RAUMSCHIFF BLUEFOX – NCC 1701-E

Folgen 11 und 12: Das Sprachrohr der Borg (1)

STARRING

Matthias Currat

ALS

Cpt. Matthew Bluefox

Andreas Kägi

ALS

Cmdr. Andrew Ceagy

Brent Spiner

ALS

Lt. Cmdr. Lore

Nicole Streich

ALS

Dr. Nicole Strike

Daniel Chollet

ALS

Lt. Cmdr. Danny Chollet

Tanya Steiner

ALS

Lt. Cmdr. Tanya Steaner

Ramon Baur

ALS

Lt. Ramon Boer

Stephanie Knecht

ALS

Cnslr. Steevy Knight

Fabian Blatter

ALS

Lt. Fabius Blater

Thierry Weidmann

ALS

Chief Thierry Whiteman

Isabel Schneider

ALS

Dr. Izy Snyder

Deborah Grossniklaus

ALS

Dr. Debbie Crossnicholls

Nadine Humbel

ALS

Lt. Nadine Humble

Judith Baumann

ALS

Lt. Judy Boeman

Monika Heusser

ALS

Lt. Monique Hewsser

Denise Werffeli

ALS

Lt. Denise Werwealy

Stefan Kägi

ALS

F. Stephen Ceagy

Patrick Streich

ALS

F. Patrick Strike

Jasmin Grossniklaus

ALS

F. Jazzy Crossnicholls

Sarah Bärtschi

ALS

F. Sarah Bearchy

Andrea Berger

ALS

F. Andrea Berger

GUEST STARRING / ACTORS IN A SECOND ROLE

Matthias Currat

ALS

Andronus

Annika Walter

ALS

Lt. Cmdr. Annika Valter

Lilian Egli

ALS

Adm. Lilian Eagly

Bruno Morger

ALS

Adm. Bruno Morcher

Diverse Schauspieler

ALS

Borgdrohnen


Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, Sternzeit 77996.3

 

««Nach den erfolgreichen Friedensverhandlungen mit den Romulanern, in denen wir erklärt haben, daß seit gestern restlos alle Fraktionen eigene Schiffsfarben besitzen, wurden wir in den Orbit von Stellaris 4 beordert. Die äußerste Kolonie der Föderation befindet sich hier. In wenigen Minuten wird uns Admiral Eaglys Schiff hier treffen. Es ist die U. S. S. Wineland. Der Admiral wird eine Borgspezialistin auf die Bluefox mitnehmen, Lieutenant-Commander Annika Valter. Sie wird uns bei Strahlungsmessungen auf diesem Planeten helfen und direkte Vergleiche zwischen einem Angriff vor neun Monaten auf eine Raumstation der Föderation in der Nähe der Neutralen Zone anstellen. Ich glaube immer noch, daß die Borg bereits im Alphaquadranten sind und einen Angriff oder eine Großassimilation planen. Für diese Mission haben wir auf der Erde vorgesorgt und einige neue Crewmitglieder auf unser Schiff gebeamt. Ich habe darauf geachtet, daß auch die neuen Personen bereits mit uns vertraut sind. Daher kann ich berichten: Fähnrich Stephen Ceagy, der Bruder meines Ersten Offiziers und Fähnrich Patrick Strike, der Bruder von Chefärztin Nicole Strike konnten für diese Mission begeistert werden. Beide haben vor wenigen Tagen ihr Offizierspatent auf Raumschiffen abgelegt und haben die Abschlußprüfungen der Sternenflottenakademie vorzüglich bestanden. Zusätzlich haben wir für die kommenden Missionen eine neue Chefingenieurin eingestellt und konnten somit Commander Lore auf die Brücke versetzen, weil wir ihn in unserem Kommandozentrum besonders in der kommenden Mission gut gebrauchen können. Die neue Chefingenieurin heißt Tanya Steaner und hat den Rang eines Lieutenant-Commanders. Sie kommt frisch von der U. S. S. Jackenboy. Ich habe vollstes Vertrauen in sie, weil ich sie bereits aus früheren Zeiten kenne. – Aber nun zurück zu der Angelegenheit mit den Borg: Es wird in Kürze ein Außenteam auf die Oberfläche von Stellaris 4 beamen und mit einer Besichtigung der Kolonie beginnen. Commander Ceagy, Commander Lore und Commander Chollet haben sich freiwillig zu diesem Sondereinsatz gemeldet. Ich hoffe selbstverständlich, daß wir es nicht mit den Borg zu tun bekommen werden. Da hätte ich sogar das Dominion, die Cardassianer oder Fraktion Sieben noch lieber getroffen.»»

 

Das Außenteam wurde von Chief Whiteman auf Stellaris 4 gebeamt. Auf der Oberfläche sah es kahl und grau aus. Ein harter Sandboden, viele kleinere und größere Steine und mittendrin ein voluminöser, unnatürlich aussehender Krater. Ceagy glaubte nicht, daß an so einem kahlen Ort eine Kolonie in der Nähe leben konnte. Er funkte kurz nach der Ankunft wieder an den Transporterraum: ««Ceagy an Whiteman: Chief, ich glaube nicht, daß wir hier richtig sind. Da ist nichts. Überprüfen Sie nochmals die Koordinaten.»» Nach einer kurzen Pause gab Whiteman zur Antwort: ««Ich habe die Koordinaten überprüft, Sir. Direkt vor Ihnen sollte sich die Hauptstadt befinden, wenn man das mit nur 800 Einwohnern überhaupt Hauptstadt nennen kann.»» – Ceagy staunte ins Leere. Dort, wo der Hauptort hätte sein sollen, gähnte eben dieser Krater!

 

Das Außenteam beamte wieder auf die Bluefox zurück und gab dem Rest der Seniorcrew auf der Brücke Bescheid. Inzwischen war auch die U. S. S. Wineland angekommen. Die Wineland war ein Schiff der Nebula-Klasse. Lilian Eagly, die Kommandantin der Wineland und des Captains persönliche Einsatzleiterin war zwei Jahre lang Klassenlehrerin von Bluefox und einem Großteil seiner momentanen Crew.

