Folgen 13 und 14: Das Sprachrohr der Borg (Teil 2)
STARRING
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Andreas Kägi |
ALS |
Cpt. Andrew Ceagy |
Brent Spiner
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ALS |
Lt. Cmdr. Lore
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Nicole Streich |
ALS |
Dr. Nicole Strike |
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Daniel Chollet |
ALS |
Lt. Cmdr. Danny Chollet |
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Tanya Steiner |
ALS |
Lt. Cmdr. Tanya
Steaner |
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Ramon Baur |
ALS |
Lt. Ramon Boer |
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Stephanie Knecht |
ALS |
Cnslr. Steevy
Knight |
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Fabian Blatter |
ALS |
Lt. Fabius Blater |
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Thierry Weidmann |
ALS |
Chief Thierry
Whiteman |
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Isabel Schneider |
ALS |
Dr. Izy Snyder |
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Deborah Grossniklaus |
ALS |
Dr. Debbie Crossnicholls |
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Nadine Humbel |
ALS |
Lt. Nadine Humble |
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Judith Baumann |
ALS |
Lt. Judy Boeman |
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Monika Heusser |
ALS |
Lt. Monique Hewsser |
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Denise Werffeli |
ALS |
Lt. Denise Werwealy |
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Stefan Kägi |
ALS |
F. Stephen Ceagy |
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Patrick Streich |
ALS |
F. Patrick Strike |
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Jasmin Grossniklaus |
ALS |
F. Jazzy
Crossnicholls |
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Sarah Bärtschi |
ALS |
F. Sarah Bearchy |
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Andrea Berger |
ALS |
F. Andrea Berger |
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Matthias Currat |
ALS |
Andronus |
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Annika Walter |
ALS |
Cmdr. Annika Valter |
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Lilian Egli |
ALS |
Adm. Lilian Eagly |
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Diverse Schauspieler |
ALS |
Borgdrohnen |
Nach Cmdr. Ceagys Feuerbefehl begann Lt. Cmdr. Steaner den Deflektor heißlaufen zu lassen, damit er nachher den kommenden Energieimpuls auch aushalten konnte. Als Zeichen der Bereitschaft funkte die Chefingenieurin an Lt. Cmdr. Chollet: ««Der Deflektor erreicht sein Optimum. Sie können feuern.»» – Chollet drückte die Auslösetaste! Ein dicker blauer Strahl schoß plötzlich direkt ins Zentrum des Borgschiffes. Langsam arbeitete sich der hochfrequente Impuls des Impulses nach oben. Doch zum Entsetzen der gesamten Brückencrew hinterließ der Strahl des Deflektors nicht mal ein Anzeichen von Schaden! Ceagy blieb erst nur der Mund offen. Dann drehte er sich zu Chollet um und fragte ihn: «Was geht hier vor? Warum wird das Borgschiff nicht beschädigt? Es hat doch geheißen, wir würden mit diesem Impuls den ganzen Würfel in die Luft jagen!» Chollet gab verdutzt zur Antwort: «Ich kann das auch nicht verstehen! Sie müssen sich wahnsinnig schnell angepaßt haben!» Da warnte Lt. Cmdr. Lore: «Commander, die Temperatur unseres Warpkerns erreicht kritische Werte! Wir müssen den Deflektor abschalten!» Ceagy genehmigte die sofortige Deaktivierung des Energieimpulses und sinnierte nachdenklich: «Wie haben sich die Borg so schnell an dieses Manöver anpassen können? Das geht doch gar nicht!» Der Erste Offizier konnte es einfach nicht glauben, daß die so gut vorbereiteten Ideen seiner Mannschaft erneut keine Früchte trugen. Zum Nachdenken blieb Ceagy leider nicht viel Zeit, denn Lore gab schon wieder eine Meldung durch: «Commander, eine weitere Transmission vom Kubus.» «Auf den Schirm!» befahl Ceagy. – Es erschien wieder Andronus auf dem Hauptschirm der Brücke und gab Ceagy die Auflösung des Rätsels: ««Das gesamte Wissen und der Erfahrungsschatz sowie alle Pläne und Gedanken des Humanoiden Bluefox sind jetzt auch Teil unseres Wissens. Wir sind somit auf so gut wie jede Aktion vorbereitet. Widerstand ist zwecklos, Nummer Eins!»» – Der Bildschirm zeigte nun wieder den Borgwürfel. Ceagy und der Rest der Brückenmannschaft wußten weder ein noch aus und ließen nun buchstäblich den Kopf hängen. – Da wurde die Brücke wieder vom Maschinenraum angefunkt: ««Steaner an Brücke: Das Borgschiff verfügt schon bald wieder über seinen Warpantrieb. Ihr Hyperraumfeld fluktuiert, was bedeutet, daß sich der Kubus von selbst regeneriert.»» Valter funkte zurück: ««Verstanden. Wir bleiben in dieser Position. Wenn die Borg mit Reparaturen beschäftigt sind, werden sie uns nicht angreifen.»»
Fünf Minuten später trafen sich alle Führungsoffiziere in der Beobachtungslounge um einer Nachricht von Adm. Eagly zuzuhören: ««Es war das erste Mal, daß ein Kadett der Föderation im legendären Weinländer Radrennen in einer Ausreißergruppe war. Und damit nicht genug: Er gewann das Rennen im Sprint! Noch nie habe ich so einen entschlossenen und kämpferischen Mann kennengelernt wie Captain Matthew Bluefox. Und er wird niemals die Borg unterstützen. – Ich denke, Sie verstehen, wie ich es meine. – Wir verlieren in ihm einen großen Mann und einen wichtigen Vermittler in der Beziehung mit den Romulanern. Er wollte immer allen helfen, auch wenn es ab und zu über seine Grenzen hinausging. Er hörte sich so gut wie immer die Meinungen seines engeren Stabes an, bevor er eine Entscheidung fällte. Das mochte ich an ihm in seiner Position als Schiffsverantwortlicher immer am meisten.»» Die Admiralin machte eine Pause. Dann schaute sie Ceagy an und sprach: ««Commander Ceagy, ich befördere Sie hiermit in den Rang eines Captains mit allen damit verbundenen Rechten und Privilegien. Herzlichen Glückwunsch. obwohl ich für meinen Teil wünschte, es hätte sich unter anderen Umständen ereignet.»» Ceagy konnte sich gar nicht mehr freuen über seine Beförderung und gab knapp zurück: ««Ich auch.»» – Nach diesem bedrückenden Moment gab es aber doch noch eine gute Nachricht der Missionsleiterin: ««Durch Ihr Eingreifen konnten wir viel Zeit gewinnen. Wir haben eine Flotte von mehreren Schiffen beim Saturn bilden können. Wir haben sogar Unterstützung von zwei klingonischen Kreuzern erhalten, weil selbst die Klingonen den Borg nicht alleine entgegentreten wollen.»» Ceagy freute sich über diese Meldung und war nun wenigstens im positiven Gewissen doch noch eine kleine Mission erfüllt zu haben. – Der Bildschirm wechselte wieder zur Ansicht mit dem Sternenflottenlogo.
Dr. Strike äußerte ihre Vorahnung ganz offen: «Jetzt können wir alle Hoffnungen begraben den Captain zu retten.»
Die Aussage des Doktors stimmte zumindest in der aktuellen Lage absolut, denn Andronus war inzwischen in eine kleine Kammer geführt und auf einen total unbequemen, eisernen Operationstisch gelegt worden. Eine Borgdrohne untersuchte ihn mit einem Laserscanner und einem „borgifizierten“ Tricorder der Föderation. Die Drohne fuhr mit dem Scanner mehrmals über Andronus’ Stirn. Dann bewegte sich der Borg vom OP weg und bediente eine Konsole in der Wand. Er drückte einen größeren grünen Knopf auf dem Touchscreen. – Da ertönte auf einmal ein knackendes Geräusch und eine lange dünne Nadel wurde ausgefahren. Die Nadel wurde immer länger und näherte sich der Schläfe des assimilierten Captains! Sie sollte ihr Ziel auch unaufhaltsam erreichen. Nach dem Einstich machte Andronus keine Bewegung, obwohl er bei vollem Bewußtsein war! Der extreme Schmerz, der eigentlich hätte entstehen müssen, wurde von Andronus nicht im Geringsten verspürt, so schien es. Es vergingen keine drei Sekunden, da veränderte sich die ohnehin schon leicht veränderte Hautfarbe von Bluefox in ein fades Grau. – Doch was war denn da plötzlich zu sehen? War das Bluefox oder Andronus? Eine Träne bildete sich im rechten Auge des Captains und bahnte sich ihren Weg über das ganze Gesicht, bis sie schließlich auf dem kahlen Eisenboden aufspritzte und in Hunderte kleine Wasserteilchen zerbrach.
Der neue Captain und der Sicherheitschef betraten gerade den Turbolift. Chollet unterrichtete Ceagy gerade über den neuesten Stand der Dinge: «Unsere beiden Frischlinge Patrick Strike und Stephen Ceagy haben gerade ein Projekt gestartet. Sie haben vor ein Unterprogramm zu schreiben, das in alle Hand- und Schiffsphaser integriert werden könnte. Dieses Programm soll die Feuerfrequenz im Zehntelsekundenabstand rotieren lassen. Die Borg könnten sich dadurch hoffentlich so gut wie nicht mehr anpassen.» Ceagy war angenehm überrascht und entgegnete: «Oh, das ist wirklich toll! Wenn sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen, dann haben sie sich ihre Beförderung verdient, bevor sie ihr einjähriges Praktikum erst richtig begonnen haben. Für uns wäre das von enormem Vorteil. – Maschinenraum! – Ebenfalls sollten wir einen Weg finden ihre Kraftfelder zu neutralisieren. Der Adaptionsmeister soll nur merken, daß auch wir uns anpassen können und daß sie verwundbar sind. Wir kämpfen nicht nur gegen die Borg, sondern wir kämpfen auch gegen das gesamte Wissen, das sie Matt genommen haben. Wir stehen im Krieg mit einen Gegner, der uns besser kennt als wir uns selbst kennen.»
