Hallo zusammen,

 

Ich bin nun schon gut zwei Wochen in Umeå und habe mich eigentlich schon ganz gut eingelebt. Das Wetter ist momentan noch angenehm, auch wenn es schon merklich kälter ist als in der Schweiz. Leider war das Wetter während der Anreise nicht so gut (bin ja mit Auto und Zelt hier rauf gekommen). Als ich in Umeå ankam, war mein Zelt aussen und innen ziemlich feucht und ich war froh, dass ich mein Zimmer beziehen konnte. Punkto Unterkunft hatte ich ziemliches Glück, ich wohne nur etwa 10 Gehminuten von der Uni weg und ca. 30 ins Stadtzentrum. Man hat hier sein eigenes Zimmer mit Dusche/WC und teilt sich mit 8 anderen auf dem Korridor die Küche und das Wohnzimmer. Die Zusammensetzung unseres Korridors ist gerade ideal, ich habe eine deutsche Nachbarin, drei Schwedinnen und drei Schweden. So kann ich mein Schwedisch verbessern und habe trotzdem eine Ansprechperson in einer vertrauten Sprache.

Die erste Woche hier war "nur" orientation week for international students, da haben sie uns mal alles gezeigt und gesagt was wichtig sein könnte. Nun ja, es war ja schon nicht schlecht aber zum Teil auch etwas langweilig, wenn man zum x-ten Mal hörte, dass es kalt im Winter werden wird und dunkel und was man gegen Depressionen tun müsse. Gut, vielleicht ist es noch was anderes, wenn man aus Mexiko oder Australien oder so kommt, aber als Wintergewohnter Mitteleuropäer habe ich nach wie vor keine Bedenken, dass es hier depressiv sein könnte, dafür läuft einfach zu viel.

Letzte Woche hat das Studium angefangen und bisher ist es ziemlich interessant. Ich mache im ersten Semester einen Managementkurs aus einem Masterprogramm. Verglichen mit den Veranstaltungen in Zürich oder allgemein in der Schweiz ist das hier wirklich top. Wir sind etwa 50 Studierende in diesem Kurs davon etwa ein Drittel aus dem Ausland. Ausserdem gibt es nur einen kleinen Anteil Frontalunterricht in Form von Vorlesungen. Das Schwergewicht liegt vielmehr auf Teamarbeit. So haben wir im ersten 5-Wöchigen Teil neben einer schriftlichen Einzelprüfung zwei Fallstudien sowie zwei Literaturseminare als Team zu bearbeiten und präsentieren. Die Teams wurden natürlich so zusammengestellt, dass es in jedem Team Schweden und Ausländer gab. Mich hat es in eine Gruppe mit zwei Nordschwedinnen und einer Iranerin verschlagen. Zu Beginn war es ziemlich mühsam, bis wir unsere Arbeitsweisen aufeinander abgestimmt hatten (und natürlich war es auch schwierig, sich als einziger Mann gegen drei Frauen durchzusetzen), aber mittlerweile klappt die Zusammenarbeit schon ganz gut und ich bin mir sicher, dass wir für die folgenden Aufgaben gerüstet sind.

Wie ihr seht, nimmt das Studium ganz schön Zeit in Anspruch, aber wie ihr sicher denken könnt, ist es ja nicht so, dass ich nur noch am büffeln bin (auch wenn es in der Orientation week hiess, dass Pflichtlektüre nicht bloss eine Empfehlung sei! gähn).

Letztes Wochenende haben wir einen kleinen Ausflug ins Umland von Umeå gemacht. Also eigentlich war es als Wanderausflug mit etwa sechs Leuten geplant gewesen (also ich und fünf Deutsche) aber da die Hütte die wir mieten wollten relativ gross war, beschlossen die Organisatorinnen, kurzerhand noch einige Leute mehr einzulanden. Schlussendlich haben sich dann etwa 36 International Students an der Bushaltestelle eingefunden, die meisten mit Halbschuhen und zwei Tüten Alkohol in der Hand. Die Wanderung beschränkte sich also für viele auf die Strecke vom Busstopp zur Hütte. Allerdings hatten einige schon Mühe mit diesen fünf Kilometern, da es fast nur bergauf und durch Sumpf und Gestrüpp ging. Dafür gab’s dann an idyllischer Stelle Grill und Party. Vor allem einige Amerikaner gaben da Vollgas und benahmen sich wie 15-Jährige, nun ja wenn man das erste Mal richtig Alkohol trinken kann, findet man halt auch noch Saufspiele lustig. Aber alles in allem war’s ganz ok. Am nächsten Morgen wollte ich dann aber doch noch was unternehmen trotz einer halben Flasche Whisky (man nimmt ja den Alkohol konzentriert mit wenn man ihn tragen muss) am Vorabend. Ich war fest entschlossen nach Umeå zurückzuwandern und da niemand sonst so verrückt war, bin ich halt alleine aufgebrochen. Eine anständige Karte hatte ich natürlich nicht dabei, nur ein Faltprospekt des Wanderweges und angesichts des Nebels war auch die Orientierung ziemlich schwer. Ich bin einmal von der Strecke abgekommen und habe wohl nur mit Glück gepaart mit einer gewissen Erfahrung wieder zurück auf den Wanderweg zurückgefunden. Wie ich nachträglich dann erfahren habe, haben sich diverse Gruppen im Wald verirrt, sogar, wenn sie nur den Weg zurück zur Bushaltestelle nehmen wollten. Einige sind etwa 3 Stunden in eine völlig falsche Richtung gegangen ohne es zu merken und haben dann zum Glück einen Pilzesammler getroffen, der sie dann an eine Bushaltestelle gefahren hat. Zurück zu meiner Strecke, ich habe wohl die Distanz etwas unterschätzt und musste dann feststellen, dass es insgesamt etwa 40km waren. Ausserdem hatte ich schon nach wenigen Kilometern nasse Füsse (muss wohl die Wanderschuhe mal wieder imprägnieren), aber hatte zum Glück zwei paar Ersatzsocken dabei. Sonst hätte ich wohl einige Blasen eingefangen. Nun ja, ich habe es überlebt, und soviel ich weiss haben auch alle anderen wieder zurückgefunden.

So, eigentlich gäbe es noch einiges zu Schreiben, aber ich sollte mal noch was anderes tun. (Ich weiss nicht ob das nun 10 Seiten sind aber ich hoffe du bist zufrieden Maurice.)

 

vänliga hälsningar från Sverige

 

Rolf

 

PS: Martin, du kannst auch zurückschreiben wenn es ein Massenmail ist!

PPS: Maurice, ich möchte einen genauen Bericht, was im Büli 2 alles passiert ist!

 

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