Adm. Eagly betrat mit Lt. Cmdr. Valter den Bereitschaftsraum. Bluefox erwartete sie dort bereits und begrüßte seine Einsatzleiterin: «Admiral Eagly, lange nicht mehr gesehen! Ich freue mich sehr ausgerechnet Sie als direkte Kommandantin in dieser Mission bei mir zu haben.» begrüßte der Captain die Admiralin mit einem Strahlen. Eagly entgegnete lachend: «Ach, Captain! Schmeicheln war schon immer Ihre Stärke.» – «Ich meinte es wirklich ernst!» bekräftigte Bluefox. Eagly sprach: «Also gut. Aber ich bin ja vor allem hier, um Ihnen einige Neuigkeiten über die Föderation zu erzählen. Zuerst etwas Personelles: Commander Ceagy wird ein lukratives Kommando angeboten.» Bluefox war geplättet! Er brachte langsam heraus: «Ein Kommando?» «Ja, die Aventicum wird frei. Er kann sie haben, wenn er will.» redete Eagly daher, als ware es das Normalste der Welt. Bluefox bemerkte beeindruckt: «Die Aventicum ist ein Superschiff.» Der Captain mußte sich erst mal in den Sessel hinter seinem Schreibtisch zurücklehnen und diese Nachricht realisieren, obwohl er nach außen nicht besonders bewegt wirkte. Die Admiralin informierte: «Der Commander wird von mir die Nachricht ebenfalls noch erhalten, aber ich glaube, ich kann ihn nur noch mit einer Subraumbotschaft erreichen. Ich muß wieder zur Sternenflotte zurück und allfällige Maßnahmen treffen, wenn die Borg wirklich kommen sollten. Sie erreichen mich wie immer über Subraum.» «Natürlich, Sir. Ich danke Ihnen für diese erfreulichen Informationen und wünsche Ihnen eine gute Heimreise.» schloß Bluefox die nette Unterhaltung ab und begleitete seine Vorgesetzte, die er im Dienst korrekt entweder mit „Sir“ oder „Admiral“, privat aber auch mal mit „Lil“ anredete, noch bis zum Ausgang des Bereitschaftsraums. Nachdem Eagly gegangen war, wollte Bluefox natürlich noch einiges von Lt. Cmdr. Valter über die Borg erfahren. Erst begrüßte er seine neue Spezialistin einmal: «Willkommen an Bord, Commander Valter. Ich habe erfahren, daß Sie Ihre Akademieabschlußprüfung im Wahlfreifach Kybernetik abgeschlossen haben. Das ist kein häufiges Fach.» – «Tja, jedem das Seine, wie man so schön sagt. Mich hat die Tiefe des Gebietes einfach überwältigt!» erklärte Valter. Bluefox fragte interessiert: «Haben die Borg Sie dazu veranlaßt Kybernetik zu studieren?» – «Eigentlich ist das nur wegen den Borg passiert. Sie sind zwar der langwierigste und der tödlichste Feind der Föderation, aber sie sind faszinierend! Ich bewundere die Borg, wie sie es geschafft haben ein kollektives Bewußtsein zu gründen und andere Materie, also auch Computertechnik, in ihr Kollektiv zu assimilieren. Sie werden vermutlich nicht aufgeben, bis sie die Perfektion erlangt haben, denke ich.» antwortete Valter. Bluefox sprach: «Und da wären wir nahtlos zu den Borg übergeschwappt. Sie haben Messungen auf der Raumstation bei der Neutralen Zone gemacht. Was haben Sie herausgefunden?» – «Es gibt magnetische Schwingungen mit einer Frequenz zwischen sieben und neun Megahertz. Aber die Hauptfrequenz, die wir dreimal identisch aufnahmen, betrug 7,9 Megahertz. Ich werde so bald wie möglich auf Stellaris 4 mit denselben Messungen beginnen. Ich bin gespannt, was mein Tricorder anzeigen wird.» meinte Valter. Bluefox entgegnete zuversichtlich: «Hoffen wir, daß die Frequenz nicht von den Borg kommt. Gibt es mehrere Rassen, die solch hohe Frequenzen verwenden oder gibt es andere Spezies, die eine magnetische Persönlichkeit besitzen?» fragte Bluefox. Valter mußte lachen, weil sie heimlich an den Androiden Lore dachte. Sie sagte schließlich: «Magnetische Persönlichkeit! Das ist gut! – Also ich kenne persönlich jedenfalls von meinen Forschungen her keine Spezies außer den Borg, die magnetische Wellen aussendet. Hingegen gibt es Disruptoren der Stufe M6. Diese Schußwaffen können eine sehr hohe Feuerfrequenz erzeugen.» – «Dann bleibt uns also nur noch die Hoffnung, daß die Klingonen mal wütend waren und ein bißchen ihre Massenvernichtungswaffe haben spielen lassen. In diesem Fall könnten wir wenigstens mit unserer gesamten Flotte einen Sieg erreichen, denn die Klingonen haben nun wirklich nicht viele neue, kampffähige Schiffe. Einzelne dieser Schiffe der B’rel-Klasse sind sogar noch aus dem 23. Jahrhundert!» erinnerte sich Bluefox. Beide schüttelten den Kopf und mußten kichern über die überholte Flotte der Klingonen. Bluefox wurde wieder ernst und meinte: «Also dann, wir sehen uns morgen. Berichten Sie mir dann über die Messungsergebnisse.» – «Aye, Sir.» bestätigte Valter und wollte den Bereitschaftsraum verlassen – die Tür öffnete sich bereits –, da stand Andrew Ceagy vor der Tür und wollte herein. Valter grüßte freundlich: «Guten Tag, Sir.» Ceagy entgegnete zu Valters Erstaunen: «Sie habe ich gesucht, Commander Valter!» – «Ach ja?» gab Valter lächelnd zurück. Ceagy nannte den Grund: «Ich wollte Ihnen Ihr Quartier zeigen.» Valter nickte Ceagy kurz zu und beide verließen den Bereitschaftsraum.
Im Turbolift fragte Valter Ceagy: «Sir, würden Sie mich heute Abend bei meinen Untersuchungen auf der Oberfläche unterstützen?» Nun war der Erste Offizier der Staunende! Er verneinte: «Was? Heute Abend? Nein, das machen wir morgen. Ich habe noch eine Pokerrunde für heute Abend angesetzt. Lore, Danny Chollet, Steevy Knight und Patrick Strike werden sich mit mir messen. Wenn Sie Lust haben, sind Sie uns auch willkommen.» – «Sie haben Recht, Sir. Wenn ich gut drauf bin, dann will ich immer alles aufs Mal erledigen. Diese Messungen rennen mir nicht davon.» sah Valter ein. Ceagy teilte Valter mit: «Ich habe für morgen sogar ein gesamtes Außenteam geplant. Neben uns beiden sind auch Lore und Chollet dabei.» – «Schön! Übrigens wäre ich sehr gern beim Pokerspiel dabei. Wann soll ich heute Abend zum Vergnügen und morgen zur Arbeit erscheinen?» fragte Valter. Ceagy gab zur Antwort: «Zum Vergnügen heute um 21 Uhr auf Deck 8 und zur Arbeit morgen früh um Sieben.» Der Turbolift hielt an und sie stiegen aus. Während sie dem Korridor entlangmarschierten, bemerkte Valter: «Ich habe gehört, daß es etwas ganz Besonderes ist an Bord dieses Schiffes Dienst zu tun.» – «Das stimmt. Ich könnte mir kein schöneres Schiff und keine bessere Crew wünschen.» entgegnete Ceagy. Sie schaute ihn komisch an und sprach verwirrt: «Sie reden ja davon, als würden Sie noch Jahrzehnte hier bleiben.» «Das habe ich auch vor! Warum fragen Sie?» erwiderte Ceagy nicht minder verwirrt. Valter legte psychisch ihr erstes Blatt bereits auf den Tisch, bevor physisch überhaupt gepokert wurde! Sie meinte: «Ich dachte, ich würde Ihren Posten übernehmen, Sir.» Ceagy runzelte die Stirn und fragte perplex: «Wie soll ich denn das verstehen?» – «Sie gehen doch weg, Sir. Hat man Ihnen nicht das Kommando über die Aventicum angeboten?» fragte sie ihn. Er erwiderte cool: «Würde ich gehen, dann wüßte ich dies wohl als Erster.» – Valter war sich der Sache bereits sicher, daß Ceagy sein Kommando auf der Aventicum annehmen würde, was aber genau nicht der Fall war. Ceagy erinnerte Valter, als sie die Tür von Valters Quartier erreichten: «Also, heute Abend um Neun auf Deck 8. Für gute Karten kann ich nicht garantieren. Lore gewinnt ohnehin Hälfte der Spiele. Sie kennen ihn vielleicht bereits.» Valter rutschte ungewollt der lustige Ausdruck des Captains im Bereitschaftsraum heraus: «Die magnetische Persönlichkeit. Verzeihung, Sir, diese Bezeichnung habe ich von Captain Bluefox geerbt, aber er hat damit nicht Lore gemeint. Ich habe den Zweiten Offizier kurz getroffen. Er gewinnt also die Hälfte aller Spiele, sagen Sie? Dann bleibt mir ja die andere Hälfte übrig!» – Die frischgebackene Mitarbeiterin der Führungsoffiziere auf dem Flaggschiff der Föderation verabschiedete sich nach dieser kecken Bemerkung von ihrem Vorgesetzten und betrat ihr neues Quartier.

