I. �Klasse selbst ist kein Ding, sondern ein Geschehen.�
�Soziologen, die die Zeitmaschine angehalten haben und � unter betr�chtlichem Aufwand an begrifflichem Ge�chze und Gest�hne � in den Motorraum hinabgestiegen sind, erz�hlen uns, da� sie nicht in der Lage waren, irgendwo eine Klasse zu lokalisieren oder zu klassifizieren. Sie k�nnen nur eine Vielzahl von Menschen mit verschiedenen Besch�ftigungen , Einkommen, Status-Hierarchien und was es sonst so gibt, finden. Sie haben nat�rlich recht, 'Klasse' ist ja nicht dieser oder jener Teil der Maschine, sondern die Art und Weise, wie die Maschine funktioniert, wenn sie einmal in Gang gesetzt ist � nicht dieses oder jenes Interesse, sondern die Reibung von Interessen � die Bewegung selbst, die Hitze, das donnernde Get�se. Eine Klasse ist eine soziale und kulturelle Formation (oft mit institutionellem Ausdruck), die nicht abstrakt oder isoliert definiert werden kann, sondern nur �ber die Beziehungen zu anderen Klassen; und im Grunde kann diese Definition nur im Medium der Zeit vorgenommen werden � Aktion und Reaktion, Ver�nderung und Kampf. Wenn wir von einer Klasse sprechen, dann denken wir an einen sehr lose definierten Zusammenhang von Menschen, die dieselbe Anh�ufung aus Interessen, sozialen Erfahrungen, Traditionen und Wertsystemen teilen, die dazu neigen, wie eine Klasse zu handeln, sich selbst in ihren Handlungen und ihrem Bewu�tsein im Verh�ltnis zu anderen Gruppen klasssenm��ig zu bestimmen. Aber Klasse selbst ist kein Ding, sondern ein Geschehen.� Edward P. Thompson (1)
�Das Kapital setzt also die Lohnarbeit, die Lohnarbeit das Kapital voraus. Sie bedingen sich wechselseitig, sie bringen sich wechselseitig hervor.� Karl Marx (2)
Die ArbeiterInnenklasse ist eine der beiden gro�en Klassen der b�rgerlichen Gesellschaft. Sie ist ebenso vielseitig und vor allem widerspr�chlich wie die kapitalistische Gesellschaft als ganze und existiert, unabh�ngig davon, ob sich ihre Mitglieder dessen bewu�t sind oder ob sie es wollen oder nicht. Diejenigen, die heute in Zeitungen vom Verschwinden der ArbeiterInnenklasse schwadronieren, k�nnen schon morgen von streikenden ArbeiterInnen in den Druckereien und Verlagen auf den Boden der Tatsachen zur�ckgeholt werden. Die angebliche heutige Aufspaltung und Differenziertheit der Klasse h�lt den historischen Fakten nicht stand: Die ArbeiterInnenklasse war nie ein einheitlicher Block, bestand immer aus verschiedenen Schichten. So war die ArbeiterInnenklasse des 19. Jahrhunderts mit ihren landwirtschaftlichen KontraktarbeiterInnen, Facharbeitern, industriellen Tagel�hnerInnen und Hausangestellten nicht weniger aufgespalten und widerspr�chlich als die heutige mit den staatlich Bediensteten, den InhaberInnen von �Normalarbeitsverh�ltnissen�, den ZeitarbeiterInnen, den Scheinselbst�ndigen, etc. (3) Sie unterliegt st�ndigem Wandel, einige ihrer Schichten vergehen, neue entstehen, ... Von daher war der Begriff der ArbeiterInnenklasse damals nicht besser als heute, aber dennoch ist er n�tzlich, um all diejenigen begrifflich zusammenzufassen, welche einer Lohnarbeit nachgehen und ihre Arbeitskraft verkaufen m�ssen, um im Kapitalismus �berleben zu k�nnen, weil sie sich nicht im Besitz von Produktionsmittel befinden und auch �ber keinen anderen Zugang zu Lebensmitteln verf�gen.
Das Dasein als LohnarbeiterInnen bringt nicht automatisch ein sozial-revolution�res Bewu�tsein hervor. So ist die ArbeiterInnenklasse notwendigerweise in ihrem Handeln und Denken, in ihrem gesamten Sein mit den Eierschalen und Muttermalen dieser b�rgerlichen Gesellschaft behaftet, ihr Denken und Handeln ist von den gesellschaftlichen Zw�ngen bestimmt (4). Das vorherrschende ArbeiterInnenbewu�tsein ist notgedrungen ein reformistisches: da die ArbeiterInnen zum jetzigen Zeitpunkt einer Lohnarbeit nachgehen m�ssen, um unter kapitalistischen Verh�ltnissen �berleben zu k�nnen (�stummer Zwang der Verh�ltnisse�). Zu diesen Verh�ltnissen geh�rt auch der Zwang die eigene Arbeitskraft zu einem m�glichst hohen Preis zu verkaufen. (5) Von daher: Gewerkschaften und ArbeiterInnenparteien. Die Geschichte ist aber auch voll von Beispielen, da� sich das ArbeiterInnenbewu�tsein von Zeit zu Zeit revolutioniert und revolutionieren kann (dabei existiert kein Automatismus zwischen dem Verlauf von Krisen und zunehmender Verelendung auf der einen und der Revolutionierung des Bewu�tseins auf der anderen Seite; (6). Dabei ist die Entwicklung des Klassenbewu�tseins ein dialektischer Proze� (7), der sich aus den Komponenten der eigenen Erfahrung, der eigenen (Re-)Aktion und der Reflexion all dessen sowie den gegenseitigen befruchtenden Wechselwirkungen speist. Auf der ArbeiterInnenklasse lastet au�erdem jede Menge b�rgerliche Ideologie und Reaktion in Form von Ideen, Vorurteilen, Weltbildern und Werten (z.B. Antisemitismus, Arbeitsethos, Konkurrenzdenken, Leistungsideologie, Rassismus, Religion, etc.).
