Skinheads in Deutschland

Ein Rückblick

Die Sache fing schon verkorkst an. Die erste Skinheadwelle 1980/81 rekrutierte sich haupts�chlich aus entt�uschten Punkrockern und gewaltt�tigen Fu�ballfans. Viele Ex-Punx suchten etwas neues h�rteres, au�erdem war vielen von ihnen die Punkszene zu politisch geworden (Auch f�r die wenigen Nazi-Punx z.B. die Savage Army wurde die Situation in der Punkszene langsam zu gef�hrlich). Anfangs hingen Punx und Fr�h-Skins noch gemeinsam rum und so mancher Punk wurde f�r einen Sommer lang Skinhead. Die Grenzen waren noch nicht so scharf. Aber nach Southhall und immer neuen Horrormeldungen in den Medien �ber britische Boneheads, die Pakistani und Schwarze verdroschen, driftete ein gro�er Teil der ohnehin oft antikommunistisch eingestellten Deutsch-Skins nach rechts ab. Man versuchte den englischen Vorbildern nachzueifern und begann nun auch die alten Punkkumpels unter Sieg Heil Gegr�le anzugreifen. Skinheads die bei so etwas nicht mitmachen wollten bekamen eine Abreibung. Durch diesen Rechtstrend setzten sich die aufrechten Skinheads ab. Einige wurden wieder Punx, andere gingen zu den Mods. Der endg�ltige Bruch zwischen Punx und Skins vollzog sich auf den Chaostagen 1984 in Hannover: Hatte man im Jahr davor noch gemeinsam die Bullen angegriffen, so schlugen sich nun Punx und Bones gegenseitig die Sch�del ein. Allerdings werden in Punkfanzines einige wenige aufrechte Bolschewiki-Skins erw�hnt, welche gegen die Bones mitdroschen.

Ger�usche der Achtziger

Alle Skin Fraktionen waren in Deutschland stark von den ersten britischen Oi!-Platten beeinflu�t, Ska spielte eine kleinere Rolle, jedoch waren zumindest die Specials und Madness einigen bekannt. Kommen wir nun zur ersten deutschen Glatzen-Band, den B�hsen Onkelz. Ich werde mir mit meinen Anmerkungen zu dieser Band jedoch nicht nur Freunde machen (Ist doch einer der Redakteure dieses Fanzines selber erkl�rter Fan der Onkelz). Die Onkelz starteten als Punkband, die jedoch eindeutig dem rechten Fl�gel zuzuordnen war. Ein Song wie T�rkenvotze spricht nicht gerade f�r eine progressive Einstellung. Wie viele der rechten Punx, wurden auch die Onkelz Skinheads. Die Texte stellten vor allem Tugenden wie Stolz, Ehre und Patriotismus in den Vordergrund. Ich will der Band nicht vorwerfen sie w�ren Nazis gewesen, aber sie wurden - ob sie es nun wollten oder nicht - zum Flaggschiff einer Nazi-Skin Bewegung. Die Band spielte vor Horden siegheilender Arschl�cher und in ihrem Umfeld befanden sich genug Faschisten. Man sehe sich nur ihre Gru�listen an. Der Besuch eines Konzertes dieser Band w�re Mitte der achtziger Jahre f�r einen Punk oder auch f�r einen Linken nicht sehr gesund gewesen. Auch die Onkelz Lieder auf Samplern mit Nazi Bands wie z.B Skrewdriver sprechen nicht gerade f�r eine positive Ausrichtung. Ich glaube den Onkelz, wenn sie sagen sie sind jetzt anti-rassistisch, doch wenn sie nicht blind waren, wissen sie, da� sie Vorbilder f�r eine Menge Nazis waren.
Den meisten deutschen Glatzen Bands war eine Abneigung gegen Punx und Linke gemeinsam z. B. Vortex: "Punx und Skins unter einem Hut, das geht nicht gut." Eine r�hmliche Ausnahme bildeten die Allierten, auf deren LP der Schriftzug "Redskins" prangte, jedoch war nur ein Teil der Band links eingestellt. Nach der Aufl�sung gingen, die beiden, die Glatzen blieben, den unpolitisch/rechten Weg. Weitere Ausnahme-Bands waren Stromberg Polka ("Ein Skinhead mu� kein Fascho sein") aus Darmstadt sowie the Voice aus Berlin. Beides Bands, die eher am urspr�nglichen britischen Oi! Geist orientiert waren und zum teil progressive Texte hatten.

