RAUMSCHIFF BLUEFOX – NCC 1701-F

 

 

Folge 21: Eine tierische Macht

 

 

STARRING

 

Matthias Currat

ALS

Cpt. Matthew Bluefox

Andreas Kägi

ALS

Cmdr. Andrew Ceagy

Brent Spiner

ALS

Lt. Cmdr. Lore

Nicole Streich

ALS

Dr. Nicole Strike

Julia Haldemann

ALS

Lt. Cmdr. Gillian Haldman

Daniel Chollet

ALS

Lt. Cmdr. Danny Chollet

Jeri Lynn Ryan

ALS

Seven of Nine

Judith Baumann

ALS

Cnslr. Judy Boeman

Matthias Weber

ALS

Chief Matthew Webber

 

ALSO STARRING (AUSWAHL AUS DER CREW)

 

Ramon Baur

ALS

Lt. Ramon Boer

Fabian Blatter

ALS

Lt. Fabius Blater

Monika Heusser

ALS

Lt. Monique Hewsser

Nadine Humbel

ALS

Lt. Nadine Humble

Stephanie Knecht

ALS

Dr. Steevy Knight

Isabel Schneider

ALS

Dr. Izy Snyder

Deborah Grossniklaus

ALS

Dr. Debbie Crossnicholls

Patrick Streich

ALS

F. Patrick Strike

Stefan Kägi

ALS

F. Stephen Ceagy

Jasmin Grossniklaus

ALS

F. Jazzy Crossnicholls

Sarah Bärtschi

ALS

F. Sarah Bearchy

Andrea Berger

ALS

F. Andrea Berger

 

GUEST STARRING / ACTORS IN A SECOND ROLE

 

Roland Peter

ALS

Cpt. Rowland Peter

Hannes Morger

ALS

Cpt. Stephen Wish

Michael Weilenmann

ALS

Adm. Mike Henning

 

 

Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, Sternzeit 78546.3

 

««Admiral Mike Henning, Captain Stephen Wish, Captain Rowland Peter und ich sind in Zehn-Vorne zusammengekommen um die aktuelle Lage zu besprechen. Die Borg haben zur Abwechslung mal eine Pause eingelegt und doch nicht im Dreimonatsabstand einen Kubus geschickt. Ich habe mich gestern schon einmal mit Rowlin getroffen und der baldige Kommandant der Liberty machte mir einen sehr guten Vorschlag. Daher habe ich es für wichtig befunden, daß sich die Kommandanten der vier größten Raumschiffe der Sternenflotte zu einer Sondersitzung treffen. Zehn-Vorne ist mir natürlich immer willkommen und auch bei anderen Leuten sehr beliebt. Die Beobachtungslounge ist in der Hauptdienstzeit ohnehin oft besetzt, da die jeweiligen Abteilungsleiter mit ihren Leuten Teamsitzungen abhalten.»»

 

Alle Teilnehmer erschienen pünktlich, der Gastgeber natürlich schon eine Viertelstunde zu früh um alles herzurichten. Als sich dann alle gesetzt hatten, eröffnete