Dort, wo Ceagy und Chollet gleich ankommen sollten, herrschte Anspannung, Nervosität und Unruhe. Keiner der Technikercrew wollte auch nur den kleinsten Fehler machen, denn nur mit perfekter Arbeit konnte man einen einigermaßen fairen Kampf gegen die Borg führen und ihn vielleicht sogar gewinnen. Valter unterstützte die Crew des Maschinenraums zusätzlich mit ihren Theoriekenntnissen über Warpfeldtheorie und Schildharmonik. Sie stand gerade auf dem Oberdeck und scannte einen Teilbereich des Warpkerns. Sie teilte Steaner mit: «Die Beschleunigerspulen reagieren wieder normal.» Die Chefingenieurin entgegnete: «Ausgezeichnet! Vordere Schutzschilde sind bei 58 Prozent, hintere Schilde...» – Die Anzeigen erloschen auf einmal. – «...anscheinend versagen die Sensoren.» erkannte Steaner. «Ich überprüfe es.» sagte Valter und fuhr mit dem Tricorder erneut einige Male auf und ab. Da leuchteten die Anzeigen plötzlich wieder auf. Valter berichtete: «Die Sensoren sind okay. Augenblick, ich habe die Anzeigen wieder: Hintere Schutzschilde haben vollkommen versagt! Verdammt!» Steaner erblickte Ceagy und Chollet und sagte erfreut: «Ah, da kommt Hilfe!» Der Kragen von Ceagys Uniform war bereits mit einem vierten Goldpunkt bestückt. Steaner ging auf die beiden zu und erklärte ihnen das Problem: «Die hinteren Schutzschilde erhalten keine Energie und die Sensoren versagen in dieser Region. Vielleicht findet jemand von Ihnen den Fehler.» Ceagy entgegnete: «Leider haben wir keine Zeit. Ich werde Lore anweisen kurz vorbeizukommen und sich die Sache anzusehen. Wie schnell können wir weiterfliegen?» Steaner antwortete: «Es dauert noch ein paar Stunden. Commander Valter wird es Ihnen ausführlich erklären.» Valter fuhr mit dem Warpkernlift vom Ober- ins Unterdeck und legte gleich los: «Der Hauptnavigationsdeflektor funktioniert wieder. Werwealy und Crossnicholls lassen gerade die letzten Tests ablaufen.» – «Und der Kern des Warpreaktors?» erkundigte sich der frischgebackene Captain. Valter antwortete: «Der ist das Problem, denn es braucht sehr viel Zeit für diese knifflige Arbeit. Aber wir kommen voran. Drei Stunden sollten reichen. Ich hoffe, daß wir dann auch mit den Schilden soweit sind. Dann wäre das Schiff wieder voll einsatzbereit, Captain.» Ceagy funkte an Lore auf der Brücke: ««Ceagy an Lore: Wir haben hier unten ein Problem mit den Schilden. Was könnte die Ursache für einen Sensorenausfall sein?»» – ««Die Generatoren für die Schutzschilde könnten durchgebrannt sein. In Frachtraum 2 befinden sich Ersatzgeneratoren. Wenn Sie die auswechseln, sollten die Sensoren wieder funktionieren, Sir.»» antwortete Lore. – ««Danke sehr! Wir versuchen es sofort!»» bedankte sich Ceagy und beendete den Funkverkehr. Steaner hörte den Funk natürlich gleich mit und bemerkte, während sie sich an den Kopf griff: «Warum nicht schon früher! Die Generatoren! Das Schiff ist in zwei Stunden einsatzbereit, Sir.» – Der Captain war damit mehr als einverstanden und bedankte sich bei der eifrigen Technikermannschaft, die nun wirklich nicht gerade groß war. Nur Steaner selbst, zum Glück mit Unterstützung von Valter, ab und zu mit Lore, dazu Lt. Werwealy und F. Crossnicholls. – Das war wirklich eine Rumpfcrew im Maschinenraum. Steaner machte sich bereits an die Arbeit, als Ceagy Valter nochmals zu sich rief: «Commander, das war gute Arbeit auf dem Borgschiff.» lobte Ceagy die etwas verdutzte Annika Valter. Sie hatte von Ceagy bisher noch nie wirkliches Lob erhalten. Sie erwiderte: «Danke, Sir, aber ich habe den Captain nicht zurückgeholt.» – «Sie haben aber den Warpantrieb des Kubus lahmgelegt.» stellte Ceagy fest und schaute sie plötzlich mit einem Lächeln auf den Lippen an. Er fügte an: «Commander, trotz einer gewissen Antipathie sollten wir gut zusammenarbeiten, es kann sich nur lohnen.» Valter fragte scheinheilig grinsend: «Sie sprechen von den Aufgaben eines Ersten Offiziers?» – «Sie sind wirklich sehr ehrgeizig, Valter!» meinte Ceagy schmunzelnd. Valter schlußfolgerte: «Nach den Vorfällen seit meiner Ankunft sehe ich für mich keine Chance Ihr Erster Offizier zu werden, obwohl Sie mich dringend brauchen. Ich habe ein ausgedehntes Technikwissen, bin Spezialistin für die Borg...» – «...und Sie haben noch viel zu lernen.» fuhr ihr Ceagy in ihre Aufzählung, was sie alles konnte. Valter nickte und sagte bloß: «Ja, Sir.» Ceagy erzählte ein wenig von seinen Erfahrungen: «Ich mußte mich auch erst einarbeiten, als ich in der Position des Ersten Offiziers von Captain Bluefox hierhergeholt wurde, aber in diesem ersten Jahr habe ich viele Verantwortungen übernommen und erhielt des öfteren das Kommando.» Ceagy hielt kurz inne, lachte plötzlich für einen Moment und fügte hinzu: «Ich habe ihm davon erzählt, daß wir uns auf die Nerven gehen!» – «In der Tat, Captain, das tun wir!» entgegnete Valter und lachte ebenfalls. Die augenscheinliche Versöhnung zwischen Valter und Ceagy wurde durch einen Funkspruch von der Brücke unterbrochen: ««Lore an Ceagy.»» ««Sprechen Sie.»» bestätigte Ceagy. Lore informierte: ««Die Borg haben soeben den Saturn erreicht und greifen die zusammengekommene Flotte der Föderation an.»» – ««Ich komme sofort! Versuchen Sie inzwischen ein Bild auf den Schirm zu bekommen.»» befahl der Captain und ging in Begleitung von Danny Chollet zum nächsten Turbolift.
«Die Wineland über Hyperraumfunk.» kündigte Lore an, als Ceagy und Chollet die Brücke betraten. Ceagy sprach: «Auf den Schirm!» – Es war eine Innenansicht der Wineland-Brücke zu sehen. Die Verbindung war nicht optimal und es flimmerte immer wieder zwischendurch. Eagly meldete sich: ««Es läuft schlecht für uns! Wir versuchen uns zurückzuziehen um uns neu zu formieren.»» – Da brach die Funkverbindung plötzlich ab und der Bildschirm zeigte wieder das All. Ceagy wollte von Lore sofort wissen, was los war. Lore antwortete: «Die Wineland wurde entweder zerstört oder so stark beschädigt, so daß keine Funkverbindung möglich ist.» Ceagy schüttelte langsam den Kopf und setzte sich in den Kommandosessel.
Computerlogbuch der
Bluefox, Captain Ceagy, Sternzeit 78003.1
««Die Reparaturen
sind nach zwei Stunden tatsächlich zu Ende. Wir fliegen jetzt mit
Warpgeschwindigkeit um die anderen Föderationsraumschiffe beim Saturn zu
treffen. Jede mögliche Funkverbindung ist momentan durch die Borg unterbrochen.
Ich habe meinen engeren Stab zwecks einer Sonderbesprechung in die Lounge
gebeten.»»
Andrew Ceagy, am oberen Ende des Besprechungstisches sitzend, sah den am nächsten rechts von ihm sitzenden Danny Chollet an und sprach: «Danny, jeder Mann weiß, wieviel Sie bereits für die Bluefox getan haben und jeder schätzt dies. Sie werden auch weiterhin um die Sicherheit von Schiff und Mannschaft besorgt sein.» Er wandte sich Lore zu, der unmittelbar links von ihm saß und sagte zu ihm: «Lore, in Ihrem androiden Denken gibt es keinen Platz für Ehrgeiz. Trotzdem habe ich Sie für den Posten des Ersten Offiziers in Betracht gezogen.» «Danke, Sir.» entgegnete Lore kühl, aber dankbar und hob als Zeichen seiner Anerkennung die Augenbrauen kurz an. – Ceagy erklärte seine Strategie: «Ich möchte, daß alle Offiziere ihren Posten behalten, denn Sie sind in Ihren angestammten Positionen zu Hause und können Ihre Fähigkeiten optimal einsetzen.» Der Captain stand auf und schritt langsam dem Besprechungstisch entlang zum unteren Ende, wo sich Valter hingesetzt hatte. Ceagy verkündete: «Ich habe entschieden, wenn auch schweren Herzens, daß es in dieser Situation am besten ist, wenn ich unsere Borgexpertin Annika Valter zum Ersten Offizier ernenne.» Er nahm mit Valter Blickkontakt auf und sagte zu ihr: «Commander, ich befördere Sie hiermit in den Rang eines Commanders, mit allen Rechten und Privilegien, die damit verbunden sind. Ich gratuliere Ihnen.» – Er schüttelte ihr die Hand und lächelte sie anerkennend an. Lore und Chollet saßen immer noch am oberen Tischende. Als Lore diese Entscheidung registrierte, hob er die Augenbrauen ein zweites Mal an und äugte zu Chollet hinüber. Der war nicht sonderlich überrascht und grinste den Androiden an. Lore verformte seine Mundwinkel als Reaktion ebenfalls zu einem Schmunzeln. Er wußte zwar nicht, daß dies komisch sein sollte, daher wollte er zumindest so tun, als hätte auch er den lustigen Teil begriffen. – Ceagy lief wieder zum oberen Tischende, hielt sich an der Lehne seines Stuhls fest und sagte seinem Stab: «Ich bin mir sicher, daß die Borg den Angriff überlebt haben, sonst wäre längst eine Erfolgsmeldung eingegangen. Das heißt für uns also: Es kommt zu einem neuen Kampf.» Valter fragte: «Was ist mit dem verstärkten Gravitationsstrahl aus dem Deflektor?» Steaner antwortete: «Ich habe es viermal durchgerechnet. Die Phasenvarianz ist nicht stark genug um den Borg Schaden zuzufügen.» Da meldete sich Lore: «Doktor Strike und ich arbeiten an einer interessanten Prämisse.» Der Einsatzleiter deutete mit der offenen Hand auf Strike, die daraufhin das Wort ergriff: «Wir wollen zerstörerische Naniten bei den Borg einschleusen.» «Naniten?» fragte Valter stirnrunzelnd. Lore erklärte es ihr: «Das sind mikroskopisch kleine Roboter, die in Zellen eindringen.» Ceagy fragte Strike: «Und wie lange wird das dauern, bis Sie soweit sind?» Der Doktor antwortete: «Das ist das Problem, Captain! Innerhalb von zwei bis drei Wochen.» Counselor Knight lachte kurz und bemerkte: «In zwei bis drei Wochen sind Naniten vielleicht die einzigen Überlebenden der Föderation.» Chollet informierte Ceagy: «Das Unterprogramm für die Phaserfrequenz, wovon ich Ihnen im Turbolift erzählt habe, funktioniert inzwischen einwandfrei.» Steaner meinte: «Mit denen und den Photonentorpedos könnten wir sicher einiges erreichen. Unsere Frischlinge haben da eine tollte Einstandsarbeit geleistet!» lobte sie die Fähnriche Patrick Strike und Stephen Ceagy. Andrew Ceagys Blick schweifte durch die Runde. Er sagte abschließend: «Ich bin sicher, Captain Bluefox würde jetzt ein paar aufbauende Worte finden. Ich wünschte, er wäre jetzt hier um etwas zu sagen. Sicher ist jedoch, daß unsere Anstrengungen und unser Teamgeist in der kommenden Schlacht seine Erwartungen und seinen Stolz uns allen gegenüber rechtfertigen werden.» Nach diesen Worten verließen alle die Beobachtungslounge, inklusive dem neuen Captain. Der ging in den Bereitschaftsraum, der ihn am meisten an seinen Vorgänger erinnerte.
