RAUMSCHIFF
BLUEFOX – NCC 1701-F
Folgen 16 bis 19: Angriff der
Borg
STARRING
Matthias Currat
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ALS
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Cpt. Matthew
Bluefox |
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Andreas Kägi |
ALS |
Cmdr. Andrew Ceagy |
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Brent Spiner |
ALS |
Lt.
Cmdr. Lore
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Nicole Streich |
ALS |
Dr. Nicole Strike |
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Daniel Chollet |
ALS |
Lt. Cmdr. Danny Chollet |
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Julia Haldemann |
ALS |
Lt. Cmdr. Gillian Haldman |
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Tanya Steiner |
ALS |
Lt. Cmdr. Tanya
Steaner |
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Ramon Baur |
ALS |
Lt. Ramon Boer |
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Stephanie Knecht |
ALS |
Cnslr. Steevy
Knight |
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Fabian Blatter |
ALS |
Lt. Fabius Blater |
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Thierry Weidmann |
ALS |
Chief Thierry
Whiteman |
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Isabel Schneider |
ALS |
Dr. Izy Snyder |
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Deborah Grossniklaus |
ALS |
Dr. Debbie Crossnicholls |
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Nadine Humbel |
ALS |
Lt. Nadine Humble |
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Monika Heusser |
ALS |
Lt. Monique Hewsser |
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Denise Werffeli |
ALS |
Lt. Denise Werwealy |
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Stefan Kägi |
ALS |
F. Stephen Ceagy |
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Patrick Streich |
ALS |
F. Patrick Strike |
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Jasmin Grossniklaus |
ALS |
F. Jazzy
Crossnicholls |
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Sarah Bärtschi |
ALS |
F. Sarah Bearchy |
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Andrea Berger |
ALS |
F. Andrea Berger |
GUEST
STARRING / ACTORS IN A SECOND ROLE
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Jeri Lynn Ryan |
ALS |
Borgkönigin |
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Michael Weilenmann |
ALS |
Adm. Mike Henning |
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Felicia Kraft |
ALS |
Adm. Felicia Croft |
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Bruno Bamert |
ALS |
Dr. Hanspeter Örgelisauer |
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Anja Kaspereit |
ALS |
Annie Casperyte |
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Andreas Frey |
ALS |
Barkeeper Freyer |
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Björn Muntwyler |
ALS |
Lt. Bjurne Monty |
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Matthias Weber |
ALS |
F. Matthew Webber |
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Fabian Werffeli |
ALS |
F. Fabius Werwealy |
|
Robert Picardo |
ALS |
Holographischer Doktor |
|
Ethan Phillips |
ALS |
Holographischer Portier |
|
div. Schauspieler |
ALS |
Borgdrohnen |
Angesichts der Umstände war man
zur Übereinkunft gekommen, daß nun doch neue Mitglieder an Bord der Bluefox
kommen sollten. Cpt. Bluefox sah ein, daß das Flaggschiff der Föderation in
einer aufreibenden Schlacht mit einer Rumpfcrew nichts herausholen konnte. Vor
allem in den Bereichen Technik und Sicherheit waren starke Defizite vorhanden,
die behoben werden mußten. In den Krisenbereichen wurden vorwiegend Offiziere
von den Raumschiffen Netherwell und Jackenboy abgezogen, denn dort herrschte
ein Überschuß an Securitys und Technikern. Der Captain war natürlich nicht
sonderlich erfreut über den Entscheid des Oberkommandos, die Crew nun doch
aufzustocken, nachdem es noch vor wenigen Wochen geheißen hatte, es würde alles
beim Alten bleiben. – Aber es gehörte eben auch zum Job eines Schiffskommandanten,
Kompromisse einzugehen. Aufgrund des Anwuchses der Besatzung mußte Bluefox
Personalien von beinahe hundert Offizieren aufnehmen. Irgendwann, spät in der
Nacht, nahm es schließlich doch noch ein Ende und der Captain schlief völlig
übermüdet ein. – Als er die Augen wieder öffnete, fand er sich in einer
düsteren, ihm reichlich vertrauten Umgebung wieder! Er stand in einem
Regenerationsalkoven! Dann schaute er sich um. Links und rechts neben sich sah
er noch viel mehr Alkoven! Von da an wußte er, daß er in irgendeinem Borgschiff
sein mußte. Er betrachtete sich selber, so gut er konnte. Er erinnerte sich
wieder ganz genau an den Moment, wo er von den Borg assimiliert wurde. An
seinen Armen konnte er eine ganze Menge Implantate und Panzerungen erkennen. Er
war ein Borg! – Der Captain erlebte soeben einen Ausschnitt aus seiner kurzen,
aber einschneidenden Existenz als Andronus in Form eines Traums. Nach dieser
Vision wachte Bluefox wieder auf. Es war ihm vollkommen schwindlig. Er taumelte
zum Lavabo seines Quartiers und begann, sein Gesicht zu waschen. Er blickte in
den Spiegel vor sich. Da schoß plötzlich ein sternförmiges Borgimplantat aus
seiner rechten Wange hervor! Der Captain schrie auf – und erwachte erneut! Er
hatte also einen Traum im Traum! – Als Bluefox nun erwachte, fühlte er sich
wieder voll fit und war bereits in seiner Uniform! Er war nun wirklich in der
Realität, auch wenn er das in den ersten Momenten noch bezweifelte. Der Grund,
daß Bluefox erwachte, war allerdings logisch: Eine Nachricht kam auf seinem
privaten Computer an. Das piepste immer ziemlich laut, damit man wußte, daß
eine Nachricht angekommen war. Bluefox drückte den Knopf zum Öffnen des Kanals.
Adm. Felicia Croft war am anderen Ende der Leitung. Sie fragte: ««Captain, ich
habe Sie doch nicht geweckt?»» – ««Wie kommen Sie darauf, daß ich geschlafen
habe? Es stimmt wirklich, ich bin kurz eingenickt, aber das macht nichts. Was
wollten Sie mir mitteilen?»» entgegnete Bluefox. Croft sprach: ««Die ersten
Kolonien der Föderation an den äußersten Grenzen sind gefallen.
Langstreckensensoren melden, daß...» – Bluefox unterbrach Croft und beendete
ihren Satz: ««Ja, ich weiß. – Die Borg.»»
Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, Sternzeit 78260.6
««Wir haben von der Sternenflotte den Befehl erhalten, die Neutrale Zone zu
bewachen. Doch mich – und ich befürchte, auch den Rest Sternenflotte –
beschäftigt momentan etwas ganz Anderes viel intensiver. – Die Borg, unser
tödlichster Feind, haben mit einer Invasion der Föderation begonnen und es
scheint, als könnten sie diesmal nicht aufgehalten werden.»»
Der Captain ließ alle Führungsoffiziere in die Beobachtungslounge kommen. Als
sich alle versammelt hatten, fragte Cmdr. Ceagy seinen Vorgesetzten: «Wieviele
Schiffe?» – «Eins. Und es nimmt direkten Kurs auf die Erde. Es wird die
Föderationsgrenze in einer knappen Stunde überschreiten. Admiral Henning
mobilisiert eine Flotte im Andromeda-Sektor. Admiral Croft wird das Geschehen
auf der Erde leiten.» antwortete Bluefox. Lt. Cmdr. Lore bemerkte: «Mit
maximaler Warpgeschwindigkeit sind wir in fünf Stunden und 25 Minuten...» Da
fiel der Captain Lore ins Wort: «Wir fliegen nicht hin!» – Ceagy reagierte
verwundert auf diesen Entscheid von Bluefox und fragte ihn: «Was soll das
heißen: „Wir fliegen nicht hin“?» Bluefox erklärte: «Unser Befehl lautet:
Patrouille der Neutralen Zone. Es könnte sein, die Romulaner beschließen, die
Situation auszunutzen.» – Cnslr. Knight runzelte die Stirn und fragte sich:
«Die Romulaner?» Lore gab einen wichtigen Input: «Captain, ich muß bemerken,
daß bei den Romulanern seit über einem Jahr kein feindliches Verhalten mehr
festgestellt wurde. Die Friedensverhandlungen auf Shagra 2 haben gewirkt. Ich
denke nicht, daß sich das Sternenimperium genau diesen Moment aussucht um einen
Konflikt auszulösen.» Dr. Strike rätselte: «Denkt die Sternenflotte, wir
bräuchten noch mehr Testflüge?» Lt. Cmdr. Steaner begriff diesen Befehl absolut
nicht und mußte nun einfach etwas dagegen sagen: «Sir, wir haben in den letzten
drei Wochen nur noch Testflüge gemacht und haben die Waffen sowie die Sensoren
und die Warpgeschwindigkeit optimiert. Die Bluefox-F ist das bestentwickelte
Schiff in der gesamten Flotte. Wir haben sogar noch zusätzliche, freiwillige
Tests durchlaufen und positive Ergebnisse erzielt. Wir sollten an der Front
sein!» Bluefox erwiderte hart: «Ich habe das alles mit dem Oberkommando der
Föderation besprochen. Die Flotte wird auch ohne uns auskommen. Mit den vielen
Schiffen von Fraktion Sieben wird es einfacher sein. Die Befehle stehen fest.»
– Es war dem Captain bewußt, daß er gegenüber seiner Mannschaft loyal wirken
mußte. Nicht jeder Captain, insbesondere nicht derjenige des Flaggschiffes
würde, wenn es ihm mal nicht passen würde, gleich gegen die Befehle seiner
Vorgesetzten handeln. Es herrschte einen Moment lang totale Ruhe in der Lounge,
bis der Captain anhängte: «Nummer Eins, setzen Sie Kurs auf die Neutrale Zone.»
– Das war alles. Obwohl alle anderen Führungsoffiziere nicht begreifen konnten,
warum dieser Befehl momentan eine derart ungewöhnlich hohe Priorität hatte,
wendete niemand mehr etwas gegen den Entscheid von Bluefox ein. Alle Offiziere
außer Bluefox verließen die Beobachtungslounge. Als es ganz still war, befahl
Bluefox dem Computer ein Stück klassische Musik laufen zu lassen und dies nicht
zu leise. In der Lounge störte es nicht. Bluefox hörte die Musik deshalb so
laut, weil er nicht mehr all zu sehr an diese Invasion der Borg und an die
Passivität seines Schiffes in dieser Situation denken wollte. Er schloß zur
Musik seine Augen und drehte sich Richtung Panoramafenster.
Als er seine Augen wieder kurz öffnete – es war bestimmt eine halbe Stunde
vergangen – sah er im Fenster eine zweite Person. Sofort drückte er den Knopf
zum Stoppen der Musik und drehte sich um. – Es war Ceagy. Der Erste Offizier
wollte seinem Vorgesetzten den Bericht der letzten Forschungen durchgeben. Er
wunderte sich über die laute Musik von vorhin und fragte knapp:
«Matthäuspassion?» – «Requiem.»
antwortete der Captain. Ceagy wollte es noch etwas genauer wissen: «Und das
Stück?» – «“Recordare“.» gab Bluefox zur Antwort. Ceagy erinnerte sich an die
Bedeutung des Werks und meinte: «Das heißt doch „Totenmesse“, oder nicht?»
Bluefox antwortete: «Ja. Aber ich höre die Musik nicht im Bezug auf die Borg,
sondern weil es einfach ein schönes Stück ist und ablenkt. Was haben Sie?»
fügte er hinzu, nachdem er das Pad in der Hand des Ersten Offiziers erblickte.
Ceagy berichtete: «Wir haben unsere erste Sensorenüberprüfung der Neutralen
Zone abgeschlossen.» Er überreichte Bluefox das Pad mit den Ergebnissen der
Forschungen. Bluefox las laut: «Zwanzig Weltraumstaubpartikel pro Kubikmeter,
52 ultraviolette Strahlungsspitzen und ein Komet der zweiten Klasse. Wow, das
verdient wirklich unsere volle Aufmerksamkeit.» meinte Bluefox entgeistert und
warf das Pad auf den Tisch, wie wenn er beim „Schieber“ eine Karte ausspielen
würde. Ceagy wußte natürlich auch, daß das im Moment etwas vom Deprimierendsten
sein konnte, vor allem für den Captain. Er dachte sich: «Da greifen die Borg an
und wir dürfen nicht dabei sein und mithelfen die Menschheit zu retten! Und das
ganze Theater nur, weil der Captain einmal von den Borg in deren Kollektiv
assimiliert wurde. Das ist echt bitter.» Laut bemerkte er nur: «Captain, wieso
sind wir hier draußen und jagen Kometen?» Bluefox brachte die Sache wieder
einmal, ganz in seiner Manier, auf den Punkt: «Sagen wir es mal so: Die
Sternenflotte hat keine Bedenken im Bezug auf die Crew der Bluefox. Sie ist
sich nur nicht ganz sicher im Bezug auf ihren Captain. Die Mitglieder des
Oberkommandos befürchten, daß ein Mensch, der einmal von den Borg
gefangengenommen und assimiliert wurde, nicht mehr in der Lage ist, Situationen
zu meistern, in denen er ihnen erneut gegenübersteht.» Ceagy entgegnete
ermutigend: «Genau diese Erfahrung, die Assimilierung ins Kollektiv, macht Sie
zum idealen Anführer des Kampfes gegen die Borg in unserem Sonnensystem!» –
Nach einem kurzen Schweigemoment kam ein Funkspruch zur Lounge: ««Captain, hier
spricht Lore von der Brücke. Wir haben soeben die Nachricht der Flotte bei der
Erde erhalten. Sie haben die Borg angegriffen!»» – Bluefox und Ceagy rannten
ohne Unterstützung des Turbolifts auf die neu gestaltete Brücke der U. S. S.
Bluefox. Der Captain befahl Lt. Cmdr. Chollet: «Schalten Sie alle
Föderationsfrequenzen auf hörbar. Ich möchte wissen, wie es läuft.» – Ein
verbaler Tumult war nun auf der Brücke der Bluefox zu hören. Mehrere
Schadensberichte und Fetzen von anderen Meldungen waren darunter. Es klang eher
nach einem negativen Verlauf der Schlacht. Besonders, als eine weibliche Stimme
rief: ««Flaggschiff an Oberkommando: Verstärkung! Wir stehen vor einem
Kernbruch!»» Der Captain bemerkte: «Das war Admiral Croft. Sie ist jetzt sehr
wahrscheinlich auf der Netherwell, da die Jackenboy unter Admiral Henning und
Captain Wish ja im Andromeda-Sektor ist und man dort vermutlich nicht
mitbekommen hat, daß der Kubus sie ignoriert hat und direkt zur Erde geflogen
ist.» Er machte eine kurze Pause und befahl daraufhin: «Fähnrich Strike, setzen
Sie Kurs auf die Erde! Maximum Warp!» Erneut pausierte er, schaute seine
Brückenmannschaft an und verkündete: «Ich habe vor gegen die aktuellen
Vorschriften der Sternenflotte zu verstoßen. Jeder, der gegen diese Entscheidung
ist, soll es mir bitte jetzt mitteilen. Es wird in meinem Logbuch vermerkt.»
Lore drehte sich von der Ops aus in die Richtung der anderen Brückenoffiziere
und sprach offen: «Ich glaube, ich spreche für alle hier, Sir, wenn ich sage:
Zur Hölle mit unseren Befehlen!» Der Captain mußte schmunzeln und rief aus:
«Alle Mann auf die Gefechtsstationen! Alarmstufe Rot!»
Die Bluefox erreichte ihr Ziel
in knapp 5½ Stunden, wie es Lore ja noch vorausgesagt hatte. «Fähnrich Strike,
zeigen Sie uns die Erde.» befahl Bluefox dem Steuermann. Das Bild eines Kampfes
von ungefähr 30 Schiffen der Sternenflotte – darunter auch viele Schiffe der
ehemaligen Fraktion Sieben – gegen den riesigen Borgkubus war zu sehen. Dazu
trieben noch viele Trümmer und nicht vollständig zerstörte Schiffswracks im
Raum. Sicherheitschef Danny Chollet war völlig baff und meinte zu diesen
Bildern: «Das sieht ja schlimmer aus als in meinem Quartier!» – Da bebte die
Bluefox kurz! Eine Raumladung schlug im hinteren Teil des Schiffes ein. Auf der
Brücke der Bluefox waren nun durch die immer noch offenen Kanäle Rufe und auch
Schreie von vielen tapferen Offizieren deutlichst hörbar. Darunter waren oft
Ausrufe wie «Schildsysteme am Zusammenbrechen!» oder «Der Kern bricht in
wenigen Minuten!» zu hören. Einen Moment später erhellte eine relativ
großräumige Explosion den Bildschirm! Eines der wichtigsten
Föderationsraumschiffe war soeben vom Destruktionsstrahl des Kubus ernsthaft
getroffen und zerstört worden. Es war die Netherwell, das Admiralsschiff, wo
auch Adm. Croft, die Einsatzleiterin der Bluefox, an Bord war. Chollet
bestätigte dies zum Bedauern des Captains sogleich: «Captain, die Netherwell
wurde zerstört. Ich habe vor wenigen Sekunden einen Bericht von der Jackenboy
erhalten. Admiral Henning hat befohlen das Schiff in Sicherheit zu fliegen. Die
Jackenboy ist schwer beschädigt. Der Kubus hat die Flotte im Andromeda-Sektor
definitiv nicht ignoriert. Alle Schiffe außer der Jackenboy wurden gänzlich
vernichtet.» Bluefox war nun zum Handeln gezwungen. Da nun Hennings Zweitschiff
sowie Crofts Hauptschiff kampfunfähig geschossen oder zerstört waren, war
Bluefox der ranghöchste Offizier der Flotte. Er war sich dessen bewußt und
reagierte. Er sprach zum Rest der Flotte über die geöffneten Frequenzen: ««An
alle Schiffe, die noch übrig sind: Hier spricht Captain Matthew Bluefox vom
Raumschiff Bluefox! Ich übernehme das Kommando über die gesamte Flotte. Das
Admiralsschiff wurde soeben zerstört! Wir müssen unsere Kräfte auf einen Punkt
des Borgschiffes konzentrieren! Richten Sie Ihr Feuer auf folgende Koordinaten.
Feuern auf mein Kommando!»» – Dann tippte der Captain auf der Schalttafel von
Lore, der Ops, ein paar Zahlenkombinationen ein. Der Androide bemerkte:
«Captain, diese Koordinaten deuten auf kein vitales System eines Borgkubus
hin!» – «Vertrauen Sie mir, Lore!» meinte Bluefox sicher. Lore schickte die
Daten zur Flotte hinaus. Der Captain wartete, bis Chollet den entscheidenden
Bericht durchgab: «Die Flotte hat reagiert und hält sich bereit.» Bluefox zögerte
keine Sekunde und sprach: «Feuer!»
Alle Schiffe feuerten mit
allem, was sie hatten, auf die gleiche Stelle des Borgschiffes. Das Loch wurde
immer größer und größer! Da sprühten auf einmal Funken aus allen Stellen des
Borgwürfels! Bluefox befahl der Flotte: ««Feuer einstellen und in
Deckungsreichweite fliegen! Das Ding fliegt gleich auseinander!»» Doch noch
bevor der riesige Kubus explodierte, startete eine kleinere, kugelförmige
Sphäre der Borg aus einer gleich großen, ebenfalls runden Startrampe des Würfels.
Die Sphäre schaffte es, gerade noch herauszurasen, bevor der Kubus sich in
Hunderten von Stücken und einer giftgrünen Wolke auflöste! Einige große Trümmer
waren noch erkennbar. Das vergleichsweise kleine Borgschiff setzte einen Kurs
direkt Richtung Erde! Chollet an der Taktischen Station berichtete: «Captain,
der Kubus ist gänzlich zerstört, aber die Sphäre nimmt Kurs auf den
mitteleuropäischen Kontinent! Laut den visuellen Sensoren handelte es sich beim
Hauptschiff der Borg nicht um einen Taktischen Kubus, sondern, wenn ich das mal
so ausdrücken darf, lediglich um einen Standardkubus.» Ceagy fragte: «Sind
weitere Borgschiffe in der Umgebung der Erde oder der Föderationsgrenzen?» Lore
antwortete: «Ich kann Ihnen keine Antwort geben, Sir. Die Langstreckensensoren
sind offline. Wir haben am Kontrollraum der Langstreckensensoren auf Deck 27
einen direkten Treffer erhalten.» Chollet warnte: «Sir, es werden temporale
Aktivitäten in der Umgebung der Borgsphäre angezeigt!» Der Erste Offizier
wollte es genauer wissen und fragte den Sicherheitschef: «Welcher Art sind
diese temporalen Aktivitäten?»
«Es bildet sich in diesen
Momenten gerade ein Zeitstrudel um das Borgschiff. Laut den Daten, die ich
gerade von der Taktischen Station erhalte, fliegt die Sphäre direkt in die
Vergangenheit.» antwortete Chollet. Der Captain fragte Lore: «Wieviel
Lebenszeichen sind auf der Erde erkennbar?» – «Die Bevölkerung der Erde beträgt
ungefähr neun Milliarden. Alles Borg!» antwortete Lore. Knight, die bisher noch
gar nie etwas gesagt hatte, weil sie mit dem Durchsehen der Flottenverluste
beschäftigt war, reagierte auf den unfaßbaren Bericht von Lore total
verwundert: «Wie geht das?» Bluefox antwortete: «Sie haben es wohl in der
Vergangenheit getan. Da haben sie die Erde assimiliert und so die Geschichte
verändert!» antwortete Bluefox. Steuermann Patrick Strike fragte verblüfft:
«Und wieso sind wir dann noch hier?» Lore versuchte, eine passable Erklärung
für diese zweifellos äußerst interessante Frage des Steuermanns zu finden. Schließlich
antwortete er: «Vermutlich hat uns dieser Zeitstrudel von den Veränderungen
irgendwie geschützt!» – Lt. Cmdr. Haldman kam nun auch auf die Brücke und
setzte sich sogleich an eine der hinteren Brückenkonsolen, die hauptsächlich
Analyse- und Bibliothekkonsolen waren. Mit der Wissenschaftsleiterin betrat
auch Chefärztin Nicole Strike die Brücke. Natürlich wollte der Doktor diese
spannenden Momente miterleben. Ihr Bruder Patrick warnte den Captain: «Sir, der
Wirbel bricht zusammen!» Bluefox befahl dem Piloten: «Halten Sie Kurs,
Fähnrich! Wir folgen ihnen in die Vergangenheit. Wir müssen den angerichteten
Schaden wieder reparieren!»
Auf der Erde, in der Vergangenheit: Es war Nacht. In der Schweiz, genauer
gesagt, im zürcherischen Eglisau, lief mitten auf einem Feld noch eine Party.
In einem der drei Partyzelte brannte noch Licht. Es war augenscheinlich nicht
mehr viel los. Gerade liefen ein Mann um die fünfzig und eine vergleichsweise
sehr junge Frau, eher um die zwanzig Jahre aus dem beleuchteten Zelt. Der Mann
rief noch ins Zelt hinein: «Auf Wiedersehen und bis morgen!» Die beiden
schlenderten vom Zelt weg. Da sagte sie zu ihm mit einem verschmitzten Lächeln:
«Das werden Sie noch bereuen!» – «Wissen Sie, Annie, Sie kennen mich doch
langsam und Sie sollten bereits längst wissen: Ich bereue nie etwas!»
entgegnete der Mann. Einen Augenblick später stupste er Annie an und meinte mit
einer fast flehenden Stimme: «Na, kommen Sie, Annie, noch einen Drink!» – «Sie
kriegen wohl nie genug, Herr Örgelisauer!» meinte Annie genervt und fügte
hinzu: «Ich fliege sicher nicht mit, wenn der Pilot dieser Rakete betrunken
ist!» Örgelisauer konterte: «Und ich fliege das Ding sicher nicht, wenn ich
nüchtern bin!» Sie liefen noch ein Stück auf das offene Feld hinaus. Annie blickte
zu den Sternen hoch. Da fragte sie plötzlich: «Was ist das?» Er schaute auch
kurz nach oben und antwortete: «Das? Das ist das Sternbild des Löwen.» – «Nein!