Cpt. Bluefox mit glücklichem Gesicht die Sitzung: «Herzlich willkommen in Zehn-Vorne. Ich möchte nicht lange faseln, sondern das Wort gleich Rowlin übergeben, denn er und seine Idee sind der Grund, warum wir hier zusammengekommen sind.» Cpt. Peter erklärte der Runde seinen Plan: «Mein neues Schiff, die Liberty, hat alle Testphasen durchlaufen und alle Systeme funktionieren einwandfrei. Es hat leider mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet, daher konnte ich gegen die Borg noch nicht eingreifen, weder beim ersten, noch beim zweiten Kampf. Die Liberty ist zwar stark, aber zusammen wären wir stärker! Ein Schiff der Sovereign-Klasse kann einiges ausrichten, jedoch mit der Bluefox, der Jackenboy und der neuen Netherwell würde dies bereits eine Miniflotte ergeben. Ich möchte mit meinem Vorschlag die vier stärksten Schiffe der Föderation in großen Notfällen zusammenziehen. Ich habe diese Idee mal „Notfusion“ getauft. Ihre Reaktionen?» Adm. Henning sprach ein erstes Problem an: «Das klingt sehr gut, aber es ist nicht immer einfach. Wenn die Netherwell in Not ist, dann ist nicht immer gleich eine Bluefox, eine Jackenboy und eine Liberty zur Stelle. Wie wollen Sie dieses Problem angehen?» Peter erklärte: «Die meiste Zeit verbringen die Hauptschiffe entweder auf Missionen oder im Raumdock. Wenn zum Beispiel die Bluefox unterwegs ist, dann wird die Jackenboy eventuell gerade in der Werft gewartet. Matt sendet dann das spezielle Notfusionssignal auf einer gut isolierten Frequenz und die Jackenboy eilt sofort zur Hilfe.» Bluefox lobte seinen Freund: «Eine eigene Frequenz! Tolle Idee, Rowlin! Ich werde mich mit Lore und Seven mal unterhalten. Die wissen sicher, welche Amplituden vom Feind nicht als gefährlich betrachtet werden. Ich will ja nicht, daß wir eine Zielscheibe auf unsere Hülle malen, wenn wir unser Notsignal absetzen.» Peter nickte Bluefox zu und informierte ihn: «Ich werde mich auch schlau machen in meiner Besatzung. Ich habe bereits eine Frequenz ausprobiert, die am Folgetag noch keine fremden Schiffe angelockt hat. Als sich ein Föderationsschiff in der Nähe der Liberty befand, habe ich deren Captain gebeten ihre Kommunikationssysteme auf meine Frequenz einzustellen und es hat funktioniert. Sie haben meine Nachricht empfangen.» Auch Cpt. Wish schien positiv beeindruckt. Er lobte Peter: «Eine tolle Entwicklung, Rowland. Ich bin gespannt auf deine Fortschritte.» Gutgelaunt verließen die vier Schiffskommandanten Zehn-Vorne wieder. Bluefox begleitete seine Gäste noch bis zum Transporterraum und beamte sie persönlich von Bord. – Zwei Minuten später war die Bluefox wieder alleine im aktuellen Sektor.

Am folgenden Morgen passierte die Bluefox auf ihrem planmäßigen Forschungsflug einen Kolonieplaneten der Föderation. Der Planet befand sich an der Grenze zur Neutralen Zone auf der Föderationsseite. An sich wäre die Kolonie nichts Spezielles gewesen, aber die beiden fremden Schiffe, die im Orbit kreisten, erregten

Lt. Cmdr. Lores Aufmerksamkeit. Der Androide hatte momentan auf der Brücke das Kommando. Er befahl Lt. Blater auf einer sicheren Distanz zu bleiben. Dann kontaktierte er den Captain: ««Lore an Bluefox: Wir passieren gerade die Penthara-Kolonie. Im Orbit von Penthara 4 bewegen sich zwei völlig unbekannte Raumschiffe. Unsere Sensoren können das Innere nicht annähernd scannen.»» Bluefox befahl Lore: ««Halten Sie die Position, ich komme sofort.»»

Als der Captain auf der Brücke ankam, erhob sich Lore aus dem mittleren Sessel und gab ihn Bluefox frei. Der nahm sogleich Platz und betrachtete den Hauptschirm. Lore setzte sich an die Ops und löste Lt. Cmdr. Haldman ab. – Die Wissenschaftsleiterin ging zur hinteren Wissenschaftsstation und aktivierte sie. In der typischen LCARS-Schrift stand links oben „WISSENSCHAFT 1 / SENSORSTEUERUNG“ in sonnengelber Farbe. – Bluefox berührte seinen Kommunikator und sprach: ««Commander Ceagy, Seven of Nine: Melden Sie sich auf der Brücke.»» Beide bestätigten den Befehl. Bluefox schaute derweil die fremden Raumer genau an. Er wies Lore an: «Vergrößern Sie die Ansicht auf die größtmögliche Sichtweite, in der beide Schiffe vollumfänglich zu sehen sind.» – «Aye, Sir.» bestätigte Lore. Die Struktur der Hüllen war nun deutlich genauer zu erkennen. Blater wunderte sich zurecht und fragte den von ihm aus links sitzenden Lore: «Was ist denn das für ein Material, aus dem diese Hülle besteht? Sieht aus, als wäre es organisch.» Lore stimmte zu: «Ihre Vermutung ist korrekt. Ich habe die Sensoren so kalibrieren können, daß sie wenigstens die Außenhülle scannen können. Sie besteht definitiv aus organischen, aber auch aus mechanischen Komponenten.» Die Turbolifttür oben rechts öffnete sich und die beiden gerufenen Offiziere kamen herein. Seven setzte sich in den Sessel des Counselors und Ceagy in den des Ersten Offiziers. Bluefox fragte Lore: «Aus welchen Metallgruppen besteht der mechanische Teil?» – «Ich kann nur ein bekanntes Metall isolieren. Es ist Tritanium, Sir!» antwortete der überrascht wirkende Lore. Ceagy vergewisserte sich bei Bluefox: «Tritanium? Das ist doch das Material, aus dem auch die Schiffshüllen der Föderation bestehen, nicht wahr?» Der Captain nickte zustimmend. Ihm paßte dieser Gedanke überhaupt nicht. Fremde Schiffe mit bekannten Komponenten deuteten auf eine Schiffseroberung hin. Bluefox und Ceagy standen gleichzeitig auf und hatten den gleichen Gedanken: Es mußte etwas getan werden. Bluefox ergriff die Initiative: «Der einzige Weg um herauszufinden, was sich innerhalb dieser Schiffe verbirgt, ist folgender: Wir müssen es uns selbst ansehen. Seven, Lore, Sie beide kommen mit mir. Andrew, Sie haben die Brücke.» Ceagy jedoch hielt seinen Vorgesetzten an der Schulter zurück und warnte ihn: «Sir, dies ist kein Ferienausflug. Es wäre besser, wenn...» Bluefox wußte längst, auf was Ceagy hinauswollte und unterbrach ihn: «Danke, daß Sie sich sorgen, Commander.» Der Erste Offizier ließ den Captain schließlich gehen. Bluefox funkte an die Krankenstation: ««Matt an Nicole: Wir treffen uns in drei Minuten in Transporterraum 2. Rüsten Sie sich standardmäßig für eine Außenmission aus.»» Dr. Strike fragte neugierig: ««Wohin gehen wir?»» – ««Wenn ich das wüßte!»» antwortete Bluefox und lachte. ««Toll! Ich freue mich riesig!»» erwiderte Strike. Sie übertrieb natürlich absichtlich und brachte Bluefox noch mehr zum Lachen.

