RAUMSCHIFF BLUEFOX – NCC 78214

 

 

 

Folge 23: Chaos in die Ordnung (1. Teil vom Serienfinale)

 

 

 

STARRING

 

Andreas Kägi

ALS

Cpt. Andrew Ceagy

Brent Spiner

ALS

Lt. Cmdr. Lore

Nicole Streich

ALS

Dr. Nicole Strike

Daniel Chollet

ALS

Lt. Cmdr. Danny Chollet

Julia Haldemann

ALS

Lt. Cmdr. Gillian Haldman

Dina Meyer

ALS

Cnslr. Donatra

Jeri Lynn Ryan

ALS

Seven of Nine

Judith Baumann

ALS

Lt. Cmdr. Judy Boeman

Matthias Weber

ALS

Chief Matthew Webber

Alina Imbach

ALS

Dr. Aline River

 

ALSO STARRING (AUSWAHL AUS DER CREW)

 

Fabian Blatter

ALS

Lt. Fabius Blater

Stephanie Knecht

ALS

Dr. Steevy Knight

Isabel Schneider

ALS

Dr. Izy Snyder

Deborah Grossniklaus

ALS

Dr. Debbie Crossnicholls

Monika Heusser

ALS

Lt. Monique Hewsser

Björn Muntwyler

ALS

Lt. Bjurne Monty

Nadine Humbel

ALS

Lt. Nadine Humble

Sean McNally

ALS

Lt. Sean McNally

Sarah Böschenstein

ALS

Dr. Sarah Boschenstone

Luzia Morger

ALS

Dr. Lucy Morcher

Stefan Kägi

ALS

F. Stephen Ceagy

Patrick Streich

ALS

F. Patrick Strike

Jasmin Grossniklaus

ALS

F. Jazzy Crossnicholls

Andrea Berger

ALS

F. Andrea Berger

Sarah Bärtschi

ALS

F. Sarah Bearchy

 

GUEST STARRING / ACTORS IN A SECOND ROLE

 

Marco Rima

ALS

Volksvertreter

Michael Weilenmann

ALS

Adm. Mike Henning

Matthias Weber

ALS

Borgdrohne

 

 

Computerlogbuch des ersten Raumschiffes der Bluefox-Klasse, der U. S. S. Bluefox NCC 78214, Captain Ceagy, Sternzeit 78801.4

 

««Ja, es ist wahr! Gestern hat die Wissenschaftsabteilung des Oberkommandos entschieden, daß die neue Bluefox ein wahres Unikat ist und keiner existierenden Klasse mehr zugeordnet werden kann. Das bedeutet, daß die Bluefox der Prototyp einer neuen Klasse – eben der Bluefox-Klasse – sein wird! Ich freue mich so riesig für Captain Bluefox und seine Vision eines Zusammenlebens und Forschens im Weltraum. Ohne ihn hätte es nie Raumschiffe – geschweige denn eine Raumschiffsklasse – gegeben, die Bluefox heißen! Es ist wirklich eine ganz feine Sache, dieses Projekt Bluefox! Um dem Captain diese erfreuliche Nachricht mitteilen zu können müssen wir ihn aber aus seiner ewigen Starre erwecken und gleichzeitig vom Spinnenvirus befreien können. Ich denke täglich an eine Lösung, aber selbst mir sind langsam die Optionen ausgegangen. Nichtsdestotrotz bin ich heute in Feierstimmung. Die Einweihung der Bluefox-Klasse wird nicht nur hier, sondern auch im ganzen Oberkommando gefeiert und gerühmt. Unsere neue alte Barkeeperin Judy Boeman hat sich sicher etwas Spezielles einfallen lassen für heute Abend. Ich bin jetzt schon gespannt.»»

 

Als es sich Cpt. Ceagy im Bereitschaftsraum nach einem langen Arbeitstag auf der Brücke und im Maschinenraum gerade gemütlich machen wollte, zirpte der Computer auf seinem Schreibtisch und kündigte eine Subraumnachricht der Sternenflotte an. Ceagy rollte die Augen und drückte entnervt auf den großen grauen Knopf in der Mitte direkt vor dem Bildschirm. Die Ansicht wechselte auf Adm. Henning, der sogleich loslegte: ««Guten Tag, Captain. Ich habe einen neuen Auftrag für Ihr Schiff. Es wird morgen früh um acht Uhr eine Konferenz auf Bolarus 6 stattfinden. Es werden neue Bestimmungen für den interstellaren Handel erläutert und ich möchte, daß die Föderation darüber Bescheid weiß. Schicken Sie ein Außenteam auf den Planeten.»» – ««War das alles, Sir?»» fragte Ceagy hoffungsvoll. Doch Henning schüttelte den Kopf und setzte ein zweites Mal an: ««Die Sternenflotte hat beschlossen, daß Ihre Mannschaft wieder verstärkt wird. Sie haben beim letzten Borgangriff viele Leute verloren und benötigen Ersatzkräfte. Besonders in der Sicherheit, aber auch in der Technik und dem Brückenpersonal mangelt es Ihnen an Offizieren. Sie können ja nicht mal eine vernünftige Dreischichtenrotation laufen lassen auf der Brücke, außer wenn die Führungsoffiziere Doppelschichten leisten. Auch Sie bräuchten mal eine Pause, Captain, das sehe ich ja durch meinen Bildschirm hindurch. Genau deshalb werden Sie auch nur ein Außenteam ins Bolarus-System schicken, denn die Bluefox selbst mit Ihnen an Bord wird sich bei der Erde einfinden um das neue Bordpersonal aufzunehmen. Während dem Flug werden Sie sich mal richtig erholen.»» Der Captain intervenierte: ««Aber, Sir!»» Henning blieb hart und sprach barsch: ««Das war keine Bitte, Mr. Ceagy! Und was die Erhöhung der Crew angeht: Es tut mir leid, ich habe nicht allein entscheiden dürfen. Andererseits tut es Ihnen gut neue Gesichter zu sehen. Das ist doch eine angenehme Herausforderung, besonders für Ihren neuen Counselor. Ich bin gespannt auf Donatras Bericht über ihren Posten in einem Monat. Henning, Ende.»» Das blaue Sternenflottenemblem erschien wieder und darunter zeigte ein blauer Text an, daß die Nachricht zu Ende war. Andrew Ceagy war sich nicht gewohnt von einem anderen Vorgesetzten die Befehle zu erhalten und erst noch in so einer Art und Weise. Er mochte es nicht, wenn ihm andere sagten, wann er sich auszuruhen und wann zu arbeiten habe. Dennoch hatte Henning Recht und das mußte Ceagy wohl oder übel akzeptieren. Widerwillens stand er wieder auf und ging zur Brücke zurück. Verwundert über Ceagys rasche Rückkehr erhob sich Cnslr. Donatra aus dem Kommandosessel und fragte: «Captain, haben Sie etwas vergessen?»

