RAUMSCHIFF BLUEFOX – NCC 1701-F

 

 

 

Folgen 16 bis 19: Angriff der Borg

 

STARRING

 

Matthias Currat

ALS

Cpt. Matthew Bluefox

Andreas Kägi

ALS

Cmdr. Andrew Ceagy

Brent Spiner

ALS

Lt. Cmdr. Lore

Nicole Streich

ALS

Dr. Nicole Strike

Daniel Chollet

ALS

Lt. Cmdr. Danny Chollet

Julia Haldemann

ALS

Lt. Cmdr. Gillian Haldman

Tanya Steiner

ALS

Lt. Cmdr. Tanya Steaner

Ramon Baur

ALS

Lt. Ramon Boer

Stephanie Knecht

ALS

Cnslr. Steevy Knight

Fabian Blatter

ALS

Lt. Fabius Blater

Thierry Weidmann

ALS

Chief Thierry Whiteman

Isabel Schneider

ALS

Dr. Izy Snyder

Deborah Grossniklaus

ALS

Dr. Debbie Crossnicholls

Nadine Humbel

ALS

Lt. Nadine Humble

Monika Heusser

ALS

Lt. Monique Hewsser

Denise Werffeli

ALS

Lt. Denise Werwealy

Stefan Kägi

ALS

F. Stephen Ceagy

Patrick Streich

ALS

F. Patrick Strike

Jasmin Grossniklaus

ALS

F. Jazzy Crossnicholls

Sarah Bärtschi

ALS

F. Sarah Bearchy

Andrea Berger

ALS

F. Andrea Berger

 

GUEST STARRING / ACTORS IN A SECOND ROLE

 

Jeri Lynn Ryan

ALS

Borgkönigin

Michael Weilenmann

ALS

Adm. Mike Henning

Felicia Kraft

ALS

Adm. Felicia Croft

Bruno Bamert

ALS

Dr. Hanspeter Örgelisauer

Anja Kaspereit

ALS

Annie Casperyte

Andreas Frey

ALS

Barkeeper Freyer

Björn Muntwyler

ALS

Lt. Bjurne Monty

Matthias Weber

ALS

F. Matthew Webber

Fabian Werffeli

ALS

F. Fabius Werwealy

Robert Picardo

ALS

Holographischer Doktor

Ethan Phillips

ALS

Holographischer Portier

div. Schauspieler

ALS

Borgdrohnen

 

 

Angesichts der Umstände war man zur Übereinkunft gekommen, daß nun doch neue Mitglieder an Bord der Bluefox kommen sollten. Cpt. Bluefox sah ein, daß das Flaggschiff der Föderation in einer aufreibenden Schlacht mit einer Rumpfcrew nichts herausholen konnte. Vor allem in den Bereichen Technik und Sicherheit waren starke Defizite vorhanden, die behoben werden mußten. In den Krisenbereichen wurden vorwiegend Offiziere von den Raumschiffen Netherwell und Jackenboy abgezogen, denn dort herrschte ein Überschuß an Securitys und Technikern. Der Captain war natürlich nicht sonderlich erfreut über den Entscheid des Oberkommandos, die Crew nun doch aufzustocken, nachdem es noch vor wenigen Wochen geheißen hatte, es würde alles beim Alten bleiben. – Aber es gehörte eben auch zum Job eines Schiffskommandanten, Kompromisse einzugehen. Aufgrund des Anwuchses der Besatzung mußte Bluefox Personalien von beinahe hundert Offizieren aufnehmen. Irgendwann, spät in der Nacht, nahm es schließlich doch noch ein Ende und der Captain schlief völlig übermüdet ein. – Als er die Augen wieder öffnete, fand er sich in einer düsteren, ihm reichlich vertrauten Umgebung wieder! Er stand in einem Regenerationsalkoven! Dann schaute er sich um. Links und rechts neben sich sah er noch viel mehr Alkoven! Von da an wußte er, daß er in irgendeinem Borgschiff sein mußte. Er betrachtete sich selber, so gut er konnte. Er erinnerte sich wieder ganz genau an den Moment, wo er von den Borg assimiliert wurde. An seinen Armen konnte er eine ganze Menge Implantate und Panzerungen erkennen. Er war ein Borg! – Der Captain erlebte soeben einen Ausschnitt aus seiner kurzen, aber einschneidenden Existenz als Andronus in Form eines Traums. Nach dieser Vision wachte Bluefox wieder auf. Es war ihm vollkommen schwindlig. Er taumelte zum Lavabo seines Quartiers und begann, sein Gesicht zu waschen. Er blickte in den Spiegel vor sich. Da schoß plötzlich ein sternförmiges Borgimplantat aus seiner rechten Wange hervor! Der Captain schrie auf – und erwachte erneut! Er hatte also einen Traum im Traum! – Als Bluefox nun erwachte, fühlte er sich wieder voll fit und war bereits in seiner Uniform! Er war nun wirklich in der Realität, auch wenn er das in den ersten Momenten noch bezweifelte. Der Grund, daß Bluefox erwachte, war allerdings logisch: Eine Nachricht kam auf seinem privaten Computer an. Das piepste immer ziemlich laut, damit man wußte, daß eine Nachricht angekommen war. Bluefox drückte den Knopf zum Öffnen des Kanals. Adm. Felicia Croft war am anderen Ende der Leitung. Sie fragte: ««Captain, ich habe Sie doch nicht geweckt?»» – ««Wie kommen Sie darauf, daß ich geschlafen habe? Es stimmt wirklich, ich bin kurz eingenickt, aber das macht nichts. Was wollten Sie mir mitteilen?»» entgegnete Bluefox. Croft sprach: ««Die ersten Kolonien der Föderation an den äußersten Grenzen sind gefallen. Langstreckensensoren melden, daß...» – Bluefox unterbrach Croft und beendete ihren Satz: ««Ja, ich weiß. – Die Borg.»»

Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, Sternzeit 78260.6

««Wir haben von der Sternenflotte den Befehl erhalten, die Neutrale Zone zu bewachen. Doch mich – und ich befürchte, auch den Rest Sternenflotte – beschäftigt momentan etwas ganz Anderes viel intensiver. – Die Borg, unser tödlichster Feind, haben mit einer Invasion der Föderation begonnen und es scheint, als könnten sie diesmal nicht aufgehalten werden.»»


Der Captain ließ alle Führungsoffiziere in die Beobachtungslounge kommen. Als sich alle versammelt hatten, fragte Cmdr. Ceagy seinen Vorgesetzten: «Wieviele Schiffe?» – «Eins. Und es nimmt direkten Kurs auf die Erde. Es wird die Föderationsgrenze in einer knappen Stunde überschreiten. Admiral Henning mobilisiert eine Flotte im Andromeda-Sektor. Admiral Croft wird das Geschehen auf der Erde leiten.» antwortete Bluefox. Lt. Cmdr. Lore bemerkte: «Mit maximaler Warpgeschwindigkeit sind wir in fünf Stunden und 25 Minuten...» Da fiel der Captain Lore ins Wort: «Wir fliegen nicht hin!» – Ceagy reagierte verwundert auf diesen Entscheid von Bluefox und fragte ihn: «Was soll das heißen: „Wir fliegen nicht hin“?» Bluefox erklärte: «Unser Befehl lautet: Patrouille der Neutralen Zone. Es könnte sein, die Romulaner beschließen, die Situation auszunutzen.» – Cnslr. Knight runzelte die Stirn und fragte sich: «Die Romulaner?» Lore gab einen wichtigen Input: «Captain, ich muß bemerken, daß bei den Romulanern seit über einem Jahr kein feindliches Verhalten mehr festgestellt wurde. Die Friedensverhandlungen auf Shagra 2 haben gewirkt. Ich denke nicht, daß sich das Sternenimperium genau diesen Moment aussucht um einen Konflikt auszulösen.» Dr. Strike rätselte: «Denkt die Sternenflotte, wir bräuchten noch mehr Testflüge?» Lt. Cmdr. Steaner begriff diesen Befehl absolut nicht und mußte nun einfach etwas dagegen sagen: «Sir, wir haben in den letzten drei Wochen nur noch Testflüge gemacht und haben die Waffen sowie die Sensoren und die Warpgeschwindigkeit optimiert. Die Bluefox-F ist das bestentwickelte Schiff in der gesamten Flotte. Wir haben sogar noch zusätzliche, freiwillige Tests durchlaufen und positive Ergebnisse erzielt. Wir sollten an der Front sein!» Bluefox erwiderte hart: «Ich habe das alles mit dem Oberkommando der Föderation besprochen. Die Flotte wird auch ohne uns auskommen. Mit den vielen Schiffen von Fraktion Sieben wird es einfacher sein. Die Befehle stehen fest.» – Es war dem Captain bewußt, daß er gegenüber seiner Mannschaft loyal wirken mußte. Nicht jeder Captain, insbesondere nicht derjenige des Flaggschiffes würde, wenn es ihm mal nicht passen würde, gleich gegen die Befehle seiner Vorgesetzten handeln. Es herrschte einen Moment lang totale Ruhe in der Lounge, bis der Captain anhängte: «Nummer Eins, setzen Sie Kurs auf die Neutrale Zone.» – Das war alles. Obwohl alle anderen Führungsoffiziere nicht begreifen konnten, warum dieser Befehl momentan eine derart ungewöhnlich hohe Priorität hatte, wendete niemand mehr etwas gegen den Entscheid von Bluefox ein. Alle Offiziere außer Bluefox verließen die Beobachtungslounge. Als es ganz still war, befahl Bluefox dem Computer ein Stück klassische Musik laufen zu lassen und dies nicht zu leise. In der Lounge störte es nicht. Bluefox hörte die Musik deshalb so laut, weil er nicht mehr all zu sehr an diese Invasion der Borg und an die Passivität seines Schiffes in dieser Situation denken wollte. Er schloß zur Musik seine Augen und drehte sich Richtung Panoramafenster.
Als er seine Augen wieder kurz öffnete – es war bestimmt eine halbe Stunde vergangen – sah er im Fenster eine zweite Person. Sofort drückte er den Knopf zum Stoppen der Musik und drehte sich um. – Es war Ceagy. Der Erste Offizier wollte seinem Vorgesetzten den Bericht der letzten Forschungen durchgeben. Er wunderte sich über die laute Musik von vorhin und fragte knapp: «Matthäuspassion?» –  «Requiem.» antwortete der Captain. Ceagy wollte es noch etwas genauer wissen: «Und das Stück?» – «“Recordare“.» gab Bluefox zur Antwort. Ceagy erinnerte sich an die Bedeutung des Werks und meinte: «Das heißt doch „Totenmesse“, oder nicht?» Bluefox antwortete: «Ja. Aber ich höre die Musik nicht im Bezug auf die Borg, sondern weil es einfach ein schönes Stück ist und ablenkt. Was haben Sie?» fügte er hinzu, nachdem er das Pad in der Hand des Ersten Offiziers erblickte. Ceagy berichtete: «Wir haben unsere erste Sensorenüberprüfung der Neutralen Zone abgeschlossen.» Er überreichte Bluefox das Pad mit den Ergebnissen der Forschungen. Bluefox las laut: «Zwanzig Weltraumstaubpartikel pro Kubikmeter, 52 ultraviolette Strahlungsspitzen und ein Komet der zweiten Klasse. Wow, das verdient wirklich unsere volle Aufmerksamkeit.» meinte Bluefox entgeistert und warf das Pad auf den Tisch, wie wenn er beim „Schieber“ eine Karte ausspielen würde. Ceagy wußte natürlich auch, daß das im Moment etwas vom Deprimierendsten sein konnte, vor allem für den Captain. Er dachte sich: «Da greifen die Borg an und wir dürfen nicht dabei sein und mithelfen die Menschheit zu retten! Und das ganze Theater nur, weil der Captain einmal von den Borg in deren Kollektiv assimiliert wurde. Das ist echt bitter.» Laut bemerkte er nur: «Captain, wieso sind wir hier draußen und jagen Kometen?» Bluefox brachte die Sache wieder einmal, ganz in seiner Manier, auf den Punkt: «Sagen wir es mal so: Die Sternenflotte hat keine Bedenken im Bezug auf die Crew der Bluefox. Sie ist sich nur nicht ganz sicher im Bezug auf ihren Captain. Die Mitglieder des Oberkommandos befürchten, daß ein Mensch, der einmal von den Borg gefangengenommen und assimiliert wurde, nicht mehr in der Lage ist, Situationen zu meistern, in denen er ihnen erneut gegenübersteht.» Ceagy entgegnete ermutigend: «Genau diese Erfahrung, die Assimilierung ins Kollektiv, macht Sie zum idealen Anführer des Kampfes gegen die Borg in unserem Sonnensystem!» – Nach einem kurzen Schweigemoment kam ein Funkspruch zur Lounge: ««Captain, hier spricht Lore von der Brücke. Wir haben soeben die Nachricht der Flotte bei der Erde erhalten. Sie haben die Borg angegriffen!»» – Bluefox und Ceagy rannten ohne Unterstützung des Turbolifts auf die neu gestaltete Brücke der U. S. S. Bluefox. Der Captain befahl Lt. Cmdr. Chollet: «Schalten Sie alle Föderationsfrequenzen auf hörbar. Ich möchte wissen, wie es läuft.» – Ein verbaler Tumult war nun auf der Brücke der Bluefox zu hören. Mehrere Schadensberichte und Fetzen von anderen Meldungen waren darunter. Es klang eher nach einem negativen Verlauf der Schlacht. Besonders, als eine weibliche Stimme rief: ««Flaggschiff an Oberkommando: Verstärkung! Wir stehen vor einem Kernbruch!»» Der Captain bemerkte: «Das war Admiral Croft. Sie ist jetzt sehr wahrscheinlich auf der Netherwell, da die Jackenboy unter Admiral Henning und Captain Wish ja im Andromeda-Sektor ist und man dort vermutlich nicht mitbekommen hat, daß der Kubus sie ignoriert hat und direkt zur Erde geflogen ist.» Er machte eine kurze Pause und befahl daraufhin: «Fähnrich Strike, setzen Sie Kurs auf die Erde! Maximum Warp!» Erneut pausierte er, schaute seine Brückenmannschaft an und verkündete: «Ich habe vor gegen die aktuellen Vorschriften der Sternenflotte zu verstoßen. Jeder, der gegen diese Entscheidung ist, soll es mir bitte jetzt mitteilen. Es wird in meinem Logbuch vermerkt.» Lore drehte sich von der Ops aus in die Richtung der anderen Brückenoffiziere und sprach offen: «Ich glaube, ich spreche für alle hier, Sir, wenn ich sage: Zur Hölle mit unseren Befehlen!» Der Captain mußte schmunzeln und rief aus: «Alle Mann auf die Gefechtsstationen! Alarmstufe Rot!»

Die Bluefox erreichte ihr Ziel in knapp 5½ Stunden, wie es Lore ja noch vorausgesagt hatte. «Fähnrich Strike, zeigen Sie uns die Erde.» befahl Bluefox dem Steuermann. Das Bild eines Kampfes von ungefähr 30 Schiffen der Sternenflotte – darunter auch viele Schiffe der ehemaligen Fraktion Sieben – gegen den riesigen Borgkubus war zu sehen. Dazu trieben noch viele Trümmer und nicht vollständig zerstörte Schiffswracks im Raum. Sicherheitschef Danny Chollet war völlig baff und meinte zu diesen Bildern: «Das sieht ja schlimmer aus als in meinem Quartier!» – Da bebte die Bluefox kurz! Eine Raumladung schlug im hinteren Teil des Schiffes ein. Auf der Brücke der Bluefox waren nun durch die immer noch offenen Kanäle Rufe und auch Schreie von vielen tapferen Offizieren deutlichst hörbar. Darunter waren oft Ausrufe wie «Schildsysteme am Zusammenbrechen!» oder «Der Kern bricht in wenigen Minuten!» zu hören. Einen Moment später erhellte eine relativ großräumige Explosion den Bildschirm! Eines der wichtigsten Föderationsraumschiffe war soeben vom Destruktionsstrahl des Kubus ernsthaft getroffen und zerstört worden. Es war die Netherwell, das Admiralsschiff, wo auch Adm. Croft, die Einsatzleiterin der Bluefox, an Bord war. Chollet bestätigte dies zum Bedauern des Captains sogleich: «Captain, die Netherwell wurde zerstört. Ich habe vor wenigen Sekunden einen Bericht von der Jackenboy erhalten. Admiral Henning hat befohlen das Schiff in Sicherheit zu fliegen. Die Jackenboy ist schwer beschädigt. Der Kubus hat die Flotte im Andromeda-Sektor definitiv nicht ignoriert. Alle Schiffe außer der Jackenboy wurden gänzlich vernichtet.» Bluefox war nun zum Handeln gezwungen. Da nun Hennings Zweitschiff sowie Crofts Hauptschiff kampfunfähig geschossen oder zerstört waren, war Bluefox der ranghöchste Offizier der Flotte. Er war sich dessen bewußt und reagierte. Er sprach zum Rest der Flotte über die geöffneten Frequenzen: ««An alle Schiffe, die noch übrig sind: Hier spricht Captain Matthew Bluefox vom Raumschiff Bluefox! Ich übernehme das Kommando über die gesamte Flotte. Das Admiralsschiff wurde soeben zerstört! Wir müssen unsere Kräfte auf einen Punkt des Borgschiffes konzentrieren! Richten Sie Ihr Feuer auf folgende Koordinaten. Feuern auf mein Kommando!»» – Dann tippte der Captain auf der Schalttafel von Lore, der Ops, ein paar Zahlenkombinationen ein. Der Androide bemerkte: «Captain, diese Koordinaten deuten auf kein vitales System eines Borgkubus hin!» – «Vertrauen Sie mir, Lore!» meinte Bluefox sicher. Lore schickte die Daten zur Flotte hinaus. Der Captain wartete, bis Chollet den entscheidenden Bericht durchgab: «Die Flotte hat reagiert und hält sich bereit.» Bluefox zögerte keine Sekunde und sprach: «Feuer!»

Alle Schiffe feuerten mit allem, was sie hatten, auf die gleiche Stelle des Borgschiffes. Das Loch wurde immer größer und größer! Da sprühten auf einmal Funken aus allen Stellen des Borgwürfels! Bluefox befahl der Flotte: ««Feuer einstellen und in Deckungsreichweite fliegen! Das Ding fliegt gleich auseinander!»» Doch noch bevor der riesige Kubus explodierte, startete eine kleinere, kugelförmige Sphäre der Borg aus einer gleich großen, ebenfalls runden Startrampe des Würfels. Die Sphäre schaffte es, gerade noch herauszurasen, bevor der Kubus sich in Hunderten von Stücken und einer giftgrünen Wolke auflöste! Einige große Trümmer waren noch erkennbar. Das vergleichsweise kleine Borgschiff setzte einen Kurs direkt Richtung Erde! Chollet an der Taktischen Station berichtete: «Captain, der Kubus ist gänzlich zerstört, aber die Sphäre nimmt Kurs auf den mitteleuropäischen Kontinent! Laut den visuellen Sensoren handelte es sich beim Hauptschiff der Borg nicht um einen Taktischen Kubus, sondern, wenn ich das mal so ausdrücken darf, lediglich um einen Standardkubus.» Ceagy fragte: «Sind weitere Borgschiffe in der Umgebung der Erde oder der Föderationsgrenzen?» Lore antwortete: «Ich kann Ihnen keine Antwort geben, Sir. Die Langstreckensensoren sind offline. Wir haben am Kontrollraum der Langstreckensensoren auf Deck 27 einen direkten Treffer erhalten.» Chollet warnte: «Sir, es werden temporale Aktivitäten in der Umgebung der Borgsphäre angezeigt!» Der Erste Offizier wollte es genauer wissen und fragte den Sicherheitschef: «Welcher Art sind diese temporalen Aktivitäten?»

«Es bildet sich in diesen Momenten gerade ein Zeitstrudel um das Borgschiff. Laut den Daten, die ich gerade von der Taktischen Station erhalte, fliegt die Sphäre direkt in die Vergangenheit.» antwortete Chollet. Der Captain fragte Lore: «Wieviel Lebenszeichen sind auf der Erde erkennbar?» – «Die Bevölkerung der Erde beträgt ungefähr neun Milliarden. Alles Borg!» antwortete Lore. Knight, die bisher noch gar nie etwas gesagt hatte, weil sie mit dem Durchsehen der Flottenverluste beschäftigt war, reagierte auf den unfaßbaren Bericht von Lore total verwundert: «Wie geht das?» Bluefox antwortete: «Sie haben es wohl in der Vergangenheit getan. Da haben sie die Erde assimiliert und so die Geschichte verändert!» antwortete Bluefox. Steuermann Patrick Strike fragte verblüfft: «Und wieso sind wir dann noch hier?» Lore versuchte, eine passable Erklärung für diese zweifellos äußerst interessante Frage des Steuermanns zu finden. Schließlich antwortete er: «Vermutlich hat uns dieser Zeitstrudel von den Veränderungen irgendwie geschützt!» – Lt. Cmdr. Haldman kam nun auch auf die Brücke und setzte sich sogleich an eine der hinteren Brückenkonsolen, die hauptsächlich Analyse- und Bibliothekkonsolen waren. Mit der Wissenschaftsleiterin betrat auch Chefärztin Nicole Strike die Brücke. Natürlich wollte der Doktor diese spannenden Momente miterleben. Ihr Bruder Patrick warnte den Captain: «Sir, der Wirbel bricht zusammen!» Bluefox befahl dem Piloten: «Halten Sie Kurs, Fähnrich! Wir folgen ihnen in die Vergangenheit. Wir müssen den angerichteten Schaden wieder reparieren!»