Als sich das komplette Team im Transporterraum versammelt hatte, betraten alle die Transportplattform um von Chief Webber an den Zielort gebeamt zu werden. Webber informierte noch: «Ich weiß nicht, wo Sie landen werden. Ich kann Ihnen auch nicht garantieren, daß ich Sie ohne Probleme wieder zurückholen kann, daher habe ich drei Transportverstärker bereitgestellt.» Der Transporterchef ging ins Lager und holte drei Leuchtstangen heraus. Er erklärte den Sinn der Verstärker: «Damit können Sie zu uns zurückkehren, wenn ich Sie nicht erreichen kann oder umgekehrt. Jedoch geht dies nur, wenn die Schilde der Bluefox gesenkt sind. Hoffen wir mal, daß die gegnerischen Schiffe keine Überraschung bereithalten.» Lore löste das Elastband, das um den Packen gebunden war und ließ sich von Strike alle Stangen auf den Rücken binden. Bluefox mahnte Webber: «Ich verlange keine Wunder, aber ich will, daß Sie uns an einem Stück wieder zurückbringen.» «Sie sagten doch eben: „Keine Wunder!“.» entgegnete Webber mit einem belustigten Hintergrund in der Stimme. Bluefox forderte Webber schmunzelnd auf: «Los, Energie.» – «Ja, ja.» erwiderte Webber und startete den Transport, indem er mit Zeige- und Mittelfinger rechts außen auf dem Touchscreen nach oben fuhr. Unter den beiden Fingern leuchteten gelbe Lichtstreifen auf, die sich ebenfalls nach oben ausweiteten. Als der Transport komplett abgeschlossen war, verschwanden diese zwei Lichter wieder.

 