Die ArbeiterInnenklasse ist zugleich Produkt und Produzent der gesellschaftlichen Verh�ltnisse; sie ist Produkt des Kapitals, dessen Macht sie in den Betrieben produziert und dessen Teil sie zugleich ist. Marx hat dies in �Lohnarbeit und Kapital� klar analysiert: �Das Kapital setzt also die Lohnarbeit, die Lohnarbeit das Kapital voraus. Sie bedingen sich wechselseitig, sie bringen sich wechselseitig hervor.� Die von den LohnarbeiterInnen produzierte Macht des Kapitals wendet sich gegen sie: sie produzieren zugleich ihre eigene Ohnmacht (8). Ihre Aktivit�t wird in Passivit�t verwandelt, ihre Subjektivit�t in Objektivit�t. Ihre Aktivit�t, ihre Arbeit wendet sich in Form der entfremdeten Lohnarbeit gegen sie selbst. Die LohnarbeiterInnen bestimmen nicht die Bedingungen unter denen die Produktion stattfindet und nicht ihren Zweck: die Befriedigung einiger menschlicher Bed�rfnisse, gewandelt in Konsum, ist dabei ein zuf�lliges Nebenprodukt, geht es doch um die Verwertung, die Realisierung des Werts. Indem die LohnarbeiterInnen Werte produzieren, dienen diese von neuem dazu, ihre Arbeit zu kommandieren und neue Werte zu schaffen. Und dennoch k�nnten die LohnarbeiterInnen die kapitalistische Maschinerie stoppen: Da nur ihr Funktionieren als Teil des Kapitals, als LohnarbeiterInnen, die ihre Arbeitskraft verkaufen und, w�hrend ihre Arbeitskraft verwertet und ihre Gesundheit und ihr Leben entwertet wird, Wert schaffen den Betriebsablauf gew�hrleistet. Insofern hat das Kapital die �Totengr�ber� (Marx) seiner eigenen Ordnung produziert und produziert sie mit jeder neuen Fabrik und jedem neuen B�ro, ob in Indonesien, Mexico oder wo auch immer. Das Verhalten der LohnarbeiterInnen beeinflu�t die Verh�ltnisse und selbst in den gesellschaftlichen Rollen hat jede/r einen gewissen Handlungsspielraum (z.B. mu� niemand Rassist, etc. sein, auch wenn dies gesellschaftlich von Staat und Kapital als Teil der Herrschaft von Ort zu Ort und Zeit zu Zeit forciert und praktiziert wird). Das Lohnarbeits-/ Kapitalverh�ltnis ist ein soziales, ist ein Gewaltverh�ltnis, das zugleich auf Zwang, Aus-/ Einschlu� und Trennung beruht. Es bringt somit notwendigerweise Gewalt und Trennung unter den proletarisierten/ kapitalisierten Menschen hervor: was sich in Mobbing, Rassismus, Sexismus, etc. �u�ert und was allesamt Folgen der allgegenw�rtig herrschenden Konkurrenz sind.
Das Bild der ArbeiterInnenklasse hat(te) oft eher etwas mit einer gewissen Mystik und einer ideologischen Sicht der Klasse zu tun als mit einer Sicht, welche die gesellschaftliche Realit�t ber�cksichtigt. Dies kommt daher, da� die Klasse stets auch das Objekt der Begierden anderer war. �Jede Menge linker Kleinb�rger (von den rechten ganz zu schweigen) haben sich die Arbeiterklasse zurechtgestutzt, wie sie in ihr ideologisches Konstrukt und politisches Konzept pa�te. Ob als heroische 'revolution�re' Klasse, als 'rassistischen Mob' oder als der Erziehung und der Hilfe der Partei bed�rftige Masse. Dabei gehen sie nicht von den wirklich vorhandenen Widerspr�chen aus, sondern konstruieren sich ihr Objekt, ihre Klasse so, da� sie ihrer Vermittlung bedarf und ihre Ideologie legitimieren. So sehen die politischen Gruppen die Klasse als beliebig zu manipulierendes und mobilisierendes politisches Objekt, um dessen Beherrschung sie mit anderen politischen Gruppen und Ideologien (links bis rechts, Gewerkschaften) konkurrieren (...) wollen. F�r sie besteht die Klasse nach 'politischen Kriterien'; w�rden diese Gruppen die Klasse als soziales Subjekt sehen, w�rden sie ihre Existenzberechtigung aufgeben. Von daher ist es im eigensten Interesse (...) aller politischen Avantgardisten die Klasse nach politischen Kriterien als politisches Objekt, das der Vermittlung der Partei bedarf, zu behandeln.
Dabei ist die Arbeiterklasse revolution�rer und reaktion�rer als es die parteioffizi�se Arbeitergeschichtsschreibung darstellt. Die Geschichte der Klassenk�mpfe beweist: Die Arbeiter sind auch ohne revolution�re Avantgarde f�hig zu k�mpfen. Die Arbeiterklasse ist aber nicht eine makellose Klasse, nicht ein monolithischer Block, nicht als ganzes und dauerhaft revolution�re Klasse. Ebenso wie sie nicht der rassistische Mob oder die dumpfe Masse ist, f�r welche die konkurrierenden Eliten sie erkl�ren wollen. Wer die Arbeiterklasse entweder zum kollektiven Helden verkl�rt oder sie verdammt, sitzt den Mythen der kleinb�rgerlichen Linken auf, die entweder von den guten alten Zeiten der Arbeiterbewegung tr�umen oder die Graut�ne zwischen dem eint�nigen Schwarz-Wei�-Wesen der Klasse nicht wahrnehmen. Die einen �berh�hen die Klasse, kennen nur das Kollektiv und nicht die Individuen, aus welcher die Klasse besteht. Die anderen kennen nur eine Masse zusammenhangloser Individuen und sehen nicht die kollektiven Arbeits- und Lebensbedingungen, Erfahrungen und K�mpfe.� (9)
Die ArbeiterInnenklasse ist also keine revolution�re Klasse schlechthin, auch wenn sie ihr Potential als revolution�re Klasse oft genug unter Beweis gestellt hat (1905, 1917, 1921, 1956,1968, etc.): sie hat als Klasse das objektive und subjektive Interesse an einer �berwindung des Kapitalismus und sie hat aufgrund ihrer Stellung im gesellschaftlichen (Re-)Produktionsproze� die M�glichkeit dazu. Hierin unterscheidet sie sich im Vergleich zu allen anderen revolution�ren Ersatz-Subjekten der �revolution�ren� Gr�ppchen der letzten Jahrzehnte wie den Bauern und B�uerinnen, den BefreiungsnationalistInnen, den bewaffneten K�mpferInnen und Stadtguerilleros, den Frauen, den Massen der 3. Welt, dem Prekariat, den StudentInnen, etc. Der Gro�teil dieser Ersatz-Subjekte wurde von diesen Gr�ppchen sobald fallengelassen, wie die in sie projizierten Hoffnungen und Vorstellungen nicht erf�llt wurden. Ebenso haben viele Gruppen das Proletariat fallen lassen und andere nun das Prekariat als potentielles neues revolution�res Subjekt entdeckt. Zum Prekariat haben Gilles Dauve und Karl Nesic treffend geschrieben: �Wir h�ren viel �ber das Auftauchen eines Prekariats. (...) die proletarische Stellung ist von Natur aus prek�r. (...) [Es] gibt es keine Notwendigkeit, einen neuen Begriff zu erfinden, der nur eines der Elemente in Betracht zieht, die das Proletariat ausmachen, und l��t das andere gleichm��ig wichtige Element aus: das Proletariat wertet Kapital auf.� (10)