Das!» rief Annie und zeigte dorthin, wo Örgelisauer hinschauen sollte. An
diesem Ort, sehr weit oben, bewegte sich ein Punkt zwischen den Sternen mit
einer ungewöhnlich hohen Geschwindigkeit. Einen kurzen Moment später sah es so
aus, als ob sich dieser Punkt teilen würde, aber das zweite Objekt wurde rasant
größer! Eine Sekunde danach wurde es, noch extremer als bei einem heftigen
Gewitter, taghell und ein Feuerball schlug etwa 40 Meter von den beiden
Personen entfernt, genau beim Partyzelt ein! Die Erde erbebte kurz und die
beiden Personen haute es von der Einschlagskraft des fremden Objektes voll auf
das dürre Gras! Ein paar Sekunden danach hob Annie den Kopf wieder an und rief:
«Das war ein Meteor!» – «Nach so vielen Jahren?» fragte sich Örgelisauer. Annie
warnte ihn: «Achtung! Noch einer! Auf den Boden!» – Schon schlug der nächste
Fremdkörper aus dem Nachthimmel ein, diesmal ein paar Meter rechts vom Zelt.
Annie war trotz der Riesengefahr neugierig und richtete sich in eine
Sitzposition auf. Sie wollte sehen, was sich beim Zelt abspielte. Die Leute
stoben in alle Richtungen davon. Einer packte sein Fahrrad und fuhr Richtung
Feldweg. Doch da knallte es ein drittes Mal an der exakt gleichen Stelle wie
beim zweiten Feuerball! Durch die Einschlagskraft schmierte es den Mann
geradewegs von seinem Fahrrad auf den Weg! Annie schrie zu Örgelisauer hinüber:
«Wir müssen zur Phoenix!» Örgelisauer entgegnete: «Zur Hölle mit der Phoenix!»
Auf die ersten drei Geschosse folgten weitere zwei und beide detonierten beim
vordersten Partyzelt. Der sechste Feuerball knallte in ein verstecktes Erdloch.
Dorthin versuchten Örgelisauer und Annie hinzugelangen. Es war eine
Raketenbasis, die im Besitz der beiden war. Plangemäß sollte die dort
stationierte Rakete am Morgen darauf starten.
Zurück im Weltraum: Die Bluefox trat aus dem Zeitstrudel aus. Man orientierte
sich zuerst einmal. Bluefox befahl: «Meldung!» Ceagy meldete sich:
«Schutzschilde unten, Langstreckensensoren noch offline.» Lore berichtete:
«Sir, den astrometrischen Aufzeichnungen zur Folge sind wir im späteren 21.
Jahrhundert. Es befinden sich radioaktive Isotope in der Atmosphäre der Erde.
Darauf ist zu schließen, daß wir uns etwa zehn Jahre nach dem dritten Weltkrieg
befinden.» schlußfolgerte der Androide. Ceagy meinte: «Klingt logisch,
Captain.» Knight fragte: «Warum logisch?» Bluefox erkannte die Logik. Er sagte:
«Ich verstehe, was Sie meinen, Commander. Alle wichtigen Städte sind stark in
Mitleidenschaft gezogen worden; es bestehen noch keine vernünftigen
Regierungen. Kurz gesagt: Kein Widerstand der Menschen!» realisierte Bluefox.
Da machte Chollet Bluefox auf das Geschehen am Hauptschirm aufmerksam. Bluefox
drehte sich um. Auf dem Schirm spielte sich etwas Unschönes ab. – Die
Borgsphäre feuerte mit bläulichen, torpedoähnlichen Geschossen auf die
Erdoberfläche! Bluefox befahl mit gereizter Stimme:
«Mr. Chollet, bereiten Sie
eine Salve Quantentorpedos vor! Machen Sie diese Sphäre unschädlich!» – Vier
Quantentorpedos wuchteten aus den Schächten der Torpedorampen des Raumschiffes
Bluefox und hielten mit einer enormen Geschwindigkeit auf die Borgsphäre zu!
Gleich daraufhin detonierten sie ziemlich genau im Kern der Sphäre. Durch die
Explosion der Torpedos riß es die ganze Kugel auseinander! Nur noch Trümmer
waren dort, wo noch vor wenigen Augenblicken eine ganze Borgsphäre war! Bluefox
wunderte sich: «Warum feuern sie auf die Oberfläche? Lokalisieren Sie bitte die
Einschlagsregion, Danny.» wies er Chollet an. Chollets Bericht ließ auch nicht
lange auf sich warten. Der Sicherheitschef sprach: «Die Geschosse gingen in der
Region der damaligen Schweiz nieder, genauer gesagt, etwa im Bereich des
Zürcher Rheingebietes! Linkerhand des Rheins befindet sich ein größeres Feld.
Dort detonierten die Körper.» Der Captain fragte: «Ist in der Nähe dieses
Feldes ein Gebäude oder ein Bunker oder so was? Nach dem dritten Weltkrieg wird
es eventuell noch solche Bunker oder vielleicht auch Waffenlager geben.» –
«Nein, nur drei kleine Zelte. – Doch, einen Moment! Hier habe ich etwas! Sehen
Sie sich das bitte einmal an!» forderte Chollet Bluefox auf. Der eilte zum
Taktikbildschirm hoch und schaute auf den kleinen Bildschirm. Es war ein
Infrarotbild. Bluefox staunte nicht schlecht! Er erkannte die Struktur und
beschrieb das, was seiner Meinung nach auf diesem Bild zu sehen war: «Das ist
eine Raketenbasis oder etwas in der Art! Sie liegt etwa 25 Meter unter dem
Boden. Eine Leiter führt hinunter. Ich glaube, wir sollten uns das einmal
ansehen. Ich habe eine Idee: Diese Basis könnte sogar die Raketenbasis des
legendären Hanspeter Örgelisauer sein! Er war der erste Mensch, der mit einem
weltraumtüchtigen Flugkörper die Warpgeschwindigkeit erreichte! Dann hätte ich
sogar das genaue Datum. Es wäre heute der 4. April im Jahr 2063.» Ceagy
bemerkte: «Der Tag vor dem ersten Kontakt.» Bluefox befahl: «Lore, überprüfen
Sie das!» Nur wenige Sekunden später fand Lore das genaue Datum heraus und
teilte es dem Captain mit: «Sie haben Recht, Sir! Wir schreiben in der
aktuellen Zeitlinie den 4. April 2063.» Knight erkannte: «Sie sind sicherlich
gekommen, um den ersten Kontakt zu verhindern.» Bluefox stimmte ihr zu:
«Richtig, und unsere Aufgabe wird es sein, die Borg an ihrem Vorhaben scheitern
zu lassen.» Dann fragte er den Steuermann: «Können Sie mir sagen, wie groß der
Schaden der Raketenbasis ist, Fähnrich?» «Nein, Sir, die Langstreckensensoren
sind immer noch offline.» antwortete Pilot Strike. Bluefox entschied: «Wir
müssen runterbeamen und selber handeln! Diese Basis ist für die Menschheit Gold
wert, wenn nicht sogar noch mehr. Lore, Nicole, Sie beide kommen mit mir.
Andrew, Sie haben in der Zwischenzeit das Kommando über die Bluefox und den
Rest der Föderationsflotte.» entschied der Captain. Er ergänzte per Funk:
««Bluefox an Sicherheit: Ein Supportteam soll uns in Transporterraum 2
treffen.»» Dann befahl er dem Computer noch: «Computer, Zivilkleidung; gegen
die Mitte des 21. Jahrhunderts.» Nach diesem Satz schloß sich die Tür des
Turbolifts.
Auf der Erde in der Nähe des Erdloches: Der Captain erblickte die Öffnung als
Erster und dirigierte die anderen in kürzester Zeit zu dieser Stelle. Drei Sicherheitsleute
der Jackenboy und die drei Führungsoffiziere der Bluefox stiegen eine an der
Wand angelehnte Leiter hinunter. Als die sechs Offiziere unten angekommen
waren, sahen sie nichts Schönes. Viele tote Menschen lagen herum und etliche
kaputte, zum Teil noch geladene Stromkabel hingen an den Wänden und von der
Decke herab. Strikes Kommentar von ihrem medizinischen Tricorder erschien daher
fast überflüssig: «Captain, diese Menschen sind alle tot.» Der Captain forderte
die anderen Offiziere auf: «Wir müssen das Warpschiff inspizieren und Hanspeter
Örgelisauer finden. Folgen Sie mir!» Zur Chefärztin und den drei
Sicherheitsleuten sprach er: «Sehen Sie bitte nach, ob Örgelisauer unter den
Toten zu finden ist.» Er wandte sich Lore zu und sagte zu ihm: «Und wir beide schauen
mal, in welchem Zustand das Warpschiff ist.» Lore und Bluefox öffneten
gemeinsam eine große, schwere Tür. Sie standen nun in einer hohen Halle. Die
Rakete war noch da und sogar an einem Stück erhalten! Lore informierte Bluefox:
«Ich scanne die Sache einmal.» Als er einen oberflächlichen Scan abgeschlossen
hatte, berichtete er: «Captain, das gibt viel Arbeit für die Techniker. Das
Schiff ist inwendig ziemlich beschädigt. Auch hier, zum Beispiel, im unteren
Mantelbereich hat es einige Dellen drinnen.» Der Captain lief einmal um die
ganze Rakete herum und meinte: «Ein interessantes Schiff ist es dennoch. Und
wichtig ist es sowieso.» – Da schoß plötzlich jemand mit einem Maschinengewehr
ohne Vorwarnung von einer der unteren Etagen in die Richtung von Bluefox und
Lore! – Die beiden Offiziere hechteten sofort hinter zwei große Container in
Deckung. Bluefox rief nach draußen: «Nicht schießen! Wir wollen Ihnen helfen!»
Doch der Schütze, oder eher die Schützin, schrie zurück: «Blödsinn!» Sogleich
ballerte sie mit Dauerfeuer weiter in die Richtung der beiden Offiziere! – Lore
nahm seine momentane Pflicht, den Captain zu schützen, voll und ganz wahr und
sprach zu Bluefox: «Sir, lassen Sie mich das erledigen.» – «Ich bitte Sie
darum!» antwortete Bluefox, immer noch überwältigt von dem Schrecken, der ihm
soeben durch diese Schüsse eingejagt worden war. Lore stieg hastig einige
Treppen hinunter und näherte sich rapide der Stelle, von der die Schüsse
herkamen. Lore erblickte die Täterin und schlich genau über die Stelle, wo sie
stand! Zum Glück merkte es die Frau nicht, daß Lore da oben war! Sie hatte
langes, schwarzes Haar und eine braune, für ihre Körperstatur eindeutig zu lang
geschneiderte Lederjacke. Noch immer blickte sie ganz gespannt zum Captain
hoch, doch der war hinter diesen beiden Containern sehr gut geschützt. Lore
entdeckte eine Stelle, die ihn vier Stockwerke nach unten befördern würde.
Dafür mußte er aber hinunterspringen, denn eine Leiter oder eine Treppe gab es
dort nicht. Für Lore waren Sprünge dieser Höhe kein Problem, also sprang er
einfach, ohne zu zögern, hinunter! Warum er das gemacht hatte, zeigte sich
sofort. – Er stand genau vor der fremden Dame mit der Maschinenpistole! Die
eröffnete natürlich sofort das Feuer auf den Androiden! Doch Lore, einem Mann
aus Prozessoren und Schaltkreisen, machte das wenig aus, solange er nicht am
Hinterkopf heikel getroffen wurde. Nach ein paar Schußserien hatte die äußerst
aggressiv wirkende Frau plötzlich keine Munition mehr in ihrer Waffe! Sie
schaute Lore an und sah, daß der zwar sicher um die 30 Löcher in seinem
Pullover hatte, aber immer noch stand! Der Androide sagte freundlich zu der
völlig verdutzten Frau: «Ich grüße Sie!» – Das war etwas zu viel für die junge
Scharfschützin und sie wurde ohnmächtig! Lore rief in die Richtung von Bluefox:
«Captain! Die Gefahr ist gebannt! Aber ich denke, diese junge Dame, die auf uns
geschossen hat, benötigt nun ärztlichen Beistand!» – Der Captain kam hinter den
Tonnen hervor. Zusammen brachten sie die Frau zu Strike in die Vorhalle. Dort
konnte der Doktor sie provisorisch behandeln. Die Chefärztin sagte aber noch zu
Bluefox und Lore: «Captain, Commander, ich muß mich und Sie beide impfen. Sie
hat Thetastrahlenvergiftungen schwerster Art!» Lore bemerkte die Strahlung,
wußte jedoch nicht, daß sie gefährlich war. Er informierte: «Die Strahlung
tritt durch eines der defekten Ansaugventile aus. Ich schlage vor, wir sollten
diese Stelle zuerst reparieren.» Strike injizierte sich und den beiden Männern
ein Antiserum aus ihrem Hypospray. Sie sagte: «Ich muß mit ihr auf die
Krankenstation.» Bluefox entgegnete in einem mahnenden Tonfall: «Doktor, die
Oberste Direktive!» Strike sprach etwas genervt: «Captain, bitte nicht die
Oberste Direktive! Ich werde sie schon bewußtlos halten. Ich bin mit den
medizinischen sowie mit den sozialen Protokollen der Sternenflotte vertraut!»
Bluefox entschied: «Wie Sie meinen, aber dann muß Commander Ceagy mit einem
Suchtrupp runterkommen. Örgelisauer war nicht unter den Toten, wie ich sehe.
Also könnte er noch leben. Wir müssen ihn finden!»
Nachdem Strike ihre
Patientin für einen Transport vorbereitet hatte, funkte sie an Whiteman:
««Strike an Raumschiff Bluefox: Beamen Sie mich und die Person bei mir direkt in
die Krankenstation.»» Auch Bluefox nutzte die Gelegenheit sein Schiff kurz zu
kontaktieren: ««Außenteam an Maschinenraum!»» – ««Steaner hier!»» antwortete
die Chefingenieurin. ««Commander, wir haben hier unten ein Problem.
Örgelisauers Rakete wurde durch den Borgangriff schwer beschädigt. Beamen Sie
mit einem Trupp Techniker direkt in die Raketenhalle der Basis. Es gibt eine
Menge Arbeit.»» erklärte Bluefox Steaner die Mission. ««Ich habe verstanden.
Steaner, Ende.»» bestätigte Steaner und schloß den Kanal zu Außenteamleiter
Bluefox. Der kontaktierte sogleich auch noch Ceagy: ««Andrew, hier ist Matt.
Wir haben Örgelisauer immer noch nicht gefunden. Sie müssen mit einem kleinen
Suchtrupp ebenfalls runterbeamen und ihn finden. Er kann nicht weit weg sein, wenn
ihm die Flucht gelang.»» – ««Hier Andrew, alles klar! Ich bin gleich unten!»»
bestätigte der Erste Offizier und schloß die Verbindung zum Captain.
Inzwischen im
Maschinenraum: Steaner erklärte nach dem Funkspruch des Captains die Mission
ihrem Stab: «Sie haben es vielleicht gehört. Wir müssen auf die Erde beamen. Es
gibt dort an einer Warprakete des 21. Jahrhunderts einiges zu reparieren.
Crossnicholls, Webber, Berger: Sie drei leiten die Einsatzteams, bestehend aus
je vier Personen! Zum Glück haben wir so viele Techniker bekommen durch die
Nottransporte. Ich werde die ganze Arbeit koordinieren und bei Problemen
helfen. Lieutenant Werwealy, Sie haben das Kommando im Maschinenraum, bis ich
wieder zurück bin. Checken Sie mit den restlichen Technikern an Bord noch die
Hauptumweltsysteme, es wird zu warm hier drinnen. Na dann, los!» Denise Werwealy und ihr
Bruder Fabius Werwealy waren die einzigen Crewmitglieder der Bluefox, die im
Maschinenraum zurückblieben. Ein paar gerettete Techniker von anderen Schiffen
arbeiteten noch vereinzelt an verschiedenen Stationen auf dem Unterdeck des
Maschinenraums. Die Geschwister Werwealy machten sich also auf dem Oberdeck an
die Arbeit an den Umweltsystemen. Fabius las den Bericht einer Konsole und
leitete es an seine Schwester weiter: «Es scheint, als würden alle
Umweltsysteme, nicht nur diejenigen im Maschinenraum verrückt spielen. Die
Temperatur ist auf dem ganzen Deck angestiegen!» Denise schlug vor: «Gehe mal
in die Jeffriesröhre. Vielleicht hast du dort mehr Erfolg.» «Gute Idee.»
erwiderte ihr um fünf Jahre jüngerer Bruder. Er kroch in die Jeffriesröhre. –
Da hörte er ein seltsames Geräusch! Sofort reagierte Fabius: «Hallo? Arbeitet
denn sonst noch jemand in dieser Sektion?» Er erhoffte sich eine Antwort von
irgendeinem Crewmitglied in der Röhre. Doch keiner antwortete. Da rief Denise
ihm plötzlich zu: «Redest du mit mir?» «Nicht direkt! Sind noch andere Leute
hier drinnen?» fragte Fabius. Denise antwortete: «Es hat sich niemand bei mir
abgemeldet. Es dürfte niemand drinnen sein.» Fabius kroch weiter und kam zu
einer Kreuzung. Er wollte geradeaus kriechen. – Da packte ihn auf einmal etwas
Grobes am Arm! Denise hörte nur noch einen kurzen Schrei von ihrem Bruder! Sie
rief besorgt: «Fabius? Alles in Ordnung da drinnen?» – Als sie keine Antwort
bekam, fand sie das sehr merkwürdig und kroch ebenfalls in die Röhre hinein.
Sie rief nochmals den Namen ihres Bruders. – Wieder keine Antwort. Sie kroch
weiter bis zu der Kreuzung. Erst blickte sie nach rechts, dann nach links. – Sie
konnte ihren Augen nicht trauen! Aber da war es schon viel zu spät. Auch sie
wurde von der Gestalt vollkommen überrascht! Sie hatte nicht mal den Hauch
einer Chance sich zu wehren!
Inzwischen beamten die drei Technikertrupps von der Bluefox in die Halle und
arbeiteten bereits seit zwei Stunden fleißig an der Rakete. Auch Bluefox und
Lore halfen tüchtig mit! Während einer kleinen Arbeitspause ging der Captain
ganz nahe zur Rakete hin und berührte vorsichtig eine Stelle. Lore, der gleich
neben ihm stand, fragte ihn verwundert: «Warum berühren Sie die Rakete?»
Bluefox antwortete: «Wissen Sie, Lore, als ich noch ein kleiner Junge war,
durfte ich dieses Schiff einmal im Museum hinter 30 Zentimetern Panzerglas
betrachten. Jetzt darf ich es sogar berühren! Das ist etwas ganz Besonderes!» –
«Verändert sich mit der Berührung des Schiffes Ihr Gefühl?» fragte der
Androide. Bluefox antwortete: «Ja. Das würde ich sagen.» Lore berührte die
Rakete auch. Allerdings kam er nicht auf das, was er sich erhofft oder erdacht
hatte. Das hängte bestimmt damit zusammen, daß er seinen Emotionschip
deaktiviert hatte. Er bemerkte nur stirnrunzelnd: «Es gibt Unvollständigkeiten
im Titanmantel, Temperaturschwankungen am Ansaugrohr.» – «Für die Menschen ist
es eben noch einiges mehr. Ich finde, daß Berührungen den Fühlenden mit der
Materie irgendwie verbindet!» meinte Bluefox. Als der Captain mit seinem Satz
fertig war, rief plötzlich Steevy Knight, die den beiden bereits eine Weile
zugehört hatte, hinunter: «Darf ich die holde Dreisamkeit stören?» –
«Counselor? Auch hier?» reagierte der Captain. «Keine Spur von Örgelisauer, in
der ganzen Basis nicht.» antwortete Knight. Bluefox bemerkte kopfschüttelnd:
«Ich begreife das nicht. Dieses Schiff muß doch sein Ein und Alles gewesen
sein. Abgesehen davon muß diese Rakete in weniger als 24 Stunden starten, sonst
sind die Vulkanier über alle Berge!» Knight meinte ernst: «Matt, wir müssen uns
langsam mit der Annahme anfreunden, daß Hanspeter Örgelisauer beim Angriff auf
die Basis getötet wurde.» – «Wenn das wahr ist, dann stirbt die Zukunft mit
ihm.» entgegnete der Captain mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. Knight
und Ceagy stiegen die Treppen hinunter, bis sie bei Bluefox und Lore ankamen.
Ceagy bewunderte die alte Rakete und sagte zu Bluefox: «Das war mal eine
Atomrakete aus dem dritten Weltkrieg! Wirklich erstaunlich, was Örgelisauer
daraus gemacht hat. Wenn die Borg wüßten, wieviel Arbeit dahintersteckte, um
diese Rakete umzubauen, dann hätten sie es sich überlegt, sie einfach zu zerstören.
Atomwaffen hätten sie sicherlich assimilieren können!» scherzte der Erste
Offizier. Bluefox entgegnete schmunzelnd: «Wohl kaum, Commander. So eine alte
Technologie würden die Borg nicht mal als Brotzeit assimilieren.» Lore
bemerkte: «Es ist eine Ironie des Schicksals. Örgelisauer sucht sich eine
Massenvernichtungswaffe aus, um damit eine Ära des Friedens einzuleiten.» – Da
hörte der Captain auf einmal etwas, was ihm überhaupt nicht paßte! Er bekam
irgendwie ein Geräusch in seine Ohren, welches ihn ganz stark an die Borg
erinnerte! Er horchte noch einmal ganz genau hin. War es wieder ein Traum?
Nein, diesmal nicht! Er konnte es spüren! Irgendwie hatte ihn der Geist des
Kollektivs nochmals überrascht! Steevy Knight merkte, daß mit dem Kommandanten
etwas nicht stimmte. Sie fragte ihn sofort: «Alles in Ordnung, Sir?» In diesem
Moment besann sich Bluefox wieder, gab der Schiffsberaterin aber keine Antwort,
sondern begann plötzlich, schnell zu gehen! Er schritt Richtung Ausgang der
Basis. Die Anderen liefen hinter ihm her. Der Captain funkte ans Schiff:
««Brücke, hier spricht der Captain! Ist bei Euch oben alles okay?»» – ««Hier
Chollet, Sir. Fast alles, die Umweltsysteme im Maschinenraum sind etwas
durcheinander. Warum?»» entgegnete Chollet. Bluefox klärte den Sicherheitschef
auf: ««Ich komme mit Lore auf die Bluefox zurück. Machen Sie sich auf den
Transport gefaßt.»» Er schloß den Kanal durch das Antippen seines
Kommunikators. Ceagy war sichtlich besorgt. Er hatte keine Ahnung, was dem
Captain soeben widerfahren war und er konnte sich wahrlich keinen Reim daraus
machen! Bluefox befahl seinem Team: «Sie bleiben hier und suchen Örgelisauer,
Commander. Counselor, Sie bleiben ebenfalls unten. Es wird weiterhin an der
Rakete gearbeitet. – Ich bin vollkommen in Ordnung, vertrauen Sie mir, Andrew!