Was das Außenteam an Bord des fremden Schiffes zuerst wahrnehmen konnte, war einerseits feuchtwarme Luft und andererseits tiefe Dunkelheit. Zum Glück gehörten kleine Scheinwerfer zur Standardausrüstung in einer Außenmission dazu. Bei Bedarf konnten sie unkompliziert und bequem am Arm montiert werden. Lore klappte seinen Tricorder auf, untersuchte die Gegend und informierte: «Es befinden sich keine Lebenszeichen an Bord. Das Schiff scheint verlassen zu sein.» Bluefox stellte das Missionsziel klar: «Wir müssen an irgendeine Konsole gelangen, damit wir herausfinden können, ob sich die Besatzung vielleicht auf dem Planeten aufhält. Ich habe stark das Gefühl, daß die beiden Schiffe erst vor kurzem in den Orbit eingetreten sind und die Mannschaften momentan versuchen unsere Kolonie auszulöschen und den Planeten selbst zu kolonisieren.» Strike bemerkte: «Es ist genügend Platz auf dem Planeten vorhanden um zwei verschiedene Kolonien zu gründen. Das müßte eine ziemlich rabiate Spezies sein.» Lore schlußfolgerte: «Der Schiffshülle nach zu urteilen sind auch die Lebensformen sowohl biologisch als auch mechanisch aufgebaut. Ich glaube jedoch, daß es sich hier um eine rein biologische Spezies und zwei sabotierte Föderationsschiffe handelt.» Bluefox pflichtete Lore bei: «Ich tippe auch auf Letzteres. Sie nennen es „sabotiert“, ich nenne es „umsponnen“.» Der Captain machte einen Schritt vorwärts. Als er mit dem linken Fuß wieder auf dem Untergrund aufkam, federte es den Fuß leicht zurück! Sofort teilte Bluefox seinen Kollegen mit: «Dieser Boden ist elastisch! So etwas habe ich noch nie erlebt! Laufen Sie mal umher!» Auch bei den anderen wurden die Schritte zurückgefedert. Lore scannte die fremdartige Unterlage interessiert, stieß aber nur auf noch mehr Rätsel. Der Chefingenieur kommentierte seine Handlungen: «Es wird eine Art biogenetische Masse angezeigt. Sie ist unglaublich eng miteinander verknotet und vernetzt. Es deutet darauf hin, daß die Fremden Spinnentiere sind. Ich werde vor allem den Boden weiterhin untersuchen und Neuigkeiten bekanntgeben.» Bluefox entgegnete: «Danke, Lore. Irgendwie finde ich diese Außenmission nicht mehr so toll wie noch vor einigen Minuten. Ich hasse Spinnen.» Seven sagte zu Bluefox: «Ihre generellen Gefühle für Spinnen sind in diesem Fall irrelevant, da Sie noch nicht wissen, ob es wirklich Spinnen sind.» Bluefox entgegnete: «Wenn Lore etwas vermutet, dann stimmt es fast immer. Ich bezweifle, daß dies heute anders sein sollte.» Einerseits wollte Bluefox Lore loben, andererseits seinem Pessimismus etwas Luft machen.