Auf der Erde, in der Vergangenheit: Es war Nacht. In der Schweiz, genauer gesagt, im zürcherischen Eglisau, lief mitten auf einem Feld noch eine Party. In einem der drei Partyzelte brannte noch Licht. Es war augenscheinlich nicht mehr viel los. Gerade liefen ein Mann um die fünfzig und eine vergleichsweise sehr junge Frau, eher um die zwanzig Jahre aus dem beleuchteten Zelt. Der Mann rief noch ins Zelt hinein: «Auf Wiedersehen und bis morgen!» Die beiden schlenderten vom Zelt weg. Da sagte sie zu ihm mit einem verschmitzten Lächeln: «Das werden Sie noch bereuen!» – «Wissen Sie, Annie, Sie kennen mich doch langsam und Sie sollten bereits längst wissen: Ich bereue nie etwas!» entgegnete der Mann. Einen Augenblick später stupste er Annie an und meinte mit einer fast flehenden Stimme: «Na, kommen Sie, Annie, noch einen Drink!» – «Sie kriegen wohl nie genug, Herr Örgelisauer!» meinte Annie genervt und fügte hinzu: «Ich fliege sicher nicht mit, wenn der Pilot dieser Rakete betrunken ist!» Örgelisauer konterte: «Und ich fliege das Ding sicher nicht, wenn ich nüchtern bin!» Sie liefen noch ein Stück auf das offene Feld hinaus. Annie blickte zu den Sternen hoch. Da fragte sie plötzlich: «Was ist das?» Er schaute auch kurz nach oben und antwortete: «Das? Das ist das Sternbild des Löwen.» – «Nein! Das!» rief Annie und zeigte dorthin, wo Örgelisauer hinschauen sollte. An diesem Ort, sehr weit oben, bewegte sich ein Punkt zwischen den Sternen mit einer ungewöhnlich hohen Geschwindigkeit. Einen kurzen Moment später sah es so aus, als ob sich dieser Punkt teilen würde, aber das zweite Objekt wurde rasant größer! Eine Sekunde danach wurde es, noch extremer als bei einem heftigen Gewitter, taghell und ein Feuerball schlug etwa 40 Meter von den beiden Personen entfernt, genau beim Partyzelt ein! Die Erde erbebte kurz und die beiden Personen haute es von der Einschlagskraft des fremden Objektes voll auf das dürre Gras! Ein paar Sekunden danach hob Annie den Kopf wieder an und rief: «Das war ein Meteor!» – «Nach so vielen Jahren?» fragte sich Örgelisauer. Annie warnte ihn: «Achtung! Noch einer! Auf den Boden!» – Schon schlug der nächste Fremdkörper aus dem Nachthimmel ein, diesmal ein paar Meter rechts vom Zelt. Annie war trotz der Riesengefahr neugierig und richtete sich in eine Sitzposition auf. Sie wollte sehen, was sich beim Zelt abspielte. Die Leute stoben in alle Richtungen davon. Einer packte sein Fahrrad und fuhr Richtung Feldweg. Doch da knallte es ein drittes Mal an der exakt gleichen Stelle wie beim zweiten Feuerball! Durch die Einschlagskraft schmierte es den Mann geradewegs von seinem Fahrrad auf den Weg! Annie schrie zu Örgelisauer hinüber: «Wir müssen zur Phoenix!» Örgelisauer entgegnete: «Zur Hölle mit der Phoenix!» Auf die ersten drei Geschosse folgten weitere zwei und beide detonierten beim vordersten Partyzelt. Der sechste Feuerball knallte in ein verstecktes Erdloch. Dorthin versuchten Örgelisauer und Annie hinzugelangen. Es war eine Raketenbasis, die im Besitz der beiden war. Plangemäß sollte die dort stationierte Rakete am Morgen darauf starten.

Zurück im Weltraum: Die Bluefox trat aus dem Zeitstrudel aus. Man orientierte sich zuerst einmal. Bluefox befahl: «Meldung!» Ceagy meldete sich: «Schutzschilde unten, Langstreckensensoren noch offline.» Lore berichtete: «Sir, den astrometrischen Aufzeichnungen zur Folge sind wir im späteren 21. Jahrhundert. Es befinden sich radioaktive Isotope in der Atmosphäre der Erde. Darauf ist zu schließen, daß wir uns etwa zehn Jahre nach dem dritten Weltkrieg befinden.» schlußfolgerte der Androide. Ceagy meinte: «Klingt logisch, Captain.» Knight fragte: «Warum logisch?» Bluefox erkannte die Logik. Er sagte: «Ich verstehe, was Sie meinen, Commander. Alle wichtigen Städte sind stark in Mitleidenschaft gezogen worden; es bestehen noch keine vernünftigen Regierungen. Kurz gesagt: Kein Widerstand der Menschen!» realisierte Bluefox. Da machte Chollet Bluefox auf das Geschehen am Hauptschirm aufmerksam. Bluefox drehte sich um. Auf dem Schirm spielte sich etwas Unschönes ab. – Die Borgsphäre feuerte mit bläulichen, torpedoähnlichen Geschossen auf die Erdoberfläche! Bluefox befahl mit gereizter Stimme:

«Mr. Chollet, bereiten Sie eine Salve Quantentorpedos vor! Machen Sie diese Sphäre unschädlich!» – Vier Quantentorpedos wuchteten aus den Schächten der Torpedorampen des Raumschiffes Bluefox und hielten mit einer enormen Geschwindigkeit auf die Borgsphäre zu! Gleich daraufhin detonierten sie ziemlich genau im Kern der Sphäre. Durch die Explosion der Torpedos riß es die ganze Kugel auseinander! Nur noch Trümmer waren dort, wo noch vor wenigen Augenblicken eine ganze Borgsphäre war! Bluefox wunderte sich: «Warum feuern sie auf die Oberfläche? Lokalisieren Sie bitte die Einschlagsregion, Danny.» wies er Chollet an. Chollets Bericht ließ auch nicht lange auf sich warten. Der Sicherheitschef sprach: «Die Geschosse gingen in der Region der damaligen Schweiz nieder, genauer gesagt, etwa im Bereich des Zürcher Rheingebietes! Linkerhand des Rheins befindet sich ein größeres Feld. Dort detonierten die Körper.» Der Captain fragte: «Ist in der Nähe dieses Feldes ein Gebäude oder ein Bunker oder so was? Nach dem dritten Weltkrieg wird es eventuell noch solche Bunker oder vielleicht auch Waffenlager geben.» – «Nein, nur drei kleine Zelte. – Doch, einen Moment! Hier habe ich etwas! Sehen Sie sich das bitte einmal an!» forderte Chollet Bluefox auf. Der eilte zum Taktikbildschirm hoch und schaute auf den kleinen Bildschirm. Es war ein Infrarotbild. Bluefox staunte nicht schlecht! Er erkannte die Struktur und beschrieb das, was seiner Meinung nach auf diesem Bild zu sehen war: «Das ist eine Raketenbasis oder etwas in der Art! Sie liegt etwa 25 Meter unter dem Boden. Eine Leiter führt hinunter. Ich glaube, wir sollten uns das einmal ansehen. Ich habe eine Idee: Diese Basis könnte sogar die Raketenbasis des legendären Hanspeter Örgelisauer sein! Er war der erste Mensch, der mit einem weltraumtüchtigen Flugkörper die Warpgeschwindigkeit erreichte! Dann hätte ich sogar das genaue Datum. Es wäre heute der 4. April im Jahr 2063.» Ceagy bemerkte: «Der Tag vor dem ersten Kontakt.» Bluefox befahl: «Lore, überprüfen Sie das!» Nur wenige Sekunden später fand Lore das genaue Datum heraus und teilte es dem Captain mit: «Sie haben Recht, Sir! Wir schreiben in der aktuellen Zeitlinie den 4. April 2063.» Knight erkannte: «Sie sind sicherlich gekommen, um den ersten Kontakt zu verhindern.» Bluefox stimmte ihr zu: «Richtig, und unsere Aufgabe wird es sein, die Borg an ihrem Vorhaben scheitern zu lassen.» Dann fragte er den Steuermann: «Können Sie mir sagen, wie groß der Schaden der Raketenbasis ist, Fähnrich?» «Nein, Sir, die Langstreckensensoren sind immer noch offline.» antwortete Pilot Strike. Bluefox entschied: «Wir müssen runterbeamen und selber handeln! Diese Basis ist für die Menschheit Gold wert, wenn nicht sogar noch mehr. Lore, Nicole, Sie beide kommen mit mir. Andrew, Sie haben in der Zwischenzeit das Kommando über die Bluefox und den Rest der Föderationsflotte.» entschied der Captain. Er ergänzte per Funk: ««Bluefox an Sicherheit: Ein Supportteam soll uns in Transporterraum 2 treffen.»» Dann befahl er dem Computer noch: «Computer, Zivilkleidung; gegen die Mitte des 21. Jahrhunderts.» Nach diesem Satz schloß sich die Tür des Turbolifts.

Auf der Erde in der Nähe des Erdloches: Der Captain erblickte die Öffnung als Erster und dirigierte die anderen in kürzester Zeit zu dieser Stelle. Drei Sicherheitsleute der Jackenboy und die drei Führungsoffiziere der Bluefox stiegen eine an der Wand angelehnte Leiter hinunter. Als die sechs Offiziere unten angekommen waren, sahen sie nichts Schönes. Viele tote Menschen lagen herum und etliche kaputte, zum Teil noch geladene Stromkabel hingen an den Wänden und von der Decke herab. Strikes Kommentar von ihrem medizinischen Tricorder erschien daher fast überflüssig: «Captain, diese Menschen sind alle tot.» Der Captain forderte die anderen Offiziere auf: «Wir müssen das Warpschiff inspizieren und Hanspeter Örgelisauer finden. Folgen Sie mir!» Zur Chefärztin und den drei Sicherheitsleuten sprach er: «Sehen Sie bitte nach, ob Örgelisauer unter den Toten zu finden ist.» Er wandte sich Lore zu und sagte zu ihm: «Und wir beide schauen mal, in welchem Zustand das Warpschiff ist.» Lore und Bluefox öffneten gemeinsam eine große, schwere Tür. Sie standen nun in einer hohen Halle. Die Rakete war noch da und sogar an einem Stück erhalten! Lore informierte Bluefox: «Ich scanne die Sache einmal.» Als er einen oberflächlichen Scan abgeschlossen hatte, berichtete er: «Captain, das gibt viel Arbeit für die Techniker. Das Schiff ist inwendig ziemlich beschädigt. Auch hier, zum Beispiel, im unteren Mantelbereich hat es einige Dellen drinnen.» Der Captain lief einmal um die ganze Rakete herum und meinte: «Ein interessantes Schiff ist es dennoch. Und wichtig ist es sowieso.» – Da schoß plötzlich jemand mit einem Maschinengewehr ohne Vorwarnung von einer der unteren Etagen in die Richtung von Bluefox und Lore! – Die beiden Offiziere hechteten sofort hinter zwei große Container in Deckung. Bluefox rief nach draußen: «Nicht schießen! Wir wollen Ihnen helfen!» Doch der Schütze, oder eher die Schützin, schrie zurück: «Blödsinn!» Sogleich ballerte sie mit Dauerfeuer weiter in die Richtung der beiden Offiziere! – Lore nahm seine momentane Pflicht, den Captain zu schützen, voll und ganz wahr und sprach zu Bluefox: «Sir, lassen Sie mich das erledigen.» – «Ich bitte Sie darum!» antwortete Bluefox, immer noch überwältigt von dem Schrecken, der ihm soeben durch diese Schüsse eingejagt worden war. Lore stieg hastig einige Treppen hinunter und näherte sich rapide der Stelle, von der die Schüsse herkamen. Lore erblickte die Täterin und schlich genau über die Stelle, wo sie stand! Zum Glück merkte es die Frau nicht, daß Lore da oben war! Sie hatte langes, schwarzes Haar und eine braune, für ihre Körperstatur eindeutig zu lang geschneiderte Lederjacke. Noch immer blickte sie ganz gespannt zum Captain hoch, doch der war hinter diesen beiden Containern sehr gut geschützt. Lore entdeckte eine Stelle, die ihn vier Stockwerke nach unten befördern würde. Dafür mußte er aber hinunterspringen, denn eine Leiter oder eine Treppe gab es dort nicht. Für Lore waren Sprünge dieser Höhe kein Problem, also sprang er einfach, ohne zu zögern, hinunter! Warum er das gemacht hatte, zeigte sich sofort. – Er stand genau vor der fremden Dame mit der Maschinenpistole! Die eröffnete natürlich sofort das Feuer auf den Androiden! Doch Lore, einem Mann aus Prozessoren und Schaltkreisen, machte das wenig aus, solange er nicht am Hinterkopf heikel getroffen wurde. Nach ein paar Schußserien hatte die äußerst aggressiv wirkende Frau plötzlich keine Munition mehr in ihrer Waffe! Sie schaute Lore an und sah, daß der zwar sicher um die 30 Löcher in seinem Pullover hatte, aber immer noch stand! Der Androide sagte freundlich zu der völlig verdutzten Frau: «Ich grüße Sie!» – Das war etwas zu viel für die junge Scharfschützin und sie wurde ohnmächtig! Lore rief in die Richtung von Bluefox: «Captain! Die Gefahr ist gebannt! Aber ich denke, diese junge Dame, die auf uns geschossen hat, benötigt nun ärztlichen Beistand!» – Der Captain kam hinter den Tonnen hervor. Zusammen brachten sie die Frau zu Strike in die Vorhalle. Dort konnte der Doktor sie provisorisch behandeln. Die Chefärztin sagte aber noch zu Bluefox und Lore: «Captain, Commander, ich muß mich und Sie beide impfen. Sie hat Thetastrahlenvergiftungen schwerster Art!» Lore bemerkte die Strahlung, wußte jedoch nicht, daß sie gefährlich war. Er informierte: «Die Strahlung tritt durch eines der defekten Ansaugventile aus. Ich schlage vor, wir sollten diese Stelle zuerst reparieren.» Strike injizierte sich und den beiden Männern ein Antiserum aus ihrem Hypospray. Sie sagte: «Ich muß mit ihr auf die Krankenstation.» Bluefox entgegnete in einem mahnenden Tonfall: «Doktor, die Oberste Direktive!» Strike sprach etwas genervt: «Captain, bitte nicht die Oberste Direktive! Ich werde sie schon bewußtlos halten. Ich bin mit den medizinischen sowie mit den sozialen Protokollen der Sternenflotte vertraut!» Bluefox entschied: «Wie Sie meinen, aber dann muß Commander Ceagy mit einem Suchtrupp runterkommen. Örgelisauer war nicht unter den Toten, wie ich sehe. Also könnte er noch leben. Wir müssen ihn finden!»

Nachdem Strike ihre Patientin für einen Transport vorbereitet hatte, funkte sie an Whiteman: ««Strike an Raumschiff Bluefox: Beamen Sie mich und die Person bei mir direkt in die Krankenstation.»» Auch Bluefox nutzte die Gelegenheit sein Schiff kurz zu kontaktieren: ««Außenteam an Maschinenraum!»» – ««Steaner hier!»» antwortete die Chefingenieurin. ««Commander, wir haben hier unten ein Problem. Örgelisauers Rakete wurde durch den Borgangriff schwer beschädigt. Beamen Sie mit einem Trupp Techniker direkt in die Raketenhalle der Basis. Es gibt eine Menge Arbeit.»» erklärte Bluefox Steaner die Mission. ««Ich habe verstanden. Steaner, Ende.»» bestätigte Steaner und schloß den Kanal zu Außenteamleiter Bluefox. Der kontaktierte sogleich auch noch Ceagy: ««Andrew, hier ist Matt. Wir haben Örgelisauer immer noch nicht gefunden. Sie müssen mit einem kleinen Suchtrupp ebenfalls runterbeamen und ihn finden. Er kann nicht weit weg sein, wenn ihm die Flucht gelang.»» – ««Hier Andrew, alles klar! Ich bin gleich unten!»» bestätigte der Erste Offizier und schloß die Verbindung zum Captain.

Inzwischen im Maschinenraum: Steaner erklärte nach dem Funkspruch des Captains die Mission ihrem Stab: «Sie haben es vielleicht gehört. Wir müssen auf die Erde beamen. Es gibt dort an einer Warprakete des 21. Jahrhunderts einiges zu reparieren. Crossnicholls, Webber, Berger: Sie drei leiten die Einsatzteams, bestehend aus je vier Personen! Zum Glück haben wir so viele Techniker bekommen durch die Nottransporte. Ich werde die ganze Arbeit koordinieren und bei Problemen helfen. Lieutenant Werwealy, Sie haben das Kommando im Maschinenraum, bis ich wieder zurück bin. Checken Sie mit den restlichen Technikern an Bord noch die Hauptumweltsysteme, es wird zu warm hier drinnen. Na dann, los!» Denise Werwealy und ihr Bruder Fabius Werwealy waren die einzigen Crewmitglieder der Bluefox, die im Maschinenraum zurückblieben. Ein paar gerettete Techniker von anderen Schiffen arbeiteten noch vereinzelt an verschiedenen Stationen auf dem Unterdeck des Maschinenraums. Die Geschwister Werwealy machten sich also auf dem Oberdeck an die Arbeit an den Umweltsystemen. Fabius las den Bericht einer Konsole und leitete es an seine Schwester weiter: «Es scheint, als würden alle Umweltsysteme, nicht nur diejenigen im Maschinenraum verrückt spielen. Die Temperatur ist auf dem ganzen Deck angestiegen!» Denise schlug vor: «Gehe mal in die Jeffriesröhre. Vielleicht hast du dort mehr Erfolg.» «Gute Idee.» erwiderte ihr um fünf Jahre jüngerer Bruder. Er kroch in die Jeffriesröhre. – Da hörte er ein seltsames Geräusch! Sofort reagierte Fabius: «Hallo? Arbeitet denn sonst noch jemand in dieser Sektion?» Er erhoffte sich eine Antwort von irgendeinem Crewmitglied in der Röhre. Doch keiner antwortete. Da rief Denise ihm plötzlich zu: «Redest du mit mir?» «Nicht direkt! Sind noch andere Leute hier drinnen?» fragte Fabius. Denise antwortete: «Es hat sich niemand bei mir abgemeldet. Es dürfte niemand drinnen sein.» Fabius kroch weiter und kam zu einer Kreuzung. Er wollte geradeaus kriechen. – Da packte ihn auf einmal etwas Grobes am Arm! Denise hörte nur noch einen kurzen Schrei von ihrem Bruder! Sie rief besorgt: «Fabius? Alles in Ordnung da drinnen?» – Als sie keine Antwort bekam, fand sie das sehr merkwürdig und kroch ebenfalls in die Röhre hinein. Sie rief nochmals den Namen ihres Bruders. – Wieder keine Antwort. Sie kroch weiter bis zu der Kreuzung. Erst blickte sie nach rechts, dann nach links. – Sie konnte ihren Augen nicht trauen! Aber da war es schon viel zu spät. Auch sie wurde von der Gestalt vollkommen überrascht! Sie hatte nicht mal den Hauch einer Chance sich zu wehren!

Inzwischen beamten die drei Technikertrupps von der Bluefox in die Halle und arbeiteten bereits seit zwei Stunden fleißig an der Rakete. Auch Bluefox und Lore halfen tüchtig mit! Während einer kleinen Arbeitspause ging der Captain ganz nahe zur Rakete hin und berührte vorsichtig eine Stelle. Lore, der gleich neben ihm stand, fragte ihn verwundert: «Warum berühren Sie die Rakete?» Bluefox antwortete: «Wissen Sie, Lore, als ich noch ein kleiner Junge war, durfte ich dieses Schiff einmal im Museum hinter 30 Zentimetern Panzerglas betrachten. Jetzt darf ich es sogar berühren! Das ist etwas ganz Besonderes!» – «Verändert sich mit der Berührung des Schiffes Ihr Gefühl?» fragte der Androide. Bluefox antwortete: «Ja. Das würde ich sagen.» Lore berührte die Rakete auch. Allerdings kam er nicht auf das, was er sich erhofft oder erdacht hatte. Das hängte bestimmt damit zusammen, daß er seinen Emotionschip deaktiviert hatte. Er bemerkte nur stirnrunzelnd: «Es gibt Unvollständigkeiten im Titanmantel, Temperaturschwankungen am Ansaugrohr.» – «Für die Menschen ist es eben noch einiges mehr. Ich finde, daß Berührungen den Fühlenden mit der Materie irgendwie verbindet!» meinte Bluefox. Als der Captain mit seinem Satz fertig war, rief plötzlich Steevy Knight, die den beiden bereits eine Weile zugehört hatte, hinunter: «Darf ich die holde Dreisamkeit stören?» – «Counselor? Auch hier?» reagierte der Captain. «Keine Spur von Örgelisauer, in der ganzen Basis nicht.» antwortete Knight. Bluefox bemerkte kopfschüttelnd: «Ich begreife das nicht. Dieses Schiff muß doch sein Ein und Alles gewesen sein. Abgesehen davon muß diese Rakete in weniger als 24 Stunden starten, sonst sind die Vulkanier über alle Berge!» Knight meinte ernst: «Matt, wir müssen uns langsam mit der Annahme anfreunden, daß Hanspeter Örgelisauer beim Angriff auf die Basis getötet wurde.» – «Wenn das wahr ist, dann stirbt die Zukunft mit ihm.» entgegnete der Captain mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. Knight und Ceagy stiegen die Treppen hinunter, bis sie bei Bluefox und Lore ankamen. Ceagy bewunderte die alte Rakete und sagte zu Bluefox: «Das war mal eine Atomrakete aus dem dritten Weltkrieg! Wirklich erstaunlich, was Örgelisauer daraus gemacht hat. Wenn die Borg wüßten, wieviel Arbeit dahintersteckte, um diese Rakete umzubauen, dann hätten sie es sich überlegt, sie einfach zu zerstören. Atomwaffen hätten sie sicherlich assimilieren können!» scherzte der Erste Offizier. Bluefox entgegnete schmunzelnd: «Wohl kaum, Commander. So eine alte Technologie würden die Borg nicht mal als Brotzeit assimilieren.» Lore bemerkte: «Es ist eine Ironie des Schicksals. Örgelisauer sucht sich eine Massenvernichtungswaffe aus, um damit eine Ära des Friedens einzuleiten.» – Da hörte der Captain auf einmal etwas, was ihm überhaupt nicht paßte! Er bekam irgendwie ein Geräusch in seine Ohren, welches ihn ganz stark an die Borg erinnerte! Er horchte noch einmal ganz genau hin. War es wieder ein Traum? Nein, diesmal nicht! Er konnte es spüren! Irgendwie hatte ihn der Geist des Kollektivs nochmals überrascht! Steevy Knight merkte, daß mit dem Kommandanten etwas nicht stimmte. Sie fragte ihn sofort: «Alles in Ordnung, Sir?» In diesem Moment besann sich Bluefox wieder, gab der Schiffsberaterin aber keine Antwort, sondern begann plötzlich, schnell zu gehen! Er schritt Richtung Ausgang der Basis. Die Anderen liefen hinter ihm her. Der Captain funkte ans Schiff: ««Brücke, hier spricht der Captain! Ist bei Euch oben alles okay?»» – ««Hier Chollet, Sir. Fast alles, die Umweltsysteme im Maschinenraum sind etwas durcheinander. Warum?»» entgegnete Chollet. Bluefox klärte den Sicherheitschef auf: ««Ich komme mit Lore auf die Bluefox zurück. Machen Sie sich auf den Transport gefaßt.»» Er schloß den Kanal durch das Antippen seines Kommunikators. Ceagy war sichtlich besorgt. Er hatte keine Ahnung, was dem Captain soeben widerfahren war und er konnte sich wahrlich keinen Reim daraus machen! Bluefox befahl seinem Team: «Sie bleiben hier und suchen Örgelisauer, Commander. Counselor, Sie bleiben ebenfalls unten. Es wird weiterhin an der Rakete gearbeitet. – Ich bin vollkommen in Ordnung, vertrauen Sie mir, Andrew! Kommen Sie, Lore.» Der Captain funkte noch einmal an Chollet, der inzwischen auf der Bluefox das Kommando hatte: ««Danny, welcher Art sind die Umweltschwierigkeiten?»» – ««Die Luftfeuchtigkeit ist auf 73 Prozent gestiegen. Die Temperatur ist in der letzten Stunde um zehn Grad angestiegen.»» – ««Zehn? Ich höre wohl nicht recht! Ich bin schnellstens oben!»» Bluefox und Lore ließen sich sofort an Bord beamen. Ceagy und Knight guckten etwas verdutzt dorthin, wo sich Lore und Bluefox gerade dematerialisiert hatten.