Kommen Sie, Lore.» Der Captain funkte noch einmal an Chollet, der inzwischen
auf der Bluefox das Kommando hatte: ««Danny, welcher Art sind die
Umweltschwierigkeiten?»» – ««Die Luftfeuchtigkeit ist auf 73 Prozent gestiegen.
Die Temperatur ist in der letzten Stunde um zehn Grad angestiegen.»» – ««Zehn?
Ich höre wohl nicht recht! Ich bin schnellstens oben!»» Bluefox und Lore ließen
sich sofort an Bord beamen. Ceagy und Knight guckten etwas verdutzt dorthin, wo
sich Lore und Bluefox gerade dematerialisiert hatten.
Auf
der Krankenstation sollten diese seltsamen Ereignisse nicht ausbleiben. Strike
meinte: «Ich denke, sie wird wieder vollkommen gesund. Doktor Snyder, Sie
wissen, daß wir die junge Frau um jeden Preis bewußtlos halten sollten.»
erinnerte die Chefärztin ihre Stellvertreterin. Dr. Crossnicholls beschwerte
sich: «Es ist so heiß!» Snyder nickte zustimmend und meinte: «Ja, das ist mir
auch aufgefallen. Ich schaue einmal, was der Grund sein könnte.» Snyder lief
zum Computertisch hinüber. Da fiel auf einmal für etwa zwei Sekunden das Licht
auf der Krankenstation aus! Crossnicholls fragte etwas verängstigt: «Und was
war das?» Strike funkte sicherheitshalber an den Maschinenraum: ««Strike an
Maschinenraum!»» Keine Antwort. ««Strike an Brücke!»» Plötzlich hämmerte etwas
sehr Kräftiges an die Krankenstationstür! Die Tür kriegte gleich nach dem
ersten Schlag eine Beule! Das war mehr als besorgniserregend, denn solche Türen
besaßen starke Tritaniumlegierungen, die als Isolations- und Schutzmittel vor
den Weltraumverhältnissen dienten. Diese Legierungen mußten also weit mehr
aushalten als bloß ein paar Fäuste!
Bluefox und Lore kamen unterdessen auf
der Brücke an. Der Captain verlangte von seinem Sicherheitschef einen Bericht.
Chollet rapportierte: «Wir haben soeben den Kontakt zu Deck 36 verloren! Innere
Sensoren, Kommunikation, Hauptkontrolle, einfach alles! Ich wollte gerade ein
Sicherheitsteam hinschicken zur Überprüfung.» Doch Bluefox entgegnete wie aus
der Pistole geschossen: «Nein! Sie verriegeln Deck 36 und postieren Wachen rund
um die Uhr.» Nach dieser Anweisung fragte der Captain F. Strike: «Patrick, was
waren die letzten Werte der Umweltsysteme auf Deck 36?» – «Der Luftdruck war
zwei Kilopascal über normal, die Luftfeuchtigkeit betrug 92 Prozent und die
Temperatur 39,1 Grad Celsius.» berichtete Strike. Bluefox kriegte fast einen
Kollaps! Nach einem kurzen Augenblick faßte er sich wieder und sprach, als wäre
er in Trance: «39,1 Grad Celsius. Wie in einem Borgschiff.» – Einen Augenblick
lang blieb alles totenstill auf der Brücke, sicher fast eine halbe Minute!
Bluefox brach das Schweigen als Erster und meinte nervös: «Das war unser
Fehler! Unsere Schilde waren immer unten! Sie haben sich hierher transportiert,
ohne entdeckt zu werden!» Der Steuermann fragte beunruhigt: «Und jetzt?» –
«Jetzt assimilieren sie die Bluefox und dann die Erde.» antwortete Bluefox. Er
begab sich zum zentralen Funksystem und wollte mit dem Außenteam auf der Erde
Kontakt aufnehmen. Er sprach: ««Bluefox an Ceagy!»» – Auf der anderen Seite, wo
eigentlich der Erste Offizier hätte antworten sollen, hörte man nur ein
Knistern, kurz darauf gar nichts mehr! In diesem Moment wurde es plötzlich
stockfinster auf der Brücke! Kurz später wieder hell, dann wieder dunkel! Es
wechselte sich immer so ab. Bluefox wollte wissen: «Was zum Teufel ist da los?»
Haldman warnte: «Die gesamten Hauptsysteme werden in den Maschinenraum
umgeleitet! Waffen, Schilde, Antrieb und vieles mehr!» Bluefox befahl:
«Schnell, Mr. Lore, sperren Sie den Hauptcomputer!» Lore eilte zum
Hauptschaltpult am hinteren Teil der Brückensysteme. Er tippte unfaßbar schnell
eine wirre Zahlenkombination ein. Daraufhin bestätigte er seinen Code noch
einmal. Der Einsatzleiter klärte den Captain auf: «Ich habe den Hauptcomputer
mit einem fraktalen Verschlüsselungscode isoliert. Ich denke nicht, daß die
Borg im Stande sind, ihn zu knacken.» – «Gut gemacht, Lore!» lobte Bluefox
seinen ehemaligen Chefingenieur. Er war immens froh, daß er, wenn es wirklich
oberbrenzlig wurde, immer noch einen Rückhalt hatte, der ihm und seiner Crew
schon mehrere Male aus der Patsche geholfen hatte und es wohl auch in dieser
Situation, zumindest für die kommenden Stunden wieder tun konnte. Ohne Lore,
das war sich Bluefox sehr wohl bewußt, wäre die Bluefox-E während der Mission
im Andromeda-Asteroidengürtel ohne Sauerstoff und ohne Rettungsmöglichkeiten
zur Leichenhalle geworden. Damals zögerte Lore das Unaufhaltbare entscheidend
heraus, bis die Romulaner ein gutes Herz hatten mit der Bluefox-Crew und sie
alle retteten. – Haldman gab erneut einen kurzen Ereignisbericht durch:
«Captain, die Borg haben die Stromversorgung vollkommen abgeschaltet,
ausgenommen auf Deck 36.» – «Die Borg werden mit Sicherheit nicht auf Deck 36
bleiben.» entgegnete der Captain überzeugt.
Vor der Krankenstation hämmerte natürlich eine Borgdrohne an die Tür, die von
der kybernetischen Kreatur bereits ziemlich malträtiert worden war und nun kurz
vor dem Einbruch stand! Strike blieb nichts anderes übrig, als die junge Frau
aus dem 21. Jahrhundert aufzuwecken. Schließlich wollte die Chefärztin, daß
alle überleben. «Kommen Sie, kommen Sie! Wachen Sie auf!» feuerte Strike die
Patientin an. Auf einen Schlag richtete sich die völlig orientierungslose Frau
auf und fuchtelte mit ihren Händen herum! Strike sprach: «Ganz ruhig, ganz
ruhig!» Snyder eilte zur Hilfe. Strike erklärte: «Wir müssen die Jeffriesröhren
benutzen, um hier rauszukommen! Debbie, ist das medizinische Notfallprogramm
noch aktiv?» – «Ja, ich denke schon.» antwortete Crossnicholls auf Strikes
Frage. Die Chefärztin befahl dem Computer: «Computer, das Medizinische
Holographische Notfallprogramm aktivieren!» Ein holographischer Doktor erschien
neben dem Biobett, auf dem sich vorhin gerade noch die Patientin aus der Vergangenheit
befand. Er sprach: «Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls.»
«Zwanzig Borg werden gleich diese Tür durchbrechen! Versuchen Sie, sie etwas
aufzuhalten!» befahl Strike dem MHN. Das Hologramm jedoch entgegnete: «Ich bin
ein Arzt und kein Türstopper!» – «Das ist mir egal! Wir müssen schauen, daß wir
weiterleben! Erzählen Sie ihnen Witze, tanzen Sie oder sonst der Gockel was,
aber verschaffen Sie uns ein paar wichtige Sekunden!» rief Strike gereizt. Dann
verschwand sie in der Jeffriesröhre und schloß die Luke von innen. – Da gab die
Tür nach und die Borg betraten sogleich den Vorraum der Krankenstation! Der
holographische Doktor sprach zu ihnen: «Laut medizinischen
Forschungsergebnissen der Sternenflotte können Borgimplantate schwere Hautreizungen
hervorrufen!» – Er machte eine Pause. Er kam auf einmal an der Wand an, weil er
ständig rückwärts laufen mußte. Die Borg kamen immer näher! – «Vielleicht
möchten Sie eine allergetische Salbe?!» schlug das MHN vor und die Mundwinkel
schossen in die Höhe zu einem breiten Grinsen. Als der Doktor jedoch merkte,
daß die Borg überhaupt nicht auf Kooperation aus waren, sackten die Mundwinkel
wieder herab und er schloß die Augen. Er konnte sich denken, was die Borg nun
versuchten, mit ihm anzustellen. Der photonische Arzt hatte seinen Dienst aber
nicht schlecht erfüllt und Strikes Gruppe wichtige Sekunden Zeit verschafft! In
der Zeit, in welcher der Doktor die Borg aufzuhalten versuchte, krochen die
Ärztinnen und ein Sicherheitsoffizier mit der jungen Frau durch den engen
Korridor der Jeffriesröhre. Die Zweite in der Kolonne, Izy Snyder, fragte
Strike an einer Kreuzung: «Wohin?» – «Nach links! Einfach nur noch runter von
diesem Deck!» entschied Strike. Alle folgten ihr. Nur die junge Frau, die am
Schluß der Kolonne war, nicht! Sie kroch nach rechts! Das war natürlich purer
Schwachsinn, aber sie wollte eben frei sein.
Im Frachtraum wurden derweil die Waffen für allfällige, allem Anschein nach
unausweichliche Kämpfe gefaßt. Chollet warf jedem ein Kompressionsgewehr zu.
Während der Sicherheitschef die länglichen Phasergewehre mit Schwung verteilte,
erklärte Bluefox die Mission: «Wir müssen zum Maschinenraum. Das Hauptproblem:
Wir werden viele Drohnen erschießen müssen. Falls wir den Maschinenraum
erreichen sollten, kommt folgende Schwierigkeit noch hinzu: Wir riskieren mit
unseren Partikelwaffen den Warpkern zu treffen. Besser wäre es, ein Loch in
einen der beiden Plasmakühltanks links und rechts vom Kern zu schießen. Lore?»
Bluefox schaute Lore an. Der reagierte sogleich und erwiderte: «Ausgezeichnet!
Plasmakühlmittel löst organische Stoffe in Flüssigkeit auf, welche danach
sofort durch die entstandene Hitze verdampft.» Chollet bemerkte: «Die Borg sind
aber nicht vollkommen organisch.» Bluefox erklärte: «Das macht nichts. Die Borg
sind eine biologische, humanoide Lebensform und können ohne ihre organischen
Komponenten nicht überleben.» Er machte eine Pause und schaute alle noch einmal
genau an. Daraufhin sprach er: «Noch eine wichtige Information, bevor Sie sich
alle in die Gruppen verteilen: Es könnten Ihnen Föderationsoffiziere begegnen,
die bereits assimiliert sind. Sie sollten dann trotzdem schießen!» Man schaute
sich komisch an. Einige suchten den Blick zum Captain. Er wurde mehrheitlich
verwundert angesehen. Bluefox versicherte: «Sie tun ihnen damit einen Gefallen,
glauben Sie mir das.» Mit gemischten Gefühlen und einer großen Portion
Unsicherheit teilten sich die Offiziere in zwei Gruppen auf. Die eine wurde von
Bluefox geführt, die andere von Chollet. Lore gesellte sich zu Bluefox‘ Gruppe.
Die Eglisauer hatten sich vom Angriff der Borg wieder erholt. An einigen
Stellen mußte noch aufgeräumt werden, aber so richtig schlimm war es nicht
mehr. Im hintersten Partyzelt lief schon wieder eine Fete! Schon von weit
draußen war die dröhnende Rock’n Roll-Musik zu hören. Im Zelt drinnen saß
Steevy Knight, aber warum? Das Außenteam war mit den Reparaturen fertig, konnte
aber nicht an Bord der Bluefox beamen, weil dort oben schon das reinste Chaos
ausgebrochen war. Davon wußte das Außenteam nichts, weil es ja Bluefox nicht
mehr schaffte, mit Ceagy oder einem anderen Mitglied des Außentrupps Kontakt
aufzunehmen. Weil die Crewmitglieder der Bluefox auf der Erde von der Suche
nach Hanspeter Örgelisauer bereits ziemlich erschöpft waren, beschlossen sie,
sich dem Fest anzuschließen. Ein Großteil des Außenteams vergnügte sich im
Partyzelt von Eglisau. Knight jedoch schien schon nicht mehr so richtig
anwesend zu sein! Sie stützte den Kopf auf die linke Handfläche ab und schaute
etwas belämmert auf den Tisch! Von außen kam Ceagy ins Zelt herein. Er rief
dreimal den Vornamen von Knight (Steevy), doch die hörte nichts, weil die Musik
im Zelt schaurig laut war! Ceagy setzte sich zu Knight hin und wiederholte
sich: «Steevy?!» Da schaute sie endlich zu ihm auf und hatte ihn erhört! Sie
gab schlaff zurück: «Was?» Ceagy meinte: «Die Musik ist verdammt laut. Ich
schalte sie ab!» Er stand wieder auf und zog den Stecker aus der Musikanlage. Knight
rief: «Nein, Andrew! Schalten Sie die Musik nicht ab!» Da flog eine Whiskyflasche
haarscharf an Ceagys Kopf vorbei! Ein älterer Mann rief von der Bar aus zu
Knight hinüber: «Wer ist denn der Trottel? Wer hat ihm gesagt, er solle
die Musik abschalten?!» Der Herr hatte schon recht einen sitzen. Ceagy rief
empört zurück: «Hey! Sie hätten mich fast abgeschossen mit dieser Flasche!
Schade um den Inhalt!» fügte er hinzu. Knight meinte cool: «Beruhigen Sie sich,
Andrew. Ich habe eine Überraschung parat!» – «Aha, schießen Sie los!» meinte
Ceagy gespannt. Knight wandte sich dem älteren Mann zu, der sich ihnen näherte
und sprach: «Darf ich vorstellen: Andrew Ceagy...» Sie wandte sich nun Ceagy
zu. «...Hanspeter Örgelisauer!» Der Trinker wollte sofort wissen: «Ist das ein
Freund von Ihnen?» – «Ja.» antwortete Knight. «Ihr Mann?» fragte Örgelisauer.
Knight gab schmunzelnd zur Antwort: «Nein.» – «Gut!» gab Örgelisauer mit einem
langgezogenen ‚u’ zurück und kicherte. «Und das hier, Beevy...» wollte
Örgelisauer anfangen, doch Knight unterbrach ihn und sagte genervt: «Steevy!» –
Sie wußte nicht, ob er es verstanden hatte. Auf jeden Fall fuhr er fort: «Das
hier, das ist guter Stoff!» behauptete er. Er zeigte ihr eine Flasche mit
hochprozentigem Inhalt, stellte sie hin und schenkte Knight etwas davon in ein
Glas, das bei ihr stand. Auch sich selber schenkte er ein, bedeutend
ausgiebiger. Ceagy wollte Örgelisauer etwas fragen, doch der hörte nicht auf
den Ersten Offizier. Er guckte zu Knight und sprach einen Toast aus: «Auf die
Phoenix! Sie ruhe in Frieden!» Kaum hatte er es gesagt, setzte er an und trank
das Glas in einem Zug aus! Sie nahm ebenfalls einen Schluck, doch kaum hatte
sie das undefinierbare Alkoholgetränk heruntergeschluckt, mußte sie sofort
heftig husten. Örgelisauer hingegen schwang mit seinem linken Arm dreimal
kräftig durch und prustete: «Oh, Wow!» Als er sah, daß es ihr nicht so behagte,
sah er die Flasche ein Weilchen an. «Na ja, so gut war der auch nicht.» sagte
er plötzlich und warf die Pulle achtlos in hohem Bogen einige Meter von sich
weg. Kurz darauf zerschellte die Buddel an einer eisernen Platte. Knight
schaute Ceagy wieder an und meinte: «Andrew, ich denke, wir müssen ihm die
Wahrheit sagen.» Ceagy entgegnete: «Die Wahrheit ist, daß die Zeitlinie...»
Weiter kam er nicht, weil ihn die Schiffsberaterin plötzlich mit lauter Stimme
unterbrach: «Die Zeitlinie? Wir haben überhaupt keine Zeit, um über die Zeit zu
sprechen! Soviel Zeit haben wir nicht!» rief sie aus. Nach einer kurzen Pause
fragte sie Ceagy: «Was habe ich gesagt?» Er lachte und meinte vergnügt: «Sie
sind besoffen!» – «Das bin ich nicht!» dementierte der Counselor vehement.
Ceagy bekräftigte: «Oh, aber ja doch!» Knight gab es auf und erklärte, was
passiert war: «Er hat gesagt, er rede nicht mit mir, wenn ich nicht mit ihm
trinke, also haben wir dann zusammen getrunken. Irgendwas. Ich glaube, es heißt
„Teekiller“ oder so ähnlich. Nur auf diese Weise konnte ich herausfinden, wer
er eigentlich ist und jetzt weiß ich, daß er der Mann ist, den wir suchen! Und
dann kommen Sie und kritisieren meine Untersuchungsmethoden!»
Sie betonte dreimal kräftig und drückte mit ihrem Zeigefinger bei jeder
Betonung energisch auf die Brust des Ersten Offiziers. Der entschuldigte sich
und konnte sich einen weiteren Lacher nicht verkneifen. Knight stand auf und
bewegte sich zum Zeltausgang. Ceagy wollte sie etwas stützen, aber sie wehrte
ihn ab. Einen Moment später erklärte sie: «Ich habe nur versucht mich
anzugleichen.» – «Das ist Ihnen auch gelungen.» erwiderte Ceagy. Knight meinte
verzweifelt: «Ich habe ihm unsere Alibigeschichte erzählt, aber er hat mir
nicht geglaubt!» – «Es bleibt uns keine Zeit mehr! Wenn wir ihm die Wahrheit
sagen, glauben Sie, er kann damit umgehen?» fragte Ceagy. «Wenn Sie meine
Meinung als Schiffscounselor hören wollen, und das wollen Sie doch: Er ist
verrückt!» gab Knight zur Antwort. Ceagy bemerkte: «Gut, ich werde das in mein
Logbuch eintragen.» Örgelisauer war inzwischen zur Musikanlage getorkelt und
hatte sie wieder mit Strom versorgt. Die laute Musik ertönte wieder, noch
schriller als zuvor, so schien es Ceagy. Zum ganzen Unheil begann der trinkende
Doktor auch noch zu tanzen! Das sah ziemlich schräg aus, besonders wenn er
seine frei interpretierte Version des legendären „Michael-Jackson-Griffs“ – mit
der offenen Hand an das beste Stück – zeigte! Der Alkohol zeigte plötzlich auch
auf Knight Wirkung: Sie kippte um! Ceagy konnte nur noch den Kopf schütteln und
studierte am Namen des Getränks herum. „Teekiller“? Nein, das konnte es
wirklich nicht sein. Ceagy glaubte plötzlich es herausgefunden zu haben:
Tequila! J
Auf
der Bluefox waren derweil die beiden Teams unterwegs zum Maschinenraum. Es war
fast vollkommen dunkel. Nur das Blinken der roten Neonröhren an den Wänden auf
beiden Seiten, auf Bauchhöhe der Offiziere, erhellte die langen Korridore kurz.
Die Neonlichter signalisierten natürlich die rote Alarmstufe. Zuerst sah es
noch friedlich aus. Die Teams verließen die Brücke auch erst gerade. Dann
wechselten die Leute aus dem Team des Captains das Deck, indem sie eine Luke im
Boden öffneten und hinuntersprangen. Die Decks waren bloß zweieinhalb Meter
hoch. Man mußte also, wenn man an sich an den Rand des Oberdecks hängte,
höchstens einen Meter in der Luft zurücklegen um auf das Unterdeck zu gelangen.
Für geübte Leute wie die Offiziere der Bluefox war ein Meter noch keine
wirklich gefährliche Höhe. – Die Gruppe des Captains erreichte Deck 35, also
das Deck über dem Maschinenraum. Lore übernahm kurzfristig die Führung und bog
in eine Kurve. Er schaute, ob die Luft rein war. Das war sie, aber die Wände
waren bereits mit etlichen Röhren und Kabeln versehen! «Hier waren sie also
schon.» bemerkte Bluefox. Lore meldete sich plötzlich: «Captain, ich empfinde
irgendeine Art Angst! Das ist ein faszinierendes Gefühl!» «Lore, ich kann Ihnen
wohl glauben, daß diese Sache sehr heikel ist. Ich denke aber, es ist besser,
wenn Sie Ihren Emotionschip vorübergehend deaktivieren.» bat Bluefox Lore. Der
Androide nickte und entgegnete: «Gute Idee, Sir. – Erledigt.» Bluefox bemerkte:
«Mr. Lore, ich beneide Sie manchmal.»
Die Gruppe setzte ihren gefährlichen Trip zum Maschinenraum fort. Immer wieder
trafen sie auf deutliche Anzeichen dafür, daß es sich die Borg auf der Bluefox
bequem machten. Da gelangten sie an eine Stelle, wo der Boden durchgebrannt
war! Man konnte also Deck 36 von Deck 35 aus sehen. Bluefox kommentierte die
Situation mit seinem typischen Humor für brenzlige Lagen: «Nett, nicht? Jetzt
müssen wir nicht mehr bis zur Luke laufen.» Sie stiegen also vorsichtig
hinunter. Kaum waren alle wieder richtig auf dem Boden angelangt, waren auch
schon prompt einige Borgdrohnen zu sehen, die an den Wänden der Korridore
arbeiteten und eigene Leitungen montierten. Zum Glück mißachteten sie die
Gruppe der Sternenflottenoffiziere. Bluefox informierte zur Beruhigung des Teams:
«Sie ignorieren uns, wie ich erwartet hatte. Das ist auch gut so.» Zwei
Borgdrohnen marschierten nebeneinander durch den Korridor. Die Offiziere
machten ihnen schön Platz. Bluefox sah, daß zwei Offiziere aus der Sicherheit
noch deren Kompressionsgewehre nach oben hielten. Sofort intervenierte er:
«Waffen runter! Sie ignorieren uns natürlich nur so lange, bis sie uns als
Bedrohung ansehen. Wir benützen die Phasergewehre erst im Notfall.» Die Gruppe
setzte ihren Marsch zum Maschinenraum fort.
