Fels in der Brandung

Du gehst Deinen Weg ...

Du gehst Deinen Weg
die Stra�e entlang
und wei�t es wird
nicht immer so sein.

Nun bin ich schon fast 5 Jahre in der Skinheadszene und fast 10 in der linken Szene. F�r mich hie� Leben immer Kampf. Leben hie� f�r mich auch immer, mich nicht zu f�gen, sondern zu widerstehen gegen Unterdr�ckung, L�ge und Ausbeutung! F�r alles gibt es seine Zeit, f�r' s Feiern und f�r' s K�mpfen. Und ich halte die Fahne immer noch hoch. Ja, die rote Fahne! Ich hab' die DDR gesehen, lange vor Mauerfall, hab' den 9.November 1989 erlebt wie auch den 3.10.1990, war bei diversen politischen Aktionen dabei. Ob nun Demos, Blockadeaktionen, Pr�geleien, Konzerten, Infost�nden, Veranstaltungen, Konferenzen und nat�rlich dem t�glichen Kleinkram und dem politischen Alltag.
Und ich denke, da� es an der Zeit ist mal ein bi�chen R�ckschau zu halten, eine Art Bilanz zu ziehen. Es mag sehr pers�nlich ausfallen, aber dennoch ist dies ein St�ck Realit�t, wie sie authentischer nicht sein k�nnte.
Ich finde, da� eine kulturelle und politische Identit�t sehr wichtig f�r den t�glichen Widerstand ist. Es bleibt dabei, beides gibt mir Kraft und Orientierung im Alltag. Im allt�glichen Kampf gegen all die kleinen Schweinereien im Betrieb, in der Familie, auf der Stra�e, in der Szene und �berhaupt.

Wie alles begann...