 

Um 21 Uhr trafen sich tatsächlich alle eingeladenen Teilnehmer auf Deck 8 in der extra eingerichteten Pokerstube. Lore war der Geber und eröffnete die erste Runde. Die ersten drei Karten wurden offen und die letzten zwei verdeckt ausgeteilt. Der Stapel mit den restlichen Karten wurde im Zentrum plaziert und es konnte losgehen. Jeder Spieler hatte ein Startkapital von 5'000 simulierten Credits in Form von Spielchips. – Lore verteilte nun die Karten. Steevy Knight liebte es die Karten zu kommentieren. Da legte sie auch schon los: «Oh! Drei Buben blicken unseren frischgebackenen Fähnrich an!» sagte sie zu Patrick Strike. Dann erhielt sie selbst ihre Karten. Es waren zwei Siebener und ein Fünfer. Dazu sagte sie: «Auch nicht schlecht. Das kann immer noch ein Full House geben.» Andrew Ceagy erhielt sein Kartentrio. Knights Bemerkung kam prompt: «Potz Blitz, das ist weniger gut. Da muß noch was dazukommen.» Damit lag sie punktrichtig, denn Ceagy hatte drei verschiedene Farben und erst noch keine gleichen Zahlen. – Nun kam Annika Valter dran. Was sie bekam, sah vielversprechend aus: «Ein hohes Paar und eine hohe Einzelne. Das ist vielleicht eine Ausgangslage!» kommentierte Knight diese Karten. Danny Chollet bekam keine guten Karten. Sie waren beinahe identisch mit denen von Ceagy. Knight motivierte ihren Kollegen aus der Sicherheit: «Das wird schon noch!» – Lore selbst hatte zwar auch keine guten Karten, aber bei ihm, das wußten die Kollegen, konnte immer was passieren. Oder dann konnte Lore dies zumindest gut glaubhaft machen. – Als alle ihre beiden verdeckten Karten erhalten hatten, gab Strike den ersten Einsatz: «Zwanzig.» Er schob einen Zwanzigerchip in die Mitte. Alle außer Chollet gingen mit. Der Sicherheitschef sah keine Chancen und stieg bereits aus. Nun durfte sich jeder Spieler neue Karten vom Stapel ziehen und sein Blatt verbessern. Strike hatte immer noch diese drei Buben. Eigentlich ein Traumblatt für den Anfang. Ceagy, der zu Beginn wirklich keine Hammerkarten hatte, erhöhte frech um hundert Credits! Da passierte etwas, was Ceagy nicht für möglich gehalten hatte: Lore, sein erbittertster Gegner seit eh und je, stieg aus! Der Erste Offizier bemerkte verdutzt: «Ich faß’ es nicht!» Natürlich freute sich Ceagy über Lores Ausstieg und glaubte sich schon als Champion. Alle waren unheimlich angespannt und verfolgten nun den Dreikampf zwischen Ceagy, Valter und Strike. „Moderatorin“ Knight stieg in der eben gelaufenen Runde auch aus, nachdem Ceagy um so viel erhöht hatte. Ceagy setzte ein unglaublich cooles Pokerface auf und bot gleich noch einen Hunderter! Valter ging mit. Nun war Strike an der Reihe. Er sagte zu Ceagy: «Sie haben bestimmt ein „Full“, oder?» – Da wies Lore Strike zurecht: «Da Sie noch ein unerfahrener Spieler sind, mache ich Sie darauf aufmerksam: Es ist unanständig, wenn man sich nach den Karten des Gegners erkundigt oder sich über das Blatt des Gegners äußert, wenn es noch verdeckt ist.» Die Führungsoffiziere lachten herzhaft über Lores Art ab und zu kein Blatt vor den Mund zu nehmen, vor allem wenn er es noch extra ankündigte! – Patrick Strike war plötzlich total verunsichert. Er glaubte nicht mehr an sein Superblatt und dachte, Ceagy hätte bessere Karten bekommen. Nervös und nicht minder schweren Herzens sagte er: «Das wird mir zu teuer, ich steige aus.» Chollet konnte sich nicht beherrschen und fuhr Strike an: «Mit drei Buben? Das hätten Sie nie machen dürfen! Sie hatten ein Wahnsinnsblatt!» Der Sicherheitschef war nun noch mehr angespannt. Er wollte so gerne sehen, wie Ceagy mal eins aufs Dach bekam. Die gesamte Spannung stieg nun zum Höhepunkt! Ceagy setzte wieder seinen Standardhunderter. – Valter legte ebenfalls einen „Cento“ hin und forderte ihn auf: «Hier ist ihr Hunni, ich will sehen!» – Ceagy legte ganz sachte erst eine Karoneun hin. Dann eine Pikacht. Es folgte eine Kreuzsieben und darauf eine Karofünf. – «Der hat ein Straight Flush, Freunde!» kommentierte Chollet mit einer großen Sicherheit und winkte ab. Sollte es wieder nichts werden mit einer Niederlage von Andrew Ceagy? Inzwischen hatte Valter ihr hohes Paar, das von Steevy Knight ja bereits hoch gepriesen wurde, abgelegt. Es waren zwei Damen. Dazu legte sie noch einen Herzbuben. – «Full House!» kam es leise aus Knights Mund. Sie war sich ebenfalls sicher. Doch noch waren ja nicht alle Karten auf dem Tisch. Valter legte ihre beiden anderen Karten ab. Es waren zu Chollets und Knights Ernüchterung nur niedere Zahlen. Knight nahm die Hand vor den Mund und sprach: «Autsch, nur ein Paar.» Doch dann legte Ceagy seine letzte Karte ab. «Yeah! Sie hat ihn geschlagen! Ceagy hat geblufft! Juhu!» rief Chollet, total aus dem Häuschen. – Ceagy legte an diese schöne Zahlenreihe ein Pikas hin, das die ganze Straße zunichte machte und dem Ersten Offizier eine Nullnummer bescherte! – Patrick Strike schüttelte den Kopf und ärgerte sich über seine verpaßte Siegeschance. Er wußte, daß er noch viel zu lernen hatte, wenn er mit einem Kaliber von Ceagys Größe mithalten wollte. – Annika Valter hatte es irgendwie geschafft Ceagys Bluff zu durchschauen. Strike wollte von Valter wissen: «Wie haben Sie das gemacht?» Valter antwortete kichernd: «Das bleibt mein Geheimnis.» Sie freute sich köstlich über ihren Erfolg, der von den anderen Spielern sichtlich hoch eingestuft wurde. – Ceagy war nicht böse über seine Niederlage, sondern steckte sie scheinbar locker weg. Er argumentierte cool: «Das passiert nur, wenn man seinen Gegner noch nicht kennt. Bei Commander Valter hat mein Trick halt nicht geklappt. Noch nicht. Warten Sie nur ab, Annika!» – Nach dieser packenden Partie waren die Zocker plötzlich müde. Einige mußten am kommenden Morgen noch eine Frühschicht schieben, bevor es auf die Außenmission gehen konnte. Daher krochen die tapferen Pokerindianer sehr bald in die Federn.

