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Was über Riothamus berichtet wird:
Es war die Zeit der Völkerwanderung,
in der Rom nicht mehr in der Lage war, Britannien zu verteidigen. Verstärkt
durch entlaufene Sklaven und unzufriedene Briten, rissen im Jahre 367 die drei
Hauptfeinde des römischen Britannien, die Pikten vom schottischen Hochland, die
Iren und die Sachsen, nunmehr erstmals in gemeinsamer Aktion, Britannien vom
Imperium los. An allen Fronten kämpfte man gegen die anbrandenden germanischen
Völkerschaften und Stammesverbände, die sich wie Sturzwellen auch auf den
Kontinent ergossen. Die Wälle des Imperiums begannen zu bersten, Truppen
blieben ohne Sold.
Da riefen aufständische Legionen in Britannien
einen Heerführer spanischer Abkunft zum Kaiser aus: Magnus Clemens Maximus.
Dieser Mann, der auf einem Hochkreuz aus Granit (Elisegs Pillar) unweit der
Klosterruine Valle Crucis in Nordwales als der Schwiegervater des Vortigern
erscheint, führte britische Truppen auf den Kontinent. In verwitterten 31
Steinzeilen, die den Stammbaum der Könige von Powys auflisten, wurde der Name
dieses Königs (kymrisch: Gwrtheyrn) der Nachwelt überliefert, und wer nach König
Artus sucht, steht hier vor einem Denkmal, das eindringlich an seine Zeit
erinnert.
Dies führte endlich im Jahr 410, in dem die
Goten unter Alarich Rom eroberten, zur Loslösung Britanniens von Rom. Ein
Machtvakuum war entstanden, wie es von jeher als Zeugungselement von Helden
seine Wirksamkeit erwies. Der historischen Gestalt von Artus werden wir uns nun
Schritt für Schritt etwas nähern.
Der englische Historiker Geoffrey Ashe fand in
sherlockholmeshaften Recherchen heraus, daß am Ende des römischen Weltreiches
ein Mann namens Riothamus gelebt hat, den man König der Briten nannte, und der
ein Heer von England nach Gallien führte und dort, zusammen mit einem der
letzten römischen Kaiser die Barbaren, gemeint sind die Westgoten, zurückzudrängen
suchte.
Der Geschichtsschreiber Jordanes schreibt in
seiner 551 verfassten "Geschichte der Goten", daß Riothamus auf
Bitten Kaiser Anthemius von Rom (467-72) nach dem Jahr 468 mit einem Britenheer
in den Staat der (keltischen) Biturigen kam: Er kam auf dem Seewege mit 12.000
Mann und wurde nach der Landung seiner Schiffe empfangen. Riothamus besetzte mit
seinen Truppen Bourges, die Hauptstadt der ehemaligen Provinz Berry südlich der
Loire. Nachdem die Briten die Loire überquert und ihre ungeschützte
Frontstellung bezogen hatten, stieß Eurich, der König der Westgoten, vor. Dies
war wahrscheinlich zu Beginn des Jahres 470.
Er trat mit einer unübersehbaren Armee gegen
die Briten an und nach einem langen Kampf schlug er Riothamus, den König der
Briten, bevor die Römer durchstoßen konnten. Als Riothamus einen großen Teil
seiner Armee verloren hatte, floh er mit allen Männern, die er sammeln konnte,
zu den Burgundern, einem Nachbarstamm, der damals mit den Römern verbunden war.
Von hier ab verliert sich die Spur des Riothamus im Dunkeln.
Mit diesem Riothamus - in anderen Quellen
erscheint er als Riotimus - kann nach Ansicht des Forschers Geoffrey Ashe nur
Artus gemeint sein. Dafür spricht eine Reihe von Indizien. Auf die Gleichung
Riothamus = Artus war fast zwei Jahrhunderte vor Geoffrey Ashe schon einmal ein
Historiker gekommen, der Gelehrte Sharon Turner. Er schrieb 1799 in seiner
"Geschichte der Angelsachsen", daß der Kirchenschriftsteller und
Dichter Sidonius Apollinaris in einem in lateinischer Sprache verfaßten Brief
den zu Hilfe herbeigerufenen Britenkönig mit Riothamus anredete.
Warum eigentlich überliefert die Heldensage
nicht den Namen des Riothamus, sondern nur den des Artus? Geoffrey Ashe und
unabhängig von ihm der französische Historiker Leon Fleuriot fanden heraus, daß
Riothamus kein Eigenname war, sondern ein Titel mit der Bedeutung Oberster König
oder Hochkönig. Unter den Regionalkönigen, die es im Britannien der Spätantike
gab, wird der Riothamus so etwas wie ein Primus inter pares gewesen sein.
Riothamus ist also ein Ehrentitel. Trotz der Identität mit Riothamus bleibt die
historische Figur des Artus aber mit mehr Rätseln als festen Zügen behaftet.
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