Chollets
Team lief gerade mit hoher Marschgeschwindigkeit durch einen Korridor. Mitten
auf dem Weg wurden sie plötzlich durch eine sich rapide öffnenden Luke an der
Wand aufgehalten. Alle richteten sofort ihre Phaser und Kompressionsgewehre
Richtung Luke. «Halt! Ich bin’s nur!» rief Nicole Strike erschrocken und stieg
hastig heraus. Ihr Stab folgte ihr. Chollet fragte Strike: «Sind sie nun auch
noch in die Krankenstation eingedrungen?» Die Chefärztin gab zur Antwort: «Was
für eine Frage, Danny, natürlich sind sie das! Wir haben eine Patientin aus der
Vergangenheit verloren und sie hat keine Ahnung von all dem. Sie ist uns nicht
gefolgt. Wer weiß, wo und was sie nun ist. Ich habe zu wenig gut aufgepaßt.»
erklärte Strike. Der Sicherheitschef entgegnete: «Das ist nicht Ihre Schuld,
Nicole. Sie und Ihr Team mußten fliehen und Sie waren sicherlich alle in großer
Aufregung.» Er machte eine kurze Pause und ließ die Ärztinnen erst einmal
richtig durchatmen. Wenig später fügte er hinzu: «Es besteht große Gefahr für
alle unbewaffneten Offiziere, daher schlage ich vor, daß Sie, Doktor, mit Ihrem
Team wieder auf die Brücke zurückkehren. Lieutenant Monty wird Sie begleiten.»
– «Ich stimme Ihnen voll zu, Danny, da können Sie Gift drauf nehmen!»
erwiderte Strike. Sicherheitsoffizier Monty machte sich mit dem Ärztinnenteam
sogleich auf den Weg zur sicheren Brücke auf dem obersten Deck.
Zwei Minuten später gelangte das Team des
Captains sicher bei der Maschinenraumtür an. Als die Gruppe um eine Ecke bog,
kurz bevor sie ihr Ziel erreichte, erschrak der momentan führende Bluefox
gewaltig und fuhr sein Gegenüber an: «Huch, haben Sie mich erschreckt!»
Chollets Gruppe hatte Deck 36 also auch bereits erreicht und man war nun zu
zehnt. Sie standen vor der Maschinenraumtür, doch wie wollten sie diese öffnen?
Bluefox wies Lore an: «Der manuelle Auslöser.» Er deutete auf eine Konsole
rechts vor der Tür. Der Androide ging dorthin und wartete, bis alle
aufgeschlossen waren. Bluefox nickte Lore zu, was die Freigabe bedeutete. Der
Einsatzleiter tippte einen Code ein und der Schließmechanismus deaktivierte
sich. Bluefox witzelte: «Anklopfen wäre vielleicht eine Lösung.» – Das Scherzen
sollte dem Captain sogleich vergehen, als sich die ersten Drohnen von ihren
Regenerationsalkoven lösten und auf die zehnköpfige Menschengruppe zusteuerten!
Hinter Chollets Rücken aktivierte sich ein weiterer Borg, aber der
Sicherheitschef merkte es gerade noch rechtzeitig und bevor er dem
Hybridenwesen mit seinem Kompressionsgewehr eins überbriet, schrie er noch zu
seinen Kollegen hinüber: «Phaser bereithalten!» Etliche Phaserschüsse fielen.
Die meisten trafen ihre Ziele haargenau. Bluefox rief Lore zu: «Lore, geben Sie
mir Feuerschutz!» Er rannte zur Tür, damit sich diese öffnete, doch dahinter
stand eine Wachdrohne! Der Borg wollte gerade zu einem wuchtigen Schlag
ausholen, da kam Chollet Bluefox zu Hilfe und riß der kybernetischen Lebensform
ihr Hauptstromkabel am Hinterkopf aus! Sie zuckte wild umher und sackte kurz
später in sich zusammen! Sogleich mußte Lore seinen Captain erneut verteidigen
und schoß auf eine frontal kommende Drohne. Doch der Borg bewegte sich trotz
des Treffers weiterhin auf die beiden zu! Lore rief zur Information: «Sie haben
sich angepaßt!» Nun war Handarbeit gefragt. Lore ging zur Drohne hin und hackte
ihr mit beiden zusammengefalteten, geballten Fäusten in die Augengegend! Der
Borg fiel auf einen toten Gesellen und rührte sich nicht mehr. Dann kamen
gleich zwei auf den Androiden zu! Doch auch dafür wußte er eine Methode. Er
umschlang den Führenden mit beiden Armen und warf ihn zu seinem sich nähernden
Kollektivgenossen! Beide strauchelten rückwärts, kippten um und ihre Kabel
verhakten sich. Dadurch konnten sie nicht mehr aufstehen. Lore nutzte den
reduzierten Gleichgewichtssinn der Borgdrohnen voll aus. – Die etwas
unerfahreneren, vorwiegend jungen Crewmitglieder hatten gegen die Drohnen
jedoch einige Probleme. Stephen Ceagy zum Beispiel versuchte gerade einer
Drohne mit seinem Kompressionsgewehr eine zu verpassen, doch die Drohne konnte
sich verteidigen und schmierte ihrerseits dem jungen Wissenschaftsoffizier eins
voll ins Gesicht! Fähnrich Ceagy flog rückwärts auf den harten Boden und blieb
liegen, in der Hoffnung, die Drohne würde ihn übersehen. Tatsächlich überstieg
der Borg den Bruder des Ersten Offiziers Andrew Ceagy und marschierte weiter.
Ceagy atmete auf und erhob sich wieder, als die Drohne ihn aus den Augen
verloren hatte. Auch andere hatten Mühe, so auch Patrick Strike, der Bruder der
Chefärztin Nicole Strike. Er wollte eine Leiter hochsteigen, die auf ein
höhergelegenes Deck führte, aber da zerrte ihn eine Drohne am Bein und der
Ersatzsteuermann fiel einen guten Meter zurück! Danach kletterte der Borg die
Leiter hoch. Der Kollektivgefährte beabsichtigte zum Glück nicht Strike zu
assimilieren. Weitere Sicherheitstruppen der Sternenflotte trafen auf Deck 36
als Verstärkung ein und enterten sogleich den Hauptmaschinenraum. Sie lieferten
sich eine verbitterte Schlacht mit den Borgdrohnen, die den Menschen nur schon
rein körperlich überlegen waren. Ein nicht zur Bluefox-Crew gehörender
Sicherheitsoffizier erreichte eine Luke, hinter der sich eine sichere
Jeffriesröhre befand. Er öffnete sie und duckte sich um gut hineinkriechen zu
können. Da packte ihn plötzlich eine Drohne von hinten am Arm sowie am Kopf und
zerrte ihn in den Stand hoch! Der Mann schrie wie am Spieß, weil ihm die derart
unsanfte Methode des Borg selbstverständlich starkes Leiden bereitete. Sie ließ
ihn mit einer Hand los und aus derselben schossen auf einmal zwei Röhrchen
heraus! Sie durchbohrten ohne Probleme den Hals des Securitys und blieben für
einige Sekunden stecken! Bluefox, Lore und Chollet versuchten so schnell wie
möglich ebenfalls eine sichere Jeffriesröhre zu finden. Lore stand gerade bei
einem Tor, als sich eben dieses von selbst öffnete, langsam nach oben fahrend.
Es blieb allerdings nach etwa einem Sechstel der normalen Höhe stehen und der
Androide merkte dies nicht. Das sollte sich zu seinem Schicksal entwickeln,
denn Ein Borg, der, von Lore aus gesehen, hinter dem Tor stand, zerrte an
seinen Unterschenkeln und brachte ihn dadurch zu Fall! Dann schleifte er den
Einsatzleiter durch den Spalt hindurch! Sofort schnellte das Tor wieder nach
unten. Lore war im Maschinenraum verschwunden und keiner außer Chollet und
Bluefox bemerkte diese schon fast schelmische Aktion. Die beiden
Übriggebliebenen begaben sich durch den Haupteingang in den Maschinenraum und
schnappten sich die nächstgelegene Möglichkeit um auf das Oberdeck zu gelangen.
Sie fanden eine freie Leiter und kletterten an ihr hoch. Der Captain zeigte auf
eine Luke. Der Sicherheitschef reagierte schnell, rannte zu dieser Luke hin und
öffnete sie. Bluefox machte sich mit einem Sicherheitsabstand ebenfalls auf zur
Öffnung. Chollet kroch rein, Bluefox kauerte bereits nieder. Da rief dem
Captain plötzlich eine männliche Stimme zu: «Captain! Hilfe! Bitte! Hilfe!»
Bluefox erblickte die Person, die ihn gerufen hatte. Es war der
Sicherheitsmann, der vor kurzer Zeit von einer Drohne mit deren Röhrchen am
Hals markiert worden war. Der Offizier hatte bereits ein dunkelgraues Gesicht
und ein seesternförmiges Borgimplantat an seiner linken Wange. Bluefox richtete
seinen Phaser auf den Offizier und beabsichtigte den Mann zu erschießen, denn
er hatte ja noch erklärt, daß man den Individuen einen Gefallen täte, weil man
sie von ihren Schmerzen befreien konnte. Also feuerte Bluefox ohne zu zögern
auf diesen unter fürchterlichen Schmerzen leidenden Security. Gleich danach
stieg er in die Jeffriesröhre. Als er vollständig drinnen war, schloß er den
Deckel von innen wieder. Er erwischte die Röhre äußerst knapp, denn drei
Sekunden später kam bereits eine Drohne mit einem Kreissägeblatt, das in ihrer
Armprothese integriert war um die ganze Luke einfach auszuschneiden! Bluefox
kroch bis zu einer Kreuzung und bog nach links ab, als plötzlich zwei
feuchtkalte Hände an seinen Schultern zerrten und ihn aus dem Gleichgewicht
brachten! Wenig später umschlangen sie seinen Bauch und schleiften ihn halb im
Stand in eine Ecke, wo sie ihren Griff endlich lockerten. Bluefox riß sich
sofort los, stand richtig auf und drehte sich blitzschnell um. Dummerweise
löste sich sein Phaser durch diese abrupte Bewegung aus dem Halfter der Uniform
und schlitterte genau in die Richtung, wo diese Hände ihn so unsanft hinzerrten!
Die andere Person hob den Phaser sofort auf und richtete ihn auf Bluefox! Erst
jetzt konnte der Captain sein Gegenüber erkennen und fragte sofort: «Verdammt
noch mal, was machen Sie hier?» Es war Annie, die sich von der Gruppe aus der
Krankenstation nach deren gelungenen Flucht in extremer Angst abgesondert
hatte! Sie fuchtelte mit dem angeeigneten Phaser herum und schrie Bluefox nach
dessen Frage an: «Halten Sie den Mund!» – «Beruhigen Sie sich!» besänftigte der
Captain Annie. «Wer sind Sie?» fragte sie mit energischem Ton. «Mein Name ist
Matthew Bluefox, ich bin Captain dieses Schiffes.» antwortete Bluefox. «Sie
können mir auch sagen, daß der Mond aus Emmentalerkäse besteht!» grollte sie.
Der Captain sagte verzweifelt: «Es ist wirklich wahr!» – «Ach so, dann habe ich
jetzt mal eine Frage an den Captain dieses Schiffes! Könnten Sie mich
vielleicht wieder hier raus bringen?» forderte sie aggressiv. Bluefox
antwortete: «Also gut, folgen Sie mir!» Sogleich kroch er ihr voraus. Er wollte
wirklich, daß die beiden sicher an einen Ort im Schiff kämen, wo gerade keine
Borg waren. «Langsam!» rief Annie, die immer noch mit einer Hand den Phaser
hielt und auf Bluefox zielte. Sie kamen zu einer Tür der Jeffriesröhre und
Bluefox öffnete sie. Er bemerkte erleichtert: «Glück gehabt.» Sie verließen die
Röhre und standen nun in einem der kleineren Frachträume. Sie fragte
verwundert: «Und wo sind wir jetzt?» – «In einem Frachtraum. Von hier aus kann
ich mit Glück auf eine Kontrollkonsole zugreifen, obwohl die Energie ausgefallen
ist. Verstehen Sie, wir sind Gefangene auf unserem eigenen Schiff!» gab Bluefox
zur Antwort. Annie fragte: «Wer nahm Sie und Ihre Kollegen gefangen?» – «Die
Borg.» antwortete Bluefox. «Borg. Klingt schwedisch.» bemerkte die Schweizerin
aus der Vergangenheit. Sie glaubte dem Captain jetzt eher und begriff mit der
Zeit, daß er nicht freiwillig von Gefangenschaft und den damit verbundenen
negativen Gefühlen redete. Bluefox bat Annie: «Hören Sie, ich denke, wir sitzen
beide im selben Boot. Geben Sie mir bitte diesen Phaser. Ich möchte nicht, daß
jemand zu Schaden kommt.» Sie kam einen Schritt auf ihn zu und legte ihm den
Phaser mit einer schnellen Bewegung in seine ausgestreckte rechte Hand. Sie
sprach in Erstaunen: «Das war meine erste Strahlenkanone!» Bluefox schaute sich
den Phaser an und bekam einen Nachschrecken! Er musterte kurz die Anzeige des
Phasers und bemerkte: «Maximale Feuerkraft! Wenn Sie den abgefeuert
hätten, dann hätten Sie mich pulverisiert!» Er bat die nun etwas schüchtern
gewordene Annie: «Schauen Sie mal dorthin.» Sie wanderte mit ihren Augen in die
Richtung, wo Bluefox hinzeigte. Er öffnete die Hauptluke, die einen Blick
direkt in den Weltraum ermöglichte. Sie konnte ihren Augen nicht trauen! Was
sie sah, übertraf ihre gesamte Vorstellungskraft! Bluefox zeigte auf bestimmte
Stellen. Er nannte die gezeigten Orte beim Namen: «Das Schwarze Meer, die
Donau, der Rhein. Die Alpen überfliegen wir gleich, aber halten Sie den Atem
an, denn es ist ein langer Weg bis nach unten. Oder wollen Sie doch lieber mit
mir einen Weg durch das Raumschiff suchen, bis wir in Sicherheit sind?» fragte
er mit einem Schmunzeln, in der vollen Sicherheit, sie würde auf die zweite
Variante setzen, was sie auch tat. Sie antwortete ohne langes Überlegen: «Ich
denke, ich komme mit Ihnen mit.» Bluefox stellte sich noch einmal vor: «Wie ich
schon sagte: Matthew Bluefox, das ist mein Name. Wie lautet Ihrer?» fragte er.
«Annie.» gab sie zur Antwort. Die Angst war nun auch bei ihr etwas überwunden.
«Willkommen an Bord, Annie.» sprach Bluefox und lächelte kurz. Er wollte ihr
den Bammel so gut und leicht wie möglich nehmen. Annie folgte ihm in die
Jeffriesröhre, aus der er vor wenigen Minuten herauskam. Bluefox kannte sein
Schiff zumindest so gut, daß er bei irgendeinem Deck wieder herauskommen
konnte, wenngleich er auch nicht immer genau wußte, auf welcher Ebene er wohl
landen würde.
Auf dem Holzweg war der arme Lore. Er wurde in einen speziellen
Regenerationsalkoven verfrachtet. Der Alkoven neigte sich automatisch um 90
Grad, so daß er mit etwas Phantasie ein Bett darstellte, allerdings ein etwas
unbequemes Bett, wohlbemerkt. Auf einmal setzte sich das Gerät samt Lore in
Bewegung und glitt einige Meter weit nach oben und nach vorne Richtung
Warpkern. Ungefähr fünf Meter vom Kern entfernt hielt er an und blieb stehen.
Lore schaute sich um. Er konnte sehen, daß der Warpkern mit einer grünen
Flüssigkeit durchflutet wurde. Es war also nicht mehr das blaue Warpplasma,
sondern irgendetwas anderes, was die Borg mitgebracht hatten. Lore guckte zu
einer Schalttafel hinüber. Vier Drohnen waren daran beschäftigt den
Verschlüsselungscode herauszubekommen, den Lore ja noch eingetippt hatte. Der
Androide behauptete: «Ihre Bemühungen den Code zu knacken, werden nicht
erfolgreich sein. Ebenso wenig wie Ihr zweites Vorhaben mich in das Kollektiv
zu assimilieren.» Da ertönte eine sanfte weibliche Stimme von der Decke her mit
einem leichten Echo: «Tapfere Worte. Ich habe sie schon von über tausend
Spezies in über tausend Sprachen gehört. Aber jetzt sind sie alle Borg.» Lore
schaute hoch, aber er konnte nichts und niemanden erkennen. Er redete ins
Nichts: «Ich gleiche keiner Lebensform, die Ihnen je begegnet ist. Die Codes
meines Neuralnetzes können nicht mit Gewalt entfernt werden.» – «Sie sind ein
unvollkommenes Wesen, geschaffen von einem unvollkommenen Wesen. Ihren
Schwachpunkt zu finden ist nur eine Frage der Zeit.» kam es zurück. Daraufhin
begann eine Drohne Lores Androidenkopfhaut mit zwei handeigenen Bohrern zu
durchlöchern!
Auf der Erde: Hanspeter Örgelisauer, Andrew Ceagy und Steevy Knight verließen
das hinterste Partyzelt. Auch Tanya Steaner gesellte sich zu den drei Personen.
Örgelisauer kicherte, weil er immer noch nicht glaubte, daß die Crewmitglieder
der Bluefox mit einem Raumschiff auf die Erde gekommen waren und daß eine
kybernetisch-organische Rasse aus der Zukunft die Erde angreifen wollte. Er
faßte zusammen: «Also, wenn ich das richtig verstehe, Commander: Kybernetische
Wesen aus der Zukunft machten eine Zeitreise und kommen genau jetzt hierher um
die Menschheit zu versklaven! Das ist irre! Solch eine Story habe ich noch nie
gehört! Und Sie wollen die also aufhalten?!» Ceagy stimmte zu: «Ganz recht.»
Örgelisauer grölte: «Tod und Teufel! Sie sind ein Held!» Ceagy entgegnete: «Wir
werden es Ihnen beweisen. Tanya, haben Sie sie?» Steaner stand an einem
irdischen Teleskop und suchte die Bluefox. Sie fand sie auch kurz darauf und
rief den anderen zu: «Ja, habe ich!» Sie winkte zu den drei hinüber und
forderte den Eglisauer Erfinder auf, er sollte mal ins Teleskop blicken.
Örgelisauer torkelte zur Station und guckte hindurch. Zuvor sagte er noch: «Ja,
ich mag eine gute Peepshow!» Als er dann aber am Nachthimmel wirklich die
Bluefox sehen konnte, fiel ihm fast der Kinnladen herunter! Er drehte sich um,
grinste verschmitzt zu den Crewmitgliedern der Bluefox hinüber und meinte: «Das
ist ein Trick!» Er lief zur Vorderseite des Teleskops, blickte plötzlich ernst
drein und fragte: «Wie machen Sie das?» Steaner antwortete mit einem
verschmitzten Lächeln: «Es ist Ihr Teleskop!» – «Und Annie ist jetzt auf
diesem Schiff da oben?» fragte Örgelisauer. Ceagy bestätigte: «Ja, genau.» Der
Schweizer wurde unsicher und wollte wissen, was er tun sollte. Steaner
antwortete: «Ganz einfach. Führen Sie morgen früh Ihren Warpflug durch, wie
geplant.» Örgelisauer fragte verwundert: «Warum morgen früh?» Ceagy klärte ihn
auf: «Weil an diesem Zeitpunkt ein fremdes Schiff dieses Sonnensystem
durchfliegen wird.» – «Fremd? Sie meinen Außerirdische? Noch mehr böse Jungs?»
hakte Örgelisauer mit deutlich erkennbaren Stirnfalten nach. Steaner erklärte:
«Gute Jungs. Sie sind auf einem Erkundungsflug.» Ceagy unterrichtete
Örgelisauer: «Verstehen Sie es jetzt, Doktor? Wenn diese Jungs merken,
daß die Menschen jetzt schneller als das Licht fliegen können, dann werden sie
neugierig und ändern ihren Kurs! Sie werden die Erde ansteuern und den ersten
Kontakt mit den Menschen herstellen, genau hier!» – «Hier?» staunte
Örgelisauer. «Genauer gesagt, dort drüben.» antwortete Steaner. Die Chefingenieurin
zeigte auf eine kleine Anhöhe vor der Waldgrenze. Ceagy setzte nach: «Diese
Erfindung ist von unglaublichem Wert! Mit dem Warpantrieb werden ganze
Raumflotten gebaut! Die Menschheit wird ein Ganzes! Durch diese Erfindung
vereinen sich alle Länder und setzen sich zusammen! Krieg, Armut und Krankheit
wird es in den kommenden hundert Jahren nicht mehr geben! Und abgesehen davon,
Sie persönlich werden noch einiges verdienen dabei. Wenn Sie diesen Warpflug
nicht durchführen, bevor es 11:15 Uhr ist, dann wird dies alles jedoch niemals
geschehen!» Der Erste Offizier war äußerst gespannt darauf, was Örgelisauer
antworten würde. Der antwortete aber noch nicht, sondern fragte zuerst noch
etwas: «Aber was seid ihr denn? Astronauten auf einer Art „Star Trek“?» Ceagy
gab zur Antwort: «Ich weiß, daß das alles sehr schwer für Sie zum Verstehen
ist, aber wir brauchen einfach ganz dringend Ihre Hilfe!» Hanspeter Örgelisauer
schaute für einen Augenblick in die Sterne, bis er schließlich sprach: «Warum
nicht?» Alle Offiziere atmeten erst mal tief durch und freuten sich riesig über
die Entscheidung des Eglisauer Erfinders!
Unterdessen ging die Menschenjagd der Borg auf den Decks der Bluefox weiter.
Ein älterer Security wollte gerade abdrücken, aber da funktionierte plötzlich
gar nichts mehr bei seinem Kompressionsgewehr. Er drückte immer wieder auf den
Feuerknopf, aber kein Schuß fiel. Die Drohne erreichte den Offizier, packte ihn
am Hals und wandte das bekannte Verfahren an. Der Sicherheitsmann folgte der
Drohne nach kurzer Zeit automatisch, schon ganz im Geiste des Kollektivs. – Nur
noch wenige Drohnen fielen den Phasergewehren der Menschen zum Opfer. Gerade
konnten die Fähnriche Strike und Ceagy wieder zwei Drohnen erschießen, aber
bereits nach einigen Sekunden paßten sich die Borg auch an diese neue Frequenz
an. Bald waren nur noch wenige Crewmitglieder übrig. Der Widerstand war nun
wirklich je länger, je mehr zwecklos geworden. – Ein Vierertrupp, der zur Gänze
aus fremden Offizieren bestand, brach gerade eine Tür ein. Aus dem Dunkel
erschienen plötzlich acht rote Laserstrahlen. Es waren natürlich Drohnen, die
sich dem dunklen Korridor entlang in die Richtung der Sicherheitskräfte
bewegten. Die kybernetischen Teilchen, die sich überall an den Körpern der
Borgdrohnen befanden, bewegten sich intensiv und erzeugten ein zirpendes
Geräusch!
Chollet sowie auch Monty mit dem medizinischen Stab erreichten die Brücke
rechtzeitig. Man konnte auch von der Brücke aus nichts anderes tun als warten
und hoffen, daß noch mehr Leute diesen sicheren Ort erreichen würden. Haldman
war an der Ops und Lt. Blater am Steuer. Plötzlich öffnete sich im Boden
tatsächlich eine Notöffnung! Es waren Patrick Strike und Stephen Ceagy. Sofort
verlangte Chollet von den beiden völlig erledigten Offizieren einen Bericht.