Etwa 1987 begann ich mich politisch zu interessieren. Einer meiner ersten Zeitungsausschnitte, den ich mir aufhob, war der in unserer Lokalzeitung zum Revolution�ren 1.Mai 1987 in Berlin. 1988 war ich dann erstmals bei Verwandten in der DDR und merkte, da� man dort entgegen der westdeutschen Medienl�gen auch ganz "normal" leben konnte, merkte aber auch was einige westdeutsche "Kommunisten" verschwiegen: z.B. mangelnde Selbstbestimmung der Arbeiter in den Betrieben. Bei diesem Aufenthalt besorgte ich mir auch einige Werke von Karl Marx, Friedrich Engels und W. I. Lenin. In meiner Schulklasse war ich damals der einzige kritische Geist, wurde von meinen Mitsch�lern als "Kommunist" angefeindet, obwohl ich mich damals als solcher wohl nicht bezeichnet h�tte. Dann kam die "Wende" und es folgten elendige Diskussionen in der Schule im Deutsch- und Geschichtsunterricht, wie es denn mit Deutschland weitergehen sollte.
Alle freuten sich �ber die nahende "Einheit", w�hrend ich vor den Folgen einer "Einheit" unter kapitalistischen Bedingungen warnte. Und meine Bef�rchtungen haben sich best�tigt und sind heute Tatsache: vor allem Massenarbeitslosigkeit und wachsender Rassismus und Nazi-Terror.
Kurz vor der 1. gesamtdt. Bundestagswahl sah ich die Notwendigkeit mich zu organisieren und mit Gleichgesinnten Widerstand zu leisten. Also ging ich zur PDS, die mich allerdings sehr entt�uschte, da sie hier im Westen einem Sammelbecken aller Linken glich, durch elendige Diskussionen in der Aktion verhindert war und sowieso nur ein Wahl- und Zweckb�ndnis zu sein schien. Nach der Wahl brach alles wieder auseinander. Nach einigen Irrungen landete ich dann bei einer kleinen sozialistischen Organisation, deren Mitglied ich auch heute - zumindest auf dem Papier - noch bin.
Damals war die extreme Linke die einzige politische Kraft, die vor den Folgen der kapitalistischen Annexion der DDR warnte. Alles befand sich im national(istisch)en Freuden- und Einheits"taumel" und der machte bekanntlich so manchen blind.
Nun sieben Jahre nach der Einheit hat fast jeder DDR-B�rger die Vorz�ge der FDGO und der "sozialen Marktwirtschaft" kennengelernt. Und es gibt Leute, die von sich behaupten, da� 40 Jahre DDR aus ihnen keine Sozialisten zu machen vermochten, dies nun aber nach 7 Jahren realexistierendem Kapitalismus - der g�nzlich dem Bild widerspricht, das die DDR-B�rger angesichts Werbefernsehen und BRD-Propaganda vom (BRD)- Kapitalismus hatten - der Fall ist.
Damals war eines der Schlachtworte, da� die DDR-B�rger mit F��en abstimmen w�rden gegen die DDR. Heute stimmen Millionen Fl�chtlinge mit F��en ab. Gegen den realexistierenden Kapitalismus. Und damals hie� es, im Westen bestehe Reisefreiheit. Wer kommen wolle, sei gern gesehen. Nachdem nun der Ostblock zerfallen und damit auch der "rote Iwan im Osten" als Feind weggefallen ist, schlie�t man die Grenzen f�r die ungebetenen G�ste. Denn 1. sind es keine Deutschen und 2. ist die Reisefreiheit-Kampagne nicht mehr n�tig.
Ich habe miterlebt, wie bei vielen Linken Welten und Illusionen zerst�rt wurden, als die DDR aufh�rte zu existieren. Habe mitbekommen, wie die Faschisten nach vollzogener "Wiedervereinigung" erstmal wieder neu anfangen mu�ten, weil eine ihrer damaligen Hauptforderungen erf�llt war.
Aber heute ist die Grundvoraussetzung f�r revolution�re sozialistische und klassenk�mpferische Politik besser denn je zuvor, denn der Kapitalismus, der sich bisher hinter dem Sozialstaat und dem W�rtchen bzw. Konstrukt "soziale Marktwirtschaft" versteckt hat, l��t jetzt zunehmend seine Maske fallen. Viele Menschen haben ihre Erfahrungen mit dem Kapitalismus gesammelt. Ob nun Arbeiter, die im Produktionsproze� nicht mehr gebraucht werden und sich wie weggeworfenes Werkzeug f�hlen. Ob Rentner, deren Renten gek�rzt werden sollen. Ob Frauen, denen immer noch das Recht auf freie Abtreibung verw�hrt wird. Ob "Gastarbeiter", die nun merken, da� sie nur gern gesehene "G�ste" waren, solange man sie brauchte... Menschen sind in diesem System auswechselbar wie die Maschinen einer gro�en Fabrik oder die Schrauben einer gro�en Maschine.

"Irgendwie war das unheimlich..."

Mein Verh�ltnis zu Skinheads war eigentlich sehr seltsam. Die Medienl�gen hatten voll ihre Wirkung bei mir getan und so hielt ich jeden Kahlkopf f�r einen rechten Wixer, obwohl in meiner Stadt antirassistische Skins eine lange und gute Tradition haben. In meiner Stra�e wohnte ein abschreckendes Beispiel, ein etwas �lterer Bonehead, mit dem es stets zu ideologischen Auseinandersetzungen kam. Anfangs versuchte er mich noch f�r die "nationale Sache" und "uns Skinheads" zu rekrutieren. Sp�ter gab er es dann auf. Obwohl er noch meinte "Du l�ufst ja genauso rum wie wir." Und das stimmte, denn seit etwa 1987 trug ich kurze Haare, Lonsdale, Bomber, Martens und umgekrempelte Jeans. Nur war ich mir noch nicht bewu�t, da� es auch andere Kahlk�pfe au�er den rassistischen gab und da� ich im Endeffekt das dachte und f�hlte, was ich auch heute noch tue. Ich wu�te damals schon, da� Ska Skinheadmucke war und mit Punks hatte ich auch seit etwa 1987 Kontakt. Punkrock, Oi! und Ska, so erinnere ich mich, habe ich damals auch schon ein wenig geh�rt. Z.B. hatte ich damals eine Kassette mit Kortatu, etc. Als dann um 1991/92 der Kampf f�r das ostdt. Jugendradio DT 64 losging, war ich in Schwerin auf einem Konzert mit Michele Baresi und Blechreiz. Damals wunderte ich mich noch, warum mich ein Haufen Glatzk�pfe, die eine Polonaise machten, in ihre Mitte nahmen. Und irgendwie war mir das damals doch sehr unheimlich. Aber die Musik war O.K. und die Stimmung auch. Und Rechte konnten das auch nicht sein.
Die "Who napped J.B." von Blechreiz war dann auch neben den beiden ersten No Sports Alben und dem "Ska Ska Skandal"-Sampler eine meiner ersten Skaplatten.
Irgendwann hat' s dann klick gemacht und ich wu�te, Skinhead ist mein Teil. Mensch, das ist genau das, was ich immer wollte. Spa� und korrekte Einstellung verbinden! Und es kam was kommen mu�te. Die meist etwa 5 cm langen Haare kamen ab und ich traf mich erstmals mit Glatzen, auch aus anderen St�dten. Schwer war' s reinzukommen. Vielen war man zu "politisch", viele be�ugten einen mi�trauisch. Aber wer mich kennt, wei�, da� ich zu meinem Way of Life stehe. Skinhead bedeutet f�r mich auch unbedingte Liebe zur Musik und Kultur.