«Nein, wir haben neue Befehle bekommen. Ein Außenteam wird mit einem Shuttle nach Bolarus 6 fliegen und eine Konferenz besuchen, während die Bluefox zur Erde zurückkehrt um neue Crewmitglieder aufzunehmen. Ich habe den Außentrupp bereits bestimmt. Es wird die Brückenbesatzung nicht betreffen. Sie haben weiterhin das Kommando, ich bin im Maschinenraum.» antwortete Ceagy. Donatra nickte ihm freundlich zu und machte es sich im mittleren Sessel wieder bequem.

Lt. Cmdr. Lore und Seven of Nine waren an einer letzten Routinediagnose des Warpkerns beschäftigt, als der Captain dazustieß. Als Lore Ceagy wahrnahm, drehte er sich zu ihm hin und grüßte. Ceagy äußerte seinen Wunsch: «Lore, Seven, ich hätte Sie beide gerne im Außenteam zu einer Konferenz auf Bolarus 6. Wir fliegen zur Erde zurück und brauchen dafür nicht die volle Besatzung in der Technik. Nehmen Sie die Yacht des Captains, damit auch Sie sich ein wenig von den letzten großen Revisionsarbeiten in den Jeffriesröhren erholen können. Sie können Doktor Strike noch mitnehmen, sie ist sicher erfreut über einen Ausflug.» Seven fragte: «Was wird in der Konferenz behandelt?» Ceagy erklärte knapp: «Neue Richtlinien im interstellaren Handel. Sie werden wohl auf einige Ferengi treffen. Viel Vergnügen!» Kaum hatte Ceagy dies gesagt, war er auch schon wieder verschwunden. Lore zog die Augenbrauen hoch und bemerkte: «Das kann spannend werden.» Stirnrunzeln bildeten sich bei Seven und sie entgegnete: «Mit Betonung auf „kann“.» Ohne länger zu diskutieren machten sie sich auf den Weg zur Hauptshuttlerampe und unterrichteten den Doktor per Funk über die Mission.

Zehn Minuten später hatte die Yacht des Captains die Bluefox verlassen und das Flaggschiff der Föderation machte sich mit Warpgeschwindigkeit auf den Heimweg.

 

Im großräumigen Shuttle hatten sich Lore und Seven im Rekordtempo eingerichtet, während sich die Chefärztin etwas Zeit gönnte um sich in der Kapitänskajüte gemütlich einzurichten. Lore benötigte keinen Schlaf und Seven wollte kein eigenes Quartier, also löste sich das Raum- und Schlafproblem von alleine. Nicole Strike wies den Computer an etwas entspannende Musik laufenzulassen und ging zum Replikator. Sie sagte: «Einen Achtel Roten.» Es ertönten mehrere Geräusche, bevor die weibliche Stimme des Computers sprach: «Unverständliche Anweisung.» Strike lachte den Computer aus und gab eine deutlichere Version an: «0,125 Liter Rotwein, Marke „Suneleiterli“, Örlingen, Schweiz, Erde, zwanzig Grad Celsius. Sind noch mehr Anweisungen nötig?» – «Nein, Doktor, vielen Dank.» gab die Computerstimme zurück und endlich materialisierte sich das Weinglas mit dem angegebenen Inhalt. Strike schüttelte den Kopf und nahm das Glas an sich. Während dem ersten Schluck zirpte ihr Kommunikator und Lore meldete sich über den Funk: ««Doktor, wir sind auf ein merkwürdiges Trümmerfeld gestoßen und nähern uns an. Kommen Sie bitte ins Cockpit.»» Der Doktor stellte das Weinglas auf die Ablage des Replikators zurück und funkte zurück: ««Ich komme.»»

Nachdem Strike eine Minute später im geräumigen Cockpit hinter Lore und Seven Platz genommen hatte, konnte der Androide die Ergebnisse seines Scans abrufen, den er kurz zuvor gestartet hatte. Er berichtete zu Sevens Unruhe: «Es sind ausschließlich die Trümmer eines Schiffes. Das war mal eine Borgsphäre.» Seven fragte: «Gibt es genug große Trümmerteile, in die man hineinbeamen könnte um Daten zu bergen?» Lore nickte und gab zur Antwort: «Ein einziges Stück ist begehbar ohne Raumanzüge. Ich schalte es vergrößert auf den Schirm.» Alle betrachteten das ausgefranste Wrackteil, in dem einige funktionierende Lichter auszumachen waren. Seven bat Lore um einen Erkundungseinsatz. Der Erste Offizier und Leiter des Außenteams sah keine große Gefahr, entschied aber, daß alle drei ins Wrackteil gebeamt werden sollten. Das Team begab sich in den hinteren Bereich der Yacht des Captains, der eine Transportplattform für vier Personen beherbergte. Alle standen drauf und Lore befahl dem Computer den gesamten Trupp auf das Trümmerteil zu transportieren. Sogleich dematerialisierten sie sich und setzten sich am Zielort erfolgreich wieder zusammen.