Strike erzählte: «Die Borg kontrollieren die Decks 44 bis 18, aber bei der
Einnahme von Deck 18 haben sie aufgehört! Wir waren total überrascht, wenn
nicht minder erfreut!» Chollet wurde stutzig und sagte: «Sie haben mehr als die
Hälfte des Schiffes assimiliert! Warum hören sie jetzt auf? Gillian, was
befindet sich alles auf Deck 18?» Haldman antwortete: «Nur die
Stellarkartographie. Nichts Lebenswichtiges.» Der Sicherheitschef entgegnete
verwundert: «Sie hätten dort nicht aufgehört, wenn es ihnen nicht einen
taktischen Vorteil verschaffen würde. Fähnrich Strike, Fähnrich Ceagy, gehen
Sie wieder auf Posten und erstatten mir alle zehn Minuten Bericht. Entfernen
Sie sich nicht allzu weit von der Brücke.» Es war Danny Chollet selbstverständlich
bewußt, daß dies besonders für die jüngeren Leute wohl die härteste Mission
ihrer Karriere sein würde. Aus seiner Laufbahn als Offizier in der
Sternenflotte kannte er ebenfalls keine vergleichbare Mission.
Im Maschinenraum war Lore immer noch auf dieser Trage festgeschnallt. Er bekam
zwei Armschellen und zwei Fußschellen verpaßt! Wieder begann diese leicht
hallende Stimme von der Decke zu sprechen. Sie fragte: «Sind Sie bereit?» Ohne
auf die Frage näher einzugehen fragte Lore zurück: «Wer sind Sie?» – «Ich bin
die Borg.» hallte es zurück. Lore korrigierte: «Das ist ein Widerspruch. Die
Borg sind ein Kollektiv. Es gibt keine Individuen.» Der Einsatzleiter konnte
plötzlich mit seinen Augen verfolgen, wie sich ein Kopf mit etwas Körperpartie,
der an drei Strippen festgemacht war, abseilte! Aus einer Luke im Boden fuhr
auf einmal ein dazu passendes Unterteil heraus und stand zur Kombination mit
dem oberen Teil bereit. Nach ein paar Sekunden pflanzte sich die obere in die
untere Körperpartie ein und daraus entstand eine weibliche Drohne! Sie sprach:
«Ich bin der Anfang, das Ende. Die eine, die viele ist!» Vom Hinterkopf aus
führten einige genau parallel verlaufende Schläuche zum Rücken hin. Mit viel
Phantasie hätte dies als Frisur bezeichnet werden können. Sie ging auf den
Androiden in dessen Alkoven zu und sprach: «Ich bin Borg.» – «Ich grüße Sie!
Ich bin neugierig! Kontrollieren Sie das Borgkollektiv?» fragte Lore. Die Borg
antwortete: «Sie vermuten eine Unvereinbarkeit, wo keine existiert! Ich bin das
Kollektiv!» – «Vielleicht sollte ich meine Frage anders formulieren. Ich würde
gerne Ihre Organisationsstruktur verstehen. Sind Sie die Anführerin?» fragte
Lore. «Ich bringe Ordnung in das Chaos.» antwortete sie. «Eine interessante,
wenn auch rätselhafte Antwort.» bemerkte Lore. «Sie sind das Chaos,
Lieutenant-Commander Lore! Sie sind der Widerspruch! Eine Maschine, die
menschlich sein möchte!» entgegnete die Borgdame mit ernster Miene. «Da Sie
scheinbar so viel über mich wissen, sollten Sie sich auch im Klaren sein, daß
mein Ziel menschlicher zu werden mein Weg dazu ist mich zu verbessern!»
erklärte Lore. «Auch unser Bestreben ist uns zu verbessern. Wir wollen uns zur
Vollkommenheit entwickeln.» erklärte die schleimige Drohne. Lore korrigierte
sie: «Verzeihen Sie, aber die Borg entwickeln sich nicht, sie erobern.» –
«Indem wir andere Kulturen in unser Kollektiv assimilieren, bringen wir sie
näher an die Vollkommenheit heran!» beschrieb das Oberhaupt des Kollektivs.
Lore stellte fest: «Irgendwie hege ich Zweifel an Ihren Motiven.» – «Weil Sie
noch nicht auf die richtige Weise stimuliert wurden!» erwiderte die
„Borgkönigin“ mit einem Schmunzeln auf ihren Lippen. Kurz darauf veränderte
sich Lores Gesichtsausdruck erheblich! Der Androide wirkte erschrocken und
fragte: «Sie haben meinen Emotionschip reaktiviert! Warum?» – «Haben Sie keine
Angst.» hauchte die Königin. Lore versuchte sich zu verstellen und kicherte:
«Ich habe gar keine Angst!» Sie öffnete die rechte Armschelle. Was er sah,
konnte er fast nicht glauben! Die Queen fragte: «Wissen Sie, was das ist,
Lore?» – «Ich nehme an, Sie versuchen organische Haut auf meine
Skelettkonstruktion zu übertragen.» antwortete Lore. Sie hauchte: «Was für eine
kalte Beschreibung für so ein wunderschönes Geschenk!» Dann kam sie mit ihrem
Gesicht ganz nahe an die Stelle, wo die Menschenhaut in Lores Arm implantiert
war und hauchte das Hautstückchen schwach, aber lang anhaltend an. Lore mußte
wieder kichern, denn es kitzelte ihn natürlich. Dazu bekam er auf diesem
kleinen Fleck Haut noch eine Gänsehaut! Die Königin richtete sich langsam
wieder auf und wollte von Lore wissen: «Hat Ihnen das gefallen?» Der Androide
war noch vollkommen überwältigt und sagte gar nichts!
Unterdessen erreichten Cpt. Bluefox und Annie ein Deck, wo noch keine Drohnen
waren. Er erzählte ihr etwas von der Föderation: «In der Föderation der
Vereinten Planeten sind über 150 Planeten eingeschlossen. Die sind fast 10'000
Lichtjahre weit auseinander verstreut.» Annie bemerkte: «Sie kommen sicher
nicht oft nach Hause.» – «Ich betrachte dieses Schiff als mein Zuhause.»
antwortete der Captain. Sie liefen gerade über das Promenadendeck, das sich auf
Deck 17 befand. Annie staunte über das Schiff und wollte wissen: «Wieviel hat
dieses Ding denn gekostet?» – «Nun ja, heute ist der Reichtum nicht mehr die
treibende Kraft im Leben der Menschen. Im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld
mehr.» erklärte Bluefox. «Es gibt kein Geld mehr?» wiederholte Annie ungläubig.
Der Captain gab ihr ein Beispiel: «Ein junger Ingenieur ist mit Dutzenden von
Kollegen daran beteiligt ein neues Raumschiff zu entwerfen und danach auch zu
bauen. Es ist der Prototyp einer neuen Raumschiffsklasse. Wenn es fertig ist,
darf er mit seinen Kollegen auf dem Jungfernflug dabei sein. Er durchläuft
jedes Deck und plötzlich sieht er da eine gewisse Stelle, von der er noch genau
weiß, daß er sie selbst gefertigt hat. Die Gewißheit an einem riesigen Projekt
mitgearbeitet zu haben ist für so einen jungen Menschen das Größte! Viel größer
und umfassender als die Sicherheit Millionär zu sein! Die Rohstoffe werden
nicht mehr eingekauft, sondern von Planeten und Monden abgebaut, neuerdings
auch repliziert! Aus den erlangten Ressourcen wird dann alles hergestellt.»
Annie wirkte äußerst beeindruckt und schwieg für einen Moment, während sie
kontinuierlich weiterliefen. Beim Einbiegen in einen Korridor fragte sie: «Wie
groß ist dieses Schiff?» – «Es hat 46 Decks. Es ist 700 Meter lang und 80 Meter
breit.» gab Bluefox zur Antwort. Annie schüttelte den Kopf und sprach: «Einfach
unglaublich! Ich habe vier Monate gebraucht, um genug Titan zusammenzubringen
für ein Viermetercockpit! Die Frontpartie war besonders heikel.» Bluefox
lächelte ihr freundlich zu und gab ihr somit die Gewißheit, daß er ihr auch
zuhörte. Er war froh, daß seine Gesprächspartnerin endlich etwas offener
geworden war.
Wenig später kamen die beiden an einer Kontrolltafel vorbei, die in der Wand eingebaut war. Der Captain ging dorthin um etwas zu checken. Nach einem flüchtigen Blick auf den Bildschirm bemerkte er: «Gut, sie haben den Verschlüsselungscode noch nicht geknackt.» Annie hatte eine Gedächtnislücke und fragte nach: «Wie heißen nochmals diese schwedischen Zombies, von denen Sie erzählt haben?» – «Borg.» antwortete Bluefox knapp. «Genau!» bemerkte Annie und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Sie fügte an: «Aber jetzt nochmals wegen dem Geld: Sie wollen sagen, daß Sie für diesen wichtigen Job hier nicht bezahlt werden?» «Nein, nein, wir arbeiten heute um uns selbst zu verbessern und den anderen Menschen zu helfen, daß auch sie sich verbessern können.» antwortete Bluefox. Er schmunzelte plötzlich und fügte hinzu: «Eigentlich sind wir genau so wie Sie und Doktor Örgelisauer.» Annie lachte befreit für einen kurzen Moment. Dieses Lachen blieb ihr aber gleich im Halse stecken, als die beiden um eine Ecke kamen und Annie nach links schaute! Ungewollt stieß sie einen Entsetzensschrei aus! Auch Bluefox erschrak und rief sofort in aller Geistesgegenwärtigkeit: «Zurück, zurück!» Sofort ging Annie hinter dem im Verhältnis großgewachsenen Mann in Deckung. Was Annie erblickt hatte, waren ungefähr zehn Borg, die sich gerade an einer Wand zu schaffen machten. Sorgfältig und langsam gingen Bluefox und Annie durch die Drohnenmenge hindurch. Die Borg ignorierten die beiden zum guten Glück. Im Moment stellten die beiden für die Drohnen wirklich keine Gefahr dar. Annie bemerkte: «Eindeutig keine Schweden.» Bluefox jedoch war nicht mehr in der Stimmung um über Annies Vergleich zu lachen, denn er mußte nämlich nicht nur auf sich, sondern auch noch seine Begleiterin aus der Vergangenheit aufpassen und das verlangte die doppelte Konzentration. Als sie bei einer T-Kreuzung des Decks nach links abbiegen wollten, berührte die Schweizerin aufgrund einer Unaufmerksamkeit eine vorbeilaufende Borgdrohne mit ihrer Schulter und schrie laut auf, doch der Borg machte keine abnormalen Bewegungen und setzte seinen Marsch fort. Laute Schreie bedeuteten für die Borg noch keine ernstzunehmende Gefahr. Annie zitterte am ganzen Körper! Das Touchieren mit der Drohne fuhr ihr ziemlich stark ein. Sie fragte stotternd: «Gibt es nicht noch einen anderen Weg?» – «Ich habe einen Plan. Lassen Sie mich machen.» antwortete Bluefox. Er brauchte einen Borg-Neuroprozessor. Diese innere Hardware zeichnete alle Pläne und Vorgänge des Kollektivgeistes auf und speicherte sie für die kommenden Minuten. Bluefox wollte daher natürlich einen möglichst frischen Prozessor. Dafür brauchte er jedoch eine lebendige oder eine kurz zuvor getötete Drohne. Er konnte selbstverständlich keinen Borg töten in dieser Drohnenschar, denn sonst wären die anderen zwanzig Kollektivgenossen im hörbaren Umkreis mit Sicherheit nicht so gutgelaunt gewesen, wie sie es zur Zeit noch waren, wenn man dies ins Verhältnis mit dem Aggressionszustand stellt.
Zum Glück von beiden gelangten Bluefox und
Annie nach einigen Minuten zu einer Holodecktür. Bluefox meinte erfreut: «Das
ist ja wie Ostern und Weihnachten an einem Tag!» Er bediente das Schaltpult des
Holodecks und gab ein Programm ein, das möglichst viele Menschen auf einer
kleinen Fläche beinhaltete. Er fragte Annie: «Wie wäre es mit etwas aus dem
klassischen Fernsehen?» Daraufhin rief er ohne eine Antwort abzuwarten ein ihm
gut bekanntes Programm auf: "The Big Goodbye, Star Trek – The Next
Generation, Chapter 12". Nachdem Bluefox seine Einstellungen
abgeschlossen hatte, zückte er ohne Vorwarnung seinen Phaser und feuerte
Richtung Nordwand des Korridors! Annie rief entsetzt und panisch: «Verdammt,
was machen Sie?» Bluefox drückte den Auslöseknopf für das Holoprogramm und
öffnete die Tür. Nachdem beide das Holodeck mit vollem Körperumfang betreten
hatten, schloß sich die Tür sofort wieder und blieb verschlossen, weil dies
Bluefox so programmiert hatte. Das war auch sehr klug von ihm, denn nur drei
Sekunden später hämmerten zwei Drohnen auf die massive Tür ein. Bluefox hoffte,
sie würde der geballten Schlagkraft der beiden Borg für mindestens so lange
widerstehen, bis er und Annie sich ungesehen unter die Leute gemischt haben
würden. Das Szenario bestand aus einem gut bevölkerten Tanzparkett. Das
prunkvolle helle Lokal erinnerte an die früheren Dekaden des zwanzigsten
Jahrhunderts. Im Hintergrund schwebten der Gesang einer Frauenstimme und die
Klänge von Tanzmusik einer Liveband in der Luft. Sofort mischten sich Bluefox
und Annie unter das Volk. Passend zur Szenerie wechselte nebenbei noch die
gesamte Kleidung der beiden einzigen echten Menschen auf dem Holodeck. Die
beiden Drohnen benötigten in der Tat nur wenige Sekunden um die Tür zu öffnen
und ins Programmgeschehen einzugreifen. Der Portier des Etablissements stellte
sich vor die beiden kybernetischen Wesen und wies sie zurecht: «Tut mir leid,
meine Herren, aber wir schließen! Wir haben auch strenge
Bekleidungsvorschriften, also wenn ihr nicht sofort geht...» Weiter kam der
Empfangsherr nicht, denn er wurde von der linken Drohne mit ihrem roten
Laserstrahl untersucht! Schon hatten die beiden Borg bemerkt, daß es ein
Hologramm war. Sie sahen in ihm nur noch ein unbedeutendes Hindernis und
behandelten ihn auch dementsprechend. Bluefox konnte die beiden grauen
Gestalten nun auch durch die Menschenmasse hindurch erkennen, aber er tanzte
mit Annie weiter, als sähe er nichts. Dadurch machten er und seine
Tanzpartnerin keine komische Falle. Annie jedoch guckte ohne Unterbruch zu den
beiden Borg hinüber. Bluefox wies sie nervös an: «Nein, nein, sehen Sie mich
an, verhalten Sie sich ganz natürlich! Für diese Drohnen sind wir Freiwild!»
Nach dem Schluß des Liedes ging Bluefox zur Bar hinüber und fragte: «Wo ist Freyer,
der Chef der Bar?» – «Oh, tut mir leid, Sir, der hat heute frei. Erst morgen
ist er wieder da.» antwortete der altmodisch aussehende Stellvertreter. Bluefox
schnalzte mit den Fingern und sprach: «Das ist das falsche Kapitel!» Da flog
plötzlich der Portier in hohem Bogen mitten in die Menschenmenge hinein! Die
Drohnen wollten so schnell wie möglich durch die Masse hindurchgelangen, denn
sie konnten Bluefox an seinem Gesicht erkennen! «Computer, Neustart: Kapitel
13!» befahl der Captain dem Computer. Ein neues Szenario bildete sich. Freyer
stand nun tatsächlich hinter der Theke. Bluefox haute ihn sofort an und
begrüßte ihn: «Freyer! Wie geht’s denn?» – «Super! Das Geschäft boomt! Die
Leute fliegen richtiggehend auf unsere Hotelbar!» antwortete der holographische
Barkeeper. Annie fügte an: «Da ist was dran. Sie fliegen sogar fast bis zur
Theke hervor!» Bluefox erklärte: «Ich habe ein kleines Problem. Da draußen hat
mir einer mit Mord gedroht. Ich brauche kurz dein Gewehr um mich zu
verteidigen. Ist das möglich?» Natürlich war diese Geschichte einfach aus der
Luft gegriffen. Freyer antwortete hilfsbereit: «Für einen alten Freund doch
immer!» Freyer nahm sein Gewehr unter der Theke hervor und sagte: «Hier hast du
es, aber paß’ auf! Es ist geladen!» – «Danke, Freyer, und weiterhin viel Spaß
mit Martinis und Bräuten!» bedankte sich Bluefox mit einem Bonmot aus alter
Zeit. Sogleich befahl er dem Computer: «Sicherheitsprotokolle abschalten!»
Gleich nach dem Bestätigungston eröffnete Bluefox das Feuer auf die beiden Drohnen!
Die Holomenschen konnten sich in Rettung bringen, denn Bluefox war ein sehr
genauer Schütze. Und wenn schon, es hätte nicht viel ausgemacht, wenn er einen
Tänzer oder eine Tänzerin getroffen hätte, denn es waren ja keine Menschen aus
Fleisch und Blut, sondern Repliken aus Photonen und Kraftfeldern. Bluefox mußte
gar nicht viele Schüsse abgeben, denn die beiden Drohnen hatten gegen
unassimiliertes Hartmaterial aus dem Jahre 1938 keinen Stich. Kurze Zeit später
lagen die Borg bereits flach. Der Captain sagte zum Computer: «Holographische
Personen deaktivieren.» Praktisch alles verschwand. Nur noch die beiden toten
Borg und die echten Protagonisten waren in der leeren Bar zurückgeblieben. Der
Captain untersuchte eine Drohne und konnte ihr aufgrund seiner
Kollektivkenntnisse den Neuroprozessor ohne große Suchaktionen entnehmen. Annie
rief entsetzt: «Mein Gott, das ist eine von Ihren Uniformen.» – «Das war
Fähnrich Montgomery vom Raumschiff Netherwell. Keiner aus meiner Crew, aber
trotzdem Sternenflotte.» erkannte Bluefox. Annie bemerkte: «Pech, was?» –
«Pech.» wiederholte Bluefox. Annie zeigte auf das kleine Gerät, das der Captain
aus der Panzerung der Drohne herausgezerrt hatte und wollte wissen, was es sei.
Bluefox erklärte: «Das ist ein Neuroprozessor, jeder Borg hat einen. Hier drin
sind alle Instruktionen, die diese Einheit vom Kollektiv erhalten hat.» Bluefox
las die Instruktionen nur flüchtig, denn er wußte sofort, wie er zu reagieren
hatte und klärte Annie auf: «Wir müssen zur Brücke.» Sogleich machten sie sich
zusammen auf den Weg dorthin.
Auf der Erde waren die Ingenieure darum besorgt, daß die Warprakete in der
vorgegebenen Zeit start- und auch flugtauglich wurde. Inzwischen war bereits
die Sonne aufgegangen und ermöglichte den Technikern einige Arbeiten auch mal
an der frischen Luft ausführen zu können. Das gab zusätzliche Motivation ins
Team. Hanspeter Örgelisauer gab den Ingenieuren und Technikerleuten immer
wieder Anweisungen und Vorgaben, wie sie die Rakete zurechtmachen sollten. Steaner
fragte ihn, ob sie die Warpformel richtig zusammengestellt hätte. Örgelisauer
schüttelte den Kopf und fragte sie mit großen Augen: «Das ist aber nicht gerade
jedermanns Kost! Sie können das einfach so aus dem Kopf?!» – «Wissen Sie, das
lernen wir als Grundtheorie an der Sternenflottenakademie. Den Basiskurs für
Warpfeldtheorie muß man belegen und das erste Kapitel heißt „Hanspeter
Örgelisauer“.» erklärte die Chefingenieurin. Örgelisauer hatte bereits langsam
genug von diesen Vorstellungen, daß er in der kommenden Zeit hoch angesehen und
gepriesen würde, aber er wollte für diesen Flug noch ordentlich Geld kassieren.
Er stellte fest: «Ich werde von den Ingenieuren Ihres Teams immer so merkwürdig
angestarrt und man redet immer von mir. Das ist in meinen Augen sehr seltsam.»
meinte er laut zu diesem Thema. Das andere behielt er für sich. Steaner meinte:
«Ehrlich gesagt, Doktor, ich bin auch sehr angetan von Ihrer Erfindung! Sie
wissen es vielleicht noch nicht, aber auf dieser Anhöhe dort drüben wird in 25
Jahren eine Statue von Ihnen stehen!» – «Statue?» wiederholte Örgelisauer und
runzelte die Stirn. Er wünschte nicht recht gehört zu haben. Tanya schwärmte:
«Na klar! Aus Marmor, zwanzig Meter hoch! Und Sie schauen in den Himmel und
Ihre Hand reckt sich sozusagen der Zukunft entgegen!» Den Eglisauer
Raketentüftler interessierte die Sache nicht mehr, daher wollte er das Thema
mit einem klassischen Dialogkiller beenden und sagte: «Ich muß mal schiffen!»
Steaner schaute verwundert um sich und fragte Örgelisauer: «Schiffen? Ich sehe
hier nirgendwo ein Schiff!» Sie war nicht so geübt in Begriffen und Redensarten
im Soziolekt des mittleren 21. Jahrhunderts. Er fragte genervt: «Müssen die
Leute im 24. Jahrhundert nie pinkeln?»
«Ah, schiffen! Verstehe.» gab Steaner
von sich und lachte. Örgelisauer entfernte sich von der Anlage, wo sich die
Partyzelte und die Raketenbasis befanden. Auf halbem Wege drehte er sich
nochmals zu Steaner um und bemerkte: «Ach ja, die Warpformel war übrigens
richtig. Sie haben gut aufgepaßt!» Steaner lächelte Örgelisauer freundlich an.
Er erwiderte ihr Lächeln rasch und drehte daraufhin endgültig ab.
Bluefox und Annie erreichten inzwischen die Brücke. Der Captain wurde von
verwunderten Gesichtern empfangen. – «Captain? Ich dachte...» wollte Strike
einen Satz anfangen, aber Bluefox unterbrach sie: «Die Berichte über meine
Assimilierung ins Borgkollektiv sind stark übertrieben. Doktor, ich habe noch
jemanden gefunden, den Sie in der Krankenstation vermißt hatten. Darf ich
vorstellen: Annie.» Er wandte sich zu Annie und sprach: «Annie, das sind Doktor
Nicole Strike und Lieutenant-Commander Danny Chollet.» Strike war froh, daß der
Schweizerin nichts passiert war und sagte zu Annie: «Sie haben doch sicher auch
einen Nachnamen.» – «Casperyte. Annie Casperyte.» sprach Annie. Bluefox sagte:
«Oh, das ist ein klangvoller Nachname, aber schwierig zu merken. Ich werde Sie,
wenn Sie nichts dagegen haben, weiterhin Annie nennen.» Annie entgegnete mit
einem leichten Lächeln: «Kein Problem, Captain.» Bluefox leitete das neue
Hauptthema ein: «Nun, da die erfreulichen Ereignisse am Ausklingen sind, kommt
jetzt eher wieder ein Tiefflieger: Die Borg wollen auf unserer
Deflektorschüssel unterhalb der Brücke, also auf der Außenhülle des Schiffes,
eine Interplexboje aufbauen.» Der Captain wurde von Whiteman unterbrochen:
«Interplex?» Bluefox erklärte den Begriff genauer: «Das ist ein
Subraumtransmitter. Wenn sie die Boje aktivieren, können sie Kontakt mit den
Borg aufnehmen, die im 24. Jahrhundert leben.» Strike meinte verwundert: «Aber
in der Gegenwart sind die Borg noch im Delta-Quadranten!» Bluefox erwiderte
unbeeindruckt: «Sie werden durch einen weiteren Zeitstrudel Verstärkung
schicken. Die Menschheit wird ein leichtes Ziel darstellen ohne jeglichen Widerstand.»
