Punx & Skins in der Doitschen Demokratischen Republik
"Wir wollten uns den Spass nicht verderben lassen!"
Richtig los ging es, als wir 1982 in Berlin im Kulturpark Pl�nterwald mit der dortigen Punkszene in Kontakt kamen. Wir lernten Punks aus einigen anderen St�dten kennen und fuhren danach auch viel rum. Skins kannten wir zwar vom H�rensagen und aus Ost- und Westmedien, aber eine Rolle spielten sie damals noch nicht. Der erste Skinhead, den ich traf, war der Berliner Ex-Punk Keule (Koile?). Das war, glaube ich, 1983/84. Ungef�hr seit dieser Zeit gab es im Kulturpark in Berlin auch eine kleine "Skin-Ecke". Wenn ich dort war, gabs keinen Stunk. Da anfangs die meisten Skins ehemalige Punks waren, haben sie sich vertragen. Aber es war keine grosse Liebe, denn viele Skins hatten sich von den Punks abgesondert, weil sie die Nase voll von ihnen hatten. Von Unity zu reden, w�re �bertrieben gewesen. Im Lauf der Zeit wurde die Distanz auch immer gr�sser. Freundschaften zwiscehn Punks und Skins waren eher Einzelerscheinungen.
Wie das Leben als Punk/ Skin unter Honni war, wurde ja schon oft beschrieben. Dass die DDR der totale Stasi-�berwachungsapparat war, ist auch bekannt. Punks haben sich schon durch ihr �usseres als nicht gerade systemtreue Jugendliche zu erkennen gegeben. Da darf es nicht verwundern, wenn sie �berall schikaniert wurden. Auch wenn es f�r viele haupts�chlich darum ging, Spass zu ahben und sich irgendwie kreativ zu bet�tigen (z.B. Musik machen), wurden sie durch den paranoiden Wahn der Staatsorgane zu Staatsfeinden gestempelt.
Jeder, der aus dem gewohnten, durch die Verh�ltnisse aufgezwungenen Trott ausbrach, war suspekt. Wer keine Lust zum arbeiten hatte, war ein Feind des Sozialismus. Offiziell bem�hte man sich, die agnze Sache totzuschweigen. Keine Ostpunks in den DDR-Medien. Bands durften nat&uumkl;rlich auch nicht �ffentlich spielen. Da amn sie nicht alle internieren konnte, mussten Punks notgedrungen im Strassenbild geduldet werden. Aber auch nur unter h�figen Repressalien wie Ausweiskontrollen, Platzverboten, willk�rlichen Mitnahmne aufs Polizeirevier, etc.
Irgendwie lernten wir damit umzugehen. Wir wollten uns den Spass nicht verderben lassen. Wir wussten, wo wir leben und waren einiges gewohnt. Man musste sich halt Nischen suchen. Punkbands konnten zum Beispiel in kirchlichen Einrichtungen oder bei privaten Feiern spielen. Es gab eigentlich fast regelm�ssig Konzerte. An Wochenenden fanden in kirchlichen R�men h�fig "Bluesmessen" oder "Friedenswerkst�tten" statt, wo auch meist Punkbands spielen konnten.
Undercover ermittelte die Stasi nat�rlich fleissig. Es war irgendwie lustig, weil die trotz ihres perfekten Apparates, anscheindend kaum eine Kennung hatten. Sie waren voll davon besessen, in jeden Furz staatsfeindliche Absichten zu interpretieren und legten viel Wert darauf, den Punks zu unterstellen, dass sie Nazis sind. Das war typisch f�r das engstirnige Feindbild damals: Punker=Klassenfeinde=Nazis. Es war nicht unlustig. Wir konnten viel �ber die Staatsorgane lachen, auch wenns manchmal nicht nur zum Lachen war.
Ich glaube Skins hatten es anfangs etwas leichter. Sie waren �usserlich nicht so leicht identifizierbar. Vor allem in der Provinz (dazu konnte man fast die gesamte DDR ausser Berlin z�hlen) wussten die Staatsorgane lange Zeit nichts mit den "ordentlich" gekleideten Jugendlichen ohne Haare anzufangen. In der Zeit, wo ich haarlos rumlief, hatte ich kein einziges Mal Probleme mit Bullen oder so. Skins fielen einfach nicht so auf. Wenn sie sich nicht gerade �ffentlich als Faschos outeten, kriminell waren oder Randale machten, konnte man ihnen nichts anhaben. Okay, ich weiss nicht, wie es anderen ergangen ist, ich kann nur von mir sprechen.
Bandm�ssig tat sich in Dresden folgendes: Ich spielte von 1983-85 bei PARANOIA, der indirekten ROTZJUNGEN-Nachfolgeband. Ausserdem gab es seit 1984 SUIZID und ein paar unbedeutendere Nebenprojekte. In Dresden gab es damals nie mehr als 20 bis 30 Punks und demzufolge auch wenig Bands.