 

Unmittelbar nachdem sie die Bewegungsfreiheit wieder erlangt hatten, zückten sie ihre Tricorder, Lore zur Sicherheit auch noch seinen Phaser. Das Trio begab sich gemeinsam zu einer Schaltkonsole, die augenscheinlich noch intakt war. Seven überblickte rasch die Schriftzeichen, die natürlich in Borgsprache aufleuchteten. Bereits nach wenigen Sekunden begriff Seven die Bedeutung der Konsole und streckte ihre rechte Hand aus. Zwei Röhrchen schossen heraus und bohrten sich mit Leichtigkeit direkt ins Terminal! Strike fragte verwundert: «Was tun Sie?» – «Ich assimiliere Daten, Doktor, einen Moment bitte.» gab Seven mit Selbstverständlichkeit zur Antwort. Kaum hatte Seven dies gesagt, begann sie plötzlich schallend herauszulachen! Sie konnte sich nicht zusammenreißen! Lore schaute dem Geschehen fasziniert zu und ganz in der Stimmung mitgerissen zogen sich auch die Mundwinkel des Androiden nach oben, obwohl er nicht im Geringsten wußte, warum Seven derart herausprustete. Der Doktor hingegen sorgte sich und scannte die frühere Drohne mit ihrem medizinischen Tricorder. Das Ergebnis versetzte die Ärztin nur noch mehr in Erstaunen, denn laut den Angaben ihres Scanners war Seven absolut in Ordnung, zumindest noch im Moment. Strike fragte Seven: «Was haben Sie, Seven? Was ist so komisch?» Seven schaute den Doktor an und wurde sogleich von einem weiteren Lachanfall richtiggehend durchgeschüttelt! Lore nahm nun auch seinen Tricorder aus dem Halfter in seiner Uniform heraus und klappte ihn auf. Auch er konnte nichts Außergewöhnliches erkennen. Aufgrund der Umstände entschied der Erste Offizier umgehend auf die Kapitänsyacht zurückzubeamen.

 

Die Bluefox rauschte derweil mit siebenfacher Lichtgeschwindigkeit durch den Weltraum Richtung Erde. Donatra genehmigte sich während einer kurzen Dienstpause in ihrer Praxis ein Glas irdischen Pfirsicheistee. Sie erkundete immer wieder gerne neue Menschengetränke. Als sie mit verwunderten Augen die Zitronenscheibe am Glasrand anguckte, wurde sie durch das Piepsen der Türklingel von ihrem Pausengetränk abgelenkt. Sie blickte zur Tür und bat den Gast herein. Es war der Captain. Überrascht über den ersten Besuch von Andrew Ceagy in ihrem Raum forderte sie ihn freundlich auf sich zu setzen. Nachdem es sich Ceagy bequem gemacht hatte, brachte er sein Anliegen vor: «Counselor, ich weiß nicht, ob ich den Entscheid des Admirals einfach so akzeptieren soll. Wir sind schon einmal von einem Haufen unbekannter Offiziere richtiggehend überschwemmt worden, bevor uns die Borg das zweite Mal angriffen. Ich muß ehrlich sagen, daß diese Leute uns damals viel gebracht haben, aber danach wären wir wieder ohne externe Hilfe weitergekommen. Wäre es nach Captain Bluefox gegangen, dann würde die Crew der Bluefox heute wieder nur noch aus unserer früheren Klasse bestehen. Doch wir haben uns den Befehlen des Oberkommandos unterworfen und nahmen die Überlebenden der Borgmission in unsere Familie auf. Einige von ihnen befinden sich jetzt in guten Positionen, wie zum Beispiel Transporterchef Webber oder Monty und McNally von der Sicherheit. Ich kann heute sagen, daß wir selbst mit rund dreißig fremden Offizieren noch eine Familie geblieben sind. Und jetzt beginnt der ganze Trubel von vorn! Wieder vierzig Neue! So war das nicht abgemacht, man hat uns nicht einmal gefragt! Ich finde das einfach nicht fair!» Donatra blieb ganz ruhig und versuchte allein mit ihrem ausgeprägten Charisma die gleiche Ruhe in Ceagy wiederherzustellen. Es gelang ihr aber nicht so gut, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie legte nun ihren Standpunkt dar: «Captain, für mich sind die Umstände, wie sie auf der Bluefox herrschen, eine totale Ausnahme. Ich habe noch nie ein derartig wichtiges Raumschiff mit einer so kleinen Mannschaft gesehen. Wenn ich nach meinem Gefühl gehe, dann kann ich Admiral Henning sehr gut verstehen. Zudem wird er Ihnen seine Gründe sicherlich genannt haben.» Ceagy gestand: «Ja, er hat Argumente gebracht und zu einem gewissen Teil gehe ich mit ihm einig. Aber ich kann von der Crew nicht einfach verlangen, daß sie sich wohlzufühlen hat! Die Mannschaft weiß, warum wir zur Erde zurückkehren und ich habe ganz deutlich eine Mißstimmung wahrgenommen.» Donatra entgegnete: «Die Crew ist verwöhnt, Captain! Sie hat wohl nie gelernt in einem gewissen sozialen Umfeld zu leben!» – «Was Sie uns da unterstellen, hätte ich von Ihnen nicht erwartet, Counselor. Ich dachte, Sie würden mit einer gewissen Objektivität urteilen, solange Sie noch relativ neu sind, aber ich habe mich da wohl geirrt. Sie wissen wohl, daß Sie mich damit gerade getroffen haben.» meinte Ceagy. Donatra konnte spüren, wie sie den Captain mit ihrem Urteil verletzt hatte und schwieg für einen Moment. Sie ging kurz in sich und überlegte, was es für sie bedeuten würde, falls sie Ceagy wäre. Tatsächlich konnte sie ihn nun verstehen! Sie begriff die Tragweite der Beziehungen in den letzten zwei Missionsjahren. Für den Moment, in dem sie dies nachvollzog, wandte sie ihren Blick vom Captain ab und schaute auf den Glastisch direkt vor ihr. Erst danach blickte die Romulanerin wieder zu Ceagy auf und sprach: «Es tut mir leid, Sir, ich habe Sie und Ihre Mannschaft wirklich falsch eingeschätzt. Ich habe mich gerade in Ihre Lage versetzt und kann Sie nun verstehen. Ich hätte nicht geglaubt, daß auf einem Raumschiff dieser Größe noch ein familiäres Verhältnis mit allen Personen existieren kann. Ich bin soeben eines besseren belehrt worden.» Der Captain war mit dieser Entschuldigung mehr als einverstanden und erwiderte: «Wie können Sie das denn auch schon so früh voll und ganz einschätzen? Sie sind zwar Telepathin, aber keine Magierin.» Ceagy schmunzelte am Ende seines letzten Satzes. Donatra erwiderte Ceagys Lächeln und nickte lediglich. Nachdem die Schiffsberaterin endlich einen Schluck des Pfirsicheistees genommen hatte, fragte sie den Captain: «Sie sagten, Sie hätten eine Mißstimmung in der Crew wahrgenommen. Aber ich kann von Ihnen wahrnehmen, daß es mehr als lediglich eine Mißstimmung ist. Sie denken, Ihre Kollegen wollen nach der Ankunft im Erdorbit gleich zu Hause bleiben und ihren Dienst quittieren.» Ceagy konnte Donatras Analyse nur zustimmen und ergänzen: «Wir beide müssen die Besatzung davon überzeugen, daß es nicht schlimmer wird als vor dem zweiten Angriff der Borg. Wenn sich die Klasse jetzt spaltet oder sich gar vollständig vom Dienst auf der Bluefox verabschiedet, dann wäre dies ebenso das vorzeitige Ende meines und Ihres Dienstes hier. Nun gut, es hätte einen Vorteil: Mein Ultimatum würde hinfällig und ich könnte mich voll um Matts Viruserkrankung kümmern. Das kann ich jetzt nämlich nicht, weil wir immer Aufträge ausführen. Unter normalen Umständen würde ich mir nichts mehr wünschen, als im Dienste der Sternenflotte den Weltraum zu erforschen, aber so kann ich es einfach nicht mehr genießen und Spaß an meiner Arbeit haben.» Andrew tat Donatra nun sogar leid. Sie konnte nun vollumfänglich begreifen, daß er seine Kollegen sehr brauchte und daß dies auch umgekehrt der Fall war. Sie meinte abschließend: «Möge das Beste eintreffen. Was es denn auch immer sein wird.»