Kurz später fand Seven noch etwas Beunruhigendes und teilte es ihren Teamkollegen mit: «Ich habe eine humanoide Leiche gefunden. Sie ist stark verwest. Es deutet nun in der Tat daraufhin, daß es Eroberer sind.» Bluefox analysierte: «Es sind Nomaden. Sie wollen hier keine Kolonie gründen und ihre Schiffe im Orbit lassen. Sie holen sich nur ihr Freßchen und kommen wieder zurück um vielleicht noch einen Imbiß auf der Bluefox zu holen. Wir haben alles, was wir brauchen. Wir beamen zurück.» Plötzlich hatte niemand mehr etwas gegen Bluefox’ Vorschlag einzuwenden. Sogleich funkte der Captain an sein Schiff: ««Bluefox an Webber: Können Sie mich hören?»» Doch es kam keine Antwort. Es war dem Captain nun immer weniger geheuer. Auch nach einem zweiten Funkversuch antwortete Webber nicht! Lore schlug vor: «Es wird Zeit die Transportverstärker aufzubauen. Die Leuchtstangen müssen so weit auseinander stehen, damit wir alle im Innenraum des Dreieckes, das sich dann bildet, Platz haben. Ich habe ein gutes Auge für Raumgeometrie. Ich werde sie gleich selbst in einer idealen Distanz aufstellen.» Bluefox befahl Lore: «Beeilung, Commander!» Während Lore die Transportbaken aufbaute, scannte der Rest des Teams die Umgebung. Doch derjenige, der etwas bemerkte, war erneut Lore, obwohl er ja mit dem Aufbauen der Baken beschäftigt war. Er hielt kurz inne und teilte Bluefox mit: «Ich vernehme ein hochfrequentes Signal, Captain. Es kommt aus westlicher Richtung. Unhörbar für das menschliche Ohr.» – «Spinnengesang?» fragte Bluefox. «Definitiv.» antwortete Lore. Bluefox erwiderte geschockt: «Nein, nicht im Ernst, oder?»  Der Captain hatte mit dem Spinnengesang zuerst einen Scherz gemacht, aber er wußte: Wenn Lore so trocken bestätigte, dann konnte es sich nicht mehr um einen Witz handeln. Daher befahl Bluefox sofort: «Nichts wie weg hier! Lore, wie weit sind Sie?» Da informierte Seven plötzlich: «Ich empfange Vibrationen, die den Untergrund erschüttern. Es zittert nur minimal, aber meßbar für den Tricorder.» Da kippte auf einmal eine Bake um! Lore bat Bluefox: «Es ist mir nicht möglich alle drei Verstärker gleichzeitig zu stützen. Könnten Sie und noch jemand die anderen beiden festhalten?» Der Captain erwiderte: «Kein Problem, Lore. Doktor, halten Sie die andere Stange dort drüben fest.» Strike bewegte sich zur dritten Transportstange. Seven warnte: «Ich kann jetzt eine Struktur erkennen, die sich uns rapide nähert! Sie ist nur noch 400 Meter von uns entfernt. Voraussichtliches Zusammentreffen bei gleichbleibender Geschwindigkeit in 18 Sekunden ab jetzt!» Der Tricorder von Seven gab zu aller Aufruhr noch ein akustisches Alarmsignal von sich! Der Captain faßte in sich zusammen: Erst der hohe Ton, dann die leichten Vibrationen, plötzlich die physische Erfassung einer fremden Lebensform und nun das Warnsignal. Ihm kam das Ganze vor wie ein Gewitter, das langsam aufkommt und am Hafen plötzlich die Sturmwarnungssirene losheult. Nur ging es hier wie im Zeitraffer, einfach viel zu schnell! Lore wies Bluefox und Strike an: «Drücken Sie nun fest auf die oberen Sektion der Stange. Dadurch wird sie in die Untere eingefahren und wir können sofort beamen.» Noch nie begriff Bluefox so schnell, was zu tun war! Er preßte mit aller Kraft auf den Kopf der Bake. Endlich klinkte sich die obere Hälfte ein. Auch Strike schaffte das Einpressen nach wenigen Sekunden. Seven klappte ihren Tricorder zusammen und huschte in die Dreiecksfläche. Um den Transport durchführen zu können durfte niemand die Transportverstärker berühren, weil die freigesetzte Energie während dem Transportvorgang im Kontakt mit organischer Substanz tödliche Folgen haben konnte. Lore erwähnte dies auch nochmals zur Erinnerung. Bluefox erhob sich ganz vorsichtig und sprach zu den Baken: «Bleibt stehen, bleibt stehen!» Strike war neugierig und richtete ihren Scheinwerfer absichtlich in die Richtung, von der sich diese schnelle Lebensform dem Außenteam laut Sevens und Lores Informationen näherte. Lore warnte seine Kollegen: «Ich initialisiere den Transport. Bereithalten!» Genau in dem Moment, als die Crewmitglieder begannen sich zu dematerialisieren, erreichte die unbekannte Kreatur das Außenteam und schaffte es gerade noch den Captain anzufassen! Mehr konnte sie aber nicht mehr ausrichten, denn Lore schaffte es gerade noch im richtigen Moment das Außenteam von Bord des Spinnenschiffes zu beamen.

 

Gleich nach der Rematerialisierung im Transporterraum der Bluefox schrie der Captain auf! Strike untersuchte ihn mit dem medizinischen Tricorder. Nach einem kurzen Scan sagte sie zu ihm: «Sie sind in Ordnung, allem Anschein nach. Sie sind nur erschrocken.» Bluefox rechtfertigte sich: «Das Ding hat mich für einen ganz kurzen Moment angepackt! Das ist ein triftiger Grund zu erschrecken!» – «Ist ja nichts passiert.» beruhigte ihn der Doktor. Bluefox funkte an die Brücke: ««Brücke, bringen Sie uns hier weg! Warp 8!»» – ««Hier Lieutenant Blater, Sir. Ich habe verstanden.»» bestätigte der Steuermann.

