Andreas Kägi
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ALS
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Andrew
Ceagy
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Brent Spiner |
ALS |
Lore |
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Dina Meyer |
ALS |
Donatra |
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Jeri Lynn Ryan |
ALS |
Seven of Nine |
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Stephanie Knecht |
ALS |
Steevy Knight |
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Matthias Currat |
ALS |
Matthew Bluefox |
Marc Weilenmann
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ALS
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Vertreter von Spezies 8472
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Computerlogbuch
der Bluefox, Andrew Ceagy, Sternzeit 78963.2
««Die Crew hat
das Schiff fast zur Gänze verlassen und diejenigen, die noch hier sind, haben mir
versprochen auf der letzten Mission in jeder Situation beizustehen. Was ich
vorhabe, wird uns zweifelsohne das Offizierspatent kosten, daher habe ich schon
mal den Rang zu Beginn des Logbuchs weggelassen. Zudem werden wir uns ab jetzt
duzen. Ich konnte dieses „Sie“ die ganze Zeit über sowieso nie richtig leiden.
Es wirkte für mich in neuen Beziehungen, zum Beispiel zu Seven oder zu Donatra,
wie ein Dämpfer, der kollegiale Verhältnisse kaum zuließ. Diese Mannschaft ist
jedoch kollegialer als alle anderen, will ich behaupten. Insbesondere jetzt, wo
nur noch der wahre Crewkern übrig ist. Jetzt aber noch ein Wort zur Mission:
Ich habe meine vier verbliebenen Kollegen über meine Pläne in Kenntnis gesetzt.
Ich bin froh, daß auch Seven dazugehört, denn sie weiß besonders viel über die
Zielspezies, die ich besuchen möchte: Spezies 8472. Sie sind nicht nur im
Stande zwischen dem Flüssigraum und unserem Raum hin und her zu wechseln,
sondern sie haben Fähigkeiten, die unsere bei weitem übersteigen. Spezies 8472
ist unsere letzte Hoffnung den Captain doch noch von diesem Spinnenvirus zu
trennen. Wenn alle Leute bereit sind, werden wir uns tarnen, sobald wir
gegenüber Sternenbasis Earth One sind und die Erde uns deckt. Gemäß Seven, die
jetzt im Maschinenraum für Ordnung sorgt, sollte die Sternenflotte nichts
mitbekommen. Danach gehen wir auf vollen Impuls und entfernen uns schleunigst
aus unserem Sonnensystem. Wenn die Sternenflotte merkt, daß etwas nicht stimmt,
sind wir bereits auf Maximum Warp und über alle Berge. Nach einer Reisestunde
werden wir stoppen, uns enttarnen und eine Spalte, eine so genannte
Quantensingularität, zum Flüssigraum öffnen. Seven hat die Vorgehensweise zum
Glück assimiliert. – Ich muß nochmals betonen, daß wir ohne Seven nicht da
wären, wo wir jetzt tatsächlich sind. – Im Maschinenraum arbeitet Seven mit
höchster Effizienz an den Vorbereitungen zur Öffnung der Singularität. Lore,
Donatra, Steevy und ich überwachen das Geschehen auf den Brückenstationen.
Gleich wird die erste fertige Simulation über den Hauptschirm flimmern. Ich
kann nur hoffen, daß alles gutgeht.»»
««Maschinenraum
an Brücke: Ich bin so weit.»» berichtete Seven. Ceagy wies die zur Pilotin
umfunktionierte Ärztin Steevy Knight an die Simulation auf dem Schirm
anzuzeigen. Nach einem Computergeräusch wechselte die Ansicht auf ein
lilafarbenes Diagramm. Eine virtuelle trichterförmige Ausdehnung erschien
plötzlich und unter dem Objekt reihte sich Datensatz an Datensatz, jedoch vom
Kommandosessel aus gesehen in unlesbar kleinen Zifferblöcken. Da Ceagy nicht
ganz nachkam, funkte er an Seven zurück: ««Was bedeutet das jetzt? War die
Simulation erfolgreich?»» – ««Im Grunde ja, aber es müssen noch einige
Einstellungen korrigiert werden.»» gab Seven zur Antwort. Ceagy wollte wissen,
wie lange dies dauere. Seven meinte: ««Ich werde dafür eine knappe Stunde
benötigen.»» Ceagy bedankte sich, schloß den Funkkanal, grinste breit und
sprach leise: «Genau richtig.» Er wandte sich abermals Knight zu und befahl:
«Steevy, wenn wir am Tarnpunkt angelangt sind, verlasse den Erdorbit und setze
den geplanten Kurs. Den Rest erledigt Lore.» – «Alles klar.» entgegnete Knight
schmunzelnd. Lore drehte sich in seinem Sessel an der Ops um 90 Grad und sagte
zur Pilotin: «Ich gebe dir gleich die exakten Koordinaten.»
Drei Minuten
später gelangte die Bluefox an den besagten Raumkoordinaten an. Zur Sicherheit
befahl Ceagy Knight vollen Stopp und zu Lore sagte er: «Lore, du kannst die
Tarnung jetzt aktivieren. Und der Rest inklusive mir soll beten, daß wir nicht
auffallen.» Das Flaggschiff der Föderation verschwamm zuerst in mehreren
Streifen nach links und rechts, bis es sich schließlich komplett auflöste.
Unerkennbar für jegliche Art von Station oder Schiff in der Nähe verließ die
Bluefox ihre Umlaufbahn um die Erde und beschleunigte auf volle
Impulsgeschwindigkeit. Lore wagte eine erste Analyse: «Wir wurden nicht
bemerkt. Wenn doch, würde uns jetzt mindestens ein Sternenflottenschiff
abfangen, da bin ich mir zu fast hundert Prozent sicher.» Ceagy, der auf Lores
Worte schon immer größten Wert legte, nickte langsam und ergänzte: «Oder wir
würden zumindest gerufen.»
