Landeskunde
� Brief von Johannes Wolfram von G�dde (Vexpo-Bericht)
� Milione (Vexpo-Bericht)
� Cum licentia superiorum (Vexpo-Bericht)
� �l f�r Chinopiens Lampen (Vexpo-Bericht)
� Landratspalast in Hegang am Xeixei-Flu� (Expeditionsbericht)
� Beihai (Expeditionsbericht)
� Das Rotwolkenkloster von Heigushan bei Godwana (Expeditionsbericht)
� Der Stadttempel von Xining (Expeditionsbericht)
� Aelred von Nanchang (Expeditionsbericht)
� Aus dem Feldtagebuch des Gemeinen Xiai Lungbai, des sp�teren Kaisers Leng Xi (Expeditionsbericht)
Brief von Johannes Wolfram von G�dde
Im Jahre 1796 reiste der ratelonische Dichter Johannes Wolfram von G�dde durch das Chinopische Reich. W�hrend seines Aufenthaltes verfasste er zahlreiche Briefe an seine Frau Josephine, in denen er ihr von seinen Erlebnissen und seinen Gedanken berichtete, beispielsweise von seinem Aufenthalt im Gosharischen Godwana:
25.07.1796
Teuerste Josephine,
je mehr ich vom Leben in diesem Lande verstehe, desto mehr offenbart sich mir, dass nicht die Stunde, nicht die Minute das Ma� der Zeit ist. Es ist vielmehr, Ihr m�gt mich korrigieren wenn ich irre, die Vortrefflichkeit des Moments, die dem Leben den s��en Geschmack des Gl�cks verleiht. Dieser l�sst vergessen, dass die Zeit nur existiert, um zu vergehen, so wie alles Vortreffliche verg�nglich ist.
Seit zwei Tagen bin ich im F�rstentum der Goshark H�hen. Ein karges, scheinbar tristes Bergland, dass hinter den steinernen Fassaden grauen Felses jedoch eine beachtliche Kultur verbirgt. Die Menschen in diesem Teil des Reiches sind sehr religi�s und spirituell. �berall trifft man M�nche an, die es Ihrem Glaubensstifter Buddha gleich tun und mit kahlgeschorenem Kopfe und in rote Gew�nder geh�llt durch die Gebirge pilgern, auf der Suche nach dem wahren Wesen des Seins und dem eigenen Ich.
Ich f�hle mich �berflutet von einer gro�en Welle aus Spiritualit�t und Wohlgef�hl, von einem Strom der �bereinstimmung getragen gleite ich ruhig, und bin mein ganzes Leben beruhigt, geh�llt in einen Mantel aus Freiheit. Jenes Empfinden treibt das Schwungrad an, das, verborgen in meinem Innern, die eigene Geistigkeit so angenehm freisetzt. Dies ist der Moment, in dem Gedanken ohne mein Zutun zu wachsen scheinen, in dem alles andere klein scheint, weil das Denken so gro� ist, dass man seine Worte kaum mehr in der Seele behalten kann. Befreit kann ich aufsteigen zu mir selbst und lerne unterscheiden, was mir eigen und was mir fremd ist: Der Mensch ist nichts als sein Werk. Er braucht nichts, das ihn repr�sentiert oder dem Anderen imponiert. Er braucht einzig und allein das innere Wohlgef�hl.
Am gestrigen Tag hatte ich die Ehre, Seine Heiligkeit den 15. Shamarpa kennen zu lernen, einen jungen Mann, der eine Wiedergeburt des Kirchenbegr�nders Lama Khyenpa zu sein scheint. Ja, liebste Josephine, Ihr lest richtig, die Menschen in diesem Landstrich glauben wie viele andere des Gelben Reiches an die Wiedergeburt der unsterblichen Seele in einem anderen K�rper. Ihre Religion gleicht einer Philosophie, in der das Gute den Mittelpunkt des Lebens bildet und jeder sein Schicksal selbst in den H�nden h�lt. Ich habe lange mit Seiner Heiligkeit gesprochen, und glaubt mir, werte Josephine, seine Lehre berauschte mich regelrecht. Sie ist so einfach, und doch scheint sie der beste Weg, mit sich und den Menschen in Frieden zu leben. Ich werde Dir von den Ausf�hrungen des Shamarpa en detail berichten, solbald ich wieder im fernen Ratelon bin. Sie haben mich zutiefst bewegt! Nichts ist mir nunmehr von imposanterer Bedeutung, als ein Mensch zu sein. Ein Mensch, dessen Auge die Welt mit einem neuen Blicke sieht. Dies, geliebte Josephine, ist der Ursprung meiner Sehnsucht nach dem Sublimeren, dem anderen Dasein und dem Streben nach einer h�heren Natur des Erlebens. In ebenjener Vortrefflichkeit des Seins empfinde ich pures Lebensgl�ck.
Milione
In der zweiten H�lfte des 13. Jahrhunderts bereiste der lusitanische Entdecker Marco Polius den Norden der Welt, um nach neuen Handelspartner f�r seine Heimat zu suchen. Unter anderem erkundete er auch Ostanien, dass er in seinen Aufzeichnungen "Milione" wiefolgt beschreibt:
"Es war das Fr�hjahr im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1279, als ich den Osten Chinopiens erreichte, in dem sich das Land in gro�en Steppen �ffnet. Mir ward, als wolle die Weite der Ebene, die sich vor mir auftat, nicht enden.
Der K�nig, der diesen Theil des Landes regiert, nennt sich selbst Dshenges Khan. Er ist ein hochgewachsener Mann, dessen fester Blick das Mark in den Knochen manches lusitanischen Ritters h�tte erfrieren lassen. Er und seine Kumpanei an wackeren Recken tragen stets R�stung aus Leder und Eisen, als bef�nden sie sich allzeit im Kampfe. So besitzt Dshengis Khan auch keine Feste, er lebt in einem runden Zelt, wie unsere Edelm�nner es aus dem Kampfe kennen.
Seine Kumpanei besteht aus stolzen Reitern, die ihr Handwerk verstehen. Sie schie�en den Bogen im vollen Galopp und suchen Deckung, indem sie sich an die Seite des Pferdes hinablassen, ohne eben dieses langsamer laufen zu lassen. Oh k�nnte unser Reich auf eine solche Kavallerie bauen, wir w�ren im Felde unschlagbar.
Die Menschen in diesem Lande leben in enger Bindung mit ihrem Vieh. Das Pferd ist f�r sie nicht nur Arbeits- und Reittier, es ist ein steter Begleiter, den es zu umsorgen gilt. Dies ist gewiss der Grund f�r ihre beachtliche Reitkunst: Pferd und Reiter sind einander wie Br�der.
Nichts, kein Heer ger�steter Soldaten, noch w�tende Berserker scheinen dieses Volk aufhalten zu k�nnen, wenn es Anspruch auf ein ihm nicht eigenes Gebiet erkl�rt. Wie gut es ist, von sch�tzender See umgeben zu sein, die diese Krieger fern von unserem Reiche h�lt.
Die B�rte, die sie tragen, und ihre kahlgeschorenen H�upter, aber auch die F�lle, die sie barbarengleich �ber ihre Schultern und an ihren M�tzen tragen, lassen sie noch f�rchterlicher scheinen, als sie wahrhaftig sind.
Ihre Weiber hingegen sind gar von gro�em Anmut, das Haar lang und schwarz, die Haut gebr�unt und Augen, die die Form einer Mandel beschreiben. Sie bereiten den M�nnern kr�ftige Speisen, die den deftigen Eint�pfen des lusitanischen S�dens �hneln, doch sch�rfer gew�rzt sind. Ihr heidnischer Glaube ist einfach, beschw�ren sie doch Geister, die sie in B�umen und in Steinen zu finden glauben. Ihre Priester, Scamanis genannt, bet�uben sich mit fremden Pilzen und tanzen, bis sie in einen Zustand halb wach halb im Schlafe geraten, in dem die G�tzen ihnen erscheinen. Sie lesen die Zukunft in geworfenen Knochen und, m�ge der Herr ihnen verzeihen, trinken das Blut ihrer Feinde.
Die Felle der Tiere, die sie in den weiten Steppen jagen, sind von feinster Qualit�t. M�ge die Jungfrau mir beistehen und sie zu einem Handel bringen."
Cum licentia superiorum
P. Johann Nepomuk Zawadil Societatis Jesu: Descriptio Crocei Imperii. Wahrhafftige Beschreibung des Gelben Reichs. Cum licentia superiorum gedruckt zu L�deritz 1728. Cap. III:
Die Provinz KHIEN-LUNG.
