Die Nazis und die soziale Frage
DIE "NATIONALREVOLUTION�RE" T�USCHUNG
Die NSDAP hatte nicht ohne Grund das Wort "sozialistisch" im Namen, wie man sich auch sicher nicht ohne Grund "Arbeiterpartei" nannte und das Hakenkreuz im wei�en Kreis nicht zuf�llig auf einer roten Fahne zu finden war. Hitlers Mannen ging es um die Gewinnung der Arbeiterschaft f�r die "nationale Sache" und da war ein R�ckgriff auf die Symbolik und Wortwahl der sozialistischen Arbeiterbewegung mehr als hilfreich.
Doch der Sozialismus wurde von den Nazis als Erfindung der Juden zur Zerst�rung jeglicher gesellschaftlicher Ordnung angeprangert, der Kapitalismus zum Produkt "j�discher Raffgier" erkl�rt. Das "25 Punkte-Programm" der NSDAP war ein Sammelsurium von nationalistischen Schlagworten und antikapitalistischen Versprechungen. Die Rede war von der "Brechung der Zinsknechtschaft", von der "sofortigen Kommunalisierung der Gro�warenh�user und ihrer Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende", von einer "unentgeltlichen Enteignung des Bodens f�r gemeinn�tzige Zwecke", vom "r�cksichtslosen Kampf" gegen Wucherer und Schieber und �hnlichem mehr. Einige Forderungen, wie etwa die nach Verstaatlichung aller Trusts oder nach "Gewinnbeteiligung an Gro�betrieben" zielten unter der Verwendung von "antikapitalistischen" Forderungen und Verbalradikalismus klar auf die Gewinnung von Arbeitern ab, die zur Schaffung einer Massenbasis f�r den Faschismus unerl��lich war. Die einheimische, inl�ndische Besitzstruktur wurde und wird allerdings zu keiner Zeit in Frage gestellt. In der zweiten H�lfte der 20er Jahre sah sich Hitler unter dem Druck der fordernden Finanzgewaltigen und M�chtigen der Wirtschaft gen�tigt, die wichtigsten "antikapitalistischen" Verlautbarungen des ehemals unantastbaren und "unumst��lichen Gesetz"(gemeint ist das 25-Punkte-Programm der NSDAP) durch "Erl�uterungen" faktisch zur�ckzunehmen. So "pr�zisierte" Feder den Punkt 12 verschiedentlich dahingehend, da� das Programm unter "raffendem" Kapital einzig und allein das j�dische Bankkapital verstehe, deutsche Geldinstitute hingegen als "schaffendes" Kapital eingestuft w�rden. Und Hitler erkl�rte 1928 zu Punkt 17 (" Wir fordern eine unseren nationalen Bed�rfnissen angepa�te Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden f�r gemeinn�tzige Zwecke. Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation.") schriftlich: "Da die NSDAP auf dem Boden des Privateigentums steht, ergibt sich von selbst, da� der Passus 'Unentgeltliche Enteignung' nur auf die Schaffung gesetzlicher M�glichkeiten Bezug hat, Boden, der auf unrechtm��ige Weise erworben wurde oder nicht nach den Gesichtspunkten des Volkswohls verwaltet wird, wenn n�tig zu enteignen. Dies richtet sich demgem�� in erster Linie gegen j�dische Grundst�cksspekulanten." Eine deutliche Relativierung und ein deutlicher R�ckzieher! Hitler lie� sp�ter nach der "Machtergreifung" die SA ausschalten, weil viele in ihr es ernster mit dem "nationalen Sozialismus" und der "national-sozialistischen" Revolution meinten. "Revolution�res Gehabe und lautstarke Anprangerung dessen, was man willk�rliche Reaktion nannte, konnten au�er Kontrolle geraten und die verf�hrten Massen in die Reihen der wirklich revolution�ren Kr�fte treiben".(W. Ruge, "Das Ende von Weimar", S.34)
Diejenigen, die sich am radikalsten geb�rdeten, waren die Anh�nger der Br�der Gregor und Otto Strasser, welche die sozialistische Komponente mehr betonten. Allerdings verstanden auch sie unter ihrem Sozialismus eher die vom Klassenkampfgedanken befreite Volksgemeinschaft als wirkliche Ver�nderungen der sozialen Lage und Stellung der gesellschaftlichen Klassen.
