RAUMSCHIFF BLUEFOX – NCC 1701-E

PROLOG

Der Aufbau einer neuen Föderation

STARRING

Matthias Currat

ALS

Captain Matthew Bluefox

Andreas Kägi

ALS

Commander Andrew Ceagy

Nicole Streich

ALS

Doktor Nicole Strike

Daniel Chollet

ALS

Lieutenant Danny Chollet

Stephanie Knecht

ALS

Counselor Stephanie Knight

Ramon Baur

ALS

Lieutenant Ramon Boer

Fabian Blatter

ALS

Chief Fabius Blater

Isabel Schneider

ALS

Doktor Isabelle Snyder

Thierry Weidmann

ALS

Lieutenant Thierry Whiteman

Deborah Grossniklaus

ALS

Doktor Deborah Crossnicholls

Judith Baumann

ALS

Lieutenant Judy Boeman

Nadine Humbel

ALS

Lieutenant Nadine Humble

Monika Heusser

ALS

Lieutenant Monique Hewsser

Denise Werffeli

ALS

Lieutenant Denise Werwealy

Jasmin Grossniklaus

ALS

Fähnrich Jasmine Crossnicholls

Sarah Bärtschi

ALS

Fähnrich Sarah Bearchy

Andrea Berger

ALS

Fähnrich Andrea Berger

ALSO STARRING

Brent Spiner

ALS

Lore

Anita Currat

ALS

Matthew Bluefox’ Mutter


11. Januar 2400 - An der Schwelle zum 25. Jahrhundert

 

Viele zerstörte oder beschädigte Häuser waren zu sehen. Ab und zu wurden die Trümmer von einem unversehrten Haus oder einer Scheune überragt. Da war auch mal eine Sendestation eines Fernseh- oder Radiosenders vorhanden. Nur eines von vielen total zerstörten Objekten, die nach einem unheimlichen und furchtbaren Krieg zweier großen Streitmächte vollkommen zerstört wurden. Diese beiden Mächte wurden dargestellt von der Föderation der Vereinten Planeten und dem Dominion. Der Krieg endete vor etwas mehr als 25 Jahren. – So wurde es auch vom Reporter des aktuellen Schweizer Nachrichtensenders „SF INFO“ kommentiert. – Als diese Meldung vorbei war, schaltete sich das Bild im Flachbildschirm des Computers ab und ein Schriftzug war zu sehen. Es stand in Kapitalbuchstaben darauf: „ÜBERTRAGUNG BEENDET“. – Ein ungefähr vierzigjähriger Mann erhob sich aus seinem Bürosessel und streifte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er trug ein graues Hemd, geschmückt mit einer dunkelblauen Krawatte und darüber ein Anzug in der Farbe des Hemdes. Dazu trug er schwarze Hosen und schwarze Schuhe. Er machte keinen glücklichen Eindruck, so schien es. Er dachte sich, er hätte von diesen schrecklichen Nachrichten nun genug gesehen und gehört. Da öffnete er die Tür seines Zimmers und verließ es. Er marschierte einem langen Flur entlang und erreichte ein helles Treppenhaus. Die Treppenstufen nahm er mit Schwung und ging zur offenen Haupttür des dreistöckigen Gebäudes heraus. – Er befand sich nun also im Freien. In einer Garage stand an einer Wand angelehnt ein Cycle-Shuttle. Das war ein Roller des 24. Jahrhunderts, jedoch ohne Räder. Dennoch erreichte dieses Shuttle eine beachtliche Geschwindigkeit und konnte bis auf eine Höhe von ungefähr tausend Metern steigen. Der Mann bestieg das Shuttle sogleich und aktivierte das Startsystem sowie den Bordcomputer. Nicht anders als bei einem gewöhnlichen Roller war der Pilot im Freien, nicht unter einem Dach. Deshalb war auch eine Kopfschutzpflicht erlassen worden für diese Fahr-, oder besser ausgedrückt, Flugzeuge. – Das Shuttle erhob sich wenig später in die Lüfte. Es regnete stark und es blies ein forscher Westwind. Der Pilot gab einige Koordinaten ein, um eine exakte Route abfliegen zu können. Es waren südwestliche Koordinaten, die einen Zielort in der Region Winterthur ergaben. Winterthur war zu diesem Zeitpunkt die größte Industriestadt Europas. Der Shuttlepilot öffnete per Knopfdruck eine Computerdatei und begann zu sprechen.

 

Privates Computerlogbuch nach Start in Romanshorn, Matthew Bluefox, Sternzeit 77000.3

 