 

Nicole Strike untersuchte inzwischen die sich immer noch köstlich ab des Geschehens amüsierende Seven of Nine. Inzwischen hatte Lore mit einer sensorischen Breitbandsuche ein Sonnensystem in relativer Nähe gefunden, in dem sich auch ein Planet der M-Klasse befand. Er informierte den Doktor: «Das Rima-System liegt in näherer Reichweite. Wir benötigen anderthalb Stunden mit maximaler Warpgeschwindigkeit um dorthin zu gelangen. Ich setze einen Kurs. Die Chance besteht, daß die Rima wissen, was die Sphäre zur Zerstörung gebracht hat und warum Seven angeheitert ist.» Strike lachte kurz über den Ausdruck, den Lore verwendete um den Zustand von Seven zu beschreiben, und bemerkte: «Angeheitert ist ja noch gelinde ausgedrückt, Commander.» Die Yacht sprang auf Warp und entfernte sich rasch vom Borgtrümmerfeld.

Lore hatte die Reisezeit einmal mehr genau berechnet und das Außenteam traf in anderthalb Stunden im Rima-System ein. Es wurde ein Orbit um den dritten Planeten eingeschlagen, da dies die Heimatwelt der Rima war. Da die Rima über den Warpantrieb verfügten, war es der Föderation gemäß der Obersten Direktive erlaubt mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Sogleich öffnete Lore die Grußfrequenzen und wartete auf eine direkte Antwort. Es dauerte keine fünf Sekunden bis der Ruf bestätigt wurde und sich ein Volksvertreter meldete. Er sprach mit einer beduselt klingenden Stimme: ««Hallo, was gibt’s?»» Strike griff sich an die Stirn und ahnte, was auf Rima 3 vor kurzem passiert sein mußte. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Lore blieb wie immer androidisch gelassen und stellte sich vor: ««Hier spricht Lieutenant-Commander Lore von der Föderation. Zu meiner Linken von Ihnen aus gesehen sitzt Doktor Nicole Strike. Wir haben eine Frage an Sie: Sind Sie über den Vorfall mit der Borgsphäre nahe Ihres Systems informiert?»» – ««Haben sie es assimiliert? Ha! Juhu! Es hat geklappt! Wir haben das Mittel um den Borg ein für alle Mal den Rest zu geben und das Mittel heißt „bedingungs- und belangloses Gelächter“! Hahaha!»» triumphierte der Rimaner. Lore verstand nicht, wie man sich des Todes Hunderter Borgdrohnen erfreuen kann und hakte nach: ««Sir, wissen Sie auch, daß das Borgschiff sich selbst komplett zerstört hat?»» Der rimanische Vertreter entgegnete: ««Spielt das eine Rolle? Ob das Kollektiv sich selbst zerstört oder nicht, tut nichts zur Sache! Sie stellen jedenfalls keine Gefahr mehr dar für uns und das ist die Hauptsache!»» Strike bemerkte empört: ««Sie haben nicht nur die Borgsphäre zerstört, sondern auch eines unserer Besatzungsmitglieder infiziert! Sie werden sich verantworten müssen, das ist Ihnen wohl klar!»» Lore ergänzte: ««Sie können sich jedoch strafmildernd engagieren, wenn Sie uns sagen, wie wir unsere Kollegin heilen sollen.»» Der Rimaner antwortete lachend: ««Wir haben doch kein Gegenprogramm geschrieben und das ist auch nicht nötig! Wie Sie sehen, sind wir auch angesteckt worden, aber das macht nichts! Wir sind nun sorgenfrei und können einfach nur noch lachen! Ist das nicht wunderbar? Yeah!»» Lore schüttelte den Kopf, schloß den Kanal und sagte zu Strike: «Wie es den Anschein macht, können die Rima nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden für das, was sie getan haben. Auch wir haben ein Kommando ins Kollektiv eingeschleust um es lahmzulegen. Damals wurde das Borgschiff ebenso zerstört. Im Fall der Rima haben sie sich selbst mit dem Programm angesteckt und haben dadurch ihre Urteils- und Handlungsfähigkeit verloren. Sie dafür zu bestrafen wäre gemäß unserem Recht inkorrekt. Tut mir leid, Doktor, aber wir müssen einen eigenen Weg finden um Seven zu heilen.» Strike nickte Lore zu und bemerkte: «Es hätte ohnehin keinen Sinn gemacht mit diesem Idioten weiterzudiskutieren. Der hat ja wirklich nur Schwachsinn geschwafelt.» Nach einer kleinen Pause fragte die Chefärztin den Ersten Offzier: «Commander, Ihre Datenbank ist mit allen Informationen über die Borg bestückt. Was für eine medizinische Behandlung würden Sie vorschlagen?» Lore checkte seine positronische Matrix durch und antwortete nach ein paar Sekunden: «Seven hat die Daten mit ihren Assimilationsröhrchen in ihren Blutkreislauf transferiert. Danach gelangten die Informationen ins Gehirn, wo sie sich zum Programm zusammensetzten, das Seven nun bedingungs- und belanglos lachen läßt, wie es der rimanische Volksvertreter korrekt umschrieben hat. Seven hat einen kortikalen Download begangen, das heißt, sie hat ihr primäres Implantat, nämlich den Kortikalknoten eingesetzt. Ohne den