Im "deutschen Sozialismus" sollen die Arbeiter "Mitbesitzer, Mitberater, Mitbeherrscher" sein. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung an sich soll also nicht angetastet werden, lediglich der Mittelstand gest�rkt und Mitbestimmung in den Betrieben herrschen. Der Arbeiter soll also ein St�ck vom Kuchen erhalten, den ganzen Kuchen aber will man ihm vorenthalten.
Otto Strassers "deutscher Sozialismus" ist ein Anachronismus an sich. Strasser fordert die R�ckkehr zu mittelalterlichen Zust�nden: er fordert eine Reichsst�ndekammer, Z�nfte, Erblehen, Reagrarisierung Deutschlands, eine Binnenw�hrung und einen Kriegeradel. Ebenso fordert er einen Volksstaat "germanischer Demokratie" (was auch immer das sein mag?) und die Aufteilung des Gro�grundbesitzes (O. Strasser in seiner Programmschrift "Aufbau des deutschen Sozialismus"). Die Gewerkschaften sollten in den Staat eingebaut werden (Zitat O. Strasser: "Unser nationalsozialistischer Staat wird es genauso wie der faschistische verstehen, das vern�nftige Nebeneinander der Interessen des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers zu sichern und gleichzeitig dem Staat das Recht des Schiedsrichters im Falle eines Konfliktes vorzubehalten." bei G. Bartsch "Otto Strasser", S. 60), �hnlich wie im 3. Reich mit der DAF geschehen oder ansatzweise in der Sozialpartnerschaft und der B�rokratisierung der Gewerkschaften in heutigen Tagen.
Otto Strassers "deutscher Sozialismus" hat mit dem Sozialismus nichts gemeinsam als seinen Namen. Auch Strasser, der �brigens auch Kontakte zur Industrie besa� und in seinem Antisemitismus keineswegs gem��igter als sein Kontrahent Hitler war (auch er verlangte z.B. die Ausweisung Zehntausender deutscher Juden und es durfte kein Nichtdeutscher oder Jude Mitglied in den von ihm gegr�ndeten Organisationen werden), wollte eher die Menschen sozialisieren als die Fabriken und den Boden.
Die Strasser-Br�der und ihre Gefolgsleute, oft als "Opposition" bezeichnet, stellten mit Sicherheit eine Opposition gegen Hitlers Kurs dar, waren allerdings nicht mehr als eine von mehreren Fraktionen innerhalb der NSDAP selbst, die sich dem "nationalen Sozialismus" mehr verpflichtet sah und diesen mehr betonte als den Antisemitismus, den sie allerdings auch hegte. Ebenso verh�lt es sich mit vielen M�nnern des 20.Juli 1944, die obwohl sie keineswegs generell den Nationalsozialismus ablehnten zu Widerstandsk�mpfer hochstilisiert wurden und in der BRD heutiger Tage als Vorbilder gelten, w�hrend der aufopferungsvolle Widerstand Tausender Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter aus dem Geschichtsbewu�tsein verdr�ngt werden (sehr lesenswert Reinhard K�hnls "Der deutsche Faschismus in Quellen"). Die Strasser-Br�der weisen ohnehin eine geradezu fortschrittliche und revolution�re Jugendzeit vor: Sie beteiligten sich u.a. am Freikorps Epp, an der Niederschlagung der M�nchner R�terepublik und waren jubelnde Kriegsfreiwillige.
In Worten gab man sich "sozialistisch", die "sozialistischen" Taten lie�en auf sich warten. Abstreiten kann man nicht, da� der eine oder andere Anh�nger dieser Ideen es mit dem Sozialismus ernster meinte, aber diejenigen, die es ernster meinten, merkten schon recht bald, da� sie sich in der falschen Partei befanden, wandten der NSDAP den R�cken und sind damals in die KPD �bergewechselt und sind nicht auf Seiten der Reaktion, in der NSDAP oder im "nationalen Lager" geblieben bzw. haben dieses nicht l�nger unterst�tzt.