««Tja, es regnet wieder einmal in Strömen und es bläst sehr stark, wie man es sich in Romanshorn ja auch nicht anders gewöhnt ist – auch nicht im Verlaufe von mehreren hundert Jahren. Aber nun zum eigentlichen Punkt meines Eintrages: Ich habe mir heute wieder einmal die aktuellen Nachrichten aus den Ehemaligen Vereinigten Staaten von Amerika angesehen. Und es kommen immer wieder die selben Bilder. Es ist frustrierend. Immer noch ist der gesamte amerikanische Kontinent sehr stark betroffen von den Folgen des Dominionkrieges. Die Föderation wurde ja vor knapp 26 Jahren beinahe zur Gänze ausgelöscht vom Dominion. Aber es war laut dem Oberkommando auf der Erde ein Unentschieden. Die Menschheit wurde nicht vollkommen vernichtet und die Kräfte des Dominion konnten gänzlich neutralisiert werden. Die gesamte Raumflotte von uns wurde vernichtet. Heute wurden mir die aktuellen Statistiken der Sternenflotte gesandt. Und es sind in den 25 Jahren des Wiederaufbaus der Föderation einige Erfolge zu verzeichnen. Wir haben immerhin wieder ein Flaggschiff. – Ein Schiff, das größer ist als ein Frachter. Wir mußten wieder bei null anfangen, wage ich zu behaupten. Das Flaggschiff ist ein Raumschiff der Galaxy-Klasse. Diese Klasse feiert nächstes Jahr ihr 33jähriges Bestehen! Wäre die Föderation nie auf das Dominion gestoßen, dann ­– so befürchte ich – würde es die Galaxy-Klasse schon seit fünf Jahren überhaupt nicht mehr geben; höchstens noch in den Museen. Aber zurück zum Thema: Im Moment verfügt die Sternenflotte wieder über 14 Raumschiffe. Davon sind eben 13 Stück nur Fracht- oder Linienschiffe. Aber das neueste Schiff ist – ich wage es zu sagen – wieder ein richtiger Meilenstein. Wir haben wieder ein richtiges Raumschiff! Es ist die U. S. S. Bluefox NCC 1701-E, der Nachfolger der vor 26 Jahren zerstörten U. S. S. Enterprise NCC 1701-E. Die Föderation hat beschlossen, diese Registriernummer weiterhin zu verwenden. Dieses Schiff wurde nach meinem Nachnamen benannt, es ist also kein zufällig gewählter Name. – Und warum wurde es nach meinem Nachnamen benannt? Weil ich jetzt die neueste Meldung habe: Ich werde das Flaggschiff der Föderation kommandieren dürfen! Allerdings brauche ich auch eine richtig gute Besatzung für das Flaggschiff. Ich habe auch schon eine Idee, wen ich alles dafür nominieren werde. Ich war mit einer kleinen, aber feinen Gruppe von Kadetten in einer Klasse der Akademie von Dägerlen, dem Hauptbezirk im Kanton Zürich. Es wird Zeit, daß sich diese Gruppe, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, wieder einmal zu einem Klassentreffen zusammenfinden sollte. Im Moment verfügt die Sternenflotte über äußerst wenig Personal. Deshalb muß ich selbst für meine Crew verantwortlich sein – inklusive Beschaffung! Da ein größerer Teil der künftigen Schiffsoffiziere keine richtigen Ausbildungen hat, vertraue ich auf deren momentanen Kenntnisse und Gaben. Der Föderationsrat teilte mir per Kurznachricht mit, daß der Name „Bluefox“ ein Fraktionsname der Sternenflotte sein würde. Das bedeutet, wir werden von der Sternenflotte unterstützt, weil wir nach deren Protokollen arbeiten und alle Befehle befolgen, aber wir sind dennoch selbständige Leute und dürfen mit unserem Schiff auch die Grenzen der Föderation verlassen. Viele andere Fraktionen haben dies auch getan und bildeten Kolonien auf verschiedenen Planeten. Diese Leute brauchen die Unterstützung der Föderation nicht mehr oder nicht mehr oft. Einige dieser Fraktionen wollten nicht mehr unter der Sternenflotte dienen und beschlossen, sich gegen sie aufzulehnen. Die Schiffe der feindlichen Fraktionen hätten uns beim Wiederaufbau stark geholfen, aber sie waren nicht bereit, ihre Existenzsicherung herzugeben und mit einer großen Gemeinschaft zu hoffen, nachher noch viel mehr besitzen zu können. – Ich fliege jetzt mit meinem Shuttle in das Gemeindegebiet von Dägerlen, wo eben diese Akademie sowie auch die Hauptkanzlei steht. Zuerst statte ich aber noch einem alten Bekannten einen Besuch ab, wenn ich wieder richtig zu Hause bin. Ich wohne zwar in Romanshorn, aber mein Herz schlägt nach wie vor für Dägerlen. Dies ist schließlich meine Heimatgemeinde.»»

 