 

Als Andrew Ceagy am nächsten Morgen aufgewacht war und sich seine morgendliche Schalldusche gegönnt hatte, zog er seine Uniform an, nahm Phaser und Tricorder mit und funkte gleich an Danny Chollet: ««Ceagy an Chollet: Sind Sie soweit, Danny?»» – ««Ja, Andrew. Mit Frühschicht heute Morgen bin ich schon richtig fit. Ich hoffe, Sie sind es auch ohne!»» funkte Chollet zurück. – ««Ich immer, Danny!»» meinte der Erste Offizier abschließend, schloß die Funkverbindung und machte sich sogleich auf den Weg zum Transporterraum.

Als Ceagy und Chollet im Transporterraum angekommen waren, wunderte sich der Erste Offizier und sagte zu Chief Whiteman: «Commander Lore und Commander Valter sind unpünktlich.» Whiteman gab zu Ceagys Verwunderung zurück: «Ich glaube, das Umgekehrte ist der Fall, Sir. Ich habe Commander Lore und Commander Valter schon vor einer Stunde auf die Oberfläche gebeamt.» – «Ah ja? Okay, dann beamen Sie uns jetzt runter.» Ceagy und Chollet standen auf die Transporterplattform und wurden ohne Kommando weggebeamt.

 

Auf der Oberfläche angekommen lief Ceagy sogleich zu Valter hin und fragte sie: «Warum sind Sie schon unten?» – «Der frühe Vogel fängt den Wurm! Wir haben unsere Messungen bereits abgeschlossen. Es bricht in den nächsten Stunden ein Gewitter herein und ich wollte vorher fertig sein.» rechtfertigte sich die Borgspezialistin. – Lore runzelte die Stirn und fragte Chollet, der direkt neben ihm stand, verwirrt: «Der frühe Vogel? Es gibt keine Anzeichen für fliegende oder wurmähnliche Lebensformen auf Stellaris 4.» – «So hat sie es auch gar nicht gemeint, Lore. Und jetzt gibt’s Ärger.» ahnte Chollet. – Und so war es auch. Ceagy stellte Valter prompt zur Rede: «Commander, ich mag es nicht, wenn Sie einfach runtergehen ohne mich vorher persönlich um Erlaubnis zu bitten! Zudem ist es verdammt gefährlich hier unten! Sie haben unnötig Ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Das können wir jetzt überhaupt nicht gebrauchen.» rügte er sie. – Ein kaum hörbares „Ja, Sir“ kam von Valter her. – Nach einer kurzen Pause fragte Ceagy: «Was haben Sie herausgefunden?» Valter antwortete, als wäre es ohnehin schon immer klar gewesen: «Die gleichen magnetischen Schwingungen wurden registriert. Mit anderen Worten: Es waren die Borg.»

 

Sofort kehrte der Außentrupp auf das Schiff zurück und erstattete dem Captain einen Bericht. Der machte sich sogleich auf in seinen Bereitschaftsraum und stellte Kontakt mit seiner Missionsleiterin her: ««Admiral Eagly, hier spricht Captain Bluefox.»» – Eagly fragte: ««Was gibt es, Captain?»» – ««Wir haben beunruhigende Nachrichten für Sie und den Rest der Sternenflotte. Es hat sich herausgestellt, daß tatsächlich die Borg „New Providence“ ausgelöscht haben. Machen Sie sich auf das Schlimmste gefasst, Sir.»» warnte Bluefox. Eagly erwiderte: ««Verstanden. Wir werden versuchen mit möglichst vielen Schiffen eine Blockade nahe der Erde zu errichten. Wir brauchen aber einige Zeit um die Schiffe aus den verschiedenen Missionen abzukommandieren und zusammenzutrommeln. Ihr neues Missionsziel ist es daher möglichst viel Zeit zu schinden, bis die Borg merken, was los ist. Am besten ist es, so leid es mir tut, wenn Sie die Borg aufsuchen und irgendwie unterhalten.»» – ««Aye, Sir. Wir geben unser Bestes. Möge die Rettung der Erde erneut gelingen. Die Borg haben uns vor dem Dominionkrieg genug zugesetzt.»» meinte Bluefox. ««Viel Erfolg, Captain. Eagly, Ende.»» sprach die Admiralin und schloß den Kanal. Der Captain wußte bereits von nun an, daß die kommenden Tage wohl die Härtesten sein würden, die er und die gesamte Mannschaft je erleben würden.