Die Bluefox
bewegte sich immer weiter vom Hauptort der Föderation weg und steuerte Richtung
Sektorgrenze. Als nach einer knappen Viertelstunde der Pluto achtern aus dem
Kurzstreckensensorbereich verschwand, ordnete Ceagy an auf Maximum Warp zu
gehen und eine volle Stunde lang die Geschwindigkeit zu halten. Während dieser
Stunde gab es nur für Seven viel zu tun, denn sie mußte ja noch die nötigen
Feineinstellungen für die Öffnung einer Quantensingularität durchführen. Der
Rest nutzte die sparsame Reisezeit um sich ein letztes Mal in die Quartiere
zurückzuziehen oder nach Zehn-Vorne zu schlendern um sich dort von den
vorbeiflitzenden Sternen verzaubern zu lassen. Andrew Ceagy selbst und auch
Steevy Knight zogen letztere Variante vor und replizierten sich im beliebtesten
Freizeitraum des Schiffes ihre Lieblingsgetränke: Eine blaue Lagune mit einem
Schuß Pfirsichlikör für Andrew und einen Holundereistee für Steevy. – Beide
setzten sich an einen Tisch der hintersten Reihe unmittelbar vor den großen
Panoramafenstern und hoben ihre unterschiedlich geformten Gläser an. Andrew
sprach den Toast: «Auf die letzte Mission.» Steevy wiederholte die Worte ihres
Gegenübers. Das sanft surrend klingende Anstoßen folgte sogleich. Steevy blieb
gleich beim Thema und hinterfragte Andrews Toast: «Ist es wirklich die letzte
Mission?» Andrew gab zurück: «Nun, es sieht nicht gerade rosig aus für uns. Ich
habe die Bluefox widerrechtlich aus unserem Sonnensystem geschafft, ich habe
sie auf gut deutsch gestohlen. Wenn wir zur Erde zurückkehren, ob nun mit oder
ohne Matt, wird zumindest mir ein hartes Gerichtsurteil blühen und Dienst tun
wird dann niemand mehr von uns. Für mich ist es ganz sicher die letzte
Mission.» Steevy war anderer Ansicht: «Nur weil du glaubst, das Gericht wird so
entscheiden, sagst du, es ist die letzte Mission. Was aber, wenn das Gericht
nicht so hart urteilt, wie du glaubst? Angenommen, wir können Matt
wiederbeleben, was würde er wohl tun?» Andrew überlegte kurz und versetzte sich
in die Lage seines in Stasis liegenden Captains. Bluefox war immer der
Hauptverantwortliche für Schiff und Besatzung gewesen. Ceagy schloß daraus: «Er
würde wohl zumindest versuchen mich zu schützen und die Schuld auf sich zu
nehmen. Aber ob das auch für Taten geht, die er nicht begangen hat? Kann er
eine solche Schuld auch auf sich übertragen?» Knight zuckte mit den Schultern
und entgegnete: «Ich kenne mich mit dem Föderationsrecht nicht bis ins Detail
aus, aber wenn er das will, dann denke ich, daß es sein gutes Recht ist.
Übrigens wollte ich genau darauf hinaus, Andrew. Du müßtest wohl kaum um deine
Karriere bangen, genausowenig wie ich und alle anderen neben mir, die sich auf
diese Mission eingelassen haben. Wenn der Preis die Auflösung des
Offizierspatentes wäre, was ich nicht mal annehme, dann würde Matt der Erste
sein, der kündigen würde um uns damit zu retten. Er hat uns nicht einfach
mitgenommen, weil er uns lieb hat und gerne mit uns zusammen ist, sondern es
geht viel weiter: Matt hoffte, daß wir uns alle nie wieder aus den Augen
verlieren. Auch wenn er vielleicht mal gehen würde, dann gäbe es
zwischen uns immer noch dieses intensive Zusammengehörigkeitsgefühl, daß
gar nicht mehr zulassen könnte, daß wir getrennte Wege gehen und schlußendlich
in der Öde des Altwerdens versauern.» Ceagy nahm beeindruckt von Knights
Gedankenausführungen zwei Schlücke seiner blauen Lagune, blieb aber auf seiner
Realitätsebene und fragte: «Und was ist, wenn wir Matt nicht retten können, was
uns bisher ja auch nicht gelungen ist? Ich für meinen Teil muß ehrlich sagen:
Ich glaube nicht, daß wir es schaffen, zumindest nicht, bis ich einen
fundamentalen Gegenbeweis in den Händen habe, sprich ein Medikament oder eine sichere
Heilmethode durch Spezies 8472.» Nachdem Knight sich auch einige Schlücke ihres
Holundereistees genehmigt hatte, schlug sie grinsend vor: «Warten wir ab, bis
wir Spezies 8472 gefunden haben, hm?» Ceagy konnte Knights charismatischem
Lächeln und sowohl ihrer natürlichen als auch logischen Art nichts
entgegenbringen und antwortete abschließend: «Du hast Recht. Vielleicht bin ich
einfach zu aufgeregt. Ich sehe unter Umständen die Chance einer Rettung nicht
mehr, weil ich so viel probiert habe und nichts geklappt hat. Hoffen wir beide,
daß sich dies bald ändert.» Beide tranken ihre Gläser vollends aus und
verließen Zehn-Vorne. Es verblieb noch eine gute Dreiviertelstunde bis zur
Öffnung der Quantensingularität. Um sich die Restzeit ebenso sinnvoll zu vertreiben
wie gerade eben begab sich Ceagy in den Maschinenraum. Er wollte Seven noch ein
wenig behilflich sein, obwohl er sich fast denken konnte, daß Seven für ihn
einen Tick zu schnell arbeitete. Eigentlich hoffte er primär Sevens
Arbeitsweise zu verstehen und sich vielleicht einige Tricks für sich selbst
abzugucken. Knight ging gemütlichen Schrittes zur Brücke zurück.