Er drehte sich zu seinem Sicherheitschef um und fragte ihn: «Mr. Chollet, gibt
es etwas zu berichten?» – «Vieles, aber ich halte mich kurz und erzähle nur das
Nötigste: Die Borg kontrollieren mehr als die Hälfte des Schiffs. Wir haben
versucht die Brücke und die umliegenden Decks wieder mit Energie zu versorgen.
Erfolglos, wie Sie an der Dunkelheit erkennen können.» faßte Chollet zusammen.
Die Chefärztin fragte den Captain: «Und was machen wir jetzt mit den Borg, die
da auf der Hülle spazieren und ihren Transmitter aufbauen?» – «Wir müssen uns
Raumanzüge besorgen und die Lage vor Ort erkunden. Mehr als drei Personen sind
jedoch zuviel. Es gibt drei Magnetschloßkonsolen außerhalb der Hülle. Wenn wir
die Schlösser deaktivieren, löst sich die Deflektorschüssel vom Schiff. Die
Borg müssen die Boje ja auf der Schüssel platzieren. Das ist unsere
Chance.» Sogleich gab Bluefox Einsatzbefehle ohne groß auf Reaktionen zu
warten, da die Zeit relativ knapp war und keiner genau wußte, wie schnell die
Borg im Aufstellen einer Kommunikationsanlage im offenen Raum waren. Er sprach:
«Danny und Thierry kommen mit mir. Ich weiß, daß unser Transporterchef einen
Kurs in der Schwerelosigkeit absolviert hat, deshalb habe ich ihn einem
Führungsoffizier vorgezogen. In der Zwischenzeit übernimmt Nicole die Brücke
und nimmt die Berichte der Einsatzoffiziere auf den Decks entgegen. Doktor,
versuchen Sie mit der Brückencrew nach wie vor die Systeme wieder mit Energie
zu versorgen. Annie, wenn Sie wollen, können sich einmal die Brücke und die
Lounge ansehen. Das bringt Sie auf etwas andere Gedanken.» Gesagt, getan:
Bluefox, Chollet und Whiteman gingen ohne Umwege zum einzigen Frachtraum, der
noch nicht von den Borg heimgesucht worden war. Dort holten sie sich Raumanzüge
und spezielle, auch im offenen Raum funktionstüchtige Kompressionsgewehre.
Chollet informierte das Team: «Maximal drei Schüsse können wir abfeuern, dann
haben sie sich darauf eingestellt.» Der Trupp verließ das Innere der Bluefox
durch einen speziellen Übergang. Kurz darauf waren sie auch schon bereits im
freien Weltraum draußen. Sie begannen der Hülle entlang bis zur
Deflektorschüssel zu spazieren. Es war schon noch ein Stückchen Weg bis
dorthin.
Auf der Erde suchte man schon längere Zeit Hanspeter Örgelisauer, der nach
seinem Austritt zur Toilette verschollen blieb! Tanya Steaner und Andrew Ceagy
machten sich auf die Suche nach ihm. Mit ihnen gingen noch einige Eglisauer,
darunter Bekannte von Örgelisauer. Wenig später teilten sie sich auf um eine
größere Fläche absuchen und überblicken zu können. Da machte Steaner Ceagy
plötzlich auf sich aufmerksam: «Menschliches Lebenszeichen, 511 Meter vor uns.»
Ceagy fragte Steaner sofort: «Ist es Örgelisauer?» – «Ich müßte einen
Bewegungsscan machen.» antwortete die Chefingenieurin. «Tun Sie das.» befahl
der Erste Offizier. Er schaute auf ihren Tricorder und konnte erkennen, daß die
Person ein kleines Fläschchen in der Hand hatte und es zwischendurch immer
wieder zu Munde führte. Ceagy meinte aufgeregt: «Er ist es! Wir müssen ihn kriegen,
sonst ist die Menschheit im Eimer!» Sie rannten sofort los um den Helden der
Zukunft einzuholen.
Im Maschinenraum tat sich derweil nicht viel. Die Borg bastelten nach wie vor
am ganzen Körper von Lore herum. Auf Befehl der Borgkönigin wurde aus ihm ein
physischer Mensch gemacht! Die Borgkönigin sah ihren Drohnen zu. Damit es Lore
nicht langweilig wurde, stellte er der Queen ein paar Fragen: «Sagen Sie mal,
Sie benutzen doch ein Neurorelais auf Primärbasis zur Übertragung der
organischen Nervenimpulse in die Zentraldatei meines Positronnetzes, oder?» Er
bekam keine Antwort. Das wunderte ihn nicht mal besonders, doch er wollte sie
weiter aus der Reserve locken und machte weitere Hypothesen: «Wenn das der Fall
ist, wie haben Sie das Problem des stärker werdenden Signalfadings bei den
organisch-synthetischen Stoffen gelöst, wenn...» – Das ständige Aufstellen von
Hypothesen und das Stellen von für die Borg irrelevanten Fragen nervte die
Borgkönigin und sie fuhr Lore mitten in den Satz: «Reden Sie immer so viel?» –
«Nicht immer, aber immer öfter!» antwortete Lore und lachte prustend los! Als
er sich nach einigen Sekunden wieder einigermaßen erholt hatte, fügte er hinzu:
«Clausthaler: Nichts, was ein Borg braucht!» Erneut wurde Lore von einem
Lachanfall richtiggehend durchgeschüttelt! Dieses Lachen endete aber plötzlich
abrupt, aber warum? Dies sollte sich sogleich zeigen. Lore sprach: «Ich habe
mein Ziel erreicht.» Die Königin fragte verwirrt: «Welches Ziel denn?» Lore
löste das Rätsel: «Sie haben meinen Emotionschip wieder deaktiviert, danke
sehr.» – Die Queen schüttelte kurz ihren Kopf und lief langsam um den liegenden
Alkoven herum, an dem Lore festgeschnallt war. Es war ein spezieller Alkoven.
Er unterschied sich von den anderen Regenerationseinheiten deutlich: Er war
mobil, man konnte darauf jemanden festschnallen und er wich im Design enorm ab.
In der oberen Hälfte glich er eher einem Sessel als einem normalen Borgalkoven.
– Die Queen fragte Lore: «Warum bestehen Sie immer noch auf dieser primitiven linguistischen
Kommunikation? Ihr androides Gehirn ist zu so viel mehr fähig.» Lore antwortete
simpel: «Sie wissen doch, daß es mein Bestreben ist menschlicher zu werden.» –
«Menschlich. Wir waren einmal genau wie Sie: Schwach, fehlerhaft, organisch.
Aber uns gelang die Einbeziehung der Synthetik. Jetzt benutzen wir beides um
die Vollkommenheit zu erreichen.» erklärte die Königin. Sie schaute Lore starr
an und fügte fordernd hinzu: «Sie sollten das selbe Ziel haben.» Lore konterte:
«Zu glauben, man sei vollkommen, ist oft ein Anzeichen von Wahnvorstellungen.»
Das Oberhaupt des Kollektivs sagte energisch: «Einfache Worte! Sie kommen von
einem einfachen Wesen, welches das angreift, was es nicht versteht!» Lore hatte
jedoch auch gegen diese Aussage etwas einzuwenden und entgegnete: «Eins
verstehe ich: Sie haben kein besonderes Interesse an mir. Die Zugangscodes des
Bluefox-Computers zu knacken ist Ihr Ziel. Dafür werden Sie viele Ressourcen
vergeuden. Ich selbst habe sie nämlich programmiert.» Wäre Lores Emotionschip
noch aktiv gewesen, dann hätte er sich in diesem Moment wohl total überlegen
gefühlt. Die Borgkönigin hauchte leise: «Die Codes zu bekommen ist eines
unserer vielen Ziele, aber um es zu erreichen möchte ich Ihnen helfen das Ihre
zu erreichen.» Ein Borg hatte seine Hautimplantationsarbeit an Lores linkem
oberem Arm beendet und drückte den Knopf zum Schließen der Armschelle. Doch
genau in dem Moment schlug Lore dem Borg mit dem kurz frei bewegbaren Arm eins
voll ins Gesicht und öffnete mit einigen Tippkombinationen auf einer Konsole
des Alkoven die restlichen Schellen. Diese Kombinationen hatte er einige Male
einer Drohne abgucken können. Die Queen war für einen Moment total verwirrt und
konnte nicht reagieren. Lore schlug mehrere Drohnen kampfunfähig. Dann wollte
er zum Warpkern um ein Loch in einen der Plasmakühltanks schlagen zu können,
aber die Queen realisierte die Lage schnell wieder und errichtete ein
spezielles Borgkraftfeld! Gleichzeitig versuchte sie Lore zu stoppen, indem sie
den Emotionschip des Androiden reaktivierte! Lore rannte voll in das
Energiefeld hinein und wurde zurückgeschleudert! Hinter ihm standen bereits
vier persönliche Wachdrohnen der Queen und umzingelten den Androiden! Ehe Lore
reagieren konnte, näherte sich ihm ein Borg blitzschnell und verpaßte ihm mit
ihrem stechgabelähnlichen Armwerkzeug einen Stich in seinen bereits mit
organischer Haut überzogenen Arm! Dies hinterließ selbstverständlich eine
blutende Wunde. Lore hielt sich mit der anderen Hand die Blessur zu und machte
ein schmerzverzerrtes Gesicht! Die Queen gab den Drohnen ein Zeichen, sie
sollten wieder an ihre Arbeit gehen. Sie ging zu Lore hin und bemerkte
spöttisch: «Da stehen Sie und drücken das wunderbare Fleisch an sich, das ich
Ihnen geschenkt habe.» Lore wimmerte: «Ich möchte menschlicher werden! Es tut
weh, auch wenn es nicht weh tut!» Die
Queen konterte mit ernstem Gesicht: «Sie werden wirklich immer menschlicher,
das merke ich. Jetzt haben Sie gerade versucht zu lügen!» Lore rechtfertigte
sich: «Meine Programmierung sieht nicht vor mich derartigen Gefühlen zu
stellen!» Das stimmte wirklich, jedoch tat es der Queen natürlich kein bißchen
leid und sie mußte fast lachen über die momentane Hilflosigkeit des Androiden.
Sie näherte sich ihm und fragte ihn auf einmal etwas ganz anderes, etwas viel
Persönlicheres: «Sind Ihnen die körperlichen Formen des Vergnügens vertraut?»
Sie kam weiter auf ihn zu und stoppte erst, als ihr glitschiges Gesicht nur
noch wenige Zentimeter von Lores entfernt war. Sie grinste. Lore wußte zwar,
auf was die Königin anspielte, aber es war ihm natürlich total unangenehm. Er
antwortete ihr möglichst formell: «Falls Ihre Anspielung auf Sexualität
hinzieht: Ich bin voll funktionsfähig, programmiert auf multiple Techniken!»
Sie wollte wissen: «Wie lange ist es her, seit Sie sie das letzte Mal benutzt
haben?» – «Acht Jahre, drei Monate, zwei Wochen, vier Tage, 16 Stunden...» Die
Königin unterbrach Lores übergenaue Zeitangabe und hauchte: «Viel zu lange!»
Daraufhin gab sie ihm einen feuchten, kalten, schleimigen Kuß! Er ekelte sich
erst vor ihr, aber als er merkte, daß sie noch ganz gut küssen konnte, war es
ihm mehr und mehr egal. Nach ein paar Sekunden überkam ihn sogar eine ähnliche
Lust wie beim letzten Mal, als er eine Frau geküßt hatte! Als sie schließlich
nach ungefähr 15 Sekunden von ihm abließ, konnte er fast nicht mehr genug
kriegen und küßte sie gleich nochmals! In Lore kippte also innerhalb von 15
Sekunden der Eindruck gegenüber der Borgkönigin. Erst grauste es ihn und wenig
später wollte er gar nicht mehr aufhören.
Inzwischen waren die drei Weltraumspaziergänger bei der Deflektorschüssel
angekommen und sahen mindestens zwölf Borg, die an ihrer Arbeit beschäftigt
waren. Jeder hatte auf dem Rücken eine Leuchtstange montiert. Diese Stangen
sollten von den Drohnen in die passenden Verankerungen auf der
Deflektorschüssel gesteckt werden um eine einseitige Verbindung in die
Gegenwart aufzubauen, damit seitens der Borg für Nachschub gesorgt war. Chollet
riet Bluefox: «Wir sollten Verstärkung herbeordern.» Doch der sprach sich
dagegen aus: «Wir haben keine Zeit dafür.» Der Captain schaute sich das gesamte
Szenario an und erkannte: «Sie wollen die Boje sogar auf dem Partikelemitter
aufbauen, das ist ja noch gediegener. Dann müssen wir nicht einmal die ganze
Schüssel in den Weltraum schicken, aber wir müssen die oberen drei
Magnetschlösser trotzdem deaktivieren. Machen wir uns auf die Socken.» – Die
Offiziere in den Weltraumanzügen watschelten entenähnlich bis zur Wölbung der
Schüssel hinunter. Dort befanden sich drei Computerkonsolen für die Bedienung
der Magnetschlösser. Bluefox beorderte jeden Mann an eine der drei Konsolen.
Außerhalb von Eglisau war man dem abgeschlichenen Erfinder auf der Spur. Ceagy
und Steaner waren ihm schon sehr nahe gekommen. Auch die mitgegangenen
Zivilisten konnten ihn sehen. Ceagy gab der linken Gruppe ein Zeichen, daß man
ihn von hinten anlaufen sollte. Ceagy und Steaner wollten frontal gehen. Somit
hatte er keine Chance davonzurennen. Sie schafften es durch die zahlenmäßige Überlegenheit
Örgelisauer zu drei Viertel zu umzingeln und damit seine vorübergehende
Kapitulation zu erzwingen. Ceagy fragte ihn: «Suchen Sie immer noch die
Toilette?» Örgelisauer rief aus: «Ich will nicht wieder zurück!» Steaner redete
dem Doktor ein: «Wir schaffen es nicht ohne Sie! Haben Sie schon vergessen, was
alles auf dem Spiel steht?» – «Ich will aber keine Statue sein!» rief er und
entwischte durch die einzige einigermaßen freie Lücke! «Dafür haben wir keine
Zeit!» sagte Ceagy, zückte seinen Phaser und schoß auf der niedrigsten Stufe
Örgelisauer am rechten Arm an! Der fiel einen Wimpernschlag später hin und
blieb kurz liegen. Die Gruppe konnte ihn dadurch wieder einholen. Auf dem Weg
fragte Ceagy Steaner mit einem Schmunzeln auf den Lippen: «Sie haben ihm von
der Statue erzählt?» – Die Chefingenieurin konnte sich, da die Gefahr gebannt
war, das Lachen nicht mehr verkneifen!
Das Team auf der Außenhülle der Bluefox hatte sich erfolgreich in alle
Richtungen zu den Magnetschloßkonsolen verteilt. Bluefox erinnerte zuvor noch
einmal beide Kollegen: «Damit es funktioniert, müssen alle drei Magnetschlösser
geöffnet sein. Die Klappen klinken sich dann aus und der Partikelemitter löst
sich von der Plattform.» Der Captain öffnete seine Konsole und wechselte zwei
Schlüsselkarten aus. Die acht schlitzförmigen Öffnungen waren bis auf den
zweiten Schlitz von links mit Karten belegt. Er nahm die Karte im vierten
Schlitz von links heraus und ließ sie in die freie Öffnung hineingleiten. Auf
dem Konsolenbildschirm war nun zu lesen: „Zugang gewährt.“ Der magnetische
Verschluß war gelöst. Die anderen beiden Offiziere versuchten ebenfalls so
rasch als möglich an ihren Konsolen den Verschluß zu lösen. Als Whiteman sein
Panel erreichte und gerade beginnen wollte eine Schlüsselkarte herauszuklauben,
unterbrach ein Borg seine Arbeit und lief zum Transporterchef hin! Die Drohne
hatte keine Leuchtstange mehr auf dem Rücken. Zum Glück bemerkte es Whiteman
aber rechtzeitig und feuerte einen Schuß aus seinem Kompressionsgewehr ab. Der
Borg verlor seine Schwerkraft und segelte in den Weltraum hinaus. Whiteman
konnte an seiner Konsole die Karten erfolgreich austauschen. Immer wieder
konnten die Borg eine der vielen leuchtenden Stangen auf der Plattform des
Emitters anbringen. 18 Stangen mußten am Schluß erfolgreich in den
Verankerungen stecken um eine Verbindung zur Gegenwart herstellen zu können.
Zur leichten Beruhigung von Bluefox steckten jedoch erst vier Stangen und das
Außenteam war bereits zwei Minuten auf der Hülle. Der Captain rechnete für sich
und sein Team, daß sie in weniger als einer Viertelstunde die ganze Sache
erledigt haben sollten. Nun kam ein Borg auf Chollet zu. Der Sicherheitschef
bemerkte ihn sofort und feuerte, doch der Schuß prallte auf ein grün aufleuchtendes
persönliches Sicherheitsfeld unmittelbar vor der Drohne. Chollet rief den
anderen zu: «Sie haben sich darauf eingestellt!» Er nahm aus einer Tasche
seines Weltraumanzuges plötzlich eine Überraschung heraus! Es war eine massive
Eisenkugel, etwas größer als ein Baseball! Mit solchen Kugeln spielte man sonst
eigentlich die beliebte französische Sportart Pétanque. Mit dieser Kugel
und den bloßen Händen mußte sich der Steirer gegen die kybernetisch
weiterentwickelte Lebensform verteidigen. Als der Borg nur noch fünf Meter vor
Chollet war, holte der tapfere Kunstturner in einem weiten Radius aus und
beförderte die Pétanque-Kugel in direktester und schnellster Linie in die
Richtung, wo sich bei Männern normalerweise die Genitalien befinden. Chollet
verfehlte sein Ziel nicht und traf den Borg heikel an dessen empfindlichster
Stelle. Da auch Borgdrohnen nicht absolut kybernetisch, sondern zu einem
kleinen, aber bestimmenden Teil noch organisch waren, sollte dieser Treffer
seine Wirkung nicht verfehlen. Die Drohne sackte erst in die Knie und dann
vollkommen auf den Boden. In diesem Zustand war der Borg nicht mehr im Stande
sich auf irgendetwas vorbereiten zu können und Chollet konnte ihn mit
Leichtigkeit durch einen Schuß aus seinem Kompressionsgewehr erlösen. Nach
dieser vollends gelungenen Aktion hatte auch der Sicherheitschef Zeit seine
Schlüsselkarten auszutauschen. Er rief noch zur allgemeinen Information:
«Magnetischer Verschluß ist an allen drei Konsolen gelöst!» Bluefox und
Whiteman verstanden ihn dank der Kommunikatoren perfekt. Man mußte lediglich
lauter sprechen als normal. – Nun mußte etwas Neues getan werden. An jeder
Kontrollkonsole gab es zwei Hälften. Die linke Hälfte diente zur Auswechslung
der Schlüsselkarten, was ja erledigt war, jedoch mußte nun auf der rechten
Seite mit viel Kraft ein Griff herausgezogen, um 90 Grad gedreht und dann
wieder hineingedrückt werden. Bluefox nahm sich den Stahlgriff als Erster vor
und schaffte es auch nach ungefähr zehn Sekunden. Dieses Verfahren war ihm
nicht unbekannt, weil er die manuelle Deflektormodifikation schon mehrmals
trainierte. Der Griff konnte in verschiedene Positionen gedreht und wieder in
die Verankerung hineingepreßt werden. Es dauerte nicht lange, bis ein weiterer
Borg, der nichts mehr zu tun hatte, vom Emitter herunterstieg und sich jemanden
als Opfer aussuchte. Er fackelte nicht lange und marschierte direkt auf den
Captain zu, doch der hatte wieder eine Schlaumeieridee in der Trickkiste: Er
schoß direkt unter der Drohne ein Loch in den Boden! Durch die Luft, die von
innen mit einer unfaßbaren Geschwindigkeit herausströmte, blies es den Borg
gleich einige Meter in die Höhe. Aufgrund der neuen Umstände war es nicht mehr
schwer die Drohne abzuschießen, weil die nun mit sich selbst genug beschäftigt
war. Chollet konnte den zweiten Arbeitsschritt an seiner Konsole ohne Zeitdruck
vollführen, weil er gerade nicht belästigt wurde. Auch Whiteman bearbeitete
seinen Griff, doch er hatte nur schon kräftemäßig mehr Mühe als seine beiden
Vorgesetzten. Eine Drohne hatte ihre Arbeit beendet und näherte sich dem
Transporterchef. Dieser war aber so sehr mit seinem Griff beschäftigt, daß er
sich für einen Moment lang nicht konzentrierte. Er blickte nicht konsequent
nach vorne, wo sich die gefährlichste Handlung abspielte! Das sollte sein
Schicksal sein. – Der Borg erreichte Whiteman und rang ihn zu Boden! Bluefox schrie
noch zu ihm hinüber, aber da war es schon viel zu spät. Whiteman und die Drohne
verschwanden plötzlich hinter der Konsole und waren somit für die anderen beiden
Offiziere momentan unsichtbar. Als der Borg sein Werk an Thierry Whiteman
vollendet hatte, stand er wieder auf und mußte sogleich sein Zeitliches segnen,
weil er nicht auf einen präzisen Schuß des Captains von links gefaßt war! Das
kybernetische Wesen schwebte langsam von der Hülle weg. Bluefox war nun allem
Anschein nach ein beliebtes Ziel der Borg geworden, denn es dauerte keine halbe
Minute, bis bereits eine weitere Drohne ihn zukam! Er schoß, aber es nützte
nichts mehr. Der Borg hatte sich definitiv angepaßt. Es war auch für einen
Kunstschuß zu spät und Bluefox sah sich ziemlich in der Klemme! Zudem hatte
Whiteman die Arbeit an seiner Konsole ja noch nicht beendet! Bluefox schaute
zum Panel des Transporterchefs hinüber. Auf einmal schwirrte ein Gedanke durch
sein Gehirn. Ohne überhaupt zu wissen ob es klappen würde, löste er seine
magnetische Verbindung zur Hülle und hob ab! Wenige Sekunden später schwebte er
etwa drei Meter über dem Boden und die Drohne konnte ihm nichts mehr anhaben.
Er versuchte irgendwie zu steuern und auf die andere Seite der
Deflektorschüssel zu gelangen. Es glückte ihm nur halbwegs. Er fuchtelte mit
beiden Armen umher und kam sich wie in einem tiefen Schwimmbecken vor. Zum
Glück konnte er einigermaßen Höhe und Richtung beibehalten. Mit letzter Kraft
gelang es ihm sich an Whitemans Konsole festzuhalten. Er remagnetisierte sich
per Knopfdruck erfolgreich und hatte endlich wieder festen Boden unter den
dicken Schuhsohlen. Bluefox beendete Whitemans Arbeit verhältnismäßig problemlos.
Alle drei Magnetschlösser waren offen und die Borg konnten just in diesem
Moment ihre letzte Stange anbringen, hatten aber keine Zeit mehr ein Signal zu
senden, weil sich der Emitter unter ihnen bereits von der Hülle löste! Die Borg
waren verwirrt und konnten sich daher nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren.