Als Andrew Ceagy den eigentlich durchaus gemütlichen Bereitschaftsraum betrat, kam er ihm plötzlich fremd und beängstigend vor. Hinter dem Schreibtisch aus Glas und glasiertem Eichenholz an den geschwungenen Seiten und Ecken stand ein Stuhl. Der sollte von nun an also ihm gehören. Er fragte den Stuhl, als wäre es Bluefox in Person: «Was würden Sie jetzt machen?» Ceagy schritt langsam zum Tisch hin, als es plötzlich läutete. Ceagy rief: «Herein!» Steevy Knight trat langsam ein und fragte: «Haben Sie einen Moment Zeit für mich?» Ceagy gab zur Antwort: «Eigentlich nur kurz. Ich muß bald wieder auf die Brücke.» Knight machte es sich auf der Couch an der linken Wand gemütlich. – Über der Polstergruppe hing ein gemaltes Bild von der U. S. S. Voyager NCC-74656, die vor fast zwanzig Jahren in den Deltaquadranten geschleudert wurde. Seit man nach der Konfrontation mit dem intelligenten Nebel am Rande des Deltaquadranten wieder das Gewissen hatte, daß die Voyager sehr weit gekommen sein mußte und wohl immer noch unterwegs war, standen Captain Kathryn Janeway und ihre tapfere Besatzung wieder ganz oben auf der Gesprächsthemenliste und das nicht nur auf der Bluefox, sondern selbstverständlich in der gesamten Föderation. – Ceagy setzte sich in den Gastsessel vor dem Schreibtisch, damit er Knight gegenüber sitzen und sie während der Unterhaltung besser anschauen konnte. Sie erklärte ihre Sorgen: «Ich habe da so einiges von der Besatzung gehört. Viele Leute sagen und glauben auch, daß sie in den nächsten Tagen sterben werden. Das ist aber nicht deswegen, weil an Sie weniger geglaubt wird als an Captain Bluefox. Man hat auch in Sie größtes Vertrauen, jedoch überwiegt einfach die Angst vor dem Tode. Wenn jemand glaubt, daß er morgen sterben wird, dann wird er unbewußt bereits darauf hinarbeiten.» Knight erhob sich wieder und schritt langsam um den Gaststuhl herum. Sie ging gemächlich hinter den Schreibtisch und setzte sich in den Stuhl des Captains. Ceagy intervenierte sofort: «Counselor, Sie wissen, daß dies der Stuhl des Captains ist, oder?» – «Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich in Ihren Stuhl setze, Andrew? Sie werden es nicht wahrhaben wollen, aber Sie müssen sich geistlich von Bluefox trennen.» entgegnete der Counselor. Ceagy klärte Knight auf: «Sie wissen es vielleicht noch nicht, aber ich habe gestern versucht ihn zu töten.» Sie schüttelte den Kopf und korrigierte ihn: «Sie haben versucht das zu töten, was die Maschine in Bluefox war, aber Sie hatten nicht vor den echten Bluefox umzubringen.» Ceagy reagierte entsetzt: «Wie zum Teufel könnte ich Matt denn umbringen?» Er antwortete gleich selbst auf seine Frage: «In keinster Form, Sie haben natürlich Recht. Natürlich will ich nur das töten, was die Maschine in ihm ist, aber zugleich ist es auch er selbst! In diesem Sinne spielt es ja keine Rolle.» – Knight stand gemütlich auf und begab sich langsam Richtung der Tür, die zur Brücke führte. Sie sprach: «Matt Bluefox ist immer noch bei uns. In diesem Raum. Wäre er gestorben, wäre es leichter, aber so ist es nicht. Ihm wurde seine Individualität geraubt. Die Borg haben ihn uns weggenommen, ganz plötzlich. Auf diesem Raumschiff kann es nur einen Captain geben.» – «Das ist nicht so einfach. Die Bluefox war sein Schiff. Hören Sie sich doch mal diese Kombination an: Andrew Ceagy und U. S. S. Bluefox passen nicht zusammen, vor allem dann nicht, wenn der Captain vorher Bluefox hieß.» erwiderte Ceagy. Knight bläute Ceagy ein: «Die Borg wissen alles, was er weiß, aber auch umgekehrt. Damit müssen Sie sich vertraut machen und es muß Ihnen immer im Bewußtsein bleiben. Sie müssen einen Schlußstrich ziehen, nur so können Sie die Borg vielleicht besiegen.» – Ceagy nickte bloß. Knight verließ den Bereitschaftsraum. Der Captain jedoch blieb in seinem Raum und getraute sich nun das erste Mal in diesem Sessel beim Fenster Platz zu nehmen. Es war ein mulmiges Gefühl. Er dachte über Knights letzten Satz nach und sagte zu sich selbst: «Das ist es. Ich muß individuell denken und eigene Taktiken erfinden, die den Borg noch nicht bekannt sind. Ich werde eigene Ausweichmanöver einstudieren und auch eigene Angriffsmuster programmieren. Nur so sind die Borg besiegbar. Am besten wäre es, wenn ich dann noch irgendeinen Joker aus dem Ärmel schütteln könnte. Eine Taktik, die er sich nie ausdenken würde.» Ceagy fühlte sich schon besser, wenn er in die Offensive ging. Er versuchte einfach locker und gemütlich zu sitzen. Kaum hatte er sich etwas entspannt, wurde er sogleich von Valter angefunkt: ««Valter an Ceagy: Wir haben den Saturn erreicht. Sie sollten sich das unbedingt ansehen, was hier geschah!»» – ««Ich bin sofort da!»» bestätigte Ceagy und erreichte die Brücke binnen weniger Sekunden.
Auf der Brücke angelangt befahl Ceagy Lt. Blater: «Gehen Sie auf Impuls und bringen Sie uns in den Kampfsektor.» Chollet berichtete: «Captain, es werden mehrere Schiffe angezeigt.» Ceagy fragte Lore: «Ist es die Flotte?» – «Keine Hyperraumfelder, keine Energieanzeigen.» antwortete der Einsatzleiter. «Lebenszeichen?» fragte der Captain. «Negativ, Sir.» gab Lore zur Antwort. Da bemerkte Chollet: «Visueller Kontakt mit der Flotte ist nun möglich.» – «Auf den Schirm!» sprach Ceagy. – Was nun auf dem Sichtschirm zu sehen war, ließ der Brückencrew einen Schauer durch den ganzen Körper fahren! Eine schlagkräftige Flotte von 39 Föderationsraumschiffen lag in Tausenden von Wrackteilen vor dem Flaggschiff! Zum Teil waren halbe Schiffsteile mit abgebrannten Kanten auszumachen. Ceagy und Valter standen wie ferngesteuert gleichzeitig auf. Valter war entsetzt. Sie erkannte einige größere Schiffe an der Bauweise: «Die Einstein, dort drüben die Wineland und direkt vor uns die Aventicum.» – Ceagy kribbelte es vor Schrecken in Armen und Beinen! – Die Aventicum war das Raumchiff, auf dem er beinahe das Kommando übernommen hätte! Auch dieses starke Schiff bildete unter den zahllosen Trümmern keine Ausnahme. – Mit dem Schrecken erlebte Ceagy aber auch eine Erleichterung. Er war froher denn je auf der Bluefox geblieben zu sein. Jedoch blieb ihm im Moment keine Zeit zum Sinnieren. Er fragte Chollet: «Wo ist der Kubus?» – «Er befindet sich mit Impulsgeschwindigkeit auf dem Weg zur Erde. Bald werden sie den Mars erreichen. Dort hat die planetare Verteidigung bereits ihre Raketen abgeschossen.» antwortete der Sicherheitschef. Ceagy bemerkte mit Schicksalsironie: «Raketen? Klingt ja saugefährlich.» Dann befahl er dem Steuermann: «Fabes, programmieren Sie einen Abfangkurs auf den Kubus. Ich möchte die Borg noch vor der Ankunft beim Mars erreichen.» Blater bestätigte: «Kurs programmiert. Wir werden die Borg in sieben Minuten und vierzig Sekunden abfangen.» Ceagy verkündete: «Jetzt muß alles schnell gehen. Valter, Sie übernehmen das Kommando auf der Hauptbrücke, ich nehme einen kleinen Teil der Crew auf die Gefechtsbrücke mit. Wir werden das Schiff doch trennen.» Dann funkte er an Nadine Humble: ««Ceagy an Humble: Lieutenant, Sie müssen die Antriebssektion navigieren. Lieutenant Blater wird auf der Hauptbrücke bleiben und die Untertassensektion steuern.»» Humble bestätigte den Befehl. Ceagy funkte sogleich noch an die Lieutenants Hewsser und Boer: ««Ceagy an Hewsser und Boer: Melden Sie sich auf der Gefechtsbrücke. Das Schiff wird getrennt.»» Auch Boer und Hewsser bestätigten Ceagys Anweisung. Da hatte Valter plötzlich einen Einwand: «Sir, mein Vorschlag war nur solange gut gewesen, bis die Borg das Wissen von Captain Bluefox assimilierten. Jetzt wissen die Borg, daß wir eine Trennung des Schiffes in Betracht ziehen.» – «Ich bin mir dessen bewußt, Commander. Ich rechne sogar damit.» entgegnete Ceagy geheimnisvoll. Und von Geheimnissen noch nicht genug. Der Captain fügte hinzu: «Danny, Lore, für Sie beide habe ich noch einen speziellen Auftrag.» Mehr sagte er nicht, selbst nicht mal dem Rest der Brückencrew! Valter wurde, nachdem die restlichen Offiziere die Brücke verlassen hatten, ebenfalls noch informiert, damit es noch jemand in der Untertassensektion wußte und keine Verwunderung ausgelöst werden konnte.
Die Borg merkten auf einmal, daß die Bluefox sie wieder
verfolgte und stoppten sofort. Andronus schaute auf einen der vielen großen
Hauptschirme im Schiff und konnte die Bluefox schon sehen. Sie flog mit
Impulskraft auf den Kubus zu.
Andrew Ceagy, mit seiner Besatzung bereits auf der Gefechtsbrücke angelangt, öffnete zum Kubus einen Kanal: ««Andronus, wir sind wieder hier und möchten gerne verhandeln.»» ««Sie dürfen sprechen.»» genehmigte Andronus. Boer flüsterte zu Humble hinüber: «Wow, der ist ja richtig großzügig.» Boer und Humble saßen unmittelbar nebeneinander an den Stationen Ops und Conn. Ceagy sprach: ««Wir wünschen die Feindseligkeiten zu beenden!»» – ««Dann müssen Sie sich ohne jede Bedingung ergeben.»» entgegnete Andronus. Ceagy schlug vor: ««Ich möchte, daß wir uns auf der Bluefox treffen um die Bedingungen genau zu besprechen.»» Doch Andronus dementierte: ««Ich halte es für unwahrscheinlich, daß Sie mit uns oder mit mir etwas besprechen wollen. Ich glaube viel eher, daß es sich um ein Täuschungsmanöver handelt.»» – ««Was soll das, Andronus? Sie sollten doch wissen, daß Sie mir bedingungslos vertrauen können! Captain Bluefox hat mir immer vertraut und ich habe ihn nie angelogen.»» argumentierte Ceagy. Nach einer kurzen Pause erwiderte Andronus: ««Ja, Bluefox vertraute Ihnen tatsächlich.»» – ««Dann gibt es doch kein Problem mehr, oder? Es gibt keinen Grund Ihrerseits mißtrauisch zu sein. Wir sollten ein Treffen vereinbaren.»» schlug Ceagy erneut vor. Andronus jedoch blieb hart und fand eine andere Antwort: ««Ein Treffen ist vollkommen überflüssig. Es wird keine Bedingungen geben. Sie werden alle Waffensysteme deaktivieren und uns zur Erde begleiten, wo wir uns Ihre Charakteristika und Ihr Wissen einverleiben.»» weiter ließ Ceagy Andronus nicht reden, obwohl der noch etwas zu sagen gehabt hätte. Ceagy gab Hewsser ein Handzeichen zum Schließen des Kanals. Dann fragte er Boer: «Ramon, können Sie den Standort des Senders von Andronus im Kubus genau feststellen?» – «Auf dreißig Meter genau, Sir.» antwortete der Wissenschaftsoffizier. Da funkte Ceagy an den Transporterraum: ««Ceagy an Whiteman: Chief, wie sieht es aus?»» Chief Whiteman funkte zurück: ««Die Borg haben ihr elektromagnetisches Feld verändert um das Hineinbeamen zu unterbinden. Ich kann Ihnen aber nicht versichern, daß sie ihrerseits nicht hinausbeamen können.»» – ««Wie ich es mir gedacht habe. Dann schreiten wir zur Alternative des Plans.»» informierte Ceagy Whiteman.
Im Transporterraum befanden sich auch Chollet und Lore, die von Ceagy mit diesem geheimen Sonderauftrag betraut wurden. Beide hatten ein kleines Gerät am rechten Arm. Es waren Transportverstärker. Lore funkte an die Brücke: ««Verstanden, Captain. Phase Zwei tritt in Kraft.»»