 

Auf der Krankenstation sollten diese seltsamen Ereignisse nicht ausbleiben. Strike meinte: «Ich denke, sie wird wieder vollkommen gesund. Doktor Snyder, Sie wissen, daß wir die junge Frau um jeden Preis bewußtlos halten sollten.» erinnerte die Chefärztin ihre Stellvertreterin. Dr. Crossnicholls beschwerte sich: «Es ist so heiß!» Snyder nickte zustimmend und meinte: «Ja, das ist mir auch aufgefallen. Ich schaue einmal, was der Grund sein könnte.» Snyder lief zum Computertisch hinüber. Da fiel auf einmal für etwa zwei Sekunden das Licht auf der Krankenstation aus! Crossnicholls fragte etwas verängstigt: «Und was war das?» Strike funkte sicherheitshalber an den Maschinenraum: ««Strike an Maschinenraum!»» Keine Antwort. ««Strike an Brücke!»» Plötzlich hämmerte etwas sehr Kräftiges an die Krankenstationstür! Die Tür kriegte gleich nach dem ersten Schlag eine Beule! Das war mehr als besorgniserregend, denn solche Türen besaßen starke Tritaniumlegierungen, die als Isolations- und Schutzmittel vor den Weltraumverhältnissen dienten. Diese Legierungen mußten also weit mehr aushalten als bloß ein paar Fäuste!

 Bluefox und Lore kamen unterdessen auf der Brücke an. Der Captain verlangte von seinem Sicherheitschef einen Bericht. Chollet rapportierte: «Wir haben soeben den Kontakt zu Deck 36 verloren! Innere Sensoren, Kommunikation, Hauptkontrolle, einfach alles! Ich wollte gerade ein Sicherheitsteam hinschicken zur Überprüfung.» Doch Bluefox entgegnete wie aus der Pistole geschossen: «Nein! Sie verriegeln Deck 36 und postieren Wachen rund um die Uhr.» Nach dieser Anweisung fragte der Captain F. Strike: «Patrick, was waren die letzten Werte der Umweltsysteme auf Deck 36?» – «Der Luftdruck war zwei Kilopascal über normal, die Luftfeuchtigkeit betrug 92 Prozent und die Temperatur 39,1 Grad Celsius.» berichtete Strike. Bluefox kriegte fast einen Kollaps! Nach einem kurzen Augenblick faßte er sich wieder und sprach, als wäre er in Trance: «39,1 Grad Celsius. Wie in einem Borgschiff.» – Einen Augenblick lang blieb alles totenstill auf der Brücke, sicher fast eine halbe Minute! Bluefox brach das Schweigen als Erster und meinte nervös: «Das war unser Fehler! Unsere Schilde waren immer unten! Sie haben sich hierher transportiert, ohne entdeckt zu werden!» Der Steuermann fragte beunruhigt: «Und jetzt?» – «Jetzt assimilieren sie die Bluefox und dann die Erde.» antwortete Bluefox. Er begab sich zum zentralen Funksystem und wollte mit dem Außenteam auf der Erde Kontakt aufnehmen. Er sprach: ««Bluefox an Ceagy!»» – Auf der anderen Seite, wo eigentlich der Erste Offizier hätte antworten sollen, hörte man nur ein Knistern, kurz darauf gar nichts mehr! In diesem Moment wurde es plötzlich stockfinster auf der Brücke! Kurz später wieder hell, dann wieder dunkel! Es wechselte sich immer so ab. Bluefox wollte wissen: «Was zum Teufel ist da los?» Haldman warnte: «Die gesamten Hauptsysteme werden in den Maschinenraum umgeleitet! Waffen, Schilde, Antrieb und vieles mehr!» Bluefox befahl: «Schnell, Mr. Lore, sperren Sie den Hauptcomputer!» Lore eilte zum Hauptschaltpult am hinteren Teil der Brückensysteme. Er tippte unfaßbar schnell eine wirre Zahlenkombination ein. Daraufhin bestätigte er seinen Code noch einmal. Der Einsatzleiter klärte den Captain auf: «Ich habe den Hauptcomputer mit einem fraktalen Verschlüsselungscode isoliert. Ich denke nicht, daß die Borg im Stande sind, ihn zu knacken.» – «Gut gemacht, Lore!» lobte Bluefox seinen ehemaligen Chefingenieur. Er war immens froh, daß er, wenn es wirklich oberbrenzlig wurde, immer noch einen Rückhalt hatte, der ihm und seiner Crew schon mehrere Male aus der Patsche geholfen hatte und es wohl auch in dieser Situation, zumindest für die kommenden Stunden wieder tun konnte. Ohne Lore, das war sich Bluefox sehr wohl bewußt, wäre die Bluefox-E während der Mission im Andromeda-Asteroidengürtel ohne Sauerstoff und ohne Rettungsmöglichkeiten zur Leichenhalle geworden. Damals zögerte Lore das Unaufhaltbare entscheidend heraus, bis die Romulaner ein gutes Herz hatten mit der Bluefox-Crew und sie alle retteten. – Haldman gab erneut einen kurzen Ereignisbericht durch: «Captain, die Borg haben die Stromversorgung vollkommen abgeschaltet, ausgenommen auf Deck 36.» – «Die Borg werden mit Sicherheit nicht auf Deck 36 bleiben.» entgegnete der Captain überzeugt.

Vor der Krankenstation hämmerte natürlich eine Borgdrohne an die Tür, die von der kybernetischen Kreatur bereits ziemlich malträtiert worden war und nun kurz vor dem Einbruch stand! Strike blieb nichts anderes übrig, als die junge Frau aus dem 21. Jahrhundert aufzuwecken. Schließlich wollte die Chefärztin, daß alle überleben. «Kommen Sie, kommen Sie! Wachen Sie auf!» feuerte Strike die Patientin an. Auf einen Schlag richtete sich die völlig orientierungslose Frau auf und fuchtelte mit ihren Händen herum! Strike sprach: «Ganz ruhig, ganz ruhig!» Snyder eilte zur Hilfe. Strike erklärte: «Wir müssen die Jeffriesröhren benutzen, um hier rauszukommen! Debbie, ist das medizinische Notfallprogramm noch aktiv?» – «Ja, ich denke schon.» antwortete Crossnicholls auf Strikes Frage. Die Chefärztin befahl dem Computer: «Computer, das Medizinische Holographische Notfallprogramm aktivieren!» Ein holographischer Doktor erschien neben dem Biobett, auf dem sich vorhin gerade noch die Patientin aus der Vergangenheit befand. Er sprach: «Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls.» «Zwanzig Borg werden gleich diese Tür durchbrechen! Versuchen Sie, sie etwas aufzuhalten!» befahl Strike dem MHN. Das Hologramm jedoch entgegnete: «Ich bin ein Arzt und kein Türstopper!» – «Das ist mir egal! Wir müssen schauen, daß wir weiterleben! Erzählen Sie ihnen Witze, tanzen Sie oder sonst der Gockel was, aber verschaffen Sie uns ein paar wichtige Sekunden!» rief Strike gereizt. Dann verschwand sie in der Jeffriesröhre und schloß die Luke von innen. – Da gab die Tür nach und die Borg betraten sogleich den Vorraum der Krankenstation! Der holographische Doktor sprach zu ihnen: «Laut medizinischen Forschungsergebnissen der Sternenflotte können Borgimplantate schwere Hautreizungen hervorrufen!» – Er machte eine Pause. Er kam auf einmal an der Wand an, weil er ständig rückwärts laufen mußte. Die Borg kamen immer näher! – «Vielleicht möchten Sie eine allergetische Salbe?!» schlug das MHN vor und die Mundwinkel schossen in die Höhe zu einem breiten Grinsen. Als der Doktor jedoch merkte, daß die Borg überhaupt nicht auf Kooperation aus waren, sackten die Mundwinkel wieder herab und er schloß die Augen. Er konnte sich denken, was die Borg nun versuchten, mit ihm anzustellen. Der photonische Arzt hatte seinen Dienst aber nicht schlecht erfüllt und Strikes Gruppe wichtige Sekunden Zeit verschafft! In der Zeit, in welcher der Doktor die Borg aufzuhalten versuchte, krochen die Ärztinnen und ein Sicherheitsoffizier mit der jungen Frau durch den engen Korridor der Jeffriesröhre. Die Zweite in der Kolonne, Izy Snyder, fragte Strike an einer Kreuzung: «Wohin?» – «Nach links! Einfach nur noch runter von diesem Deck!» entschied Strike. Alle folgten ihr. Nur die junge Frau, die am Schluß der Kolonne war, nicht! Sie kroch nach rechts! Das war natürlich purer Schwachsinn, aber sie wollte eben frei sein.

Im Frachtraum wurden derweil die Waffen für allfällige, allem Anschein nach unausweichliche Kämpfe gefaßt. Chollet warf jedem ein Kompressionsgewehr zu. Während der Sicherheitschef die länglichen Phasergewehre mit Schwung verteilte, erklärte Bluefox die Mission: «Wir müssen zum Maschinenraum. Das Hauptproblem: Wir werden viele Drohnen erschießen müssen. Falls wir den Maschinenraum erreichen sollten, kommt folgende Schwierigkeit noch hinzu: Wir riskieren mit unseren Partikelwaffen den Warpkern zu treffen. Besser wäre es, ein Loch in einen der beiden Plasmakühltanks links und rechts vom Kern zu schießen. Lore?» Bluefox schaute Lore an. Der reagierte sogleich und erwiderte: «Ausgezeichnet! Plasmakühlmittel löst organische Stoffe in Flüssigkeit auf, welche danach sofort durch die entstandene Hitze verdampft.» Chollet bemerkte: «Die Borg sind aber nicht vollkommen organisch.» Bluefox erklärte: «Das macht nichts. Die Borg sind eine biologische, humanoide Lebensform und können ohne ihre organischen Komponenten nicht überleben.» Er machte eine Pause und schaute alle noch einmal genau an. Daraufhin sprach er: «Noch eine wichtige Information, bevor Sie sich alle in die Gruppen verteilen: Es könnten Ihnen Föderationsoffiziere begegnen, die bereits assimiliert sind. Sie sollten dann trotzdem schießen!» Man schaute sich komisch an. Einige suchten den Blick zum Captain. Er wurde mehrheitlich verwundert angesehen. Bluefox versicherte: «Sie tun ihnen damit einen Gefallen, glauben Sie mir das.» Mit gemischten Gefühlen und einer großen Portion Unsicherheit teilten sich die Offiziere in zwei Gruppen auf. Die eine wurde von Bluefox geführt, die andere von Chollet. Lore gesellte sich zu Bluefox‘ Gruppe.
 
Die Eglisauer hatten sich vom Angriff der Borg wieder erholt. An einigen Stellen mußte noch aufgeräumt werden, aber so richtig schlimm war es nicht mehr. Im hintersten Partyzelt lief schon wieder eine Fete! Schon von weit draußen war die dröhnende Rock’n Roll-Musik zu hören. Im Zelt drinnen saß Steevy Knight, aber warum? Das Außenteam war mit den Reparaturen fertig, konnte aber nicht an Bord der Bluefox beamen, weil dort oben schon das reinste Chaos ausgebrochen war. Davon wußte das Außenteam nichts, weil es ja Bluefox nicht mehr schaffte, mit Ceagy oder einem anderen Mitglied des Außentrupps Kontakt aufzunehmen. Weil die Crewmitglieder der Bluefox auf der Erde von der Suche nach Hanspeter Örgelisauer bereits ziemlich erschöpft waren, beschlossen sie, sich dem Fest anzuschließen. Ein Großteil des Außenteams vergnügte sich im Partyzelt von Eglisau. Knight jedoch schien schon nicht mehr so richtig anwesend zu sein! Sie stützte den Kopf auf die linke Handfläche ab und schaute etwas belämmert auf den Tisch! Von außen kam Ceagy ins Zelt herein. Er rief dreimal den Vornamen von Knight (Steevy), doch die hörte nichts, weil die Musik im Zelt schaurig laut war! Ceagy setzte sich zu Knight hin und wiederholte sich: «Steevy?!» Da schaute sie endlich zu ihm auf und hatte ihn erhört! Sie gab schlaff zurück: «Was?» Ceagy meinte: «Die Musik ist verdammt laut. Ich schalte sie ab!» Er stand wieder auf und zog den Stecker aus der Musikanlage.
Knight rief: «Nein, Andrew! Schalten Sie die Musik nicht ab!» Da flog eine Whiskyflasche haarscharf an Ceagys Kopf vorbei! Ein älterer Mann rief von der Bar aus zu Knight hinüber: «Wer ist denn der Trottel? Wer hat ihm gesagt, er solle die Musik abschalten?!» Der Herr hatte schon recht einen sitzen. Ceagy rief empört zurück: «Hey! Sie hätten mich fast abgeschossen mit dieser Flasche! Schade um den Inhalt!» fügte er hinzu. Knight meinte cool: «Beruhigen Sie sich, Andrew. Ich habe eine Überraschung parat!» – «Aha, schießen Sie los!» meinte Ceagy gespannt. Knight wandte sich dem älteren Mann zu, der sich ihnen näherte und sprach: «Darf ich vorstellen: Andrew Ceagy...» Sie wandte sich nun Ceagy zu. «...Hanspeter Örgelisauer!» Der Trinker wollte sofort wissen: «Ist das ein Freund von Ihnen?» – «Ja.» antwortete Knight. «Ihr Mann?» fragte Örgelisauer. Knight gab schmunzelnd zur Antwort: «Nein.» – «Gut!» gab Örgelisauer mit einem langgezogenen ‚u’ zurück und kicherte. «Und das hier, Beevy...» wollte Örgelisauer anfangen, doch Knight unterbrach ihn und sagte genervt: «Steevy!» – Sie wußte nicht, ob er es verstanden hatte. Auf jeden Fall fuhr er fort: «Das hier, das ist guter Stoff!» behauptete er. Er zeigte ihr eine Flasche mit hochprozentigem Inhalt, stellte sie hin und schenkte Knight etwas davon in ein Glas, das bei ihr stand. Auch sich selber schenkte er ein, bedeutend ausgiebiger. Ceagy wollte Örgelisauer etwas fragen, doch der hörte nicht auf den Ersten Offizier. Er guckte zu Knight und sprach einen Toast aus: «Auf die Phoenix! Sie ruhe in Frieden!» Kaum hatte er es gesagt, setzte er an und trank das Glas in einem Zug aus! Sie nahm ebenfalls einen Schluck, doch kaum hatte sie das undefinierbare Alkoholgetränk heruntergeschluckt, mußte sie sofort heftig husten. Örgelisauer hingegen schwang mit seinem linken Arm dreimal kräftig durch und prustete: «Oh, Wow!» Als er sah, daß es ihr nicht so behagte, sah er die Flasche ein Weilchen an. «Na ja, so gut war der auch nicht.» sagte er plötzlich und warf die Pulle achtlos in hohem Bogen einige Meter von sich weg. Kurz darauf zerschellte die Buddel an einer eisernen Platte. Knight schaute Ceagy wieder an und meinte: «Andrew, ich denke, wir müssen ihm die Wahrheit sagen.» Ceagy entgegnete: «Die Wahrheit ist, daß die Zeitlinie...» Weiter kam er nicht, weil ihn die Schiffsberaterin plötzlich mit lauter Stimme unterbrach: «Die Zeitlinie? Wir haben überhaupt keine Zeit, um über die Zeit zu sprechen! Soviel Zeit haben wir nicht!» rief sie aus. Nach einer kurzen Pause fragte sie Ceagy: «Was habe ich gesagt?» Er lachte und meinte vergnügt: «Sie sind besoffen!» – «Das bin ich nicht!» dementierte der Counselor vehement. Ceagy bekräftigte: «Oh, aber ja doch!» Knight gab es auf und erklärte, was passiert war: «Er hat gesagt, er rede nicht mit mir, wenn ich nicht mit ihm trinke, also haben wir dann zusammen getrunken. Irgendwas. Ich glaube, es heißt „Teekiller“ oder so ähnlich. Nur auf diese Weise konnte ich herausfinden, wer er eigentlich ist und jetzt weiß ich, daß er der Mann ist, den wir suchen! Und dann kommen Sie und kritisieren meine Untersuchungsmethoden!» Sie betonte dreimal kräftig und drückte mit ihrem Zeigefinger bei jeder Betonung energisch auf die Brust des Ersten Offiziers. Der entschuldigte sich und konnte sich einen weiteren Lacher nicht verkneifen. Knight stand auf und bewegte sich zum Zeltausgang. Ceagy wollte sie etwas stützen, aber sie wehrte ihn ab. Einen Moment später erklärte sie: «Ich habe nur versucht mich anzugleichen.» – «Das ist Ihnen auch gelungen.» erwiderte Ceagy. Knight meinte verzweifelt: «Ich habe ihm unsere Alibigeschichte erzählt, aber er hat mir nicht geglaubt!» – «Es bleibt uns keine Zeit mehr! Wenn wir ihm die Wahrheit sagen, glauben Sie, er kann damit umgehen?» fragte Ceagy. «Wenn Sie meine Meinung als Schiffscounselor hören wollen, und das wollen Sie doch: Er ist verrückt!» gab Knight zur Antwort. Ceagy bemerkte: «Gut, ich werde das in mein Logbuch eintragen.» Örgelisauer war inzwischen zur Musikanlage getorkelt und hatte sie wieder mit Strom versorgt. Die laute Musik ertönte wieder, noch schriller als zuvor, so schien es Ceagy. Zum ganzen Unheil begann der trinkende Doktor auch noch zu tanzen! Das sah ziemlich schräg aus, besonders wenn er seine frei interpretierte Version des legendären „Michael-Jackson-Griffs“ – mit der offenen Hand an das beste Stück – zeigte! Der Alkohol zeigte plötzlich auch auf Knight Wirkung: Sie kippte um! Ceagy konnte nur noch den Kopf schütteln und studierte am Namen des Getränks herum. „Teekiller“? Nein, das konnte es wirklich nicht sein. Ceagy glaubte plötzlich es herausgefunden zu haben: Tequila! J

 

Auf der Bluefox waren derweil die beiden Teams unterwegs zum Maschinenraum. Es war fast vollkommen dunkel. Nur das Blinken der roten Neonröhren an den Wänden auf beiden Seiten, auf Bauchhöhe der Offiziere, erhellte die langen Korridore kurz. Die Neonlichter signalisierten natürlich die rote Alarmstufe. Zuerst sah es noch friedlich aus. Die Teams verließen die Brücke auch erst gerade. Dann wechselten die Leute aus dem Team des Captains das Deck, indem sie eine Luke im Boden öffneten und hinuntersprangen. Die Decks waren bloß zweieinhalb Meter hoch. Man mußte also, wenn man an sich an den Rand des Oberdecks hängte, höchstens einen Meter in der Luft zurücklegen um auf das Unterdeck zu gelangen. Für geübte Leute wie die Offiziere der Bluefox war ein Meter noch keine wirklich gefährliche Höhe. – Die Gruppe des Captains erreichte Deck 35, also das Deck über dem Maschinenraum. Lore übernahm kurzfristig die Führung und bog in eine Kurve. Er schaute, ob die Luft rein war. Das war sie, aber die Wände waren bereits mit etlichen Röhren und Kabeln versehen! «Hier waren sie also schon.» bemerkte Bluefox. Lore meldete sich plötzlich: «Captain, ich empfinde irgendeine Art Angst! Das ist ein faszinierendes Gefühl!» «Lore, ich kann Ihnen wohl glauben, daß diese Sache sehr heikel ist. Ich denke aber, es ist besser, wenn Sie Ihren Emotionschip vorübergehend deaktivieren.» bat Bluefox Lore. Der Androide nickte und entgegnete: «Gute Idee, Sir. – Erledigt.» Bluefox bemerkte: «Mr. Lore, ich beneide Sie manchmal.»
Die Gruppe setzte ihren gefährlichen Trip zum Maschinenraum fort. Immer wieder trafen sie auf deutliche Anzeichen dafür, daß es sich die Borg auf der Bluefox bequem machten. Da gelangten sie an eine Stelle, wo der Boden durchgebrannt war! Man konnte also Deck 36 von Deck 35 aus sehen. Bluefox kommentierte die Situation mit seinem typischen Humor für brenzlige Lagen: «Nett, nicht? Jetzt müssen wir nicht mehr bis zur Luke laufen.» Sie stiegen also vorsichtig hinunter. Kaum waren alle wieder richtig auf dem Boden angelangt, waren auch schon prompt einige Borgdrohnen zu sehen, die an den Wänden der Korridore arbeiteten und eigene Leitungen montierten. Zum Glück mißachteten sie die Gruppe der Sternenflottenoffiziere. Bluefox informierte zur Beruhigung des Teams: «Sie ignorieren uns, wie ich erwartet hatte. Das ist auch gut so.» Zwei Borgdrohnen marschierten nebeneinander durch den Korridor. Die Offiziere machten ihnen schön Platz. Bluefox sah, daß zwei Offiziere aus der Sicherheit noch deren Kompressionsgewehre nach oben hielten. Sofort intervenierte er: «Waffen runter! Sie ignorieren uns natürlich nur so lange, bis sie uns als Bedrohung ansehen. Wir benützen die Phasergewehre erst im Notfall.» Die Gruppe setzte ihren Marsch zum Maschinenraum fort.