Die knapp fünfzig
Minuten waren schnell vergangen und Ceagy hatte Seven einige Arbeiten abnehmen
können. Dadurch war es auch der Chefingenieurin noch möglich gewesen sich in
Zehn-Vorne etwas zu gönnen, bevor die „Show“ schließlich losging. Alle hatten
wieder ihre Positionen eingenommen und Seven die Deflektoren vorgeheizt. Ceagy
gab einen letzten Funk an Seven durch: ««Maschinenraum, es kann losgehen!»» –
««Ich aktiviere die Deflektoren in drei Sekunden. Zwei. Eins.»» Zwei gebündelte
blaue Strahlen in Form der Deflektorflächen schossen mit hoher Geschwindigkeit
ins All hinaus, liefen langsam zusammen und vereinigten sich in einer
Entfernung von 60'000 Kilometern wieder. Auf den Zentimeter genau, versteht
sich. Es folgte ein greller Lichtblitz, der bis auf diese Distanz locker noch
zu sehen war. Die extreme Lichtstärke hielt für mehrere Sekunden an, dehnte
sich während dieser Zeit rapide aus und erzeugte eine Quantensingularität, die
genauso aussah wie diejenige, die vor mehreren Jahren von der U. S. S. Voyager
erzeugt worden war. Ceagy fragte zur Sicherheit nach: ««Muß das so hell sein?
Stimmt alles?»» – ««Ich hätte um ehrlich zu sein nicht gedacht, daß ich die
Singularität so genau kopieren könnte, wie ich es eben getan habe. Sie ist
vollkommen intakt und passierbar.»» versicherte Seven. Das war Musik in den
Ohren von Andrew Ceagy und er sagte zu Steevy Knight am Steuer: «Steevy, bring
uns rein.»
Langsam schwebte
die Bluefox auf die künstlich erzeugte Raumspalte zu, die den Übergang vom
normalen zum flüssigen Raum bildete. Kurz vor dem Eintritt in die Singularität
schaltete Knight den Antrieb vorsichtshalber ab und ließ das Schiff mit dem
restlichen Schub hineintreiben. Während dem Übertritt in den Flüssigraum wurde
es wieder ultrahell und alle außer Lore mußten die Augen fest zukneifen um
eventuellen Dauerschäden vorzubeugen. Lore war es auch, der Entwarnung gab,
nachdem die Lichtintensität auf die normalen Werte zurückgegangen war. Was
Ceagy vom Sessel in der Mitte aus zuerst erblicken konnte, war eine dunkelgrüne
gallertartige Flüssigkeit. Aufgrund seiner Recherchen wußte er, wie der
flüssige Raum aussah und daß Spezies 8472 darin lebte, aber wenn er mit dem
Flüssigraum unvorbereitet Bekanntschaft gemacht hätte, dann hätte er sich nicht
vorstellen können, daß in solcher Materie Leben existierte. Gespannt schauten
alle zum Hauptschirm hervor, aber nichts passierte. Auch die Sensoren meldeten
keine fremden Objekte in der Umgebung. Lore versuchte dies zu erklären:
«Spezies 8472 weiß nicht, daß wir sie erwarten. Unter Umständen müssen wir
unsere Kurzstreckensensoren boosten. Das würde uns aber einen erheblichen Teil
der Waffen- oder Schildsysteme kosten, da für das Boosten immer gleich viel
Energie gebraucht wird.» schlug der Androide vor. Ceagy schüttelte den Kopf und
erwiderte: «Nein, wir zeichnen die Koordinaten auf, an denen wir uns jetzt
befinden. Dann erkunden wir diese Gegend ein wenig. Scannen werden wir nur mit
der normalen Sensorkapazität. Falls noch nicht alle von Spezies 8472 wissen,
daß die Föderation ein Freund von ihnen ist, werden wir sowohl Schild- als auch
Waffenenergie benötigen. Gemäß dem Bericht, den die Voyager der Sternenflotte
abgegeben hat, konnte nur mit einem einzigen Außenposten von Spezies 8472
Frieden geschlossen werden. Wie deren Oberkommando schlußendlich auf das
Eindringen der Voyager reagiert hat, weiß niemand, also müssen wir sehr
vorsichtig ans Werk gehen. Immerhin haben die 8472-Bioschiffe mit ihren lang
anhaltenden Strahlen Borgkuben in Serie über den Jordan geschickt und
wir alle wissen ja, wie stark ein Borgkubus ist.» Lore war mit dieser Taktik
auch einverstanden und richtete die Kurzstreckensensoren wenigstens neu aus um
eine geringfügig größere Fläche absuchen zu können. Die Dichte der Gallertmasse
machte den Einsatz der Langstreckensensoren zu einem Ding der Unmöglichkeit.