Ceagy war sonderlich gutgelaunt für eine aussichtslose
Kampfsituation! War dies nun der Joker, den er aus seinem Ärmel schüttelte? Er
befahl Hewsser: «Öffnen Sie den Kanal wieder, Lieutenant.» Als Hewsser
bestätigte, daß der Kanal offen wäre, sprach Ceagy: ««Also gut, Andronus, wir
ergeben uns, aber unsere Leute brauchen noch etwas Zeit um sich auf eine
Assimilation seelisch vorzubereiten.»» Andronus wollte davon nichts wissen und
entgegnete: ««Das wird nicht notwendig sein. Ihre Leute werden so schnell
angepaßt wie Ihr Captain. Ihre Versuche uns aufzuhalten werden nicht
erfolgreich sein, Nummer Eins! Wir werden zur Erde weiterfliegen. Wenn Sie
versuchen uns erneut aufzuhalten, werden wir Ihr Schiff zerstören!»» – ««Dann
sollten Sie damit sofort beginnen, denn wir sind im Begriff uns einzumischen.»»
konterte Ceagy selbstsicher. Dann machte er wieder dieses Zeichen zur
Schließung des Kanals. Er funkte an Valter: ««Ceagy an Valter: Leiten Sie die
Trennung des Schiffes ein. Hyperraumfunk aktivieren. Angriffsmuster Ceagy
Eins.»» – ««Verstanden. Trennung wurde eingeleitet. Angriffsmuster bestätigt.»»
funkte Valter zurück. Da funkte Steaner an Ceagy: ««Andockklammern sind
gelöst. Trennung erfolgreich.»» – ««Perfekt, Tanya!»» funkte Ceagy zurück.
Humble meldete sich: «Captain, die Geschwindigkeit der Untertassensektion
erhöht sich.» – «Feuer frei für alle Waffensysteme!» befahl Ceagy. – Auch auf
der Untertassensektion wurde der Feuerbefehl erteilt.
Die Antriebssektion feuerte mit Photonentorpedos und die Untertassensektion mit den modifizierten Phasern ohne Unterbruch. Der Kubus begann nun auch zu feuern und mit dem Traktorstrahl die Antriebssektion zu erfassen. Auf der Gefechtsbrücke warnte Humble Ceagy: «Sir, die Borg versuchen es wieder mal mit ihrem lästigen Traktorstrahl.» – «Fliegen Sie Ausweichmuster Ceagy Alpha.» befahl der Captain. Die Antriebssektion entkam dem Ankopplungsversuch der Borg. Boer beobachtete das Kampfgeschehen auf dem Schirm und auch auf seiner Station. Er gab eine Analyse ab: «Die Untertassensektion wird vollkommen ignoriert. Sie feuern nur auf uns.» Ceagy blieb ganz gelassen sitzen in seinem Sessel und entgegnete: «Ja, das habe ich vorausgesehen. Fliegen Sie jetzt Ausweichmuster Ceagy Beta.» Einen Augenblick darauf funkte Ceagy wieder an Valter: ««Annika, Stufe 2 starten!»» Valter funkte zurück: ««Das wird ja immer besser, jetzt nennen Sie mich im Dienst auch schon beim Vornamen, Andrew! Ach ja, Stufe 2 ist bestätigt. Ich beginne sofort.»»
Auf der Hauptbrücke erhob sich Valter aus dem Kommandosessel und befahl: «Fähnrich Berger, Antimaterieladungen ab!» – «Mit Vergnügen, Commander!» bestätigte F. Berger in ihrem Eifer. Die sonst im Maschinenraum tätige Technikerin konnte aufgrund des Offiziermangels auf der Brücke arbeiten, was sehr selten war und sie daher um so mehr freute. – Endlich mal feuern aus allen Rohren ohne Ende, das war zwischendurch wirklich ganz nach ihrem Geschmack.
Plötzlich bemerkte Andronus auf seinem Schirm, daß auch die Untertassensektion nicht ungefährlich war. Diese Antimaterieladungen schienen ihn nun doch etwas aus dem Konzept zu bringen, denn er konnte vor lauter sprühenden Funken fast nichts mehr sehen!
Lore und Chollet hatten inzwischen ein Shuttle betreten und es abflugbereit gemacht. Lore funkte an die Gefechtsbrücke: ««Lore an Ceagy: Die Shuttlestartsequenz wurde eingeleitet. Wir verlassen die Bluefox in genau drei Sekunden.»» Ceagy antwortete gar nicht, denn für ihn schien nach wie vor alles nach Plan zu laufen. Da ein Transport nicht möglich war, mußten die beiden Offiziere den interstellaren Weg wählen und der war wesentlich riskanter. Das Shuttle verließ die Rampe und steuerte direkt auf den Kubus zu.
Auf der Gefechtsbrücke wurde der Kampf weiterhin analysiert. Hewsser berichtete: «Der Traktorstrahl reagiert jetzt auf die Antimaterieladungen der Untertassensektion.» Boer bemerkte: «Hoffentlich wird das Ionisierungsfeld des Shuttles nicht bemerkt.» Der Captain dachte kurz über diesen Gedanken nach und funkte an das Shuttle: ««Ceagy an Shuttleschiff: Alle Energiequellen vollkommen abschalten. Versuchen Sie mit der Restgeschwindigkeit ins Magnetfeld der Borg zu gelangen.»» – ««Verstanden, alle Energien aus.»» bestätigte der Androide.
Auch im Shuttle stieg natürlich die Spannung. Man war nur noch ungefähr hundert Meter vom magnetischen Feld des Borgschiffes entfernt. – Gerade, als Chollet am Grübeln war, ob sie es schaffen oder nicht, gab es einen Ruck und das Shuttle kam binnen einer Sekunde zum Stillstand. – Chollet berichtete per Funk an die Antriebssektion der Bluefox: ««Wir sind in das elektromagnetische Feld eingedrungen. Wir brauchen vorerst keinen Antrieb mehr.»» Ceagy bestätigte: ««Verstanden, fahren Sie wie besprochen fort.»» Lore und Chollet liefen in die hintere Hälfte des Shuttles, in der sich der Fluchttransporter befand. Lore meinte nach einer Analyse: «Der Fluchttransporter des Shuttles müßte es schaffen uns von hier aus genau zu den Koordinaten zu beamen, die uns Mr. Boer gegeben hat. Es läuft alles nach Plan.» Danach gab Lore die Transportkoordinaten ein und beide verschwanden von der Plattform.
Tatsächlich kamen beide auf dem Borgschiff an. Das war schon mal gut, aber waren sie am richtigen Ort? Es sah ja überall gleich aus! – Nachdem sie sich vollständig rematerialisiert hatten, zückten sie sofort die Phaser und drehten sich spiegelverkehrt um 180 Grad um gleich den vollen Überblick zu haben. Nichts regte sich im Umfeld ihrer Sichtweite, daher liefen sie mit gesenkten Phasern dem Korridor entlang, in den sie sich hineintransportiert hatten. Lore konnte endlich eine genaue Analyse abgeben: «Er muß hier ganz in der Nähe sein. Ich kann sein Signal deutlich und klar orten. Er ist im Umkreis von weniger als 25 Metern. Gehen wir weiter. Geben Sie mir Rückendeckung.» – Sie liefen weiter und kamen zu einer Kreuzung. Chollet schaute nach links, Lore nach rechts. Lore tippte Chollet kurz mit dem Finger auf dessen Schulter. Chollet zuckte zusammen und fuhr Lore an: «Hey, erschrecken Sie mich nicht so! – Ah, da ist er ja.» Die beiden Spione konnten Andronus genau erkennen. Er stand zuhinterst vor einem Querkorridor, bewacht von zwei Drohnen. Die Retter schlichen langsam näher an das Ziel und dessen Beschützer heran. Da gab Lore den Feuerbefehl. Jeder Offizier konnte einen der Beschützer aufs Korn nehmen! Nun stand Andronus alleine da und drehte sich in die Richtung der beiden! Chollet rannte sofort auf ihn zu und versuchte ihn festzuhalten, damit der Borg im Captain keine Probleme machen konnte. Chollet schaffte es tatsächlich den Captain einigermaßen in Schach zu halten. Zum Glück des Sicherheitschefs hatte Andronus kein persönliches Kraftfeld errichtet. Vielleicht konnte er keines mehr aufbauen, weil Chollet so schnell reagierte. Lore merkte, daß sich ihm eine Drohne von hinten klammheimlich näherte, ließ sich aber nichts anmerken. – Noch nicht. – Im letzten Moment drehte er sich um und die Drohne hatte keine Chance sich an so ein Manöver anzupassen und konnte von Lore problemlos abgeschossen werden. Der Androide zog die linke Augenbraue hoch und sprach cool mit einem künstlichen Schmunzeln: «Anpassung ist irrelevant!» Chollet hingegen hatte eindeutig die weniger amüsante Aufgabe. Er mußte immer noch Andronus festhalten. Lore sah dies und eilte Chollet nach seinem Trickmanöver sofort zu Hilfe. Gemeinsam konnten sie das Sprachrohr der Borg deaktivieren. Lore betätigte einen Schalter am Schädel der Edeldrohne. Er lernte das Abschalten von Borgdrohnen auf dem Holodeck. Annika Valter gab kurz vor dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Kubus eine praktische Einweisung. Die beiden Offiziere betätigten nun dieses kleine Gerät an ihren rechten Ärmeln und konnten sich mit Andronus zurück ins Shuttle beamen.
Nach der Rematerialisierung funkte Chollet an die Antriebssektion der Bluefox: ««Außenteam an Ceagy: Auftrag erfüllt, wir haben ihn!»» – ««Saubere Arbeit! Ich erwarte Sie auf der Krankenstation. Beamen Sie sich also alle auf die Untertassensektion.»» befahl Ceagy und beendete den Funkverkehr. Lore aktivierte den Antrieb des Shuttles und sie verließen das Magnetfeld wieder. Theoretisch war das Shuttle nun also wieder hilflos und leicht zerstörbar.
Wissenschaftsoffizier Ramon Boer sah dies und warnte Andrew Ceagy: «Captain, das Shuttle hat das Magnetfeld verlassen.» Ceagy erhob sich aus dem Kommandosessel und funkte sofort an Thierry Whiteman: ««Gefechtsbrücke an Transporterraum: Beamen Sie das Außenteam auf die Krankenstation!»» ««Verstanden. Ich erfasse sie jetzt.»» bestätigte Whiteman. – Während der Transporterchef „jetzt“ sagte, zerstörte der Kubus das Shuttle mit einem blitzartigen Einsatz des weißen Destruktionsstrahls!
Es klappte auf die Sekunde genau. Chief Whiteman funkte an
die Gefechtsbrücke: ««Captain, Transport erfolgreich!»» Ceagy setzte sich
wieder in den Kommandosessel der Kampfbrücke und grinste hämisch. Ein
Überlegenheitsgefühl überkam den Kommandanten. Diese Emotion war noch viel
intensiver, als wenn er bisher eine Pokerpartie gewonnen hatte, aber sie war
dem Siegesgefühl beim Pokern ähnlich.