Der "Sozialismus" der Strassers war durch und durch kleinb�rgerlich. Gefordert wurde nicht die Befreiung der Arbeiterklasse vom Joch des Kapitals, sondern sie sollte zum "Mitbesitzer, Mitberater, Mitbeherrscher" werden (diese Ideologie erinnert sehr an die Sozialpartnerschaft und Gedanken der "Mitbestimmung"). Die Idee des "deutschen Sozialismus" als auch die Organisationsform eines hierachischen St�ndestaats ergaben f�r Strassers die "organische Volksgemeinschaft". Diese "organische Volksgemeinschaft" entfremdete die deutschen Arbeiter von ihren eigenen Interessen und nichtdeutschen Klassenbr�dern, entsolidarisierte sie. Die "organische Volksgemeinschaft" sollte etwas Gemeinsames darstellen, das einen sollte und dennoch nur die vorhandenen Widerspr�che �bert�nchte und leugnete, aber dennoch die alten sozialen Realit�ten aufrechterhielt und legitimierte.
...und heute?
Auch heute t�uschen Faschisten ihre Mitl�ufer oft durch Schlagworte und Verbalradikalismus. Da nannte sich die FAP vor ihrem Verbot auf ihren Aufklebern "national- revolution�r- sozialistisch", w�hlte erneut die rote Fahne als Hintergrund f�r ihr Partei-Emblem im Kreis. Auch nannte man sich "Arbeiterpartei", wovon allerdings nicht allzuviel - um nicht zu sagen gar nichts - zu sp�ren war.
Man gibt sich antikapitalistisch, �bernimmt linke Themen, will diese "positiv" besetzen, etc.
Der Klassenkampf (Ergebnis "�u�erer" Einflu�nahme) wird �berhaupt geleugnet. Der "deutsche Antikapitalismus" ist "zu allererst politischer, �sthetischer, ' v�lkischer' Natur"("Hetendorf 13...", S.27). Nationale wirtschaftliche Unabh�ngigkeit ist gemeint. Der "deutsche Antikapitalismus" ist der Kern der Vorstellungen des sogenannten "Dritten Weges", f�r den heute u.a. in Deutschland die NF-Nachfolgeorganisationen und die Jungen Nationaldemokraten (JN) eintreten. Das englische Nazi-Skin-Zine "Final Conflict" sieht sich u.a. als Vertreterin dieses "third way", ebenso wie das inzwischen eingestellte Zine "Endsieg" des Andreas G�ngel (ehemaliges NF-Mitglied) aus Baden-W�rttemberg, der auch Eigent�mer des ESV (Endsieg-Verlag) war und sich als "Nationalrevolution�r" versteht.
Der "Dritte Weg" wird verstanden als scheinbare Gesellschaftsalternative zwischen dem Liberalismus westlicher Pr�gung und den Systemen des untergegangenen "real-sozialistischen" Staaten. So k�mpft man angeblich unter dem Symbol des Keltenkreuzes gegen Kapitalismus und Kommunismus.
So versteht sich auch die britische " National Front"(NF) als "nationalrevolution�r".
Das "Endsieg" unterscheidet sich in Deutschland allerdings durch seine Position von den meisten anderen deutschen Zines. Es ist "befreiungsnationalistisch" eingestellt und selbst die in der Szene verha�te IRA (So hat der rechte "Gott" Ian Stuart und seine Band "Skrewdriver" unter anderem ein Lied namens "Smash the IRA!") gilt als B�ndnispartner im Kampf gegen Imperialisten und Unterdr�cker. In diesem Zusammenhang sind vielleicht auch die Worte eines der Vertreter der "Neuen Rechten", die sich neben Oswald Spengler und Ernst Niekisch auch auf das Gedankengut von Otto Strasser bezieht, wichtig und interessant. Sie tritt ebenfalls f�r "Befreiungsnationalismus" und "v�lkischen Antiimperialismus" ein und unterst�tzt(e) bestehende Befreiungsbewegungen (wie den der Basken und der Iren) und den "Aufstand der V�lker" in der sogen."3.Welt", in Osteuropa. Sie tritt f�r die "nationale Identit�t" und das "Selbstbestimmungsrecht der V�lker" ein und begr��t(e) die Aktivit�ten der PLO genauso wie der "S�dtiroler" als "antiimperialistischen und nationalrevolution�ren Befreiungskampf". "Das Oppositionspotential nationalisieren; die Antikriegsbewegung nationalisieren. Die �kobewegung nationalisieren. Die Wertkonservative Bewegung nationalisieren...Mit einem Wort: Die Anti-System-Bewegung mit nationaler Identit�t impfen, mit nationalistischem Befreiungselan aufladen, mit deutschem Fundamentalismus indoktrinieren, mit antikapitalistischem und antikommunistischem Geist erf�llen, f�r deutsche Alternativen begeistern."(Wolfgang Strauss in "Neue Zeit" 5/82) Diese Strategie fuhren manche rechts indoktrinierte Menschen und sie konnten z.B. bis Mitte der 80er bei den Gr�nen relativ ungest�rt mitarbeiten, sie konnten zum Teil in der Friedensbewegung Fu� fassen, nun versuchen sie es in der Anthropo~~~~~~/Esoterik/Tierrechts/New-Age-Szene, wo sie bereits mitmischen. Auch bei Anti-Castor-Aktionen waren Nazis und versuchten Flugbl�tter zu verteilen, wurden allerdings in die Flucht geschlagen.
