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Der
Anfang einer Legende:
Geoffrey of Monmouth(ca.
1100 bis ca. 1155) GEOFFREY
OF MONMOUTH (Galfridus Monemutensis) kam wohl um 1100 in Monmouth (Wales ) als
Sproß einer normannischen Siedlerfamilie zur Welt und starb 1155. In Oxford, wo
er von 1129 bis 1151 beurkundet ist, verfaßte er seine drei Werke; sein berühmtestes
„Die Geschichte der Könige von
Britannien“ („Historie Regum Britanniae“), vollendete er 1136 nach der
vor Ende 1135 fertiggestellten, sich nicht auf Übersetzung beschränkenden
Prosaschrift „Prohetiae Merlini“,
die er geschickt in die Historia als
7. Buch einordnete, und dichtete etwas 1150 die „Vita
Merlini“ (1529 Hexameter), die nur zum kleineren Teil eine Versifizierung
der Prophetiae darstellt. Robert de
Chesney, dem er sie widmete, war sein Mitkanoniker in Oxford gewesen, 1148 zum
Bischof von Lincoln aufgestiegen, und sollte ihm den Lohn verschaffen, den ihm
dessen Vorgänger für die jenem gewidmete Prophetiae
vorenthalten hatte. Sein
Lebenswerk, als dessen auch für sich reich überlieferten Ableger sich die Prophetiae
ansehen lassen, sollte, wie er im Widmungsbrief angibt, die bisherige
Geschichtsschreibung ergänzen, die nichts über die vor Christi Geburt lebenden
Britenkönige, über Arthur und seine Nachfolger, berichtete; sie verdienten
wegen ihrer Taten für alle Zeiten gepriesen zu werden. Neben schriftlichen
Quellen – er nennt Gildas (547) und Beda (674-735), nicht Nennius
(9.Jahrhundert) – benutzte er mindestens ebensoviel die mündliche Überlieferung,
auch die sagenträchtige, und fügte nicht wenig aus seiner regen Erfindungsgabe
hinzu. Was
die Artussage betrifft (die ältere Form Arthur erscheint seit Wace als Artus),
so wird ein historischer Arthur viele Jahrhunderte vor Geoffrey sicher, wenn
auch nur mit dürftigen Zügen bezeugt, am frühesten in der Historia
Britonum (wohl um 700 entstanden), die in der Überarbeitung des Nennius
(wohl Anfang des 9. Jahrhunderts) erhalten ist; später z. B. in den Annales
Cambriae aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, in kymrischen
Dichtungen und Viten aller britischer Heiliger (um 1100). Danach hat sich ein
britischer Heerführer mit dem römischen Namen Artorius in den Abwehrkämpfen
der einheimischen Kelten gegen die Sachsen ausgezeichnet; bereits diese älteste
Überlieferung zeigt starke Einflüsse der Sage. Was davon Geoffrey vorfand, war
schwerlich schon zur Einheit zusammengefügt. Sein Verdienst besteht zum ersten
darin, das er den Zusammenschluß vornahm. Zum
anderen legte er seine ganze Historia
auf ein bestimmtes Ziel hin an und teilte sie entsprechend ein. Aus der sich über
18 Jahrhunderte hin erstreckenden Reihe der Britenkönige hob er zwei am höchsten
heraus, Brutus als Urahn und Heros eponymus und auf dreimal mehr Raum, ein
Viertel des Ganzen, Arthur. Das Zwischenstück mit über 1600 Jahren (II,1 bis
VIII,18), das nur wenig mehr als das doppelte des Arthur-Teiles ausmacht,
bereitet für den Größten den Boden. Im ersten Jahrtausend überwiegen die
widrigen, schwächenden Streitigkeiten im Inneren und enden mit den Bürgerkriegen,
in denen das Britenvolk fünf blutgierigen Königen in die Hände fällt; in den
500 Jahren danach folgen die Auseinandersetzungen mit den eingebrochenen Römern
und die Unterwerfung unter die wiedereingedrungenen Hunnen, Schotten und Pikten,
Dänen und Norweger, im letzten Teil (etwa 150 Jahre umfassend) die Hilfe durch
die herbeigerufenen Verwandten aus der Bretagne, mit denen ein anderes Königsgeschlecht
durch Konstantin II den britischen Thron besteigt. Bei
Arthur, der nach der Vergiftung seines Vaters Utherpendragon durch die Sachsen
die Herrschaft über die ganze Insel übernommen hat, werden die kriegerischen Fähigkeiten
betont, die er sofort gegenüber den wiedereingefallenen Feinden zu beweisen
hat. Er ist so erfolgreich, daß er nach der Unterwerfung der umliegenden Inseln
dazu getrieben wird, ganz Europa zu erobern. Die letzte Etappe auf diesem Weg,