Zehn Minuten später arbeitete der Captain wieder im Bereitschaftsraum an den Offiziersakten und vermerkte die aktuelle Mission detailliert im Schiffslogbuch. Das gab doch einige Stunden Arbeit, bis alles fertig sein sollte. Als er mittendrin war, so richtig ungestört, läutete es plötzlich. Bluefox sprach: «Kommen Sie.» Zur Überraschung des Captains kam nicht etwa sein Erster Offizier, sondern Seven herein. Der Grund, warum Bluefox Ceagy erwartete, war klar: Er dachte, sein bester Freund an Bord würde gleich nachfragen, wie die Mission lief. Seven blieb vor dem Schreibtisch stehen und erklärte ihre Absicht: «Ich wollte Ihnen danken, Captain.» Bluefox erwiderte bescheiden: «Wofür? Ich denke, Sie sollten sich bei Lore bedanken. Ich leitete zwar die gesamte Mission, aber die Arbeit hat vor allem Lore gemacht.» Seven erklärte: «Sie haben entschieden auf das Schiff zurückzukehren. Ich sagte auf der Außenmission, daß Ihre Gefühle für Spinnen in diesem Bezug irrelevant seien, aber das sind sie nicht. Es ist ein Instinkt, der Sie dazu bewogen hat, richtig zu entscheiden. Für diesen Entscheid wollte ich mich bedanken.» Bluefox erklärte: «Ich handelte im Interesse und in der Sicherheit des Teams. Da gab es keine Alternative. Trotzdem gern geschehen. Ich bin sicherlich derjenige, der am glücklichsten ist, daß wir alle heil auf der Bluefox angekommen sind.» Da griff sich Bluefox gleich nach seinem letzten Wort an den Hals und stöhnte! Er kniff das Gesicht zusammen vor Schmerz! Seven zögerte keine Sekunde und eilte zum Replikator. Sie sprach: «Medizinischer Tricorder!» Wenige Sekunden später erschien ein medizinischer Tricorder. Seven schnappte ihn sich sogleich, untersuchte damit den Captain und fragte: «Ist der Schmerz nur im Hals?» – «Nein, aber vorwiegend!» antwortete Bluefox mit krächzender Stimme. Seven analysierte: «Ich habe eine mögliche Schmerzursache entdeckt. In Ihrem Großhirn befindet sich ein mikroskopisch kleiner Fremdkörper. Es könnte ein Virus sein.» Bluefox bangte: «Alles, nur das nicht! Diese Spinnen bringen mich noch ins Grab!» Seven schlug vor: «Wenn Sie einverstanden sind, würde ich Sie gerne in ein Kurzzeitkoma versetzen, damit Sie keine Schmerzen mehr verspüren. Danach beame ich Sie sofort auf die Krankenstation.» – «Einverstanden, tun Sie es!» willigte Bluefox ein. Seven replizierte ein Hypospray mit Betäubungsmittel und verabreichte dem Captain damit eine Injektion, die ausreichte um ihn vorläufig bewußtlos zu halten. – Seven hatte mehr als ausreichende medizinische Kenntnisse von der Voyager erworben, als sie einige Zeit als Mitarbeiterin des MHN auf der Krankenstation verbrachte. – Sie ging nach der Verabreichung des Hyposprays rasch auf die Brücke und betätigte die Transporterkonsole innerhalb der Taktischen Station. Danach hetzte sie via Turbolift zur Krankenstation.

Zwei Minuten später erreichte war Seven dort angelangt. Die Chefärztin war bereits mitten in einer genauen Untersuchung. Es interessierte Seven sehr, wie es nun mit dem Captain weitergehen sollte, nicht nur aus wissenschaftlichen, sondern auch aus persönlichen Gründen. Sie hängte es zweifellos nicht an die große Glocke, aber er bedeutete ihr etwas und das bereits nach der kurzen Zeit, seit sie auf der Bluefox diente. Sie fragte Strike nach dem aktuellen Stand. Der Doktor informierte sie: «Im Großhirn befindet sich ein Virus. Es manifestierte sich erst vor wenigen Minuten vollständig. Die einzige logische Erklärung ist, daß er dieses Virus nach der Berührung mit der Spinne auf dem fremden Schiff eingefangen hat. Offensichtlich hat ein einziger Körperkontakt ausgereicht um verheerende Folgen auszulösen. Ich weiß einfach nicht, wie ich es entfernen soll. Ich könnte es vielleicht, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, welche Folgen es für ihn haben könnte. Zudem besteht die Gefahr, daß sich das Virus vermehrt. Das müssen wir um jeden Preis verhindern.» Da kam es aus Seven automatisch heraus: «Stasis.» Seven mußte die Voyager einmal alleine durch einen radioaktiven Nebel steuern. Die Crew war in Stasis geschützt. Ihr spontaner Gedanke war, daß das Virus durch permanente Stasis absterben würde. Strike fand ihre Idee generell gut, sah daran aber einen Haken: «Stasis ist eine Möglichkeit, aber ich weiß nicht, wie lange er in permanenter Stasis bleiben müßte. Vielleicht zwei Wochen, vielleicht aber auch zwei Jahre.» Seven deklarierte ihre Prioritätsansicht: «Er sollte in so langer Stasis bleiben, bis das Virus komplett abgestorben ist. Oberste Priorität hat die Gesundheit des Captains. Wieviel Zeit er verlieren wird, ist irrelevant. Je schneller, je besser, da stimme ich Ihnen selbstverständlich zu.» Strike entschied: «Ich werde den Vorschlag Commander Ceagy unterbreiten. Er muß nun letztendlich darüber entscheiden, was wir mit dem Captain machen sollen. Andrew wird den besten Vorschlag auswählen, aber so lange wir nur eine Idee haben, wird ihm wenig Spielraum für Entscheidungen bleiben.»