II. Der Klassenkampf
Wie wir bereits festgestellt haben, ist das vorherrschende ArbeiterInnenbewu�tsein aufgrund der Lebensumst�nde im Kapitalismus notgedrungen ein reformistisches. Der Klassenkampf ist der materielle bzw. praktische Ausflu� dieses Bewu�tseins, dessen institutionalisierte Formen Gewerkschaften und ArbeiterInnenparteien sind. Der Klassenkampf ist weder eine Erfindung der Sozial-Revolution�re noch des Kapitalismus, er ist so alt wie die Klassengesellschaft; er hat viele Formen und existiert nicht nur in Form des proletarischen Klassenkampfes f�r die soziale Revolution, d.h. Der Beherrschten gegen die Herrschenden und die Grundlagen der Herrschaft. Er existiert auch als Kampf der Herrschenden gegen die Beherrschten (z.B. Politik in Krieg und Frieden, Krise und Aufschwung, Einf�hrung neuer Technologie/ Rationalisierung, Senkung des �Lebensstandards�, etc.), als Kampf der Beherrschten untereinander (z.B. zwischen verschiedenen Schichten, Abteilungen, Betrieben, Regionen) oder auch als Kampf der Herrschenden untereinander (z.B. als Konkurrenzkampf zwischen Privat- und Staatskapital oder zwischen weiteren Fraktionen). Er hat zwei Tendenzen: die erste ist diejenige marginale, aus welcher die soziale Revolution erwachsen kann, es ist der solidarische, gegen die Lohnarbeit und ihre Bedingungen gerichtete (hierzu mu� sich der Klassenkampf in einen klassenaufhebenden Kampf verwandeln, in dem es nicht mehr �nur� um bessere Verh�ltnisse und eine bessere LohnarbeiterInnenexistenz geht, sondern um die Aufhebung der kapitalistischen Verh�ltnisse und der elenden Existenz als LohnarbeiterInnen insgesamt); die zweite ist diejenige vorherrschende, die in Form des Kampfes als Teil der Klasse z.B. um mehr Lohn oder um Jobs, also um die Fortexistenz der ArbeiterInnen als ArbeiterInnen gef�hrt wird und dessen vernachl�ssigte Aspekte sich in der Klasse selbst abspielen, als asozialer Konkurrenzkampf der ArbeiterInnen verschiedener Abteilungen, Betrieben, KollegInnen, Regionen, etc. gegeneinander. Der Konkurrenzkampf der ArbeiterInnen gegeneinander �u�ert sich zumeist reaktion�r in Form der Verteidigung der eigenen Situation und Privilegien gegen andere Gruppen und Schichten von ArbeiterInnen: z.B. in Form von Feindschaft gegen KollegInnen, in Form des Rassismus gegen ausl�ndische KollegInnen oder des Regionalismus gegen �Ossis� oder �Wessis� oder gegen andere Belegschaften, Berufsgruppen und Standorte, etc. Diese zweite und vorherrschende (und oftmals institutionalisierte) Tendenz des Klassenkampfs ist notwendig Teil des Kapitalismus: Hier zeigt sich der ArbeiterInnenkampf als Teil des Kapitals, denn es geht nicht um die Aufhebung des Kapital-/Lohnarbeitsverh�ltnisses, sondern um seine Aufrechterhaltung (diese bedeutet immer Trennung und findet immer auf Kosten der ArbeiterInnen selbst statt, egal ob in Krieg oder Frieden, in Krise oder Aufschwung, etc.). Diese Form des ArbeiterInnenkampfes wird gef�hrt um die notwendige Reproduktion der ArbeiterInnenklasse und erh�lt als Antwort des Kapitals die Rationalisierung, Umstrukturierung und verst�rkten Einsatz von kapitalistischer Maschinerie und Technologie, um den Unsicherheits- und Unruhefaktor der LohnarbeiterInnen zu b�ndigen und zu reduzieren.
�In verschiedenen Formen taucht der Klassenkampf auf: am bekanntesten in seiner idealisierten und ideologisierten, von Gewerkschaft oder Partei institutionalisierten und organisierten Form als gewerkschaftlicher oder revolution�rer Kampf. Diese Organisationen w�hnen sich ein Monopol auf den Klassenkampf zu haben und diffamieren andere, als die von ihnen repr�sentierten, Formen des Klassenkampfes als 'anarchistisch', 'individualistisch' oder 'kleinb�rgerlich': Bummeln, Krankfeiern, Sabotage, Vort�uschen von Arbeit, wilde Streiks, ... weil sie der Organisationen, welche meinen f�r den Klassenkampf und seine Organisation zust�ndig zu sein, nicht bed�rfen. Diese verschiedenen Formen verdeutlichen, da� es zweierlei Art von Klassenk�mpfen der Arbeiter gibt: die selbst organisierten K�mpfe der Arbeiter und der institutionalisierte Klassenkampf der Spezialistenorganisationen mit seinen meist berechenbaren Aktionen, die meist mehr politischen als sozialen Charakter haben. Dabei sind die Grenzen zwischen den Formen flie�end: so werden gewerkschaftliche Aktionen oder offizielle Streiks oft von Arbeitern aus ganz anderen Gr�nden unterst�tzt und mitgetragen und mache anfangs 'wilde' erlangen aufgrund des Drucks der Gewerkschaftsbasis Unterst�tzung der Gewerkschaften.
Der Klassenkampf in Form von Lohnforderungen hat eine systemerhaltende Funktion: die Reproduktion der Ware Arbeitskraft wird gesichert (auch wenn das Lohnniveau nicht unbedingt erhalten bleibt), das Kapital zu Rationalisierung und Anwendung und Entwicklung neuer Technik im Interesse einer kosteng�nstigeren Produktion. Der einzelne Kapitalist mag �ber Lohnerh�hungen st�hnen, das Gesamtkapital hat an ihnen zeitweise und unter gewissen Umst�nden durchaus ein Interesse und umgekehrt.
Der Klassenkampf ist als dialektischer Proze� zu sehen: Teile der Klasse sind gezwungen zu k�mpfen, gegen die Bedingungen des �berlebens und der Lohnarbeit; die in diesen K�mpfen gewonnenen Erfahrungen, welche von Teilen der Klasse, darunter sozialrevolution�ren Arbeiterinnen und Arbeitern, reflektiert werden, dienen erneut dazu laufende und sich entwickelnde K�mpfe zu befruchten. Klassenbewu�tsein ist keine metaphysische oder steril-statische Gr��e, sondern materialisiert sich in K�mpfen, entsteht in ihnen und befruchtet diese von neuem, d.h., Klassenk�mpfe sind Ausdruck von Klassenbewu�tsein und bringen zugleich neues hervor. Die K�mpfenden �ndern (zeitweise oder dauerhaft) die Bedingungen, ihre Beziehungen untereinander und zu den Verh�ltnissen und ver�ndern sich gleichzeitig; sie lernen sozusagen w�hrend sie k�mpfen; sie lernen zu gehen, indem sie gehen. Die b�rokratische Organisation raubt diesem Kampf seine Dynamik, seine Energie, Entwicklungsf�higkeit, Sprengkraft und Unberechenbarkeit. Indem die Gewerkschafts- und Parteifetischisten uns den k�nstlichen Gegensatz zwischen Spontaneit�t und Bewu�tsein aufbauen, zerst�ren sie die Kreativit�t der Klasse und begr�nden gleichzeitig ihren Machtanspruch.