Kortikalknoten kann eine Drohne nicht überleben und wird deaktiviert. Unsere Aufgabe wird es jetzt sein einen intakten und gesunden Knoten zu finden. Dazu brauchen wir eine lebende Drohne. Unglücklicherweise haben sich auf den Überresten der Sphäre keine lebenden Borg mehr befunden. Wir müssen also ein anderes Borgschiff finden und es abfangen.» Strike schüttelte den Kopf und entgegnete: «Mit der Yacht des Captains? Das meinen Sie doch nicht im Ernst, oder?» Lore antwortete: «Wir können auch warten, bis wir wieder auf der Bluefox sind, aber das wird noch zwei Tage dauern. Ich befürchte, daß es deutlich früher zu einer Überlastung von Sevens Kortikalknoten kommen wird.» Lore hätte es nicht treffender sagen können, denn genau nach Lores Aussage wurde es Seven schwindlig! Sie hörte plötzlich auf zu lachen und torkelte im ganzen Cockpit umher! Lore engte seinen Tricorderscan auf Sevens Kortikalknoten ein und berichtete Strike: «Es ist bereits so weit! Ihr Kortikalknoten hat die Kapazitätsgrenzen erreicht und wird sich gleich...» Da fiel Seven auch schon zu Boden und rührte sich nicht mehr! – «...abschalten.» beendete Lore seinen Satz, aber dieses Wort war logischerweise überflüssig geworden. Sofort rannte Strike in ihre Kajüte und befahl dem Replikator: «Kortikalstimulatoren und elektrische Reanimatoren! Schnell!» Es konnte ihr nicht schnell genug gehen, bis sie die lebensrettenden Instrumente in ihren Händen hatte. Sie eilte zurück zu Seven und Lore, der sich sorgvoll neben der regungslos daliegenden Crewkollegin niedergekauert hatte. Strike plazierte die zwei Stimulatoren an Sevens Schläfen. Den elektrischen Reanimator legte sie vorerst noch beiseite, denn der sollte erst dann verwendet werden, wenn Seven wegzusterben drohte. Lore überließ Seven den fähigen Händen von Nicole Strike und setzte sich wieder ans Steuer. Er bemerkte: «Ich werde sofort nach einem intakten Borgschiff scannen und wenn ich eines gefunden habe, setze ich gleich einen Abfangkurs. Es bleibt uns keine andere Wahl. Falls die generelle Theorie stimmt, werden uns die Borg nicht als Bedrohung ansehen.» Immer wieder schaute Lore zu Seven und Strike, während er in der übrigen Zeit die Sensoren überwachte.

 

Das Flaggschiff der Föderation war zu Hause angekommen und das Pionierschiff der Bluefox-Klasse schwenkte in einen hohen Orbit um die Erde ein. Kaum richtig im Orbit, wurde die Bluefox auch schon vom Oberkommando gerufen. Ceagy ließ das Gespräch in den Bereitschaftsraum durchstellen. Als er hinter dem Schreibtisch mit dem kleinen Computer Platz genommen hatte, öffnete er sogleich einen Kanal zum Sender. Es war Henning, der ein unglückliches Gesicht machte. Der Admiral sprach: ««Captain, es tut mir leid Ihnen dies mitteilen zu müssen, aber Föderationspräsident James Peter und das achtköpfige Admiralsgremium hat nachträglich entschieden, daß nicht nur vierzig, sondern zweihundert neue Offiziere auf Ihr Schiff transferiert werden. Das habe selbst ich nicht gewollt, das müssen Sie mir glauben, Mr. Ceagy.»» Ceagy schüttelte nur den Kopf und entgegnete: ««Sir, Ihnen ist wohl klar, daß ich damit meiner Mannschaft freistellen muß ihren Dienst zu quittieren. Das, was ich die ganze Zeit verhindern wollte, muß ich nun vorschlagen!»» Henning bemerkte: ««Wenn Sie und Ihr Stab, der jetzt an Bord ist, den Dienst beenden wollen, können Sie das ohne weiteres tun. Das ist Ihr gutes Recht. Sie sollten aber wissen: Wenn Sie jetzt Ihre Laufbahn als Offiziere der Sternenflotte abbrechen, dann dürfen Sie in Zukunft kein Raumschiff der Föderation mehr als aktives Personal betreten.»» – ««Das ist mir und ich denke auch allen anderen bewußt.»» entgegnete Ceagy. Henning sagte abschließend: ««Sie wollen sicherlich noch Ihr Außenteam abholen. Tun Sie das also jetzt gleich. Diese Mission können Sie noch mit der bisherigen Mannschaft abschließen. Wenn Sie wieder zurück sind, unterrichten Sie mich über Ihre Entscheidung. Henning, Ende.»» Ceagy drückte entnervt auf den mittleren Knopf, der den Kanal schließen ließ. Sogleich kehrte der Captain auf seine Brücke zurück und befahl Lt. Blater: «Steuermann, setzen Sie einen Rendezvouskurs mit der Yacht des Captains. Sie befindet sich laut Missionsbefehl im Orbit von Bolarus 6.» Blater bestätigte: «Aye, Sir. Verlasse den Erdorbit. Beschleunige auf volle Impulsgeschwindigkeit bis zum äußeren Rand unseres Sonnensystems. Wie schnell soll ich nachher fliegen, Captain?» fragte er. Ceagy entschied: «Maximum Warp, Lieutenant. Ich möchte den Einsatz hinter uns bringen, so schnell und ungefährlich wie möglich.»