Dennoch war und ist der "nationalrevolution�re" Fl�gel nur eine andere faschistische Fraktion, die einer anderen Basis verpflichtet ist. Das darf nie vergessen werden!
Bei Aktionen und Demonstrationen der Nazis arbeiten stets alle Fraktionen zusammen, geht es doch darum die gleichen Feinde zu schlagen und im Endeffekt den gleichen F�hrerstaat zu errichten. Ihr "nationalrevolution�res" Ablenkungsman�ver kann und sollte uns also nicht t�uschen! Denn auch wenn sie sich "sozialistisch" und "revolution�r" geben, sind sie es, die gegen die Schwachen in der Gesellschaft nicht nur hetzen, sondern sie auch k�rperlich angreifen anstatt gegen die wirklich M�chtigen in dieser Gesellschaft vorzugehen, aber die sind ja Deutsche.
Der Nazi-Kader Norman W. Kempken, Mitglied der "Taunusfront" und der inzwischen verbotenen "Nationalistischen Front" �u�erte sich im Film "Helden f�r Deutschland" folgenderma�en: "Wir haben mit zunehmenden politischen Aktionen erkannt, da� sich diese Themen, die so vermeintlich linke Gruppen besetzt haben, Sozialthemen oder Umweltthemen an sich ja auch in unseren Bereich hineingehen. Das l�uft schon alles darauf hinaus, da� alles, was unser Volk bedroht, be�ngstigt eigentlich auch unser Thema sein mu� und deswegen sehen wir auch nicht ein, irgendwelche Themen unseren Gegnern zu �berlassen. Wir sind der Meinung, da� die Bonzen und die Multis sich derart am Volk vers�ndigt haben, da� es da auch keine Vers�hnung mehr geben kann. Dr. Joseph Goebbels hatte mal gesagt, wer sich am Volk vers�ndigt, verliert den Kopf und das Gro�kapital hat sich am Volk vers�ndigt". Und das mit dem Gro�kapital stimmt sogar ohne Ende. Nicht zuletzt im Nazi-Reich und im 2.Weltkrieg, als diese Herren Millionen Deutsche betrogen und f�r ihre Ziele in den Krieg schickten und in so manchem Vollstrecker, in der Mehrheit aber duldende Mitl�ufer fanden.
Die inzwischen verbotene NF strebte nach dem Vorbild der Strasser-Br�der die Errichtung eines Nationalstaats auf der Basis einer "sozialistischen Volksgemeinschaft" an. Inhaltliche Schwerpunkte waren die "genossenschaftliche Selbstorganisierung der Schaffenden in den Betrieben", "die Verstaatlichung der Schl�sselindustrien und Enteignung des Gro�kapitals" sowie die "Brechung der Zinsknechtschaft und St�rkung des Bauerntums sowie kleiner und mittelst�ndischer Betriebe". Die NF versuchte Einbr�che in linke Themen, deshalb nahmen Propagandaaktivit�ten zu Schwerpunkten wie Umweltverschmutzung, Atomkraft und Waldsterben eine zentrale Stellung ein (die JN hat unter anderem einen Aufkleber mit der Aufschrift "Umweltschutz ist Heimatschutz!"). Die NF verstand sich als Nachfolgeorganisation der SA, sie sah sich als "neue vereinigte Kraft aller revolution�ren Nationalisten". Ihre Mitglieder sahen sich als "k�mpfende Nationalisten" und sie wollten keine "Kaffee- oder Bierhausnationalisten" sein.