Die Boje schwebte immer weiter von der Deflektorschüssel weg, bis sie plötzlich
nach ungefähr zwanzig Metern stehenblieb. Warum denn? Chollet gab gleich die
Antwort: «Oh, das Sicherheitskabel!» Sofort schoß er es entzwei und der Emitter
tuckerte gemächlich weiter in die Höhe. Der Captain rief zu Chollet hinüber:
«Sie können immer noch Schaden anrichten!» Der Sicherheitschef feuerte mit
seinem Kompressionsgewehr auf den Emitter. Drei Sekunden später, als der
Minitorpedo die Boje erreichte, explodierte die Einheit mit allen restlichen
Borgdrohnen darauf! Bluefox rief Chollet fröhlich zu: «Mission erfüllt!» Da
sagte plötzlich eine Stimme direkt hinter dem Captain: «Fast erfüllt!» Bluefox
drehte sich um und konnte hinter dem nach außen gewölbten Glasvisier Thierry
Whiteman erkennen. Überall waren bereits Kabel und anderes Borgzeug in seinem
Gesicht eingenistet. Whiteman rang Bluefox ohne auch nur einen Moment zu zögern
nieder! Sofort wollte der gerade eben Assimilierte das gleiche Verfahren an
Bluefox anwenden, als er plötzlich abhob! Chollet hatte nochmals ganze Arbeit
geleistet und hatte Whiteman rechtzeitig abgeschossen. Bluefox bedankte sich
per Handzeichen bei seinem Retter. Nach dieser atemberaubenden Mission
innerhalb der Mission kehrten beide Überlebende wieder auf die Brücke zurück.
Im Maschinenraum kommentierte die Borgkönigin diesen Zwischenfall mit folgendem
Satz: «Wir haben unsere Pläne geändert, Lore.» Sie war binnen Sekunden über die
Gesamtlage in den eigenen Reihen informiert und konnte alles überblicken und
Alternativpläne konstruieren.
Inzwischen konnten die Crewmitglieder der Bluefox auf der Erde Hanspeter
Örgelisauer überreden ihnen wieder zu helfen. Der Start der Rakete mußte zum Glück
nicht verschoben werden. Die Techniker leisteten sehr gute Arbeit und die
Phoenix war für den Start schon fast bereit, nur noch die exakte Besatzung
fehlte. Es blieb aber auch noch eine Stunde Zeit bis zum Start. In diesem
Moment betraten Ceagy und Örgelisauer das erste Mal das Cockpit der neu
zusammengeflickten Warprakete. Ceagy informierte: «Sie haben noch eine Stunde.»
– «Ja, ja. Ich werde jetzt nochmals die Checkliste durchgehen.» erwiderte
Örgelisauer. Ceagy fragte den Warppionier: «Wie fühlen Sie sich?» – «Ich habe
einen Kater, Alarmstufe Rot! Entweder vom Whisky oder von Ihrem Laserstrahl.
Oder von beidem. Aber ich bereit Geschichte zu machen!» antwortete Örgelisauer
lachend. Ceagy war froher denn je. Er hatte das erste Mal das Gefühl, daß es der
Eglisauer ernst meinte. Da funkte Jazzy Crossnicholls an Ceagy: ««Bodenstation
an Phoenix: Das Starttor kann jetzt geöffnet werden.»» – ««Sie können es
aufmachen.»» bestätigte der Erste Offizier. Das Doppeltor öffnete sich direkt
über der Raketenspitze. Örgelisauer wurde von der Sonne geblendet und er hielt
sich die Hand über die Augen. Ceagy forderte ihn mit erheiterter Stimme auf:
«Sehen Sie sich das an!» Ceagy zeigte auf die Mondsichel, die neben der Sonne
deutlich erkennbar war. Örgelisauer fragte augenrollend: «Haben Sie denn keinen
Mond im 24. Jahrhundert?» Ceagy gab zur Antwort: «Doch, aber in unserer Zeit
leben über fünfzig Millionen Menschen auf ihm! Da sind Orte wie Winterthur 2,
Neuzürich, sogar eine Kopie des Bodensees an einem solchen Tag!» schwärmte
Ceagy. «Aha.» murmelte Örgelisauer. «Und wissen Sie, Doktor,...» wollte Ceagy
einen Satz anfangen, aber Örgelisauer ahnte, auf was der Erste Offizier
hinauswollte und er unterbrach ihn: «Bitte! Sagen Sie mir jetzt nicht, das sei
alles mir zu verdanken! Ich habe langsam genug gehört von diesem großen
Hanspeter Örgelisauer! Ich weiß nicht, wer Ihre Geschichtsbücher schreibt und
woher diese Informationen kommen, aber Sie haben wirklich komische
Vorstellungen von mir! Das klingt ja so, als sei ich so etwas wie ein Heiliger
oder ein Visionär für Sie!» – «Ich halte Sie nicht für einen Heiligen, Doc,
aber Sie hatten eine Vision und jetzt sitzen wir hier drinnen!» stellte Ceagy
fest. Örgelisauer schmunzelte und schaute Ceagy an: «Wollen Sie wirklich
wissen, worin meine Vision besteht?» Er machte eine Pause und holte zu einem
Ausruf aus: «In Schweizer Banknoten, in echtem Stutz!» Seine Stimme wurde
wieder normallaut und er fuhr fort: «Ich habe dieses Schiff gebaut, damit ich
mich zur Ruhe setzen kann auf einer tropischen Insel voller nackter Weiber! Das
ist Hanspeter Örgelisauer! Das ist seine Vision! Wissen Sie, ich fliege nicht
mal gern, ich fahre mit dem Postauto oder mit den SBB! Ich habe dieses Schiff
nicht gebaut um eine neue Ära der Menschheit einzuleiten! Glauben Sie, ich will
zu den Sternen?» Ceagy mußte einfach lachen über die Redensart des später
populärsten Mannes des 22. Jahrhunderts und der folgenden Zeit. Örgelisauer
redete weiter ohne eine Antwort abzuwarten: «Diese historische Figur, dieser
Held, von dem Sie dauernd reden, ist mir nie begegnet! Und das wird wohl auch
nie passieren!» Ceagy zitierte: «Irgendwer hat mal gesagt: „Versuche nicht ein
großer Mann zu sein, sei einfach ein Mann! Und lasse die Geschichte ihr eigenes
Urteil fällen!“» – «Das ist rhetorischer Unsinn! Wer hat das gesagt?» wollte
Örgelisauer wissen. Ceagy entgegnete vergnügt: «Sie! Zehn Jahre später!»
Örgelisauer vergrub den Kopf in den Händen. Ceagy mahnte ihn: «Sie haben nur
noch 58 Minuten. Nutzen Sie die Zeit.»
Bluefox und Chollet kamen auf der Brücke an, als auch gerade F. Strike durch
die versteckte Bodentür erschien. Der eigentliche Steuermann, den man während
dieser aufreibenden Schlacht mit den Borg kurzerhand zum Sicherheitsoffizier
umdisponierte, begrüßte Bluefox und gab sogleich einen Bericht durch: «Captain,
willkommen zurück! Ich habe leider gerade eine unangenehme Meldung: Die Borg
sind wieder auf dem Vormarsch. Sie haben gerade drei unserer
Verteidigungscheckpoints überrannt! Sie stellen sich auf jede unserer Modulationen
ein. Es ist, als würden wir mit Platzpatronen schießen!» Bluefox schlug vor:
«Dann müssen wir schauen, daß die Phaser effektiver werden. Und bis dahin,
Fähnrich, sollen Ihre Männer die Stellung halten!» – «Sir?!» gab Strike von
sich. Er war überhaupt nicht sicher, ob das hinhauen würde. Der Captain
wiederholte sein Verlangen: «Kampf „Mann gegen Mann“, wenn es sein muß.» –
«Aye, Sir.» bestätigte Strike mit einem deutlich erkennbaren Stirnrunzeln und
drehte ab. Da hielt Chollet den Fähnrich plötzlich an der Schulter fest und
sprach: «Warten Sie.» Der Sicherheitschef wandte sich zu Bluefox und wollte
dessen Befehl anfechten: «Captain, unsere Waffen sind nutzlos! Wir sollten die
Selbstzerstörung aktivieren und das Schiff per Rettungskapseln verlassen!» Bluefox
gefiel dieses Vorgehen überhaupt nicht und verneinte schlagartig! In seiner
Stimme konnte man nun eine deutliche Steigerung der Wut spüren! Haldman
versuchte nicht mit einem Gegenbefehl zu reagieren, wie es Chollet gemacht
hatte, sondern sie wollte Bluefox den Ertrag ersichtlich machen. Sie meinte:
«Wenn wir die Bluefox zerstören, dann vernichten wir auch die Borg!» – «Wir
werden dieses Schiff nicht verlieren, Commander! Nicht an die Borg! Nicht unter
meinem Kommando!» rief Bluefox aus. Der Kommandant wollte seinen Mann stehen
und zeigen, daß er kein Feigling war. Aber sollte dieses Handeln gut sein? War
es nicht blauäugig?
Fünf
Minuten später war es auf der Brücke still geworden. Der Captain hatte sich zum
Nachdenken in die Beobachtungslounge zurückgezogen, Patrick Strike war wieder
in die unteren Decks gestiegen um den Borg entgegenzutreten und Haldman führte
seit Bluefox’ Verschwinden die Brücke. Annie war auch immer noch im
Kommandozentrum der Bluefox und kam sich fehl am Platz vor. Sie fragte Haldman:
«Und was machen wir jetzt?» – «Wir führen seine Befehle aus.» antwortete die
Wissenschaftsleiterin und verteilte Aufgaben: «Commander Chollet, Lieutenant
Blater, beginnen Sie mit der Modifizierung des Waffensystems...» Annie fiel
Haldman ins Wort: «Aber wenn wir das Schiff in die Luft jagen und heil
verlassen können, dann los!» Haldman mahnte die Eglisauerin: «Wenn der Captain
einmal einen Entschluß gefaßt hat, gibt es keine Diskussion mehr.» Annie winkte
ab und ging Richtung Tür der Lounge! Haldman rief Annie zurück, in der
Hoffnung, sie würde diesen Schritt nochmals überdenken, aber da öffnete sich
die Tür bereits und Annie verschwand in der Lounge. Gillian Haldman strich
einige Strähnen ihres dunklen Haares zurück, die ihr ins Gesicht gefallen waren
und schloß kurz ihre Augen. Es galt nun einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht
durchzudrehen.
In der Beobachtungslounge ging es derweil ans Eingemachte. Annie rief aus: «Sie
elender Mistkerl!» Bluefox entgegnete: «Das ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt!»
Annie gab den Tarif durch: «Okay, ich verstehe einen Dreck vom 24. Jahrhundert,
aber alle da draußen denken gegen die Borg zu kämpfen und die Stellung zu
halten sei Selbstmord!» – «Wissen Sie, ich kenne die Borg! Keiner von meiner
Crew kennt sie so gut wie ich. Ich bin einmal in deren Kollektiv assimiliert
worden. Das ist noch kein halbes Jahr her. Sie hatten ihre kybernetischen
Implantate überall in mir eingepflanzt. Ich war mit ihrem Gehirn verbunden. Ich
war einer von ihnen. Sie können sich vorstellen, meine Teure, ich sehe die Borg
deshalb unter einem ganz besonderen Blickwinkel und ich weiß, wie man sie
bekämpft!» erklärte Bluefox die Fakten. Annie interpretierte seine Erklärung
wie folgt: «Sie wollten es ihnen also heimzahlen, nicht wahr?» Bluefox
widersprach: «Nein, im 24. Jahrhundert unterliegen wir nicht mehr dem Gefühl
der Rache. Unsere Sensibilität ist weiterentwickelt.» Annie jedoch war
überhaupt nicht der gleichen Meinung wie ihr Gegenüber und diesem Unmut machte
sie sofort Luft: «Blödsinn! Ich habe gesehen, wie Sie die Borg auf dem Holodeck
erschossen haben! Sie haben es doch geradezu genossen!» Da stand Bluefox
plötzlich auf, stützte sich mit beiden Händen auf dem Besprechungstisch ab,
schaute Annie tief in die Augen und rief entsetzt: «Wie können Sie es wagen!» –
«Kommen Sie, Captain, Sie sind nicht der erste Mensch, für den es ein
Nervenkitzel ist jemanden zu ermorden! Ich sehe so was andauernd!» meinte
Annie. Bluefox schrie wutentbrannt: «Raus hier!» – «Und wenn nicht? Dann töten
Sie mich? So, wie Sie Fähnrich Montgomery getötet haben? Entschuldigen Sie, ich
wollte Ihre kleine Jagd nicht unterbrechen!» Bluefox wiederholte seine Ansicht:
«Hier geht es nicht um Rache!» – «Lügner!» rief sie aus. Der Captain
konterte: «Hier geht um die Rettung der Zukunft der Menschheit!» Annie war auf
180 und schrie Bluefox an: «Jagen Sie das verdammte Schiff in die Luft!» –
«Nein! Nein!» schrie Bluefox, so laut wie er nur konnte und daß sich seine
Stimme überschlug, und hämmerte mit dem Kompressionsgewehr, an dem er
arbeitete, auf eine großflächige Glasscheibe ein! Dahinter befand sich seine
wertvolle Kollektion goldener Modellschiffe der Sternenflotte. Diese Schiffe
hatte er natürlich ebenfalls zum größten Teil zerstört. Den Captain störte dies
in seinem momentanen Zustand jedoch überhaupt nicht und er repetierte mit einer
wieder ruhig gewordenen Stimme sein Hauptziel: «Ich werde die Bluefox nicht
aufgeben. Wir haben schon zu viele Rückschläge erfahren, zu viele Kompromisse
sind wir eingegangen. Die Borg greifen unser Schiff an und wir weichen zurück.
Sie dringen in unseren Raum ein und wir weichen zurück. Sie assimilieren ganze
Welten und wir weichen zurück!» Seine Stimme wurde wieder lauter und glich
einem Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand: «Aber hier wird der Schlußstrich
gezogen! Bis hierher und nicht weiter!» Er ballte beide Hände zu Fäusten und
schrie so laut wie vor dem Zertrümmern der Scheibe: «Und ich, ich werde sie
bezahlen lassen für ihre Taten!» Für einen Moment war es totenstill. Bluefox schritt
ans obere Ende des langen Besprechungstisches zurück, an dem er vor kurzer Zeit
noch gearbeitet hatte. Annie nahm die rechte Hälfte von einem der
Schiffsmodelle heraus und fuhr mit ihren Fingern darüber hinweg. Sie schaute
zum Captain hinüber und sagte leise zu ihm: «Sie haben Ihre Schiffchen
zerbrochen.» Bluefox gab ebenso ruhig, ja fast einsichtig zurück: «Ja, ich
weiß. Unser großes Schiff würde auch zerbrechen und ich wäre der Schuldige und
der Verantwortliche für alle diese guten und vor allem einzigartigen
Persönlichkeiten. Auch für Sie. Sie haben Recht, Annie, man muß auch mal
aufhören.» realisierte der Schiffsverantwortliche und ging wieder auf die
Brücke, Annie hinterher. Die ganze Brückenmannschaft schaute Bluefox an in der
Erwartung und der Hoffnung, daß er entscheiden würde das Schiff zu verlassen.
Der Captain setzte sich in den Kommandosessel, drückte die Taste zum
Schiffsfunk und verkündete: «Das Schiff wird evakuiert. Machen Sie alle
Rettungskapseln startklar. Fliegen Sie zu einem unbewohnten Fleck, damit wir
uns aus der Geschichte raushalten können.»
Auf
der Erde war man definitiv für den Start bereit. Neben Ceagy und natürlich
Örgelisauer himself wollte auch noch Steaner als technische Stütze mitfliegen.
Die drei Warpastronauten im Cockpit schnallten sich an und das Tor zum
Raketeninneren wurde geschlossen. Die letzten Kontrollen wurden durchgeführt,
die letzten Checks durchlaufen. Örgeliauer fing an: «ATR-Einstellung?» –
«Bereit!» bestätigte Steaner. «Mem-Bus?» fuhr er fort. Ceagy bestätigte:
«Aktiv!» Da gab der Eglisauer den Befehl: «Vorzündungssequenz einleiten!»
«Selbstzerstörungssequenz einleiten! Autorisation: Bluefox-79-p-W.» befahl Bluefox. Haldman sprach ihren Code: «Selbstzerstörung
bestätigen! Autorisation: Haldman-23-a-c.» Chollet vervollständigte den Reigen: «Selbstzerstörung
zustimmen! Autorisation: Chollet-37-b-d.» Die Computerstimme sprach:
«Selbstzerstörungssequenz aktiv. Erwarte Zeitangabe bis zur
Warpkernüberladung.» – «Hier Captain Bluefox. Zeit bis zur Überladung des
Warpkerns: 15 Minuten. Stiller Countdown. Einleiten.» befahl Bluefox. Der
Computer bestätigte: «Selbstzerstörungssequenz eingeleitet. Warpkernüberladung
in 15 Minuten. Es wird keine weitere Warnung geben.» Die Chefärztin, die sich
in den Sessel des Counselors gesetzt hatte, schaute den Captain an und sprach:
«Das war also die Bluefox-F.» Bluefox nickte der Ärztin zu und meinte: «Wir
haben sie nicht einmal richtig kennenlernen können.» Lt. Blater fragte:
«Glauben Sie, man wird eine Neue bauen?» Bluefox gab zuversichtlich zur
Antwort: «Es gibt noch viele Buchstaben im Alphabet.» Das war mit einem „Ja“
gleichzusetzen.
Die
Zeit drängte von nun an, daher verließen alle Offiziere die Brücke ziemlich
rasch und nahmen sich je eine Rettungskapsel. Mit diesen Kapseln flogen sie auf
direktem Wege zur Erde. Der Captain jedoch blieb alleine im Kommandosessel
seiner Brücke zurück und atmete tief durch. Auf einmal hörte er wieder diese
Borggeräusche und dazu noch eine Stimme, die ihn beim Rang rief! Bluefox wußte
gleich, wessen Stimme es war. Es kam automatisch aus seinem Munde: «Lore!»
Auf der Erde war man soweit. Knight funkte von der Basis aus an das Dreierteam
in der Rakete: ««Zentrale an Phoenix: Die letzten Kontrollen wurden beendet.
Noch vierzig Sekunden bis zum Start! Viel Glück!»» Knight selbst kam nicht mit.
Es war ihr etwas zu schnell in so einem altmodischen Ding. Warp 1 könnte für
eine ehemalige Atomrakete doch den einen oder anderen Stundenkilometer zu viel
sein. Auch in der Rakete war man offensichtlich vollends fertig. Ceagy fragte
mit einem fröhlichen Gesicht: «Sind alle bereit Geschichte zu machen?» Steaner
gab schmunzelnd zur Antwort: «Ich immer!» Doch dann sagte Örgelisauer
plötzlich: «Oh, nein! Ich glaube, ich habe etwas vergessen!» – «Was?!» rief Ceagy
erschrocken. Örgelisauer antwortete: «Ich weiß nicht. Vermutlich nichts
Wichtiges.» Der Erste Offizier war schon wieder erleichtert und drückte den
Zündungsknopf. Aus dem Raketenantrieb quoll viel weißer Rauch. Noch zwanzig
Sekunden bis zum Start. Knight zählte die letzten Sekunden herunter. Da rief
der Raketenpilot plötzlich: «Oh Shit! Jetzt weiß ich’s wieder!» – «Was denn?»
fragte Ceagy, erneut von einem starken Schrecken heimgesucht. Örgelisauer rief
panisch: «Ich kann ohne sie nicht starten!» Ceagy rief sofort: «Tanya, wir
müssen abbrechen!» – «Nein, nein, ich habe sie!» entwarnte Örgelisauer auf
einmal. Ceagy pustete stark aus. Der Pilot des ersten warpfähigen Raumschiffes
hielt eine neongelbe sechseckige Scheibe in der Hand. Er schob sie in eine Art
Tonband. Inzwischen war der Counselor bereits bei „Sieben“, als auf einmal ein
Riesenkrach in der Rakete zu hören war! Knight erschrak gewaltig und warf als
Reaktion des Schreckens den Kopfhörer in hohem Bogen weg! In der Rakete schrie
Örgelisauer: «Ja! Das ist Rock’n Roll!» Mit einem Mordskrach wuchtete das
Warpschiff aus der Rampe unter dem Boden. Die Erde vibrierte richtiggehend im
Umkreis von über hundert Metern um die Startrampe herum! Wenig später schoß die
Phoenix in Sekundenschnelle zum Himmel und verschwand aus dem Blickfeld der
vielen Zuschauer, die auf der Oberfläche standen und darauf warteten, bis das
Höllending in die Lüfte gleiten würde.
Vierzig
Sekunden später hatte die Phoenix die Erdatmosphäre verlassen. Noch immer
dröhnte die Rockmusik im Inneren des Passagierraums. Ceagy schrie nach vorne:
«Können Sie das vielleicht auch ein bißchen leiser stellen?» Örgelisauer
schaltete die Musik ganz ab. Er brauchte sie nur für den Kick am Start, damit
er keine Angst bekam. Die Warpgondeln wurden überprüft. Alles war in Ordnung.
Auf der Bluefox waren unterdessen schon fast alle von Bord gegangen. Annie
wollte gerade in eine Kapsel steigen, als sie plötzlich vom Captain gerufen
wurde. Sie blieb stehen und drehte sich um. Er sprach: «Ich habe hier etwas für
Sie.» Er überreichte ihr ein Pad. Sie fragte verwundert: «Was ist das?» – «Das
sind noch die schriftlichen Befehle, daß man sich eine ruhige Region auf der
Erde suchen und warten soll, bis der erste Kontakt mit den Vulkaniern
erfolgreich abgeschlossen ist. Geben Sie dies einem meiner Kollegen, wenn Sie
jemanden treffen.» erklärte Bluefox. Annie nahm das Pad an sich und ahnte: «Sie
kommen nicht mit.» Bluefox klärte Annie auf: «Wissen Sie, es ist noch jemand
auf diesem Schiff und ich muß ihn retten. Er hat mich auch gerettet, als ich
Gefangener bei den Borg war. Jetzt schulde ich ihm dasselbe.» Sie wünschte ihm
noch viel Glück und verschwand rasch in ihrer Kapsel. Bluefox ging ebenfalls,
jedoch zum Maschinenraum, in dem Lore nach wie vor festgehalten wurde. Er lief
mit langen, schnellen Schritten.
Innerhalb von weniger als zwei Minuten war
er an der Tür zum Maschinenraum angelangt. Es begegnete ihm bis zu dieser
Stelle keine einzige Drohne! Er betrat also den Maschinenraum. Selbst im
Hauptquartier der Borg wurde er ignoriert. Alles war grün, keine Spur von
Menschlichkeit war mehr zu sehen. Da rief auf einmal die Stimme der Borgkönigin
zu Bluefox: «Was ist, Andronus? Erkennst du mich nicht wieder?» Bluefox schaute
sofort zu dem Ort, wo die Stimme herkam. Da kam die Borgkönigin aus dem Dunkel
hervor. Das ehemalige Sprachrohr der Borg hatte plötzlich ein mulmiges Gefühl.