Nach zehn Minuten hatte Strike Ceagy im Bereitschaftsraum alles erklärt. Der Erste Offizier rief aus: «In permanente Stasis versetzen für unabsehbare Zeit? Das ist ja Wahnsinn! Wenn der Captain nur schon ein halbes Jahr nicht mehr auf diesem Schiff wäre, müßten wir einen Ersatz für ihn finden. Ich habe noch nicht die notwenigen Qualifikationen um ein derart wichtiges Raumschiff für längere Zeit zu kommandieren und abgesehen davon will ich das auch nicht. Die Ablösung während dem ersten Kampf mit den Borg hat mir schon völlig gereicht. Die Bluefox ist sein Schiff. Was ich machen kann, ist einen Kompromiß einzugehen: Wenn der Captain nicht bis Silvester dieses Jahres wieder auf den Beinen ist, dann trete ich zurück!» Im Teilsatz „Dann trete ich zurück!“ fuhr Strike ein Schauer durch den Magen. Sie versuchte Ceagy zu beruhigen: «Commander, es ist keineswegs gesagt, daß es überhaupt so lange dauert. Normale Viren sterben bereits nach einigen Tagen ab. Ich muß aber zugeben, daß dieses Virus sehr komplex ist. Ich habe so eine Art noch nie gesehen in meiner bisherigen Dienstzeit.» Ceagy entgegnete: «Hoffen wir, daß es ein normales Virus ist. Ich bin nämlich mit dieser Taktik nicht ganz einverstanden, aber wie ich sehe, haben Sie keine Alternativen.» Strike senkte den Kopf ein wenig und bestätigte Ceagys Vermutung: «Nein, leider nicht.» Der stellvertretende Captain entschied: «Also gut, dann verfrachten Sie ihn in eine Stasiseinheit und verstauen diese in Frachtraum 1. Wegtreten.»