Die NF ist in diesem Rahmen wichtig und interessant, da die Zielgruppe ihrer Arbeit und Publikationen die Hool- und Boneheadszene waren, in der sie auch Erfolge erzielte. Die NF sah sich �hnlich wie viele Boneheads als neue SA und Avantgarde.
Viele Nazis und insbesondere Boneheads f�hlen sich sehr angesprochen von den Gedanken der Strasser-Br�der, die als Verfechter des "nationalen Sozialismus" und Gegner des "kleinen Bourgeois Adolf Hitler" (Originalton Goebbels) gelten. Um die Strasser-Br�der ranken sich recht viele Legenden zumal Gregor Strasser von Hitlers Schergen ermordet wurde und sein Bruder Otto ins Exil ging und dort eine angebliche Widerstands- und Oppositionsgruppe, die "Schwarze Front", aufbaute. Diese Truppe war allerdings von Gestapoleuten durchsetzt und entwickelte keine nennenswerten Aktivit�ten, geschweige denn Widerstand, auch wenn einige Strasserianer im KZ landeten. Zu diesem Themenkomplex sei das Buch "Die Strasser Legende" zu empfehlen, erschienen in der Edition Ost.
Die Strasser-Br�der geh�ren neben Rudolf He� zu den Nazis, auf welche sich viele junge Nazis berufen (z.B. auch die Fraktion der "Progressiven Nationalisten" um den Hamburger andre Goertz). W�hrend Hitler oder Goebbels der Brandgeruch des 2. Weltkrieges, das Blut der 6 Millionen Juden und Millionen Opfer an den H�nden klebt, sind sie nicht zum Zuge gekommen und deshalb eher unbescholten. Wie schon der bayerische Ministerpr�sident Strau� sagte: "Wir m�ssen heraustreten aus der giftigen Atmosph�re Adolf Hitlers." Oder der Nazi Ewald Althans: "Auschwitz mu� fallen, erst dann k�nnen die Leute akzeptieren, was wir wollen...Auschwitz: das ist das Problem." Ebenso versuchen sie nun aus dem verrufenen Dunstkreis eines Adolf Hitler herauszutreten, ohne in den Zielen von denen der NS-Nostalgiker abzuweichen, mit denen eine Zusammenarbeit auch am 1.Mai in Leipzig wieder stattfand.
NPD und JN
Die NPD, ihre Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) und der "Nationale Widerstand" thematisieren die soziale Frage verst�rkt. Das NPD-Organ "Deutsche Stimme" berichtete auch davon, da� man sich im "nationalen Lager" vermehrt mit Wirtschafts- und Sozialpolitik besch�ftige. Denn in der momentanen politischen Situation bestehe die M�glichkeit, " durch eine geschickte Thematisierung der 'sozialen Frage' in Verbindung mit der Ausl�nderpolitik eine nationalistische Politik besser als je zuvor in den K�pfen des Volkes zu verankern." Seit Mitte der 90iger ist ihre rassistische Politik verst�rkt mit sozialen Forderungen verbunden worden. So tauchten einige NPDler in manchen Orten bei den dortigen Arbeitslosendemos auf und versuchten ihre Parolen unters Volk zu bringen, was allerdings von antifaschistischen Gewerkschaftern unterbunden wurde. U.a. trugen sie vor dem Arbeitsamt im th�ringischen Gera schwarz-wei�-rote Fahnen und Transparente mit Parolen wie "Sozialismus ist machbar". Am 1.Mai 1998 zogen Nazis mit Transparenten in Leipzig durch die Stra�en, auf denen die z.Zt. wohl angesagteste und popul�rste Parole der Nazis "Deutsche Arbeitspl�tze zuerst f�r deutsche Arbeiter!" zu lesen war. Eine ihrer Hauptparolen lautet auch "Gegen System und Kapital!" und k�nnte von einem Flugblatt irgendwelcher Autonomer �bernommen sein.