Die Bluefox feuerte nun nicht mehr. Auch die Borg verhielten sich erstaunlich ruhig und unternahmen keine Schritte Andronus wieder zurückzuholen. Nach wie vor befand sich die Bluefox im getrennten Zustand. Auf der Gefechtsbrücke wurden Schadensberichte analysiert. Da kam von Valter ein Funkspruch herein: ««Captain, hier ist die Untertassensektion. Wir haben enorme Schäden am Impulsantrieb. Wir sind praktisch manövrierunfähig.»» Ceagy gab zurück: ««Verstanden. Wir bleiben getrennt. Ich denke, daß die Borg bald wieder aus ihrem Staunen aufwachen und weiterfeuern. Mit zwei Zielen ist es immer besser.»» Da meldete sich Boer mit einer Warnung: «Sir, das elektromagnetische Feld des Kubus fluktuiert. Anscheinend wollen sie ihre Energieleistung erhöhen.» Ceagy meinte: «Wir müssen das Feuer auf uns lenken. Die Untertassensektion ist im Moment nicht gerade rosig dran. Bereiten Sie alle Waffensysteme vor, Monique.» befahl er Hewsser. Doch die stellvertretende Sicherheitschefin entgegnete zur großen Verwunderung des Captains: «Die Borg haben nicht ihre Waffen, sondern ihren Antrieb unter erhöhte Energie gesetzt. Sie entfernen sich mit sehr hoher Warpgeschwindigkeit!» Ceagy war wirklich erstaunt über diesen Zug. Die Borg wollten ihr Sprachrohr plötzlich nicht mehr und flogen weiter zur Erde. Zuerst setzten sie derart viel Zeit und Ressourcen ein um Bluefox zu sich zu holen und nun ließen sie ihn einfach fallen. Sie hätten die Bluefox vernichten können, taten es aber nicht! Ceagy hatte aber das schlechte Gefühl, daß dies nicht unbedingt gut war. Die Borg begnügten sich nicht mit der Bluefox, sondern sie hatten nach wie vor die Erde im Visier. Ceagy befahl: «Halten Sie die Position und leiten Sie alle Energie der Waffensysteme in den
Warpantrieb um. Wir müssen dranbleiben!» Er funkte an den Maschinenraum: ««Ceagy an Steaner: Wir koppeln die Untertassensektion wieder an. Leiten Sie alles in die Wege.»» ««Verstanden.»» bestätigte Steaner im Maschinenraum und verteilte die Aufgaben an ihre Techniker.
Die Jagd auf die Borg hatte nun also begonnen. Der Gejagte schlüpfte plötzlich in die Rolle des Jägers. Die Seiten wurden gewechselt. Jedoch blieb dies nur solange, bis die Borg die Erde erreichen würden. Danach konnte keiner garantieren, welche Seite siegen sollte. Mit Andronus an Bord der Bluefox konnte vielleicht ein Weg gefunden werden in das Kollektivbewußtsein der Borg einzudringen. Genau auf diese Chance arbeitete man nun während dem Ansturm auf die Erde hin.
Nachdem die Bluefox wieder an einem Stück war und sich auf der Verfolgung des Kubus befand, konnte Ceagy seinem Vorgänger endlich einen Besuch auf der Krankenstation abstatten. Neben ihm und Strike waren auch noch Chollet für die Sicherheit und Lore sowie Transporterchef Thierry Whiteman anwesend. Andrew Ceagy wollte seinen Captain sowie seinen besten Freund einfach wieder sehen. Es war ihm in diesem Kontext egal, ob Matthew Bluefox nun in einer Hülle aus Borgimplantaten oder unbeschwert existierte. Er erkundigte sich bei Strike: «Können Sie ihn wiederbeleben?» Die Chefärztin antwortete: «Ich hätte gerne noch etwas mehr Zeit um seine Körperfunktionen zu studieren. Ich weiß noch nicht, wie stark seine Motorik beeinträchtigt wurde. Seine gesamten Nervenbahnen sowie das sie umgebende Gewebe wurden komplett verändert. Sie haben seine DNA vollkommen umgeschrieben.» – «Wir haben keine Zeit! Als Matt mit dem Kollektiv verbunden wurde, erfuhren die Borg alles über ihn und somit auch fast alles über unser Schiff, über die Crew sowie vieles über die Föderationsstruktur. Wenn wir Glück haben, dann ist es umgekehrt ebenso: Matt könnte alles über die Borg erfahren haben, auch über deren Schwächen! Wecken Sie ihn auf, wenn es nur irgendwie geht!» befahl Ceagy. Strike injizierte Bluefox ein Hypospray in den Hals. Wenig später aktivierte sich der rote Laserstrahl, der am rechten Augenimplantat installiert war. Bluefox öffnete langsam die Augen. Strike versuchte zu Bluefox durchzukommen: «Matt, hier spricht Nicole. Können Sie mich verstehen?» Bluefox begriff schnell, wo er war und antwortete mit einer zweiten Begleitstimme aus dem Kollektiv: «Nicole. Strike. Doktor. Ich bin an Bord der U. S. S. Bluefox NCC 1701-E.» Ceagy bemerkte: «Ganz richtig.» Bluefox richtete seinen Oberkörper auf und saß nun aufrecht auf dem Biobett, die Beine nach vorne ausgestreckt. Er stützte sich auf beiden Seiten ab, so gut er konnte, denn am linken Unterarm wurde ihm ein monströses Implantat mit einer Armverlängerung ohne Hand angeschraubt! Anstelle der Finger spielten Nadeln und Prozessoren verrückt in alle Richtungen. Dies wirkte auf den Doktor bedrohlich, aber sie wollte die Sicherheit deswegen noch nicht in Alarmbereitschaft versetzen. An Bluefox’ Stirn war eine komische Antenne, die sich immer nervös hin und her bewegte. Bluefox blickte Ceagy an und sprach: «Ein nutzloses Manöver. Kurzsichtige Strategie, Nummer Eins. Sie haben das Schiff riskiert um nur einen Mann zu retten! Captain Bluefox hätte diesem Plan nie zugestimmt!» Ceagy hakte ein: «Ich dachte, Sie würden ihn besser kennen als wir, aber ich habe mich da wohl geirrt. Es stimmt überhaupt nicht, was Sie da sagen! Ich habe nicht nur versucht ein Lebewesen zu retten, sondern den Verantwortlichen dieses Schiffes! Ich halte es für vertretbar, daß ich das Schiff für seinen Captain riskiere. Und abgesehen davon: Mein Captain hätte diesem Plan hundertprozentig zugestimmt. Er würde dasselbe für mich und für jedes andere Mitglied dieser kleinen, aber feinen Mannschaft tun. Wir können es uns außerdem in so einer Rumpfcrew, wie wir eine sind, nicht leisten unseren Captain zu verlieren. Den Mann, der uns in den Weltraum geholt hat. Den Mann, den ich meinen besten Freund nenne. Sie sind hier vollkommen im Irrtum, Andronus!» Bluefox alias Andronus ergriff wieder das Wort: «Sie unterschätzen uns vollständig, wenn Sie glauben, diese Entführung hätte für uns irgendeine Bedeutung.» – Da hob die Drohne langsam ihren Arm mit der Prothese an. Sofort zückte Chollet seinen Phaser und war in höchster Alarmbereitschaft, doch Andronus reagierte gelassen: «Ich will nichts zerstören.» Ceagy streckte den Zeigefinger aus und zeigte auf seinen Halfter, wo sein Handphaser eingesteckt war. Chollet steckte seinen Phaser widerwillig zurück. Andronus fuhr fort: «Ich werde hier bleiben. Ich werde an Bord dieses Schiffes bleiben um für die Borg zu sprechen, die zur Erde weiterfliegen ohne aufgehalten zu werden. Wir werden eine bedingungslose Kapitulation erzwingen.» – Ceagy und Strike schauten sich ratlos an. Was sollte die Bluefox alleine gegen den riesigen Kubus unternehmen, wenn schon eine ganze Flotte aus Föderations- und Klingonenschiffen nicht siegen konnte?
Lore arbeitete wenig später an der ersten hinteren Wissenschaftskonsole auf der Brücke. Gespannt schauten Ceagy und Strike hinter dem Androiden auf den Bildschirm. Der kleine Schirm zeigte zwei Sphären und dazwischen einen schmalen Durchgang, wo Daten zu fließen schienen. Lore erklärte seine Studie: «Durch multimodale Reflexionssortierung habe ich eine komplexe Reihe von Hyperraumsignalen zwischen Andronus und dem Borgschiff entdecken können. Möglicherweise ist dies die Funktionsweise des kollektiven Bewußtseins.» Strike fragte: «Wird er dadurch kontrolliert?» Lore korrigierte: «Es geht hier nicht nur um Kontrolle, Doktor. Die Signale sind im Hyperraumbereich interaktiv, ähnlich wie ein Transporterstrahl.» Ceagy wollte wissen: «Kann man sie blockieren?» Lore vermutete: «Gut möglich, aber wir haben im Kampf festgestellt, daß die Kreisläufe der Borg bei verletzten oder toten Drohnen kurzgeschlossen wurden. Sie wurden vom kollektiven Bewußtsein einfach abgetrennt. Anschließend haben sich die verletzten Borg selbst zerstört. Wir haben dies gesehen, als sich der tote Borg neben der Ops in Luft auflöste. Wie sie dies machen, weiß ich auch nicht.» Strike erkannte: «Wenn wir Andronus isolieren, könnte das für den Captain tödlich sein!» Ceagy entschied: «Wir müssen mit ihm in Verbindung treten. Wir müssen in Erfahrung bringen, was er weiß.» Strike fügte bei: «Würde es diese Hyperraumsignale nicht geben, dann könnte ich mit der Mikrochirurgie einiges erreichen, aber solange die Borgimplantate aktiv sind, gibt es zumindest für mich von der medizinischen Seite her keine Möglichkeit den Menschen von der Maschine zu trennen.» Da hatte Lore einen genialen Einfall und teilte ihn seinen beiden Kollegen sofort mit: «Vielleicht ist es möglich, daß ich Zugriff auf die Maschine erhalte.» Ceagy und Strike schauten sich hinter Lores Rücken erst verwundert, dann jedoch zunehmend erheitert an! War das die Möglichkeit?
Ceagy, Lore und Strike gingen also zurück auf die Krankenstation, wo Whiteman und Chollet immer noch die Aufsicht hatten. Andronus schaute sich Computerbildschirme an und schritt langsam von einem Ort zum anderen. Er lief um sein Biobett herum und blieb vor Chollet stehen. Er sagte zu ihm: «Lieutenant-Commander Danny Chollet. Mensch. Auch Sie werden bald angepaßt.» Chollet verteidigte sich sofort: «Ich werde mich Ihnen und den Borg bis zum Ende! widersetzen!» Andronus wollte gerade an Chollet vorbeigehen, blieb nach dessen verbalem Widerstand jedoch stehen, schaute dem steirischen[1] Sicherheitschef in die Augen und fragte ihn: «Warum widersetzen Sie sich? Wir wollen nur die Lebensqualität erhöhen, für alle Rassen. Die Menschheit bildet hier keine Ausnahme.» Chollet entgegnete überzeugt: «Die Lebensqualität von mir und allen anderen hier an Bord ist gut, so wie sie ist.» – «Eine beschränkte Einstellung. Sie werden eins sein mit den Borg.» entgegnete Andronus überlegen und drehte sich zu den anderen Crewmitgliedern hin. Er verkündete: «Sie alle werden eins sein mit den Borg!» Die Drohne marschierte zu Lore hin und sprach: «Lore. Android. Primitiver künstlicher Organismus. In unserer Welt sind Sie überflüssig.» Strike wurde dies zu dumm mit dieser Darstellung der verschiedenen Lebensformen in der weiten Galaxis und legte ihn wieder still. Andronus sackte in die Arme von Lore, der ihn gerade noch auffangen konnte. Ceagy befahl Whiteman und Lore: «Bringen Sie ihn ins medizinische Labor.» Da kam ein Funkspruch von der Brücke an die Krankenstation herein: ««Valter an Ceagy.»» – ««Sprechen Sie, Commander.»» – ««Die Borg haben die Erde erreicht.»» – ««Verstanden, ich bin gleich auf der Brücke.»» Ceagy und Chollet machten sich sofort auf den Weg zur Brücke.