Braune Horden

Im Laufe der fr�hen achtziger Jahre hatte sich ein Gro�teil der deutschen Glatzen auf den Weg nach Rechts gemacht. Hamburger Nazi-Skins t�teten 1985 den T�rken Ramazan Avci. Boneheads als Ordner bei DVU, FAP und NPD waren keine Seltenheit. Das Gros der Glatzen befand sich zwischen rechtsau�en und unpolitisch rechts. Die Oi!-Skins, welche sich als unpolitisch bezeichneten, hatten oftmals auch gute Kontakte zu Faschisten. Kuckt euch doch mal die Gru�listen von Boots & Braces aus den achtziger Jahren an. Aber dieses traurige Kapitel wird den meisten schon bekannt sein, deswegen weiter mit einigen unbekannteren Themen.

Trojan Skins

Neben den haupts�chlich Oi! oder Nazi orientierten Skins gab es im Deutschland noch eine weitere, aber sehr kleine Gruppe: Die Trojan Skins. Diese bestanden oft aus ehemaligen Mods, die genervt durch die neuen Schn�sel Mods den Parkas den R�cken gedreht hatten. Diese Skinheads (manchmal nannten sie sich auch Rudeboys) waren dem Spirit of 69 verpflichtet. Ihre Musik war Soul, Two Tone Ska, Skinhead Reggae und Rocksteady. Da man ohnehin zum gr��ten Teil aus der Mod Szene kam, waren Scooterruns und Soulnighter beliebte Treffpunkte dieser kleinen Gruppe. Es gab auch eigene Gangs, zum Beispiel die Pirates aus Hamburg, die es etwa bis 1989 gab. Die Trojan Skins waren gr��tenteils antirassistisch, jedoch selten politisch interessiert.

Revolutionary Skinheads

Schon in den ersten Skin Tagen gab es in Deutschland auch einige linke Skinheads zum Beispiel nannte sich ein kleines Gr�ppchen Anarcho Skins aus Hamburg in den fr�hen Achtzigern Black Skins. In Wuppertal gab es einige der SDAJ nahestehende Redskins. 1984 erschien in Berlin das KB84/Reason why Fanzine, das von marxistisch-leninistischen Skinheads gemacht wurde. In Berlin gab es dann Ende der achtziger Jahre eine ziemlich gro�e Truppe Redskins, die in der Roten Garde (Jugendorganisation der KPD/ML) organisiert waren. Aus N�rnberg wurde berichtet, da� die dortigen Skinheads gemeinsam mit T�rkengangs auf Poppper-Jagd gingen. In Hamburg erschien 1987 das Rote Front Skinheadfanzine, das der trotzkistischen SAG, der deutschen Sektion der britischen SWP (Socialist Workers Party) nahestand (Auch die Band Redskins vertrat SWP-Standpunkte).

Die Skawelle und SHARP

Ende der Achtziger Jahre kam es zu einem weltweiten kleineren Skarevival das auch vor Deutschland nicht haltmachte. Deutsche Skabands dieser Welle waren die Busters, NoSports, Skaos, El Bosso und die Ping Pongs, die Braces, Blue Chateau, Butlers, Blechreiz und noch einige andere. Die Bands orientierten sich gr��tenteils am Two Tone Ska. Daraus resultierte auch bei den meisten Bands eine antirassistische Haltung, welche sich auch in den Texten niederschlug. Viele der Bands hatten gute Kontakte zu Rudeboys oder antirassistischen Skinheads, die zu ihren treuesten Fans geh�rten. So ist es auch kein Wunder, da� viele Ska Bands SHARP unterst�tzten. Man denke nur an die SHARP-Hymne Stay rude, stay rebel von No Sports. Auch das allj�hrliche Aachener Skanking Round the Christmas Tree fand unter dem SHARP Logo statt. Die SHARP-Bewegung kam etwa um 1989 nach Deutschland und wurde zuerst von vielen der Trojan Skins, linken Skins und auch von einigen Oi! Skins unterst�tzt. Das erste Fanzine, welches in Deutschland SHARP unterst�tzte, kam aus der Trojan bis 2Oi! Ecke und hie� Big Two, doch den Machern dieses und einiger anderer unpolitischer Skinheadfanzines wurde die Sache suspekt, da sich auch linke Skins f�r SHARP begeisterten. Jedenfalls gab es bereits 1990 eindeutige Distanzierungen von SHARP, so z.B. vom Pressure Drop Fanzine. Man war wohl sauer, da� f�r viele SHARP nicht nur nichtrassistisch sein bedeutete sondern, das es auch hie�, mit den Nazi Glatzen endg�ltig zu brechen. Jedenfalls bildete sich bald eine Richtung angef�hrt von �lteren Oi!- Skins denen die ganze SHARP Sache nicht pa�te, eines der Sprachrohre dieser Str�mung war das halbrechte Clockwork Orange Fanzine, das gerne auch eindeutige Nazi-Bands reviewte.
Auf der anderen Seite entwickelte sich das Skintonic aus Berlin zum Sprachrohr der SHARP Skins. Viele der eher skalastigen Skinzines waren auch SHARP orientiert z.B. Skaboom aus Bremen, the beat aus L�beck oder East cairo beat aus K�ln.
Durch SHARP kamen viele neue Leute in die Szene und wurden Skins: Rudeboys, ehemalige Punks, Scooterists und auch einige Linke. Manchmal konnte auch der eine oder andere Ex-Fascho vom Spirit of 69 �berzeugt werden.