Vier Minuten
später ertönte aus heiterem Himmel ein Annäherungsalarm. Ceagy verlangte sofort
einen Bericht. Knight meldete: «Die Sensoren haben anscheinend nichts
registriert, aber jetzt ist eindeutig ein Schiff zu erkennen. Vermessungen
haben soeben ergeben, daß es sich um ein Bioschiff von Spezies 8472 handeln
muß. Sehr wahrscheinlich war es im Stande unsere Sensoren zu stören, aber ich
weiß nicht wie.» Donatra begab sich rasch zur Taktischen Station und fragte
Ceagy: «Soll ich die Schilde aufbauen?» – «Keine schlechte Idee, aber nur die
Schilde, keine Waffen.» antwortete Ceagy. Kaum waren die Schilde oben, krachte
es! Mehrere in kurzen Intervallen abgefeuerte gelbe Strahlen prallten an den
Achterschilden der Bluefox ab, aber nicht die gesamte Energie der Biophaser
konnte absorbiert werden. Die Restmenge verursachte leichte Schäden an der
Außenhülle und brachte das gesamte Schiff zum Zittern. Donatra schlug
eindringlich vor: «Andrew, wir sollten das Feuer erwidern und versuchen ihre
Waffen auszuschalten, sonst werden wir nicht lange überleben!» – «Nein, stelle
lieber eine Funkverbindung her und teile ihnen mit, wir ergeben uns.» verlangte
Ceagy. Doch noch bevor Donatra die Nachricht verfaßt hatte, blieben weitere
Angriffe aus! Donatra wartete nun absichtlich mit dem Versenden zu. Es dauerte
auch nicht lange, bis Spezies 8472 den nächsten Schritt unternahm, aber diesmal
war es ein ganz anderer: Sie nahmen mit Donatra telepathisch Kontakt auf! Die
Romulanerin und ihr Gegenüber tauschten in dieser kurzen Zeit – zwei bis drei
Sekunden – telepathische Mitteilungen aus. Ceagy hatte von all dem natürlich nichts
mitbekommen. Donatras Bericht überraschte ihn daher natürlich sehr. Sie sprach:
«Wir können die Schilde senken, Andrew, sie haben uns nicht sofort erkannt. Es
war eine Verwechslung. Sie wissen jetzt, daß wir von der Föderation kommen und
daß wir friedliche Absichten hegen.» Ceagy runzelte die Stirn und fragte
Donatra: «Woher wissen Sie das?» – «Ich dachte, Sie hätten Spezies 8472
studiert. Sie sind Telepathen.» klärte sie ihn auf. Jetzt setzte bei Andrew der
Aha-Effekt ein und er stimmte der Senkung der Schutzschilde zu. Donatra
übersetzte nun für Ceagy, der auch mal mit Spezies 8472 reden wollte. Er fragte
indirekt: «Warum haben Sie denn zuerst auf uns gefeuert? Haben wir Sie an
unheimliche Kreaturen erinnert?» Ceagy sparte bei dieser Frage nicht an Humor,
aber Donatra übersetzte sie eins zu eins. Es dauerte nicht mal zwei Sekunden,
bis sie antwortete: «Sie dachten, es sei ein modifiziertes Borgschiff. So eine
Art Raumschiff haben sie bisher noch nie gesehen. Durchaus verständlich, finde
ich. Moment ... sie haben sich soeben entschuldigt.» Ceagy entgegnete: «Wir
sind ja nicht stark beschädigt worden, die Entschuldigung ist natürlich dankend
angenommen. Ist es möglich, daß sich ein 8472er an Bord der Bluefox
transportiert? Ich würde ihm in der Krankenstation gerne etwas zeigen.» Donatra
brauchte gar nichts zu erwidern, denn einen Augenblick später materialisierte
sich eine riesenhafte, sehnige Gestalt zwischen die beiden Frontstationen Ops
und Conn! Steevy Knight kam sich gleich ein wenig eingeengt vor, obwohl sie die
Steuerstation auch nach rechts hätte verlassen können. Lore ließ es sich nicht
nehmen einen detaillierten Scan der merkwürdigen Lebensform zu machen. Kurz
später hatte er die Ergebnisse und teilte sie den anderen mit: «Das Wesen ist
2,58 Meter groß und 70,63 Kilogramm schwer. Die Haut, wenn ich das überhaupt so
nennen kann, ist ein polyamidähnlicher Schutz. Es besitzt keine uns bekannten
Organe. Blut ist auch nicht erkennbar.» Knight kommentierte begeistert: «Nicht
einmal die Voyager ist Spezies 8472 so nahe gekommen, wie wir es ihr jetzt
sind. Ein historisches Ereignis!» Ceagy lächelte verlegen und meinte: «Nun, den
Turbolift können Sie sicher nicht nehmen. Wir werden uns alle direkt ins
medizinische Labor beamen. Dieser Raum ist zwar keine 2,58 Meter hoch, aber Sie
stehen ja auch nicht ganz aufrecht. Es könnte also klappen. Probieren wir es
einfach.» Donatra übersetzte nach wie vor weiter. Der Vertreter von Spezies
8472 begriff rasch und duckte sich. Knight amüsierte sich über die Reaktion der
fremden Lebensform, aber das kümmerte diese nicht im Geringsten.
Als sich Ceagy,
Donatra, Knight und der 8472er im medizinischen Labor materialisierten, führte
Knight – sie hatte ja noch bis vor kurzem sowohl in der Krankenstation als auch
im Labor gearbeitet – die ganze Gruppe zur Stasiskammer von Matthew Bluefox.
Donatra gab sichtlich überrascht an die anderen weiter: «Es sagt, das sei ein
„alter Hut“ und ich habe das wortwörtlich übersetzt! Dieses Virus habe Spezies
8472 schon oft bei ... ihrer primitiven Untergattung ausrotten müssen,
aber die infizieren sich immer wieder damit! Andrew, Spezies 8472 stammt von
der Spinner-Spezies ab!» Knight schüttelte den Kopf und kommentierte:
«Unglaublich!» Ceagy atmete tief durch, nickte langsam und entgegnete: «Das macht
Sinn. Die Spinnen waren zwar intelligent, aber nicht kommunikationsfähig, genau
wie Spezies 8472.» Donatra ergänzte: «Spezies 8472 hingegen ist zur Telepathie
fähig, die Spinner-Spezies nicht.» – «Noch nicht.» bemerkte Ceagy.