Nachdem die Bluefox Sektor 001 verlassen hatte, berief der Captain eine Sondersitzung aller Crewmitglieder in Zehn-Vorne ein. Es dauerte nur einige Minuten, bis sich alle in der Bar eingefunden hatten. Ceagy ging direkt vor die hell beleuchteten Theke, während sich der Rest auf die Stühle beim Panoramafenster setzte. Es fiel Andrew Ceagy nicht einfach einen Anfang zu machen, aber schließlich gestaltete er seine Rede wie folgt: «Liebe Freunde, geschätzte Mannschaft, ich kann selbst kaum fassen, was die Sternenflotte mit uns vorhat, aber es ist die bittere Realität. Wenn wir diese Mission abgeschlossen haben und wieder im Orbit der Erde sind, werden zweihundert und nicht vierzig neue Offiziere zu uns stoßen. Ich sagte Admiral Henning, daß ich diese Entscheidung nicht allein fällen könnte, sondern daß dies jeder für sich selbst entscheiden muß. Sie können wählen: Möchten Sie die Bluefox verlassen und auf die Erde zurückkehren, oder würden Sie lieber weiter hier Dienst tun? Ich muß Ihnen ehrlich sagen, ich weiß es auch noch nicht und ich verlange nicht, daß Sie diese Entscheidung in den nächsten zehn Minuten treffen müssen, aber der Admiral möchte meinen Bericht nach Abschluß dieser Mission hören. Sie haben also noch ungefähr einen Tag und eine Nacht Zeit. Wir fliegen jetzt mit Maximum Warp und nicht mehr mit Warp 7 wie auf dem letzten Rückflug zur Erde, das heißt, wir werden Lore, Seven und den Doktor schon in wenigen Stunden abgefangen haben. Ich kann nur noch folgendes sagen: Wie auch immer Sie sich entscheiden werden, es wird das Richtige sein und zwar für jeden Einzelnen von Ihnen.»» Der Großteil der Mannschaft war selbst nach den positiven Worten des Captains noch getroffen über diese plötzliche Wende. Ceagy spürte dies sehr gut auch ohne ein Telepath zu sein. Gleich nach seiner Ansprache setzte er sich mitten in die Menge der anderen Crewmitglieder. Ein womöglich letztes Mal war man so vereint wie zu dieser Stunde und alle ließen es sich trotz der Umstände nochmals gutgehen. Die neue alte Barkeeperin Judy Boeman hatte also noch einige arbeitsreiche Stunden vor sich.

 

Lores Sensorensuche war erfolgreich gewesen! Tatsächlich hatten die Mittelstreckensensoren ein Konstruktionsschiff der Borg entdeckt und seit fünf Minuten flog die Yacht des Captains mit der Höchstgeschwindigkeit Warp 8,6 dem sogenannten „Assembler“ entgegen. Strike sagte zu Lore: «Welch ein Glück, daß es kein Kubus ist.» Lore entgegnete: «Auch wenn es nur ein Assembler ist, beunruhigt mich die Präsenz der Borg in diesem Sektor. Das können Vorbereitungen auf eine dritte Invasion innerhalb nur eines Jahres sein.» Strike war für ihren Teil vorerst nur mal zufrieden, daß es eine Möglichkeit gab um Seven doch noch zu retten. Zum Glück brauchte sich die Ärztin nicht auch noch um die taktische Lage zu kümmern. Sie gab Lore einen Bericht über Sevens Zustand durch: «Dank der Kortikalstimulatoren kann ich Seven noch am Leben erhalten, aber das ist das Einzige, was ich im Moment überhaupt tun kann.» Der Androide nahm es zur Kenntnis und redete dem Doktor gut zu: «Wir werden nicht allzu lange benötigen, vorausgesetzt, das Borgschiff ändert seine Position nicht. Meinen Berechnungen zufolge müßten wir in genau 14 Minuten und 40 Sekunden dort sein. Ich bin sicher, Sie werden Seven für diese Zeit am Leben erhalten können. Ich habe in Sie größtes Vertrauen, Doktor.» – «Danke sehr, Commander.» gab Strike zurück.

Das größte Shuttle der Bluefox benötigte in der Tat eine knappe Viertelstunde um den Assembler der Borg abzufangen. Sevens Zustand veränderte sich praktisch nicht innerhalb dieser Zeitspanne. Lediglich die Energie der Stimulatoren verringerte sich. Im Bezug auf einen möglichen Ausfall der Lebenserhaltungsgeräte hatte Strike aber keine Sorgen, denn sie konnte bei Bedarf einfach ein neues Paar replizieren. Lore informierte Strike: «Doktor, ich beame mich auf den Assembler und werde eine Drohne, die sich in ihrer Regenerationsphase befindet, an Bord der Yacht beamen. Halten Sie während meiner Abwesenheit einfach die Position.» Strike nickte Lore zu und der begab sich zur Transportplattform, wo er sich sogleich dematerialisierte. Die Zeit war gekommen um neue Kortikalstimulatoren zu replizieren und somit war die Gelegenheit für den Doktor da wieder mal aufstehen und ein paar Schritte gehen zu können.