Jeder Klassenkampf (auch der von Spezialisten organisierte und �berwachte) beinhaltet zumindest die M�glichkeit aus seinem begrenzten Rahmen in einen alles in Frage stellenden Kampf zu m�nden. So beteiligen sich Kollegen an Streiks, nicht unbedingt, um die Forderungen der Gewerkschaftsb�rokratie zu unterst�tzen, sondern auch um z.B. der Lohnarbeit fern bleiben zu k�nnen oder um im 'Schutz' des offiziellen Streiks ihre eher nicht so offiziellen Bed�rfnisse, Forderungen und Kritik zu artikulieren, wozu sonst vielleicht nicht die M�glichkeit bestehen w�rde. In jedem Streik steckt die M�glichkeit f�r Teile der Streikenden, ihre gemeinsamen Interessen ebenso wie ihre gemeinsame Lage als Lohnarbeiter wahrzunehmen, aber auch ihre eigene St�rke und die der Kollektivit�t zu sp�ren und daraus Mut und Kraft zu sch�pfen. Diese Kollektivit�t bleibt zwar die des Zwangskollektivs, der wahllos zusammengew�rfelten Menschen, die scheinbar interesselos in den Arbeitsst�tten als Kollegen zusammengepfercht sind, deren gemeinsames Interesse im kapitalistischen Betrieb zuallererst der �konomische Zwang ist, einer Lohnarbeit nachgehen zu m�ssen, um �berleben zu k�nnen. Aber in dem Streik steckt mehr: die Kollegen streiken gemeinsam, weil sie dazu gezwungen sind, aber es vereint sie auch dieses gemeinsame Interesse. Dar�ber hinaus f�hren sie alle tagaus und tagein denselben Kampf, ob 'bewu�t' oder 'unbewu�t', ob 'erfolgreicher' und eher auf verlorenem Posten: den Kampf gegen die [Ordnung � R.D.] Lohnarbeit als Menschen, die in ihr, gegen sie und �ber sie hinaus existieren bzw. existieren wollen. Die Arbeiter k�mpfen also nicht, weil sie dazu aufgerufen werden, sondern weil es f�r sie keine andere M�glichkeit gibt. Es sind K�mpfe gegen den Arbeitsrhythmus, gegen die Degradierung zur Maschine, gegen neue und alte Techniken und Normen, gegen Umstrukturierungen und Neuorganisation, f�r Freir�ume und Pausen, ...
Wenn Arbeiter k�mpfen, ihre Erfahrungen machen und daraus lernen, ist es das eine. So manche schmerzliche Erfahrung ist dabei. Diese Art von Kampf ist notwendig, die in ihnen entstehenden Organe und die Formen, die sie annehmen, sind ein Quell neuer Beziehungen und neuer Erfahrungen. Die linken Gruppen hingegen, welche K�mpfe ideologisieren und meinen sie k�nnten kluge Ratschl�ge geben und gewisse Kampfformen als Vorbilder geben, fixieren die Arbeiter auf ausgelutschte, den jeweiligen Organisationsinteressen und fr�heren K�mpfen, aber nicht den Bed�rfnissen des Kampfes entsprechende Formen und Vorbilder (Gr�ndung von Betriebsgruppen, Aktionen, ...). Die lohnabh�ngigen Menschen f�hren K�mpfe nicht weil sie es wollen, sondern weil sie dazu gezwungen sind. Etwas anderes ist es allerdings, wenn dieselben Menschen im Rahmen von K�mpfen organisiert werden � im Wissen um deren Nutz- und Perspektivlosigkeit. Dies bedeutet dann, Illusionen in politische Bewegungen und den Staat zu sch�ren, die beteiligten Menschen zu manipulieren usw. usf.. Diese Gruppen stehen au�erhalb der Betriebe, wissen meist nicht, unter welchen Bedingungen heute gearbeitet, kritisiert und gek�mpft wird und h�ngen klischeehaften und romantischen Vorstellungen �ber den heroischen Kampf einer ihnen fremden Klasse an. Im Kampf der Arbeiter und in ihrer Stellung liegt der Schl�ssel zur L�sung des proletarischen Dilemmas, der Aufhebung der Lohnarbeit. In den K�mpfen der Arbeiter sind Keime einer m�glichen zuk�nftigen sozialen Revolution und menschlichen Gesellschaft vorhanden. An diesen gilt es theoretisch und praktisch anzukn�pfen, nicht sie zu ideologisieren und zum Fetisch zu erkl�ren.� (11)
Wichtig ist auf jeden Fall die Grenzen des gew�hnlichen und gerade des derzeitigen betrieblichen und des Klassenkampfes zu verstehen. Aber auch zu verstehen, da� selbst wenn es noch so ruhig in diesem Land scheint, mehr �l�uft�, als wir uns oft bewu�t sind (und es gab in den letzten zwei, drei Jahren mehr - auch �wilde� - ArbeiterInnenk�mpfe als noch vor einigen Jahren). Was Peter Birke f�r die Jahre nach 1969 schreibt, k�nnte auch auf k�nftige Tage zutreffen: �In der 'Streikwelle' nach 1969 �ffneten die Akteure sozusagen nur ihr Visier, die bereits zuvor vorhandenen sozialen Anspr�che und Forderungen wurden auf den Tisch gelegt und �ffentlich verhandelt.� (12) Derzeit dominieren defensive Abwehrk�mpfe, welche aber auch Perspektiven (?) und Beispiele des Widerstands aufzeigen. So hat z.B. der wilde Streik bei Opel im Sommer 2004 gezeigt, wie sich soziale Organisation im Betrieb im Rahmen eines ArbeiterInnenkampfes entwickelt kann und jede/r seine Aufgabe darin findet und wahrnimmt (13). Nat�rlich haben Klassenkampf und soziale Revolution auch nichts mit der von der Linken oftmals neu entdeckten �sozialen Frage� und ihren diesbez�glichen Kampagnen (z.B. im Fahrwasser der Gewerkschaften) zu tun.