Matthew Bluefox parkierte sein Cycle-Shuttle gekonnt in eine freie Parklücke. Er befand sich nun in der Gemeinde Dägerlen, genauer ausgedrückt, in der Ortschaft Bänk. Bluefox staunte kurz und sagte leise: «Es sieht immer noch aus wie vor dem Krieg. Das Quartier ist immer noch wie neu.» Er marschierte einer Häuserreihe entlang, eine Treppe hinunter und kam beim letzten Wohnhaus in der langen Reihe an. Er schaute zuerst in das Wohnzimmer durch die Glastür links von der Haupteingangstür hindurch, doch er konnte niemanden erkennen. Dennoch läutete er. Da kam tatsächlich wenige Sekunden später ein um einige Jahre jüngerer Mann vom oberen Stockwerk herunter und öffnete Matthew Bluefox die Tür. Bluefox begrüßte seinen Kollegen freundlich: «Oh, Ceagy! Toll, daß Sie zu Hause sind!» Ceagy erwiderte Bluefox‘ Gruß und bat ihn hereinzukommen und sich an den Tisch im Wohnzimmer zu setzen. Ceagy holte sogleich zwei Gläser aus einem Schrank und nahm aus dem Kühlschrank in der Küche eine Flasche mit einem alkoholischen Getränk heraus. Die Flaschenform deutete auf ein Alkoholgetränk hin. Bluefox war überaus begeistert und sagte: «Oh! Alkalischer Brandy! Wo haben Sie denn diese Flasche her?» – «Die habe ich immer auf Vorrat hier. Ich kaufe mir immer wieder mal eine Flasche, wenn die alte langsam leer wird.» antwortete Ceagy. Bluefox wunderte sich über die Einrichtung von Ceagys Küche und fragte ihn schmunzelnd: «Haben Sie immer noch einen Kühlschrank und einen elektrischen Kochherd bei sich? Haben Sie sich noch keinen Replikator gegönnt?» – «Nein, ich stehe auf altmodische Einrichtungen! Außerdem mögen es die Frauen, wenn sie hin und wieder mal original bekocht werden.» antwortete Ceagy und mußte kurz lachen. Er schenkte sich und Bluefox ein. Als die Hälfte von Bluefox‘ Glas gefüllt war, hob der die Hand und meinte: «Danke, danke! Das genügt. Ich habe noch ein Shuttle draußen!» – «Wie Sie meinen.» erwiderte Ceagy und stellte die Literflasche auf den Tisch, etwas abseits. Ceagy sagte zu seinen alten Kumpel: «Sie kommen doch sicher aus irgendeinem Grund hierher nach Dägerlen!» – «Ganz richtig. Ich habe von der Sternenflotte eine Kurznachricht erhalten. Das Flaggschiff der Föderation, die U. S. S. Bluefox NCC 1701-E, wird in zwei Tagen an die Crew und deren Captain übergeben. Na, jetzt staunen Sie, was? Sie haben richtig verstanden, Andrew! Das Schiff heißt „Bluefox“ und ich werde der Captain sein!» Ceagy runzelte erst die Stirn, dann schaute er Matthew Bluefox staunend an. Er meinte verwundert: «Sie?! Ich dachte, Sie hätten bereits Arbeit?» – «Jetzt nicht mehr! Ich habe meine Stelle sofort gekündigt und den Posten des Captains auf der Bluefox angenommen. Ich habe mich beworben und sie haben mich jetzt auch genommen. Bei der Sternenflotte dauert das nicht sehr lange, wie Sie wissen.» erwiderte Bluefox. Ceagy fragte: «Und warum kommen Sie jetzt mit dieser Nachricht zu mir?» – «Ich brauche noch einen verläßlichen Ersten Offizier, Andrew, deshalb komme ich hierher. Und es gibt für mich keinen besseren Mann für diese Position als Sie. Ich wähle meine Mannschaft selbst aus und handle nach eigenem Ermessen.» antwortete Bluefox. Ceagy fiel fast der Kinnladen herunter und er mußte kurz nach Luft schnappen! Erst nach einem Augenblick konnte er sich wieder fassen und fragte zur Sicherheit nochmals nach: «Erster Offizier des wichtigsten Schiffes der Föderation? Habe ich das richtig verstanden? Ich bin aber nur bis zum Lieutenant ausgebildet worden. Das wissen Sie doch.» – «Sie haben ausgezeichnete Führungsqualitäten, ob Lieutenant oder Admiral. Das kommt nicht darauf an. Zusätzlich sind Sie ein Mensch, der mich gut kennt und der mich in meinen Arbeiten gut unterstützen kann. Damit es noch für die Rangstatistik stimmt, von der ich ohnehin nicht soviel halte wie andere Captains, beförderte ich Sie hiermit ab sofort zum Commander.» meinte Bluefox. Er sagte es, als wäre es das Normalste auf der Welt und als gäbe es dies in der Sternenflotte immer wieder. Eine Beförderung vom Lieutenant zum Commander gab es aber noch nie so direkt in der Sternenflotte, seit der Krieg vorbei war! Auch früher wurden noch nie Offiziere gleich um zwei Rangstufen nach oben befördert. Dazwischen war ja noch der Lieutenant-Commander. – Der frischgebackene Commander Andrew Ceagy konnte sein Glück kaum fassen und mußte gleich einen kräftigen Schluck aus seinem Glas nehmen! Er fragte den Captain: «Und wann muß denn alles bereit sein? Wann genau wird die Bluefox besetzt?» – «Übermorgen, aber bis dahin muß aber noch einiges gemacht werden. Jetzt zählt die Crew erst zwei Leute. Das wird sich noch ändern müssen bis in zwei Tagen. Ich schlage vor, daß Sie mir helfen bei der Suche nach allen anderen Kollegen aus der Akademieklasse in Dägerlen. Sie kennen doch sicher noch ein paar, oder?» erwiderte Bluefox. Ceagy erinnerte sich genau und antwortete: «Sicher. Danny, Judy, Monique, Denise, Debbie, Jazzy, Izy, Steevy, Nicole, Nadine und noch ein paar. Da kommen einige zusammen. Außer Debbie wohnen noch alle hier. Es wird einfach sein in den nächsten zwei Tagen alle zu erreichen.» Bluefox schlug vor: «Wir machen es so: Sie übernehmen alle Rutschwiler und Bergemer. Ich klopfe die Oberwiler, die Niederwiler und die Dägerler ab. So haben wir es schneller. Ich muß nämlich noch einen Zeitraum finden, in dem ich kurz nach Eibiswald fliegen kann. Meine Eltern sollten wissen, daß ich gekündigt habe in Romanshorn und daß ich nun sozusagen ein neues Leben anfange. Ein neues Leben mit den alten Kollegen. Ich glaube, daß dies das Beste für mich ist. Natürlich geht das nur, wenn die anderen mitmachen wollen. Die Erforschung des Weltraumes ist für keinen Menschen etwas Langweiliges, da bin ich mir sicher!» Ceagy nahm dies zur Kenntnis und nickte. Er gab zurück: «Da haben Sie vollkommen Recht. Aber eine Frage habe ich jetzt trotzdem noch: Wo liegt denn Eibiswald?» – «Das liegt in der Steiermark, Österreich. Dort hat sich meine Mutter und deren Freund Peter ein Haus gekauft, nachdem ich endlich mal selbständig wurde!» antwortete Bluefox. Beide lachten kurz und gönnten sich wieder einen Schluck. Bluefox sagte plötzlich: «So, jetzt muß ich weiter. Sonst schaffe ich es wohl kaum noch in die Steiermark. Die Crew wartet, das Schiff wartet! Besser wird es wohl nicht mehr!» meinte Bluefox. Er stand auf und bedankte sich bei der Gastfreundschaft seines künftigen Ersten Offiziers.

Wenig später saß er schon wieder im bequemen Sitz seines Shuttles und setzte einen Kurs mit der Maximalgeschwindigkeit nach Südostösterreich. Er wollte ohne Zwischenlandung in einer knappen Stunde dort sein. Während dem Flug hörte er sich ein paar klassische Stücke aus der Musikdatenbank des Computers an. Es war traumhaft. Ein letztes Mal womöglich konnte er nochmals so richtig ausspannen und die Erde von ganz nahe sehen für eine längere Zeit. Er beobachtete die Autobahn von Innsbruck nach Villach. Die Berge und die engen Pässe waren schon sehr beeindruckend. – Besonders mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach im Hintergrund!