Knight stellte schließlich die alles entscheidende Frage an Donatra: «Kann das
Wesen von Spezies 8472 Matt retten?» Donatra leitete es weiter und bekam sofort
eine Antwort, die ihre Mundwinkel in die Höhe schnellen ließ! Ceagy lächelte
ebenfalls erwartungsvoll, während Knight bereits ein lautes „Yes!“ ausrief!
Donatra erlöste nicht nur die Leute im medizinischen Labor, sondern auch gleich
den Rest der Besatzung über den internen Schiffsfunk: ««Donatra an alle: Was
besonders ihr nicht mehr für möglich gehalten habt, wird nun doch geschehen.
Spezies 8472 ist nicht nur fähig, sondern auch ohne weiteres gewillt Captain
Bluefox zu reanimieren, also den Virus zu eliminieren! Ich kann sicher sagen,
obwohl ich noch nicht lange an Bord dieses Schiffes bin, daß dies einer der
schönsten Momente im Leben ist. Also für mich ist es einer und es ist egal, ob
ich die Person, die gerettet wird, kenne oder nicht. Mir wurde mitgeteilt, daß
Matt Bluefox in weniger als zwei Minuten wieder bei Bewußtsein und voller
Gesundheit sein wird. Ich wußte nicht, wie wir Spezies 8472 entgegenkommen
können, aber sie wollen gar nichts dafür! Unfaßbar, daß es noch so
liebenswürdige und selbstlose Zivilisationen im Weltraum gibt, wie es Spezies
8472 ist. Für mich bildet diese Rasse die Spitze allen biologischen Lebens. Fern
von jeglichem Verlangen nach Reichtum und Profit, sondern lediglich bestrebt zu
leben und anderen freundlich gesinnten Spezies deren Existenz zu erhalten,
sofern dies möglich ist.»» Ceagy war sichtlich beeindruckt von Donatras Rede
und meinte: «Stark, Donatra, ganz stark. Was du in dieser kurzen Zeit an Bord
dieses Schiffes bewegt hast, hat niemand geschafft. Nur zu schade, daß wir von
dir nicht mehr lange profitieren können, denn wir werden, da Matt bald zurück
im Leben und dann natürlich wieder im Kommando ist, sicherlich zur Erde
zurückfliegen und uns dort vor Gericht verantworten. Das heißt, vor allem ich
bin derjenige, der sich zu verantworten hat.» Da redete plötzlich eine weitere
Stimme dazwischen: «Also, wenn einer für die gesamte Mannschaft Lasten auf sich
nimmt, dann ist das immer noch der Captain!» – «Captain, Sie Schlingel, immer
heimlich mithören! Die hat man gerne!» rief Ceagy überglücklich und spielte den
Scherz seines Vorgesetzten und besten Freundes mit. Er ging auf ihn zu und
klopfte ihm auf die Schulter. Ganz ruhig, ja fast sentimental sprach er:
«Schön, daß Sie wieder hier und noch ganz der Alte sind. Ich dachte, wir würden
Sie nie wieder lebendig sehen, zumindest nicht frei von diesem Spinnenvirus.» –
«Ich wußte es!» rief Bluefox laut aus. Knight zuckte etwas zusammen ab der
Energie in der Stimme des Captains, der doch erst vor wenigen Augenblicken
aufgewacht war. Danach blickte sie verwundert aus der Wäsche, denn sie wußte
nicht einmal, was Bluefox mit diesem Ausruf sagen wollte. Sie brauchte aber
nicht lange zu warten, bis er sie aufklärte: «Diese Spinnen sind an allem
schuld! Andrew, ich sage Ihnen, ich werde nie wieder ein Außenteam
anführen, solange es nicht rein diplomatischer Natur ist. Ihre Sorge, die immer
wieder hervorkommt, wenn es um Einsätze außerhalb der eigenen vier Wände geht,
habe ich jetzt begriffen.» Ceagy setzte ein stolzes Grinsen auf und schwieg. Es
herrschte für fast eine halbe Minute absolute Stille. Niemand wollte mit der
Hiobsbotschaft anfangen, auch Ceagy nicht. Zumindest noch nicht im Labor. Aber
wie es aussah, kam er nicht um eine sofortige Erklärung herum, denn Bluefox
wollte es nun wissen und fragte seinen Ersten Offizier: «Wie lange?» Ceagy
ahnte, daß diese Frage kommen würde, daher hatte er es sich bereits vorher
ausgerechnet. «Fünf Monate.» antwortete er knapp. Bluefox plusterte seine
Lippen auf und machte einen sehr beeindruckten Anschein. Er guckte zum Mitglied
von Spezies 8472 hinüber und wollte wissen: «Haben Sie mich zurückgeholt?»
Donatra antwortete stellvertretend: «Ja, Spezies 8472 war unsere letzte
Hoffnung und fähig den Spinnenvirus aufzulösen.» Bluefox wirkte verwundert und
schaute Donatra, die er ja auch noch nie zuvor gesehen hatte, genau an. Donatra
stellte sich vor: «Entschuldigen Sie, Sir, ich habe ganz vergessen Ihnen
mitzuteilen, wer ich bin. Mein Name ist Donatra und ich habe den Posten des
Schiffscounselors übernommen. Aufgrund des guten Verhältnisses, das zwischen
Romulus und der Erde bereits herrscht, gestattete man mir in der Föderation
Dienst zu tun und ich bin sehr beeindruckt von den Menschen.» Sie lächelte den
Captain freundlich an. Bluefox erwiderte ihr vollends charmantes Lächeln und
meinte: «Soso! Der neue Counselor sind Sie? Das überrascht mich jetzt aber.