III. Eigene Erfahrungen
Um die widerspr�chlichen Tendenzen in der Klasse, ihre widerspr�chliche Existenz zu verstehen, gibt bereits ein einfacher Streik interessante Einblicke. Oft ist es ein gewerkschaftlicher Streik, in dem allerdings bereits verschiedene Einfl�sse, Tendenzen und Fraktionen sichtbar und wirksam werden. Es ist interessant wie ein Streik oder ein sei es nur ein Warnstreik das Verhalten und das Verh�ltnis der KollegInnen zu- und untereinander ver�ndert. Menschen, die bisher als KollegInnen nebeneinander hergearbeitet, also einfach nur funktioniert haben, beginnen (oft unter Kontrolle der Gewerkschaft) eigene Schritte zu gehen, widerst�ndig zu werden, die Grenzen des in der Arbeitswelt erw�nschten Engagements zu �berschreiten. Der Gegensatz zwischen den KollegInnen auf der einen Seite und der kleinen und gro�en Chefs auf der anderen Seite wird vom Gro�teil deutlich als solcher empfunden und sichtbar. Und auch hier scheint nichts so wie es ist: ein Teil der Belegschaft ist dabei, weil es andere auch sind; ein Teil steht hinter den �blichen �konomistischen Forderungen der Gewerkschaft; doch ein Teil steht dem Treiben kritisch gegen�ber, macht vielleicht mit, um nicht arbeiten zu m�ssen, hat seine Kritik an den lausigen Forderungen und dem Vorgehen der Gewerkschaft, hat eventuell weitergehende Kritik und empfindet Unbehagen gegen�ber der eigenen Statistenrolle, f�r deren Erf�llung (�diszipliniertes Verhalten�) ihm von den Gewerkschaftsoffiziellen gedankt wird, ahnt die faulen Kompromisse. Nach au�en erscheint es als gewerkschaftliche Aktion, in sich hat aber jede/r ihre/seine eigenen Beweggr�nde und wenn andere Tendenzen nicht f�r alle sichtbar werden, dann oft nur aufgrund von Schw�che, Isolation und falscher Bescheidenheit. Aber Unmut �u�ert sich nicht nur �ber die offizielle Gewerkschaftspolitik, �ber die lausigen Prozentforderungen der Gewerkschaft, so da� Forderungen nach �Euroausgleich� oder mehr Urlaub und Freizeit und weitergehende Forderungen die offizielle Gewerkschaftsposition konterkarieren (k�nnen). Nach dem Streik bleibt neben der Gewi�heit selbst und geschlossen handeln zu k�nnen auch die wichtige Erfahrung KollegInnen einmal anders kennengelernt zu haben, Gemeinsamkeiten erkannt und gef�hlt zu haben und �ber den Streik hinaus miteinander auf einer anderen Ebene sprechen zu k�nnen, sich auch f�reinander zu interessieren (z.B. auch �ber Berufsgruppen oder Kategorien wie �Angestellte/r� und �Arbeiter/in� hinweg) ... So kann ein Streik Vorgeschmack sein auf andere Zeiten: Zeiten der Solidarit�t, des gemeinsamen Kampfes, aber auch der Repression von Seiten der kleinen und gro�en Chefs. Bereits in solch einem gewerkschaftlichen Streik stecken weitergehende Tendenzen, verschiedene Motivationen, die Grenze zwischen Objekt und Subjekt wird flie�end (aber nur dort, wo die gewerkschaftliche Dominanz gebrochen wird).
IV. Die klassenlose Gesellschaft hat als Voraussetzung die Selbstaufhebung des Proletariats
Die Geschichte der institutionalisierten ArbeiterInnenbewegung hat eines deutlich gezeigt: Die Befreiung der ArbeiterInnen kann nur das Werk der ArbeiterInnen selbst sein. Denn: �Die Arbeiterbewegung in Form der 'Arbeiterparteien' und der Gewerkschaften waren von Anfang an Organisationen nicht zur Emanzipation des Proletariats von der Lohnarbeit, sondern Organisationen zur Emanzipation des Proletariats zur Lohnarbeit und Integration in die kapitalistische Produktionsweise. Die Arbeiterbewegung war von Anfang an nichts anderes als eine kleinb�rgerliche Reform- und Oppositionsbewegung, welche zeitweise von Arbeitern und Kleinb�rgern unterst�tzt wurde, aus jeweils klassenspezifischen Interessen: beide suchten ihre Integration, ihren Platz. Das Kleinb�rgertum hat ihn gefunden, die Arbeiter nutzten die Arbeiterbewegung, k�mpften mit, ohne oder gegen sie. Im Endeffekt haben die F�hrer der Arbeiterbewegung mittels der Arbeiterbewegung ihre individuelle Befreiung von der Lohnarbeit verwirklicht; dabei konnten sie sich auf die auch in der Arbeiterschaft vorhandene kleinb�rgerliche Ideologie und deren kleinb�rgerlichen Praxis-Ausflu� st�tzen. Sie forderten die Verb�rgerlichung der Arbeiter ein, ihren 'gerechten' Anteil am Reichtum, an der Anerkennung, an politischer Vertretung, an Rechten und Freiheiten. Ein Ausdruck dessen waren die Arbeiterparteien, die Gewerkschaften, die Konsumvereine, die Genossenschaften, etc. Die Arbeiter hatten und haben als Verk�ufer der Ware Arbeitskraft Anteil am kapitalistischen Produktionsproze�, als solche waren sie Verk�ufer und handel(te)n als solche, in Konkurrenz untereinander. Die Arbeiterf�hrer forderten genauso ihren Platz in der Gesellschaft ein wie die Studenten 1968 und sie fanden ihn genauso wie diese. Der Traum von der 'Gegenmacht' ist zum Alptraum des Staatskapitalismus und der Realpolitik geworden; er ist verendet in den Parlamenten, in den Parteien, in den Gewerkschaften, in ihr Gegenteil verkehrt, selbst Teil der materiellen Macht geworden, vom Beginn seiner materiellen Verwirklichung an gewesen.� (14)
Die institutionalisierte ArbeiterInnenbewegung in Form der Gewerkschaften und Parteien hat die Klasse in das System integriert und war gleichzeitig die Institution des vorherrschenden reformistischen ArbeiterInnenbewu�tseins, der Ideologie des �berlebens. Sie hat f�r die ArbeiterInnen als ArbeiterInnen gek�mpft und daf�r gesorgt, da� alle geblieben sind, was sie waren: die ArbeiterInnen ArbeiterInnen, nur da� sie nun auch w�hlen d�rfen, das Recht auf Meinungs- oder Versammlungsfreiheit besitzen ... Die rechtliche Gleichheit sozial Ungleicher ist mit dem Segen der alten ArbeiterInnenbewegung verwirklicht.