"In der Mitte dieses gro�en und weitl�uffigen Landes liegt die Provintz KHIEN-LUNG, darinnen auch die Hauptstadt gleichen Namens, und der Hof des Chinopischen Kaysers sich befinden. Genannte Provintz wird durchflossen von dem HUNG-SHWEI, dem TCHEN-KENG und dem SANG-IEH, welche insgesamt gen Mittag flie�en. Gen Mitternacht erheben sich einige Berge m��iger H�he, die aber nicht felsigt, sondern gerade so wie die Ebenen vermittelst kunstreich gemachter Stuffen zum Ackerbau tauglich sind. In dieser Provintz z�hlet man zwei tausend und vierhundert mit Mauern und W�llen umgebene St�dte, welche in zwo Classen eingetheilt werden, nehmlich in Civil und Milit�r St�dte, und sind selbe also volkreich, da� die freil�ndischen Expeditionen, als sie dahin kamen, sich h�chlichst verwunderten, und fragten: ob etwan die Weiber hier auf einmahl 12 Kinder h�tten? Eine jegliche Stadt ist im Viereck erbauet, und schauen alle H�user darin gen Mittag; die Stra�en aber sind gerade und gleichm��ig. Alle Chinopier sind den Treppen und Steigen feind, daher halten sie sich in den unteren Zimmern auf, und haben keine Fenster auf die Stra�en hinaus. Die f�rnehmste Stadt des gantzen Chinopischen Imperiums ist die Kayserliche Residentz KHIEN-LUNG. Selbe ist �ber alle Maa�en gro� und pr�chtig und brauchet man, ihre Mauern zu umschreiten, bei zw�lf Stunden. Inmitten dieser Stadt liegt der Palast ihres Monarchen, welcher aber von keinem, so nicht mit Documenten hiezu befugt ist, betretten werden darf. Ringsum sind die Pal�ste der Printzen, deren Zahl auf neun begrentzt ist, und der �brigen Edlen. Die Chinopier glauben, es sey kein solcher Kayser wie der Ihrige in der Welt, und es k�nne kein F�rst seyn, der nicht den Titel von ihrem Kayser erhalten habe. Selbiger �bet seine Macht durch neun Minister und deren �mter aus, worunter das H�chste welches LIPOU heisset eine Gattung von Parlament ist. Die �brigen ordnen Finantz-Wesen, Religion, Criminalprozesse und andere vorfallende Dinge. Der Kayser hat 15 Weiber, darunter 3 die vornehmsten, wovon die oberste CHIM-FI genennet wird, das ist die vollkommene K�nigin, die anderen beyde aber TUM-FI und SI-FI, das ist, die morgen- und abendl�ndische K�nigin. Unter den Kindern dieser 15 K�niginnen wird kein Unterschied gemacht, und derjenige succediert dem Vater, welchen derselbe darzu erwehlen will. Die Einwohner der Provintz KHIEN-LUNG loben ihre Regierung als eine weise und wohl geordnete, und ist solches Urteil auch begr�ndet, dieweil das Land allenthalben in Wohlstand, ja in �berflu� sich befindet, und Frieden und Sicherheit herrschen."
�l f�r Chinopiens Lampen
Carl Emil Borkenschroth: Erlebnisse eines Handelsmannes an fernen Gestaden. XXXstadt 1883. Aus Kapitel 7: �l f�r Chinopiens Lampen.
Der 14. April war ein strahlender Tag, und unser stolzer Dampfer �Wotan� konnte endlich im Hafen von Tsingtao einlaufen. Die Forts, welche hier die M�ndung des Min-Flusses bewachen, k�nnen wohl kein modernes Kanonenboot mehr schrecken, doch malerisch sind sie allemal: Denkm�ler der einstmals furchtgebietenden Macht der chinopischen Kaiser, die sich heute dennoch bequemen m�ssen, dem Fortschritt ihre vermoderten Tore zu �ffnen. Als wir anlegten, war bereits unser Konsul, Herr v. Wehregg, zugegen, um uns, soweit m�glich, die m�hseligen Einreiseprozeduren zu verk�rzen.
Als dies gl�cklich erledigt war, begab ich mich in einer Rikscha zum Hotel. Die Stra�en der Stadt zeigten ein eigent�mliches Gemisch von Altem und Neuem: neben stattlichen Steinh�usern und Handelskontoren die Wohnh�fe der zahlreichen Familien, da und dort bereits Gaskandelaber, noch h�ufiger aber die buntbemalten Ehrentore f�r tugendhafte Beamte und Witwen. Obwohl das Gedr�nge unbeschreiblich war, erreichte ich nach kurzer Zeit das �Excelsior�, einen geschmacklos �berladenen Kasten, den ein neureicher Chinopier erst vor zwei Jahren er�ffnet hatte; es hei�t, er habe sein Geld in Opium gemacht ...
Hier erwartete mich auch Herr Hua, mein vom Konsul ausgew�hlter Dolmetscher und Reisebegleiter, der mir vom ersten Augenblick an gefiel: er hatte die Wendigkeit und Geistesschnelle, wof�r die Tsingtaoer ber�hmt sind, freilich ohne die Verschlagenheit, die man an ihnen sonst ebenso kennt.
Mit ihm nahm ich am n�chsten Tage eine Dschunke, auf welcher wir den Min hinauffuhren, vorbei an Kanton mit seinen nagelneuen Zement�fen, vorbei aber auch an zahllosen Reisfeldern, Maulbeerplantagen und Bauernd�rfern. Die zun�chst ebene und liebliche Landschaft ver�nderte sich , als wir nach Zunyi in den Xun-Flu� einbogen. Das zuvor so �ppige Gr�n wurde sp�rlicher, die Reispflanzungen wichen Hirse- und Sorghumfeldern, immer n�her r�ckten die schroffen Felsenberge dem Flu�lauf. Noch einmal weitete sich das Tal bei der gro�en Stadt Gangyuan, die wir indes wegen einer Epidemie nicht betreten durften.
Nach recht m�hseliger Fahrt und f�nf N�chten an Bord kamen wir endlich in Changchun an, einem verschlafenen St�dtchen, das gleichwohl seine zehntausend Einwohner z�hlte. Hier waren wir nun ganz im chinopischen Lande, wie es sich wohl seit Jahrhunderten darbot: H�user aus Lehmziegeln und Holz hinter fensterlosen Mauern, die D�cher mit grauen Ziegeln gedeckt; nur hier und da verrieten farbig glasierte D�cher oder groteske Figuren auf den Firsten die Wohnungen der Reichen und die Tempel der G�tter. Auf den Stra�en herrschte buntes Treiben: Bauern und H�ndler mit ihrer Ware, Bettelm�nche eines buddhistischen Klosters in ihren grauen Roben, Gaukler, Wahrsager und Geschichtenerz�hler; dann und wann die S�nfte einer wohlhabenden Dame oder gar eines Beamten mit Eskorte.
Mein F�hrer hatte hier nicht viel zu fragen, um das Amtsgeb�ude des Kreismandarins ausfindig zu machen: unweit des Stadttempels erhob es sich auf einer imposanten Steinterrasse, mit roten S�ulen und gelben D�chern, imposante Tafeln an den Toren. Hier residierte also derjenige, von dem f�r mich hier alles abhing: Jia Huan, der, bevor er nach absolviertem Provinzexamen diesen eintr�gliche Posten erhalten hatte, als Steuerp�chter im ganzen Landkreis mit seinem Banditenhaufen (denn anders kann man die hiesigen Soldaten nicht nennen) umhergezogen war und den Bauern das Wenige abgepre�t hatte, was ihnen nicht ihre Sippenoberen, bei denen sie immerfort verschuldet sind, fortgenommen hatten. Dieses kleine M�nnchen in seiner pomp�sen Amtstracht ist ein echter chinopischer �Gentleman�, sagt immerfort klassische Zitate auf und will sich von dem Gewinn, den er aus unserem Unternehmen zu ziehen hofft, als erstes einen Herzogstitel kaufen. - Nat�rlich ist mir nicht ganz wohl bei einem solchen Gesch�ftspartner, doch ich habe keine Wahl: die Provinzbeh�rden verlangen einen eingeborenen Verantwortlichen und die H�hergestellten betrachten uns ausl�ndische �Meerteufel� als Tiere; so bleibt mir nichts anderes, als mich an Exemplare wie diesen Jia Huan zu halten.
Er hatte schon alles vorbereitet: nach einem kleinen Imbi� in seiner Residenz (Hundefleisch in s��er Tunke) zeigte er uns die Karawane, welche uns begleiten sollte; denn an eine Weiterreise per Schiff war wegen der Stromschnellen nicht zu denken. Es waren, wie man mir versicherte, gute Kamele, und die F�hrer waren unserem Freunde zu sehr verpflichtet, als da� sie sich f�r meine Barschaft interessiert h�tten.
So ging es ohne Aufenthalt weiter durch das Bergland Nord-Tsingtaos. In den verstreuten D�rfern staunten die Kinder �ber den kuriosen Fremden; �berall kamen die Dorf�ltesten Herrn Jia auf der Landstra�e entgegen, um ihn ehrf�rchtig (doch, wie mir scheint, ohne sonderliche Herzlichkeit) zu gr��en.
Bei Xiayong �berquerten wir den Xun nochmals auf einer altert�mlichen Steinbr�cke und erreichten gegen abend des 26. April das Ziel meiner W�nsche: den Marktflecken Yangtan. Hier also waren die Erd�lquellen entdeckt worden, schon reckten sich die ersten Bohrt�rme gen Himmel (die abergl�ubischen Bauern, welche den Zorn der Erddrachen f�rchteten, hatten neben jedes Loch eine Pagode gestellt) � in K�rze sollte die neue Petroleumfabrik der Firma Jia & Borkenschroth von hier aus Licht in das Dunkel des Gelben Reiches bringen.