Normalerweise sind Romulaner eher die gewieften Taktiker, oder nicht?» Donatra
antwortete: «Ich habe vor meinem Eintritt in die Föderation einen Warbird der
neuesten Generation kommandiert und dort genügend Taktisches erlebt. Das
Soziale kommt auf einem romulanischen Schiff gar nie zur Geltung, denn im
Sternenimperium zählt eigentlich nur derjenige, der gerissen und erfahren ist
und nicht derjenige, der es mit der Mannschaft gut kann. Das hat mich gestört,
also habe ich eine Organisation gesucht, in der die Crew wichtiger ist als das
Schiff, auf dem sie lebt. Da blieb nur eine Möglichkeit: Die Vereinte
Föderation der Planeten.» Bluefox sprach begeistert: «Echt klasse! Um ehrlich
zu sein: Ich habe alle Romulaner in den gleichen Topf geworfen, besonders als
noch diese Spannungen bis vor einem guten Jahr herrschten.» Er runzelte
plötzlich die Stirn und ergänzte: «Entschuldigen Sie, ich muß jetzt wohl immer
umrechnen. Die Spannungen zwischen der Föderation und dem Romulanischen
Sternenimperium liegen bereits mehr als anderthalb Jahre zurück. Es wird sich
wohl einiges getan haben, als ich weg war.» Ceagy intervenierte um weitere
Vermutungen beiseite zu räumen: «Ja, in der Tat ist viel passiert, als Sie fort
waren, Captain. Damit ich Ihnen detailliert berichten kann, was alles geschehen
ist, schlage ich vor, wir gehen alle ein wenig spazieren.» Bluefox nickte Ceagy
zu, sagte aber noch: «Zuerst müssen wir Spezies 8472 verabschieden. Ich weiß
nicht, wie Sie heißen, aber ohnehin möchte ich Ihnen herzlich danken und nur
das Beste wünschen. Sie haben mir das Leben gerettet und das werde ich Ihnen
nie vergessen. Auf Wiedersehen.» Der Captain streckte seine Hand aus um die
Pranke des 8472ers zu ergreifen und zu schütteln. Das riesenhafte,
gertenschlanke Wesen begriff schnell und hielt seine Klaue hin. Donatra empfing
gegenseitige Zuneigung und kommentierte: «Es ist froh uns allen geholfen zu
haben.» Der Counselor nahm die Gelegenheit wahr um sich selbst noch von der
außergewöhnlichen Lebensform zu verabschieden. Sie teilte dem 8472er in knapp
zwei Sekunden telepathisch folgenden Inhalt mit: «Es war auch für mich eine
Herausforderung der besonderen Art mit Ihnen zu kommunizieren. Ihre Form der
Telepathie ist komplexer als die aller anderen Lebewesen, die mir bisher
begegnet sind. Ich würde mich freuen, wenn sich unsere Spezies wieder kreuzen
würden. Vielleicht auf der Erde?» Sie empfing: «Wir würden uns geehrt fühlen.»
– «Die Ehre gebührt uns! Beste Grüße in den Deltaquadranten. Schöne
Heimreise!» gab sie zurück und trat einen Schritt rückwärts. Gelbe Lichtflecken
umgaben den 8472er und mit einem blubbernden Geräusch entmaterialisierte sich
das fremde Wesen. Bluefox, Donatra, Ceagy und Knight blickten alle in die selbe
Richtung und standen beinahe in Reih und Glied. Es war erneut Bluefox, der als
Erster nach einem längeren Moment des Schweigens das Wort ergriff: «Also dann,
gehen wir nach Zehn-Vorne und essen dort zu ... tja, zu was denn?» Knight half
ihm auf die Sprünge: «Zu Mittag trifft es wohl am besten.» Bluefox fuhr fort:
«Vielen Dank, Steevy. Also dann essen wir dort zu Mittag und reden über alles.
Ich bin schon so weit, daß ich mich über nichts stärker erschrecken kann als
über die Spinner-Spezies.» Während alle das medizinische Labor und danach die
direkt nebenan liegende Krankenstation verlassen hatten und gerade gemütlich
Richtung Turbolift schlenderten, sagte die „Nummer Eins“ noch zu ihrem Captain:
«Ja, ja, die gute, liebe Spinner-Spezies. Der sind wir auch noch ein zweites
Mal begegnet.» – «Hätte mich auch sehr gewundert, wenn ein Treffen mit
diesen Viechern schon alles gewesen wäre.» entgegnete Bluefox schmunzelnd,
während sich die Tür des Lifts bereits öffnete. Lore und Seven standen im Lift
und hatten die Absicht ins Labor zu gehen. Dies hatte sich natürlich nun
erübrigt und so fuhren alle miteinander nach Zehn-Vorne.
««Es hat vier geschlagene Stunden gedauert, bis alles
ausdiskutiert war, aber schneller wäre es nicht gegangen. Ich sagte noch
angeberisch vor dem Gespräch in Zehn-Vorne, mich könnte nichts stärker
schrecken als die Spinner-Spezies. Aber ich bin eines besseren belehrt worden.