"Einmal Skinhead bitte!"

Ich erinnere mich noch an meine erste Glatze, dann an das fast w�chentliche Ritual des Rasierens. 1994 z.B. war kollektiv Rasur angesagt vor Smegma und Anti Heroes. Ich erinnere mich auch noch daran, wie ich das erste Mal mit Glatze nach Hause kam oder in die Schule und ich damals gefragt wurde, ob ich denn nun die Seite gewechselt h�tte (ich war schlie�lich als gro�artiger Agitator an meiner Schei� Schule, dieser alt-ehrw�rdigen Anstalt ber�hmt-ber�chtigt). Und das Gef�hl mich das erste Mal in voller Skinheadpracht zu zeigen, die Harrington auszuziehen, um die Braces zum Vorschein kommen zu lassen. Damals h�tte ich am liebsten jedem auf die Nase gebunden: "Ey, sieh her, wer ich bin, ich bin Skinhead!". Das wirkt von heute betrachtet eher aufgesetzt, aber nun lebe ich diesen Stolz und ich genie�e das Gef�hl mit jedem Atemzug. Und ich kann sagen: Ich bereue nichts! Ich w�rde ganz genau wie damals wieder handeln. Es waren bisher 5 Jahre Spa�, Politik, Randale, Party, Freundschaft und Sinn.
Es folgten Konzerte, Demos und Parties jedes Wochenende und einige der besten sind bestimmt das Oi! The Meeting 1994 in L�beck, das Potsdam Ska Festival 1995 mit der z�nftigen Love Parade in Berlin, der Ska Nighter in Hamburg Altona im August 1994 und der Red Skinhead Fighting Day am 1.Mai 1996 in M�nchengladbach. Auch diverse Haus-, Kneipen-, Disco-, Platz- und Landesverbote konnten unsereinen nicht von seinem Spa� & Treiben abhalten.

Was macht der Feind von damals heute?

Die Fascho-Altglatzen von damals sitzen heute entweder im Knast ein oder sind fast alle auf Drogen und kriminell. Sie sind also genau zu dem geworden, was sie immer abgelehnt haben: kriminelle, pillenschmei�ende Junkies. In Hamburg sind viele ins Zuh�ltermilieu abgerutscht, manche treiben sich mit philippinischen Frauen ("Fidschis"!) rum oder sind im ekelhaften Sumpf der Tekk-NO Szene h�ngengeblieben. Eigentlich schon pervers, da� die Drogen das bewerkstelligen mu�ten, um sie aus dem Verkehr zu ziehen.

"So manches Mal wurde man eingefahren."