Landratspalast in Hegang am Xeixei-Flu�
Im fr�hen 6. Jahrhundert, als sich das wieder erstarkende Gelbe Reich von der damaligen Hauptstadt Tsingtao aus anschickte, das n�rdlich gelegene Shenyang zur�ckzueroberen, lie� der Landrat Cao Xueqin als Beweis seiner Macht einen pr�chtigen Palast unweit der Grenze zu Shenyang bei dem St�dtchen Hegang anlegen. Die Anlage, zu ihrer Zeit die gr��te im Reich und auch heute nur vom Kaiserpalast in Qianlongjing �bertroffen, konnte trotz vieler Sch�den und �berarbeitungen, die sie im Laufe ihrer Geschichte erfuhr, im wesentlichen den urspr�nglichen Charakter bewahren. Von einer vielfach gestuften roten Mauer umgeben, zieht sie sich in acht Haupt- und zweiunddrei�ig Nebenh�fen vom Ufer des hier etwas breiteren Xeixei bis hinauf zum Fu� der Felswand des Tigerberges. Der beste Blick bietet sich von einem auf der anderen Seite des Flusses angelegten Kiosk, wo sich auch die Logik der Anlage erschlie�t: von dort ist sogleich die breit gelagerte Haupthalle mit ihrem zweistufigen reich geschm�ckten Dach zu sehen; dem Besucher, der von der Anlegestelle am S�dtor kommend in den Palast eintritt und durch die engen Vorh�fe und Treppeng�nge aufsteigt, steht sie, sobald er die Schwelle des inneren Kirschbl�tentores �berschreitet, unvermittelt und umso �berw�ltigender gegen�ber. Der Trick liegt darin, da� die breite und tiefe Plattform vor der Haupthalle diese so weit gegen den Berghang r�cken l��t, da� sie zun�chst den Blicken entzogen bleibt und so, in ihrer Wirkung durch die relative Enge der unteren Geb�ude gesteigert, schlagartig hervortritt. Auf derselben Ebene befinden sich seitlich die Festhallen und Beratungss�le; der Hof hinter der Haupthalle schlie�t mit einer �ppig dekorierten Banketthalle ab, deren Pracht schon von den zeitgen�ssischen Autoren aufs H�chste ger�hmt wird. Diese Halle aber ist selbst vom Kiosk am anderen Flu�ufer unsichtbar; nur derjenige, der das Privileg geno�, in den inneren Palast eintreten zu d�rfen, bekam sie zu Gesicht, allen anderen verbarg sie sich hinter der H�he der Haupthalle. Die wiederum h�her gelagerten H�fe hinter und neben der Banketthalle bergen die Wohnh�fe, die f�r den Landrat, seine Frauen und Kinder sowie f�r besonders hochgestellte G�ste bestimmt waren. Am Fu�e der Felswand schlie�t ein zierlicher Tempel des �Tigergenerals Wei� die Palastanlage ab.
Im Laufe der Jahrhunderte diente der Landratspalast vielen verschiedenen Zwecken, meist als Residenz lokaler F�rsten und Beamter, auch als dem Milit�rgouverneur von Tsingtao unterstellte Kaserne. Einige Jahrzehnte des 9. Jahrhunderts beherbergte er ein daoistisches Kloster, das sp�ter wenige Kilometer flu�abw�rts ein eigenes Geb�ude erhielt. Von 1780 bis 1843 war der Palast gar das Hauptquartier der ber�chtigten Flu�piraten unter Zhuge Liang und seinem Nachfolger Cao Cao, die in jener Zeit beinahe einen eigenen Staat kontrollierten; dies war allerdings auch der Grund, da� die Geb�ude diese f�r die gesamte Gegend verheerende Zeit relativ unbeschadet �berstanden. Heute ist der Landratspalast im kaiserlichen Besitz.
Beihai
Die Insel Beihai, der s�dlichste Vorposten des Gelben Reiches, war bereits in der Antike von den Vorfahren der heutigen Chinopier besiedelt. Sie sollen unter dem Herrscher Tientai-Shan, auf Schiffen vor einer Epidemie fliehend, auf ein urt�mliches Inselvolk getroffen sein, das sie Liao nannten; doch sind von dieser Kultur keine �berreste erhalten. Die jahrhundertelange relative Isolation der Beihaianer f�hrte auch dazu, da� sie Kulturelemente der chinopischen Fr�hzeit wesentlich l�nger bewahrten, als dies am Festland der Fall war. Dies gilt insbesondere f�r die Sprache von Beihai, die eigentlich nicht mehr als chinopischer Dialekt gelten kann, aber f�r das Verst�ndnis unserer antiken Literatur von unsch�tzbarem Wert ist. Dr. Gua, der unsere Expedition begleitete, hatte auch dieses Idiom studiert und konnte bei seiner Dolmetscht�tigkeit auch neue Erkenntnisse �ber die Besonderheiten der Inselsprache gewinnen.
Die D�rfer Beihais wurden wegen der drohenden Piraten�berf�lle meist ummauert und weisen nur einen einzigen, meist mit einer eisenbeschlagenen T�r versehenen Eingang auf. Die Gassen folgen den gew�hnlichen chinopischen Raster (eine nord-s�dliche Hauptachse zum Tempel, von dort schmale ost-westliche Gassen, die zu den einzelnen Wohnh�fen f�hren). Da der Nanmu-Baum auf der Insel zahlreich vorkommt, bestehen die meisten Geb�ude aus diesem am Festland seltenen und kostspieligen Holz, welches bekanntlich aufgrund der darin enthaltenen �le F�ulnis und Ungeziefer fernh�lt. Dies ist angesichts der herrschenden Temperaturen und des entsprechenden Artenreichtums gerade der Insekten und Kriechtiere auch dringend erforderlich.
Die Inselhauptstadt Beidu, seit dem 15. Jahrhundert Sitz eines Pr�fekten, weist aufgrund des verheerenden Brandes von 1754 nur Geb�ude neueren Stils auf, die sich �berwiegend an zeitgleichen Vorbildern in Tsingtao orientieren. Das Ensemble der Altstadt konnte, von kleineren Eingriffen abgesehen, unver�ndert erhalten werden. Insbesondere die Geb�ude um den Trommelturm sind von gro�em Reiz; hier finden sich auch bezaubernde Privatg�rten im s�dlichen Stil. Der au�erhalb der Stadt liegende Tempel der Seefahrerg�ttin Tin Hau (beihaianisch f�r Tian Hou) zeigt zur G�nze Stilformen des 12. Jahrhunderts, was besonders bei den massiven Bogentoren und bei den steinernen Torl�wen und Terrassendrachen zum Ausdruck kommt.
Die in erster Linie der Erforschung der Wasserdrachen gewidmete Expedition zu den Grotten brachte dort einen au�erordentlichen Fund: �berreste einer Siedlung aus der Fr�hzeit der chinopischen Besiedlung. Es fanden sich f�nf fast vollst�ndig erhaltene Dreifu�kessel des Typs Gu, dessen Datierung aufgrund der Begleitfunde nun wohl definitiv in das 1. Jh. v. Chr. zu legen ist. Einer der Kessel, der in der gr��ten Grotte gefunden wurde, zeigt ein seltenes Ornament mit Erdkr�ten und Affen, dessen stilistische Zuordnung unseren Gelehrten wohl einige R�tsel aufgeben wird. (Entsprechend den Bestimmungen wurden diese und alle anderen Funde dem Museum in Beidu �bergeben, wo sie unter der Ordnungszahl IV 03/1 archiviert wurden. Eine Ausstellung ist noch in diesem Jahr geplant.) Die ebenfalls aufgefundenen Schneide- und Hackmesser sind hingegen von unterdurchschnittlicher Qualit�t. Es scheint, da� die am Festland zu dieser Zeit bereits hochentwickelte Schmiedekunst auf der Insel zun�chst nicht auf dem selben Niveau �bernommen werden konnte. Auffallend ist das weitgehende Fehlen von Schmuckfunden, was sich wohl auch daraus erkl�rt, da� auf der Insel kaum Edelmetalle zu finden sind; lediglich �berreste von Ketten und Armb�ndern aus Koralle und Lapislazuli sowie einige bronzene Gewand- und Haarnadeln waren unter den bei der ersten Sichtgrabung zutage gef�rderten Objekten, wobei letztere geometrische Ornamente aufweisen, deren Ursprung wohl nicht chinopisch ist; es ist indes noch verfr�ht, diese etwa der verschollenen Liao-Kultur zuzuordnen.
�u�erst interessant und im ganzen Reich einzigartig ist die unweit der Grotten im Jahr 1627 auf den Fundamenten eines nicht mehr datierbaren Vorg�ngerbaues neu errichtete Opferterrasse, welche der rituellen Drachenf�tterung dient. W�hrend die Drachen des Gelben Reiches ansonsten mit Wein-, Korn- und Fruchtopfern vorlieb nehmen m�ssen, fand der Magistrat von Beidu einen modus vivendi mit den �rtlichen Wasserdrachen und stellte die regelm��ige Versorgung der letzteren mit geeigneten Jungfrauen sicher: Die Jungfrauen werden nach einem etablierten Rotationssystem von den acht bedeutendsten Familienclans der Insel zur Verf�gung gestellt; meist handelt es sich um T�chter besonders verschuldeter Adeliger, deren Finanzbedarf bei �bergabe des Fr�uleins von den Sippen�ltesten gedeckt wird.