Was in meiner Abwesenheit passiert ist, muß ich erst einmal verdauen. Klar ist,
daß ich die volle Verantwortung für Andrews Diebstahl übernehme. Wenn uns die
Föderation dies als Straftat anhängen will, so möge sie es tun. Was jedoch auch
klar ist, und das ist viel schwerwiegender: Die Föderation, der ich immer meine
Hingabe, mein Herzblut gegeben habe! Als Kadett, als Offizier und schließlich
als Kommandant ihres Flaggschiffes! Diese Föderation hat mir das
genommen, was sie mir vor zwei Jahren gegeben hat: Eine Familie als Crew. Aber
jetzt ist mir klar, warum man damals so tolerant war im Oberkommando. Nach dem
Krieg war die Föderation am Boden. Sie brauchte jeden Mann, egal, ob er eine
Ausbildung genossen hatte oder nicht. Aber jetzt, wo die Föderation wieder eine
Macht im Alphaquadranten ist und alle wieder zufrieden sind, braucht es uns
nicht mehr. Das ganze Kommando hat gewußt, daß es uns zerreißt, wenn man
Hunderte Offiziere auf die Bluefox schickt. Man wartete mit dem Transfer nur
noch aus Goodwill mir gegenüber. Da kam meine Virusinfektion sicher gelegen!
Man hatte nicht mehr an meine Rückkehr geglaubt und es dauerte nur noch ein
paar Wochen, bis die Sternenflotte schließlich zuschlug und den Transfer
umsetzte! So sieht es nämlich aus und mir wird niemand das Gegenteil
beweisen, weil das gar nicht möglich ist. – Ich gehe mit Andrew einig, was den
neuen Umgang angeht, denn mit einer nur noch sechsköpfigen Besatzung kann man
regelgemäß kein Schiff mehr führen. Zudem denke ich nicht, daß wir noch
Offiziere der Sternenflotte sind, nachdem wir den Gerichtssaal verlassen haben.
Vorausgesetzt wird natürlich, daß die normalen Regeln der Föderation gelten,
wovon ich auszugehen habe. – Da mir kaum etwas anderes übrigbleibt als einen
Rückkehrkurs zur Erde zu befehlen, werde ich nicht meinen Einfallsreichtum
spielen lassen, sondern gefügig nach Hause zurückfliegen, wie es von Andrew
erwartet wird. Mit mir werden sie sicher nicht rechnen.»»
In
melancholischer Stimmung warf sich der Captain in seinem Quartier auf das
Wasserbett, das er vor einem knappen Jahr für einen gesünderen Schlaf repliziert
hatte. Besonders jetzt hätte er es zum Schlafen sicher sehr gut gebrauchen
können, aber er wäre krank gewesen, wenn er nach einem solchen Hammer einfach
hätte wegdösen können.
Nach einer
Viertelstunde hielt er es auch dort nicht mehr aus und ging zur Brücke, wo er
Steevy Knight auf ihren Pilotensessel klopfte und schließlich sprach: «Setze
einen Kurs nach Hause. Maximum Warp. Bringen wir es hinter uns.» Der Captain
ging ganz bis zum Schirm hervor, drehte sich um und richtete folgende Worte an
alle: «In der kommenden Stunde werden wir nichts zu tun haben. Seven wird uns
noch aus dem Flüssigraum bringen, dann wird auch sie Zeit haben, nehme ich an.
Ich habe gedacht, wir treffen uns in zehn Minuten zu einem Aperitif mit
anschließendem Essen auf Holodeck 1. Programm: Rebstock.» Ceagy pfiff
begeistert eine ganze Oktave rauf und runter. Donatra meinte schmunzelnd: «Da
bin ich ja mal gespannt.» Bluefox fügte an: «Leider kann ich nicht von allen
Abschied nehmen. Die anderen werde ich auf der Erde separat einladen. Ich
hoffe, daß dann alle dabeisind, aber das wird schon klappen. Und wer weiß:
Vielleicht stattet uns ja irgendwann mal die Seuzacher-Spezies einen Besuch
ab.» Lore runzelte die Stirn und hakte nach: «Seuzacher-Spezies?» Bluefox
lachte und klärte den Androiden auf: «Seuzach ist eine Schweizer Stadt mit der
Postleitzahl 8472. Also, daß du nicht gleich diese Eselsbrücke
geschlagen hast, wundert mich gewaltig!» Alle außer Lore lachten herzhaft, auch
Donatra. Bluefox konnte kaum woanders hinschauen, wenn Donatra lachte oder
lächelte. Das lag daran, daß er sich bisher nicht vorstellen konnte, daß auch
die Romulaner fähig waren zu lachen oder lustig zu sein. Zudem mußte er
erkennen, daß der romulanische Counselor süß aussah, besonders wenn sie sich
amüsierte, aber natürlich auch sonst. Donatra hatte die besondere
Aufmerksamkeit des Captains längst erkannt und schmunzelte deshalb auch das
eine oder andere Mal mehr als sonst in seiner Anwesenheit.
Zehn Minuten
später stieß Seven nach getaner Arbeit zu den anderen in der Gartenwirtschaft
des virtuellen Restaurants Rebstock hinzu. Gerade brachten Lore und
Bluefox den Aperitif heraus und servierten jedem ein Glas Sekt. Lore sagte
gleich noch etwas zum Getränk: «Dies ist nicht irgendein Sekt, wurde mir
gesagt. Es ist ein original Schweizer „Litschipfleumli“!» Es brach allgemeines
Gelächter aus. Lore öffnete leicht den Mund und es schien, als verstehe er die
Welt nicht mehr. Andrew Ceagy, der vom Androiden als bester Freund bezeichnet
wurde, korrigierte dessen Aussprache und Betonung: «Das nennt sich „Litschipflüümli“,
du Kulturbanause!» Natürlich hatte er es nicht böse gemeint, sondern wollte mit
dieser Stichelei allgemein unterhalten. Lore begriff schnell und konterte: «Das
kann ich doch nicht wissen, du „Litschipflüümli“!» Auf diese
Antwort hin wurde noch mehr gelacht als kurz zuvor, und bereits da war der
Gelächterlärmpegel höher als die übliche Restaurantlautstärke.