Chollets Team lief gerade mit hoher Marschgeschwindigkeit durch einen Korridor. Mitten auf dem Weg wurden sie plötzlich durch eine sich rapide öffnenden Luke an der Wand aufgehalten. Alle richteten sofort ihre Phaser und Kompressionsgewehre Richtung Luke. «Halt! Ich bin’s nur!» rief Nicole Strike erschrocken und stieg hastig heraus. Ihr Stab folgte ihr. Chollet fragte Strike: «Sind sie nun auch noch in die Krankenstation eingedrungen?» Die Chefärztin gab zur Antwort: «Was für eine Frage, Danny, natürlich sind sie das! Wir haben eine Patientin aus der Vergangenheit verloren und sie hat keine Ahnung von all dem. Sie ist uns nicht gefolgt. Wer weiß, wo und was sie nun ist. Ich habe zu wenig gut aufgepaßt.» erklärte Strike. Der Sicherheitschef entgegnete: «Das ist nicht Ihre Schuld, Nicole. Sie und Ihr Team mußten fliehen und Sie waren sicherlich alle in großer Aufregung.» Er machte eine kurze Pause und ließ die Ärztinnen erst einmal richtig durchatmen. Wenig später fügte er hinzu: «Es besteht große Gefahr für alle unbewaffneten Offiziere, daher schlage ich vor, daß Sie, Doktor, mit Ihrem Team wieder auf die Brücke zurückkehren. Lieutenant Monty wird Sie begleiten.»«Ich stimme Ihnen voll zu, Danny, da können Sie Gift drauf nehmen!» erwiderte Strike. Sicherheitsoffizier Monty machte sich mit dem Ärztinnenteam sogleich auf den Weg zur sicheren Brücke auf dem obersten Deck.

Zwei Minuten später gelangte das Team des Captains sicher bei der Maschinenraumtür an. Als die Gruppe um eine Ecke bog, kurz bevor sie ihr Ziel erreichte, erschrak der momentan führende Bluefox gewaltig und fuhr sein Gegenüber an: «Huch, haben Sie mich erschreckt!» Chollets Gruppe hatte Deck 36 also auch bereits erreicht und man war nun zu zehnt. Sie standen vor der Maschinenraumtür, doch wie wollten sie diese öffnen? Bluefox wies Lore an: «Der manuelle Auslöser.» Er deutete auf eine Konsole rechts vor der Tür. Der Androide ging dorthin und wartete, bis alle aufgeschlossen waren. Bluefox nickte Lore zu, was die Freigabe bedeutete. Der Einsatzleiter tippte einen Code ein und der Schließmechanismus deaktivierte sich. Bluefox witzelte: «Anklopfen wäre vielleicht eine Lösung.» – Das Scherzen sollte dem Captain sogleich vergehen, als sich die ersten Drohnen von ihren Regenerationsalkoven lösten und auf die zehnköpfige Menschengruppe zusteuerten! Hinter Chollets Rücken aktivierte sich ein weiterer Borg, aber der Sicherheitschef merkte es gerade noch rechtzeitig und bevor er dem Hybridenwesen mit seinem Kompressionsgewehr eins überbriet, schrie er noch zu seinen Kollegen hinüber: «Phaser bereithalten!» Etliche Phaserschüsse fielen. Die meisten trafen ihre Ziele haargenau. Bluefox rief Lore zu: «Lore, geben Sie mir Feuerschutz!» Er rannte zur Tür, damit sich diese öffnete, doch dahinter stand eine Wachdrohne! Der Borg wollte gerade zu einem wuchtigen Schlag ausholen, da kam Chollet Bluefox zu Hilfe und riß der kybernetischen Lebensform ihr Hauptstromkabel am Hinterkopf aus! Sie zuckte wild umher und sackte kurz später in sich zusammen! Sogleich mußte Lore seinen Captain erneut verteidigen und schoß auf eine frontal kommende Drohne. Doch der Borg bewegte sich trotz des Treffers weiterhin auf die beiden zu! Lore rief zur Information: «Sie haben sich angepaßt!» Nun war Handarbeit gefragt. Lore ging zur Drohne hin und hackte ihr mit beiden zusammengefalteten, geballten Fäusten in die Augengegend! Der Borg fiel auf einen toten Gesellen und rührte sich nicht mehr. Dann kamen gleich zwei auf den Androiden zu! Doch auch dafür wußte er eine Methode. Er umschlang den Führenden mit beiden Armen und warf ihn zu seinem sich nähernden Kollektivgenossen! Beide strauchelten rückwärts, kippten um und ihre Kabel verhakten sich. Dadurch konnten sie nicht mehr aufstehen. Lore nutzte den reduzierten Gleichgewichtssinn der Borgdrohnen voll aus. – Die etwas unerfahreneren, vorwiegend jungen Crewmitglieder hatten gegen die Drohnen jedoch einige Probleme. Stephen Ceagy zum Beispiel versuchte gerade einer Drohne mit seinem Kompressionsgewehr eine zu verpassen, doch die Drohne konnte sich verteidigen und schmierte ihrerseits dem jungen Wissenschaftsoffizier eins voll ins Gesicht! Fähnrich Ceagy flog rückwärts auf den harten Boden und blieb liegen, in der Hoffnung, die Drohne würde ihn übersehen. Tatsächlich überstieg der Borg den Bruder des Ersten Offiziers Andrew Ceagy und marschierte weiter. Ceagy atmete auf und erhob sich wieder, als die Drohne ihn aus den Augen verloren hatte. Auch andere hatten Mühe, so auch Patrick Strike, der Bruder der Chefärztin Nicole Strike. Er wollte eine Leiter hochsteigen, die auf ein höhergelegenes Deck führte, aber da zerrte ihn eine Drohne am Bein und der Ersatzsteuermann fiel einen guten Meter zurück! Danach kletterte der Borg die Leiter hoch. Der Kollektivgefährte beabsichtigte zum Glück nicht Strike zu assimilieren. Weitere Sicherheitstruppen der Sternenflotte trafen auf Deck 36 als Verstärkung ein und enterten sogleich den Hauptmaschinenraum. Sie lieferten sich eine verbitterte Schlacht mit den Borgdrohnen, die den Menschen nur schon rein körperlich überlegen waren. Ein nicht zur Bluefox-Crew gehörender Sicherheitsoffizier erreichte eine Luke, hinter der sich eine sichere Jeffriesröhre befand. Er öffnete sie und duckte sich um gut hineinkriechen zu können. Da packte ihn plötzlich eine Drohne von hinten am Arm sowie am Kopf und zerrte ihn in den Stand hoch! Der Mann schrie wie am Spieß, weil ihm die derart unsanfte Methode des Borg selbstverständlich starkes Leiden bereitete. Sie ließ ihn mit einer Hand los und aus derselben schossen auf einmal zwei Röhrchen heraus! Sie durchbohrten ohne Probleme den Hals des Securitys und blieben für einige Sekunden stecken! Bluefox, Lore und Chollet versuchten so schnell wie möglich ebenfalls eine sichere Jeffriesröhre zu finden. Lore stand gerade bei einem Tor, als sich eben dieses von selbst öffnete, langsam nach oben fahrend. Es blieb allerdings nach etwa einem Sechstel der normalen Höhe stehen und der Androide merkte dies nicht. Das sollte sich zu seinem Schicksal entwickeln, denn Ein Borg, der, von Lore aus gesehen, hinter dem Tor stand, zerrte an seinen Unterschenkeln und brachte ihn dadurch zu Fall! Dann schleifte er den Einsatzleiter durch den Spalt hindurch! Sofort schnellte das Tor wieder nach unten. Lore war im Maschinenraum verschwunden und keiner außer Chollet und Bluefox bemerkte diese schon fast schelmische Aktion. Die beiden Übriggebliebenen begaben sich durch den Haupteingang in den Maschinenraum und schnappten sich die nächstgelegene Möglichkeit um auf das Oberdeck zu gelangen. Sie fanden eine freie Leiter und kletterten an ihr hoch. Der Captain zeigte auf eine Luke. Der Sicherheitschef reagierte schnell, rannte zu dieser Luke hin und öffnete sie. Bluefox machte sich mit einem Sicherheitsabstand ebenfalls auf zur Öffnung. Chollet kroch rein, Bluefox kauerte bereits nieder. Da rief dem Captain plötzlich eine männliche Stimme zu: «Captain! Hilfe! Bitte! Hilfe!» Bluefox erblickte die Person, die ihn gerufen hatte. Es war der Sicherheitsmann, der vor kurzer Zeit von einer Drohne mit deren Röhrchen am Hals markiert worden war. Der Offizier hatte bereits ein dunkelgraues Gesicht und ein seesternförmiges Borgimplantat an seiner linken Wange. Bluefox richtete seinen Phaser auf den Offizier und beabsichtigte den Mann zu erschießen, denn er hatte ja noch erklärt, daß man den Individuen einen Gefallen täte, weil man sie von ihren Schmerzen befreien konnte. Also feuerte Bluefox ohne zu zögern auf diesen unter fürchterlichen Schmerzen leidenden Security. Gleich danach stieg er in die Jeffriesröhre. Als er vollständig drinnen war, schloß er den Deckel von innen wieder. Er erwischte die Röhre äußerst knapp, denn drei Sekunden später kam bereits eine Drohne mit einem Kreissägeblatt, das in ihrer Armprothese integriert war um die ganze Luke einfach auszuschneiden! Bluefox kroch bis zu einer Kreuzung und bog nach links ab, als plötzlich zwei feuchtkalte Hände an seinen Schultern zerrten und ihn aus dem Gleichgewicht brachten! Wenig später umschlangen sie seinen Bauch und schleiften ihn halb im Stand in eine Ecke, wo sie ihren Griff endlich lockerten. Bluefox riß sich sofort los, stand richtig auf und drehte sich blitzschnell um. Dummerweise löste sich sein Phaser durch diese abrupte Bewegung aus dem Halfter der Uniform und schlitterte genau in die Richtung, wo diese Hände ihn so unsanft hinzerrten! Die andere Person hob den Phaser sofort auf und richtete ihn auf Bluefox! Erst jetzt konnte der Captain sein Gegenüber erkennen und fragte sofort: «Verdammt noch mal, was machen Sie hier?» Es war Annie, die sich von der Gruppe aus der Krankenstation nach deren gelungenen Flucht in extremer Angst abgesondert hatte! Sie fuchtelte mit dem angeeigneten Phaser herum und schrie Bluefox nach dessen Frage an: «Halten Sie den Mund!» – «Beruhigen Sie sich!» besänftigte der Captain Annie. «Wer sind Sie?» fragte sie mit energischem Ton. «Mein Name ist Matthew Bluefox, ich bin Captain dieses Schiffes.» antwortete Bluefox. «Sie können mir auch sagen, daß der Mond aus Emmentalerkäse besteht!» grollte sie. Der Captain sagte verzweifelt: «Es ist wirklich wahr!» – «Ach so, dann habe ich jetzt mal eine Frage an den Captain dieses Schiffes! Könnten Sie mich vielleicht wieder hier raus bringen?» forderte sie aggressiv. Bluefox antwortete: «Also gut, folgen Sie mir!» Sogleich kroch er ihr voraus. Er wollte wirklich, daß die beiden sicher an einen Ort im Schiff kämen, wo gerade keine Borg waren. «Langsam!» rief Annie, die immer noch mit einer Hand den Phaser hielt und auf Bluefox zielte. Sie kamen zu einer Tür der Jeffriesröhre und Bluefox öffnete sie. Er bemerkte erleichtert: «Glück gehabt.» Sie verließen die Röhre und standen nun in einem der kleineren Frachträume. Sie fragte verwundert: «Und wo sind wir jetzt?» – «In einem Frachtraum. Von hier aus kann ich mit Glück auf eine Kontrollkonsole zugreifen, obwohl die Energie ausgefallen ist. Verstehen Sie, wir sind Gefangene auf unserem eigenen Schiff!» gab Bluefox zur Antwort. Annie fragte: «Wer nahm Sie und Ihre Kollegen gefangen?» – «Die Borg.» antwortete Bluefox. «Borg. Klingt schwedisch.» bemerkte die Schweizerin aus der Vergangenheit. Sie glaubte dem Captain jetzt eher und begriff mit der Zeit, daß er nicht freiwillig von Gefangenschaft und den damit verbundenen negativen Gefühlen redete. Bluefox bat Annie: «Hören Sie, ich denke, wir sitzen beide im selben Boot. Geben Sie mir bitte diesen Phaser. Ich möchte nicht, daß jemand zu Schaden kommt.» Sie kam einen Schritt auf ihn zu und legte ihm den Phaser mit einer schnellen Bewegung in seine ausgestreckte rechte Hand. Sie sprach in Erstaunen: «Das war meine erste Strahlenkanone!» Bluefox schaute sich den Phaser an und bekam einen Nachschrecken! Er musterte kurz die Anzeige des Phasers und bemerkte: «Maximale Feuerkraft! Wenn Sie den abgefeuert hätten, dann hätten Sie mich pulverisiert!» Er bat die nun etwas schüchtern gewordene Annie: «Schauen Sie mal dorthin.» Sie wanderte mit ihren Augen in die Richtung, wo Bluefox hinzeigte. Er öffnete die Hauptluke, die einen Blick direkt in den Weltraum ermöglichte. Sie konnte ihren Augen nicht trauen! Was sie sah, übertraf ihre gesamte Vorstellungskraft! Bluefox zeigte auf bestimmte Stellen. Er nannte die gezeigten Orte beim Namen: «Das Schwarze Meer, die Donau, der Rhein. Die Alpen überfliegen wir gleich, aber halten Sie den Atem an, denn es ist ein langer Weg bis nach unten. Oder wollen Sie doch lieber mit mir einen Weg durch das Raumschiff suchen, bis wir in Sicherheit sind?» fragte er mit einem Schmunzeln, in der vollen Sicherheit, sie würde auf die zweite Variante setzen, was sie auch tat. Sie antwortete ohne langes Überlegen: «Ich denke, ich komme mit Ihnen mit.» Bluefox stellte sich noch einmal vor: «Wie ich schon sagte: Matthew Bluefox, das ist mein Name. Wie lautet Ihrer?» fragte er. «Annie.» gab sie zur Antwort. Die Angst war nun auch bei ihr etwas überwunden. «Willkommen an Bord, Annie.» sprach Bluefox und lächelte kurz. Er wollte ihr den Bammel so gut und leicht wie möglich nehmen. Annie folgte ihm in die Jeffriesröhre, aus der er vor wenigen Minuten herauskam. Bluefox kannte sein Schiff zumindest so gut, daß er bei irgendeinem Deck wieder herauskommen konnte, wenngleich er auch nicht immer genau wußte, auf welcher Ebene er wohl landen würde.
Auf dem Holzweg war der arme Lore. Er wurde in einen speziellen Regenerationsalkoven verfrachtet. Der Alkoven neigte sich automatisch um 90 Grad, so daß er mit etwas Phantasie ein Bett darstellte, allerdings ein etwas unbequemes Bett, wohlbemerkt. Auf einmal setzte sich das Gerät samt Lore in Bewegung und glitt einige Meter weit nach oben und nach vorne Richtung Warpkern. Ungefähr fünf Meter vom Kern entfernt hielt er an und blieb stehen. Lore schaute sich um. Er konnte sehen, daß der Warpkern mit einer grünen Flüssigkeit durchflutet wurde. Es war also nicht mehr das blaue Warpplasma, sondern irgendetwas anderes, was die Borg mitgebracht hatten. Lore guckte zu einer Schalttafel hinüber. Vier Drohnen waren daran beschäftigt den Verschlüsselungscode herauszubekommen, den Lore ja noch eingetippt hatte. Der Androide behauptete: «Ihre Bemühungen den Code zu knacken, werden nicht erfolgreich sein. Ebenso wenig wie Ihr zweites Vorhaben mich in das Kollektiv zu assimilieren.» Da ertönte eine sanfte weibliche Stimme von der Decke her mit einem leichten Echo: «Tapfere Worte. Ich habe sie schon von über tausend Spezies in über tausend Sprachen gehört. Aber jetzt sind sie alle Borg.» Lore schaute hoch, aber er konnte nichts und niemanden erkennen. Er redete ins Nichts: «Ich gleiche keiner Lebensform, die Ihnen je begegnet ist. Die Codes meines Neuralnetzes können nicht mit Gewalt entfernt werden.» – «Sie sind ein unvollkommenes Wesen, geschaffen von einem unvollkommenen Wesen. Ihren Schwachpunkt zu finden ist nur eine Frage der Zeit.» kam es zurück. Daraufhin begann eine Drohne Lores Androidenkopfhaut mit zwei handeigenen Bohrern zu durchlöchern!

Auf der Erde: Hanspeter Örgelisauer, Andrew Ceagy und Steevy Knight verließen das hinterste Partyzelt. Auch Tanya Steaner gesellte sich zu den drei Personen. Örgelisauer kicherte, weil er immer noch nicht glaubte, daß die Crewmitglieder der Bluefox mit einem Raumschiff auf die Erde gekommen waren und daß eine kybernetisch-organische Rasse aus der Zukunft die Erde angreifen wollte. Er faßte zusammen: «Also, wenn ich das richtig verstehe, Commander: Kybernetische Wesen aus der Zukunft machten eine Zeitreise und kommen genau jetzt hierher um die Menschheit zu versklaven! Das ist irre! Solch eine Story habe ich noch nie gehört! Und Sie wollen die also aufhalten?!» Ceagy stimmte zu: «Ganz recht.» Örgelisauer grölte: «Tod und Teufel! Sie sind ein Held!» Ceagy entgegnete: «Wir werden es Ihnen beweisen. Tanya, haben Sie sie?» Steaner stand an einem irdischen Teleskop und suchte die Bluefox. Sie fand sie auch kurz darauf und rief den anderen zu: «Ja, habe ich!» Sie winkte zu den drei hinüber und forderte den Eglisauer Erfinder auf, er sollte mal ins Teleskop blicken. Örgelisauer torkelte zur Station und guckte hindurch. Zuvor sagte er noch: «Ja, ich mag eine gute Peepshow!» Als er dann aber am Nachthimmel wirklich die Bluefox sehen konnte, fiel ihm fast der Kinnladen herunter! Er drehte sich um, grinste verschmitzt zu den Crewmitgliedern der Bluefox hinüber und meinte: «Das ist ein Trick!» Er lief zur Vorderseite des Teleskops, blickte plötzlich ernst drein und fragte: «Wie machen Sie das?» Steaner antwortete mit einem verschmitzten Lächeln: «Es ist Ihr Teleskop!» – «Und Annie ist jetzt auf diesem Schiff da oben?» fragte Örgelisauer. Ceagy bestätigte: «Ja, genau.» Der Schweizer wurde unsicher und wollte wissen, was er tun sollte. Steaner antwortete: «Ganz einfach. Führen Sie morgen früh Ihren Warpflug durch, wie geplant.» Örgelisauer fragte verwundert: «Warum morgen früh?» Ceagy klärte ihn auf: «Weil an diesem Zeitpunkt ein fremdes Schiff dieses Sonnensystem durchfliegen wird.» – «Fremd? Sie meinen Außerirdische? Noch mehr böse Jungs?» hakte Örgelisauer mit deutlich erkennbaren Stirnfalten nach. Steaner erklärte: «Gute Jungs. Sie sind auf einem Erkundungsflug.» Ceagy unterrichtete Örgelisauer: «Verstehen Sie es jetzt, Doktor? Wenn diese Jungs merken, daß die Menschen jetzt schneller als das Licht fliegen können, dann werden sie neugierig und ändern ihren Kurs! Sie werden die Erde ansteuern und den ersten Kontakt mit den Menschen herstellen, genau hier!» – «Hier?» staunte Örgelisauer. «Genauer gesagt, dort drüben.» antwortete Steaner. Die Chefingenieurin zeigte auf eine kleine Anhöhe vor der Waldgrenze. Ceagy setzte nach: «Diese Erfindung ist von unglaublichem Wert! Mit dem Warpantrieb werden ganze Raumflotten gebaut! Die Menschheit wird ein Ganzes! Durch diese Erfindung vereinen sich alle Länder und setzen sich zusammen! Krieg, Armut und Krankheit wird es in den kommenden hundert Jahren nicht mehr geben! Und abgesehen davon, Sie persönlich werden noch einiges verdienen dabei. Wenn Sie diesen Warpflug nicht durchführen, bevor es 11:15 Uhr ist, dann wird dies alles jedoch niemals geschehen!» Der Erste Offizier war äußerst gespannt darauf, was Örgelisauer antworten würde. Der antwortete aber noch nicht, sondern fragte zuerst noch etwas: «Aber was seid ihr denn? Astronauten auf einer Art „Star Trek“?» Ceagy gab zur Antwort: «Ich weiß, daß das alles sehr schwer für Sie zum Verstehen ist, aber wir brauchen einfach ganz dringend Ihre Hilfe!» Hanspeter Örgelisauer schaute für einen Augenblick in die Sterne, bis er schließlich sprach: «Warum nicht?» Alle Offiziere atmeten erst mal tief durch und freuten sich riesig über die Entscheidung des Eglisauer Erfinders!