 

Eine Stunde später rief Andrew Ceagy alle leitenden Offiziere zu einer Sondersitzung in der Beobachtungslounge zusammen und verlautete: «Der Captain analysiert mit Commander Steaner zusammen die genaue Struktur von Borgkuben. Zudem wird nach allfälligen Schwachstellen gesucht. Natürlich hat die Föderation schon manche Würfel gesehen, aber wir wissen nicht, ob die Borg eventuell neue oder voluminösere Schiffe gebaut haben. Matt und Tanya schauen sich auch die Missionsberichte von Raumschiffen an, die nach der letzten Schlacht mit den Borg noch Schiffe gesehen haben wollen. Daher leite ich ausnahmsweise das Briefing. Ich habe Sie gerufen, weil uns vor einer Minute eine Nachricht vom Oberkommando der Sternenflotte erreicht hat. Ich spiele sie nochmals ab.» – Auf dem Bildschirm an der Front der Lounge war ein Admiral zu sehen. Im Hintergrund sah man das Logo der Föderation. Der Admiral ließ verlauten: ««Captain Bluefox, hier spricht Admiral Morcher. Wir haben vor zwei Stunden eine Nachricht vom Raumschiff Argovia erhalten. Der Captain sagte, er habe auf den Langstreckensensoren ein kubusförmiges Schiff entdeckt, das eine Länge, Höhe und Breite von mehr als einem Kilometer habe. Er ging auf Nummer Sicher und sagte, er werde wieder zum Oberkommando zurückkehren.»» Morcher machte eine Pause. Ceagy ahnte, daß dies nichts Gutes zu verheißen hatte. – Der Admiral fuhr fort: ««Die Argovia hätte eigentlich vor einer halben Stunde bei normaler Reisegeschwindigkeit hier eintreffen müssen. Wir können selbst mit den Langstreckensensoren noch nichts erkennen. Wir gehen davon aus, daß die Argovia nie mehr zurückkehren wird. Ich sende Ihnen im Anhang noch die Koordinaten, die Captain Hobson in seiner Nachricht durchgab. – Fliegen Sie unverzüglich dorthin. Morcher, Ende.»» – Ceagy fügte an: «Wir müssen alle nötigen Vorbereitungen treffen. Alles, was die Sicherheit von Schiff und Mannschaft angeht, übertrage ich an Sie, Commander Chollet. Commander Lore, prüfen Sie die alle Sensoren im Minutentakt. Ich möchte sicher sein, daß wir nicht überrascht werden. Doktor, Sie halten sich mit Ihrem Stab für viele Verletzte binnen kurzer Zeit gefaßt. Commander Valter, Sie helfen mir bei der Koordination der Teams. Lieutenant Blater, ich leite die Koordinaten des Admirals an Sie weiter. Setzen Sie dann sogleich Kurs.» Nach der Arbeitseinteilung fragte Ceagy abschließend: «Haben Sie noch Vorschläge? Eventuelle Spezialmanöver, Danny?» Der Sicherheitschef antwortete: «Ja, Andrew. Wir sollten die Schilde unbedingt boosten. Wir werden sicher ihren Traktorstrahl zu spüren bekommen.» Ceagy entgegnete: «Darum kümmere ich mich gleich selbst. Wirklich schade, daß wir Phaser und Schilde nicht gleichzeitig boosten können.» Valter meldete sich ebenfalls zu Wort: «Ich habe auch noch einen Vorschlag: Trennen Sie die Untertassensektion ab. Ein zweites Ziel könnte die Borg verwirren.» Doch Ceagy lehnte mit gutem Grund ab: «Nein, das geht leider nicht für diese Mission. Wir brauchen den Antrieb der Untertassensektion dringendst.» Da konterte Valter: «Ich denke, das sollte der Captain entscheiden, Sir.» Ceagy konnte vor der Menge nicht schon wieder auf Valter lospoltern, daher sagte er mit einer lieblichen, aber bestimmten Stimme: «Commander, ich werde dem Captain restlos alle Vorschläge unterbreiten.» Valter blickte nochmals zu Ceagy auf und verließ die Beobachtungslounge allein. Ceagy entschied sich die Besprechung besser gleich zu schließen: «Ich danke Ihnen, Gentlemen. „Let’s go to work“, wie es so schön heißt.» Chollet konnte sich ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen, als er Ceagy am oberen Ende des Besprechungstisches passierte. Der langjährige Kollege des Ersten Offiziers begriff dessen mißliche Lage sehr schnell. Das gefiel Ceagy zwar nicht besonders, aber Chollet hätte er nicht auch noch anpfeifen können. Dazu fehlte ihm einfach die Lust und er mußte sich ja auch noch auf diese harte Mission konzentrieren. – Nachdem alle Offiziere die Lounge verlassen hatten, hatte Ceagy endlich die Möglichkeit sein eigenes Verhalten nachzuvollziehen. Er kam zum Schluß, daß er sich von Valters gelegentlich provokativem Verhalten nicht jedes Mal anstecken lassen durfte, aber es war ihm ebenso klar, dass er sie eindämmen mußte. Er konnte bisher alles wegstecken, aber diese Annika Valter war, zumindest in dieser angespannten Situation, ein zu harter Brocken für ihn. Daher hoffte er, Counselor Knight könnte ihm helfen sich zu entspannen.

Sogleich besuchte er Steevy Knight in ihrem Quartier, das auch eine gute Beraterpraxis sein konnte. Ceagy schilderte Knight sein Problem ohne große Umwege: «Ich weiß nicht, warum ich so leicht erregbar bin in letzter Zeit. Einerseits bringt mich Commander Valter auf die Palme, aber an ihr alleine liegt es nicht. Es ist auch wegen meinem Kommando, das ich verschmäht habe. Ich bin irgendwie nicht mehr der Alte.» Knight entgegnete: «Die Dispute mit Commander Valter sind sicher nervenaufreibend. Aber Sie sind ja einer, der das gut schlucken kann, meinte ich. Stimmt das nicht?» Ceagy meinte verzweifelt: «Das ist es ja! Eigentlich dürfte mich das nicht aus der Ruhe bringen. Ich versuche locker zu bleiben, aber es geht nicht! Ich glaube, es ist vor allem das abgelehnte Kommando, das mich plagt.» Knight entgegnete mit simpler Logik: «Sie haben es sich doch selbst ausgesucht und sich für uns entschieden. Wenn Sie jetzt Gewissensbisse plagen, dann Sie stehen nicht zu Ihrer Wahl, die Sie vor wenigen Stunden getroffen haben. Vielleicht sollten Sie den Entscheid nochmals überdenken, sich viel mehr Zeit nehmen als nur ein paar Stunden. Wie wäre es mit einer Woche?» – Ceagy schloß das Thema mit folgender Meinungsäußerung ab: «Nein, ich bin wirklich gerne auf der Bluefox. Ich war immer der Meinung, daß ein eigenes Kommando zwar schön ist, aber es fordert doch auch stark. Hier hingegen ist es noch schöner! Ich glaube, in diesem Clinch werde ich wohl auch später sein, wenn man mir ein eigenes Kommando anbietet. Es ist jetzt das erste Mal, daher möchte ich für die Zukunft vorbeugen. Ich habe mich entschieden: Ich werde bleiben.» – «Schön! Dann sind Sie jetzt wieder lastfrei?» fragte Knight. Ceagy gab zur Antwort: «Fast. Jetzt muß ich nur noch die Sache mit Valter zurechtbiegen.» – Sogleich verließ Ceagy die Beraterpraxis.