Zwei Minuten später hatte Strike die Auswechslung erfolgreich vorgenommen und wartete auf die Rückkehr des Ersten Offiziers. Ehe sie sich fragen konnte, wie lange es wohl dauern würde, erschienen zwei Lichtstrahlen auf der Transportplattform und Lore materialisierte sich mit einer Borgdrohne, die selbständig stand! Strike wußte erst nicht, was das zu bedeuten hatte, aber als Lore die Plattform verließ und die Drohne keinen Wank machte, war es ihr wieder geheuer. Sie bemerkte: «Die Borg haben einen guten Schlaf, wie mir scheint.» Lore stand vor den Borg hin und drückte energisch mit einem Finger auf dessen linken oberen Stirnbereich. Er schien die Stelle genau zu kennen. Da fuhr einfach ein Stück Fleisch heraus und darunter tauchte der Kortikalknoten auf! Lore nahm in an sich und ging damit zu Seven hin. Das gleiche Prozedere führte er nun an Seven durch und auch bei ihr passierte dasselbe. Lore entfernte den fehlerhaften Knoten und ersetzte ihn durch denjenigen der entführten Drohne. Sevens Kortikalknoten wurde von Strike über den Replikator eliminiert. Nachdem Lore die Arbeit an Seven abgeschlossen hatte, befahl er dem Computer: «Computer, beame den Borg auf der Transportplattform an seinen ursprünglichen Platz im Borgschiff zurück.»

Es vergingen keine zehn Sekunden, da war die kybernetische Lebensform bereits wieder verschwunden. Der Erste Offizier befahl dem Doktor: «Entfernen Sie nun die Stimulatoren, Doktor. Seven wird sie nicht mehr benötigen.» Doch Strike war skeptisch und entgegnete: «Aber wenn ich jetzt die Stimulatoren wegnehme, wird sie sterben! Ich muß sie auf der Bluefox nochmals gründlich durchchecken und langsam aufbauende Medikamente präparieren, die speziell auf sie abgestimmt sind.» Lore jedoch verneinte und beharrte auf seiner Anweisung: «Sie ist Borg, sie wird sich anpassen. Entfernen Sie die Stimulatoren, Doktor. Das ist ein Befehl. Vertrauen Sie mir, es wird ein stufenloser Übergang stattfinden.» Die Chefärztin hätte ohne Lores Einfluß nie und nimmer eine solche Aktion vorgenommen, aber sie hatte vom Androiden immer eine hohe Meinung und er war für sie der kompetenteste Offizier auf der Bluefox. Nach einigen Sekunden Nachdenkzeit befolgte sie schließlich Lores Befehl und demontierte die beiden Kortikalstimulatoren. Sofort scannte sie Seven mit dem medizinischen Tricorder. Sie schaute ungläubig auf die Anzeige und sprach in Erstaunen: «Das ist unmöglich! Ihre Lebenszeichen stabilisieren sich und das in einem gewaltigen Tempo! So etwas habe ich noch nie gesehen!» Lore war ebenfalls beeindruckt und bemerkte: «Sie ist noch mehr Borg, als ich angenommen hatte. Gemäß der Daten Ihres Tricorders wird Seven in weniger als einer halben Stunde wieder vollkommen genesen sein. Faszinierend!» Strike atmete erst einmal tief durch und stand auf. Sie setzte sich an die Conn und steuerte die Kapitänsyacht vom Borgassembler weg. Kurz darauf beschleunigte sie auf Warp und setzte einen Kurs Richtung Erde. Sie meinte: «Fliegen wir ihnen doch noch ein wenig entgegen.»

 

Inzwischen hatten die Bluefox-Crewmitglieder wieder ihre Stationen eingenommen. Es vergingen weitere drei Stunden, bis Lt. Monty mit den Langstreckensensoren die Yacht des Captains ortete. Er berichtete Lt. Cmdr. Chollet, der gerade das Kommando hatte: «Sir, ich habe das Außenteam entdeckt. Sie sind bereits auf einem Kreuzkurs. Wir werden sie in zwanzig Minuten erreichen.» – «Fabelhaft, Lieutenant. Ich hoffe, wenigstens Lore, Seven und Nicole hatten heute ihren Spaß.» meinte Chollet. Er befahl dem Kommunikationsoffizier: «Lieutenant Boer, öffnen Sie einen Kanal zur Yacht.» Lt. Boer bestätigte: «Verbindung steht, Commander.» Chollet erhob sich aus dem Kommandosessel und schritt gemächlich zum Hauptschirm hervor. Als das Bild des Cockpits mit Lore und Strike aufgeschaltet wurde, sprach Chollet: ««Hallo, zusammen! Wie war’s auf Bolarus 6?»» Lore antwortete: ««Commander, wir sind von der ursprünglichen Reiseroute abgewichen und haben die Konferenz auslassen müssen. Ich erzähle Ihnen alles, wenn wir wieder an Bord sind.»» – ««Ich verstehe. In einer Stunde werde ich einen Missionsrapport ansetzen.»» meinte der Sicherheitschef. Lore nickte und entgegnete: ««Eine gute Idee, Commander. Wir sehen uns also spätestens dann. Lore, Ende.»»

Nach der Rückkehr des Außenteams wurde Seven für eine ausgiebige Ruhephase in ihren Alkoven gebracht.