 
Unterdessen ging die Menschenjagd der Borg auf den Decks der Bluefox weiter. Ein älterer Security wollte gerade abdrücken, aber da funktionierte plötzlich gar nichts mehr bei seinem Kompressionsgewehr. Er drückte immer wieder auf den Feuerknopf, aber kein Schuß fiel. Die Drohne erreichte den Offizier, packte ihn am Hals und wandte das bekannte Verfahren an. Der Sicherheitsmann folgte der Drohne nach kurzer Zeit automatisch, schon ganz im Geiste des Kollektivs. – Nur noch wenige Drohnen fielen den Phasergewehren der Menschen zum Opfer. Gerade konnten die Fähnriche Strike und Ceagy wieder zwei Drohnen erschießen, aber bereits nach einigen Sekunden paßten sich die Borg auch an diese neue Frequenz an. Bald waren nur noch wenige Crewmitglieder übrig. Der Widerstand war nun wirklich je länger, je mehr zwecklos geworden. – Ein Vierertrupp, der zur Gänze aus fremden Offizieren bestand, brach gerade eine Tür ein. Aus dem Dunkel erschienen plötzlich acht rote Laserstrahlen. Es waren natürlich Drohnen, die sich dem dunklen Korridor entlang in die Richtung der Sicherheitskräfte bewegten. Die kybernetischen Teilchen, die sich überall an den Körpern der Borgdrohnen befanden, bewegten sich intensiv und erzeugten ein zirpendes Geräusch!
Chollet sowie auch Monty mit dem medizinischen Stab erreichten die Brücke rechtzeitig. Man konnte auch von der Brücke aus nichts anderes tun als warten und hoffen, daß noch mehr Leute diesen sicheren Ort erreichen würden. Haldman war an der Ops und Lt. Blater am Steuer. Plötzlich öffnete sich im Boden tatsächlich eine Notöffnung! Es waren Patrick Strike und Stephen Ceagy. Sofort verlangte Chollet von den beiden völlig erledigten Offizieren einen Bericht. Strike erzählte: «Die Borg kontrollieren die Decks 44 bis 18, aber bei der Einnahme von Deck 18 haben sie aufgehört! Wir waren total überrascht, wenn nicht minder erfreut!» Chollet wurde stutzig und sagte: «Sie haben mehr als die Hälfte des Schiffes assimiliert! Warum hören sie jetzt auf? Gillian, was befindet sich alles auf Deck 18?» Haldman antwortete: «Nur die Stellarkartographie. Nichts Lebenswichtiges.» Der Sicherheitschef entgegnete verwundert: «Sie hätten dort nicht aufgehört, wenn es ihnen nicht einen taktischen Vorteil verschaffen würde. Fähnrich Strike, Fähnrich Ceagy, gehen Sie wieder auf Posten und erstatten mir alle zehn Minuten Bericht. Entfernen Sie sich nicht allzu weit von der Brücke.» Es war Danny Chollet selbstverständlich bewußt, daß dies besonders für die jüngeren Leute wohl die härteste Mission ihrer Karriere sein würde. Aus seiner Laufbahn als Offizier in der Sternenflotte kannte er ebenfalls keine vergleichbare Mission.
Im Maschinenraum war Lore immer noch auf dieser Trage festgeschnallt. Er bekam zwei Armschellen und zwei Fußschellen verpaßt! Wieder begann diese leicht hallende Stimme von der Decke zu sprechen. Sie fragte: «Sind Sie bereit?» Ohne auf die Frage näher einzugehen fragte Lore zurück: «Wer sind Sie?» – «Ich bin die Borg.» hallte es zurück. Lore korrigierte: «Das ist ein Widerspruch. Die Borg sind ein Kollektiv. Es gibt keine Individuen.» Der Einsatzleiter konnte plötzlich mit seinen Augen verfolgen, wie sich ein Kopf mit etwas Körperpartie, der an drei Strippen festgemacht war, abseilte! Aus einer Luke im Boden fuhr auf einmal ein dazu passendes Unterteil heraus und stand zur Kombination mit dem oberen Teil bereit. Nach ein paar Sekunden pflanzte sich die obere in die untere Körperpartie ein und daraus entstand eine weibliche Drohne! Sie sprach: «Ich bin der Anfang, das Ende. Die eine, die viele ist!» Vom Hinterkopf aus führten einige genau parallel verlaufende Schläuche zum Rücken hin. Mit viel Phantasie hätte dies als Frisur bezeichnet werden können. Sie ging auf den Androiden in dessen Alkoven zu und sprach: «Ich bin Borg.» – «Ich grüße Sie! Ich bin neugierig! Kontrollieren Sie das Borgkollektiv?» fragte Lore. Die Borg antwortete: «Sie vermuten eine Unvereinbarkeit, wo keine existiert! Ich bin das Kollektiv!» – «Vielleicht sollte ich meine Frage anders formulieren. Ich würde gerne Ihre Organisationsstruktur verstehen. Sind Sie die Anführerin?» fragte Lore. «Ich bringe Ordnung in das Chaos.» antwortete sie. «Eine interessante, wenn auch rätselhafte Antwort.» bemerkte Lore. «Sie sind das Chaos, Lieutenant-Commander Lore! Sie sind der Widerspruch! Eine Maschine, die menschlich sein möchte!» entgegnete die Borgdame mit ernster Miene. «Da Sie scheinbar so viel über mich wissen, sollten Sie sich auch im Klaren sein, daß mein Ziel menschlicher zu werden mein Weg dazu ist mich zu verbessern!» erklärte Lore. «Auch unser Bestreben ist uns zu verbessern. Wir wollen uns zur Vollkommenheit entwickeln.» erklärte die schleimige Drohne. Lore korrigierte sie: «Verzeihen Sie, aber die Borg entwickeln sich nicht, sie erobern.» – «Indem wir andere Kulturen in unser Kollektiv assimilieren, bringen wir sie näher an die Vollkommenheit heran!» beschrieb das Oberhaupt des Kollektivs. Lore stellte fest: «Irgendwie hege ich Zweifel an Ihren Motiven.» – «Weil Sie noch nicht auf die richtige Weise stimuliert wurden!» erwiderte die „Borgkönigin“ mit einem Schmunzeln auf ihren Lippen. Kurz darauf veränderte sich Lores Gesichtsausdruck erheblich! Der Androide wirkte erschrocken und fragte: «Sie haben meinen Emotionschip reaktiviert! Warum?» – «Haben Sie keine Angst.» hauchte die Königin. Lore versuchte sich zu verstellen und kicherte: «Ich habe gar keine Angst!» Sie öffnete die rechte Armschelle. Was er sah, konnte er fast nicht glauben! Die Queen fragte: «Wissen Sie, was das ist, Lore?» – «Ich nehme an, Sie versuchen organische Haut auf meine Skelettkonstruktion zu übertragen.» antwortete Lore. Sie hauchte: «Was für eine kalte Beschreibung für so ein wunderschönes Geschenk!» Dann kam sie mit ihrem Gesicht ganz nahe an die Stelle, wo die Menschenhaut in Lores Arm implantiert war und hauchte das Hautstückchen schwach, aber lang anhaltend an. Lore mußte wieder kichern, denn es kitzelte ihn natürlich. Dazu bekam er auf diesem kleinen Fleck Haut noch eine Gänsehaut! Die Königin richtete sich langsam wieder auf und wollte von Lore wissen: «Hat Ihnen das gefallen?» Der Androide war noch vollkommen überwältigt und sagte gar nichts!
 
Unterdessen erreichten Cpt. Bluefox und Annie ein Deck, wo noch keine Drohnen waren. Er erzählte ihr etwas von der Föderation: «In der Föderation der Vereinten Planeten sind über 150 Planeten eingeschlossen. Die sind fast 10'000 Lichtjahre weit auseinander verstreut.» Annie bemerkte: «Sie kommen sicher nicht oft nach Hause.» – «Ich betrachte dieses Schiff als mein Zuhause.» antwortete der Captain. Sie liefen gerade über das Promenadendeck, das sich auf Deck 17 befand. Annie staunte über das Schiff und wollte wissen: «Wieviel hat dieses Ding denn gekostet?» – «Nun ja, heute ist der Reichtum nicht mehr die treibende Kraft im Leben der Menschen. Im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld mehr.» erklärte Bluefox. «Es gibt kein Geld mehr?» wiederholte Annie ungläubig. Der Captain gab ihr ein Beispiel: «Ein junger Ingenieur ist mit Dutzenden von Kollegen daran beteiligt ein neues Raumschiff zu entwerfen und danach auch zu bauen. Es ist der Prototyp einer neuen Raumschiffsklasse. Wenn es fertig ist, darf er mit seinen Kollegen auf dem Jungfernflug dabei sein. Er durchläuft jedes Deck und plötzlich sieht er da eine gewisse Stelle, von der er noch genau weiß, daß er sie selbst gefertigt hat. Die Gewißheit an einem riesigen Projekt mitgearbeitet zu haben ist für so einen jungen Menschen das Größte! Viel größer und umfassender als die Sicherheit Millionär zu sein! Die Rohstoffe werden nicht mehr eingekauft, sondern von Planeten und Monden abgebaut, neuerdings auch repliziert! Aus den erlangten Ressourcen wird dann alles hergestellt.» Annie wirkte äußerst beeindruckt und schwieg für einen Moment, während sie kontinuierlich weiterliefen. Beim Einbiegen in einen Korridor fragte sie: «Wie groß ist dieses Schiff?» – «Es hat 46 Decks. Es ist 700 Meter lang und 80 Meter breit.» gab Bluefox zur Antwort. Annie schüttelte den Kopf und sprach: «Einfach unglaublich! Ich habe vier Monate gebraucht, um genug Titan zusammenzubringen für ein Viermetercockpit! Die Frontpartie war besonders heikel.» Bluefox lächelte ihr freundlich zu und gab ihr somit die Gewißheit, daß er ihr auch zuhörte. Er war froh, daß seine Gesprächspartnerin endlich etwas offener geworden war.

Wenig später kamen die beiden an einer Kontrolltafel vorbei, die in der Wand eingebaut war. Der Captain ging dorthin um etwas zu checken. Nach einem flüchtigen Blick auf den Bildschirm bemerkte er: «Gut, sie haben den Verschlüsselungscode noch nicht geknackt.» Annie hatte eine Gedächtnislücke und fragte nach: «Wie heißen nochmals diese schwedischen Zombies, von denen Sie erzählt haben?» – «Borg.» antwortete Bluefox knapp. «Genau!» bemerkte Annie und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Sie fügte an: «Aber jetzt nochmals wegen dem Geld: Sie wollen sagen, daß Sie für diesen wichtigen Job hier nicht bezahlt werden?» «Nein, nein, wir arbeiten heute um uns selbst zu verbessern und den anderen Menschen zu helfen, daß auch sie sich verbessern können.» antwortete Bluefox. Er schmunzelte plötzlich und fügte hinzu: «Eigentlich sind wir genau so wie Sie und Doktor Örgelisauer.» Annie lachte befreit für einen kurzen Moment. Dieses Lachen blieb ihr aber gleich im Halse stecken, als die beiden um eine Ecke kamen und Annie nach links schaute! Ungewollt stieß sie einen Entsetzensschrei aus! Auch Bluefox erschrak und rief sofort in aller Geistesgegenwärtigkeit: «Zurück, zurück!» Sofort ging Annie hinter dem im Verhältnis großgewachsenen Mann in Deckung. Was Annie erblickt hatte, waren ungefähr zehn Borg, die sich gerade an einer Wand zu schaffen machten. Sorgfältig und langsam gingen Bluefox und Annie durch die Drohnenmenge hindurch. Die Borg ignorierten die beiden zum guten Glück. Im Moment stellten die beiden für die Drohnen wirklich keine Gefahr dar. Annie bemerkte: «Eindeutig keine Schweden.» Bluefox jedoch war nicht mehr in der Stimmung um über Annies Vergleich zu lachen, denn er mußte nämlich nicht nur auf sich, sondern auch noch seine Begleiterin aus der Vergangenheit aufpassen und das verlangte die doppelte Konzentration. Als sie bei einer T-Kreuzung des Decks nach links abbiegen wollten, berührte die Schweizerin aufgrund einer Unaufmerksamkeit eine vorbeilaufende Borgdrohne mit ihrer Schulter und schrie laut auf, doch der Borg machte keine abnormalen Bewegungen und setzte seinen Marsch fort. Laute Schreie bedeuteten für die Borg noch keine ernstzunehmende Gefahr. Annie zitterte am ganzen Körper! Das Touchieren mit der Drohne fuhr ihr ziemlich stark ein. Sie fragte stotternd: «Gibt es nicht noch einen anderen Weg?» – «Ich habe einen Plan. Lassen Sie mich machen.» antwortete Bluefox. Er brauchte einen Borg-Neuroprozessor. Diese innere Hardware zeichnete alle Pläne und Vorgänge des Kollektivgeistes auf und speicherte sie für die kommenden Minuten. Bluefox wollte daher natürlich einen möglichst frischen Prozessor. Dafür brauchte er jedoch eine lebendige oder eine kurz zuvor getötete Drohne. Er konnte selbstverständlich keinen Borg töten in dieser Drohnenschar, denn sonst wären die anderen zwanzig Kollektivgenossen im hörbaren Umkreis mit Sicherheit nicht so gutgelaunt gewesen, wie sie es zur Zeit noch waren, wenn man dies ins Verhältnis mit dem Aggressionszustand stellt.

Zum Glück von beiden gelangten Bluefox und Annie nach einigen Minuten zu einer Holodecktür. Bluefox meinte erfreut: «Das ist ja wie Ostern und Weihnachten an einem Tag!» Er bediente das Schaltpult des Holodecks und gab ein Programm ein, das möglichst viele Menschen auf einer kleinen Fläche beinhaltete. Er fragte Annie: «Wie wäre es mit etwas aus dem klassischen Fernsehen?» Daraufhin rief er ohne eine Antwort abzuwarten ein ihm gut bekanntes Programm auf: "The Big Goodbye, Star Trek – The Next Generation, Chapter 12". Nachdem Bluefox seine Einstellungen abgeschlossen hatte, zückte er ohne Vorwarnung seinen Phaser und feuerte Richtung Nordwand des Korridors! Annie rief entsetzt und panisch: «Verdammt, was machen Sie?» Bluefox drückte den Auslöseknopf für das Holoprogramm und öffnete die Tür. Nachdem beide das Holodeck mit vollem Körperumfang betreten hatten, schloß sich die Tür sofort wieder und blieb verschlossen, weil dies Bluefox so programmiert hatte. Das war auch sehr klug von ihm, denn nur drei Sekunden später hämmerten zwei Drohnen auf die massive Tür ein. Bluefox hoffte, sie würde der geballten Schlagkraft der beiden Borg für mindestens so lange widerstehen, bis er und Annie sich ungesehen unter die Leute gemischt haben würden. Das Szenario bestand aus einem gut bevölkerten Tanzparkett. Das prunkvolle helle Lokal erinnerte an die früheren Dekaden des zwanzigsten Jahrhunderts. Im Hintergrund schwebten der Gesang einer Frauenstimme und die Klänge von Tanzmusik einer Liveband in der Luft. Sofort mischten sich Bluefox und Annie unter das Volk. Passend zur Szenerie wechselte nebenbei noch die gesamte Kleidung der beiden einzigen echten Menschen auf dem Holodeck. Die beiden Drohnen benötigten in der Tat nur wenige Sekunden um die Tür zu öffnen und ins Programmgeschehen einzugreifen. Der Portier des Etablissements stellte sich vor die beiden kybernetischen Wesen und wies sie zurecht: «Tut mir leid, meine Herren, aber wir schließen! Wir haben auch strenge Bekleidungsvorschriften, also wenn ihr nicht sofort geht...» Weiter kam der Empfangsherr nicht, denn er wurde von der linken Drohne mit ihrem roten Laserstrahl untersucht! Schon hatten die beiden Borg bemerkt, daß es ein Hologramm war. Sie sahen in ihm nur noch ein unbedeutendes Hindernis und behandelten ihn auch dementsprechend. Bluefox konnte die beiden grauen Gestalten nun auch durch die Menschenmasse hindurch erkennen, aber er tanzte mit Annie weiter, als sähe er nichts. Dadurch machten er und seine Tanzpartnerin keine komische Falle. Annie jedoch guckte ohne Unterbruch zu den beiden Borg hinüber. Bluefox wies sie nervös an: «Nein, nein, sehen Sie mich an, verhalten Sie sich ganz natürlich! Für diese Drohnen sind wir Freiwild!» Nach dem Schluß des Liedes ging Bluefox zur Bar hinüber und fragte: «Wo ist Freyer, der Chef der Bar?» – «Oh, tut mir leid, Sir, der hat heute frei. Erst morgen ist er wieder da.» antwortete der altmodisch aussehende Stellvertreter. Bluefox schnalzte mit den Fingern und sprach: «Das ist das falsche Kapitel!» Da flog plötzlich der Portier in hohem Bogen mitten in die Menschenmenge hinein! Die Drohnen wollten so schnell wie möglich durch die Masse hindurchgelangen, denn sie konnten Bluefox an seinem Gesicht erkennen! «Computer, Neustart: Kapitel 13!» befahl der Captain dem Computer. Ein neues Szenario bildete sich. Freyer stand nun tatsächlich hinter der Theke. Bluefox haute ihn sofort an und begrüßte ihn: «Freyer! Wie geht’s denn?» – «Super! Das Geschäft boomt! Die Leute fliegen richtiggehend auf unsere Hotelbar!» antwortete der holographische Barkeeper. Annie fügte an: «Da ist was dran. Sie fliegen sogar fast bis zur Theke hervor!» Bluefox erklärte: «Ich habe ein kleines Problem. Da draußen hat mir einer mit Mord gedroht. Ich brauche kurz dein Gewehr um mich zu verteidigen. Ist das möglich?» Natürlich war diese Geschichte einfach aus der Luft gegriffen. Freyer antwortete hilfsbereit: «Für einen alten Freund doch immer!» Freyer nahm sein Gewehr unter der Theke hervor und sagte: «Hier hast du es, aber paß’ auf! Es ist geladen!» – «Danke, Freyer, und weiterhin viel Spaß mit Martinis und Bräuten!» bedankte sich Bluefox mit einem Bonmot aus alter Zeit. Sogleich befahl er dem Computer: «Sicherheitsprotokolle abschalten!» Gleich nach dem Bestätigungston eröffnete Bluefox das Feuer auf die beiden Drohnen! Die Holomenschen konnten sich in Rettung bringen, denn Bluefox war ein sehr genauer Schütze. Und wenn schon, es hätte nicht viel ausgemacht, wenn er einen Tänzer oder eine Tänzerin getroffen hätte, denn es waren ja keine Menschen aus Fleisch und Blut, sondern Repliken aus Photonen und Kraftfeldern. Bluefox mußte gar nicht viele Schüsse abgeben, denn die beiden Drohnen hatten gegen unassimiliertes Hartmaterial aus dem Jahre 1938 keinen Stich. Kurze Zeit später lagen die Borg bereits flach. Der Captain sagte zum Computer: «Holographische Personen deaktivieren.» Praktisch alles verschwand. Nur noch die beiden toten Borg und die echten Protagonisten waren in der leeren Bar zurückgeblieben. Der Captain untersuchte eine Drohne und konnte ihr aufgrund seiner Kollektivkenntnisse den Neuroprozessor ohne große Suchaktionen entnehmen. Annie rief entsetzt: «Mein Gott, das ist eine von Ihren Uniformen.» – «Das war Fähnrich Montgomery vom Raumschiff Netherwell. Keiner aus meiner Crew, aber trotzdem Sternenflotte.» erkannte Bluefox. Annie bemerkte: «Pech, was?» – «Pech.» wiederholte Bluefox. Annie zeigte auf das kleine Gerät, das der Captain aus der Panzerung der Drohne herausgezerrt hatte und wollte wissen, was es sei. Bluefox erklärte: «Das ist ein Neuroprozessor, jeder Borg hat einen. Hier drin sind alle Instruktionen, die diese Einheit vom Kollektiv erhalten hat.» Bluefox las die Instruktionen nur flüchtig, denn er wußte sofort, wie er zu reagieren hatte und klärte Annie auf: «Wir müssen zur Brücke.» Sogleich machten sie sich zusammen auf den Weg dorthin.
 
Auf der Erde waren die Ingenieure darum besorgt, daß die Warprakete in der vorgegebenen Zeit start- und auch flugtauglich wurde. Inzwischen war bereits die Sonne aufgegangen und ermöglichte den Technikern einige Arbeiten auch mal an der frischen Luft ausführen zu können. Das gab zusätzliche Motivation ins Team. Hanspeter Örgelisauer gab den Ingenieuren und Technikerleuten immer wieder Anweisungen und Vorgaben, wie sie die Rakete zurechtmachen sollten. Steaner fragte ihn, ob sie die Warpformel richtig zusammengestellt hätte. Örgelisauer schüttelte den Kopf und fragte sie mit großen Augen: «Das ist aber nicht gerade jedermanns Kost! Sie können das einfach so aus dem Kopf?!» – «Wissen Sie, das lernen wir als Grundtheorie an der Sternenflottenakademie. Den Basiskurs für Warpfeldtheorie muß man belegen und das erste Kapitel heißt „Hanspeter Örgelisauer“.» erklärte die Chefingenieurin. Örgelisauer hatte bereits langsam genug von diesen Vorstellungen, daß er in der kommenden Zeit hoch angesehen und gepriesen würde, aber er wollte für diesen Flug noch ordentlich Geld kassieren. Er stellte fest: «Ich werde von den Ingenieuren Ihres Teams immer so merkwürdig angestarrt und man redet immer von mir. Das ist in meinen Augen sehr seltsam.» meinte er laut zu diesem Thema. Das andere behielt er für sich. Steaner meinte: «Ehrlich gesagt, Doktor, ich bin auch sehr angetan von Ihrer Erfindung! Sie wissen es vielleicht noch nicht, aber auf dieser Anhöhe dort drüben wird in 25 Jahren eine Statue von Ihnen stehen!» – «Statue?» wiederholte Örgelisauer und runzelte die Stirn. Er wünschte nicht recht gehört zu haben. Tanya schwärmte: «Na klar! Aus Marmor, zwanzig Meter hoch! Und Sie schauen in den Himmel und Ihre Hand reckt sich sozusagen der Zukunft entgegen!» Den Eglisauer Raketentüftler interessierte die Sache nicht mehr, daher wollte er das Thema mit einem klassischen Dialogkiller beenden und sagte: «Ich muß mal schiffen!» Steaner schaute verwundert um sich und fragte Örgelisauer: «Schiffen? Ich sehe hier nirgendwo ein Schiff!» Sie war nicht so geübt in Begriffen und Redensarten im Soziolekt des mittleren 21. Jahrhunderts. Er fragte genervt: «Müssen die Leute im 24. Jahrhundert nie pinkeln?»

«Ah, schiffen! Verstehe.» gab Steaner von sich und lachte. Örgelisauer entfernte sich von der Anlage, wo sich die Partyzelte und die Raketenbasis befanden. Auf halbem Wege drehte er sich nochmals zu Steaner um und bemerkte: «Ach ja, die Warpformel war übrigens richtig. Sie haben gut aufgepaßt!» Steaner lächelte Örgelisauer freundlich an. Er erwiderte ihr Lächeln rasch und drehte daraufhin endgültig ab.
 