Auf dem Weg zu seinem eigenen Quartier wurde er auf einmal angefunkt: ««Bluefox an Ceagy.»» – ««Hier Ceagy, sprechen Sie, Sir.»» erwiderte Ceagy. Bluefox fragte: ««Könnten Sie mal in meinen Raum kommen?»» – ««Ich bin unterwegs.»» antwortete Ceagy und drückte auf seinen Kommunikator um die Funkverbindung zu schließen.

Als der Erste Offizier den Bereitschaftsraum betrat, hielt er kurz inne, weil Annika Valter bereits auf dem Gaststuhl vor dem Schreibtisch des Captains saß. Ceagy ahnte sofort, warum Bluefox ihn zu sich und Valter gebeten hatte. Er mußte sich zusammenreißen. – Der Captain sprach gelassen: «Kommen Sie ruhig rein, Andrew. Nehmen Sie Platz!» Ceagy setzte sich in den zweiten Gastsessel neben Valter. – Wie er erwartet hatte, kam Bluefox auf Valters Plan mit der Untertassenabtrennung: «Commander Valter erzählte mir gerade, Sie hätten Bedenken wegen ihres Plans.» – «Das ist richtig, Sir. Ich halte es nicht für vertretbar das Schiff zu trennen. Wir würden 71 Prozent Impulsenergie verlieren.» entgegnete Ceagy. Bluefox nickte seinem Stellvertreter zu und erwiderte: «Ich bin Ihrer Meinung, Andrew, es ist noch nicht Zeit für dieses Vorhaben.» Der Captain plusterte seine Lippen kurz auf und fügte an: «Wir sollten jedoch Valters Plan in Reserve halten. Es könnte uns in einem Kampf eventuell das Leben retten. Leiten Sie alles für eine schnelle Trennung in die Wege.» befahl Bluefox. Ceagy bestätigte: «Ja, Sir.» In Valters Begleitung verließ er den Bereitschaftsraum. Beide betraten den gleichen Turbolift. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis Ceagy Valter barsch anfuhr: «Warum haben Sie mich übergangen?» Valter erklärte: «Ich hatte ja keine Möglichkeit! Ich finde es wichtig, daß wir eventuell eine Schiffstrennung vollführen müssen! Wie der Captain selbst sagte: „Es kann unser aller Leben retten“. Ich wußte, daß Sie Bluefox meinem Plan verschweigen würden, also habe ich den direkten Weg gewählt.» Ceagy polterte: «Seit Sie an Bord sind, wählen Sie den direkten Weg, Commander! Erst beamen Sie mit Commander Lore eine Stunde zu früh auf Stellaris 4 und dann kritisieren Sie mich derart offen in der Lounge vor all’ meinen Kollegen!» – «Die Bluefox ist nicht Ihr Schiff, Commander, aber die Aventicum könnte es bald sein!» konterte Valter. Ceagy, der sich in Ruf und Position gefährdet glaubte, wurde es endgültig zu bunt: «Ich sage Ihnen jetzt etwas und zwar für Ihre gesamte restliche Dienstzeit auf diesem Schiff: Wenn Sie mich noch einmal auf diese Art beleidigen, dann mache ich Sie so fertig, daß Sie denken, Sie wären Kadett im ersten Jahr!» Valter unterließ es dagegen noch etwas zu sagen und so fuhren beide stumm bis zu dem Deck, auf dem Valter ihr Quartier hatte. Unter der Tür meinte sie noch: «Immer auf Nummer Sicher gehen ist alles, was Sie können.» Ceagy stimmte Valter begrenzt zu: «Wenn es um die Sicherheit des Schiffes und der Crew geht, dann gehe ich auf Nummer Sicher, da haben Sie Recht.» Valter sprach: «Klar ist: Hier werden Sie immer im Schatten eines großen Mannes stehen. Wenn Sie sich dem Posten nicht mehr gewachsen fühlen, was ich stark vermute, dann sollten Sie jemandem Platz machen, der das kann.» Mit diesen Worten verschwand sie. Ceagy blieb mit offenem Munde im Turbolift stehen und konnte gar nicht mehr reagieren.

Andrew Ceagy hatte eine beinharte Zeit durchzustehen mit so einer ehrgeizigen, jungen Frau, die kein Blatt vor den Mund nahm, wenn sie ihm etwas mitteilen wollte. Ceagy dachte an Valters Karriere. Auch Valter hatte sich bestimmt durchboxen müssen, sonst wäre sie in einem so jungen Alter wohl kaum zum Lieutenant-Commander aufgestiegen. Ceagy mußte sich im Zaun halten und Valter tolerieren, denn er war nicht nur älter und erfahrener, sondern mußte sich auch so geben. Diese Aufgabe fiel ihm aber gut ersichtlich ziemlich schwer.

Zwei Stunden später wurde der Erste Offizier erneut vom Captain gerufen. Es wurde ihm aber gleich mitgeteilt, daß es nicht um Valter ging. – Ceagy betrat den Bereitschaftsraum. Bluefox rückte seine Uniform zurecht und erhob sich sogar. Er fragte Ceagy grinsend: «Andrew, was zum Teufel tun Sie denn noch hier?»

«Wie bitte?» Ceagy glaubte nicht recht zu hören. Bluefox sagte zu seinem besten Freund an Bord: «Man hat Ihnen die Aventicum angeboten, das wissen Sie doch?» Ceagy entgegnete: «Ich habe mich für die Bluefox entschieden und ich glaube auch, daß Sie mich gerade jetzt gut gebrauchen können.» – «Das stimmt, aber die Sternenflotte braucht nicht nur gute Erste Offiziere.» erklärte Bluefox. Ceagy wurde stutzig. Warum sagte der Captain so was? Er fragte ihn offen: «Wollen Sie, daß ich gehe?» Bluefox schüttelte den Kopf und antwortete: «Nein, nein. Ich will Ihnen nur klarmachen, daß Sie zum ersten Mal in Ihrer Karriere ein eigenes Kommando übernehmen können. Das haben Sie sich vor einem halben Jahr noch sehnlichst gewünscht! Sie können jetzt ohne Netz arbeiten, Sie sind in meinen Augen längst reif für ein eigenes Kommando.» Bluefox wollte Ceagy damit in erster Linie dessen Selbstvertrauen zurückgeben. Ceagy erklärte: «Es ist sehr verlockend, aber ich bin mir der Sache sicher. Ich habe mich entschieden. Diese Crew ist mir nach diesem ersten Jahr gemeinsam im Weltraum noch mehr ans Herz gewachsen. Viele von ihnen waren schon am Anfang gute Freunde von mir und Sie allen voran. Würde ich jetzt gehen, dann würde ich dies viel mehr bereuen, als wenn ich darüber nachdenke ein eigenes Kommando verspielt zu haben.» – Matthew Bluefox nahm Andrew Ceagys Worte immer sehr ernst und in diesem Moment war er sehr stolz auf ihn. Er meinte schmunzelnd: «Vielleicht war es doch keine so gute Idee mit der Aventicum. Ich habe dies als Weihnachtsgeschenk betrachtet. Aber vielleicht ist doch erst Sankt Nikolaus.» Im ersten Moment mußte Ceagy natürlich über Bluefox’ Witz lachen. Er verabschiedete sich wenig später vom Captain und ging in sein Quartier zurück. – Im zweiten Moment studierte er über diesen Witz des Captains noch eine Weile nach. Er sagte leise zu sich: «Sankt Nikolaus ist 19 Tage vor Weihnachten, also nicht mehr weit davon entfernt. Ist es bald schon so weit für mich? – Ach, komm, Andrew, wird noch abergläubisch und sei überhaupt nicht mehr bei der Sache.»