Nachdem sie die Brücke erreicht hatten, erhob sich Valter aus dem Kommandosessel und berichtete: «Der Kubus ist in einen Standardorbit um die Erde eingeschwenkt. Wir erreichen die Borg in 14 Minuten.» Ceagy erkundigte sich nach der planetaren Verteidigung. Valter gab zur Antwort: «Sie hat reagiert, aber, ich denke nicht, daß dies eine Wende herbeigeführt hat. Drei Ministationen mit Abschußrampen für Photonentorpedos werden niemals einen Borgkubus in die Knie zwingen können. Ich glaube sowieso nicht mehr, daß man die Borg noch stoppen kann.» Ceagy funkte an das medizinische Labor: ««Lore, wie sieht es aus im Labor?»» – ««Ich habe eine erste Verbindung zu Captain Bluefox‘ Neuralsystem herstellen können. Chief Whiteman wird die Borgsignale durch unser Transportersystem filtern.»» ««Beeilen Sie sich, die Zeit drängt! Wir haben nur noch eine knappe Viertelstunde, bis wir die Borg im Orbit der Erde abfangen werden.»» mahnte Ceagy. Lore bestätigte: ««Wir machen sofort weiter, Sir. Lore, Ende.»»
Im medizinischen Labor ging es gut voran. An der künstlicher Schädelplatte unter Lores synthetischen Haar blinkten mehrere verschiedenfarbige Lämpchen. Lore hatte seine untere Kopfplatte bereits vor dem Funkspruch freigelegt, damit ein Kabel an das neurale Netz angeschlossen werden konnte. Am anderen Ende der Leitung befand sich Andronus’ Kopf. Die beiden waren somit zumindest mechanisch miteinander verbunden. Lore gab seinen Assistenten Anweisungen: «Doktor, ich schlage vor, daß Sie ständig seine Lebenszeichen erfaßt halten und mich über Veränderungen informieren. Checken Sie zudem die psychische Verbindung. Sie sind diejenige, die mir sagen kann, ob ich ihn erreiche oder nicht. Chief, Sie werfen immer wieder ein Auge auf meine positronischen Matrixaktivitäten am Hauptschirm.» Whiteman ging zum Krankenstationshauptschirm hin und aktivierte ihn. Sofort waren Lores Matrixaktivitäten zu sehen. Strike klappte ihren medizinischen Tricorder auf und begann Andronus immer wieder von oben bis unten zu scannen. Andronus selbst stand in einem Halter, aus dem es kein Entkommen gab. Der Gefangene sah dies ein und wehrte sich nicht. Um ihn herum befanden sich mehrere Geländer aus massivem Tritanium. Lore erklärte seine weitere Vorgehensweise: «Die Neuralverbindung wird in drei Etappen durchgeführt.» – «An welchem Punkt soll ich im Notfall abbrechen?» fragte Whiteman. Lore zog eine Augenbraue hoch, als würde er es nicht wissen und antwortete wirklich: «Das weiß ich nicht. Ich habe so etwas noch nie gemacht.» Whiteman riß diese Antwort nicht gerade vom Hocker, aber was sollte er tun? Wieviel Energie und Datenströme konnte Lores Matrix aushalten? Niemand wußte es, nicht einmal Lore selbst! Der Androide mußte bisher noch nie an unbekannte Grenzen seiner Kapazität herangehen. – Lore setzte sich auf einen Stuhl und bemerkte: «Ich stelle jetzt die erste Neuralverbindung her.» Strike berichtete: «Die Lebenszeichen des Captains sind stabil.» Whiteman bemerkte: «Positronische Aktivität unverändert.»
Zwei Minuten später sprach Lore: «Erste Verbindungsstufe wurde etabliert. Bisher habe ich keinen signifikanten Zugriff auf das Borgbewußtsein erlangen können.» Strike informierte: «Bisher haben Sie auch keinen psychischen Kontakt herstellen können.»
Inzwischen griffen die automatischen Abwehrsysteme der Erde den Borgkubus an. Mehrere Photonentorpedos knallten auf den nach wie vor undurchdringlichen Schutzschirm. Dann gingen die Borg in die Offensive und feuerten eine Salve mit grünlichen Torpedos ab. Erst sah es aus wie ein einzelner, doch dann teilte er sich in drei kleine Torpedos und jeder steuerte eine Ministation an. Es dauerte keine Sekunde, bis die Torpedos bei deren Zielen einschlugen. Einen Augenblick später war nichts mehr auszumachen. Nicht einmal Trümmerteile.
Auf der Bluefox herrschte kurz nach diesem Ereignis Aufregung. Auf der Brücke erfuhr man von der Zerstörung der Torpedogeschütze. Chollet berichtete: «Captain, die Borg haben die automatischen Verteidigungssysteme der Erde durchbrochen. Sie sind nun im Standardorbit.» Steuermann Blater hatte auch eine Neuigkeit: «Wir haben jetzt den Mars erreicht. Noch acht Minuten und 32 Sekunden bis zum Abfangen.»
Im medizinischen Labor war man etwas weiter. Lore kommentierte: «Zweite Stufe der Neuralverbindung etabliert. Ich habe noch immer keinen Zugriff auf das Bewußtsein der Borg. Ich starte die dritte Verbindungsstufe.» Die Spannung stieg mit jeder höheren Verbindungsstufe an! Nachdem Lore die dritte Verbindungsstufe initialisiert hatte, zuckte Andronus plötzlich an verschiedensten Körperstellen! Strike begründete die Aussetzer: «Meßbarer Anstieg der Motorik und der Hypothalamusaktivität[2]. Herzschlag beschleunigt sich.» Whiteman warnte Lore: «Sir, Ihre submikrone Matrixaktivität steigt dramatisch an!» Lore ignorierte dies und arbeitete weiter. Er berichtete: «Neuralverbindung komplett. Ich habe jetzt Zugriff auf die Hyperraumsignale der Borg. Ich verarbeite sie. Bitte warten.» Strike hatte auf einmal eine psychische Verbindung auf ihrem medizinischen Tricorder registriert und zeigte Lore den Bildschirm des Tricorders. Der schaute kurz darauf, nickte mechanisch und wiederholte: «Bitte warten, ich verarbeite.»
Eine lange Minute verstrich. Lore saß auf seinem Stuhl wie gefesselt! Die Lämpchen in seiner Schädelplatte blinkten immer schneller, immer nervöser! Neue Farben mischten sich darunter! Lore wiederholte ein drittes Mal mit energischer, verbissener Stimme, obwohl niemand mit ihm redete: «Bitte warten!»
Nach weiteren dreißig Sekunden gab der Androide einen Bericht ab: «Faszinierend! Das kollektive Bewußtsein der Borg ist in Unterkommandogruppen aufgeteilt, geordnet nach allen wichtigen Funktionen: Verteidigung, Kommunikation, Navigation. Gesteuert wird das Kollektiv durch ein Hauptkommando, welches... – Oh!» Lore wurde mitten im Satz alleine durch Andronus‘ Blick unterbrochen! Die Drohne drehte sich zum Androiden hin und starrte ihn böse an. Lore war wie gelähmt! Anscheinend konnte Andronus Lore abklemmen und ihn mit der kybernetischen Verbindung gefährden! Aber auch äußerlich machte sich Andronus nun bemerkbar. Er hob seinen Arm mit der Prothese an und richtete ihn auf den Doktor! Strike erschrak gewaltig und wich sofort zur Seite. Andronus‘ Arm wanderte langsam dem Geländer entlang und steuerte geradewegs auf eine Schalttafel außerhalb der Halterung zu. Diese Konsole war in einer Wand eingeschweißt und aktiv. Andronus suchte scheinbar eine Energiequelle. – Sofort eilte Whiteman zur Drohne hin und wollte sie deaktivieren, aber Andronus ahnte, daß der Transporterchef mit ihm nichts Gutes im Sinn haben würde und schlug ihn mit einem wuchtigen Schlag zur Seite, als der ihm genug nahe war. Whiteman wurde zurückgeschleudert und machte mit dem Restschwung noch eine volle Umdrehung um ein Außengeländer! Unsanft auf dem Boden aufgeprallt, rührte er sich nicht mehr! Andronus‘ Armprothese erzeugte plötzlich mehrere dünne Energieblitze! Sie trafen die Schalttafel in der Wand! Lore war der am nächsten sich bei Andronus befindende Offizier und mußte reagieren. Er stand blitzartig auf und packte den künstlichen Unterarm! Die Blitze verschwanden wieder. Lore wollte Andronus‘ Arm wieder in die ursprüngliche Position zurückdrücken, aber der Borg hielt voll dagegen! Es entstand ein beeindruckendes Armdrücken zwischen Lore und seinem überstarken Captain! Lore war in der Lage den Arm langsam, aber immer mehr von der Schalttafel wegzuzerren. Zehn Sekunden später hatte Lore den Arm schon fast wieder in der normalen Position, jedoch drückte Andronus nun auch noch nach oben! Lore war darauf nicht ganz gefaßt und plötzlich zielte die widerspenstige Prothese wieder genau auf die Chefärztin, die zwischen zwei Eckwänden in der Klemme war! – Keiner wußte, ob es Lore noch aushalten würde mit seiner Kraft. – Da gab es plötzlich einen Knacks und Lore hielt die Armprothese in seiner rechten Hand! Alles, was vor wenigen Sekunden sich daran noch derart nervös bewegt und gezuckt hatte, stand nun plötzlich still und regte sich nicht mehr. – Strike konnte sich endlich wieder von diesem Schrecken erholen und ihrem medizinischen Tricorder widmen. Prompt hatte sie eine Neuigkeit: «Die Neuralaktivität des Captains erhöht sich, besonders in den vorderen Gehirnregionen.» Whiteman realisierte: «Vielleicht wollen die Borg die Verbindung mit Bluefox abbrechen.» Lore hielt dies für eine durchaus mögliche Situation und überprüfte den Zustand von Andronus im Vergleich mit Bluefox. Er antwortete: «Negativ. Die Borg sind entweder nicht gewillt oder nicht in der Lage die Verbindung abzubrechen. Der Zustand ist unverändert. Die Zusammensetzung der Hyperraumsignale ist gleichgeblieben. Was die erhöhte Neuralaktivität hervorruft, ist unklar.» Da hatte Strike einen Einwand: «Nein, Lore, das ist nicht unklar! Ich hatte vorhin eine psychische Verbindung registriert mit meinem Tricorder. Matt selbst hat dies verursacht! Er will uns ebenfalls erreichen!» – Das war nun in der Tat eine neue Situation. Von beiden Seiten versuchte man einen Weg zur Kommunikation zu finden. Darauf war bisher noch niemand gekommen oder dann wagte es niemand dies zu erwähnen, weil die Borg als in jeder Hinsicht überlegen wirkten und dies auch perfekt zeigten. Nun fand man aber eine Schwäche, die es auszunutzen galt. – Andronus ergriff mit schwachem Druck Lores Handgelenk mit seinen von Implantaten freien Fingern. War es Andronus? Lore jedenfalls konnte dieses Rätsel nicht lösen. Strike funkte an die Brücke: ««Brücke, wir haben eine erste psychische Verbindung hergestellt.»» Ceagy fragte: ««Können Sie sich verständigen?»» – ««Nein. Matt selbst hat es geschafft eine Verbindung zu uns zu schaffen. Lore hat vorhin nichts gemacht. Er hat jedoch vor ein paar Minuten einen ersten Zugriff auf die Programmstruktur der Borg erlangen können.»» gab Strike zur Antwort.
Zur gleichen Zeit passierte etwas Unerwartetes. Chollet berichtete: «Captain, die Borg haben den Erdorbit erst verlassen und stehen jetzt still.» Valter meinte: «Wir haben wohl ihre Aufmerksamkeit erregt.» Ceagy erkannte die Lage sofort: «Sie haben Angst, weil wir eine Verbindung zu Matt hergestellt haben! Wann erreichen wir sie?» fragte er den Steuermann. Blater antwortete: «In drei Minuten.»