Weil das ArbeiterInnendasein nicht etwas an sich Gutes ist, das in die Klassengesellschaft gerettet werden m��te und weil � wie wir weiter oben ausgef�hrt haben � Kapital und Lohnarbeit zwei Seiten eines gesellschaftlichen Verh�ltnisses sind, kann der Kampf f�r die klassenlose Gesellschaft nur sowohl anti-b�rgerlich als auch anti-proletarisch sein, weil es keine proletarische Identit�t zu verwirklichen oder zu verteidigen gibt, sondern allein die menschliche Gemeinschaft. Die Kraft f�r den Kampf gegen den Kapitalismus speist sich aus dem Ha� auf die kapitalistischen Verh�ltnisse, daraus, nicht mehr l�nger nur Arbeiter/in sein zu wollen, d.h. nicht mehr l�nger auf das ArbeiterInnendasein reduziert zu sein. Der Ha� auf die kapitalistischen Verh�ltnisse speist sich aus der Ablehnung der tagt�glichen Erniedrigung und Reduzierung und aus der Ablehnung der tagt�glichen Dem�tigung und Vergewaltigung der Menschen, welche die Despotie der Lohnarbeit und ihre Folgen f�r die Mehrzahl der Menschen bedeutet. Das tagt�gliche Gewaltverh�ltnis der Lohnarbeit l��t den Wunsch entstehen, �alle Verh�ltnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein ver�chtliches Wesen� ( Karl Marx) ist. (15) Die ArbeiterInnen k�nnen nicht die �politische Macht� �bernehmen, sondern m�ssen sie zerschlagen, um nicht l�nger ArbeiterInnen � und sei es in einem �Arbeiterstaat� -bleiben zu m�ssen. (16) Da die soziale Revolution schlie�lich, wie die Bezeichnung schon sagt, eine s o z i a l e R e v o l u t i o n ist, kann ihr Ziel deshalb auch nicht in der Ergreifung der politischen Macht, sondern einzig und allein nur in ihrer v�lligen Zerst�rung liegen. U. a. die russische Erfahrung von 1917ff. (17) und die spanische von 1936ff. haben uns dies gelehrt.
Die soziale Revolution besteht nicht im Sieg der ArbeiterInnenklasse �ber das Kapital, sondern in der Selbstaufhebung des Proletariats und der Aufhebung aller Klassen. Von daher gibt es keine �Diktatur des Proletariats� zu verwirklichen und keinen �Arbeiterstaat� aufzubauen. Mit dem Klassenkampf werden gleichzeitig die gesellschaftlichen Verh�ltnisse �berwunden, welche ihn immer wieder aufs neue hervorgebracht haben. Diese Aufgabe kann dem Proletariat keine/r abnehmen und es gibt keine Abk�rzungen zur sozialen Revolution.
Die ArbeiterInnenklasse war und ist stets beides: potentielles revolution�res Subjekt und Humankapital. Zum einen mu�(te) es sich und seine Arbeitskraft stets verkaufen, um �berleben zu k�nnen. Zum anderen mu�(te) es sich aber stets selbst behaupten, um nicht unterzugehen und sich g�nzlich im Kapital und seiner Funktion zu verlieren. Das �berleben im Kapitalismus ist stets verbunden mit einem Ringen um Menschlichkeit und Menschsein, einem Kampf gegen die Lohnarbeit, gegen die eigene Reduktion auf eine �konomische Funktion des Kapitals und eggen die Negation des Menschseins. An diesem jahrhundertealten Kampf kn�pfen wir mit unseren heutigen K�mpfen an.
Was bedeutet all das f�r Sozialrevolution�re? Sozialrevolution�re ArbeiterInnen sollten ihre eigene Rolle weder �ber- noch untersch�tzen. Weder intervenieren sie in K�mpfe (�intervenieren� tun politische Gruppen, die in f�r sie fremdes Terrain vorsto�en) noch d�rfen sie sich mit einem reinen Beobachterstatus zufriedengeben: sozialrevolution�re ArbeiterInnen k�mpfen als Teil der Klasse. Aufgabe von Sozialrevolution�rInnen sollte es sein, Selbstorganisierungs-, Selbstverst�ndigungs- und Bewu�twerdungsprozesse von LohnarbeiterInnen zu unterst�tzen und die oft vorherrschende Isolation und Resignation zu bek�mpfen (und sei es durch Dokumentationen von ArbeiterInnenk�mpfen, Unterst�tzung von au�ergewerkschaftlichen und �berbetrieblichen Netzwerken, Unterst�tzung von k�mpfenden KollegInnen, etc.) zu organisieren, Diskussionen wie diese zu f�hren, etc. und nat�rlich als sozialrevolution�re LohnarbeiterInnen im Betrieb zu wirken (wobei die Wirkungsm�glichkeiten wie �berall von den Kr�fteverh�ltnissen abh�ngen und niemand �M�rtyrer� braucht). Dabei mu� die Selbstt�tigkeit der Menschen stets im Mittelpunkt stehen, soll der Kampf nicht als Farce oder Alptraum enden. Die ArbeiterInnen produzieren die Macht, sie k�nnen und m�ssen sie vernichten, wenn sie ihr �berleben beenden wollen. Das kann ihnen keine/r abnehmen. �Kommunisten organisieren sich, d. h. sie organisieren sich selbst: sie organisieren nicht andere. Richtig auf den Punkt bringen es die Ausf�hrungen von Dauve und Nesic: �Eine der schlimmsten Illusionen ist der Glaube, da� alle Bedingungen f�r eine Revolution vorhanden sein w�rden, alle, au�er einer: der Organisation ... oder den Informationen, die notwendig f�r die Proletarier sind, um sich selbst zu organisieren. Wenn die Renault-Arbeiter weiter arbeiten, w�hrend die Peugeot-Arbeiter streiken, geschieht dies nicht, weil sie nicht wissen, was in den Peugeot-Fabriken vor sich geht, sondern weil der Peugeot-Konflikt innerhalb der Grenzen eines 'Arbeitskampfes' bleibt und weil er nicht etwas ins Spiel bringt, was f�r beide Unternehmen und was vielen anderen gemeinsam ist, etwas, das die Renault-Arbeiter dr�ngen w�rde ebenfalls ihre Werkzeuge niederzulegen. Die Verbreitung von Informationen ist notwendig: es ist nicht eine Bedingung des Kampfes oder seiner Ausdehnung. Sogar in einem solchen unangreifbaren Platz wie einem Gef�ngnis, l��t jeder konsequente Streik oder Aufstand Kommunikationskan�le entstehen und verbreitet sich von einem Gef�ngnis zum anderen. Dennoch glaubt der Propagandist immer, da� er die Arbeiter anregt, indem er sie mit den unentbehrlichen Gegen-Informationen versorgt.� (18) Dabei ist klar, da� unsere Theorie nur Widerspiegelung und Verallgemeinerung der Praxis der bestehenden und vergangenen K�mpfe sein kann, aber anderen sozialrevolution�ren Arbeiterinnen und Arbeiter keinen Leitfaden f�r ihr eigenes Handeln an die Hand geben oder Parolen vorgeben kann. Konkrete Fragen, Probleme und Situationen erfordern konkrete Antworten, L�sungen und Organe des Kampfes (z.B. R�te), die nur von den betroffenen konkreten Menschen und KollegInnen gefunden werden k�nnen und m�ssen. Dabei k�nnen und sozialrevolution�re ArbeiterInnen f�r mehr theoretische Klarheit sorgen.