Die jetzt bestehende Terrasse ist dreistufig und besitzt eine f�r Drachen gut begehbare breite Marmorrampe, welche mit Reliefdarstellungen von Jungfrauen, Garnelen und Gl�ckskarpfen geschm�ckt ist und weit in die Meerestiefe f�hrt. Landseitig wird die Anlage durch ein reizvolles zweist�ckiges Geb�ude abgeschlossen, das mit blau glasierten Ziegeln gedeckt ist und im Obergescho� eine offene Loggia f�r den Magistrat und vornehme G�ste, im Untergescho� hingegen die Ankleide- und Aufenthaltsr�ume der Opferfr�ulein enth�lt. Die Kandidatinnen betreten an ihrem Ehrentag die oberste Terrasse �ber eine reich verzierte Marmorbr�cke, in deren Mitte der Leungzop (Longzuo, Drachensitz) aufgestellt wird. Die mittlere Terrasse ist an diesem Tag mit acht gro�en bronzenen R�uchergef��en best�ckt, in denen wohlriechendes Sandelholz verbrannt wird; auf der untersten stehen acht Marmorschalen mit Gew�rzen und Tunksaucen. �ber die seitlichen Balustraden der Drachenrampe werden rotseidene T�cher gebreitet, die dem Drachen als Mundt�cher dienen. Zur festgesetzten Zeit spielt das Zeremonialorchester eigens f�r diesen Zweck komponierte festliche Weisen; die W�rdentr�ger der Insel und eine gro�e Volksmenge wohnt dem Ereignis bei, das als H�hepunkt der �rtlichen Folklore gelten kann. � Hat der Drache seine Mahlzeit beendet, so wird ein traditionelles St�ck von den Glocken- und Steinspielen aufgef�hrt; das anschlie�ende Volksfest zieht sich mit Akrobatikvorf�hrungen, Feuerwerken und Trinkspielen bis weit in die Nacht.
Das Rotwolkenkloster von Heigushan bei Godwana
Unweit der Stadt Godwana steht auf dem seiner Farbe und Gestalt wegen so genannten Heigushan (Schwarztrommelberg) das im 4. Jahrhundert gegr�ndete Hongyun-Kloster. Es stammt noch aus der Zeit vor der Einf�hrung des Buddhismus und wird bis zum heutigen Tag von daoistischen Priestern bewohnt, die sich hier der Verehrung des Rotwolkenfr�uleins (Hong yun niang niang) widmen. Der Kult dieser bemerkenswerten Gottheit war zeitweilig �ber die Grenzen des Gelben Reiches hinaus verbreitet, heute aber ist er fast ausschlie�lich auf diesen seinen Ursprungsort begrenzt. Gleichwohl finden sich bei den Wallfahrtsfesten gro�e Volksmengen ein und auch w�hrend des Jahres fehlt es fehlt es trotz der einsamen Lage nicht an Pilgern, deren Spendenfreudigkeit auch die Errichtung der Serpentinenstra�e und an ihrem Ende, auf dem relativ flachen Hochplateau, des gro�r�umigen Busparkplatzes erm�glichte; entsprechend dem Charakter des Ortes ist dieser allerdings von vier Ehrentoren umgeben, die in den 1950er Jahren aus rot eingef�rbtem Stahlbeton errichtet wurden und noch die Widmungsinschriften einiger Lokalpolitiker jener Zeit tragen.
Durchschreitet man das n�rdliche dieser Tore, so f�hrt ein breiter gepflasterter Weg durch ein liebliches Kirschbaumw�ldchen zum Haupttor des Klosters. Der Torbau ist wie alle von der Hauptmauer umschlossenen Geb�uden mit rostrot glasierten Ziegeln gedeckt, eine Variante, die sich �u�erst selten findet, hier aber, nicht zuletzt durch den Gegensatz zu den schwarzen Basaltfelsen der Umgebung, eine h�chst eigent�mliche Wirkung entfaltet. Diese wird noch gesteigert durch die schwarz lackierten S�ulen, W�nde und Tore, die sparsam mit Eisvogelblau, Wei� und Gold akzentuiert sind. Diese Wirkung entfaltet sich bereits im langgezogenen ersten Innenhof, erreicht ihren H�hepunkt aber im Haupthof, den zudem pr�chtige uralte Kirschb�ume zieren.
Die im Verh�ltnis zur Gr��e des Klosters relativ niedrige Haupthalle birgt eine kostbare, aus dem 7. Jahrhundert stammende Statue des Rotwolkenfr�uleins, flankiert von ihren Dienerinnen Jin Niang (Goldfr�ulein) und Yin Niang (Silberfr�ulein). Die hohe Bedeutung der G�ttin kann man auch daraus ermessen, da� die �Drei Reinen� (die G�tter von Gl�ck, Reichtum und langem Leben) sich mit der �stlichen Seitenhalle begn�gen m�ssen; ihnen gegen�ber thront der Gott der Medizin.
Schmale Durchg�nge f�hren beiderseits der Haupthalle in den n�rdlichen Hof, der seinerseits von den hier h�her aufsteigenden Felsen abgeschlossen wird; hier zeigt sich, da� die Hauptachse des Tempels die Verl�ngerung jener versiegelten H�hle ist, welche die Wohnst�tte des Rotwolkenfr�uleins sein soll:
Der �berlieferung nach ist sie eine Tochter des Jadekaisers, des H�chsten der oberen G�tter, geboren von einer seiner Nebenfrauen, der Fee des Schreckhaften Erwachens. Den Namen Hong Yun erhielt sie, weil bei ihrer Geburt der ganze Raum mit einem r�tlich leuchtenden Nebel erf�llt war. Sie wuchs auf umgeben von allem Gl�ck der Unsterblichen und verf�gte von Geburt an �ber Zauberkr�fte. Ihr Atem brachte mitten im Winter die B�ume zum Erbl�hen, ihr rosenfarbiger Schatten vertrieb Skorpione und Schlangen, ihr Blick gen�gte, um selbst die schwersten Krankheiten zu vertreiben, wann immer sie sich in der Welt der Menschen zeigen durfte. Sie war von bet�rendem Liebreiz, dabei aber so vornehm und gesittet, da� im ganzen himmlischen Palast keine ihr glich. Darum w�hlte ihr Vater einen vornehmen Br�utigam f�r sie aus: den drittgeborenen Sohn des Drachenkaisers, der am Grunde des Meeres �ber Heere von Fischen und Garnelen herrschte und unerme�liche Sch�tze sein eigen nannte. In einer kristallenen Brauts�nfte, deren Vorh�nge aus den Strahlen des Morgenrotes gewoben waren, f�hrte man sie in die Tiefe des Ozeans; dort verbla�te der Glanz der Perlen vor ihrer Sch�nheit und der Drachenkaiser selbst war h�chst erfreut, eine solche Schwiegertochter in seinen Palast aufnehmen zu k�nnen. Ihr Br�utigam Xian Yu war ein junger, stattlicher Krieger, der unter seinen Br�dern an Tapferkeit hervorragte; dem jungen Paar wurde eine pr�chtige Wohnung unweit des Hofes zugewiesen, welchen der Drachenkaiser selbst bewohnte.
Doch in jener Zeit trug es sich zu, da� die Acht Unsterblichen zur Meerfahrt aufbrachen und mit ihrer Leichtfertigkeit dem Reich der Meeresg�tter Schmach zuf�gten. Dies erz�rnte den Drachenkaiser und er befahl seinem dritten Sohn, zur oberen Welt aufzusteigen und die Drachen des Feuers und der Berge an ihre B�ndnispflicht zu erinnern: nie wieder sollte ihr edler Stamm solche Erniedrigung erleiden m�ssen. Schweren Herzens verabschiedete sich Xian Yu von seiner jungen Gemahlin und machte sich auf den Weg in die Berge von Godwana.
Nun lebte aber im Meerespalast auch eine Garnelenf�rstin namens Bao Xia, deren Gemahl beim Kampf mit den Unsterblichen eine schwere Wunde erhalten hatte und nach wenigen Tagen verschieden war. Ihre Trauer wandelte sich in Zorn, der Zorn in Ha� auf alle Gottheiten des oberen Bereichs; als sie erfuhr, das Xian Yu in jene Welt gesandt worden war, glaubte sie in ihrer Verblendung, niemand anderer als Hong Yun habe den Drachenkaiser hiezu �berredet: sie, die nichts anderes sei als eine Spionin der Feinde, wolle durch diese List das ganze untere Reich vernichten. In allem, was Hong Yun tat, sah Bao Xia Anzeichen ihrer schlechten Absicht; sie verbreitete indes dieses Ger�cht mit solch durchtriebener Geschicklichkeit, da� bald der ganze Hof davon erf�llt war und selbst die Prinzen und Minister den Drachenkaiser zur Entfernung Hong Yuns dr�ngten. Schweren Herzens gab dieser endlich nach und verstie� die Schwiegertochter aus seinem Reiche; nur zwei der Dienerinnen, die sie von ihrem Vater erhalten hatte, durften sie begleiten: es waren dies eben Jin Niang und Yin Niang.
Als Hong Yun das Meer verlie�, wollte sie ihrem Vater nicht die Schande antun, als versto�ene Gemahlin in sein Reich zur�ckzukehren; auch f�rchtete sie, es k�nne dadurch zu einem Krieg zwischen beiden Reichen kommen, in dem ihr Vater gegen ihren Gemahl st�nde. Diesen wollte sie also suchen; so machte auch sie sich nach Godwana auf.
Xian Yu indes war in das Reich der Berg- und Feuerdrachen vorgedrungen und hatte deren Herrscher Huo Zhu sein Anliegen vorgetragen. Der erkl�rte, er wolle freilich die Ehre der Drachen wiederherstellen helfen, doch sei es merkw�rdig, da� man im Meerespalast die Verwandten so lange vergessen habe, die im Bergesdunkel und in der Glut des Abgrunds hausten, und sich ihrer erst jetzt zu erinnern geruhe, da man sie, wie es aussehe, n�tig habe. - Kurz, als Beweis der Ernsthaftigkeit der Bitte verlangte Huo Zhu, Xian Yu m�sse seine �lteste Tochter zur Hauptfrau nehmen.