Aber was man unter den oben erw�hnten Parolen versteht, machen einige Zitate deutlich. "Die NPD lehnt daher nachdr�cklich den �berholten Interessengegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ab, denn Kapital und Arbeit haben neben anderen Faktoren nur Funktionen im wirtschaftlichen Gesamtablauf der Unternehmen zu erf�llen." Auch Gewerkschaften sind in diesem Weltbild und Konzept �berfl�ssig und haben nur noch eine Existenzberechtigung im Sinne einer "Deutschen Arbeitsfront": "Die Sicherung des Arbeitsfriedens ist dar�berhinaus ihre vornehmste Pflicht, nicht die Anma�ung politischer Vorrechte." (siehe hierzu RAG # 22)
"Nationalisten wollen eine neue Wirtschaftsordnung, die auf dem Marktmechanismus beruht, also ein System, in dem sich die Preisbildung �ber den Ausgleich von Angebot und Nachfrage regelt." Gleichzeitig will man dem "verh�ngnisvollen Klassenkampfideologien jede Grundlage" entziehen. Denn auch in der "Volksgemeinschaft" "wird es dennoch immer eine soziale Differenzierung geben". Betriebsf�hrer und Gefolgschaft m�sse es eben geben, sie seien "Ausdruck der Verschiedenheit der Menschen". Was aber bitte ist an solchen Forderungen "sozialistisch", "revolution�r" oder gar "antikapitalistisch"? Schaut man also hinter die Fassade der verbalradikalen und pseudorevolution�ren Phrasen, kommt der wahre Geist und die wahre Absicht zum Vorschein.
Neuester Trend
Ein Teil der Nazis versucht sich z.Zt. als "Arbeitsgemeinschaft Nationaler Sozialisten in und an der NPD" zu formieren. Im Organ der s�chsischen NPD "Sachsen-Stimme" findet sich eine deutliche �bernahme von alter DDR-Terminologie und ML-Jargon.
Der Berliner Nazi Oliver Schweigert �u�erte in einem Interview mit der "Berlin-Brandenburger Zeitung": "Jede Verbindung des nationalen und sozialistischen Widerstandes zu einer einheitlichen Form ist eine Provokation f�r die Herrschenden in Bonn. Unsere Aufgabe ist das Nennen der heute nicht nur in Deutschland, sondern europaweit bestehenden und durch die Herrschenden hervorgerufenen Probleme. Dem herrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystem mu� eine sozialistische Alternative und auf den inneren Verfall unseres Volkes m�ssen nationale Antworten gefunden werden." Und auch eine "Partei der Arbeit" sieht sich als "B�ndnis von Nationalkommunisten und nationalen Revolution�ren". Sie sieht sich "im Geist von Stra�er, Niekisch und Anton Ackermann" und propagiert einen "deutschen Sozialismus".
Ein Blick nach Frankreich beweist auch, da� der Front National (FN) im Winter 1995 der Streik- und Protestwelle, als sie soziale Forderungen aufstellte, mehr als hilflos gegen�berstand und von den Machthabern verlangte, die Massen zum Schweigen zu bringen und den Streik zu zerschlagen. 1997 am 1.Mai gab man sich sehr sozial. Aber nicht nur die sozialen K�mpfe der Vergangenheit als auch die kommenden sozialen Bewegungen werden zeigen, da� die Nazis, ob nun in Deutschland oder Frankreich nichts zur wirklichen wirtschaftlichen Verbesserung der Lage der Massen bewirken werden k�nnen. Radikale Phrasen verbreiten tun sie, aber viele ihrer F�hrer wie z.B. Herr Frey sind selbst G�nstlinge des Systems. Gerhard Frey ist Vorsitzender der DVU, Multi-Million�r und Miethai. Sagt das alles?!
Aus der Geschichte und der Gegenwart der Nazis ergibt sich klar: Die Nazis sind weder sozial noch sozialistisch. Red Devil
Lesetips:
Rundbrief antifaschistischer/antirassistischer GewerkschafterInnen/RAG # 22
Udo Kissenkoetter "Gregor Strasser und die NSDAP"
Kurt Gossweiler "Die Strasser-Legende", erschienen in der Edition Ost
Reinhard K�hnl "Die nationalsozialistische Linke"
Werner Jochmann "Nationalsozialismus und Revolution"
Antifaschistisches Infoblatt # 46 (Ausgabe Januar / Februar 1999)
(aus Revolution Times # 9/ 10, September 1998/ April 1999)