Die Reise verlief ohne Probleme und sie endete mit der erfolgreichen Landung beim Gasthaus Schindler, einem wirklich antiken Monument aus dem Jahre 1878! Das Gasthaus wurde aber immer noch betrieben und diente als beliebter Gesellschaftsplatz für die Bewohner der Umgebung. Gleich neben dem Restaurant mit dem integrierten Hotel befand sich das Haus von Matthew Bluefox’ Eltern. Eine Steintreppe führte zum Eingang der Wohnung hinunter. Das Haus lag an einem Hang und war deshalb besonders im Winter nur schwer erreichbar. Der künftige Sternenflottencaptain lief die Treppe hinunter und öffnete gleich die Tür zur Wohnung seiner Eltern. Hier mußte er ja nicht läuten oder anklopfen. Inzwischen hatte er bereits eine Sternenflottenuniform angezogen. Auf Brusthöhe rechts glänzte ein goldener Pin, ein sogenannter Kommunikator. Damit konnte man sich auf einem Raumschiff, aber auch vom Mutterschiff zu einem Außenteam unterhalten. Kommunikatoren dienten primär als interne Minitelefone für die Crew eines größeren Raumschiffs. An der linken Kragenseite der Uniform des Captains steckten vier goldene runde Sticker. Es waren die Rangabzeichen. – Bluefox stand nun im Flur der Wohnung. Da hörte er Schritte, die vom Wohnzimmer herkamen. Einen Augenblick später erschien eine Frau um die siebzig Jahre. Es war die Mutter von Bluefox! Als sie ihren Sohn so erblickte, staunte sie nicht schlecht und blieb stehen! Sie sprach: «Matt, was machst du denn in dieser Aufmachung hier bei uns um diese Zeit? Du solltest doch bei der Arbeit sein!» – «Darüber wollte ich dich ja gleich informieren, Mutter. Ich habe eine neue Arbeit gefunden und wollte dir dies noch berichten, bevor ich abreise.» erwiderte er. Sie erkannte die momentane Lage sofort und sagte zu ihrem Sohn: «Du bist jetzt bei der Sternenflotte, nicht wahr? Du hast doch gesagt, du hättest dies jetzt abgelegt. Du wolltest doch Fortschritte machen und neue Dinge kennenlernen – nicht immer an diesem Raumschiffszeug hangen. Ich habe dies doch ebenso gefördert. Und jetzt brichst du diese Regeln schon wieder?» – «Ich will wieder mit meinen alten Freunden zusammen sein. Und dies ist der ideale Weg. Ich habe ein Kommando angeboten bekommen, Mutter! Ich kann das Flaggschiff der Föderation kommandieren!» erklärte er. Sie erinnerte sich: «Schon als kleiner Junge wolltest du immer in den Weltraum als Captain eines Raumschiffes. Du hast sogar noch Geschichten geschrieben davon. Ich dachte, du würdest es dabei belassen. Aber wie ich sehe, meinst du es also ernst. Du hast eine Ausbildung gemacht, von der ich nichts weiß und dann hast du deine Ausbildung zum Technischen Kaufmann abgebrochen, ebenso die Berufsschule. Leute in deinem Alter haben es ohnehin schwer, noch eine neue Ausbildung zu starten, aber du hattest Glück! Ich hoffe, du denkst an den Menschen, der vielleicht mehr Wille gehabt hätte als du, der es aber nicht geschafft hat, weil du es geschafft hast! Ich kann jetzt auch nichts mehr daran ändern, ebenso wenig Peter. Aber du weißt ja auch, was er davon hält. Er ist an einem Eisstockschießturnier und kommt erst heute Abend wieder nach Hause. Ein Glück, daß er nicht hier ist und dies jetzt sofort erfährt.» Bluefox erkannte enttäuscht: «Das heißt, daß du mich nicht unterstützen wirst.» – «Ich bin deine Mutter, Matt! Ich muß dich unterstützen bei allem, was du tust. Aber ich bin einfach maßlos enttäuscht darüber, daß du wieder einen Schritt zurück gemacht hast. Du hast dich den Herausforderungen und Ansprüchen einer Ausbildung nicht gestellt und bist nur dem nachgegangen, was du gut konntest und was dich interessierte.» meinte Bluefox‘ Mutter. Der Captain konterte: «Ich glaube, daß ich genau darum diesen Schritt gemacht habe. Um einen Beruf vollkommen richtig und gewissenhaft ausführen zu können, muß man etwas davon verstehen und Spaß daran haben. Und das ist in diesem Fall vollkommen vorhanden. Ich weiß, daß du davon nichts hältst, aber ich tue mein Bestes, um meinen Job super zu erledigen.» – «Dann soll es so sein. Viel Glück, Matt. Sei vorsichtig.» meinte seine Mutter schließlich und umarmte ihn. Danach ging er zur offenen Haustür hinaus und stieg die Treppe hoch zum Shuttle. Er flog wieder zurück nach Hause, nach Dägerlen.

Als der zukünftige Captain der U. S. S. Bluefox nach einer Stunde wieder in Oberwil, seinem zweiten Wohnort angekommen war, suchte er sogleich die Funkkoordinaten seiner alten Kollegen und Kolleginnen heraus. Einige der Klasse zogen um und wechselten somit auch die Koordinaten. Dennoch fand Bluefox die Zahlen heraus und begann nach der Nummernhöhe seinen alten Freunden Nachrichten zu senden.

Andrew Ceagy begann am kommenden Morgen seine Kollegen in der Region aufzusuchen. Da er sowieso noch einkaufen gehen mußte, flog er mit seinem Cycle-Shuttle gerade noch zur Mehrzweckhalle in Rutschwil, wo er jemanden gut kannte, der am Morgen immer für Kunstturnaufführungen trainierte. Und er hatte Glück. «Danny! Wieder am Trainieren, wie immer am Morgen! Hallo!» begrüßte Ceagy den athletisch gebauten Turner. Der Mann war gut dreißig Jahre alt vom Aussehen her. Danny erwiderte: «Sowieso, Andrew! Besonders dann, wenn wir wieder für den Weinländer Sporttag im Einsatz stehen. Ich habe wieder eine gute Truppe zusammen für den Weinländer. Die haben richtig Freude und Talent.» – Mit vollem Namen hieß er Danny Chollet. Er beendete seine Barrenübung und schwang über den Holm. Ceagy erzählte: «Ich habe da gerade von einem alten Freund eine Nachricht bekommen, die Sie sicher ebenfalls stark interessieren wird: Matthew Bluefox wird das Kommando auf dem neuen Flaggschiff der Föderation übernehmen. Und der Captain braucht noch eine gute Crew. Er möchte, daß unsere Klasse aus der Rutschwiler Akademie seine Crew wird. Darum bin ich gekommen. Ich möchte Sie fragen, ob Sie Lust hätten, mit der U. S. S. Bluefox auf Forschungsmissionen zu gehen!» Danny Chollet mußte lachen und sprach: «U. S. S. Bluefox! Das klingt ja wieder typisch nach seinem Wunschtraum! Aber es klingt wirklich spannend. Weltraumforschung – und das auch noch mit Leuten, die einem alle bekannt sind. Das ist toll! Hat er schon einen Posten für mich?» – «Nein. Wie könnte er denn? Man weiß ja noch nicht einmal, ob alle kommen. Was schwebt Ihnen denn da vor?» erwiderte Ceagy. Chollet schlug vor: «Tja, ich bin sicher ein guter Nahkämpfer. Das wäre doch ein gutes Argument für einen Sicherheitschef, oder?» – «Das spricht sicher dafür! Mal schauen, ob der Captain so entscheiden wird.» entgegnete Ceagy. Er fragte Chollet daraufhin: «Ist das also eine Zustimmung, Danny?» – «Ich würde es annehmen, wenn ich noch vorher mit meiner Turnerequipe den Weinländer gewinnen könnte.» antwortete Chollet. Ceagy wollte wissen: «Wann ist denn dieser Weinländer?» – «Morgen! Ist denn das in Bänk bei euch nicht angeschrieben? Der Weinländer ist doch ein Ereignis in der Gemeinde Dägerlen, oder nicht?» entgegnete Chollet. Ceagy antwortete schmunzelnd: «Das ist er in der Tat. Aber ich schaue nicht immer auf die Veranstaltungskalender in der elektronischen Tageszeitung des Zürcher Weinlandes.» – Sie verabschiedeten sich wieder voneinander und Ceagy machte sich zum nächsten potentiellen Offizier an Bord der Bluefox auf.