Auf der Krankenstation hatte Strike plötzlich eine Idee und funkte sogleich an die Brücke: ««Strike an Ceagy: Ich habe es! Wenn die Borg die Verbindung nicht trennen wollen, dann sind sie vielleicht voneinander abhängig!»» – ««Erklären Sie das, Doktor.»» verlangte Ceagy. ««Wenn man den Captain jetzt vom Kollektiv abtrennen würde, dann wäre es so, als würde man sich selbst einen Fuß abschneiden!»» meinte Strike. Ceagy hielt die Funkverbindung zur Krankenstation und sagte zu sich selbst: «Wenn einer springt, springen alle hinterher.» Valter fügte hinzu: «Die Borg operieren als Verstand.» Ceagy sprach direkt Lore an über die Funkverbindung und fragte ihn: ««Lore, wäre es möglich, ein Kommando in das Borgkollektiv einzugeben?»» – ««Theoretisch schon. Ich müßte allerdings den Pfad ändern. Vom Hauptkommando ausgehend ist es erforderlich, daß alle Zweigstellen...»» Weiter kam Lore nicht, weil Ceagy ihn unterbrach und entschied: ««Versuchen Sie es einfach!»» – ««Sir, was soll ich eingeben?»» fragte Lore. Ceagy gab spontan zur Antwort: ««So etwas wie „Schilde senken“ oder „Waffensysteme deaktivieren“. Einfach etwas Effektives.»» Da meldete der Sicherheitschef: «Sichtkontakt zu den Borg!» – «Auf den Schirm!» befahl Ceagy, stand auf und ging näher zum Sichtschirm hin. Ein kleines Würfelchen war zu sehen im Vergleich zur Vollansicht der Erde. Valter erhob sich ebenfalls und verlangte eine Vergrößerung des Bildes. Ramon Boer informierte: «Sir, es wird ein massiver Energieanstieg an Bord des Kubus angezeigt und ich glaube nicht, daß sie wieder davonfliegen wollen.» Der Captain rief sofort die rote Alarmstufe aus.
Der Kubus schwebte langsam zur Bluefox hin. – Valter fragte Chollet: «Zustand der Borgwaffen?» – «Aktiviert und einsatzbereit.» gab Chollet zurück. Ceagy funkte an Lore und verlangte einen Lagebericht. Lore klärte Ceagy auf: ««Ich versuche die oberen Kommandoebenen zu umgehen. Jedoch sind alle wichtigen Systeme paßwortgeschützt.»» ««Versuchen Sie es weiterhin!»» erwiderte Ceagy und setzte sich mit Valter wieder hin.
Der Würfel hatte nun die Bluefox vollkommen erreicht und der bekannte Traktorstrahl traf die Bluefox wieder einmal. – Ceagy ordnete eine ständige Rotation der Schildfrequenz an und funkte ein weiteres Mal an die Krankenstation: ««Lore, Bericht!»» – ««Ich kann die Verteidigungssysteme nicht erreichen. Jedes Zugangsmodul ist paßwortgeschützt.»» funkte Lore zurück. Da machte Valter Lore einen Vorschlag: ««Commander, versuchen Sie es mit den Energiesystemen. Vielleicht haben Sie dort mehr Erfolg.»» – ««Verstanden. Ich versuche einen Pfad für die Energiesysteme zu finden.»» bestätigte Lore. Ceagy war es schon längst zu heiß! Jederzeit könnten die Borg mit ihrem Traktorstrahl durchdringen! – Und da passierte es auch schon. Chollet warnte nach einem kräftigen Ruck: «Der Traktorstrahl hat uns erfaßt! Wir werden an das Borgschiff herangezogen!» – «Feuer frei für alle Waffensysteme inklusive der Antimaterieladungen!» entschied Ceagy. – Mehrere Phaserschüsse und Photonentorpedos prallten auf den Schutzschirm des Kubus. Einige der Antimaterieladungen konnten den Schirm durchdringen, jedoch hielt sich der Schaden des Borgschiffes in niederschmetternden Grenzen. Nur ein kleines Loch nach einer erfolgreichen Detonation einer Antimaterieladung war zu sehen. – Valter funkte an Lore: ««Lore, wie sieht es aus mit den Energiesystemen?»» ««Ich kann keinen Pfad finden für die Energiesysteme. Alle möglichen Dateien sind paßwortgeschützt.»» – Valter senkte den Kopf und sagte: «Das ist das Ende.» Ceagy stand wie angewurzelt in der Ebene vor dem großen Hauptschirm zwischen Ops und Conn. Er hatte nicht mehr viele Optionen. Es blieben nur noch die Selbstzerstörung oder eine Kollision mit dem Kubus, damit beide Schiffe zerstört würden. Ceagy entschied sich für die profitablere Lösung: «Mr. Blater, gehen Sie auf Kollisionskurs.» – Blater zögerte einen Moment und wartete mit der Kurseingabe zu. Er hoffte, Ceagy würde seine Meinung nochmals ändern. Vergebens. Ceagy befahl noch energischer: «Kollisionskurs, Mr. Blater!» – Der Pilot programmierte langsam den Kurs. Doch mit Impulsantrieb war dies nicht so effektiv wie mit Warpgeschwindigkeit. Daher funkte Ceagy an den Maschinenraum: ««Commander Steaner, hier ist die Brücke. Warpantrieb auf mein Kommando aktivieren.»»
Auf der Krankenstation tat sich auf einmal etwas. Andronus machte den Mund langsam auf und gab ein einzelnes Wort von sich: «Schlaf.» Strike bemerkte: «Er erlangt sein Bewußtsein zurück.» Alle sahen Andronus an und hofften auf eine Erklärung dieses Wortes. Man war sich sicher, daß mehr hinter dem Wort steckte, denn schlafen wollten er oder die Borg allgemein nun wirklich nicht. Da erklang es ein zweites Mal, etwas langsamer und gemächlicher: «Schlaf.» Strike meinte überzeugt: «Es ist Matt, der da spricht, nicht Andronus!» Aufgeregt und bis aufs letzte gespannt schaute sie auf ihren medizinischen Tricorder. Wieder ergriff Andronus respektive Bluefox Lores Handgelenk und wiederholte mit einer noch gelasseneren Stimme: «Schlaf, Lore.» Whiteman interpretierte: «Er ist sehr schwach.» Lore jedoch erkannte den wahren Sinn des Wortes und entgegnete: «Vielleicht sekundär, aber primär, so glaube ich, will der Captain damit nicht ausdrücken, daß er müde ist, sondern er will uns eine Möglichkeit aufzeigen.»
Die Borg begannen auf einmal wieder ihren weißen Schneidestrahl einzusetzen! Die Bluefox erbebte stark! Chollet warnte: «Sie haben ihren Destruktionsstrahl aktiviert! Gefahr für Hüllenbrüche auf den Decks 2 bis 5!» Ceagy konnte nicht mehr zuwarten und mußte sich entscheiden. Er funkte an Steaner: ««Maschinenraum, Warpantrieb!» Gerade am Schluß der Silbe „-trieb“ funkte plötzlich Lore an die Brücke und bat: ««Lore an Brücke: Bitte warten!»» Ceagy nahm seinen letzten Befehl zurück und verkündete: «Alle Stationen warten!» Dann fragte er Lore gespannt: ««Jetzt oder nie, Lore! Was gibt es?»» Lore gab zur Antwort: ««Ich versuche einen Weg in die regenerative Subkommandoebene zu finden. Dies ist ein System niedrigerer Priorität, daher vielleicht zugänglich.»» – ««Also gut, ich gebe Ihnen zwanzig Sekunden, danach muß ich ein Ergebnis haben!»» verlangte Ceagy und hielt den Kanal zum medizinischen Labor offen. – Das ganze Schiff schüttelte es erneut kräftig durch! Chollet konnte sich mit letzter Kraft an seiner Station festhalten. Er war der einzige Brückenoffizier, der stehen mußte. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, gab er eine weitere kritische Meldung durch: «Die äußere Rumpfhülle wurde durchdrungen! Zerstörung der inneren Rumpfhülle auf den Decks 2 bis 5 steht bevor, es besteht Dekompressionsgefahr! Soll ich die Evakuierungsprozeduren einleiten?» fragte er. Ceagy entschied: «Nein, warten Sie noch einen Augenblick.» Ein letztes Mal funkte der Captain ans Labor: ««Lore, Ihr letzter Bericht!»» ««Bitte warten.»» kam es von der anderen Seite her. Ceagy hielt es nicht mehr aus und schrie: ««Ich kann nicht länger warten!»» Da sprach der Computer: «Warnung! Dekompression der inneren Rumpfhülle auf den Decks 2 bis 5 in zehn Sekunden. Neun, acht, sieben...» Die monotone Stimme des Computers zählte die Sekunden im exakten Tempo herunter. Genau als der Computer bei „eins“ angelangt war, wurde es auf einmal ruhig! – Erst machte sich Ceagy auf einen gewaltigen Ruck gefaßt, aber dann geschah einfach gar nichts! Der Countdown ging bis „eins“, aber nicht weiter! Das Licht wurde wieder heller, Alarmstufe Rot blieb bestehen. Der Captain und alle anderen der Brückenmannschaft schauten ziemlich verdutzt aus der Wäsche und blickten um sich, ob noch alles an seinem Platz war. Das war der Fall! Die Bluefox war noch an einem Stück und die Decks 2 bis 5 noch dran. Ceagy begriff langsam, daß überhaupt nichts geschehen war und funkte sogleich ans Labor: ««Lore, was ist denn jetzt passiert?»» Lore funkte mit einer heiteren Stimme zurück: ««Ich habe einen Weg gefunden ein Kommando in das kollektive Bewußtsein der Borg einzuschleusen.»» – ««Was haben Sie befohlen?»» fragte Ceagy mit einem Lächeln auf den Lippen. Lore gab zur Antwort: ««Ich habe eine Meldung durchgegeben, die zu der irrigen Annahme führt, es wäre Zeit zum Regenerieren. Mit anderen Worten: Alle Borg sind eingeschlafen.»» – ««Eingeschlafen?»» Ceagy glaubte nicht recht zu hören. ««Genau, Captain!»» bestätigte Lore. Ceagy fragte Chollet: «Wie ist der Zustand der Antriebssysteme der Borg?» Chollet antwortete: «Minimalleistung.» Ceagy: «Elektromagnetisches Feld?» Chollet: «Nicht existent.» Der Captain überlegte kurz. Dann befahl er Valter: «Commander, Sie werden sich auf dem Kubus mal umsehen, ob die Borg wirklich schlafen.» «Sehr gern!» entgegnete Valter euphorisch und lächelte kurz. Sie war sich sicher, daß die Crew der Bluefox soeben ihren Siegestreffer gelandet hatte. Sie bat den Sicherheitschef sie in den Turbolift zu begleiten.
