Jeden Monat stellen wir hier einen interessanten Wiederfund aus
unserem Projekt vor. Die vorgestellten Wiederfunde sind entweder
ungewöhnlich oder geben Hinweise auf neue Aspekte bei den verschiedenen
Arten. Sie sind die Highlights der Beringungen, aber ohne die vielen "normalen"
Wiederfunde (die wir aus Platzgründen leider nicht alle aufzählen können) wären überhaupt keine Aussagen möglich.
Wiederfund des Monats
September 2004
Erster Wiederfund einer Münchener Graugans in Tschechien
Im Stadtgebiet München existieren zwei Orte, die regelmäßig von jeweils einer
größeren Anzahl von Graugänsen als Mausergewässer genutzt werden. Dies sind der
Nymphenburger Schloßpark und der Kleinhesseloher See im Englischen Garten. In manchen
Jahren erscheinen an diesen beiden Gewässern über 500 Graugänse zum Mausern. Dies übersteigt
bei weitem die Stärke der Münchener Grauganspopulation. Es findet ein regulärer
Mauserzug ins Stadtgebiet München statt. Direkt nach dem Wiedererlangen der
Flugfähigkeit verlassen viele Mausergäste das Stadtgebiet und den Raum München wieder.
Bisher haben wir Nachweise, dass Graugänse von der niederbayerischen Donau, vom Lech,
vom Altmühlsee, von der Amper und vom Ammersee jährlich zum Mausern nach München kommen.
Dass einige Graugänse auch aus weiter entfernten Gruppen kommen, zeigt der
Wiederfund der Graugans ML9. Diese Gans haben wir am 02.06.02 im Nymphenburger
Schloßpark beringt. Nach der Mauserzeit 2002 wurde sie nicht mehr gemeldet.
Jetzt erhielten wir die Meldung, dass ML9 am 01.09.04 bei Budweis in Tschechien
geschossen wurde. Dort gibt es eine autochthone (nicht auf Aussetzungen
zurückgehende) Population der Graugans. Das heißt, zumindest einige der
Graugänse, die im Sommer in München mausern, entstammen ursprünglichen
Gänsepopulationen. Leider werden in Böhmen wohl kaum Ringe von lebenden Gänsen
abgelesen. Sonst hätten wir bestimmt weitere Meldungen von dort.