Nach einer halben Stunde wurden alle Brückenoffiziere ins Kommandozentrum aufgeboten. Der Grund wurde sogleich von Danny Chollet genannt: «Wir haben etwas Beunruhigendes auf den Langstreckensensoren. Soeben ist ein unbekanntes Objekt in Reichweite gelangt. Ich kann vorerst nur eine grobe Form erkennen. Sie hat mehrere Kanten.» Bluefox meinte überzeugt: «Das kann nur das Borgschiff sein. Lieutenant Blater, gehen Sie auf Abfangkurs.» Innerhalb von einem Augenblick auf den andern herrschte eine regelrecht beängstigende Stille auf der Brücke. Keiner sagte auch nur einen Ton. Lediglich das Piepen der Computertasten war zu hören, wenn Fabius Blater Kurskorrekturen vornahm. Da brach Andrew Ceagy sein Schweigen: «Dreißig Jahre. Eine lange Zeit ohne Borg. Die werden sich wohl sprunghaft weiterentwickelt und den Deltaquadranten längst zurückerobert haben.» Bluefox pflichtete Ceagy bei: «Das bezweifle ich in keinster Weise. Was hatte Admiral Morcher gesagt, Andrew? Wie lange war das Schiff, das die Argovia gesichtet hat?» – «Über einen Kilometer.» antwortete Ceagy. Es erklang leise, ja schier ängstlich aus Bluefox’ Mund: «Mein Gott.» Lore arbeitete nun an der Ops, weil Tanya Steaner ja seinen Posten im Maschinenraum übernommen hatte. Der Androide drehte sich zum Captain hin und steuerte noch etwas bei: «Der letzte Kubus, der vor dreißig Jahren im Alphaquadranten auftauchte, hatte Kantenlängen von bloß 802 Metern.» – Chollet, der sonst immer so optimistisch gestimmt war, staunte nur noch und bemerkte: «Das schaffen wir nie alleine. Ich bezweifle sogar, daß eine ganze Flotte so einen Kasten zerstören kann.» Blater informierte: «Ich glaube, es ist nicht mehr nötig einen Abfangkurs zu programmieren, Sir. Sie haben ihren Kurs geändert um uns abzufangen.» Bluefox befahl Blater: «Voller Stop!» Lore berichtete: «Die Langstreckensensoren liefern ein erstes Livebild. Ich bringe es auf den Hauptschirm, Captain.» – Die Spannung stieg auf den Höhepunkt! – Nach einem Computergeräusch schaltete das Hauptbild um und ein kleines Würfelchen inmitten vorbeirasender Sterne erschien. Es war grau und kahl. Keine Muster waren zu erkennen, zumindest nicht aus dieser Distanz. Ceagy scherzte: «Er ist so winzig!» Bluefox konterte ernst: «Warten Sie ab. Der wird noch so groß werden, daß er selbst mit einer zehnfachen Verkleinerung der Schirmanzeige noch die ganze Bildschirmfläche ausfüllen wird.» Der Captain versuchte für die Mannschaft die Größe eines Borgkubus zu definieren und das schaffte er auf eindrückliche Art und Weise.

Eine halbe Minute später befahl Bluefox Lore: «Commander, stellen Sie die Anzeige wieder auf realitätsgetreue Ansicht.» Lore meldete: «Das habe ich bereits, Sir.» Niemand auf der Brücke außer dem absoluten Realisten Lore konnte und wollte dies glauben. – Das Borgschiff hatte die Bluefox bereits erreicht!