Vierzig Minuten später trafen sich alle Führungsoffiziere zum Rapport in der Lounge hinter der Brücke. Ceagy sprach: «So, wie es scheint, ist einiges passiert auf Ihrem Teil der Mission, Lore. Fassen Sie die Ereignisse für uns doch bitte nochmals ganz kurz zusammen.» Der Erste Offizier stand auf und ging zum gegenübergesetzten Ende des langen Besprechungstisches und berichtete: «Ein Trümmerfeld, bestehend aus einer einzigen Borgsphäre, bewog uns zu einer Kursänderung. Seven wollte auf die schnellste Weise die Ursache der Zerstörung herausfinden und zapfte mit ihren Assimilationsröhrchen ein Terminal an. Dummerweise assimilierte sie nicht nur die relevanten Daten, sondern auch ein Programm, das in kybernetischen Lebensformen bedingungs- und belangloses Gelächter auslöst. Für eine gewisse Zeit war Sevens Leben noch nicht gefährdet, aber es war abzusehen, daß sich ihr Kortikalknoten überladen würde. Wir besuchten die Hersteller dieses Programms, die Rima, aber die Produzenten waren gleichzeitig auch Konsumenten. Der Mann, mit dem wir redeten, war derart von der Wirkung der Droge beeinträchtigt, daß er uns keine wirkliche Hilfe sein konnte. Schneller als erwartet fiel er dann auch aus und wir mußten dringendst einen gesunden Ersatzknoten finden. Zu unserem Glück, aber zur Besorgnis der Föderation fanden wir relativ schnell ein zweites Borgschiff, von wo ich eine Drohne stahl und deren Kortikalknoten für Sevens Lebensrettung entwendete. Danach beamte ich den Borg wieder in seinen Alkoven zurück. Ich denke nicht, daß die Borg den Ausfall eines Kollegen als Tragödie ansehen im totalen Gegensatz zu uns. Seven erholte sich bereits auf der Yacht markant und ist jetzt für einige Stunden in Frachtraum 2, wo sie sich regeneriert.» Chollet staunte nicht schlecht über Lores Bericht und bemerkte: «Nicht eine Minute langweilig. Wie ich es vermutet habe.» Der Androide setzte sich wieder hin. Ceagy hingegen erhob sich nun und informierte Strike und Lore über den Föderationsentscheid. Die leitende Ärztin konnte darüber nur ungläubig den Kopf schütteln. Lore fragte: «Hat sich der Rest der Mannschaft bereits entschieden?» – «Ich habe vor wenigen Minuten den letzten Bericht erhalten und es ist das eingetroffen, was ich befürchtet habe: Der Crew stinkt es natürlich und so gut wie alle möchten auf die Erde zurück. Es wurde aber genauso stark erwähnt, daß das Leben hier genossen wurde und daß alle viel Spaß hatten, trotz einigen lebensbedrohlichen Situationen. Die gesamte Besatzung findet es schade, daß uns das Oberkommando derart vor den Kopf stößt und uns daher praktisch keine Wahl läßt. Sie läßt auch mir keine Wahl. Ich muß die Familie in Abwesenheit von Matt auflösen. Das ist bisher die bedeutendste und wohl auch die letzte Entscheidung, die ich als stellvertretender Captain fälle.»» gab Ceagy nachdenklich zur Antwort. Donatra konnte die innere Trauer und auch die Wut auf die Sternenflotte, die nicht nur Ceagy, sondern außer Lore auch alle anderen empfanden, mehr als alles andere spüren. Sie war nun ebenfalls nicht mehr sicher, ob die Föderation eine derartige Superorganisation war, wie sie sich seit dem gemeinsamen Kampf mit Cpt. Jean-Luc Picard gegen die Scimitar vorgestellt hatte. Nach außen hin mochte die Föderation ein absolut faires Erscheinungsbild abstrahlen, aber das erste romulanische Mitglied dieser Organisation erfuhr nun an einem tragischen Beispiel, daß es intern auch genauso absolut unfair zu und her gehen konnte. Donatra stand auf und sprach schließlich: «Captain, ich werde bleiben.» Lore tat es ihr gleich! Und plötzlich auch Seven! Doch der Rest blieb sitzen. Ceagy dachte: «Netter Versuch.» Da sagte Donatra: «Es gibt Situationen, da müssen Sie das nehmen, was im Angebot ist.» Ceagy durchfuhr ein Schrecken, denn er hatte ganz vergessen, daß Donatra auch vernehmen konnte, was er für sich behielt. Es war ihm peinlich, aber andererseits mußte er sich nicht rechtfertigen, denn es stimmte absolut, was Donatra sagte. Der Captain bedankte sich schließlich bei den Anhängern. Danach öffnete er einen Kanal zu allen Kommunikatoren an Bord und sprach: ««All denjenigen, die sich entschieden haben zu gehen, kann ich nur das Beste wünschen in der Zukunft. Denjenigen, die hierbleiben, spreche ich meinen innigsten Dank aus und hoffe, daß unsere letzte Mission genauso erfolgreich sein wird wie die vergangenen Aufträge.»» Ceagy schloß den Kanal wieder. Lore und Seven schauten komisch aus der Wäsche! Lore fragte schließlich: «Unsere letzte Mission?» Ceagy gab zur Antwort: «Informationen folgen dann, wenn alle, die die Bluefox verlassen wollen, wirklich gegangen sind. Wir werden uns wieder hier treffen, wenn es soweit ist.» Donatra wußte natürlich, was Ceagy vorhatte und schwieg um es geheimzuhalten. Der Captain ahnte, daß sich Donatra dessen bewußt war und blickte sie an. Sie schwieg weiterhin. Er faßte ihr Stillschweigen als Einverständnis auf und schmunzelte kurz. Danach schloß er die Sitzung mit den Worten: «Ich verabschiede mich hier offiziell von Danny Chollet, Gillian Haldman, Nicole Strike, Judy Boeman, Aline River und Matt Webber, die mir immer eine Stütze im Führungsoffizierstab waren. Ihnen allen, alles Gute! Man sieht sich sicher auf der Erde wieder, spätestens nach der letzten Mission, die hoffentlich nicht allzu lange dauern wird. Die Sitzung ist geschlossen.» Mit gemischten Gefühlen verließen die nun ehemaligen Sternenflottenoffiziere ihr Schiff. Sie machten sich Sorgen um diejenigen, die an Bord blieben um diese geheimnisvolle letzte Mission zu fliegen, aber gleichzeitig waren sie froh endlich wieder heimkehren zu können.

Während die Personen nach und nach von Bord gebeamt wurden, schottete sich der Captain im Bereitschaftsraum ab und blickte wie sein Vorgänger zum schmalen Fenster schräg hinter dem Schreibtisch hinaus ins dunkle Weltall. Er sagte leise: «Matt, ich mache vielleicht den größten Fehler, den ein Offizier der Sternenflotte machen kann, aber ich tue es für dich.»

 

 

Fortsetzung folgt...

 

 

 

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