Die soziale Revolution ist zwar unter den heutigen gesellschaftlichen Verh�ltnissen subjektive und objektive Notwendigkeit, sie besitzt allerdings keine Zwangsl�ufigkeit oder einer Gesetzm��igkeit, sondern stellt eine M�glichkeit unter vielen neben der kapitalistischen Barbarei dar. Nat�rlich sind wir heute noch von der sozialen Revolution weit entfernt, das Niveau des Klassenkampfes ist niedrig und oftmals herrschen Angst, Bescheidenheit und Illusionen ebenso vor wie Frustration, Isolation und Resignation, aber es gibt auch schwache Ans�tze einer gewissen Neuorientierung und �Radikalisierung� von Teilen der ArbeiterInnenklasse. Ausdruck von all dem sind die wachsende Zahl an Arbeitsk�mpfen in den letzten Jahren und z.B. Streiks wie bei Opel, Gate Gourmet oder bei BSH, aber ebenso die allgemeine Stimmungslage und Unzufriedenheit im Land und in den Betrieben. Die Wahlergebnise f�r Die Linke in Bremen oder die WASG sind auch ein Indiz f�r eine � da geben wir uns keinen Illusionen hin und wissen um die Widerspr�chlichkeit - sicher gem��igte �Radikalisierung�. Auch solche Diskussionen, Projekte wie Aufheben und die beteiligten Gruppen und Diskussionszirkel, die es vor einigen Jahren so nicht gab, sind ein Indiz f�r eine gewisse �Radikalisierung�.
An die Stelle der Praxis und Theorie der alten ArbeiterInnenbewegung, ihrer Patentrezepte, Ideologie und Politik mu� ein materialistisches Verst�ndnis der eigenen Situation und der gesellschaftlichen Verh�ltnisse sowie ein leidenschaftliches Interesse am Kommunismus treten. Im Mittelpunkt der Orientierung sozialrevolution�rer Arbeiterinnen und Arbeiter m�ssen die Selbstt�tigkeit der Klasse sowie die Bed�rfnisse, Sehns�chte und Tr�ume der einzelnen Menschen stehen, welche zusammen die Klasse bilden. Nicht die Einsicht in irgendeine nicht existente geschichtliche Notwendigkeit oder historische Mission, sondern die Einsicht in die eigene Lage und das brennende, leidenschaftliche Interesse am Kommunismus, am Leben, das Schlu� macht mit dem �konomisch verwerteten, im Zustand des �berlebens existierenden Daseins, kann die Triebfeder f�r eine m�gliche soziale Revolution und eine kommunistische Gesellschaft sein.
Red Devil, August-September 2007
www.geocities.com/raetekommunismus www.geocities.com/revolutiontimes
Fu�noten
(1) in Edward P. Thompson in , �Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse�, 1987, S. 963
(2) in Karl Marx, �Lohnarbeit und Kapital�, S. 39
(3) Derzeit dominiert das Trennende in den Arbeitsk�mpfen und es gibt einige privilegierte Schichten, die f�r sich im Gegensatz zum Rest der Belegschaften �Erfolge� sichern k�nnen und die Vielseitigkeit der Klasse widerspiegeln: z.B. IT-Kr�fte, Klinik�rztInnen, Lokf�hrerInnen oder PilotInnen.
(4) zu den notwendigerweise mit dem Leben im Kapitalismus und der Kapitalisierung unserer Leben verbundenen Folgen siehe u.a. auch den Beitrag �Kapitalisierung unserer Leben� in Red Devil, �Widerworte. Gegen die kapitalistische Verfa�theit der Gesellschaft (2006-2007)�, 2007.
(5) Auch wir arbeiten lieber weniger f�r mehr Geld, wenn wir denn schon einer Lohnarbeit nachgehen und Geld f�r unser �berleben unter kapitalistischen Verh�ltnissen verdienen m�ssen. Aus einem Kampf f�r Lohnerh�hungen und bessere Arbeitsbedingungen, also aus einem systemimmanenten und zumeist gewerkschaftlich institutionalisierten Kampf, dann aber eine revolution�re Perspektive zu machen, sich hiermit zufrieden zu geben oder wie es der Anarchosyndikalismus macht, das ganze zu einem revolution�ren Kampf zu erkl�ren und dies dann zu institutionalisieren, ist etwas v�llig anderes. �Die Organisationsform und die Praxis der Gewerkschaft war nie, ist nicht und kann nie 'revolution�r' sein, egal wie sehr es ihre Gr�nder und Mitglieder auch wollen m�gen. Gewerkschaften haben sich immer um den Verkauf der Ware Arbeitskraft gek�mmert. Daran ist nichts 'revolution�r', es ist eine systemimmanente und systemerhaltende Funktion. Die Anarchosyndikalisten der FAU wollen (...) einen Ersatz f�r die Gewerkschaften; sie wollen ihre einstigen positiven Z�ge verbinden, die negativen jedoch ausklammern, kurz: sie wollen eine Organisation schaffen, welche eine Gewerkschaft w�re � ohne 'wirklich' eine zu sein � und trotzdem eine bliebe. Es regiert das Prinzip, die Geschichtlichkeit der Gewerkschaftsbewegung wird ignoriert, ihre Wirklichkeit ausgeklammert. (...) Auch die 'revolution�re' Gewerkschaft bleibt eine Gewerkschaft wie auch die 'revolution�re' Partei eine Partei bleibt. Die Form bedingt in diesem Fall den Inhalt und die Funktionsweise. Der Emanzipation der Arbeiter stehen alle b�rgerlichen Organisationen entgegen, auch die Gewerkschaften.� in Red Devil, �Zur Kritik der Arbeiterbewegung, des Marxismus und der Linken�, 2004, S. 59-62
(6) siehe hierzu u.a. die in der Bibliothek des Widerstandes erschienenen Brosch�ren; die Geschichte ist voll von Beispielen, in denen das Proletariat von �bewu�ten� Avantgarden und ihrer Politik ausgebremst wurde. Die Geschichte ist voll von Beispielen, in den das Proletariat ohne k�nstliche F�hrer gek�mpft hat und sich selbst eigene Organe seines Kampfes gegeben hat: R�te, Streikkomitees, ... ob in 1905, 1917, 1921, 1953, 1956, 1968 ...