Rechter Trend im Osten/ Neue Nazi Welle

Mit dem Rechtsruck eines teils der DDR Jugend 89/90, fingen gerade im Osten viele Jugendliche an sich wie Skins zu kleiden (oder was sie daf�r hielten). Skinhead wurde durch die Medien und durch diese neuen Ost-Nazis endg�ltig zum Synonym f�r Faschismus. Erstaunlich war auch das Kulturverst�ndnis dieser Faschos. Ska und englischer Oi war ihnen nahezu unbekannt. An deutschen Bands kam bei ihnen nur Onkelz und was rechts davon war vor. Das Outfit bestand aus Billig- Bomber, Bundeswehrstiefeln, Kapuzen T-Shirts, Armeehosen und Spiegelglatze. Paralele zu diesem neuen Ost Trend gab es auch im Westen neue Nazi-Bands, die musikalisch wie textlich wenig mit dem alten Oi zu tun hatte, dieser neue Sound wird oft mit Rechtsrock umschrieben. Zu den Protagonisten z�hlten Kraftschlag, Oithanasie, Tonst�rung und was der gleichen noch so rumkraucht.

Oi!-Revival

Durch das Wiedererstarken einer neuen Skinheadbewegung, die zum gr��ten teil der Verdienst von SHARP war (fragt doch mal einen, der in Westdeutschland zwischen 89 und 92 Skin geworden ist, die meisten werden als SHARPies angefangen haben), gab es auch ein erneutes Interesse an Oi! . Vor allem die alten britischen Bands wurden als Vorbilder angesehen. Schon 1991 fanden die ersten Oi! Konzerte statt, die nicht in dem Ruf standen rechts zu sein, die oft von SHARPies organisiert waren oder zumindest unter einem antirassistischen Motto stattfanden. Red London, Red Alert, die Blaggers und Blitz tourten durch Deutschland und auch deutsche Oi!Bands gr�ndeten sich. Zum Teil waren es Bands mit �lteren Leuten aus der eher unpolitischen Ecke z.B. Beck's Pistols oder die Lokalmatadore. Zum anderen waren es auch j�ngere Leute die um 1991/92 Bandas wie Smegma, Public Toys oder die Shamrocks gr�ndeten. Es gab auch einen Haufen neuer Oi! Fanzines vom unpolitischen SOS-Boten bis zum eher progressiven Oi the Hamburch.
Leider gibt es in den letzten Jahren immer mehr Oi! Bands die textlich total verflachen. Waren die Saufen und Ficken Texte 1992 noch ganz spa�ig, so verlieren sie bei immer neuem Gebrauch langsam an Originalit�t.. Vielen Bands geht es anscheinend nur noch um m�glichst schl�pfrige und f�kalienhaltige Sprache und um das Abdreschen von Skinheadklischeees: Hart sein, Stolz, Saufen. Den gesellschaftlichen und zum Teil auch politischen Anspruch den die alten britischen Oi Bands hatten, k�nnen eigentlich nur noch Bands wie die Stage Bottles oder Oxymoron einl�sen. Auch die Tatsache das die neue, nichtrassistische Skinszene ihren Anfang 1989 mit SHARP machte ist in Vergessenheit geraten. Es ist sogar soweit gekommen, da� 18j�hrige Neo Oi Skins offen gegen SHARP opponieren. Aber es ist doch so, ohne die Szeneaktivisten, die auf der SHARP Grundlage, vor allem zwischen 1989 und 1992, zahllose Konzerte, Festivals, Meetings, Nighter, Parties (Sharpest Shark Days, Oi the meeting I, March of the Skinheads, Skanking round the Christmas tree usw) organisiert haben w�rde es diese neue Skinheadszene gar nicht geben. Auch viele der Skinhead Mailorder und-Labels haben viel f�r die Szene getan, auch und gerade die SHARP nahen (z.B. No Name, Moskito, Heatwave, Angelic Mailorder, Nightmare, Pork Pie, Downtown, Mad Butcher). �berhaupt scheint seit etwa 1991 "unpolitisch" das neue Modewort zu sein. F�r viele ist das jedoch nur eine Ausrede, um nicht klar Stellung beziehen zu m�ssen (Ausnahmen wie das Rasenm�herfanzine best�tigen die Regel). Viele wollen eben weiterhin sch�n unpolitisch ihre Skrewdriverplatten h�ren oder mit ihren Nazifreunden einen netten Plausch halten. K�ptn Schwa@rzkappe (aus Revolution Times # 5)

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