Biographien
Nyagma Tsunyeshe, der Leopard von Shamar Rinpoche Lama Galai
Im Jahre 1742 wurde Nyagma Tsunyeshe als zweiter Sohn des Tagel�hners Dropug Tsunyeshe in Garthok, einer kleinen Stadt des gosharischen Distriktes Dwag Po, geboren. Dort verbrachte er die ersten sechs Jahre seines Lebens, bis seine Familie in einen Vorort Godwanas zog, wo sich der Vater als Fu�soldat im 12. f�rstlich-gosharischen Infanterie-Regiment einschrieb. Seine Einheit wurde an die Nordgrenze verlegt und so verlebte Nyagma die n�chsten Jahre amit seinen vier Geschwistern bei seiner Mutter.
Mit vierzehn Jahren verdiente sich Nyagma bereits l�ngere Zeit als Hilfsarbeiter auf umliegenden Geh�ften und trat eine Stelle als Bote des Ortsvorstehers von Ghorsa an. Als er sich nach wenigen Wochen Dienst von letzterem ungerecht entlohnt f�hlte, stahl er ihm drei Yak-Felle und
machte sich davon. Aus Angst vor eine Strafe kehrte er nicht zu seiner Mutter zur�ck und trieb sich stattdessen in den Gassen Godwanas herum. Nach vier Wochen wurde er von seinem ehemaligen Herrn auf einem Markt entdeckt und lie� ihn dem �rtlichen Richter vorf�hren. Dieser "dictierte ihm 30 Pr�gel. Der f�rstliche Commissar wu�te dergleichen Befehle auf dem Marktplatze trefflich zu vollstrecken. Tsunyeshe hat gestanden, da� diese Execution vor den Augen des Publicums ihn tief geschmerzt, aber auch f�r sein ganzes zuk�nftiges Leben entschieden habe", hei�t es in den sp�teren Prozessakten des Spezialgerichtes in Godwana.
Der nun als Verbecher Ge�chtete sammelte in den folgenden Jahren eine Bande um sich, mit der er den gesamten n�rdlichen Teil der Provinz unsicher machte. "Er kannte von seynen vorigen Streyfereien her eine Menge muthiger, listiger, arbeitsscheuer Taugenichtse und da er das Bed�rfnis f�hlte, bey den Gesch�ften, zu denen er sich nun bestimmt hatte, Unterst�tzung zu haben, so war zwischen diesen und Tsunyeshe bald eine Verbindung zu Stande gebracht, die sich der Stra�enr�uberei, der �berf�lle bei Nacht, der Brandstiftungen und gar des Mordens schuldig machte." Er lauerte H�ndlern an einsamen Stra�en auf und �berfiel die Tempel kleiner Ortschaften, um die Heiligen Sch�tze zu Geld zu machen. 1759 erschlug er bei einem seiner �berf�lle den Wachmann Wasang Daarna und begann damit seinen ersten Mord, der nicht der letzte sein sollte.
1761 wurde er bei in einem Lager am Fu�e der Langmak-Berge gestellt und in den Windm�hlenturm Godwanas gebracht, aus dem er allerdings nach nur drei Tagen entkommen konnte. Er zerschlug den morschen Holzboden der im ersten Stockwerk liegenden Zelle und erw�rgte den Wachmann, der im Erdgeschoss sa�. �ber die Treppen gelangte er an die Spitze des Turmes und lie� sich an einem der Windm�hlenfl�gel hinab, um mit einem gewagten Sprung in den Stadtgraben, bei dem er sich den Fu� brach, zu entkommen.
F�nf weitere Jahre w�tete der "Leopard", wie man den selbsternannten R�uberf�rsten aufgrund der Schnelligkeit, mit der er nachts zuschlug, nannte, bis er bei einem Einbruch in das Rathaus von Yalong, auf dessen Stadtkasse er es abgesehen hatte, ein zweites Mal gestellt werden konnte.
Am 25. Oktober 1766 er�ffnete ein Spezialgericht in Godwana die Hauptverhandlung gegen 68 Angeklagte. 122 Zeugen lud die Staatsanwaltschaft, 211 Zeugen laden die Verteidiger.
97 Verbrechen allein wurden dem "Leoparden" zur Last gelegt. Tausende G�ste aus ganz Chinopien weilten in Godwana und stritten t�glich um die 200 Eintrittskarten, deren Preise st�ndig stiegen und deren Erl�s der Armenkasse zufloss. Drei volle Tage dauerte die Verlesung der Anklageschrift.
Am Nachmittag des 20. November zog das Gericht seine Mitglieder zur Beratung zur�ck, am 21. November verk�ndete das Tribunal das Urteil gegen 42 Angeklagte und sprach 19 Personen mangels Beweises frei. Auf Tsunyeshe und 20 Komplizen erkannte das Gericht die Todesstrafe. Kerkerketten und Zuchthaus erwarteten die anderen. Neun Morde, 42 Raub�berf�lle und 33 Diebst�hle hielt das Gericht bei Tsunyeshe f�r erwiesen. Am 22. November 1766 vollstreckte man vor den Toren von Godwana die Todesurteile. 50 000 Zuschauer umdr�ngten neugierig die Galgen.
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