 

«Ja, das freut mich, Nicole! Dann kommen Sie ebenfalls morgen zum Weinländer und danach treffen wir uns alle auf dem Roten Platz vor den Fußballtoren. Es sind schon eine Menge Leute zusammengekommen!» meinte Matthew Bluefox am Funk mit Nicole Strike. – «Abgemacht! Wieviele Personen sind denn schon sicher in Ihrer Crew?» fragte Nicole noch. Bluefox antwortete: «Schon elf! Aber es kommen sicher noch ein paar dazu. Ich habe auf meiner Seite allen gefunkt. Jetzt werde ich dann Ceagy fragen, ob er auch noch den einen oder anderen erwischt hat.» – Beide verabschiedeten sich und schlossen die Funkverbindung. – Bluefox sagte leise zu sich, als er gerade hinter dem Wort „Strike“ einen Haken machte: «So, jetzt haben wir schon eine Chefärztin, zwei Techniker, einen Steuermann mit Vertretung, einen Transporterchef. Langsam wird es eine richtige Crew.» – Der künftige Captain freute sich bereits riesig auf den kommenden Tag. Erst der Weinländer und dann die Krönung: Die Ernennung der Crew an der Stätte des Zusammenkommens, im Schulhaus von Rutschwil!

 

Am darauffolgenden Morgen schauten sich Matthew Bluefox und Andrew Ceagy gemeinsam die Aufführung am Barren von Danny Chollet an. Während den Schwüngen informierte Ceagy Bluefox: «Danny will Sicherheitschef sein an Bord der Bluefox.» – «Super! Dann haben wir jetzt auch noch einen Sicherheitschef. Der hat mir nämlich noch gefehlt!» entgegnete Bluefox in einem Schmunzeln. – Danny Chollet beendete seine Barrenvorführung perfekt, ohne auch nur den kleinsten Fehler! Es erklang ein frenetischer Applaus von den Zuschauern, besonders von den Einheimischen! Ceagy pfiff sogar. Chollet verneigte sich noch vor dem klatschenden Publikum, dann begab er sich durch einen Hintereingang zur Garderobe. Der gesamte Anlaß fand im Freien statt. Bluefox bemerkte: «Schauen Sie mal in den Himmel, Andrew! Nur Sonne und blauer Himmel. Keine einzige Wolke! Wenn es in Romanshorn mal solches Wetter wäre, so wettete ich mit einem Kollegen, den ich während der Arbeit kennenlernte, dann würde ich im Winter darauf im Bodensee baden gehen! Wenn es immer regnen würde bis zum Stichtag, den ich mit ihm abmachte, dann würde er einen Tag lang ohne Regenschirm und im besten Arbeitsanzug im Freien Krawatten verkaufen!» – «Sie sind aber auch gemein! Dem armen Kerl lassen Sie ja keine Chance! Kaufen Sie ihm aber eine schöne Krawatte ab für mich, in Ordnung?» scherzte Ceagy. Bluefox wunderte sich: «Wofür benötigen Sie denn noch eine Krawatte, wenn wir auf der Bluefox sind? Da gibt es nur noch eine Kleidung – die Dienstuniform. Vorschrift der Sternenflotte.» – «Ach, schade.» sprach Ceagy schmunzelnd. Beide wußten selbstverständlich, daß man nicht nonstop in der Dienstuniform leben würde auf der Bluefox, aber keinen von beiden interessierte es wirklich, ob Bluefox’ Wette gewonnen oder verloren würde, denn es sollte ja nur noch etwas mehr als einen Tag dauern, bis die aktuellen Geschehnisse auf der Erde für zumindest einige Monate absolut unwichtig sein würden.