der Kampf mit dem römischen Kaiser in Italien, wird als das größte
staatspolitische Unterfangen schon dadurch gekennzeichnet, daß ihm fast zwei
Drittel des ganzen Arthur-Teils zugebilligt ist, aber auch durch die
vorzeichenhafte Ouvertüre vor der mächtigen Entscheidungsschlacht, den
Einzelkampf Arthurs mit einem Riesen, um des Königs Heldentum aufs stärkste zu
offenbaren. Nicht weniger charakteristisch ist sein Ende: Arthur vermochte das
letzte nicht zu erreichen, die Einnahme Roms und die Kaiserkrönung, weil er
vorzeitig nach Britannien zurückkehren mußte, wo sein Stellvertreter von ihm
abgefallen war; er tötet zwar in dem letzten Waffengang den Verräter, wird
aber, von jenem schwer verwundet, auf die Insel der Seligen geschafft – damit
wird in mehr als einer Hinsicht sein Abgang, nicht unähnlich seiner Zeugung,
als einmalig dargestellt. Das damit die Königsreihe ihre größte Höhe
erreicht hat, wird in dem folgenden, knapp erzählten Ende der Historia
nicht zuletzt dadurch deutlich, daß es die Übernahme der Herrschaft durch die
zu Feinden gewordenen Sachsen berichtet. Wie
die angedeutete Darbietung des Stoffes, so zeugt auch die Sprache von der Kunst
Geoffreys. Er hält sie im allgemeinen einfach und klar, die Sätze klein und
leicht überschaubar und geht offensichtlich darauf aus, schlicht und überzeugend
darzustellen, vor allem glaubwürdig, so daß er den Eindruck erweckt, er
berichte stets von wirklichen Begebenheiten und historischen Personen. Anziehend
wirkt er vor allem darin, daß er den Inhalt mit Leben füllt und ihn möglichst
in kleinen Szenen gestaltet. Die
Historia wurde, was somit nicht
verwundern kann, ungewöhnlich schnell und weit verbreitet; von über 200
Handschriften stammt ein Viertel aus dem 12. Jahrhundert. Das Werk wurde bald in
Verse gebracht und in verschiedene Sprachen übersetzt, ins Altfranzösische
durch Wace. Die fast sensationelle Wirkung verdankt es namentlich seinem
nationalen Gehalt. Es mußte damit alle ansprechen; es hielt ja den
normannischen Britenkönigen den berühmtesten ihrer Thronvorgänger leuchtend
und ermutigend vor Augen und erzählte dem Volk, in dem nach der Schlacht bei
Hastings 1066 die Normannen und die mit ihnen gekommenen Bretonen –bald
heimisch geworden waren, von einer heldischen Periode, in der es unter Arthur
sogar das römische Imperium bezwungen, die Welt erobert und dazu kulturell den
Ton angegeben hatte. Damit schien die anglo-normannische Gegenwart mit der
trojanisch-römisch-britischen Vergangenheit eine schicksalhafte, glückliche
Einheit zu bilden. Dieser liebenswerte Fabuliere, der für sein Volk eine glückliche Zukunft wünschte und es in der Historia nicht ohne Trost ließ, hat gewiß mit seinem Werk einige Wirkung auszuüben gehofft, jedoch schwerlich eine derartige, wie er sie vermutlich selber noch erlebte – wenn auch nicht materiell. Vor allem konnte er nicht ahnen, wie er die Dichtung in den Volkssprachen beeinflussen würde. Für sie war wichtig, das er Arthur als heldenhaften Streiter zeichnet, daneben aber auch von seiner Friedenszeit und dem Treiben an seinen Hof erzählt, freilich Mine und Frauendienst nur andeutet, in drei Kapiteln malt er die Krönung mit allen Einzelheiten aus, bei den Damen berichtet er u. a., wen sie als Ritter anerkannten und wie sie beim Turnier anfeuerten, und zeigt neben Arthur Ritter und Fürsten, die ihn im Denken und Handeln unterstützten, mit Gawain und Hoel, dem Mundschenken Bedevere und dem Seneschall Kay, auch Ywain solche, die in der Artus-Epik wiederkehren. Mit der Mitte der Historia hat Geoffrey eine bunte und spannungsreiche, poetisch zugerichtete und abgerundete Geschichte vorbildlicher Heldenzeit so geboten, das sie sich über die bereits höfisch stilisierte Übertragung durch Wace zur gründlichen Ausdichtung für die neue Ritterkultur eignete. Damit hat er die Basis für deren gewichtige Gattung geliefert, für das höfische Epos, den Artusroman, an den zuerst in Frankreich, dann in Deutschland die größten Dichter Alle Kraft gewandt haben. |