(7) siehe hierzu unsere bereits in Aufheben # 1 gemachten Ausf�hrungen, die hier noch einmal angef�hrt sein sollen: �Die eigenst�ndige Aktivit�t der Klasse ist dabei nicht ein Produkt einer wie auch immer gearteten 'Spontaneit�tstheorie', sondern Ergebnis und Antwort auf sich konkret stellende Fragen und Probleme. Theorie und Praxis lassen sich nicht schematisch gegen�berstellen. Beide leben voneinander, bedingen einander. Theorie ist reflektierte Praxis (R�te gab es bevor jemand �berhaupt die Forderung 'Alle Macht den R�ten!' aufstellen konnte!) und kann erneut befruchtend auf diese wirken und umgekehrt. ArbeiterInnen haben stets gek�mpft; der Alltag der kapitalistischen Lohnarbeit sowie der Existenz als Lohnarbeiter/in bringt K�mpfe hervor. Dabei hat die Selbstorganisation der ArbeiterInnen f�r uns einen hohen Stellenwert: die ArbeiterInnen k�nnen sich nur selbst befreien, indem sie eigenst�ndig handeln und denken, statt auf 'Patentrezepte' zur�ckzugreifen, welche sie zu Statisten/innen degradieren bzw. in dieser Rolle belassen. In unserer o. g. Brosch�re haben wir u. a. zum Verh�ltnis von Theorie und Praxis ausgef�hrt: 'Sicher entwickeln Lohnarbeiter eine solche Perspektive [gemeint ist eine sozialrevolution�re Perspektive � R.D.] nicht wie Angeh�rige der Intelligenz: sie haben gar nicht die Zeit und die M�glichkeiten dazu. Andererseits gibt es aber unz�hlige Beispiele, da� Lohnarbeiter eine solche Perspektive entwickelt haben: nicht im jahrelangen theoretischen Studium irgendwelcher 'Klassiker', sondern aufgrund eigener und kollektiver Erfahrungen und Diskussionen. Bei der Entwicklung einer solchen Perspektive ist der Einflu� kommunistischer Ideen und Literatur sicherlich nicht zu leugnen, dennoch stellt sich dieser Einflu� anders dar als es einige 'Revolution�re' meinen und ihre eigene Rolle �bersch�tzen. Sie verstehen nicht, da� Klassenbewu�tsein kein fester Zustand und kein vermittelbares Wissenskompendium ist [schlie�lich war auch die B�rokratie in Partei und Gewerkschaft dazu f�hig aufgrund ihrer eigenen sozialen Lage ein eigenes Bewu�tsein ihrer Klasseninteressen herauszubilden, das sie nicht nur in Kronstadt oder in Ungarn verteidigte und dies bis heute in Kuba oder den Gewerkschaften verteidigt � R.D.], sondern sich mit den eigenen Erfahrungen � nicht nur gradlinig und stets vorw�rtsschreitend � entwickelt, d. h. sich in den kleinen und gro�en allt�glichen K�mpfen entwickelt und sich beide (Kampf und Bewu�tsein) gegenseitig befruchten und auseinander Kraft und Kreativit�t sch�pfen.'� in Red Devil, �Auf dass wir das irdische Jammertal des Kapitalismus beenden und diese Verh�ltnisse, die der Illusion bed�rfen, beseitigen�, in Aufheben # 1, 2007, S. 25 Es steckt oftmals auch in �unbewu�tem� Verhalten mehr Bewu�tsein als in angeblich �bewu�tem� Verhalten: siehe hierzu u.a. unsere Ausf�hrungen in Aufheben # 1 zu den englischen Riots im Toxteth der 1980er Jahre, als Jugendliche ihre Kritik an der von linken PolitikerInnen geforderten Sozialpolitik knallhart auf den Punkt brachten: �Gr��ere K�fige, l�ngere Ketten!�.
(8) siehe hierzu Karl Marx' anregende Ausf�hrungen �ber die entfremdete Arbeit in seinen �konomisch-philosophischen Manuskripten von 1844, in MEW, Erg�nzungsband, Erster Teil, S. 510-522
(9) in Red Devil, �Zur Kritik der Arbeiterbewegung ...�, S. 6
(10) in Red Devil (Hg.), �Worum geht es? Fragen an die Genossen vom Kollektiv Troploin (Gilles Dauve, Karl Nesic)�, 2007, S. 40
(11) in Red Devil, Zur Kritik der Arbeiterbewegung ...�, S. 7-9
(12) in Bernd Gehrke/ Gerd-Rainer Horn (Hg.), �1968 und die Arbeiter. Studien zum 'proletarischen Mai' in Europa�, 2007, S. 58
(13) siehe hierzu Wildcat Nr. 73, S. 6-9; au�erdem von Interesse sind die Streiks bei Gate Gourmet und bei Bosch-Siemens-Hausger�tetechnik und die hier�ber erschienenen B�cher und Brosch�ren.
(14) in Red Devil, �Zur Kritik der Arbeiterbewegung...�, S. 11; diese Beispiele zeigen wie viele andere (z.B. auch die Politik der �revolution�ren� Parteien und Gewerkschaften), da� es keine Abk�rzungen zur sozialen Revolution und zur klassenlosen Gesellschaft gibt.
(15) in Karl Marx, Kritik des Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1, S. 385
(16) vergleiche hierzu Karl Marx' 1844er Artikel �Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preu�en� (MEW, Bd. 1, S. 392-409), wo es u.a. hei�t: �Wo es politische Parteien gibt, findet jede den Grund eines jeden �bels darin, da� statt ihrer ihr Widerpart sich am Staatsruder befindet. Selbst die radikalen und revolution�ren Politiker suchen den Grund des �bels nicht im Wesen des Staates, sondern in einer bestimmten Staatsform, an deren Stelle sie eine andere Staatsform setzen wollen.�
(17) Zur russischen Revolution von 1917 und zur Rolle der Bolschewiki sei auf den Text der Unabh�ngigen R�tekommunisten, "Der b�rgerliche Charkter des Bolschewismus" hingewiesen, der auf der Seite von �Leftwing communism � an infantile disorder?� http://www.left-dis.nl zu finden ist. Gleichzeitig zeigt Maurice Brintons �Die Bolschewiki und die Arbeiterkontrolle. Der Staat und die Konterrevolution� die konterrevolution�re Rolle der Bolschewiki bei der Zerst�rung der R�te ab 1917 auf. Sein Buch �Paris Mai 1968� sowie Rene Vientes �W�tende und Situationisten in der Bewegung der Besetzungen� zeigen wieviel Kreativit�t die ArbeiterInnenklasse in ihren K�mpfen zu zeigen vermag.
(18) in Red Devil (Hg.), �Worum geht es? ...�, S. 21f.