Diese Drachenprinzessin, Xiang Shi mit Namen, war aber eine strahlende Sch�nheit; als Xian Yu ihrer ansichtig wurde, glaubte er, sein ganzes Wesen m�sse in dieser Glut vergehen. Halb seiner Sinne beraubt willigte er in die Verbindung ein und am n�chsten gl�ckverhei�enden Tag wurde die Ehe geschlossen. Xiang Shi f�hrte ihren Gemahl in die juwelengeschm�ckten H�hlen, die ihr Vater ihnen bereitet hatte; an niemanden dachte er dort weniger als an die ungl�ckliche Hong Yun.
Dem neuen Schwiegervater machte sich �ber Hong Yun umso mehr Gedanken: er f�rchtete den Zorn ihres Vaters, des Jadekaisers. Was w�rde dieser tun, wenn er h�rte, was geschehen war? Es gab nur eine L�sung: die erste Frau des neuen Schwiegersohnes durfte niemals zu ihrem Vater zur�ckkehren. Also sandte Huo Zhu zwei seiner treuesten Krieger aus mit dem Auftrag, Hong Yun zu t�ten; hief�r gab er ihnen ein zauberkr�ftiges Schwert mit und ein Elixier, welches jeden, der davon tr�nke, von innen her verbrennen w�rde.
Die beiden brachen also auf; nach wenigen Tagen, als sie eben auf dem Basaltfelsen vor Godwana rasteten, sahen sie, wiewohl es schon sp�t am Abend war, von S�den her einen Schein, als stiege die Sonne empor. Dar�ber verwunderten sie sich sehr; noch gr��er war ihr Erstaunen, als sie ein Fr�ulein von �berirdischer Sch�nheit inmitten des rosenfarbenen Glanzes aufsteigen sahen. Verwirrt erkannten sie, begleitet von den Fr�ulein von Gold und Silber, Hong Yun. Doch keiner von beiden vermochte seine Waffe zu ergreifen; best�rzt sanken sie nieder und waren keines Wortes f�hig, als die G�ttin sie ansprach. Auf die Fragen der Dienerinnen hin fa�ten sie sich schlie�ich ein Herz und erz�hlten alles, was sich zugetragen hatte; auch, da� sie den Befehl hatten, die Prinzessin zu t�ten.
Als Hong Yun von der Untreue ihres Gemahls, f�r den sie so viel erduldet hatte, erfuhr, war sie so sehr von Kummer und Schmerz erf�llt, da� ihre Tr�nen in rosigen Str�men zu Boden rannen. Auch ihre Dienerinnen klagten mit ihr. Gemeinsam flehten sie die Krieger an, ihrem Leben ein Ende zu machen, doch diese waren vom Elend der G�ttin so �bermannt, da� sie baten, lieber selbst sterben zu d�rfen, als an solch ein herrliches Wesen Hand anzulegen, wof�r sie zudem in der Unterwelt mit Sicherheit auf das Grausamste bestraft w�rden. Und bevor Hong Yun antworten konnte, hatte der eine bereits mit dem Zauberschwert seinen Kopf vom Rumpfe getrennt, w�hrend der zweite von den grausamen Flammen des Elixiers verzehrt wurde.
Hong Yun befahl nun ihren Dienerinnen, ihr auf dem unwirtlichen schwarzen Felsen ein Lager zu bereiten: hier habe das Gl�ck ihres Daseins geendet. Weder im Himmel bei ihrem Vater, der sie fortgeschickt, noch im Meer beim Schwiegervater, der sie versto�en, noch gar im Abgrund bei dem Manne, der sie verlassen hatte, k�nne ihres Bleibens sein, in keiner Himmelsrichtung k�nne sie eine Besserung ihres Loses erhoffen: an dieser St�tte, die so trefflich zu ihrem Los passe, wolle sie bleiben. Den beiden stellte sie frei, zu gehen, wohin es ihnen beliebe - doch weigerten sich Jin Niang und Yin Niang standhaft, von der Seite der Herrin zu weichen. Sie bereiteten der G�ttin in der nahen H�hle ein Lager und lie�en sich selbst unter den vorspringenden Felsen zur Linken und Rechten des H�hleneingangs nieder. Hier blieben sie nun, ohne die Tage, ja ohne die Herbste zu z�hlen, von allen verlassen und vergessen.
In der H�hle des Drachenk�nigs war indes die Prinzessin des langweiligen Wasserprinzen Xian Yu �berdr�ssig; zudem hatte dessen Vater, kaum da� das Verh�ltnis zu den oberen G�ttern sich gebessert hatte, die armen Verwandten in Fels und Feuer wieder vergessen. Nach seinem Sohne wagte er nicht zu fragen, weil er dessen Gemahlin (wie er nun wu�te, da Bao Xias Verleumdungen offenbar geworden waren) zu Unrecht versto�en hatte; dieser getraute sich nicht zu seinem Vater zur�ckzukehren, da er der ihm zugef�hrten Braut untreu geworden war. So brachte Xian Yu seine Tage mit dumpfem Br�ten zu und nahm gleichg�ltig zur Kenntnis, wie die vornehmen jungen Feuerdrachen seiner zweiten Gemahlin den Hof machten. Nach einigen Jahren bat er seinen Schwiegervater Huo Zhu, sich in eine abgelegene tiefe H�hle zur�ckziehen zu d�rfen, was dieser erleichtert gew�hrte. Xian Shi, vom l�stigen Gemahl befreit, verm�hlte sich denn auch bald mit dem Segen ihres Vaters mit einem von dessen adeligen Offizieren.
Mittlerweile hatten sich in den T�lern rings um den Schwarztrommelberg Menschen angesiedelt; oft sahen diese den merkw�rdigen rosigen Glanz, welcher sich immer wieder auf der H�he des Berges zeigte, doch wagte niemand, die abweisenden schwarzen Felsw�nde zu ersteigen: es gab Ger�chte, der Berg sei von menschenfressenden D�monen und von Fuchsgeistern bewohnt, letztere seien auch der Ursprung des r�tlichen Lichtes.
Doch als ein feindliches Heer, dem der Ruf unmenschlicher Grausamkeit vorauseilte, den D�rfern beim Heigushan nahte, fa�ten sich einige Bauern ein Herz und flohen mit ihren Familien auf die verrufene Hochebene. Dort waren sie zwar in Sicherheit, doch mu�ten sie aus der Ferne zusehen, wie die Barbaren ihre H�user niederbrannten; auch reichten ihre Vorr�te nur f�r wenige Tage. Was sollten sie nun tun? Das Tal wurde fast jeden Tag von feindlichen Streifscharen durchzogen, die Anwesen waren gepl�ndert, und der Berg bot au�er k�rglichen Beeren und Kr�utern nichts, womit sie ihre M�gen h�tten f�llen k�nnen. Am dritten Abend legten sie sich ermattet und verzweifelt zur Ruhe.
Einer von ihnen erwachte, als er das Morgenrot sah - doch kam es nicht vom Osten! Als er sich erhob, erblickte er keine hundert Schritte entfernt eine Gestalt von solcher Anmut, da� er des Hungers und Elends verga� und sich im himmlischen Palast w�hnte. Doch nun sah er auch die Dienerinnen in goldenem und silbernem Glanz, die herbeieilten und ihm befahlen, zur G�ttin - denn eine solche mu�te es sein! - zu kommen und sich vor ihr niederzuwerfen. Im Vor�bergehen bemerkte er mit Erstaunen, da� all seine Gef�hrten fest schliefen. Doch nun stand er selbst inmitten des Lichtes, das er so oft vom Tale aus bewundert und gef�rchtet hatte - und aus diesem Licht sprach die G�ttin zu ihm:
�Dritter Sohn der Familie Gua, oft schon habe ich zu euch hinabgeblickt und was euch plagt, wei� ich. Mit den Deinen bist du zu mir geflohen - ihr sollt nicht umsonst gekommen sein.� Und mit einem Mal wuchsen ringsum Kirschb�ume aus dem Boden, erbl�hten und trugen Fr�chte, und als er auf einen Wink der G�ttin davon kostete, da waren sie s��er als Honig und so nahrhaft wie fettes Fleisch. Verwirrt warf er sich nochmals nieder - da waren die holden Wesen verschwunden, doch vor ihm sprang aus dem kargen Boden ein Quell mit rosigem Wasser. Am n�chsten Tag a�en alle von den Kirschen und tranken aus dem Quell, da wurden ihre Kranken gesund, ihre Kinder rosig und ihre Frauen heiter. Voll Dankbarkeit opferten sie noch am selben Tage der G�ttin und gelobten, einen Tempel zu erbauen, was auch geschah. Dort zeigte sich Hong Yun wiederholt und befahl auch den frommen Taoisten, die eine bescheidene Klause neben der Tempelhalle errichtet hatten, alles niederzuschreiben, was sie erlebt und was sie auf diesen Berg gef�hrt hatte. Auch offenbarte sie, da� sie, die soviel Ungl�ck erduldet habe, nun den Menschen zum Gl�ck verhelfen werde; sie w�nsche aber, in der Tiefe ihrer H�hle, wo sie allein mit ihren Dienerinnen lebe, nicht gest�rt zu werden, denn wenn sie sich mit ihrem Geliebten nicht des Lichtes erfreuen k�nne, so wolle sie wie er im Bergesdunkel bleiben. Darum wurde die H�hle versiegelt und keinem Menschen ist es gestattet, das Siegel zu l�sen.