In der Beobachtungslounge erklärte Ceagy am nächsten Morgen den Führungsoffizieren die Lage: «Laut Nicole kann Matt mit der normalen Sternenflottenmedizin von diesem Virus nicht befreit werden, also mußte eine Alternative her und wir haben eine. Der Captain wurde in eine Stasiseinheit verlegt und die befindet sich provisorisch in Frachtraum 1.» Die „Nummer Eins“ holte zu einem zweiten Teil aus, der einen wesentlichen Unterschied zum ersten Part darstellte. Daher machte Ceagy auch eine kleine Pause und veränderte merkbar Tonfall und Aussprache: «Sie wissen wohl so gut wie ich, daß dies nicht die Lösung auf Dauer ist. Wenn wir Glück haben, dann erholt er sich schneller als erwartet und das Virus stirbt im frühen Wachstumsstadium ab, aber wenn das nicht passiert, haben wir ein ernsthaftes Problem. Daher habe ich gestern entschieden: Wenn Matt nicht bis zum 31. Dezember wieder der Mann wird, der er noch gestern Morgen war, werde ich dieses Schiff verlassen. Ich bin nicht willens ihn zu ersetzen. Ich habe es schon einmal getan und es hat mir gereicht. Auch damals wußte ich nicht, ob er jemals wieder normal würde. Das erste Mal hatten wir Glück, doch was wird jetzt geschehen?» Ceagys Frage stand offen im Raum und starrte den Rest der Führungsoffiziere in der Lounge an. Was sollte geschehen? Strike antwortete schließlich: «Zaubern können ich und mein medizinischer Stab auch nicht. Es ist mir bewußt, was auf dem Spiel steht. Es wird eine Kettenreaktion auslösen. Sir, wenn Sie zurückträten, dann hätte Commander Chollet keine Lust mehr, mir würde es stinken, und so weiter. Wir haben in letzter Zeit im Verhältnis zu einer normalen Crew eines Raumschiffs der Sternenflotte sehr viele Leute verloren, die meisten davon an die Borg. Wir haben im ersten Missionsjahr nicht einmal annähernd so stark aufs Dach bekommen wie in den letzten acht Monaten. Verluste hinnehmen war uns ein Fremdwort. In diesem riesigen Schiff fühlten wir uns unverwundbar. Wir dachten, daß nichts diese Hülle durchbrechen könnte. Das erste Mal, als die meisten von uns erkannten, daß dem nicht so war, trat beim ersten Zusammentreffen mit den Borg ein. Als der Captain entführt wurde, ging ein Riesenhallo durchs Schiff. Keiner rechnete jemals damit. Nachdem Matt vom Borgkubus gerettet worden war, vergaß man bereits wieder, daß es noch andere Spezies im Weltraum gibt, die uns mehr als gefährlich werden können. Die Romulaner haben plötzlich eine Pause eingelegt, die Cardassianer haben sich zurückgezogen, da blieben nicht mehr viele Feinde übrig. Die Föderation hat sich gut erholt und neue Technologien erforschen können, unter anderem die Antimaterieproduktion durch das simple Replizieren, bei deren Entwicklung wir ja stark beteiligt waren. Und dann kamen die Borg ein zweites Mal. Es war erneut total überraschend für uns. Die Borg hinterließen erneut ein großes Loch in unserer Armada. Und nicht genug: Sie hinterließen nach ihrem zweiten Angriff auch in unseren Herzen große Löcher. Drei aus unserer früheren Klasse kamen bei diesem Angriff ums Leben. Von da an war unsere Euphorie geknickt. Als dann kurz darauf Commander Steaner aufgrund eines Unfalls im Maschinenraum starb, verloren wir eine weitere wichtige Person, obwohl sie nicht zu unserer Klasse gehörte. Fast zur gleichen Zeit stieß Seven zu uns. Sie war und ist in vielen Bereichen ein echter Gewinn für die Mannschaft. Es ging also wieder leicht aufwärts. Und gestern stand plötzlich diese Spinnenmission auf dem Programm. Erneut dachten viele: „Spinnen? Kein Problem!“ – So irrt man sich, Leute! Ich denke, nur schon die Erkenntnis, daß wir jetzt schon wieder vor einem derartigen Absturz stehen, lädt uns zur Kapitulation ein. Andrew, Sie spielen in dieser Beziehung keine Ausnahmerolle.» Ceagy rechtfertigte sich: «Nicole, es geht darum, daß ich unmöglich ein Schiff erben kann, als wäre es eine Blumenvase!» Da meinte Seven: «So wie ich den Captain in dieser kurzen Zeit kennengelernt habe und wie ich jetzt auch diese Besprechung mitverfolge, habe ich das Gefühl, daß er immer an Sie alle geglaubt hat. Commander Ceagy, Sie haben das Gefühl, daß Sie ihn nicht ersetzen können. Das müssen Sie auch nicht und das verlangt auch niemand von Ihnen. Ich denke, Captain Bluefox hat den Wunsch, daß diese Abenteuer im Geiste dieses kleinen Kollektivs weitergehen.» Ceagy antwortete auf Sevens Meldung: «Ich muß Ihnen zustimmen, daß er es gerne sähe, wenn wir weiterhin auf Missionen gingen. Ich würde das auch gerne tun, aber dazu reicht einfach meine Ausbildung in der Sternenflotte nicht aus. Dazu reichem aber auch die Qualifikationen bei einem großen Teil von uns nicht aus. Viele haben die Akademie nicht mal vollständig abgeschlossen, haben sogar Ausbildungen abgebrochen und das nur um auf diesem Schiff zu dienen. Kurz gesagt: Es ist einfach zu gefährlich!» Die Offiziersrunde war diesmal wie eine verbaler Schieber[1]: Jedes Mal, wenn jemand eine Meldung in die Runde gab, glaubte der Rest, daß dies der höchste Trumpf war, aber immer wurden die Argumente ums Neue übertrumpft! Ceagys letzte Wortmeldung sollte stechen. Keiner konnte mehr etwas dazu sagen, denn der Erste Offizier hatte einfach Recht in dieser Beziehung. Es war wirklich zu gefährlich. Abschließend blieb dem vorübergehenden Captain noch das letzte Wort: «Nun, ich schlage vor, daß alles bleibt, wie es war. Wir werden zuwarten und hoffen. Außerdem werden wir uns verhäuft zu Lagesitzungen treffen. Mein vorübergehender Erster Offizier ist Lore, herzlichen Glückwunsch. Ich danke Ihnen.»

 

Die Zukunft sah nicht sehr rosig aus, eher so wie der dunkelgrüne Nebel, den die Bluefox als Abkürzung durchquerte um schneller an Raumstation Deep Space Twelve anzudocken.

 

ENDE

 

 

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[1] Schieber: Schweizerisches Kartenspiel, das man in der Konstellation „2 gegen 2“ spielt.

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