Der Captain hatte mehrere ultrakurze, ja sogar blitzschlagartige Visionen, in
denen er in Form des Andronus vor der Borgkönigin stand und sie ansah. In einem
dieser Bilder hatte die Queen sogar ihre Hand an die Wange von Bluefox gelegt!
Sie fügte an: «Organische Gehirne sind ja so zerbrechlich! Wie konntest du mich
so schnell vergessen? Wir standen uns so nah, du und ich. Du kannst immer noch
unser Lied hören.» – «Ja, ich erinnere mich an dich. Du warst die ganze Zeit
über da, aber dieses Schiff und alle Borg in ihm wurden vernichtet!» entgegnete
Bluefox. «Du denkst in so dreidimensionalen Begriffen. Wie klein du geworden
bist. Lore versteht mich. Nicht wahr, Lore?» sprach die Königin. Es dauerte
nicht lange, bis Bluefox Lore entdeckte. Doch als der Captain erkannte, wie
Lore plötzlich aussah, traf ihn fast der Schlag! Er fragte sie mit erregter
Stimme: «Was hast du mit ihm gemacht?» – «Ich habe ihm gegeben, was er immer
haben wollte: Fleisch und Blut!» antwortete seine ehemalige Kollektivchefin.
Bluefox forderte: «Laß’ ihn gehen! Er ist nicht der, den du willst.» Sie
fragte: «Willst du dich uns anbieten?» Bluefox realisierte: «Ich mich anbieten.
das ist es. Jetzt fällt es mir wieder ein. Es reichte nicht, daß ihr mich
assimiliert habt! Ich mußte mich den Borg freiwillig zum Geschenk machen. Und
zwar dir!» Die Königin konterte: «Du schmeichelst dir! Ich überwache die
Assimilierung von unzähligen Millionen. Es war nicht anders bei dir!» Doch
Bluefox war sich seiner These sicher und sprach: «Du lügst! Du wolltest mehr
als nur eine Borgdrohne! Du wolltest eine Person mit einem eigenen Geist, der
die Kluft zwischen den Menschen und den Borg überbrücken konnte. Du wolltest
einen Gleichgestellten! Aber ich bekämpfte dich!» Die Queen meinte: «Du kannst
dir das Leben nicht vorstellen, das du dir selbst versagt hast!» Er kam auf sie
zu und wollte sie verführen. Er sprach mit einer ruhigen Stimme: «Es ist noch
nicht zu spät. Andronus könnte bei dir sein, so wie du ihn haben wolltest: Als
Gleichgestellter. Laß‘ Lore gehen, dann nehme ich meinen Platz an deiner Seite
ein. Freiwillig, ohne Widerstand.» Die schleimige Dame war sichtlich erstaunt
und erwiderte lächelnd: «So eine noble Gesinnung! Eine Qualität, die uns
manchmal fehlt. Wir werden diese Eigenschaft der Unseren hinzufügen. Willkommen
zu Hause, Andronus.» Sie strich Bluefox über sein kurzes Haar. Einige Sekunden
verstrichen, bis sie sich wieder von ihm abwandte und sich umdrehte. Sie
deaktivierte ein Borgkraftfeld um Lores Alkoven und sprach: «Lore, Sie dürfen
gehen.» Bluefox wandelte das Angebot in einen Befehl um: «Lore, gehen Sie.»
Lore erwiderte jedoch zu Bluefox’ totalem Erstaunen: «Nein. Ich möchte nicht
gehen.» Die Borgkönigin sagte zu ihm: «Den Gleichgestellten habe ich bereits
gefunden, wie Sie sehen.» Sie legte ihren Arm um Bluefox, der sich besonders in
diesem Moment wahrlich wünschte, eine andere weibliche Person außer der
Borgkönigin hätte ihn mal so zärtlich angefaßt. Andererseits verstand er es
absolut nicht, daß Lore seinen Befehl nicht befolgte und ging! Die Aktivierung
der Selbstzerstörung war dem Volk im Maschinenraum sicher bekannt. Auch machte
er sich Gedanken darüber, ob Lore inzwischen sogar zu den Borg übergelaufen
war. Nichts war unmöglich. Da gab die Borgkönigin plötzlich ihrerseits einen
Befehl an Lore: «Deaktivieren Sie die Selbstzerstörungssequenz!» Lore ging vom
Alkoven weg zur Hauptkonsole des Maschinenraums! Bluefox konnte nur noch
staunen! Er rief hilflos: «Nein, Lore, tun Sie das nicht! Lore, hören Sie auf
mich!» Aber der Androide gehorchte nicht mehr seinem Captain, sondern der
Königin! Bluefox kriegte fast eine Krise, während Lore auf der Konsole
herumtippte. Da sprach die Computerstimme: «Selbstzerstörungssequenz offline.»
Bluefox schwitzte ohnehin schon wie ein saunierender Finne aufgrund der
heißfeuchten Verhältnisse, doch Lores Handeln ließ das Blut in seinen Adern
fast kochen! Er schien nicht mehr ganz bei Sinnen zu sein! Die Borgkönigin
erteilte Lore einen weiteren Befehl: «Setzen Sie die Verschlüsselungscodes
außer Kraft. Übergeben Sie mir die gesamte Schiffskontrolle.» Lore führte den
Befehl aus ohne auch nur mit seinen mechanischen Wimpern zu zucken. Der
Computer bestätigte auch dieses Vorgehen. Der Captain lief zu Lore hin, schaute
ihn flehend an und sagte: «Geben Sie diese Codes wieder ein! Lore, bitte!» Doch
Lore wandte sich vom Captain ab und ging zur Borgkönigin hin. Bluefox spürte
plötzlich, wie ihn zwei Drohnen von hinten unsanft an den Schultern anpackten!
Lore sagte grinsend: «Der Captain wird eine ausgezeichnete Drohne!»
Die Phoenix war für den Warpsprung fast bereit. Tanya Steaner berichtete:
«Plasmainjektoren sind online! Sieht alles gut aus!» Andrew Ceagy informierte:
«Die Geschwindigkeit beträgt jetzt 20'000 Kilometer pro Sekunde! Wir müssen die
Warpmauer in fünf Minuten durchbrechen, damit sie aufmerksam werden!»
Örgelisauer rief: «Warpgondeln sind einsatzbereit!» Es wurde immer lauter im
Cockpit, je schneller die Phoenix wurde! Ceagy rief: «Na dann, los!» Steaner
meldete: «Warpfeld sieht gut aus! Strukturelle Integrität ist konstant!»
Örgelisauer schaute auf den digitalen Tachometer und rief entsetzt: «Meine
Güte!» Ceagy lachte und rief hervor: «Ganz ruhig, Doktor! Ich bin sicher, daß
Sie hier sind um es zu verabschieden!»
Inzwischen war der Captain auf den früheren Alkoven von Lore befördert worden.
Ein Borg hielt ihm als Bedrohung ein handeigenes Kreissägeblatt an den Hals,
damit er nicht ausbüxen konnte. Lore informierte die Borgkönigin: «Ich
aktiviere die externen Sensoren und schalte das Sensorbild auf den
Konsolenbildschirm.» Die Queen, Bluefox und Lore schauten unterschiedlich
angespannt auf den Schirm. Der Captain erschrak, während die Königin hämisch
grinsend verkündete: «Beobachte das Ende eurer Zukunft!» Auf dem Schirm war
nämlich die Phoenix zu sehen. Lore verfolgte alles androidisch gelassen.
Im Warpschiff ratterte es inzwischen wie wild! Man war nun kurz vor der
Warpschwelle! Örgelisauer warnte: «Jetzt kommt der kritische Punkt!» Ceagy
informierte den Piloten: «Wir nähern uns der Lichtgeschwindigkeit! Noch 15
Sekunden bis zur Warpschwelle!»
Die Bluefox jedoch war bereits auf Abfangkurs mit der Phoenix! Die Borgkönigin
befahl Lore: «Eliminieren Sie diese Rakete!» Lore schoß tatsächlich drei
Quantentorpedos ab, die sich der Phoenix rasant näherten! Bluefox stand kurz
vor einem Kollaps! Es sah so aus, als würden die Torpedos bei ihrem Ziel
einschlagen, doch es täuschte! Um wenige Meter versetzt wuchteten alle drei
Geschosse an der Warprakete vorbei! Die Queen drehte sich blitzartig zu Lore um
und schrie ihn an! Der Androide jedoch erwiderte kurz und bündig mit drei
bekannten Worten: «Widerstand ist zwecklos!»
In der Zeit, in der auf der Bluefox die Hölle los war, beschleunigte die Phoenix auf Warp! Hanspeter Örgelisauer schrie wie am Spieß! Er hatte selbstverständlich noch nie so einen Nervenkitzel erlebt. Nach einer vorhin festgelegten Zeit ging die Phoenix wieder aus dem Warp. Örgelisauer fragte, als sich die Rakete der Erde zuwandte: «Ist das die Erde?» – «Ja, das ist sie.» antwortete Ceagy. Örgelisauer staunte: «Sie ist so winzig!» Ceagy erwiderte gelassen: «Sie wird bald viel größer werden!» In der Tat hatte sich die Phoenix nicht allzu weit von der Erde entfernt. Selbst mit einem kurzen Sprung auf Warp 1 war man noch nicht gleich im Jenseits. Übrigens: Auf der Phoenix hatte aufgrund eines vollkommen fehlenden Sensorsystems überhaupt niemand gemerkt, daß man um wenige Meter dem Tode entronnen war! Die Frage, was dies im Bezug auf Örgelisauers Verhalten für Konsequenzen gehabt hätte, blieb zum Glück für die Geschichte der Erde und der Menschheit unbeantwortet. Es hätte durchaus sein können, daß Örgelisauer vor Angst durchgedreht wäre und dadurch das genaue Timing des Warpsprungs entscheidend beeinflußt hätte. Die Vulkanier hätten die Phoenix als Vertretung der Menschheit nicht bemerkt und eine mögliche Entwicklung der Menschen in der Raumfahrt hätte sich um Jahrzehnte verzögert. Was dies für Konsequenzen auf die heutige Föderation in der richtigen Zeit gehabt hätte, wollte und konnte man sich gar nicht vorstellen.
Im Maschinenraum der Bluefox wurden es so turbulent, wie es Matthew Bluefox seit seiner Geburt nie erlebt hatte, so schien es ihm zumindest. Lore schlug mit seinem Ellbogen ein Loch in einen Plasmakühltank unter dem Warpkern! Das grüne Plasmakühlmittel schoß mit extremer Geschwindigkeit aus dem Leck! Lore pustete es gleich einige Meter vom Warpkern weg! Auch die Queen wußte um die Gefährlichkeit des Kühlmittels. Sogleich versuchte sie sich in Sicherheit zu bringen. Mit einer derartigen Reaktion von Lore hätte das Oberhaupt des Kollektivs nie gerechnet. Zum Glück stand der Captain einige Meter hinter der Borgkönigin und es blieb ihm noch ein wenig mehr Zeit. Er klammerte sich mit beiden Händen an eine Metallstrippe, die auf einmal – eigentlich zur Rettung der Borgkönigin bestimmt – heruntergelassen wurde. Dieses Kabel mit dem Durchmesser eines Wienerwürstchens war durch die Hitze und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit alles andere als ideal um sich für längere Zeit daran festhalten zu können. Trotzdem schaffte er es sich an der Strippe festzuklammern. Es vergingen keine drei Sekunden, als die Borgkönigin aus der grünen Suppe auftauchte und wie verrückt an Bluefox’ Beinen zerrte! Es bestand höchste Lebensgefahr für beide! Für ein Weilchen ging es noch halbwegs gut, jedoch konnte Bluefox für gar nichts mehr garantieren! Da löste sich auf einmal eine zweite Strippe von der Decke und stürzte unmittelbar neben Bluefox in die Tiefe. Der total schweißgebadete Captain versuchte mit seinem Strippenteil zu schwingen und hoffte das andere Kabel zu erreichen. Zwei Kabel wären schon die halbe Überlebensmiete gewesen. Er schaffte es nach und nach in Schwung zu kommen. Als er glaubte genug nahe an der anderen Strippe dran zu sein, ließ er mit der rechten Hand los und ergriff blitzartig das andere Kabel! Er kämpfte mit Gleichgewichtsproblemen, vermochte sich jedoch selbst wieder aufzufangen. Bluefox hatte nun also zwei Hilfskabel, an denen er sich festhalten konnte, als gleich noch eines heruntergelassen wurde. Das nützte ihm jedoch nicht mehr besonders viel, zumindest nicht für den Moment. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als sich diese letzte Strippe mit dem Geländer des Oberdecks verhedderte und einen idealen Übergang in die sichere obere Ebene des Maschinenraums darstellte! Er beschloß nochmals umzuseilen. Dazu mußte er an seinen beiden Kabeln nach oben hangeln um direkt über dem Querhänger zu sein und um ihn dann mit einem zielsicheren Sprung zu erreichen. Das war jedoch nicht sehr einfach, denn die Königin hing immer noch wie eine Klette an ihm. Plötzlich schrie sie laut auf und starrte in den Kühlmittelsee hinunter! Zwei starke Hände hatten ihre Beine umschlungen! Nun sah alles langsam wie eine Menschenkette aus. Lore war natürlich der dritte im Bunde. Auf Dauer konnte diese Konstellation keinesfalls gutgehen. Lore konnte sich vergleichsweise gut an den Beinen der Borgkönigin festhalten. Auch Bluefox hatte zum Glück noch einen relativ guten Halt an seinen Strippen und verließ sich einfach nur noch auf seinen Körper, während sich die Königin noch lediglich an einem seiner Beine festhalten konnte! Sie konnte kurz Lores Gesicht erkennen, als sie hinunterblickte. Sie erschrak für einen Augenblick, denn den Androiden hatte sie nicht mehr auf ihrer Rechnung. Zuerst dachte sie, sie hätte sich irgendwo verfangen. Diesen kurzen Augenblick der Unkonzentriertheit seitens der Queen nutzte Lore voll aus und zerrte genau in diesem Moment mit voller Kraft! Die Borgkönigin verlor den Halt an Bluefox’ Bein endgültig und stürzte mit der künstlichen Lebensform ins Kühlmittel! Der Captain konnte sich mit viel Kraft und nicht weniger Glück an seinen beiden Kabeln festklammern und verlor nur wenig an Höhe. Als er realisierte, daß er sich nun relativ frei bewegen konnte, versuchte er die dritte Stippe zu erreichen und sich endgültig in Sicherheit bringen zu können. Er holte wieder Schwung, diesmal jedoch diagonal von links hinten nach rechts vorne um die direkteste Linie fliegen zu können. Wieder klappte alles perfekt und er konnte schnell und effizient Schwung sammeln um seiner Intuition nach die querhängende Strippe mit einem Hechtsprung anpacken zu können. Als er sich sicher fühlte, katapultierte er sich mit voller Kraft von seinen beiden Kabeln weg und flog in hohem Bogen Richtung Querhänger. Während er sich in der Luft befand, schrie er laut heraus und dachte nichts mehr! Er konzentrierte sich nur noch auf das lebensrettende Querkabel und näherte sich diesem mit halsbrecherischer Geschwindigkeit! Bluefox streckte beide Hände nach oben und wartete auf den Aufprall. – Geschafft! Tatsächlich konnte er sich festhalten, jedoch fabrizierte er durch den übriggebliebenen Schwung eine ganze Umdrehung, als würde er an einer Reckstange einen Felgaufschwung vorführen. Als er sich wirklich sicher fühlte, hangelte er zum Geländer des Oberdecks hinüber und konnte sich darüber hinwegschleppen. Endlich durfte Bluefox wieder festen Boden unter seinen Sohlen fühlen. Sofort begab er sich an eine Computerkonsole um den Dampfabzug einzuschalten und das tödliche Plasmakühlmittel abzulassen. Nachdem sich das Kühlmittel vollends verflüchtigt hatte, stieg Bluefox die Leiter zum Unterdeck hinunter und konnte die leblosen Überreste der Borgkönigin sehen. Nur noch ein Borgskelett aus lauter einzelnen undefinierbaren Fragmenten war übriggeblieben. Die Herrin der Borg hatte während Bluefox’ turnerischen Glanzleistungen ihren Tod gefunden. Alle Drohnen sackten nach und nach aus ihren Alkoven und blieben auf dem Boden liegen. Nach der ganzen Geschichte mußte sich der Captain erst einmal orientieren. Er hatte wegen der vielen Ereignisse und aufgrund der unmenschlichen Umweltbedingungen einen richtigen Brummschädel bekommen. Plötzlich wisperte ihm eine Stimme vom Warpkern her zu. Es war Lore. Bluefox blickte sofort zum Kern und konnte seinen Androidenfreund sehen. Lore lag am Sockel des zwanzig Meter hohen Warpkerns angelehnt. Bluefox erkundigte sich sofort, ob alles in Ordnung sei. Der Androide antwortete: «Ich glaube, ich sehe um einiges schlimmer aus, als ich mich ... fühle!» – «Commander, ich würde Ihnen am liebsten einen Doktortitel für Schauspielkunst verleihen! Das war wirklich erste Sahne, was Sie da in den letzten Minuten geboten haben! Ich muß aber gleichzeitig bemerken, daß es hart, sogar sehr hart an der Grenze war!» sprach Bluefox. Lore gestand: «Ehrlich gesagt, Sir, es hat mir unheimlich Spaß gemacht!» – «Das glaube ich Ihnen auf jedes Wort!» erwiderte Bluefox. Lore fragte seinen Captain: «Wissen Sie, was mich am meisten beunruhigt, wenn ich jetzt darauf zurückblicke?» Bluefox wußte es natürlich nicht und wartete Lores Antwort ab. Die künstliche Lebensform gab zur Antwort: «Ich fand sie eine wunderbare Persönlichkeit mit einem ungeheuren Willen. Das hat mir stark imponiert. Es klingt jetzt sicherlich merkwürdig, aber schade, daß sie tot ist. Ich war für kurze Zeit wirklich im Begriff sie bei allem zu unterstützen.» beschrieb Lore seine Gefühle. Bluefox war sichtlich erstaunt und fragte ihn: «Für wie lange denn?» Schmunzelnd antwortete Lore: «0,68 Sekunden, Sir. Für einen Androiden ist das eine Ewigkeit.» Bluefox konnte über solch einen Satz, wie ihn nur Lore bringen konnte, einfach nur noch lachen.
Computerlogbuch
der Bluefox, Captain Bluefox, 5. April 2063
««Die Warpreise der Phoenix war ein Erfolg. Wieder einmal. Die Crew kam heil
auf der Erde an und das Schiff ist auch noch existent. Lore und ich sind nun
ebenfalls auf die Erde gebeamt um ein großes Spektakel zu erleben zu: Die
Vulkanier haben die Phoenix bemerkt und wir werden nun Zeugen eines Rendezvous
mit der Geschichte.»»
Das vulkanische Raumschiff durchbrach die
Erdatmosphäre und landete genau auf dem Punkt, wo im 24. Jahrhundert die
Örgelisauer-Statue stehen sollte. Es war bereits eine Stunde nach Mitternacht.
Die Andockkrallen des Vulkanierschiffes bohrten sich ins Erdreich. Als das mehr
hohe als breite Raumschiff der Vulkanier zur Gänze auf dem Erdboden aufgesetzt
hatte, wurde eine große Rampe ausgefahren. Daraufhin öffnete sich langsam ein
Tor und zwei Personen mit spitzen Ohren und langen Gewändern kamen zum
Vorschein. Diese beiden Vulkanier betraten als erste Außerirdische Boden des
Planeten Erde und ganz nebenbei betraten sie auch als erste nichtmenschliche
Spezies Schweizer Boden! Annie schaffte es auch wieder nach Eglisau und stand
direkt neben dem wohl berühmtesten und wichtigsten Erfinder der modernen
Geschichte, der seinen Augen nicht traute. Bluefox trat vor und fragte
Örgelisauer schmunzelnd: «Wie wäre es, wenn Sie die intergalaktischen Gäste als
erster Erdenbewohner begrüßen würden?» Örgelisauer konnte es fast nicht fassen!
Er gab von sich: «Mein Gott! Sie kommen wirklich aus einer anderen Welt!» Ceagy
spann den Satz weiter: «Und sie wollen den Mann kennenlernen, der das
Warpschiff flog!» Örgelisauer wagte es und ging auf den vorderen Vulkanier zu.
Dieser hob die rechte Hand an und spreizte den Ring- und den Mittelfinger sowie
den Daumen und den Zeigefinger zum speziellen Vulkaniergruß auseinander.
Örgelisauer versuchte es auch, aber es gelang ihm nicht so recht. Schließlich
streckte er dem Vulkanier schlicht und einfach seine Hand aus und sagte: «Auch
wenn Sie es vielleicht nicht verstehen, möchte ich Ihnen sagen: Willkommen auf
der Erde!» Der Vulkanier jedoch verstand sehr wohl und erwiderte: «Leben Sie
lang und erfolgreich!» Örgelisauer bedankte sich und schmunzelte. Ceagy
flüsterte Bluefox ins Ohr: «Ich glaube, es wird Zeit, daß wir uns zurückziehen.
Diese Nacht könnte sonst noch sehr lange werden. Ich habe nämlich fast das
Gefühl, daß Örgelisauer seinen Gästen etwas anbietet und seine schreckliche
Musik wieder laufen läßt. Diese schlechte Soundqualität aus diesen uralten
Jukeboxes schmerzt fast in meinen Ohren!» Bluefox nickte seinem Ersten Offizier
zu. Allen Crewmitgliedern wurde befohlen, in den nächsten Minuten aufs Schiff
zu beamen.
Eine
Stunde später waren alle wieder auf der Bluefox angelangt und die Brücke war
voll besetzt. Chollet berichtete: «Das Gravitationsfeld des Mondes hat unsere
Warpsignatur verdeckt. Die Vulkanier haben uns nicht bemerkt.» Bluefox war
äußerst zufrieden. Haldman informierte: «Ich habe unseren Antrieb auf die
chronometrischen Daten der Borgsphäre angeglichen. Somit können wir durch einen
anderen Zeitstrudel wieder in die aktuelle und auch in die richtige Zeitlinie
zurückkehren.» Bluefox erwiderte glücklich: «Gut gemacht! Dann können wir ja
bereits wieder zu unserer Erde fliegen. Fähnrich Strike, setzen Sie
einen direkten Kurs, der uns von der Erde wegführt, damit wir den Strudel
passieren können.» Der junge Pilot bestätigte den Befehl und ließ das
Flaggschiff der Föderation beschleunigen. Daraufhin öffnete Haldman den
Zeitstrudel und die Bluefox verschwand darin.
Auf der Erde guckte Annie der Bluefox noch durchs Teleskop nach, bis sie verschwand. Örgelisauer führte derweil die beiden Vulkanier in das hinterste Partyzelt. Dort angekommen steckte er – wie es Ceagy schon vorausgesehen hatte – sogleich die Musikanlage ein und der gute laute Rock’n Roll schmetterte aus den Lautsprechern. Die spitzohrigen Gäste erschraken erst gewaltig, aber schon bald gewöhnten sie sich an die Musik und setzten sich mit dem Doktor an einen Tisch. Was wäre den logischen Vulkaniern denn sonst übriggeblieben? Am Tisch tranken sie mit dem Erfinder des Warpantriebs zusammen ein Gläschen ... na, was schon? – Tequila natürlich, ganz nach Örgelisauers Geschmack. Oder war es nun am Ende doch „Teekiller“? J