Ein wirklich schöner Tag neigte sich dem Ende zu und die Zuschauer verließen nach und nach das Gelände. Nur noch die Helfer zum Abräumen der Geräte und eben die zukünftige Crew der Bluefox befand sich noch auf dem Areal der Akademie von Rutschwil. Wenige Momente später versammelten sich wirklich alle Mitglieder der Akademieklasse von Dägerlen auf dem Roten Platz! Der Captain konnte seinen Augen kaum trauen! Alle, die von ihm und Andrew Ceagy angefragt wurden, waren anwesend! Bluefox begann zu sprechen: «Ich kann es kaum glauben, daß so viele Leute zusammengekommen sind, um als Crewmitglieder an Bord der neuen U. S. S. Bluefox NCC 1701-E zu dienen, zu leben und um das Schiff und den Weltraum sowie natürlich die zukünftigen, sicherlich spannenden Abenteuer zu genießen! Freunde, Kollegen und alte Kumpel treffen sich hier wieder nach über zehn Jahren zu einem Klassentreffen, wenn man so will. Ich habe nach mehreren Anläufen die Akademie von Winterthur abgeschlossen und das Patent zum Kommandanten eines Großklasseraumschiffes erwerben können. Nicht nur die Theorie ist entscheidend, sondern vor allem die Praxis, die Diplomatie, das Gespür für brenzlige Situationen! Aber auch der Umgang mit der Crew ist ein wichtiger Faktor für die Bewertung eines Captains. – Es ist nicht selbstverständlich, daß Sie alle einfach so Zeit und vor allem Lust haben, um den Weltraum zu erforschen. Aber es ist eben wirklich eine spannende Angelegenheit und für mich, anscheinend auch für einen großen Teil von Ihnen den Abbruch eines aktuellen Berufes wert. Die Föderation ist wieder auf einem sehr guten Weg, eine richtige Macht zu werden im Alphaquadranten. Und ich bin äußerst geehrt, diese Revolution der Föderation mit Ihnen allen prägen zu können. Sie haben sich sicherlich nicht für etwas Falsches entschieden, hier mit mir auf ein komfortables Raumschiff gehen zu können und den Weltraum mit eigenen Augen, nicht bloß mit dem Fernrohr oder in einem Observatorium sehen zu können. Ich finde das eine ganz großartige Sache.» Ceagy ergriff das Wort: «Auch ich empfinde es als sehr aufregend und spannend, wenn ich daran denke, den Weltraum erkunden zu können. Auch wenn wir nicht die einzigen sind im All. Es kann durchaus gefährlich werden, aber es wird sicher auch sehr schöne Momente geben. Wir können den Weltraum mit Forscheraugen betrachten und nicht wie die Offiziere vor dreißig Jahren durch einen kleinen Bildschirm an einer Taktischen Station und immer wieder „Feuer“ und nochmals „Feuer“!» Bluefox nickte zustimmend nach dem Schlußsatz von seinem Ersten Offizier. Als er sich sicher war, daß Ceagy nicht noch etwas anhängen würde, ergriff er wieder das Wort. Er hatte ein Pad der Föderation in der Hand zur Hilfe. Dort drauf standen Notizen zur Creweinteilung für den Captain. Mindestens drei Sicherheitsleute, mindestens drei Techniker, mindestens einen Arzt auf fünf Crewmitglieder. Dies waren alles Vorschriften der Sternenflotte. Bluefox teilte seine künftige Crew provisorisch in die Bereiche der Bluefox ein: «Andrew Ceagy wird mein Erster Offizier sein und mich als Kommandant unterstützen. Wir sind beide verantwortlich für das gesamte Schiff, also dafür, daß alles funktioniert. Danny Chollet wird der Sicherheitschef sein auf seinen eigenen Vorschlag hin. Ich halte das für einen äußerst geeigneten Posten. Der Sicherheitschef übernimmt auch regelmäßig den Dienst auf der Brücke an der Taktischen Station. Diese Station wird auch noch von Monique Hewsser besetzt. Nicole Strike hat ja Medizin studiert und kommt deshalb natürlich am ehesten in Frage für den Posten des Leitenden Medizinischen Offiziers. Sie wird also unsere Chefärztin sein. In ihrem Stab werden Izy Snyder und Debbie Crossnicholls als Assistenzärztinnen einen wichtigen Teil der Arbeiten in der Krankenstation übernehmen. Die Krankenstation ist sehr groß und mit den neuesten Komponenten ausgestattet. Heute ist ja Sonntag. Die meisten Installationen werden aber erst nach dem Jungfernflug von morgen angebracht. Wahrscheinlich wird es Dienstag, bis alles fertig installiert ist. Zu den heikleren Teilen gehören zum Beispiel der Traktorstrahl oder die Photonentorpedos. Aber nun zurück zu den Posten der Offiziere: Ramon Boer, der extra nach meinem gestrigen Funkruf über 2000 Kilometer aus Spanien hierher gekommen ist, wird unser Wissenschaftsoffizier werden und an der Ops auf der Brücke arbeiten. – Die Moral der Crew gehört auch in unseren Bereich sowie in die fähigen Hände des Schiffscounselors. Steevy Knight wird der Counselor sein. Ich weiß, daß Steevy ein Psychologiestudium angefangen hat. Das reicht sicher für diesen Posten. Bei so wenig Crewmitgliedern im Vergleich zu früher ist es für den Schiffscounselor sicher keine schwierige Aufgabe mehr. Thierry Whiteman wird unser Pilot sein und die Bluefox sicher durch den Raum fliegen. Er wird auch den Frachter steuern, der uns zur Verfügung gestellt wurde, um zur Schiffswerft Vitudurum zu gelangen, wo die Bluefox im Moment im Trockendock auf uns wartet. Auch Nadine Humble und Sarah Bearchy werden für den Posten des Steuermannes gebraucht. Thierry kann ja nicht 24 Stunden im Einsatz sein. – Für die schöne Judy Boeman habe ich eine schöne Aufgabe: Sie können in der wunderbaren, neu restaurierten Bar „Zehn-Vorne“ als Barkeeperin die vielen fremden Spezies begrüßen und mit ihnen plaudern, während Sie sie bewirten. Das wäre mein zweiter Traumjob gewesen, wenn ich nicht Captain wäre! Übrigens: In Raumschiffen der Galaxy-Klasse wurden fast alle Bars Zehn-Vorne genannt. Ich finde den Namen noch passend, weil sie sich eben immer auf Deck 10 ganz vorne befindet. – Da Sie, Denise, erst im Bahnverkehr tätig waren und danach in die praktische Technik gewechselt sind, habe ich Sie als Chefingenieurin vorgesehen. Auch der Maschinenraum der Bluefox ist ganz neu entworfen worden. Und das Herzstück der Bluefox, der Warpkern, bringt uns auf eine Höchstgeschwindigkeit von Warp 9,7! Ebenfalls im Maschinenraum habe ich Jazzy Crossnicholls und Andrea Berger als Technikerinnen vorgesehen. Sie haben ebenfalls ausgezeichnete praktische Fähigkeiten und wissen viel über die Quantenphysik, so habe ich dies am Funk mitbekommen. – Fabius Blater wird unser Transporterchef sein. Er beamt Fracht sowie Personen von Ort zu Ort. Da wir so eine kleine Crew sind, muß nur ein Transporterraum besetzt sein und das auch nur zur Hauptzeit von 8 bis 17 Uhr. Damit ich das Kontingent in der Sicherheit noch voll bekomme, habe ich Sie zusätzlich als flexiblen Einsatzoffizier in der Sicherheit vorgesehen. – Dies wäre die Creweinteilung gewesen. An diesem Plan können wir natürlich immer wieder mal was ändern, wenn es nötig ist.» – Die gesamte Mannschaft schien, sehr zufrieden zu sein mit dem Plan des Captains. Bluefox sah die Begeisterung regelrecht in den leuchtenden Augen seiner alten, nun wieder neu gewonnenen Kollegen und Freunden! Dr. Strike fragte den Captain: «Wann fliegen wir los?» – «Um circa 20 Uhr. Dann sind die Vorbereitungen auf der Bluefox abgeschlossen und wir können unser neues mobiles Heim beziehen!» antwortete Bluefox. – Nachdem alle vom Captain noch die Rangabzeichen und Kommunikatoren erhalten hatten, warteten sie im Restaurant des Dorfes noch, bis es 20:00 Uhr wurde.