Der Stadttempel von Xining
Schon von weitem sieht der Reisende, welcher von den Bergen von Goshark absteigt und die Grenze des Reichslandes Qianlong �berschreitet, die Mauern der malerisch am Hongshui-Flu� gelegenen Bezirksstadt Xining. Auf den ersten Blick �berrascht dabei eine Besonderheit, die sie vor allen anderen St�dten des Reiches auszeichnet: der � wie gew�hnlich � an die Nordmauer gesetzte Stadttempel besitzt ein pr�chtig geschm�cktes Obergescho� mit vergoldetem Gitterwerk und stark �berh�htem, in der Manier s�dlicher Tempel stark geschweiftem und mit Dekor �berladenem Dach. In der N�he steigert sich dieser Eindruck: auf die starken Mauern des etwas beh�bigen, breit gelagerten Tempels, der aus dem 12. Jahrhundert stammen d�rfte, wurde etwa drei Jahrhunderte sp�ter � man kann es nicht anders nennen � ein zweiter gesetzt, welcher den ersten an Pracht bei weitem �bertrifft. Noch merkw�rdiger ist aber, da�, w�hrend im Untergescho� wie �blich der Stadtgott in seiner Beamtentracht thront, seine Gemahlin zur Seite, der erste Stock die Wohnung einer sonst wenig verehrten Gottheit ist: dort befindet sich das Bildnis des gef�rchteten vierten Sohnes des Jadekaisers, mit grimmigem schwarzem Gesicht und in der Tracht eines Zensors.
Der Ursprung dieser etwas eigenwilligen, wenn auch nicht reizlosen Gestaltung wird von der �rtlichen �berlieferung einer Begebenheit im Jahr 1467 zugeschrieben. Jenes Jahr war von schrecklichen Naturkatastrophen gekennzeichnet, die man dem Zorn des Jadekaisers wegen der verkommenen Verh�ltnisse im Reich zuschrieb. Nach einer langen Phase des Wohlstandes und Aufstieges waren die Sitten verfallen, Minister und Beamte dem Luxus ergeben, das Volk allem Anstand entfremdet. Selbst die �rtlichen G�tter - meist einst tugendhafte Menschen, die nach ihrem Tode vom Jadekaiser mit der Aufsicht �ber einen Ort, eine Stadt oder einen Landstrich betraut worden waren � selbst diese G�tter lie�en sich, ges�ttigt von �berreichen Opfern, von der allgegenw�rtigen Dekadenz anstecken. So auch Gu Cai, der Stadtgott von Xining, der erst wenige Jahrhunderte im Amt war und es sich nun gefallen lie�, von den Reichen der Stadt auf jede erdenkliche Weise vers�hnt, in ihre H�user und zu ihren Festen eingeladen zu werden und den ganzen Tag in Opferwein und R�ucherduft zu schwelgen. Seine Gemahlin tat es ihm gleich: jede Woche mu�te ein neuer seidener Umhang her, auf den Schalen t�rmten sich die Opferfr�chte h�her und h�her und in den Vasen machte t�glich eine exotische Bl�te der anderen Platz. Unter denen, welche den beiden diesen Luxus verschafften, zeichnete sich besonders der Kaufmann Xue durch besonderen Eifer und Einfallsreichtum aus; daf�r erfreute er sich auch des besonderen Schutzes des G�tterpaares, der Reichtum seines Hauses mehrte sich und in der ganzen Stadt war keiner, der gegen Herrn Xue den Mund zu �ffnen wagte.
Als der Jadekaiser sah, wie im ganzen Reich die Tugend verfiel und Menschen und G�tter verkamen, geriet er in furchtbaren Zorn. Er rief seine neun S�hne zu sich und befahl, dem Chaos ein Ende zu machen. Hagelschauer und St�rme, Erdbeben und Sonnenfinsternisse sollten Schrecken verbreiten; der grimmigste unter den Br�dern, der Viertgeborene, wurde zum Zensor bestellt mit der Aufgabe, die G�tter auf der Erde zu pr�fen und notfalls zu richten und strafen.
Nur wenige Tage sp�ter erhielt der Stadtgott Gu Cai �beraus beunruhigende Nachrichten: der neue Zensor, von dessen Einsetzung er schon mit einiger Besorgnis erfahren hatte, verlor keine Zeit und hielt sich nicht bei Geduld und Schonung auf. Die Bergg�ttin von Pingtai, die nur ein wenig nachl�ssig gewesen war in der Aufsicht �ber ihre Wasserfr�ulein und Bl�tenfeen, wurde an eine stinkende Schwefelquelle im �u�ersten Osten des Reiches versetzt; der Dorfgott von Jiuyang verlor seinen Posten schon wegen der Duldung einiger Unregelm��igkeiten in den Bauernfamilien; und gar der Stadtgott von Tingtou, ein alter Freund und guter Saufkumpan Gu Cais, wurde wegen einer Lebensf�hrung, die sich von jener des letzteren kaum unterschied, gar von D�monen gefesselt in die H�lle der Messerfelsen gef�hrt. Es ist verst�ndlich, da� im Tempel von Xining einige Nervosit�t herrschte.
In seiner Not rief Gu Cai seinen Freund, Herrn Xue, herbei und flehte ihn an, sich etwas einfallen zu lassen. Weder w�nsche er, die n�chsten tausend Jahre in einem siedenden Topf zu verbringen, noch glaube er, da� ein allf�lliger Nachfolger es wagen w�rde, Herrn Xue dieselben Verg�nstigungen zu verschaffen wie er, Gu Cai, es bisher getan habe und in Zukunft doppelt tun wolle, wenn sein treuer Verehrer ihm und seiner geliebten Frau aus dieser mi�lichen Lage helfen wolle.
Herr Xue mu�te nicht lange �berlegen; als Kaufmann mit ausgezeichneten Verbindungen im ganzen Reich wu�te er, wie der Zorn hoher Aufsichtsbeamter gemildert werden konnte. Er bat Gu Cai, sich nur keine Sorgen zu machen und mit seiner Gemahlin f�r ein paar Tage im Ahnenschrein der Familie Xue Platz zu nehmen, wo die verstorbenen Xues ihm gerne beim Verzehr der reichlich aufgestellten Opferspeisen Gesellschaft leisten und ihn mit den neuesten Geisterliedern unterhalten w�rden.
Sodann rief Herr Xue all seine Diener und Knechte zusammen und befahl ihnen, unverz�glich das Dach des Stadttempels abzutragen, starke Balken auf die Mauern zu legen und den kostbaren Pavillon, den er erst k�rzlich in seinem Garten hatte errichten lassen, sorgf�ltig zu zerlegen und auf den Tempel zu setzen. Tag und Nacht mu�ten Handwerker an Stiegen und Balustraden arbeiten, Gitter und S�ulen vergolden sowie Balken und W�nde �ppig bemalen. Schwere bronzene R�ucher- und Opfergef��e wurden dem buddhistischen Tempel im Westen der Stadt abgekauft und auf Ochsenkarren herbeigef�hrt; ein gosharischer Schnitzk�nstler stellte in aller Eile ein Bildnis des gef�rchteten g�ttlichen Zensors her, das in kostbare Stoffe geh�llt, mit einer perlengeschm�ckten Amtskappe und einem wei�en Jadeszepter versehen und auf einen pr�chtigen Thron in der neuen oberen Tempelhalle gesetzt wurde. Der breite Opfertisch w�re wohl unter den Gaben zusammengebrochen, h�tte man seine Platte nicht aus kostbarem Eisenholz gefertigt: er trug neben den erlesensten Fr�chten und Bl�ten ein ganzes Fa� Gold und zwei F�sser mit Silber. In nur drei Tagen war das Werk vollendet.
Und es war kein Tag zu fr�h: noch vor dem Mittag erschien am s�dlichen Stadttor der Sohn des Jadekaisers, begleitet von Geisterkriegern und D�monen, die sich bereits auf ihr n�chstes fettes Opfer freuten.
Der Zensor staunte nicht schlecht, als ihn der Stadtgott und seine Frau in korrekter, doch schlichter Tracht begr��ten und zum ebenso m�blierten Tempel f�hrten. Hier waren nur jene Gaben aufgestellt, welche die Sitte vorschrieb (schon darum, weil man alles andere in das Obergescho� geschafft hatte); die von der Familie Xue sorgf�ltig unterwiesenen Stadtbewohner zeigten sich gesittet und artig.
Die D�monen wollten sich mit diesem Befund nicht zufrieden geben und dr�ngten den Zensor, sich genaueren Einblick zu verschaffen; dann werde sich ja wohl zeigen, da� nicht just diese Stadt eine Ausnahme in der allgemeinen Sittenlosigkeit unter dem Himmel vorstelle. Gu Cai bat ihn daraufhin, er m�ge sich doch nach oben begeben: von dort habe man den besten �berblick �ber die ganze Stadt und k�nne entscheiden, ob der so gute erste Eindruck zuverl�ssig gewesen sei.
Als aber der Sohn des Jadekaisers die obere Tempelhalle betrat, war er zutiefst verbl�fft: noch nie hatte ihm, dem Gef�rchteten, eine so pr�chtige Halle gebaut und ihm allein ein solches Bildnis gewidmet: stellte jemand einmal seine Statue mit jenen seines Vaters und seiner Br�der auf, so war es stets die h��lichste von allen und mu�te mit dem unbedeutendsten Winkel vorlieb nehmen. Seine Begleiter, von der Reise ausgehungert und in den anderen St�dten von den verschreckten B�rgern nicht eben verw�hnt, st�rzten sich auf die Opfergaben; die gierigen D�monen machten sich sogleich daran, zu pr�fen, ob die F�sser mit Gold und Silber so schwer waren, wie sie aussahen: sie waren es.