Bluefox und Annie erreichten inzwischen die Brücke. Der Captain wurde von verwunderten Gesichtern empfangen. – «Captain? Ich dachte...» wollte Strike einen Satz anfangen, aber Bluefox unterbrach sie: «Die Berichte über meine Assimilierung ins Borgkollektiv sind stark übertrieben. Doktor, ich habe noch jemanden gefunden, den Sie in der Krankenstation vermißt hatten. Darf ich vorstellen: Annie.» Er wandte sich zu Annie und sprach: «Annie, das sind Doktor Nicole Strike und Lieutenant-Commander Danny Chollet.» Strike war froh, daß der Schweizerin nichts passiert war und sagte zu Annie: «Sie haben doch sicher auch einen Nachnamen.» – «Casperyte. Annie Casperyte.» sprach Annie. Bluefox sagte: «Oh, das ist ein klangvoller Nachname, aber schwierig zu merken. Ich werde Sie, wenn Sie nichts dagegen haben, weiterhin Annie nennen.» Annie entgegnete mit einem leichten Lächeln: «Kein Problem, Captain.» Bluefox leitete das neue Hauptthema ein: «Nun, da die erfreulichen Ereignisse am Ausklingen sind, kommt jetzt eher wieder ein Tiefflieger: Die Borg wollen auf unserer Deflektorschüssel unterhalb der Brücke, also auf der Außenhülle des Schiffes, eine Interplexboje aufbauen.» Der Captain wurde von Whiteman unterbrochen: «Interplex?» Bluefox erklärte den Begriff genauer: «Das ist ein Subraumtransmitter. Wenn sie die Boje aktivieren, können sie Kontakt mit den Borg aufnehmen, die im 24. Jahrhundert leben.» Strike meinte verwundert: «Aber in der Gegenwart sind die Borg noch im Delta-Quadranten!» Bluefox erwiderte unbeeindruckt: «Sie werden durch einen weiteren Zeitstrudel Verstärkung schicken. Die Menschheit wird ein leichtes Ziel darstellen ohne jeglichen Widerstand.» Er drehte sich zu seinem Sicherheitschef um und fragte ihn: «Mr. Chollet, gibt es etwas zu berichten?» – «Vieles, aber ich halte mich kurz und erzähle nur das Nötigste: Die Borg kontrollieren mehr als die Hälfte des Schiffs. Wir haben versucht die Brücke und die umliegenden Decks wieder mit Energie zu versorgen. Erfolglos, wie Sie an der Dunkelheit erkennen können.» faßte Chollet zusammen. Die Chefärztin fragte den Captain: «Und was machen wir jetzt mit den Borg, die da auf der Hülle spazieren und ihren Transmitter aufbauen?» – «Wir müssen uns Raumanzüge besorgen und die Lage vor Ort erkunden. Mehr als drei Personen sind jedoch zuviel. Es gibt drei Magnetschloßkonsolen außerhalb der Hülle. Wenn wir die Schlösser deaktivieren, löst sich die Deflektorschüssel vom Schiff. Die Borg müssen die Boje ja auf der Schüssel platzieren. Das ist unsere Chance.» Sogleich gab Bluefox Einsatzbefehle ohne groß auf Reaktionen zu warten, da die Zeit relativ knapp war und keiner genau wußte, wie schnell die Borg im Aufstellen einer Kommunikationsanlage im offenen Raum waren. Er sprach: «Danny und Thierry kommen mit mir. Ich weiß, daß unser Transporterchef einen Kurs in der Schwerelosigkeit absolviert hat, deshalb habe ich ihn einem Führungsoffizier vorgezogen. In der Zwischenzeit übernimmt Nicole die Brücke und nimmt die Berichte der Einsatzoffiziere auf den Decks entgegen. Doktor, versuchen Sie mit der Brückencrew nach wie vor die Systeme wieder mit Energie zu versorgen. Annie, wenn Sie wollen, können sich einmal die Brücke und die Lounge ansehen. Das bringt Sie auf etwas andere Gedanken.» Gesagt, getan: Bluefox, Chollet und Whiteman gingen ohne Umwege zum einzigen Frachtraum, der noch nicht von den Borg heimgesucht worden war. Dort holten sie sich Raumanzüge und spezielle, auch im offenen Raum funktionstüchtige Kompressionsgewehre. Chollet informierte das Team: «Maximal drei Schüsse können wir abfeuern, dann haben sie sich darauf eingestellt.» Der Trupp verließ das Innere der Bluefox durch einen speziellen Übergang. Kurz darauf waren sie auch schon bereits im freien Weltraum draußen. Sie begannen der Hülle entlang bis zur Deflektorschüssel zu spazieren. Es war schon noch ein Stückchen Weg bis dorthin.

Auf der Erde suchte man schon längere Zeit Hanspeter Örgelisauer, der nach seinem Austritt zur Toilette verschollen blieb! Tanya Steaner und Andrew Ceagy machten sich auf die Suche nach ihm. Mit ihnen gingen noch einige Eglisauer, darunter Bekannte von Örgelisauer. Wenig später teilten sie sich auf um eine größere Fläche absuchen und überblicken zu können. Da machte Steaner Ceagy plötzlich auf sich aufmerksam: «Menschliches Lebenszeichen, 511 Meter vor uns.» Ceagy fragte Steaner sofort: «Ist es Örgelisauer?» – «Ich müßte einen Bewegungsscan machen.» antwortete die Chefingenieurin. «Tun Sie das.» befahl der Erste Offizier. Er schaute auf ihren Tricorder und konnte erkennen, daß die Person ein kleines Fläschchen in der Hand hatte und es zwischendurch immer wieder zu Munde führte. Ceagy meinte aufgeregt: «Er ist es! Wir müssen ihn kriegen, sonst ist die Menschheit im Eimer!» Sie rannten sofort los um den Helden der Zukunft einzuholen.

Im Maschinenraum tat sich derweil nicht viel. Die Borg bastelten nach wie vor am ganzen Körper von Lore herum. Auf Befehl der Borgkönigin wurde aus ihm ein physischer Mensch gemacht! Die Borgkönigin sah ihren Drohnen zu. Damit es Lore nicht langweilig wurde, stellte er der Queen ein paar Fragen: «Sagen Sie mal, Sie benutzen doch ein Neurorelais auf Primärbasis zur Übertragung der organischen Nervenimpulse in die Zentraldatei meines Positronnetzes, oder?» Er bekam keine Antwort. Das wunderte ihn nicht mal besonders, doch er wollte sie weiter aus der Reserve locken und machte weitere Hypothesen: «Wenn das der Fall ist, wie haben Sie das Problem des stärker werdenden Signalfadings bei den organisch-synthetischen Stoffen gelöst, wenn...» – Das ständige Aufstellen von Hypothesen und das Stellen von für die Borg irrelevanten Fragen nervte die Borgkönigin und sie fuhr Lore mitten in den Satz: «Reden Sie immer so viel?» – «Nicht immer, aber immer öfter!» antwortete Lore und lachte prustend los! Als er sich nach einigen Sekunden wieder einigermaßen erholt hatte, fügte er hinzu: «Clausthaler: Nichts, was ein Borg braucht!» Erneut wurde Lore von einem Lachanfall richtiggehend durchgeschüttelt! Dieses Lachen endete aber plötzlich abrupt, aber warum? Dies sollte sich sogleich zeigen. Lore sprach: «Ich habe mein Ziel erreicht.» Die Königin fragte verwirrt: «Welches Ziel denn?» Lore löste das Rätsel: «Sie haben meinen Emotionschip wieder deaktiviert, danke sehr.» – Die Queen schüttelte kurz ihren Kopf und lief langsam um den liegenden Alkoven herum, an dem Lore festgeschnallt war. Es war ein spezieller Alkoven. Er unterschied sich von den anderen Regenerationseinheiten deutlich: Er war mobil, man konnte darauf jemanden festschnallen und er wich im Design enorm ab. In der oberen Hälfte glich er eher einem Sessel als einem normalen Borgalkoven. – Die Queen fragte Lore: «Warum bestehen Sie immer noch auf dieser primitiven linguistischen Kommunikation? Ihr androides Gehirn ist zu so viel mehr fähig.» Lore antwortete simpel: «Sie wissen doch, daß es mein Bestreben ist menschlicher zu werden.» – «Menschlich. Wir waren einmal genau wie Sie: Schwach, fehlerhaft, organisch. Aber uns gelang die Einbeziehung der Synthetik. Jetzt benutzen wir beides um die Vollkommenheit zu erreichen.» erklärte die Königin. Sie schaute Lore starr an und fügte fordernd hinzu: «Sie sollten das selbe Ziel haben.» Lore konterte: «Zu glauben, man sei vollkommen, ist oft ein Anzeichen von Wahnvorstellungen.» Das Oberhaupt des Kollektivs sagte energisch: «Einfache Worte! Sie kommen von einem einfachen Wesen, welches das angreift, was es nicht versteht!» Lore hatte jedoch auch gegen diese Aussage etwas einzuwenden und entgegnete: «Eins verstehe ich: Sie haben kein besonderes Interesse an mir. Die Zugangscodes des Bluefox-Computers zu knacken ist Ihr Ziel. Dafür werden Sie viele Ressourcen vergeuden. Ich selbst habe sie nämlich programmiert.» Wäre Lores Emotionschip noch aktiv gewesen, dann hätte er sich in diesem Moment wohl total überlegen gefühlt. Die Borgkönigin hauchte leise: «Die Codes zu bekommen ist eines unserer vielen Ziele, aber um es zu erreichen möchte ich Ihnen helfen das Ihre zu erreichen.» Ein Borg hatte seine Hautimplantationsarbeit an Lores linkem oberem Arm beendet und drückte den Knopf zum Schließen der Armschelle. Doch genau in dem Moment schlug Lore dem Borg mit dem kurz frei bewegbaren Arm eins voll ins Gesicht und öffnete mit einigen Tippkombinationen auf einer Konsole des Alkoven die restlichen Schellen. Diese Kombinationen hatte er einige Male einer Drohne abgucken können. Die Queen war für einen Moment total verwirrt und konnte nicht reagieren. Lore schlug mehrere Drohnen kampfunfähig. Dann wollte er zum Warpkern um ein Loch in einen der Plasmakühltanks schlagen zu können, aber die Queen realisierte die Lage schnell wieder und errichtete ein spezielles Borgkraftfeld! Gleichzeitig versuchte sie Lore zu stoppen, indem sie den Emotionschip des Androiden reaktivierte! Lore rannte voll in das Energiefeld hinein und wurde zurückgeschleudert! Hinter ihm standen bereits vier persönliche Wachdrohnen der Queen und umzingelten den Androiden! Ehe Lore reagieren konnte, näherte sich ihm ein Borg blitzschnell und verpaßte ihm mit ihrem stechgabelähnlichen Armwerkzeug einen Stich in seinen bereits mit organischer Haut überzogenen Arm! Dies hinterließ selbstverständlich eine blutende Wunde. Lore hielt sich mit der anderen Hand die Blessur zu und machte ein schmerzverzerrtes Gesicht! Die Queen gab den Drohnen ein Zeichen, sie sollten wieder an ihre Arbeit gehen. Sie ging zu Lore hin und bemerkte spöttisch: «Da stehen Sie und drücken das wunderbare Fleisch an sich, das ich Ihnen geschenkt habe.» Lore wimmerte: «Ich möchte menschlicher werden! Es tut weh, auch wenn es nicht weh tut!»  Die Queen konterte mit ernstem Gesicht: «Sie werden wirklich immer menschlicher, das merke ich. Jetzt haben Sie gerade versucht zu lügen!» Lore rechtfertigte sich: «Meine Programmierung sieht nicht vor mich derartigen Gefühlen zu stellen!» Das stimmte wirklich, jedoch tat es der Queen natürlich kein bißchen leid und sie mußte fast lachen über die momentane Hilflosigkeit des Androiden. Sie näherte sich ihm und fragte ihn auf einmal etwas ganz anderes, etwas viel Persönlicheres: «Sind Ihnen die körperlichen Formen des Vergnügens vertraut?» Sie kam weiter auf ihn zu und stoppte erst, als ihr glitschiges Gesicht nur noch wenige Zentimeter von Lores entfernt war. Sie grinste. Lore wußte zwar, auf was die Königin anspielte, aber es war ihm natürlich total unangenehm. Er antwortete ihr möglichst formell: «Falls Ihre Anspielung auf Sexualität hinzieht: Ich bin voll funktionsfähig, programmiert auf multiple Techniken!» Sie wollte wissen: «Wie lange ist es her, seit Sie sie das letzte Mal benutzt haben?» – «Acht Jahre, drei Monate, zwei Wochen, vier Tage, 16 Stunden...» Die Königin unterbrach Lores übergenaue Zeitangabe und hauchte: «Viel zu lange!» Daraufhin gab sie ihm einen feuchten, kalten, schleimigen Kuß! Er ekelte sich erst vor ihr, aber als er merkte, daß sie noch ganz gut küssen konnte, war es ihm mehr und mehr egal. Nach ein paar Sekunden überkam ihn sogar eine ähnliche Lust wie beim letzten Mal, als er eine Frau geküßt hatte! Als sie schließlich nach ungefähr 15 Sekunden von ihm abließ, konnte er fast nicht mehr genug kriegen und küßte sie gleich nochmals! In Lore kippte also innerhalb von 15 Sekunden der Eindruck gegenüber der Borgkönigin. Erst grauste es ihn und wenig später wollte er gar nicht mehr aufhören.

Inzwischen waren die drei Weltraumspaziergänger bei der Deflektorschüssel angekommen und sahen mindestens zwölf Borg, die an ihrer Arbeit beschäftigt waren. Jeder hatte auf dem Rücken eine Leuchtstange montiert. Diese Stangen sollten von den Drohnen in die passenden Verankerungen auf der Deflektorschüssel gesteckt werden um eine einseitige Verbindung in die Gegenwart aufzubauen, damit seitens der Borg für Nachschub gesorgt war. Chollet riet Bluefox: «Wir sollten Verstärkung herbeordern.» Doch der sprach sich dagegen aus: «Wir haben keine Zeit dafür.» Der Captain schaute sich das gesamte Szenario an und erkannte: «Sie wollen die Boje sogar auf dem Partikelemitter aufbauen, das ist ja noch gediegener. Dann müssen wir nicht einmal die ganze Schüssel in den Weltraum schicken, aber wir müssen die oberen drei Magnetschlösser trotzdem deaktivieren. Machen wir uns auf die Socken.» – Die Offiziere in den Weltraumanzügen watschelten entenähnlich bis zur Wölbung der Schüssel hinunter. Dort befanden sich drei Computerkonsolen für die Bedienung der Magnetschlösser. Bluefox beorderte jeden Mann an eine der drei Konsolen.

Außerhalb von Eglisau war man dem abgeschlichenen Erfinder auf der Spur. Ceagy und Steaner waren ihm schon sehr nahe gekommen. Auch die mitgegangenen Zivilisten konnten ihn sehen. Ceagy gab der linken Gruppe ein Zeichen, daß man ihn von hinten anlaufen sollte. Ceagy und Steaner wollten frontal gehen. Somit hatte er keine Chance davonzurennen. Sie schafften es durch die zahlenmäßige Überlegenheit Örgelisauer zu drei Viertel zu umzingeln und damit seine vorübergehende Kapitulation zu erzwingen. Ceagy fragte ihn: «Suchen Sie immer noch die Toilette?» Örgelisauer rief aus: «Ich will nicht wieder zurück!» Steaner redete dem Doktor ein: «Wir schaffen es nicht ohne Sie! Haben Sie schon vergessen, was alles auf dem Spiel steht?» – «Ich will aber keine Statue sein!» rief er und entwischte durch die einzige einigermaßen freie Lücke! «Dafür haben wir keine Zeit!» sagte Ceagy, zückte seinen Phaser und schoß auf der niedrigsten Stufe Örgelisauer am rechten Arm an! Der fiel einen Wimpernschlag später hin und blieb kurz liegen. Die Gruppe konnte ihn dadurch wieder einholen. Auf dem Weg fragte Ceagy Steaner mit einem Schmunzeln auf den Lippen: «Sie haben ihm von der Statue erzählt?» – Die Chefingenieurin konnte sich, da die Gefahr gebannt war, das Lachen nicht mehr verkneifen!

Das Team auf der Außenhülle der Bluefox hatte sich erfolgreich in alle Richtungen zu den Magnetschloßkonsolen verteilt. Bluefox erinnerte zuvor noch einmal beide Kollegen: «Damit es funktioniert, müssen alle drei Magnetschlösser geöffnet sein. Die Klappen klinken sich dann aus und der Partikelemitter löst sich von der Plattform.» Der Captain öffnete seine Konsole und wechselte zwei Schlüsselkarten aus. Die acht schlitzförmigen Öffnungen waren bis auf den zweiten Schlitz von links mit Karten belegt. Er nahm die Karte im vierten Schlitz von links heraus und ließ sie in die freie Öffnung hineingleiten. Auf dem Konsolenbildschirm war nun zu lesen: „Zugang gewährt.“ Der magnetische Verschluß war gelöst. Die anderen beiden Offiziere versuchten ebenfalls so rasch als möglich an ihren Konsolen den Verschluß zu lösen. Als Whiteman sein Panel erreichte und gerade beginnen wollte eine Schlüsselkarte herauszuklauben, unterbrach ein Borg seine Arbeit und lief zum Transporterchef hin! Die Drohne hatte keine Leuchtstange mehr auf dem Rücken. Zum Glück bemerkte es Whiteman aber rechtzeitig und feuerte einen Schuß aus seinem Kompressionsgewehr ab. Der Borg verlor seine Schwerkraft und segelte in den Weltraum hinaus. Whiteman konnte an seiner Konsole die Karten erfolgreich austauschen. Immer wieder konnten die Borg eine der vielen leuchtenden Stangen auf der Plattform des Emitters anbringen. 18 Stangen mußten am Schluß erfolgreich in den Verankerungen stecken um eine Verbindung zur Gegenwart herstellen zu können. Zur leichten Beruhigung von Bluefox steckten jedoch erst vier Stangen und das Außenteam war bereits zwei Minuten auf der Hülle. Der Captain rechnete für sich und sein Team, daß sie in weniger als einer Viertelstunde die ganze Sache erledigt haben sollten. Nun kam ein Borg auf Chollet zu. Der Sicherheitschef bemerkte ihn sofort und feuerte, doch der Schuß prallte auf ein grün aufleuchtendes persönliches Sicherheitsfeld unmittelbar vor der Drohne. Chollet rief den anderen zu: «Sie haben sich darauf eingestellt!» Er nahm aus einer Tasche seines Weltraumanzuges plötzlich eine Überraschung heraus! Es war eine massive Eisenkugel, etwas größer als ein Baseball! Mit solchen Kugeln spielte man sonst eigentlich die beliebte französische Sportart Pétanque. Mit dieser Kugel und den bloßen Händen mußte sich der Steirer gegen die kybernetisch weiterentwickelte Lebensform verteidigen. Als der Borg nur noch fünf Meter vor Chollet war, holte der tapfere Kunstturner in einem weiten Radius aus und beförderte die Pétanque-Kugel in direktester und schnellster Linie in die Richtung, wo sich bei Männern normalerweise die Genitalien befinden. Chollet verfehlte sein Ziel nicht und traf den Borg heikel an dessen empfindlichster Stelle. Da auch Borgdrohnen nicht absolut kybernetisch, sondern zu einem kleinen, aber bestimmenden Teil noch organisch waren, sollte dieser Treffer seine Wirkung nicht verfehlen. Die Drohne sackte erst in die Knie und dann vollkommen auf den Boden. In diesem Zustand war der Borg nicht mehr im Stande sich auf irgendetwas vorbereiten zu können und Chollet konnte ihn mit Leichtigkeit durch einen Schuß aus seinem Kompressionsgewehr erlösen. Nach dieser vollends gelungenen Aktion hatte auch der Sicherheitschef Zeit seine Schlüsselkarten auszutauschen. Er rief noch zur allgemeinen Information: «Magnetischer Verschluß ist an allen drei Konsolen gelöst!» Bluefox und Whiteman verstanden ihn dank der Kommunikatoren perfekt. Man mußte lediglich lauter sprechen als normal. – Nun mußte etwas Neues getan werden. An jeder Kontrollkonsole gab es zwei Hälften. Die linke Hälfte diente zur Auswechslung der Schlüsselkarten, was ja erledigt war, jedoch mußte nun auf der rechten Seite mit viel Kraft ein Griff herausgezogen, um 90 Grad gedreht und dann wieder hineingedrückt werden. Bluefox nahm sich den Stahlgriff als Erster vor und schaffte es auch nach ungefähr zehn Sekunden. Dieses Verfahren war ihm nicht unbekannt, weil er die manuelle Deflektormodifikation schon mehrmals trainierte. Der Griff konnte in verschiedene Positionen gedreht und wieder in die Verankerung hineingepreßt werden. Es dauerte nicht lange, bis ein weiterer Borg, der nichts mehr zu tun hatte, vom Emitter herunterstieg und sich jemanden als Opfer aussuchte. Er fackelte nicht lange und marschierte direkt auf den Captain zu, doch der hatte wieder eine Schlaumeieridee in der Trickkiste: Er schoß direkt unter der Drohne ein Loch in den Boden! Durch die Luft, die von innen mit einer unfaßbaren Geschwindigkeit herausströmte, blies es den Borg gleich einige Meter in die Höhe. Aufgrund der neuen Umstände war es nicht mehr schwer die Drohne abzuschießen, weil die nun mit sich selbst genug beschäftigt war. Chollet konnte den zweiten Arbeitsschritt an seiner Konsole ohne Zeitdruck vollführen, weil er gerade nicht belästigt wurde. Auch Whiteman bearbeitete seinen Griff, doch er hatte nur schon kräftemäßig mehr Mühe als seine beiden Vorgesetzten. Eine Drohne hatte ihre Arbeit beendet und näherte sich dem Transporterchef. Dieser war aber so sehr mit seinem Griff beschäftigt, daß er sich für einen Moment lang nicht konzentrierte. Er blickte nicht konsequent nach vorne, wo sich die gefährlichste Handlung abspielte! Das sollte sein Schicksal sein. –
Der Borg erreichte Whiteman und rang ihn zu Boden! Bluefox schrie noch zu ihm hinüber, aber da war es schon viel zu spät. Whiteman und die Drohne verschwanden plötzlich hinter der Konsole und waren somit für die anderen beiden Offiziere momentan unsichtbar. Als der Borg sein Werk an Thierry Whiteman vollendet hatte, stand er wieder auf und mußte sogleich sein Zeitliches segnen, weil er nicht auf einen präzisen Schuß des Captains von links gefaßt war! Das kybernetische Wesen schwebte langsam von der Hülle weg. Bluefox war nun allem Anschein nach ein beliebtes Ziel der Borg geworden, denn es dauerte keine halbe Minute, bis bereits eine weitere Drohne ihn zukam! Er schoß, aber es nützte nichts mehr. Der Borg hatte sich definitiv angepaßt. Es war auch für einen Kunstschuß zu spät und Bluefox sah sich ziemlich in der Klemme! Zudem hatte Whiteman die Arbeit an seiner Konsole ja noch nicht beendet! Bluefox schaute zum Panel des Transporterchefs hinüber. Auf einmal schwirrte ein Gedanke durch sein Gehirn. Ohne überhaupt zu wissen ob es klappen würde, löste er seine magnetische Verbindung zur Hülle und hob ab! Wenige Sekunden später schwebte er etwa drei Meter über dem Boden und die Drohne konnte ihm nichts mehr anhaben. Er versuchte irgendwie zu steuern und auf die andere Seite der Deflektorschüssel zu gelangen. Es glückte ihm nur halbwegs. Er fuchtelte mit beiden Armen umher und kam sich wie in einem tiefen Schwimmbecken vor. Zum Glück konnte er einigermaßen Höhe und Richtung beibehalten. Mit letzter Kraft gelang es ihm sich an Whitemans Konsole festzuhalten. Er remagnetisierte sich per Knopfdruck erfolgreich und hatte endlich wieder festen Boden unter den dicken Schuhsohlen. Bluefox beendete Whitemans Arbeit verhältnismäßig problemlos. Alle drei Magnetschlösser waren offen und die Borg konnten just in diesem Moment ihre letzte Stange anbringen, hatten aber keine Zeit mehr ein Signal zu senden, weil sich der Emitter unter ihnen bereits von der Hülle löste! Die Borg waren verwirrt und konnten sich daher nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren. Die Boje schwebte immer weiter von der Deflektorschüssel weg, bis sie plötzlich nach ungefähr zwanzig Metern stehenblieb. Warum denn? Chollet gab gleich die Antwort: «Oh, das Sicherheitskabel!» Sofort schoß er es entzwei und der Emitter tuckerte gemächlich weiter in die Höhe. Der Captain rief zu Chollet hinüber: «Sie können immer noch Schaden anrichten!» Der Sicherheitschef feuerte mit seinem Kompressionsgewehr auf den Emitter. Drei Sekunden später, als der Minitorpedo die Boje erreichte, explodierte die Einheit mit allen restlichen Borgdrohnen darauf! Bluefox rief Chollet fröhlich zu: «Mission erfüllt!» Da sagte plötzlich eine Stimme direkt hinter dem Captain: «Fast erfüllt!» Bluefox drehte sich um und konnte hinter dem nach außen gewölbten Glasvisier Thierry Whiteman erkennen. Überall waren bereits Kabel und anderes Borgzeug in seinem Gesicht eingenistet. Whiteman rang Bluefox ohne auch nur einen Moment zu zögern nieder! Sofort wollte der gerade eben Assimilierte das gleiche Verfahren an Bluefox anwenden, als er plötzlich abhob! Chollet hatte nochmals ganze Arbeit geleistet und hatte Whiteman rechtzeitig abgeschossen. Bluefox bedankte sich per Handzeichen bei seinem Retter. Nach dieser atemberaubenden Mission innerhalb der Mission kehrten beide Überlebende wieder auf die Brücke zurück.