Als es endlich soweit war, flogen alle Crewmitglieder der Bluefox mit dem Linienshuttle von Rutschwil zur Endstation „Winterthur Flughafen“. – Dort stand bereits der Frachter der Föderation, mit dem die Crew der Bluefox zur Schiffswerft Vitudurum fliegen sollte. Es dauerte nicht lange, bis alle Formalitäten erledigt waren und die Besatzung das Frachtschiff erreichte. – Eine Minute später erhielt Lt. Thierry Whiteman die Starterlaubnis und man hob ab! Es dauerte nicht lange, bis das Frachtschiff die Erdatmosphäre verlassen hatte.

Im offenen Weltraum angekommen setzte Whiteman einen direkten Kurs zur Schiffswerft Vitudurum. Der Frachter erreichte nur die volle Impulsgeschwindigkeit. Für einen Warpkern reichten die momentanen Ressourcen der Sternenflotte nicht aus. Nur die Bluefox wurde mit einem Warpkern ausgestattet. So schwebte der Frachter also Richtung Schiffswerft Vitudurum. – Auf einmal blinkte eine Anzeige auf dem Bildschirm des Piloten Thierry Whiteman. Der Steuermann berichtete: «Captain, wir erhalten eine Nachricht vom Sternenflottenhauptquartier. Sie haben einen Notruf aufgeschnappt vom Mars. Wir sind im Moment am nächsten beim Mars und werden gebeten, dem Notruf nachzugehen.» Bluefox entschied spontan: «Gut, gehen Sie in einen hohen Orbit um den Mars. Wenn die Sache nicht zu heikel ist, dann beamen wir runter.»

Es dauerte bei maximaler Impulsgeschwindigkeit nicht sehr lange, bis das Frachtschiff den Mars erreichte. Innert weniger Minuten erreichte man das Zielgebiet. Ceagy informierte Bluefox: «Der Notruf wird jetzt auch auf meinem Schirm angezeigt. Er stammt von einer einzigen Lebensform. Es ist sonst niemand dort unten in der Region von mehreren Kilometern.» – «Gut. Dann landen wir sogar. Es ist sehr flach, wie ich auf meinen Sensoren hier erkennen kann.» entschied der Captain.

