch studieren kann, aber auch gleichzeitig mit Schwedisch eine neue Sprache lernen kann, die (als Deutschsprachiger) nicht allzu schwer zu erlernen ist.

Ich bin also mit 3 Semestern Schwedisch an der Uni Zürich im Gepäck nach Schweden gekommen und musste zuerst mal feststellen, dass ich gar nichts kann. Gut, ich kam nach Schweden in Trelleborg, in Skåne, und dort sprechen sie einen ziemlich komischen Dialekt. Aber je weiter ich nach Norden kam, umso besser ging es mit dem Verstehen. Das Sprechen war dann natürlich noch ein anderes Problem, vor allem hatte ich zu Beginn Mühe zwischen Englisch und Schwedisch zu wechseln. An der Uni sprach ich praktisch nur Englisch aber in der Stadt versuchte ich mich auf Schwedisch zu verständigen. Da konnte es schon vorkommen, dass ich was auf Schwedisch begonnen habe, dann stecken blieb und auf Englisch wechseln wollte, aber dann auch die englischen Ausdrücke vergessen habe. Nun ja, es war zwar jeweils etwas peinlich, aber irgendwie ist es dann schon gegangen.

Aber man macht ja Fortschritte. Die Uni bietet einen Schwedisch-Kurs an, den es leider nur jeweils in zwei Abstufungen gibt. Der Anfängerkurs geht wegen den Indern und Chinesen (denen es nun mal etwas schwerer fällt) extrem langsam vorwärts. Daher kamen alle Deutschen und anderen Europäer mit zwei Wochen Intensivkursvorbildung in den Level 3 Kurs. Dafür war dann dieser Kurs für Leute wie mich mit etwas grösserem Vorwissen zu leicht. Nun ja, ich habe den Kurs einfach als Repetition betrachtet und den Schwerpunkt aufs sprechen gelegt. Und wenn man schaut, dass man im Kurs mit Finnen (und v.a. Finninnen) zusammensitzt anstatt mit Deutschsprachigen, kommt man auch mehr zum Schwedisch-Sprechen und lernt auch was.

Das Deutsche Institut der Uni Umeå hat zudem ein Tandem-Lernen organisiert, ich treffe mich jetzt einmal die Woche mit einer Schwedin die Deutsch lernt. Ich finde, dieses gegenseitige Lernen bringt wirklich noch viel, obwohl ich nicht sicher bin ob ich die richtige Person bin um Hochdeutsch zu unterrichten (dazu später mehr).

Also, alles in allem geht’s mit dem Schwedisch vorwärts, ich kann mich mittlerweile schon ganz gut verständigen. Die Schweden im Korridor, und auch einige der Schwedinnen an der Uni, haben mittlerweile rausgefunden, dass ich ganz gut Schwedisch verstehe und begonnen fast nur noch Schwedisch mit mir zu sprechen. Ehrlich gesagt, verstehe ich bei weitem noch nicht alles, aber so werde ich es hoffentlich lernen.

Zum Englisch ist zu sagen, dass ich das Gefühl habe, nicht wirklich Fortschritte zu machen, obwohl das Studium auf Englisch ist. Das Problem ist wohl, dass es für (praktisch) alle eine Fremdsprache ist. Ich bin ja der Überzeugung, dass mein mündliches Englisch ganz in Ordnung ist, aber schriftlich habe ich wohl einige Defizite, na ja. Dafür haben wir einige Afrikaner im Kurs, die eigentlich englischer Muttersprache sind, deren schriftliches Englisch ist daher auch ziemlich gut, aber wenn sie sprechen versteht man sie doch nicht.

Nun muss ich auch noch was zu meinem (Hoch-)Deutsch schreiben. Wie gesagt, hat es relativ viele deutsche Austauschstudenten hier, so dass man fast zwangsläufig mit Deutschen zu tun hat. Zuerst dachte ich, wenn ich auch sonst nichts lerne hier, so spreche ich nachher zumindest ein besseres Hochdeutsch, aber dieses Unterfangen habe ich schnell abgebrochen. Ich habe ja eigentlich keine Probleme mich in Hochdeutsch auszudrücken und habe gedacht, dass die Unterschiede vor allem im Gebrauch gewisser Wörter sind, die in der Schweiz zwar offizielle Schriftsprache sind, in Deutschland aber nicht existieren. Aber nachdem ich an einer Party einen Deutschen getroffen habe und er nach 4 (vier!) Wörtern von mir gefragt hat, ob ich Schweizer bin, wusste ich, dass es wohl mehr was mit der Aussprache und Betonung zu tun hat. Mittlerweile versuche ich gar nicht mehr, schweizerische Ausdrücke zu meiden. Mein Deutsch ist ja nicht falscher, und die Deutschen verstehen mich auch so, (auch wenn ich manchmal Wörter erklären muss).

Ach ja, auch mein Schweizerdeutsch geht nicht ganz vergessen, es hat ja noch andere Schweizer hier. Insgesamt sind wir 4 Austauschstudenten aus Zürich, ich habe zwar nicht allzu viel mit ihnen zu tun, aber der Schweizerabend einmal im Monat, (zusammen mit drei anderen Schweizern die hier leben) ist schon eine gute Einrichtung.

Am Karaokeabend für international Students, habe dann auch noch Schweizer Liedgut zum Besten gegeben. Natürlich hatten sie nichts Schweizerdeutsches im Computer, also haben wir halt ohne Musik, quasi Acapella, Alperose gesungen und nachher erzählt, das sei jetzt die schweizerische Nationalhymne gewesen.

 Es gäbe natürlich noch vieles zu berichten (z.b. am Wochenende mal richtiges Eishockey geschaut), aber ich glaube ihr habt mal wieder genug zum Lesen.

 Ich hoffe dieses Mal sind alle Interessierten auf der Verteilerliste und ich habe keinen vergessen. Für die, die den ersten Newsletter nicht erhalten haben werde ich ihn (hoffentlich in Kürze) auf der Homepage publizieren. Einige Fotos sollten auch in Kürze folgen.

Ich möchte mich auch bei denen entschuldigen, denen ich mal noch eine persönliche Antwort schreiben sollte, ich hab es nicht vergessen, und hoffe es in den nächsten Tagen zu machen.

Dabei ist vielleicht zu erwähnen, dass gewisse Mails aus unerklärlichen Gründen im Spamfilter hängengeblieben sind, vielleicht habe ich also auch gewisse Mails gar nie erhalten.

 

Bis bald mal wieder,

 

Rolf

 

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