So manches Mal wurde man eingefahren. Jedesmal am Vatertag gab' s �rger und fast jedes Wochenende ebenso - mindestens aber Personalienkontrollen. Es ist nun schon soweit, da� die Bullen in unserem Kiez einen kennen und wissen, was man so am Wochenende getrieben hat. Und bei Verh�ren, zu denen leider mancher hingeht, kommen immer wieder Fragen wie "Wieviele seid ihr?", etc. Meist kam unsereiner mit blauem Auge davon.
Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner sind auch immer wieder Bestandteil des Wochenendes. Manchmal kriegen sie, manchmal wir. Aber klein lasse ich mich nicht kriegen! Weder von den Bullen noch von den Faschos.
Letztens hatten die Bullen uns mal wieder in der Mangel, haben uns umzingelt und mir an den Kopf geschmissen, ich sei "asozial". Daraufhin hab' ich ihnen erstmal meine Meinung gesagt, wer in dieser Gesellschaft wirklich asozial ist. Und in dieser Gesellschaft "sozial" zu sein, hei�t nach ihren Regeln zu leben.
Meine Gegend war fr�her voll die Fascho(glatzen)hochburg, nun traut sich kaum einer der mutigen Recken auf die Stra�e. Viele sind ruhiger geworden und gr��en einen noch auf der Stra�e. Schlie�lich kennt man sich von fr�her...

Auf die n�chsten f�nf Jahre!

Und ich lasse mich nicht kleinkriegen, denn ich f�hle mich wie ein Fels in der Brandung.

Habe viele kommen und gehen sehen...

Ich habe viele kommen und gehen sehen. Sowohl in der Skinhead- als auch in der linken Szene. Hab' Leute gesehen, die sich geschworen haben "Skinhead - f�r immer und ewig!" und wo sind sie jetzt?
Als man gerade dabei war, betonte man immer, da� Skinhead, A way of life sei, wenn nicht der einzige. So ist es zwar auch heute noch, denn ich halte f�r mich pers�nlich Skinhead f�r den einzig geilen Way of life, nur ist es nun schon seit langer Zeit mein Leben, mit allen H�hen und Tiefen.
Ebenso Leute, die in diversen Politgruppen und meiner damaligen Organisation waren, wo ich auch war. Viele von ihnen sind nun stinknormal, haben ihre Nische gefunden oder fristen ein Leben als brave Familienv�ter. Bei vielen merkt man schon, da� sie eh nicht dazu stehen, was sie da sagen oder vorgeben zu leben...Aber so ist nun mal das Leben. Fr�her oder sp�ter trennt sich die Spreu vom Weizen.
Ich hab' nie wirklich eine Wahl gehabt, auch heute nicht. Mir erz�hlen Leute ich solle meine Zukunft nicht versauen, ich h�tte nur dieses eine Leben. Dazu nur soviel: Versauen tun uns allen ganz andere in Politik und Wirtschaft die Zukunft und gerade weil ich nur dieses eine Leben habe, lebe ich es wie ich es will und nicht wie andere es gern h�tten.
Die Oberfl�chlichkeit vieler Leute kriegt man schnell mit.
Ich bin weder ein "Ausl�nderfreund" noch ein "Ausl�nderfeind", bin weder ein "guter" noch ein "schlechter" Skin, bin auch kein "SHARP-Nazi" oder "Politaffe". "Rechtsrock" ist auch keine Frage des guten oder schlechten Geschmacks und wer eine Band nur auf ihre Musik reduziert und sich weder f�r ihre Texte noch f�r ihr Handeln und Umfeld interessiert, ist genauso oberfl�chlich wie die meisten Spie�er auf der Stra�e. Und wenn Skinhead nur hei�t, in Ruhe und bei Musik sein Bierchen zu konsumieren, dann k�nnten wir alle auch als Berber unser Leben fristen.
Eines ist gewi�: Es wird sich nie etwas �ndern, wenn wir es nicht tun!
Och Gott, was mu�te man sich alles in den Jahren anh�ren und gefallenlassen. Manchmal gibt mir schon die angewiderte B�rgerfratze Genugtuung.
Kurz: Skinhead, das bedeutet f�r mich: Absolute und bedingungslose Liebe zur Musik und zum Kult, gelebte Lebensfreude und nicht blinder Ha�, wie er bei den Faschos anzutreffen ist. Das beste draus zu machen, aber trotzdem nicht klein beizugeben.
Oi!, Prost & Rotfront! (es bleibt dabei!)
der SHARP-Nazi und Kinderfresser himself (aus Revolution Times # 8)

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