Über Siebenbürgen
Siebenbürgen wird nach Osten und Süden vom Bogen der
Karpaten, im Westen von den Höhen des West- oder Erzgebiges begrenzt.
Seine bedeutendsten Städte sind Kronstadt (rumänisch Brasov,
ungarisch Brassó), Hermannstadt (Sibiu, Nagyszeben), Klausenburg
(Cluj-Napoca, Kolozsvár) Bistritz (Bistrita, Beszterce), Schäßburg
(Sighisoara, Segesvár), Mediasch (Medias, Medgyes), Mühlbach
(Sebes- Alba, Szászsebes), Neumarkt (Tîrgu Mures, Marosvásár-
hely), Weißenburg (Alba Iulia, Gyulafehérvár).
Wie die Dreisprachigkeit der Ortsnamen andeutet, leben drei Völker,
Siebenbürger Sachsen (Deutsche), Rumänen und Ungarn, in diesem
Teil Europas zusammen. Es gibt weitere Völkerschaften wie die Sinti
und Roma, Armenier, Türken, Juden, Ukrainer u.a., die im Laufe der
siebenbürgischen Geschichte auch eine Rolle spielten. Bis 1918 gehörte
Siebenbürgen zu Österreich-Ungarn, dann wurde es mit Altru-
mänien (Moldau und Walachei) vereinigt und gehört seither zu
Rumänien.
Zwar ist durch die massive Auswanderung der Siebenbürger Sachsen
in die Bundesrepublik seit 1990 der deutsche Bevölkerungsanteil stark
zurückgegangen, aber ihr Anteil an der kulturellen Mitgestaltung
Siebenbürgens in den knapp 850 Jahren ihrer Geschichte ist bedeu-
tend gewesen.
Die Siebenbürger Sachsen wurden in der ersten Hälfte des 12.
Jahrhunderts vor allem aus dem niederrheinischen Raum durch ungarische
Könige - die Ungarn waren etwa um das Jahr 1200 bis an den burzen-
ländischen Abschnitt des Karpatenbogen vorgestoßen - als Kolo-
nisten gerufen. Sie siedelten in Nordostsiebenbürgen um Bistritz,
in Südsiebenbürgen um Broos, Mühlbach, Hermannstadt,
Mediasch und Schäßburg, in Zentralsiebenbürgen um Weis-
senburg, Thorenburg und Klausenburg und in der südöstlichsten
Provinz des Landes, im Burzenland, dessen Hauptort meine Geburtsstadt
Kronstadt ist.
Die Siedlung erfolgte in mehreren Schüben und ergab fünf große
Siedlungsgebiete, die anfangs administrativ und politisch autonom waren:
die Sieben Stühle mit dem Vororot Hermannstadt, der nachmalig auch
die politische Hauptstadt der Siebenbürger Deutschen war, die Zwei
Stühle um Mediasch und Marktschelken, das Burzenland, der Nösner
Gau um Bistritz; und Klausenburg und Umgebung. Die Sieben und die Zwei
Stühle bildeten durch ihre geografische Nähe früh eine
wirtschaftliche und politische Einheit, während das Burzenland, das
vom übrigen Siebenbürgen durch den Höhenzug des Geister
Waldes (Persani-Gebir-ge) getrennt ist, selbst nach dem Zusammenschluß
aller Siebenbürger Sachsen zur 'Nationsuniversität' in der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (unter dem bedeutenden ungari-
schen König Mathias Corvinus (1458 -1490)) wiederholte Interessen-
konflikte wirtschaftlicher und politischer Natur mit den Sieben und Zwei
Stühlen austragen mußte.
Doch diese beiden politischen und wirtschaftlichen Pole fanden ange-
sichts des vor allem seit der Auflösung des Königreichs Ungarn
nach der Schlacht von Mohács 1526 zunehmenden türkischen Gefahr
immer wieder zueinander. Das wichtigste Bindeglied wurde der neue Glaube,
den der Kronstädter Johannes Honterus im Oktober 1542 durch die
erste evangelische Messe in der Kronstädter Pfarrkirche zum Durch-
bruch brachte.
Die Landschaften, welche die Siebenbürger Sachsen besiedelten, zeich-
nen sich durch zahlreiche befestigte Kirchen (sogenannte Kirchenbur-
gen) und durch typische Stadtkerne aus, deren Architektur betont alter-
tümlich (mittelalterlich) ist.
Die Geschichte Siebenbürgens zerfällt in insgesamt sechs
Perioden:
- das Mittelalter (bis etwa 1490);
- die frühe Neuzeit und die Neuzeiit, welche hauptsächlich mit
dem unabhängigen Fürstentum Siebenbürgen (bis in die
zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts) zusammenfallen;
- die österreichische Zeit (bis 18867);
- die ungarische Zeit (bis 1918);
- die rumänische Zeit.
©Klaus Popa
Dokument: .../einleit.htm/ Erstellt: 05..09.96. Letzte Änderung: 13.02.2000
Autor: Klaus Popa