Im Maschinenraum kommentierte die Borgkönigin diesen Zwischenfall mit folgendem Satz: «Wir haben unsere Pläne geändert, Lore.» Sie war binnen Sekunden über die Gesamtlage in den eigenen Reihen informiert und konnte alles überblicken und Alternativpläne konstruieren.

Inzwischen konnten die Crewmitglieder der Bluefox auf der Erde Hanspeter Örgelisauer überreden ihnen wieder zu helfen. Der Start der Rakete mußte zum Glück nicht verschoben werden. Die Techniker leisteten sehr gute Arbeit und die Phoenix war für den Start schon fast bereit, nur noch die exakte Besatzung fehlte. Es blieb aber auch noch eine Stunde Zeit bis zum Start. In diesem Moment betraten Ceagy und Örgelisauer das erste Mal das Cockpit der neu zusammengeflickten Warprakete. Ceagy informierte: «Sie haben noch eine Stunde.» – «Ja, ja. Ich werde jetzt nochmals die Checkliste durchgehen.» erwiderte Örgelisauer. Ceagy fragte den Warppionier: «Wie fühlen Sie sich?» – «Ich habe einen Kater, Alarmstufe Rot! Entweder vom Whisky oder von Ihrem Laserstrahl. Oder von beidem. Aber ich bereit Geschichte zu machen!» antwortete Örgelisauer lachend. Ceagy war froher denn je. Er hatte das erste Mal das Gefühl, daß es der Eglisauer ernst meinte. Da funkte Jazzy Crossnicholls an Ceagy: ««Bodenstation an Phoenix: Das Starttor kann jetzt geöffnet werden.»» – ««Sie können es aufmachen.»» bestätigte der Erste Offizier. Das Doppeltor öffnete sich direkt über der Raketenspitze. Örgelisauer wurde von der Sonne geblendet und er hielt sich die Hand über die Augen. Ceagy forderte ihn mit erheiterter Stimme auf: «Sehen Sie sich das an!» Ceagy zeigte auf die Mondsichel, die neben der Sonne deutlich erkennbar war. Örgelisauer fragte augenrollend: «Haben Sie denn keinen Mond im 24. Jahrhundert?» Ceagy gab zur Antwort: «Doch, aber in unserer Zeit leben über fünfzig Millionen Menschen auf ihm! Da sind Orte wie Winterthur 2, Neuzürich, sogar eine Kopie des Bodensees an einem solchen Tag!» schwärmte Ceagy. «Aha.» murmelte Örgelisauer. «Und wissen Sie, Doktor,...» wollte Ceagy einen Satz anfangen, aber Örgelisauer ahnte, auf was der Erste Offizier hinauswollte und er unterbrach ihn: «Bitte! Sagen Sie mir jetzt nicht, das sei alles mir zu verdanken! Ich habe langsam genug gehört von diesem großen Hanspeter Örgelisauer! Ich weiß nicht, wer Ihre Geschichtsbücher schreibt und woher diese Informationen kommen, aber Sie haben wirklich komische Vorstellungen von mir! Das klingt ja so, als sei ich so etwas wie ein Heiliger oder ein Visionär für Sie!» – «Ich halte Sie nicht für einen Heiligen, Doc, aber Sie hatten eine Vision und jetzt sitzen wir hier drinnen!» stellte Ceagy fest. Örgelisauer schmunzelte und schaute Ceagy an: «Wollen Sie wirklich wissen, worin meine Vision besteht?» Er machte eine Pause und holte zu einem Ausruf aus: «In Schweizer Banknoten, in echtem Stutz!» Seine Stimme wurde wieder normallaut und er fuhr fort: «Ich habe dieses Schiff gebaut, damit ich mich zur Ruhe setzen kann auf einer tropischen Insel voller nackter Weiber! Das ist Hanspeter Örgelisauer! Das ist seine Vision! Wissen Sie, ich fliege nicht mal gern, ich fahre mit dem Postauto oder mit den SBB! Ich habe dieses Schiff nicht gebaut um eine neue Ära der Menschheit einzuleiten! Glauben Sie, ich will zu den Sternen?» Ceagy mußte einfach lachen über die Redensart des später populärsten Mannes des 22. Jahrhunderts und der folgenden Zeit. Örgelisauer redete weiter ohne eine Antwort abzuwarten: «Diese historische Figur, dieser Held, von dem Sie dauernd reden, ist mir nie begegnet! Und das wird wohl auch nie passieren!» Ceagy zitierte: «Irgendwer hat mal gesagt: „Versuche nicht ein großer Mann zu sein, sei einfach ein Mann! Und lasse die Geschichte ihr eigenes Urteil fällen!“» – «Das ist rhetorischer Unsinn! Wer hat das gesagt?» wollte Örgelisauer wissen. Ceagy entgegnete vergnügt: «Sie! Zehn Jahre später!» Örgelisauer vergrub den Kopf in den Händen. Ceagy mahnte ihn: «Sie haben nur noch 58 Minuten. Nutzen Sie die Zeit.»

Bluefox und Chollet kamen auf der Brücke an, als auch gerade F. Strike durch die versteckte Bodentür erschien. Der eigentliche Steuermann, den man während dieser aufreibenden Schlacht mit den Borg kurzerhand zum Sicherheitsoffizier umdisponierte, begrüßte Bluefox und gab sogleich einen Bericht durch: «Captain, willkommen zurück! Ich habe leider gerade eine unangenehme Meldung: Die Borg sind wieder auf dem Vormarsch. Sie haben gerade drei unserer Verteidigungscheckpoints überrannt! Sie stellen sich auf jede unserer Modulationen ein. Es ist, als würden wir mit Platzpatronen schießen!» Bluefox schlug vor: «Dann müssen wir schauen, daß die Phaser effektiver werden. Und bis dahin, Fähnrich, sollen Ihre Männer die Stellung halten!» – «Sir?!» gab Strike von sich. Er war überhaupt nicht sicher, ob das hinhauen würde. Der Captain wiederholte sein Verlangen: «Kampf „Mann gegen Mann“, wenn es sein muß.» – «Aye, Sir.» bestätigte Strike mit einem deutlich erkennbaren Stirnrunzeln und drehte ab. Da hielt Chollet den Fähnrich plötzlich an der Schulter fest und sprach: «Warten Sie.» Der Sicherheitschef wandte sich zu Bluefox und wollte dessen Befehl anfechten: «Captain, unsere Waffen sind nutzlos! Wir sollten die Selbstzerstörung aktivieren und das Schiff per Rettungskapseln verlassen!» Bluefox gefiel dieses Vorgehen überhaupt nicht und verneinte schlagartig! In seiner Stimme konnte man nun eine deutliche Steigerung der Wut spüren! Haldman versuchte nicht mit einem Gegenbefehl zu reagieren, wie es Chollet gemacht hatte, sondern sie wollte Bluefox den Ertrag ersichtlich machen. Sie meinte: «Wenn wir die Bluefox zerstören, dann vernichten wir auch die Borg!» – «Wir werden dieses Schiff nicht verlieren, Commander! Nicht an die Borg! Nicht unter meinem Kommando!» rief Bluefox aus. Der Kommandant wollte seinen Mann stehen und zeigen, daß er kein Feigling war. Aber sollte dieses Handeln gut sein? War es nicht blauäugig?

Fünf Minuten später war es auf der Brücke still geworden. Der Captain hatte sich zum Nachdenken in die Beobachtungslounge zurückgezogen, Patrick Strike war wieder in die unteren Decks gestiegen um den Borg entgegenzutreten und Haldman führte seit Bluefox’ Verschwinden die Brücke. Annie war auch immer noch im Kommandozentrum der Bluefox und kam sich fehl am Platz vor. Sie fragte Haldman: «Und was machen wir jetzt?» – «Wir führen seine Befehle aus.» antwortete die Wissenschaftsleiterin und verteilte Aufgaben: «Commander Chollet, Lieutenant Blater, beginnen Sie mit der Modifizierung des Waffensystems...» Annie fiel Haldman ins Wort: «Aber wenn wir das Schiff in die Luft jagen und heil verlassen können, dann los!» Haldman mahnte die Eglisauerin: «Wenn der Captain einmal einen Entschluß gefaßt hat, gibt es keine Diskussion mehr.» Annie winkte ab und ging Richtung Tür der Lounge! Haldman rief Annie zurück, in der Hoffnung, sie würde diesen Schritt nochmals überdenken, aber da öffnete sich die Tür bereits und Annie verschwand in der Lounge. Gillian Haldman strich einige Strähnen ihres dunklen Haares zurück, die ihr ins Gesicht gefallen waren und schloß kurz ihre Augen. Es galt nun einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht durchzudrehen.
In der Beobachtungslounge ging es derweil ans Eingemachte. Annie rief aus: «Sie elender Mistkerl!» Bluefox entgegnete: «Das ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt!» Annie gab den Tarif durch: «Okay, ich verstehe einen Dreck vom 24. Jahrhundert, aber alle da draußen denken gegen die Borg zu kämpfen und die Stellung zu halten sei Selbstmord!» – «Wissen Sie, ich kenne die Borg! Keiner von meiner Crew kennt sie so gut wie ich. Ich bin einmal in deren Kollektiv assimiliert worden. Das ist noch kein halbes Jahr her. Sie hatten ihre kybernetischen Implantate überall in mir eingepflanzt. Ich war mit ihrem Gehirn verbunden. Ich war einer von ihnen. Sie können sich vorstellen, meine Teure, ich sehe die Borg deshalb unter einem ganz besonderen Blickwinkel und ich weiß, wie man sie bekämpft!» erklärte Bluefox die Fakten. Annie interpretierte seine Erklärung wie folgt: «Sie wollten es ihnen also heimzahlen, nicht wahr?» Bluefox widersprach: «Nein, im 24. Jahrhundert unterliegen wir nicht mehr dem Gefühl der Rache. Unsere Sensibilität ist weiterentwickelt.» Annie jedoch war überhaupt nicht der gleichen Meinung wie ihr Gegenüber und diesem Unmut machte sie sofort Luft: «Blödsinn! Ich habe gesehen, wie Sie die Borg auf dem Holodeck erschossen haben! Sie haben es doch geradezu genossen!» Da stand Bluefox plötzlich auf, stützte sich mit beiden Händen auf dem Besprechungstisch ab, schaute Annie tief in die Augen und rief entsetzt: «Wie können Sie es wagen!» – «Kommen Sie, Captain, Sie sind nicht der erste Mensch, für den es ein Nervenkitzel ist jemanden zu ermorden! Ich sehe so was andauernd!» meinte Annie. Bluefox schrie wutentbrannt: «Raus hier!» – «Und wenn nicht? Dann töten Sie mich? So, wie Sie Fähnrich Montgomery getötet haben? Entschuldigen Sie, ich wollte Ihre kleine Jagd nicht unterbrechen!» Bluefox wiederholte seine Ansicht: «Hier geht es nicht um Rache!» – «Lügner!» rief sie aus. Der Captain konterte: «Hier geht um die Rettung der Zukunft der Menschheit!» Annie war auf 180 und schrie Bluefox an: «Jagen Sie das verdammte Schiff in die Luft!» – «Nein! Nein!» schrie Bluefox, so laut wie er nur konnte und daß sich seine Stimme überschlug, und hämmerte mit dem Kompressionsgewehr, an dem er arbeitete, auf eine großflächige Glasscheibe ein! Dahinter befand sich seine wertvolle Kollektion goldener Modellschiffe der Sternenflotte. Diese Schiffe hatte er natürlich ebenfalls zum größten Teil zerstört. Den Captain störte dies in seinem momentanen Zustand jedoch überhaupt nicht und er repetierte mit einer wieder ruhig gewordenen Stimme sein Hauptziel: «Ich werde die Bluefox nicht aufgeben. Wir haben schon zu viele Rückschläge erfahren, zu viele Kompromisse sind wir eingegangen. Die Borg greifen unser Schiff an und wir weichen zurück. Sie dringen in unseren Raum ein und wir weichen zurück. Sie assimilieren ganze Welten und wir weichen zurück!» Seine Stimme wurde wieder lauter und glich einem Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand: «Aber hier wird der Schlußstrich gezogen! Bis hierher und nicht weiter!» Er ballte beide Hände zu Fäusten und schrie so laut wie vor dem Zertrümmern der Scheibe: «Und ich, ich werde sie bezahlen lassen für ihre Taten!» Für einen Moment war es totenstill. Bluefox schritt ans obere Ende des langen Besprechungstisches zurück, an dem er vor kurzer Zeit noch gearbeitet hatte. Annie nahm die rechte Hälfte von einem der Schiffsmodelle heraus und fuhr mit ihren Fingern darüber hinweg. Sie schaute zum Captain hinüber und sagte leise zu ihm: «Sie haben Ihre Schiffchen zerbrochen.» Bluefox gab ebenso ruhig, ja fast einsichtig zurück: «Ja, ich weiß. Unser großes Schiff würde auch zerbrechen und ich wäre der Schuldige und der Verantwortliche für alle diese guten und vor allem einzigartigen Persönlichkeiten. Auch für Sie. Sie haben Recht, Annie, man muß auch mal aufhören.» realisierte der Schiffsverantwortliche und ging wieder auf die Brücke, Annie hinterher. Die ganze Brückenmannschaft schaute Bluefox an in der Erwartung und der Hoffnung, daß er entscheiden würde das Schiff zu verlassen. Der Captain setzte sich in den Kommandosessel, drückte die Taste zum Schiffsfunk und verkündete: «Das Schiff wird evakuiert. Machen Sie alle Rettungskapseln startklar. Fliegen Sie zu einem unbewohnten Fleck, damit wir uns aus der Geschichte raushalten können.»

 

Auf der Erde war man definitiv für den Start bereit. Neben Ceagy und natürlich Örgelisauer himself wollte auch noch Steaner als technische Stütze mitfliegen. Die drei Warpastronauten im Cockpit schnallten sich an und das Tor zum Raketeninneren wurde geschlossen. Die letzten Kontrollen wurden durchgeführt, die letzten Checks durchlaufen. Örgeliauer fing an: «ATR-Einstellung?» – «Bereit!» bestätigte Steaner. «Mem-Bus?» fuhr er fort. Ceagy bestätigte: «Aktiv!» Da gab der Eglisauer den Befehl: «Vorzündungssequenz einleiten!»

«Selbstzerstörungssequenz einleiten! Autorisation: Bluefox-79-
p-W.» befahl Bluefox. Haldman sprach ihren Code: «Selbstzerstörung bestätigen! Autorisation: Haldman-23-a-c.» Chollet vervollständigte den Reigen: «Selbstzerstörung zustimmen! Autorisation: Chollet-37-b-dDie Computerstimme sprach: «Selbstzerstörungssequenz aktiv. Erwarte Zeitangabe bis zur Warpkernüberladung.» – «Hier Captain Bluefox. Zeit bis zur Überladung des Warpkerns: 15 Minuten. Stiller Countdown. Einleiten.» befahl Bluefox. Der Computer bestätigte: «Selbstzerstörungssequenz eingeleitet. Warpkernüberladung in 15 Minuten. Es wird keine weitere Warnung geben.» Die Chefärztin, die sich in den Sessel des Counselors gesetzt hatte, schaute den Captain an und sprach: «Das war also die Bluefox-F.» Bluefox nickte der Ärztin zu und meinte: «Wir haben sie nicht einmal richtig kennenlernen können.» Lt. Blater fragte: «Glauben Sie, man wird eine Neue bauen?» Bluefox gab zuversichtlich zur Antwort: «Es gibt noch viele Buchstaben im Alphabet.» Das war mit einem „Ja“ gleichzusetzen.

Die Zeit drängte von nun an, daher verließen alle Offiziere die Brücke ziemlich rasch und nahmen sich je eine Rettungskapsel. Mit diesen Kapseln flogen sie auf direktem Wege zur Erde. Der Captain jedoch blieb alleine im Kommandosessel seiner Brücke zurück und atmete tief durch. Auf einmal hörte er wieder diese Borggeräusche und dazu noch eine Stimme, die ihn beim Rang rief! Bluefox wußte gleich, wessen Stimme es war. Es kam automatisch aus seinem Munde: «Lore!»
 
Auf der Erde war man soweit. Knight funkte von der Basis aus an das Dreierteam in der Rakete: ««Zentrale an Phoenix: Die letzten Kontrollen wurden beendet. Noch vierzig Sekunden bis zum Start! Viel Glück!»» Knight selbst kam nicht mit. Es war ihr etwas zu schnell in so einem altmodischen Ding. Warp 1 könnte für eine ehemalige Atomrakete doch den einen oder anderen Stundenkilometer zu viel sein. Auch in der Rakete war man offensichtlich vollends fertig. Ceagy fragte mit einem fröhlichen Gesicht: «Sind alle bereit Geschichte zu machen?» Steaner gab schmunzelnd zur Antwort: «Ich immer!» Doch dann sagte Örgelisauer plötzlich: «Oh, nein! Ich glaube, ich habe etwas vergessen!» – «Was?!» rief Ceagy erschrocken. Örgelisauer antwortete: «Ich weiß nicht. Vermutlich nichts Wichtiges.» Der Erste Offizier war schon wieder erleichtert und drückte den Zündungsknopf. Aus dem Raketenantrieb quoll viel weißer Rauch. Noch zwanzig Sekunden bis zum Start. Knight zählte die letzten Sekunden herunter. Da rief der Raketenpilot plötzlich: «Oh Shit! Jetzt weiß ich’s wieder!» – «Was denn?» fragte Ceagy, erneut von einem starken Schrecken heimgesucht. Örgelisauer rief panisch: «Ich kann ohne sie nicht starten!» Ceagy rief sofort: «Tanya, wir müssen abbrechen!» – «Nein, nein, ich habe sie!» entwarnte Örgelisauer auf einmal. Ceagy pustete stark aus. Der Pilot des ersten warpfähigen Raumschiffes hielt eine neongelbe sechseckige Scheibe in der Hand. Er schob sie in eine Art Tonband. Inzwischen war der Counselor bereits bei „Sieben“, als auf einmal ein Riesenkrach in der Rakete zu hören war! Knight erschrak gewaltig und warf als Reaktion des Schreckens den Kopfhörer in hohem Bogen weg! In der Rakete schrie Örgelisauer: «Ja! Das ist Rock’n Roll!» Mit einem Mordskrach wuchtete das Warpschiff aus der Rampe unter dem Boden. Die Erde vibrierte richtiggehend im Umkreis von über hundert Metern um die Startrampe herum! Wenig später schoß die Phoenix in Sekundenschnelle zum Himmel und verschwand aus dem Blickfeld der vielen Zuschauer, die auf der Oberfläche standen und darauf warteten, bis das Höllending in die Lüfte gleiten würde.

Vierzig Sekunden später hatte die Phoenix die Erdatmosphäre verlassen. Noch immer dröhnte die Rockmusik im Inneren des Passagierraums. Ceagy schrie nach vorne: «Können Sie das vielleicht auch ein bißchen leiser stellen?» Örgelisauer schaltete die Musik ganz ab. Er brauchte sie nur für den Kick am Start, damit er keine Angst bekam. Die Warpgondeln wurden überprüft. Alles war in Ordnung.


Auf der Bluefox waren unterdessen schon fast alle von Bord gegangen. Annie wollte gerade in eine Kapsel steigen, als sie plötzlich vom Captain gerufen wurde. Sie blieb stehen und drehte sich um. Er sprach: «Ich habe hier etwas für Sie.» Er überreichte ihr ein Pad. Sie fragte verwundert: «Was ist das?» – «Das sind noch die schriftlichen Befehle, daß man sich eine ruhige Region auf der Erde suchen und warten soll, bis der erste Kontakt mit den Vulkaniern erfolgreich abgeschlossen ist. Geben Sie dies einem meiner Kollegen, wenn Sie jemanden treffen.» erklärte Bluefox. Annie nahm das Pad an sich und ahnte: «Sie kommen nicht mit.» Bluefox klärte Annie auf: «Wissen Sie, es ist noch jemand auf diesem Schiff und ich muß ihn retten. Er hat mich auch gerettet, als ich Gefangener bei den Borg war. Jetzt schulde ich ihm dasselbe.» Sie wünschte ihm noch viel Glück und verschwand rasch in ihrer Kapsel. Bluefox ging ebenfalls, jedoch zum Maschinenraum, in dem Lore nach wie vor festgehalten wurde. Er lief mit langen, schnellen Schritten.