Als sich das Mini-Außenteam an einer unbedeutenden Stelle im Borgschiff rematerialisierten, sah es erstaunlich friedlich aus. Man rechnete zwar in erster Linie nicht mehr damit, daß Gefahr drohte. Zur allgemeinen Sicherheit zückten beide Offiziere trotzdem ihre Phaser. Sie wanderten durch einen langen Korridor mit Regenerationsalkoven auf beiden Seiten. In jedem Alkoven stand eine Drohne und regenerierte sich. Valter funkte an Ceagy: ««Captain, alle Borg befinden sich im Regenerationsstadium. Sie schlafen wirklich!»» – ««Wie lange werden sie in diesem Zustand bleiben?»» wollte Ceagy am anderen Ende der Leitung wissen. Er marschierte gerade durch einen Korridor Richtung Turbolift. ««Einen Moment, bitte.»» antwortete Valter und befahl Chollet: «Analysieren Sie diese Drohne mit Ihrem Tricorder.» Chollet berichtete nach seinem Scan: «Die Tricorderanzeigen fluktuieren schnell, Commander.» Valter funkte wieder an den Captain: ««Captain, es sieht so aus, als ob im gesamten Energienetz eine Rückkopplung ausgelöst wurde. Eine Selbstzerstörung ist im Gange, verursacht durch Lores Kommandoeingabe! Sollen wir sie aufhalten?»» fragte sie. ««Warten Sie einen Moment.»» funkte Ceagy zurück. Er betrat gerade das medizinische Labor. Bluefox stand immer noch in diesem Halter, Strike und Lore direkt daneben. Die leitende Ärztin erklärte ihrem Captain: «Ich habe etwas Angst davor, daß das Borgschiff zerstört wird. Ich weiß nicht, wie Andronus und Matt in Kombination darauf reagieren! Andronus wird sicher sterben, Matt vielleicht gleich dazu!» Ceagy konnte Strike gut verstehen, andererseits jedoch war dies die große Chance für die Föderation und die ganze Menschheit die Borg zu besiegen und nochmals mit einem blauen Auge davonzukommen. Zwar war die Flotte der Föderation nun wieder fast vollständig zerstört, aber die Schiffe, die zu diesem Zeitpunkt gebaut wurden, sahen schon um einiges vielversprechender aus als noch vor einem Jahr. Aber da war noch eine zweite Sache: Am Tag zuvor hatte sich Ceagy gegen seinen Captain entschieden, es hatte jedoch nicht geklappt mit dem Plan den Kubus in die Luft zu jagen. In dieser Situation jedoch war es offensichtlich, daß das Borgschiff endgültig zerstört würde und Bluefox nicht mehr an Bord war. Das hieß, Ceagy könnte sich voll und ganz auf die Rettung seines Vorgesetzten konzentrieren. Dennoch entschied er nicht für die volle Sicherheit seines Captains und befahl die riskante Variante: «Ich möchte nicht, daß die Borg diese Schlacht überleben, sonst hat die Menschheit keine Zukunft mehr. Womöglich haben wir als Crew keine Zukunft mehr, wenn unser Captain hier und jetzt sterben muß, aber die Menschheit überlebt und das ist mir noch viel wichtiger.» Er funkte an den diensthabenden Transporteroffizier: ««Transporterraum, hier spricht der Captain. Beamen Sie das Außenteam zurück.»» – ««Hier Whiteman, ich beame jetzt.»» Lore wendete ein: «Allerdings hätte es auch Vorteile, wenn wir Andronus und die Borg weiterhin studieren könnten.» Ceagy entgegnete jedoch fest entschlossen: «Ich bin diesmal nicht Ihrer Meinung. Die Borg müssen nicht mehr erforscht werden, denke ich. Wenn man einen Borg gesehen hat, hat man alle gesehen. Die Struktur dieses robotischen Bienenstaates wurde sicher schon vor gut dreißig Jahren erforscht, so gut dies möglich war. Mit unseren Erlebnissen, die wir jetzt gemacht haben, können wir ältere Forschungsergebnisse ergänzen.» Nach dieser Erklärung funkte der Captain an die Brücke: ««Brücke, setzen Sie einen Fluchtkurs, der uns mindestens 10'000 Kilometer von hier wegbringt. Ich will nicht in der Nähe sein, wenn dieser Apparat in die Luft fliegt.»» Der Befehl wurde bestätigt und sogleich drehte sich die Bluefox um 180 Grad und beschleunigte auf Überlichtgeschwindigkeit. – Im selben Moment begannen Funken zu sprühen von der Außenhülle des Borgschiffes! Das Feuerwerk wurde immer heller und plötzlich riß es den Kubus von der Mitte aus in Hunderte Stücke und ein kreisrunder greller Feuerball ließ den schwarzen Weltraum weiß werden! Einige größere Trümmerteile, insbesondere Gitterböden wurden mit horrenden Geschwindigkeiten ins Weltall geschleudert! Die Bluefox war genug weit von der Gefahrenzone entfernt und so konnte sich wenigstens die Brückenbesatzung der besonderen Einlage „erfreuen“.
Im Labor wurde es auf einmal hektisch! Bluefox begann zu zucken und zu stöhnen! Er versuchte sich mit beiden Händen am Geländer festzuhalten, aber immer wieder schleuderte es ihn durch den engen Raum des Halters. Er konnte sich nie richtig festhalten. Nachdem der Kubus vollständig desintegriert war, beruhigte sich Bluefox und stand wieder ganz ruhig da! Strike konnte die beste Nachricht seit Beginn dieser Mission melden: «Die Lebenszeichen des Captains sind stabil! Die Präsenz der Borg wird nirgendwo mehr angezeigt. Die DNA kehrt wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Theoretisch müßte er jetzt wieder der Alte sein!» Andrew Ceagy kribbelte der ganze Körper! Alles war gespannt auf den ersten Satz der blassen, kahlen und kalten Gestalt mit den vielen Implantaten am ganzen Körper. Strike fragte: «Wie geht es Ihnen, Captain?» Bluefox, oder der, der er nun war, schaute dem Doktor ins Gesicht und öffnete langsam den Mund. Er sprach langsam mit mehreren Pausen zwischen den einzelnen Worten, aber endlich ohne begleitende Stimmen: «Beinahe wie ein Mensch, der ganz leichte Kopfschmerzen hat.» Bluefox zog die Mundwinkel nach oben. Ceagy konnte es nicht recht fassen, daß Bluefox, kaum von den greulichen Borg befreit, bereits wieder lächeln scherzhafte Vergleiche kreieren konnte! Voller Freude rief Ceagy aus: «Das ist der Captain!» Strike informierte Bluefox: «Wir werden Sie in die Krankenstation rüberbringen. Es wird nicht allzu schwer sein die Implantate wieder zu entfernen. Sie waren nicht sehr lange im Kollektiv, daher glaube ich nicht, daß Sie irgendwas von diesem Zeug zum Überleben benötigen. Es kann vorkommen, daß Individuen, die mehr als ein Jahr im Kollektiv waren, einige Implantate brauchen, damit das Immunsystem und die Organe korrekt funktionieren.» «Matt, was ist Ihnen geblieben?» fragte Captain Ceagy, der nun also wieder Commander Ceagy war. Bluefox antwortete: «Ich glaube, ich erinnere mich an alles.» Diesen Satz konnte der Captain schon wieder ganz normal artikulieren. Bluefox machte eine Pause und schaute seinen Ersten Offizier intensiv an. Er lächelte wieder und fuhr fort: «Ich erinnere mich auch an eine brillante, an eine unorthodoxe Strategie eines Mannes, der mal mein Erster Offizier war.» Ceagy schüttelte den Kopf und war richtig stolz auf sich selbst! Er wußte, daß der Captain seinem Plan mit der Rettung wirklich hundertprozentig zugestimmt hätte!
Die Theorie des Doktors bewahrheitete sich. Ein Tag später war der Captain wieder auf den Beinen und schaute sich im Bereitschaftsraum bereits Missionslogbücher an. Er konnte es einfach mit der Arbeit nicht lassen. Er hätte sich ja auch zwei Wochen Urlaub nehmen können, aber das war reiner Pustekuchen. Bluefox sah es als täglichen Urlaub an bei seiner Mannschaft zu sein. Sein Schiff war seit einem guten Jahr sein wahres Zuhause. Und falls er mal doch an einem Wochenende so richtig ausspannen und allein sein wollte, dann konnte er auf eines der vier Holodecks gehen und sich dort erholen. Während dem Überfliegen eines alten privaten Logbuches aus dem ersten Missionsjahr läutete es auf einmal. Bluefox war sich jedoch gewohnt, während seiner Archivstudien von guten Freunden überrascht zu werden und rief freundlich: «Come!» – Er bat den Gast einfach mal englisch herein um die Abwechslung zu erhalten. – Andrew Ceagy, immer noch mit vier Rangabzeichen an seiner Uniform, trat ein und berichtete: «Sternenbasis Earth One hat uns benachrichtigt, daß alles bereit sei um die Bluefox zu überholen.» Bluefox wollte wissen: «Wie lange werden die Reparaturen dauern?» «Fünf bis sechs Wochen.» gab der Erste Offizier zur Antwort. – Da läutete es gleich noch einmal. Bluefox überlegte sich eine neue Grußformel und sagte schließlich: «Wer immer Sie sind, ich werde es erst erraten, wenn Sie drinnen sind!» Es dauerte einen Moment, bis sich die Tür öffnete. Ceagy konnte dies sehr gut verstehen! Da wird der Captain von den Borg assimiliert und einen Tag später kommandiert er das Schiff bereits wieder im Volldienst und bringt zudem noch derart seltsame Begrüßungsfloskeln, wenn man in seinen Raum gehen will. Es war übrigens Annika Valter, die hereinkam. Sie sprach: «Ich bitte von Bord gehen zu dürfen, Sir.» Bluefox entgegnete: «Erlaubnis erteilt, Commander. Sie haben sich als Erster Offizier bewährt! Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit und ein erfülltes Leben.» Valter dankte dem Captain, wandte sich Ceagy zu und sprach lächelnd: «Auch Ihnen noch eine angenehme Zeit auf der Bluefox. Jetzt können Sie mich also wieder ablösen.» Ceagy entgegnete beschwingt: «Mit Vergnügen, Commander!» Valter fügte noch hinzu: «Die Flotte wird in einem Jahr wieder ihre volle Stärke haben und das mit mehr als zwanzig Schiffen. Ich bin sicher, Commander, dann können Sie sich das Schiff aussuchen, das Sie kommandieren wollen! Leider wurden die Wineland und die Einstein ja zerstört.» Ceagy sagte nachdenklich: «Admiral Eagly und Admiral Morcher starben auf ihren Brücken. Das ist bedauernswert, aber ehrenvoll. Wir haben keinen Einsatzleiter mehr im Moment, aber es wird sicher jemand nachrücken.» Ceagys Ton veränderte sich merklich zur Gedankenäußerung an die Admiräle und er blickte Valter und Bluefox abwechselnd an, während er redete: «Und jetzt zu Ihrem ersten Thema, Commander: Alle sind bemüht mich zum Captain zu machen! Ich weiß überhaupt nicht, warum alle so ein Theater machen! Darum sage ich es jetzt nochmals offiziell. Mein voller Respekt an Sie beide: Für meine Karriere bin ich ganz alleine verantwortlich und ich muß meine persönlichen Entscheidungen schlußendlich selbst treffen.» Während seiner kleinen Rede hatte Ceagy zwar ein leichtes Schmunzeln auf den Lippen, aber er meinte es ernst. Es fiel ihm lediglich etwas schwer seinen eigenen Captain energisch anzufahren. Valter gab den beiden höchsten Offizieren des Föderationsflaggschiffes die Hand und verließ den Bereitschaftsraum. Nun waren der Captain und sein Erster Offizier wieder alleine. Ceagy informierte noch: «Kurs zur Sternenbasis Earth One liegt an, Captain.» Bluefox entgegnete in genau gleichem Tempo und Tonfall wie die Borg: «Machen Sie weiter! Nummer Eins!» Bluefox schien sogar noch Gefallen an der Sprechweise der Borg gefunden zu haben. Ceagy lachte nur und schüttelte den Kopf. Im Hinausgehen mahnte er Bluefox noch: «Vergessen Sie den Pokerabend nicht, Mister Kollektiv!» – Wieder alleine in seinem Raum erblickte der Captain auf dem Schreibtisch plötzlich ein mit alkalischem Brandy gefülltes Schnapsglas! Zwischen dem Glasboden und der Tischfläche eingeklemmt lag ein kleiner Handschriftzettel. Es stand mit schwungvoll geschriebenen, zusammenhängenden Buchstaben:
«An den Captain:
Hier ist Ihr alkalischer Brandy, eisgekühlt, 2°C! Prösterchen! – Judy Boeman.»
Bluefox mußte über die Kurznachricht in altmodischer Art
kurz lachen. Dann nahm er das Gläschen in seine rechte Hand und wollte gerade
ansetzen, als er plötzlich innehielt. Er stellte es wieder ab und stand auf. Er
schritt langsam zum schmalen hohen Fenster und schaute ein bißchen ins All
hinaus. Das machte er noch fast lieber als Brandy trinken. J
ENDE
[1] Steirer: Bewohner der Steiermark (Österreichisches Bundesland). – Steirisch = Aus der Steiermark.
[2] Hypothalamus: Medizinischer Fachbegriff für einen Teil des Zwischenhirns