Wir hatten einieg Kontakte in den Westen. Haupts�chlich zu Fanzine-Machern. Mit ein paar Leuten haben wir uns in Ost-Berlin, Prag oder Budapest getroffen. Einige sind auch nach Dresden gekommen. Wir sind mehrere Male nach Budapest gefahren, um uns mit ungarischen Punks zu treffen. Es war recht merkw�rdig da. Beim ersten Mal waren die Leute ziemlich skinm�ssig drauf. Einige gr�ssten uns, als sie erfuhren, dass wir Deutsche waren, mit "Sieg Heil". Sie haben uns dann zwar versichert, dass sie keine Nazis w�ren. Sie f�nden es halt nur "witzig". Sid hatte ja auch ein Hakenkreuz-T-Shirt an. Allgemein waren die Verh�ltnisse in Ungarn etwas freier als bei uns. DEshalb soll dort wohl auch punkm�ssig mehr los gewesen sein. Die Szene war politisch nicht so sehr diskriminiert. Es waren �ffentliche Konzerte m�glich, es gab Punkplatten in den PLattenl�den, Klamotten, etc. Durch unsere begrenzten Reisem�glichkeiten war Budapest sowas wie ein Mekka f�r uns.
Naja, eigentlich waren die Erlebnisse dort sehr durchwachsen, vieles war sehr kommerziell. Am einpr�gsamsten waren die ungariscehn Poser, die sich kingsroadm�ssig in der Budapester Innenstadt pr�sentierten, und die ostdeutschen und tschechischen Punktouristen, die sich in den einschl�gigen "szenel�den" (z.B. "Hankypanky") von Kopf bis Fuss neu einkleideten.
Zur�ck zur Dresden- bzw. DDR-Szene: Mit zunehmender Zeit ging uns die nachfolgende Punkergeneration auf den Wecker. Alles nur noch suff, Gepose und Destruktivit�t. Das war nicht unser Ding. PARANOIA wurde 1985 aufgel�st. Ich gr�ndete daraufhin mit dem PARANOIA-S�nger und zwei SUIZID-Leuten die Fun-Oi-Band CHERUSKERFRONT, die aber nur wenige Monate existierte. Es war eigentlich nur eine Provokation gegen Schmuddelpunks einerseits und gegen irgendwelche deutscht�melnden Dumpfhirne. Einziger Auftritt ausserhalb von Dresden war bei einem Kirchenpunkkonzert in Jena. Obwohl wir eindeutige Texte und Statements gegen Nazis machten, wurden wir vom Jungpunkermob beinahe gelyncht. Zum Gl�ck haben einige "�ltere" Punks, die uns kannten, wie Otze von SCHLEIMKEIM und Speiche, die Wogen etwas gegl�ttet. H�hepunkt des Abends f�r uns war unsere Coverversion von "Religion" der B�hsen Onkelz (Waren die damals schon rechts? Na zumindest der Song war okay und wir hatten uns vorgenommen, einen Anti-Kirchen-Song in der Jungen Gemeinde anzustimmen).
Von anderen Oi-Bands hab ich damals nichts mitgekriegt. Es gab wohl mehr Ska-Bands, von denen einige dann sp�ter in den DDR-Medien (Jugendradio DT 64) ziemlich gepuscht wurden. Kurz nach der "Wende" gab es dann den Boom der Nazibands. Ich kann nicht objektiv �ber die DDR-Skinheadszene berichten. Die Skinszene war eher regional orientiert. So grosse Treffen, wie bei den Punks, waren nicht �blich. Als wir 1985 bei einer Skinheadsfete in Berlin-Mahlsdorf waren, wurden wir angefeindet, weil wir Sachsen waren.
Es war fast unm,�glich als linker Skinhead zu leben. Das hat einem keiner abgenommen. Man sass zwischen allen St�hlen. Die meisten bezeichneten sich als "unpolitische" Oi-Skins. Es dominierte prolliger Macho-Schwachsinn auf unterstem Niveau. Wenns drauf ankam, krochen die meisten der "Unpolitischen" lieber den Nazis in den Arsch, als klar Stellung dagegen zu beziehen.
Ich glaube, viele gefielen sich auch in der zwiesp�ltigen Rolle, dass niemand so recht wusste, woran er bei ihnen war und dass sie bei Bedarf ihr F�hnlein nach dem Wind h�ngen konnten. Ungef�hr ab 1988 und vor allem nach der "Wende" gab es fast nur noch rechte Skins. Vielleicht war es bei manchen eine Trotzreaktion auf die Kommentare der Umwelt. Als Skinhead wurde man st�ndig von vornherein als Nazi angestempelt und es nervte, immer wieder versichern zu m�ssen, dass man keiner ist (was dann sowieso nicht geglaubt wurde). Viele fanden es einfach cool. Es wurde zur Mode. An Punks hatte man sich gew�hnt. Die konnten keinen mehr schockieren. Die wurden mittlerweile eher ausgelacht als gef�rchtet. Abera ls Naziskinhead war man echt "gef�hrlich". Meist waren es Ex-Punks und Ex-Popper oder irgendwelche Fettw�nste, die ihre Minderwertigkeitskompexe abreagieren wollten.
Im Lauf der Zeit ging uns dann dieses Szenegetue, egal in welcher richtung, ziemlich auf die Nerven. Wir hatten keinen Bock mehr, uns irgendwelchen vorgefertigten Klischees und Kleiderordnungen unterzuordnen.
1986 gr�ndeten wir KALTFRONT und versuchten UNSER Ding zu machen, auch wenn es musikalisch immer noch Punk war.
J�rg, Dresden
(aus Revolution Times # 5)