Innerhalb von weniger als zwei Minuten war er an der Tür zum Maschinenraum angelangt. Es begegnete ihm bis zu dieser Stelle keine einzige Drohne! Er betrat also den Maschinenraum. Selbst im Hauptquartier der Borg wurde er ignoriert. Alles war grün, keine Spur von Menschlichkeit war mehr zu sehen. Da rief auf einmal die Stimme der Borgkönigin zu Bluefox: «Was ist, Andronus? Erkennst du mich nicht wieder?» Bluefox schaute sofort zu dem Ort, wo die Stimme herkam. Da kam die Borgkönigin aus dem Dunkel hervor. Das ehemalige Sprachrohr der Borg hatte plötzlich ein mulmiges Gefühl. Der Captain hatte mehrere ultrakurze, ja sogar blitzschlagartige Visionen, in denen er in Form des Andronus vor der Borgkönigin stand und sie ansah. In einem dieser Bilder hatte die Queen sogar ihre Hand an die Wange von Bluefox gelegt! Sie fügte an: «Organische Gehirne sind ja so zerbrechlich! Wie konntest du mich so schnell vergessen? Wir standen uns so nah, du und ich. Du kannst immer noch unser Lied hören.» – «Ja, ich erinnere mich an dich. Du warst die ganze Zeit über da, aber dieses Schiff und alle Borg in ihm wurden vernichtet!» entgegnete Bluefox. «Du denkst in so dreidimensionalen Begriffen. Wie klein du geworden bist. Lore versteht mich. Nicht wahr, Lore?» sprach die Königin. Es dauerte nicht lange, bis Bluefox Lore entdeckte. Doch als der Captain erkannte, wie Lore plötzlich aussah, traf ihn fast der Schlag! Er fragte sie mit erregter Stimme: «Was hast du mit ihm gemacht?» – «Ich habe ihm gegeben, was er immer haben wollte: Fleisch und Blut!» antwortete seine ehemalige Kollektivchefin. Bluefox forderte: «Laß’ ihn gehen! Er ist nicht der, den du willst.» Sie fragte: «Willst du dich uns anbieten?» Bluefox realisierte: «Ich mich anbieten. das ist es. Jetzt fällt es mir wieder ein. Es reichte nicht, daß ihr mich assimiliert habt! Ich mußte mich den Borg freiwillig zum Geschenk machen. Und zwar dir!» Die Königin konterte: «Du schmeichelst dir! Ich überwache die Assimilierung von unzähligen Millionen. Es war nicht anders bei dir!» Doch Bluefox war sich seiner These sicher und sprach: «Du lügst! Du wolltest mehr als nur eine Borgdrohne! Du wolltest eine Person mit einem eigenen Geist, der die Kluft zwischen den Menschen und den Borg überbrücken konnte. Du wolltest einen Gleichgestellten! Aber ich bekämpfte dich!» Die Queen meinte: «Du kannst dir das Leben nicht vorstellen, das du dir selbst versagt hast!» Er kam auf sie zu und wollte sie verführen. Er sprach mit einer ruhigen Stimme: «Es ist noch nicht zu spät. Andronus könnte bei dir sein, so wie du ihn haben wolltest: Als Gleichgestellter. Laß‘ Lore gehen, dann nehme ich meinen Platz an deiner Seite ein. Freiwillig, ohne Widerstand.» Die schleimige Dame war sichtlich erstaunt und erwiderte lächelnd: «So eine noble Gesinnung! Eine Qualität, die uns manchmal fehlt. Wir werden diese Eigenschaft der Unseren hinzufügen. Willkommen zu Hause, Andronus.» Sie strich Bluefox über sein kurzes Haar. Einige Sekunden verstrichen, bis sie sich wieder von ihm abwandte und sich umdrehte. Sie deaktivierte ein Borgkraftfeld um Lores Alkoven und sprach: «Lore, Sie dürfen gehen.» Bluefox wandelte das Angebot in einen Befehl um: «Lore, gehen Sie.» Lore erwiderte jedoch zu Bluefox’ totalem Erstaunen: «Nein. Ich möchte nicht gehen.» Die Borgkönigin sagte zu ihm: «Den Gleichgestellten habe ich bereits gefunden, wie Sie sehen.» Sie legte ihren Arm um Bluefox, der sich besonders in diesem Moment wahrlich wünschte, eine andere weibliche Person außer der Borgkönigin hätte ihn mal so zärtlich angefaßt. Andererseits verstand er es absolut nicht, daß Lore seinen Befehl nicht befolgte und ging! Die Aktivierung der Selbstzerstörung war dem Volk im Maschinenraum sicher bekannt. Auch machte er sich Gedanken darüber, ob Lore inzwischen sogar zu den Borg übergelaufen war. Nichts war unmöglich. Da gab die Borgkönigin plötzlich ihrerseits einen Befehl an Lore: «Deaktivieren Sie die Selbstzerstörungssequenz!» Lore ging vom Alkoven weg zur Hauptkonsole des Maschinenraums! Bluefox konnte nur noch staunen! Er rief hilflos: «Nein, Lore, tun Sie das nicht! Lore, hören Sie auf mich!» Aber der Androide gehorchte nicht mehr seinem Captain, sondern der Königin! Bluefox kriegte fast eine Krise, während Lore auf der Konsole herumtippte. Da sprach die Computerstimme: «Selbstzerstörungssequenz offline.» Bluefox schwitzte ohnehin schon wie ein saunierender Finne aufgrund der heißfeuchten Verhältnisse, doch Lores Handeln ließ das Blut in seinen Adern fast kochen! Er schien nicht mehr ganz bei Sinnen zu sein! Die Borgkönigin erteilte Lore einen weiteren Befehl: «Setzen Sie die Verschlüsselungscodes außer Kraft. Übergeben Sie mir die gesamte Schiffskontrolle.» Lore führte den Befehl aus ohne auch nur mit seinen mechanischen Wimpern zu zucken. Der Computer bestätigte auch dieses Vorgehen. Der Captain lief zu Lore hin, schaute ihn flehend an und sagte: «Geben Sie diese Codes wieder ein! Lore, bitte!» Doch Lore wandte sich vom Captain ab und ging zur Borgkönigin hin. Bluefox spürte plötzlich, wie ihn zwei Drohnen von hinten unsanft an den Schultern anpackten! Lore sagte grinsend: «Der Captain wird eine ausgezeichnete Drohne!»

Die Phoenix war für den Warpsprung fast bereit. Tanya Steaner berichtete: «Plasmainjektoren sind online! Sieht alles gut aus!» Andrew Ceagy informierte: «Die Geschwindigkeit beträgt jetzt 20'000 Kilometer pro Sekunde! Wir müssen die Warpmauer in fünf Minuten durchbrechen, damit sie aufmerksam werden!» Örgelisauer rief: «Warpgondeln sind einsatzbereit!» Es wurde immer lauter im Cockpit, je schneller die Phoenix wurde! Ceagy rief: «Na dann, los!» Steaner meldete: «Warpfeld sieht gut aus! Strukturelle Integrität ist konstant!» Örgelisauer schaute auf den digitalen Tachometer und rief entsetzt: «Meine Güte!» Ceagy lachte und rief hervor: «Ganz ruhig, Doktor! Ich bin sicher, daß Sie hier sind um es zu verabschieden!»

Inzwischen war der Captain auf den früheren Alkoven von Lore befördert worden. Ein Borg hielt ihm als Bedrohung ein handeigenes Kreissägeblatt an den Hals, damit er nicht ausbüxen konnte. Lore informierte die Borgkönigin: «Ich aktiviere die externen Sensoren und schalte das Sensorbild auf den Konsolenbildschirm.» Die Queen, Bluefox und Lore schauten unterschiedlich angespannt auf den Schirm. Der Captain erschrak, während die Königin hämisch grinsend verkündete: «Beobachte das Ende eurer Zukunft!» Auf dem Schirm war nämlich die Phoenix zu sehen. Lore verfolgte alles androidisch gelassen.

Im Warpschiff ratterte es inzwischen wie wild! Man war nun kurz vor der Warpschwelle! Örgelisauer warnte: «Jetzt kommt der kritische Punkt!» Ceagy informierte den Piloten: «Wir nähern uns der Lichtgeschwindigkeit! Noch 15 Sekunden bis zur Warpschwelle!»

Die Bluefox jedoch war bereits auf Abfangkurs mit der Phoenix! Die Borgkönigin befahl Lore: «Eliminieren Sie diese Rakete!» Lore schoß tatsächlich drei Quantentorpedos ab, die sich der Phoenix rasant näherten! Bluefox stand kurz vor einem Kollaps! Es sah so aus, als würden die Torpedos bei ihrem Ziel einschlagen, doch es täuschte! Um wenige Meter versetzt wuchteten alle drei Geschosse an der Warprakete vorbei! Die Queen drehte sich blitzartig zu Lore um und schrie ihn an! Der Androide jedoch erwiderte kurz und bündig mit drei bekannten Worten: «Widerstand ist zwecklos!»

 

In der Zeit, in der auf der Bluefox die Hölle los war, beschleunigte die Phoenix auf Warp! Hanspeter Örgelisauer schrie wie am Spieß! Er hatte selbstverständlich noch nie so einen Nervenkitzel erlebt. Nach einer vorhin festgelegten Zeit ging die Phoenix wieder aus dem Warp. Örgelisauer fragte, als sich die Rakete der Erde zuwandte: «Ist das die Erde?» – «Ja, das ist sie.» antwortete Ceagy. Örgelisauer staunte: «Sie ist so winzig!» Ceagy erwiderte gelassen: «Sie wird bald viel größer werden!» In der Tat hatte sich die Phoenix nicht allzu weit von der Erde entfernt. Selbst mit einem kurzen Sprung auf Warp 1 war man noch nicht gleich im Jenseits. Übrigens: Auf der Phoenix hatte aufgrund eines vollkommen fehlenden Sensorsystems überhaupt niemand gemerkt, daß man um wenige Meter dem Tode entronnen war! Die Frage, was dies im Bezug auf Örgelisauers Verhalten für Konsequenzen gehabt hätte, blieb zum Glück für die Geschichte der Erde und der Menschheit unbeantwortet. Es hätte durchaus sein können, daß Örgelisauer vor Angst durchgedreht wäre und dadurch das genaue Timing des Warpsprungs entscheidend beeinflußt hätte. Die Vulkanier hätten die Phoenix als Vertretung der Menschheit nicht bemerkt und eine mögliche Entwicklung der Menschen in der Raumfahrt hätte sich um Jahrzehnte verzögert. Was dies für Konsequenzen auf die heutige Föderation in der richtigen Zeit gehabt hätte, wollte und konnte man sich gar nicht vorstellen.

 

Im Maschinenraum der Bluefox wurden es so turbulent, wie es Matthew Bluefox seit seiner Geburt nie erlebt hatte, so schien es ihm zumindest. Lore schlug mit seinem Ellbogen ein Loch in einen Plasmakühltank unter dem Warpkern! Das grüne Plasmakühlmittel schoß mit extremer Geschwindigkeit aus dem Leck! Lore pustete es gleich einige Meter vom Warpkern weg! Auch die Queen wußte um die Gefährlichkeit des Kühlmittels. Sogleich versuchte sie sich in Sicherheit zu bringen. Mit einer derartigen Reaktion von Lore hätte das Oberhaupt des Kollektivs nie gerechnet. Zum Glück stand der Captain einige Meter hinter der Borgkönigin und es blieb ihm noch ein wenig mehr Zeit. Er klammerte sich mit beiden Händen an eine Metallstrippe, die auf einmal – eigentlich zur Rettung der Borgkönigin bestimmt – heruntergelassen wurde. Dieses Kabel mit dem Durchmesser eines Wienerwürstchens war durch die Hitze und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit alles andere als ideal um sich für längere Zeit daran festhalten zu können. Trotzdem schaffte er es sich an der Strippe festzuklammern. Es vergingen keine drei Sekunden, als die Borgkönigin aus der grünen Suppe auftauchte und wie verrückt an Bluefox’ Beinen zerrte! Es bestand höchste Lebensgefahr für beide! Für ein Weilchen ging es noch halbwegs gut, jedoch konnte Bluefox für gar nichts mehr garantieren! Da löste sich auf einmal eine zweite Strippe von der Decke und stürzte unmittelbar neben Bluefox in die Tiefe. Der total schweißgebadete Captain versuchte mit seinem Strippenteil zu schwingen und hoffte das andere Kabel zu erreichen. Zwei Kabel wären schon die halbe Überlebensmiete gewesen. Er schaffte es nach und nach in Schwung zu kommen. Als er glaubte genug nahe an der anderen Strippe dran zu sein, ließ er mit der rechten Hand los und ergriff blitzartig das andere Kabel! Er kämpfte mit Gleichgewichtsproblemen, vermochte sich jedoch selbst wieder aufzufangen. Bluefox hatte nun also zwei Hilfskabel, an denen er sich festhalten konnte, als gleich noch eines heruntergelassen wurde. Das nützte ihm jedoch nicht mehr besonders viel, zumindest nicht für den Moment. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als sich diese letzte Strippe mit dem Geländer des Oberdecks verhedderte und einen idealen Übergang in die sichere obere Ebene des Maschinenraums darstellte! Er beschloß nochmals umzuseilen. Dazu mußte er an seinen beiden Kabeln nach oben hangeln um direkt über dem Querhänger zu sein und um ihn dann mit einem zielsicheren Sprung zu erreichen. Das war jedoch nicht sehr einfach, denn die Königin hing immer noch wie eine Klette an ihm. Plötzlich schrie sie laut auf und starrte in den Kühlmittelsee hinunter! Zwei starke Hände hatten ihre Beine umschlungen! Nun sah alles langsam wie eine Menschenkette aus. Lore war natürlich der dritte im Bunde. Auf Dauer konnte diese Konstellation keinesfalls gutgehen. Lore konnte sich vergleichsweise gut an den Beinen der Borgkönigin festhalten. Auch Bluefox hatte zum Glück noch einen relativ guten Halt an seinen Strippen und verließ sich einfach nur noch auf seinen Körper, während sich die Königin noch lediglich an einem seiner Beine festhalten konnte! Sie konnte kurz Lores Gesicht erkennen, als sie hinunterblickte. Sie erschrak für einen Augenblick, denn den Androiden hatte sie nicht mehr auf ihrer Rechnung. Zuerst dachte sie, sie hätte sich irgendwo verfangen. Diesen kurzen Augenblick der Unkonzentriertheit seitens der Queen nutzte Lore voll aus und zerrte genau in diesem Moment mit voller Kraft! Die Borgkönigin verlor den Halt an Bluefox’ Bein endgültig und stürzte mit der künstlichen Lebensform ins Kühlmittel! Der Captain konnte sich mit viel Kraft und nicht weniger Glück an seinen beiden Kabeln festklammern und verlor nur wenig an Höhe. Als er realisierte, daß er sich nun relativ frei bewegen konnte, versuchte er die dritte Stippe zu erreichen und sich endgültig in Sicherheit bringen zu können. Er holte wieder Schwung, diesmal jedoch diagonal von links hinten nach rechts vorne um die direkteste Linie fliegen zu können. Wieder klappte alles perfekt und er konnte schnell und effizient Schwung sammeln um seiner Intuition nach die querhängende Strippe mit einem Hechtsprung anpacken zu können. Als er sich sicher fühlte, katapultierte er sich mit voller Kraft von seinen beiden Kabeln weg und flog in hohem Bogen Richtung Querhänger. Während er sich in der Luft befand, schrie er laut heraus und dachte nichts mehr! Er konzentrierte sich nur noch auf das lebensrettende Querkabel und näherte sich diesem mit halsbrecherischer Geschwindigkeit! Bluefox streckte beide Hände nach oben und wartete auf den Aufprall. – Geschafft! Tatsächlich konnte er sich festhalten, jedoch fabrizierte er durch den übriggebliebenen Schwung eine ganze Umdrehung, als würde er an einer Reckstange einen Felgaufschwung vorführen. Als er sich wirklich sicher fühlte, hangelte er zum Geländer des Oberdecks hinüber und konnte sich darüber hinwegschleppen. Endlich durfte Bluefox wieder festen Boden unter seinen Sohlen fühlen. Sofort begab er sich an eine Computerkonsole um den Dampfabzug einzuschalten und das tödliche Plasmakühlmittel abzulassen. Nachdem sich das Kühlmittel vollends verflüchtigt hatte, stieg Bluefox die Leiter zum Unterdeck hinunter und konnte die leblosen Überreste der Borgkönigin sehen. Nur noch ein Borgskelett aus lauter einzelnen undefinierbaren Fragmenten war übriggeblieben. Die Herrin der Borg hatte während Bluefox’ turnerischen Glanzleistungen ihren Tod gefunden. Alle Drohnen sackten nach und nach aus ihren Alkoven und blieben auf dem Boden liegen. Nach der ganzen Geschichte mußte sich der Captain erst einmal orientieren. Er hatte wegen der vielen Ereignisse und aufgrund der unmenschlichen Umweltbedingungen einen richtigen Brummschädel bekommen. Plötzlich wisperte ihm eine Stimme vom Warpkern her zu. Es war Lore. Bluefox blickte sofort zum Kern und konnte seinen Androidenfreund sehen. Lore lag am Sockel des zwanzig Meter hohen Warpkerns angelehnt. Bluefox erkundigte sich sofort, ob alles in Ordnung sei. Der Androide antwortete: «Ich glaube, ich sehe um einiges schlimmer aus, als ich mich ... fühle!» – «Commander, ich würde Ihnen am liebsten einen Doktortitel für Schauspielkunst verleihen! Das war wirklich erste Sahne, was Sie da in den letzten Minuten geboten haben! Ich muß aber gleichzeitig bemerken, daß es hart, sogar sehr hart an der Grenze war!» sprach Bluefox. Lore gestand: «Ehrlich gesagt, Sir, es hat mir unheimlich Spaß gemacht!» – «Das glaube ich Ihnen auf jedes Wort!» erwiderte Bluefox. Lore fragte seinen Captain: «Wissen Sie, was mich am meisten beunruhigt, wenn ich jetzt darauf zurückblicke?» Bluefox wußte es natürlich nicht und wartete Lores Antwort ab. Die künstliche Lebensform gab zur Antwort: «Ich fand sie eine wunderbare Persönlichkeit mit einem ungeheuren Willen. Das hat mir stark imponiert. Es klingt jetzt sicherlich merkwürdig, aber schade, daß sie tot ist. Ich war für kurze Zeit wirklich im Begriff sie bei allem zu unterstützen.» beschrieb Lore seine Gefühle. Bluefox war sichtlich erstaunt und fragte ihn: «Für wie lange denn?» Schmunzelnd antwortete Lore: «0,68 Sekunden, Sir. Für einen Androiden ist das eine Ewigkeit.» Bluefox konnte über solch einen Satz, wie ihn nur Lore bringen konnte, einfach nur noch lachen.

 

Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, 5. April 2063

««Die Warpreise der Phoenix war ein Erfolg. Wieder einmal. Die Crew kam heil auf der Erde an und das Schiff ist auch noch existent. Lore und ich sind nun ebenfalls auf die Erde gebeamt um ein großes Spektakel zu erleben zu: Die Vulkanier haben die Phoenix bemerkt und wir werden nun Zeugen eines Rendezvous mit der Geschichte.»»


Das vulkanische Raumschiff durchbrach die Erdatmosphäre und landete genau auf dem Punkt, wo im 24. Jahrhundert die Örgelisauer-Statue stehen sollte. Es war bereits eine Stunde nach Mitternacht. Die Andockkrallen des Vulkanierschiffes bohrten sich ins Erdreich. Als das mehr hohe als breite Raumschiff der Vulkanier zur Gänze auf dem Erdboden aufgesetzt hatte, wurde eine große Rampe ausgefahren. Daraufhin öffnete sich langsam ein Tor und zwei Personen mit spitzen Ohren und langen Gewändern kamen zum Vorschein. Diese beiden Vulkanier betraten als erste Außerirdische Boden des Planeten Erde und ganz nebenbei betraten sie auch als erste nichtmenschliche Spezies Schweizer Boden! Annie schaffte es auch wieder nach Eglisau und stand direkt neben dem wohl berühmtesten und wichtigsten Erfinder der modernen Geschichte, der seinen Augen nicht traute. Bluefox trat vor und fragte Örgelisauer schmunzelnd: «Wie wäre es, wenn Sie die intergalaktischen Gäste als erster Erdenbewohner begrüßen würden?» Örgelisauer konnte es fast nicht fassen! Er gab von sich: «Mein Gott! Sie kommen wirklich aus einer anderen Welt!» Ceagy spann den Satz weiter: «Und sie wollen den Mann kennenlernen, der das Warpschiff flog!» Örgelisauer wagte es und ging auf den vorderen Vulkanier zu. Dieser hob die rechte Hand an und spreizte den Ring- und den Mittelfinger sowie den Daumen und den Zeigefinger zum speziellen Vulkaniergruß auseinander. Örgelisauer versuchte es auch, aber es gelang ihm nicht so recht. Schließlich streckte er dem Vulkanier schlicht und einfach seine Hand aus und sagte: «Auch wenn Sie es vielleicht nicht verstehen, möchte ich Ihnen sagen: Willkommen auf der Erde!» Der Vulkanier jedoch verstand sehr wohl und erwiderte: «Leben Sie lang und erfolgreich!» Örgelisauer bedankte sich und schmunzelte. Ceagy flüsterte Bluefox ins Ohr: «Ich glaube, es wird Zeit, daß wir uns zurückziehen. Diese Nacht könnte sonst noch sehr lange werden. Ich habe nämlich fast das Gefühl, daß Örgelisauer seinen Gästen etwas anbietet und seine schreckliche Musik wieder laufen läßt. Diese schlechte Soundqualität aus diesen uralten Jukeboxes schmerzt fast in meinen Ohren!» Bluefox nickte seinem Ersten Offizier zu. Allen Crewmitgliedern wurde befohlen, in den nächsten Minuten aufs Schiff zu beamen.

Eine Stunde später waren alle wieder auf der Bluefox angelangt und die Brücke war voll besetzt. Chollet berichtete: «Das Gravitationsfeld des Mondes hat unsere Warpsignatur verdeckt. Die Vulkanier haben uns nicht bemerkt.» Bluefox war äußerst zufrieden. Haldman informierte: «Ich habe unseren Antrieb auf die chronometrischen Daten der Borgsphäre angeglichen. Somit können wir durch einen anderen Zeitstrudel wieder in die aktuelle und auch in die richtige Zeitlinie zurückkehren.» Bluefox erwiderte glücklich: «Gut gemacht! Dann können wir ja bereits wieder zu unserer Erde fliegen. Fähnrich Strike, setzen Sie einen direkten Kurs, der uns von der Erde wegführt, damit wir den Strudel passieren können.» Der junge Pilot bestätigte den Befehl und ließ das Flaggschiff der Föderation beschleunigen. Daraufhin öffnete Haldman den Zeitstrudel und die Bluefox verschwand darin.

 

Auf der Erde guckte Annie der Bluefox noch durchs Teleskop nach, bis sie verschwand. Örgelisauer führte derweil die beiden Vulkanier in das hinterste Partyzelt. Dort angekommen steckte er – wie es Ceagy schon vorausgesehen hatte – sogleich die Musikanlage ein und der gute laute Rock’n Roll schmetterte aus den Lautsprechern. Die spitzohrigen Gäste erschraken erst gewaltig, aber schon bald gewöhnten sie sich an die Musik und setzten sich mit dem Doktor an einen Tisch. Was wäre den logischen Vulkaniern denn sonst übriggeblieben? Am Tisch tranken sie mit dem Erfinder des Warpantriebs zusammen ein Gläschen ... na, was schon? – Tequila natürlich, ganz nach Örgelisauers Geschmack. Oder war es nun am Ende doch „Teekiller“? J

 

 

ENDE

 

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