So war die amtliche Pr�fung des g�ttlichen Zensors schnell abgeschlossen: eine vorbildliche Stadt, stand im Protokoll, und ein vorbildlicher Stadtgott. Die Nacht brachte man noch im komfortablen Obergemach zu in der Gesellschaft reizender Untergottheiten aus der Umgebung; dann packten die D�monen die drei F�sser, die Geisterkrieger die Opferspeisen � und man machte sich auf zur n�chsten Bezirksstadt.
Der erleichterte Gu Cai blieb bis zum heutigen Tage Stadtgott von Xining, mit seiner Frau an der Seite; die Familie Xue aber erfreute sich in all den vielen hundert Jahren seines besonderen Schutzes. Kaum ein Bauer im Bezirk, der nicht dem Grafen Xue (denn auch das wurden sie) seine Ernte verpf�ndet hat; kaum ein B�rger der Stadt, der nicht sein Geld in die Pfandh�user und Lokale der Xues tr�gt. Und niemals vers�umt das Oberhaupt dieses Hauses die Pflege des Tempels: des Parterres und des ersten Stocks.
Aelred von Nanchang
Am Chosot-See unweit der Stadt Nanchang liegt das bedetuendste katholische Kloster des Gelben Reiches: die Zisterzienserabtei von Gaojin. Ihre Gr�ndung im Jahre 1657 ist untrennbar verbunden mit der Biographie des hl. Aelred von Nanchang, dessen Grab in der Klosterkirche von Wallfahrern aus dem ganzen Reich aufgesucht wird.
Das Kloster selbst zeigt eine gelungene Verschmelzung des klassischen Zisterzienserschemas, auf dessen Einhaltung die aus Kaysteran eingewanderten M�nche der ersten Generation sorgf�ltig achteten, und chinopischer Bautraditionen.
So wird in den �u�eren H�fen � den Wirtschaftstrakten, dem G�stehof und der Pr�latur � streng auf Symmetrie und Ausgewogenheit der meist ebenerdigen Geb�ude geachtet. Steht man aber im Pr�laturhof, so erhebt sich hinter der vornehm zur�ckhaltenden Audienzhalle des Abtes die Westfassade der Klosterkirche, ein fr�hes Meisterwerk des chinopischen Barockstiles, reich geschm�ckt mit farbig gefa�ten und teils vergoldeten Skulpturen. Die Mitte dieser Fassade ziert eine von Drachen umrahmte Nephritplatte mit den Worten: Sheng Mu Tang, Kirche der heiligen Mutter. Den Vorhof der Kirche schm�cken von Kaisern und Kaiserinnen gestiftete Stelen, unter denen die gr��te im Jahre 1824 vom Kaiser Xuande errichtet wurde und das stattliche Gewicht von 52 Tonnen aufweist.
Das Kircheninnere wird von einem gemauerten Lettner zweigeteilt; in diesen sind pr�chtige Marmortafeln eingelassen, die an Besuche chinopischer P�pste, Kardin�le und Bisch�fe erinnern. W�hrend die mittlere, reich geschnitzte Pforte des Lettners nur an hohen Feiertagen ge�ffnet wird, stehen die beiden seitlichen stets offen, und man gelangt in den mit illusionistischen Malereien gezierten Chorraum, der nicht allein den bis in die H�he des Gew�lbes reichenden Hochaltar mit einer vorz�glichen Darstellung der Himmelfahrt Mari� birgt, sondern auch das aus einem einzigen Jadest�ck gearbeitete kolossale Hochgrab des hl. Aelred mit seinem reichen Ornamenten- und Figurenschmuck.
An die Kirche schlie�t sich gegen S�den der eigentliche Konventtrakt an, wovon f�r gew�hnlich nur der Kreuzgang zu besichtigen ist; er erweckt auf den ersten Blick den Eindruck eines chinopischen Wandelganges, ist aber zur G�nze aus Stein gearbeitet. Besonders das aus wei�em und schwarzem Marmor gebildete Brunnenhaus ist ein architektonisches Kunstwerk ersten Ranges; die Scheiben seiner Fenster sind Alabasterplatten, die auf eine St�rke von wenigen Millimetern geschliffen wurden.
Um die Symmetrie der Gesamtanlage herzustellen, wurde auf der Nordseite der Kirche ein zweiter Kreuzgang angelegt, der aber f�r die Wallfahrer gedacht ist; hier finden sich zahlreiche kleine Kapellen, Beichtst�hle und St�nde mit Kerzen, Bildern, Medaillen und Kleinschriften. Das Westtor dieses Hofes f�hrt zur Klostergastwirtschaft, welche besonders f�r die Eigenbauweine sowie f�r die vorz�glichen Cremeschnitten bekannt ist. Auch werden die dort hergestellten W�rste von den Pilgern gerne mitgenommen.
Das beliebteste Fest hier ist nat�rlich der St. Aelredstag am 18. Mai. An diesem Tag wird bereits fr�hmorgens der Aelredsschrein ge�ffnet, ein schwerer barocker Fl�gelaltar im n�rdlichen Seitenschiff der Klosterkirche, dessen geschnitzte Paneele das Leben des Heiligen illustrieren:
Er war ein ostanischer Prinz aus der Sippe der Uyanga, des damals f�hrenden unter den Clans der Provinz; sein Onkel Dorgotai war Gro�khan der Ostanen. Dennoch achtete dieser streng darauf, da� die S�hne seines Hauses an den Sitten der Alten festhielten und ersparte ihnen weder die harte Ausbildung im Reiten und Bogenschie�en noch das jahrelange Umherziehen mit den Herden.
So mu�te auch Arbutai, wie er zun�chst hie�, mit wenigen Gef�hrten die nach Tausenden z�hlende Schafherde seines Vaters in die entlegenen Weidegebiete am Chosotsee f�hren. Diese Gegend war damals fast menschenleer; die wenigen alten Siedlungen waren in den schweren kriegerischen Auseinandersetzungen des Siebenj�hrigen Krieges mit Kyrolonien aufgegeben worden.
Am Abend des 17. Mai 1657 begaben sich Arbutai und seine acht Begleiter wie gew�hnlich fr�h zur Ruhe; als sie aber am n�chsten Morgen ihr Zelt verlie�en, war von all den Schafen, die sie noch am Vorabend sicher versorgt hatten, kein einziges zu sehen. Und, was noch merkw�rdiger war: weder der weiche Boden noch das taufrische Gras trug die leiseste Spur, die verraten h�tte, wohin dieser kostbare Besitz des Vaters gekommen war.
Doch die Pferde waren da, und sofort machten sich die Neun daran, die Umgebung abzusuchen: sie umkreisten den See, durchstreiften die W�ldchen, sp�hten von den Anh�hen � allein umsonst: kein einziges Schaf war zu sehen. Schon f�rchteten sie, die Tiere k�nnten in die gef�hrlichen Moore geraten, von Feinden gestohlen, von Drachen gefressen worden sein, da vernahmen sie vom See einen merkw�rdigen Gesang � keinen Gesang, ein melodisches ... Bl�ken, tausende Stimmen von L�mmern und Schafen, die sich zu einer fremdartigen Melodie vereinten. Und als sie zum Ufer eilten, da sahen sie es:
In der Mitte des kreisrunden Sees standen auf dem Wasser all ihre Schafe, und alle blickten auf die eine Gestalt in ihrer Mitte, der sie ihr seltsames Lied darzubringen schienen: eine Frau von �berirdischer Sch�nheit, im reich bestickten und mit Zobel besetzten gelben Kleid einer Herrscherin, geschm�ckt mit Perlen und Saphiren. Sie schien auf der Herde zu stehen, oder vielmehr auf einer leuchtenden Wolke, die sie �ber die singenden Tiere erhob. Ein Leuchten und Strahlen umgab sie, wie wenn die Sonne auf einen metallenen Turm schiene; Arbutai und seine Gef�hrten versp�rten nicht die mindeste Furcht. Sie konnten den Blick nicht von der herrlichen Gestalt wenden, die nun zu ihnen sprach:
�Von S�den her kommen jene, die ich euch sende; es ist mein Wille, da� der Ort eures Zeltes zur Stelle meines Hauses werde. Du aber, Arbutai, sollst mir das Haus deines Vaters zuf�hren, wie du seine Schafe zu mir gef�hrt hast.�
Als sie diese Worte gesprochen hatte, da wurde das Leuchten so gewaltig, da� alle den Blick abwenden mu�ten. Als sie wieder hinzusehen wagten, da war die Dame verschwunden, die Schafe aber liefen �ber das Wasser dorthin, wo das Zelt stand, und lie�en sich dort nieder. Arbutai und die Seinen folgten ihnen.
W�hrend sie aber noch dar�ber sprachen, wie sie die Worte der Erscheinung deuten sollten, kamen Fremde aus dem Wald, die wei�e Kleider trugen. Sie waren der ostanischen Sprache kaum m�chtig, doch konnten sie darlegen, da� sie aus Kaysteran hierher gekommen waren und der katholischen Religion angeh�rten; ihr Anf�hrer hatte eine Eingebung erhalten, das Oberhaupt der Sippe Uyanga aufzusuchen und um etwas Land zu bitten, darauf sie ein Kloster bauen und sich niederlassen wollten.