Wenige Minuten später erreichte der Frachter das Ziel. Eine kleine Station, die in einem Felsen integriert war, wurde gesichtet. Von dort aus kam auch das Notsignal laut den Tricordern, den modernen tragbaren Analysegeräten der Föderation. Ceagy und Bluefox näherten sich der Station. Auch Nicole Strike ging mit. Sie hatte einen medizinischen Tricorder bei sich. Dieses Gerät zeigte spezifische, genaue Daten über Lebensformen verschiedenster Arten an und diente insbesondere als Diagnosemittel für Verletzungen humanoider Spezies. Zur Sicherheit begleitete der Sicherheitschef Danny Chollet die Gruppe. Als die vier Freunde das Innere der Station erreichten, entdeckten sie einen Mann, die den Notruf gesandt haben mußte, denn sonst war niemand in der Station. Die Person trug normale Menschenkleider, aber das Gesicht und die ganze Haut an den Händen war blaßgolden, an der Grenze zum Weiß! Bluefox befahl Strike: «Untersuchen Sie ihn, Doktor.» – Sie scannte den merkwürdigen Mann mit dem medizinischen Tricorder und kam auf einen seltsamen Schluß: «Captain, das ist kein Mensch. Es ist eine künstliche Lebensform. Statt Blutkörperchen und Venen hat er Schaltkreise und Prozessoren in sich! Ein größerer Prozessor am Kopf hat diesen Notruf ausgesandt! Es wird vom medizinischen Tricorder als positronisches Netz angegeben. Wahrscheinlich ist es die Zentrale der Lebensform. Es könnte das sein, was bei uns das Gehirn ist.» Ceagy vermutete: «Ein Androide, wie es scheint. Es gab früher einmal einen Androiden in der Sternenflotte. Er diente an Bord der Enterprise-D und der Enterprise-E, bis die dann zerstört wurde. Dieser hier sieht dem Androiden von der Enterprise sehr ähnlich!» Strike fragte: «Und wie können wir ihn aktivieren?» Ceagy antwortete unsicher: «Ich weiß es nicht genau, aber ich versuche es mal. Ich habe einen Artikel über Androiden in der elektronischen Tageszeitung gelesen. Dieser Bericht hat mich sehr interessiert! Das könnte mir jetzt womöglich eine Hilfe sein.» – Er betätigte in der Rückenmarkregion des Androiden einen Schalter, der im Inneren eines Halsmuskels versteckt war! Ceagy fand diesen Schalter durch einen Scan mit seinem Tricorder. – Einige erschraken ziemlich, als sich der Androide plötzlich abrupt und blitzschnell aufrichtete! Er fragte verwirrt: «Wo bin ich? Wurde mein Programm nicht ebenfalls gelöscht? Bin ich aktiv?» Ceagy gab zur Antwort: «Sie sind wieder aktiv, denke ich. Ich habe vermutlich gerade den richtigen Schalter zur Reaktivierung Ihres Programms gefunden! Warum denken Sie, daß Ihr Programm gelöscht wurde?» – «Mein Bruder wurde deaktiviert. Ich anscheinend doch nicht. Ein Hologramm meines Erschaffers Doktor Noonian Soong deaktivierte Data, ein zweites Exemplar, das er erschaffen hatte. Darum sagte er uns auch immer, wir seien Brüder.» meinte der Androide. Ceagy ging sofort ein Licht auf und wiederholte: «Data! Warum kam mir das nicht gleich in den Sinn?» Die künstliche Lebensform erklärte: «Data wurde ungefähr ein Jahr vor der Zerstörung der Enterprise-E deaktiviert. Er wurde bösartig, weil Dr. Soong meine Chips mit seinen vertauschte. Ich war wohl vorhin der böse Androide. Datas Programm war alt und mußte entweder ersetzt oder eliminiert werden. Soong hatte keine Ressourcen, um einen neuen Androiden zu erschaffen. Also benutzte er Datas Matrix und unterzog sie einer Generalüberholung, damit sie wieder hundert Jahre lang problemlos laufen könnte. Lore, das bin ich, so sagte er, würde endgültig deaktiviert werden und er würde sicher nur noch mit einem Androiden arbeiten. Nun hat er sich anscheinend für mich entschieden. Ich weiß jetzt nicht, ob er noch an Data arbeitet oder nicht. Es sind sicher ein paar Jahre vergangen seit dem Krieg. Ich wurde darauf programmiert, nach einer bestimmten Zeit einen Notruf zu senden. Aber ich wurde nicht informiert, welche Zeitspanne das ist.» Da fragte der Captain: «Wir sind jetzt am Beginn des Jahres 2400. Wann wurden Sie deaktiviert?» – «Dann waren es 22 Jahre, Captain.» antwortete Lore. Chollet bemerkte: «Eine lange Zeit, bis ein Notruf gesandt wird. Wenn ich fort war, mußte ich mich am selben Abend zweimal melden!» Strike fragte Lore: «Und was machen Sie jetzt, da Sie reaktiviert sind? Auf dem Mars bleiben können Sie sicher nicht. Hier gibt es ja wirklich gar nichts. Erst über hundert Kilometer entfernt befindet sich die Mars-Bodenstation, die mehrheitlich unterirdisch angelegt wurde.»  – «Die Mars-Bodenstation. Dort wurde ich erschaffen. Womöglich befindet sich Soong noch dort!» erwiderte Lore. Bluefox meinte erstaunt: «Sie haben gesagt, es sei ein Hologramm, nicht wahr?» – «Das ist korrekt.» entgegnete Lore. Ceagy informierte: «Die Bodenstation wird gerade restauriert. Alles, was mal Energie brauchte, wurde sicherlich deaktiviert zur Sicherheit der Techniker und Mechaniker.» Lore realisierte: «Dann wird Soong auch nicht mehr dort sein.» – Alle Personen gingen wieder ins Freie, um an die frische Luft zu gelangen. Sie schlenderten zum Frachter. Auf dem Weg machte Bluefox Lore einen Vorschlag: «Ich habe eine gute Idee, Lore. Kommen Sie mit uns auf die U. S. S. Bluefox! Ich lade Sie ein! Sie haben ja noch die gesamte alte Matrix von Data und wissen also über die gesamte Föderation Bescheid, ebenso über die Wissenschaften wie Physik, Chemie und so weiter und so fort! Sie wären der perfekte Wissenschaftsoffizier und sicher auch ein ausgezeichneter Ingenieur!» – Da schaltete sich die Chefingenieurin Denise Werwealy mit ins Gespräch ein: «Lore hat sicher die besseren Fähigkeiten als wir Menschen und ich finde, daß er der geeignetere Chefingenieur wäre als ich.» Bluefox wendete ein: «Eine gute Idee, Denise, aber sind Sie denn damit einverstanden, wenn Sie einfach so Ihren Posten abgeben müßten?» Werwealy erwiderte: «Wenn es ein anderer wesentlich besser kann, dann ist dies wohl eine logische Entscheidung.» Ceagy scherzte: «Das klingt ja richtig vulkanisch!» Bluefox schlug vor: «Eigentlich könnten wir jetzt wieder weiterfliegen und unser neues Schiff so bald wie möglich betreten!» – Alle waren einverstanden und der Frachter verließ den Mars wieder. - Der Captain war sehr erfreut und zugleich überrascht, daß er und seine Mannschaft bereits mit dem Frachter die erste kleine Mission erleben durften. Als Bonus gewann man im Androiden Lore erst noch ein wichtiges neues Crewmitglied! Die Crew zählte nun starke 18 Mitglieder! Bluefox rechnete mit erheblich weniger Leuten. Es war noch bei weitem nicht Standard der Sternenflotte, aber er war überzeugt, daß ein Raumschiff der Galaxy-Klasse auch mit lediglich 18 Offizieren kontrolliert werden konnte. Es dauerte nicht mehr lange, bis der Frachter die Schiffswerft Vitudurum erreichte. Die Tore der Werft waren verschlossen und die U. S. S. Bluefox war somit für die Crew noch nicht sichtbar. Bluefox befahl Whiteman: «Thierry, senden Sie eine Nachricht an den Quartiermeister. Geben Sie ihm durch, daß ich es nicht mehr erwarten kann, unser Schiff zu sehen.» – Einen Augenblick später öffneten sich tatsächlich die Tore der Werft! Als erstes war der Deflektor und die Antriebssektion zu sehen. Wenig später erschienen die beiden Warpgondeln ganz außen am Schiff. Dann zeigte sich die riesige Untertassensektion auf der ganzen Breite. Sie war noch breiter als die äußersten Punkte der Warpgondeln! Es war einfach ein Koloß von einem Raumschiff! Der Captain bemerkte: «Rückwärts parkiert.» Die Chefärztin staunte: «Das ist ja ein Riesending! Wie lang ist es?» Lore, der natürlich alle Daten von Raumschiffen der Galaxy-Klasse in seinem Speicher hatte, antwortete exakt: «400 Meter lang, 120 Meter hoch und 80 Meter breit.» Der Erste Offizier bemerkte: «Wahnsinn, da haben wir ja Wohnraum zum Verschwenden!» Whiteman meinte fasziniert: «Ich freue mich schon unglaublich auf den Jungfernflug!» Es war dem Piloten leicht anzumerken, daß ihm das Manövrieren dieses Frachters schon zu leicht war! Whiteman hatte noch nie die Gelegenheit, einmal ein Raumschiff der Galaxy-Klasse zu fliegen. Bluefox befahl: «Thierry, docken Sie an der Hauptshuttlerampe der Bluefox an. Von dort aus haben wir den kürzesten Weg zu unseren Quartieren.» – Der Captain machte eine kleine Pause und schaute sich sein Schiff noch einmal genau an. Auf diesem Raumschiff sollte die gesamte Truppe die nächsten Monate leben und vor allem erleben. Bluefox wußte, daß nun viele Abenteuer anstanden und der Weltraum nur darauf wartete, erforscht und bereist zu werden! Erfüllt von diesem Gedanken sprach er: «Herzlich willkommen auf der U. S. S. Bluefox NCC 1701-E, Freunde! Wir haben sie verdient! Jetzt geht’s los!» – Bluefox ballte die Faust des Glücks!

 

 

ENDE

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