Die Stunde
verging zu schnell. Die gemeinsame Zeit im Rebstock war aber nicht nur
äußerst amüsant, sondern auch und vielleicht gerade deswegen immens wichtig für
alle. Während Knight in den Erdorbit einschwenkte, ging Bluefox abermals zum
Sichtschirm hervor, wandte sich seinen Freunden zu und sprach: «Was jetzt auch
immer kommen mag, wir sind bereit. All die erlebten Momente, diese meist
wunderschöne Zeit kann uns niemand mehr nehmen. Jedoch kann uns die
Sternenflotte für immer das Privileg entziehen unbekannte Welten zu erforschen
und in Gebiete vorzustoßen, in denen noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Die
Zukunft mag hart werden für einige von uns. Ich blicke in diese Runde und
erkenne eine Seven of Nine, die sich sicher war mit der Bluefox das richtige
Schiff gefunden zu haben. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird sie nun wieder
auf die Suche gehen müssen. Seven, ich wünsche dir alles Gute. Ich werde ein
gutes Wort für dich einlegen vor Gericht, aber auch alle anderen werde ich
versuchen reinzusprechen. Was Andrew getan hat, war mit Sicherheit keine
Straftat, sondern eine menschliche Entscheidung. Er hat damit Geschichte
geschrieben, als Captain des wichtigsten Schiffes der Sternenflotte. Genau wie
der damalige Admiral James Tiberius Kirk, der auch des
Flaggschiffdiebstahls schuldig gesprochen wurde. Die Strafe war eine
Degradierung um eine Rangstufe, was bedeutete, daß er wie schon lange Zeit
zuvor wieder Captain der zweiten und dritten Enterprise sein durfte. Ich bin
zwar kein Admiral, aber wenn ich ebenfalls degradiert würde, – und darauf
plädiere ich am Schluß der Verhandlung – wäre ich immer noch Commander und
könnte das Flaggschiff weiterhin befehligen, außer die Sternenflotte überträgt
dann das Kommando auf dich, Andrew!» Der Captain schaute seinen Ersten Offizier
erwartungsvoll an, in der Hoffnung, er könnte ihm ein Lächeln entlocken. Und er
schaffte es auch. Ceagy erwiderte: «Und falls dies einträfe, dann würde ich
dich wieder zum Captain befördern, was in meiner Macht stünde und du, als neuer
alter Captain, dürfest mich zum Commander zurückversetzen. Eine Degradierung
ist es nicht, nur die Wiederherstellung der Ordnung.» Bluefox schüttelte
lachend den Kopf und meinte: «Also, vom Einfallsreichtum her habe ich wohl die
besten Offiziere, die sich sonst ein Kapitän nur wünschen kann!» Da gab die Ops
ein Geräusch von sich, das eine Nachricht ankündigte. Lore wartete auf Bluefox’
Okay. Der nickte Lore zu und setzte sich in den Kommandosessel. Auf dem
Bildschirm erschien ein anderer Captain und es war einer, der Bluefox mehr als
nur bekannt vorkam. Bluefox stand schnell auf und rief freudig: «Rowlin! Was
machst du denn hier? Hat man dich für lokale Dienste eingespannt in der
Zwischenzeit?» Cpt. Rowland Peter schaute jedoch nicht so fröhlich drein wie
sein Gegenüber und erwiderte: «Das stimmt leider, ja. Ich arbeite bis Ende Jahr
im Oberkommando mit und ich habe dir eine nicht so erfreuliche Nachricht
mitzuteilen. Du weißt sicher, um was es geht.» Bluefox nickte langsam und
meinte: «Ich bin über alles informiert worden. Möchtest du, daß ich gleich auf
die Erde beame und mit dir die Situation bespreche, oder kommst du zu mir
hoch?» Peter antwortete: «Du wirst runterkommen müssen, denn sonst sind die
Gespräche hier nicht offiziell. Admiral Henning hat angeordnet, daß alles, was
ich mit dir bespreche, aufgezeichnet wird. Ich muß leider schon wieder aufhören,
Matt. Föderationsanwalt Cookmaster und ich haben noch ein Gespräch vor uns. Ich
habe vor dich zu verteidigen, aber „Cookie“ ist ein harter Knochen. Er wird
alles tun um euch allen das Offizierspatent abzunehmen. Ich möchte ihm daher
noch einige Fakten unterbreiten, die für dich sprechen. Eines ist sicher: Du
hast mit dem Spinnenvirus und dem Kontakt mit Spezies 8472 Geschichte
geschrieben. Viel Glück vor Gericht, Matt. Sternenflottenkommando, Ende.»
Genauso wie Bluefox Peter in diesem Moment bewunderte aufgrund dessen Courage
ihn zu verteidigen, bewunderte Peter auch Bluefox, denn was dem vor kurzem noch
nicht für lebendig gehaltenen Captain jetzt bevorstand und wie sich Bluefox der
ganzen Sache stellte, war sicher auch nicht ohne. – Der Captain schritt langsam
Richtung Bereitschaftsraum. Donatra konnte da nicht einfach passiv bleiben und
folgte ihm. Ceagy und die anderen zogen es vor auf der Brücke zu bleiben.
Die Bluefox
drehte ihre Runden um die Erde, während man sich sowohl im Oberkommando als
auch an Bord des Flaggschiffes auf die Gerichtsverhandlung vorbereitete. Keiner
– selbst der holländische Föderationsrichter Rijnhard Winter – glaubte, daß die
kommenden Tage leicht würden.
ENDE DER SERIE
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