Sogleich erkannten Arbutai und die Seinen, da� sich zu erf�llen begann, was die Erscheinung am See gesprochen hatte, und sie erz�hlten alles den Fremden. Diese waren zutiefst ergriffen und erkl�rten ihnen, da� sie niemand anderen gesehen h�tten als die K�nigin des Himmels, die Jungfrau Maria, die solcherart in dieses Land kommen wollte. Auf der Stelle begehrte Arbutai, dieser Herrin angeh�ren zu wollen, und er und seine Gef�hrten wurden noch am selben Abend im See getauft.
Am darauffolgenden Tag machten sie sich zusammen mit den Fremden auf zum Gro�khan Dorgotai. Dieser war erbost, seinen Neffen in der Gesellschaft ausl�ndischer Herumtreiber zu sehen; als er noch dazu den Bericht von der Erscheinung am See h�rte, glaubte er, die Fremden h�tten Arbutai mit Zaubermitteln in den Wahnsinn getrieben. Er befahl daher, das Zelt des Neffen aufzubauen, mit Stroh und Holz zu f�llen und die Zauberer darin zu verbrennen.
Sogleich machten sich seine Gefolgsleute daran, den grausamen Befehl auszuf�hren. Die Fremden wurden im Zelt eingeschlossen und von allen Seiten Feuer gelegt. Sogleich brannten die Seiten des Zeltes lichterloh und hohe Flammen stiegen daraus empor; das runde Dach hingegen, wiewohl es aus demselben Filz bestand, wollte nicht Feuer fangen, und auch als die Seiten verglost niedersanken, blieb es, wiewohl nun ganz ohne St�tze, an seinem Ort, und nun sah man auch, da� den Fremden nicht das mindeste geschehen war.
Dorgotai war nun ernstlich beunruhigt; er glaubte, der Zauber der Kaysteraner sei so stark, da� all seine Macht dem nichts entgegensetzen k�nne. So bat er deren Anf�hrer, ihm seine W�nsche zu nennen; er wolle sie, so gut er k�nne, erf�llen. Der aber sprach, er wolle um nichts anderes bitten, als jene Dame, die sie hierhergesandt und auch vor dem Zorn des Gro�khans gerettet habe, wie dieser sehen k�nne. Dabei bat er Dorgotai unter das schwebende Dach des Zeltes, und dieser sah zu seinem gro�en Erstaunen an der Unterseite des Filzdaches das wundersam entstandene Bildnis jener Dame, die sein Neffe gesehen und ihm geschildert hatte.
So kam es, da� der Gro�khan nicht nur bereitwillig das Land um den Chosotsee den Fremden f�r ihr Kloster �berlie�, das sie tats�chlich dort errichteten, wo das Zelt des Arbutai zuerst gestanden war; er schlo� sich auch mit dem ganzen Stamm der Uyanga dem neuen Glauben an, dem sie bis heute dienen. Arbutai aber bat, mit seinen acht Gef�hrten in das neue Kloster aufgenommen zu werden; dort erhielt er den Ordensnamen Aelred, nach einem fr�hen Heiligen der Zisterzienser. Er wurde der zweite Abt von Gaojin, gr�ndete von dort aus vier weitere Kl�ster und starb im Rufe der Heiligkeit am 14. Oktober 1702. Schon f�nfzehn Jahre sp�ter wurde er heiliggesprochen und zum Patron Ostanias erw�hlt. Das Dach seines Zeltes blieb in der Residenz der Sippen�ltesten der Uyanga in Nanchang, die daf�r eine pr�chtige Kapelle bauten. Im Jahre 1902 wurde zum 200. Sterbetag des Heiligen das wundert�tige Bild in die Abtei Gaojin gebracht und �ber dem s�dlichen Seitenaltar ausgestellt.
Aus dem Feldtagebuch des Gemeinen Xiai Lungbai, des sp�teren Kaisers Leng Xi
[...] Der pl�tzliche Regen hatte das ganze Schlachtfeld in eine wahre Schlammgrube verwandelt. Wir standen in der Ebene, die Feinde auf der Anh�he. Pfeile prasselten auf uns hernieder. Durchn�sste Gew�ndter, vom Wasser schwer wie Blei, die Kameraden in unseren Reihen an den Pfeilen sterben sehend, den Tod vor Augen, mit gebrochenem Kampfeswillen ... wir wollten alle nur noch weg!
Wozu dieses Gem�tzel ohne Aussicht auf Erfolg? Der Feind hatte kaum Verluste, die unseren fielen wie Laub im Herbst! Unsere Gener�le standen weit hinter der Front sicher auf ihrem Felherrenh�gel und dachten gar nicht an R�ckzug. Wollten die uns denn alle sterben sehen?!
Pl�tzlich Raunen in den eigenen Reihen: Ich blickte mich um und sah eine wei�e Gestalt auf einem wei�en Ross. Ohne Probleme schien es �ber den schlammigen Boden zu schweben. War ich gestorben und war dies der Geist meiner Mutter, der mich in den Himmel geleiteten sollte? Doch es ritt keine 5 Schritt an mir vorbei in Richtung des Feindes.
Es war Kaiserin Amaterasu selbst! Sie hatte ihre R�stung abgelegt und war nur in wei�es Leinen gekleidet, die langen schwarzen Haare mit einem Stab zusammengesteckt. Erstarrt sahen wir alle zu ihr, als sie uns zurief: "M�nner Chinopiens, k�mpft nicht f�r Eure Gener�le! K�mpft f�r Eure Familien! K�mpft f�r Eure Kaiserin ... und Eure Kaiserin mit Euch! K�mpft MIT mir!"
Schritt um Schritt ritt sie durch die eigenen Reihen und alle K�pfe hoben sich. Sie erreichte die Frontlinie, �berritt sie und hangaufw�rts zum Feind. Sie zog das Schwert und ritt kampfschreiend auf den Feind zu. Sie schlug dem ersten Feind den Kopf von den Schultern ... dann einem zweiten ... und einem dritten ... dem vierten dem Arm ab ... dem f�nften glitt das Schwert durch den Rumpf ...
Ein Pfeil fliegt ... das wei�e Ross ... getroffen! Es b�umt sich auf ... die Kaiserin f�llt zu Boden. "Die Kaiserin ist gest�rzt!" Auf einmal tat uns nichts mehr weh. "Rettet die Kaiserin!" Wir st�rmten durch den Schlamm, um unsere Kaiserin zu sch�tzen. "Zur Kaiserin!" Wir waren rasend vor Sorge um die Kaiserin und Zorn auf die Feinde, hatten sie es gewagt, dieses g�ttliche Wesen in den Schlamm zu werfen! Ich und f�nf andere blieben bei der Kaiserin, der Rest von uns st�rmte auf den H�gel gegen den Feind. Wir hatten Verluste, aber der Feind war von unserem pl�tzlichen Kampfeswillen �berrascht ... und wenig sp�ter ergriffen die Lebenden die Flucht.
Wir knieten bei der Kaiserin, ihr steckte ein Pfeil tief im Bauch. Als sie die Augen �ffnete, sprach sie mich an:
"Wie hei�t du?"
"Xiai Lungbai, meine Kaiserin."
"Bist du verwundet?"
"Ja, meine Kaiserin."
"Bist du diesen Krieg leid?"
"Ja, meine Kaiserin."
"Ich auch. Aber ich muss ich ihn ja auch nicht mehr lange ertragen ..."
"Meine Kaiserin, wir bringen Euch sofort zu einem Arzt ..."
"Nein! H�re Lungbai, nimm diesen Ring und trage ihn!"
Sie zog ihren Siegelring vom Finge und reichte ihn mir.
"Meine Kaiserin, das darf ich nicht!"
Sie nahm meine Hand, steckte mir den Ring an den Finger und sprach l�chelnd:
"Das ist ein Befehl. Mach dem Leid des Krieges auf ewig ein Ende."
Dann holte sie tief Luft und rief mit letzter Kraft: "Lang lebe der Kaiser!" und schlie�lich starb sie in meinen Armen.
Geschockt kniete ich da. Die M�nner um mich herum fielen ein: "Lang lebe der Kaiser!"
Der Ruf breitete sich aus wie ein Feuer. Ich f�rchtete die Gener�le und Prinzen auf dem Feldherrenh�gel, die wohl lieber selbst Kaiser werden wollten. Ich sah zum Feldherrenh�gel. Pl�tzlich wurde die f�nf Gener�le und die zwei Prinzen von je zwei Gardeoffizieren gepackt und ihnen die Kehlen aufgeschnitten.
Wir brachten als erstes die Kaiserin von diesem Schlammfeld.
Als wir die Garde erreichten, kam der Gardehauptmann auf mich zu, der einen Kopf gr��er war als ich. Ich hatte Angst, er w�rde mich nun t�ten wie die Gener�le. Er sprach: "Die Kaiserin wollte es so. Ich hatte Befehl, alle Gener�le und Prinzen t�ten zu lassen, sobald sie einen Thronfolger bestimmt hatte. Derzeit eilt mein Adjutant in die Kaiserliche Stadt, um dort den Rest des letzten Befehls der Kaiserin an mich zu erledigen ... Keine Angst, ich werde Euch sch�tzen und Euch dienen, durch mein Leben oder meinen Tod." Dann kniete er sich in den Schlamm, nahm meine Hand und k�sste den Siegelring: "Ich und die Garde schw�ren Euch Treue und Unterwerfung bis in den Tod." [...]
|