In den nächsten Sekunden verschlang der Borgkubus die gesamte Sternenwelt und füllte den Bildschirm auf der Brücke vollständig aus. Bluefox befahl: «Verkleinern Sie die Anzeige um das Zehnfache.» Lore intervenierte: «Sir, ich müßte die Anzeige um das Siebzehnfache verkleinern um den Würfel vollständig anzuzeigen.» «Dann tun Sie das!» befahl Bluefox erregt. Ceagy fragte geplättet: «Wie konnten die so schnell fliegen?» Lore antwortete: «Sie flogen mit einer Geschwindigkeit von Warp 9,9986. Sie konnten die Distanz von zwei ganzen Lichtjahren in 52 Minuten zurücklegen.» Bluefox sprach staunend: «Das war gerade das schnellste Raumschiff, das ich in meinem Leben je gesehen habe.» Pilot Blater fragte in die Kommandorunde: «Was sollen wir jetzt tun?» Bluefox befahl: «Danny, aktivieren Sie erst mal die geboosteten Schutzschilde und alle Waffen inklusive Leuchtraketen und Notbaken.» Dann wandte sich Bluefox Ceagy zu: «Schicken Sie eine Subraumnachricht an Admiral Eagly: Wir haben Kontakt mit den Borg.» – Das im Vergleich kleine Föderationsraumschiff und der gigantische Borgwürfel standen sich nun direkt gegenüber. Das Borgschiff hatte Kantenlängen von je 1'280 Metern. Das Raumschiff der Galaxy-Klasse war 641 Meter lang, 145 Meter hoch und 560 Meter breit. Chollet berichtete: «Captain, man will Sie sprechen!» – «Mich persönlich? Öffnen Sie einen Kanal, Mr. Chollet.» entgegnete Bluefox und straffte seine Uniform. Er stellte sich vor: «Hier spricht...» – Weiter kam er gar nicht, weil auf einmal die Bildschirmansicht auf eine Innenansicht des Kubus wechselte und Kollektivstimmen der Borg ihn unterbrachen! Sie setzten seine Worte fort: ««Captain Matthew Bluefox von der U. S. S. Bluefox NCC 1701-E. Sie werden sich ergeben, die Schilde ihres Schiffes deaktivieren und an Bord unseres Schiffes beamen. Jeder Versuch unserer Forderung zu widersprechen wird scheitern. Sie werden von nun an an ausschließlich dem Kollektiv dienen. Jeder Widerstand ist zwecklos.»» Der Hauptschirm wechselte wieder auf die vorherige Ansicht. Bluefox staunte nicht schlecht darüber, daß die Borg seinen vollständigen Namen kannten. Er bemerkte lediglich: «Die kennen mich.» Auch Ceagy wunderte sich und nannte einen möglichen Grund: «Die Borg haben die Mannschaft der Argovia sicher assimiliert und mit ihr einen Großteil der Datenbanken der Sternenflotte. Dort kommen Sie bestimmt auch mal vor.» ­– Bluefox wollte sich gerade zu dieser Begründung äußern, als der Kubus plötzlich einen grünen gefächerten Lichtstrahl aussandte! Chollet warnte: «Captain, die Borg wollen nicht mehr warten, bis Sie rübergehen! Sie wollen uns mit einem Traktorstrahl festhalten!» – «Feuern Sie ohne Kommando!» befahl Bluefox mit eisernem Willen. – Mehrere kurz aufeinanderfolgende Phaserschüsse prallten auf den scheinbar undurchdringbaren Schutzschild des Borgschiffes, aber sowohl die Phaser als auch die gleich danach abgefeuerten Photonentorpedos nützten nichts! – Chollet berichtete: «Captain, das Borgschiff bleibt unbeschädigt.» – Da traf auf einmal ein schmal gebündelter Strahl die Untertassensektion und begann sich nach hinten zu arbeiten! Das ganze Raumschiff schüttelte es wild durcheinander! – Chollet rief: «Dieser weiße Strahl durchdringt einfach so unsere Hülle! Wir verlieren die Hüllenintegrität auf den Decks 8 bis 10!» – Da stürzte Wissenschaftsoffizier Stephen Ceagy und kullerte von der hinteren Wissenschaftsstation wie ein Kegel zum Hauptschirm hinunter! Bluefox befahl Andrew Ceagy: «Besetzen Sie den Posten Ihres Bruders!» – Andrew hastete zu Stephens Arbeitsstation. – Chollet gab eine weitere Warnung durch: «Sir, die Lage wird kritisch! Multiple Hüllenbrüche auf den Decks 7 bis 14 stehen bevor! Ich habe soeben die Meldung erhalten, Zehn-Vorne ist evakuiert.» Gleich nach Chollets Durchsage krachte und klirrte es auf der Brücke! Die Schutzscheibe für die Anzeige von Alarmstufe Rot auf der linken Seite Richtung Beobachtungslounge zerbrach in unzählige Stücke! Andrew Ceagy schrie nach vorne: «Verdammt! Wir haben keinen Stich!» Da ging Valter zur Ops hin und befahl Lore: «Lassen Sie die Frequenzen der Phaser im höchstmöglichen Bereich ständig wechseln. Ein Wechsel pro Sekunde wäre ideal.» – Lore führte Valters Befehl aus. Die Bluefox hatte nur noch Energie für die Lebenserhaltung, die Phaser und den Warpantrieb. Alle anderen Energiekonsumenten waren aus Rücksicht auf eben diese Systeme abgeschaltet worden. Die Bluefox feuerte sozusagen aus den letzten Rohren. In jeder Sekunde hätte die Energie für die Phaser versagen können. – Da traf eine Phasersalve in einer guten Frequenz genau ihr Ziel: Mitten in den Emitter des Traktorstrahls! Dieser fluktuierte und verschwand, ebenso der weiße Strahl! Erfreut und nicht minder überrascht über diesen Erfolg befahl Bluefox Blater sofort das Schiff mit Maximum Warp vom Würfel zu entfernen. – Die Bluefox beschleunigte in kürzester Zeit auf Überlichtgeschwindigkeit, doch das Borgschiff raste sogleich hinterher, was wiederum niemanden wirklich überraschte. Chollet informierte: «Die Borg kleben förmlich an uns und sie schließen noch näher auf!» Bluefox blieb nicht mehr viel zu befehlen: «Versuchen Sie mit allen Mitteln vor ihnen zu bleiben. Kein Waffeneinsatz mehr. Wir brauchen den kompletten Most für den Warpantrieb.» Lore ergänzte: «Und der wird voraussichtlich in zehn Minuten ausgegangen sein!» Der Captain durchfuhr seine vor kurzem geschnittene Igelfrisur und fand nur ein Wort für Lores Information: «Danke.» – Die Bedeutung dieses Wortes in diesem Kontext war für alle offensichtlich.

 

Eine Minute später befand sich die Bluefox immer noch in dieser Fluchtposition. Das Borgschiff sog sich immer näher an das Föderationsschiff heran. Stephen Ceagy, der inzwischen wieder die Wissenschaftsstation besetzt hatte, bemerkte: «Anscheinend können die Borg nicht mit voller Energie fliegen, sonst hätten sie uns schon längst überholt.» Bluefox war froh, daß die Borg auch mal etwas angeschlagen waren. Blater informierte den Captain: «Wir nähern uns dem Andromedanebel, Sir.» – «Fliegen Sie hinein und gehen Sie auf volle Impulsgeschwindigkeit zurück. Die Borg werden in diesem Gebiet sicher ebenfalls verlangsamen. In Nebeln der Mutara-Klasse ist der Einsatz des Warpantriebs aus natürlichen Umständen nicht möglich und die Leistung der Sensoren verringert sich um mehr als die Hälfte. Der Andromedanebel ist zum Glück ein Mutara-Klasse-Nebel.» erklärte Bluefox.

Das Raumschiff der Galaxy-Klasse tauchte förmlich in die violetten Nebelschwaden ein. Blater meldete: «Wir sind drin. Die Sicht verschlechtert sich rapide.» Bluefox lief zur Conn hervor und befahl dem Piloten: «Kurs halten. Wir fliegen direkt ins Zentrum.» Lore informierte den Cptain: «Die Borg warten unmittelbar vor der Nebelgrenze.» Bluefox war sichtlich erleichtert und meinte: «Gut. Solange sie dort warten, können sie niemandem schaden.» Der wieder in seinem Sessel sitzende Andrew Ceagy freute sich ebenfalls und bemerkte: «Jetzt können wir sogar unsere Schäden reparieren.» Der Captain erwiderte: «Stimmt, aber wie sollen wir gegen dieses Ungetüm da draußen vorgehen?» Ceagy gab zur Antwort: «Rufen wir doch mal alle Führungsoffiziere in der Beobachtungslounge zusammen.» Bluefox stimmte zu: «Arrangieren Sie das, Commander. Ich checke in dieser Zeit alle Decks und nehme die Schadensberichte ab.» Sogleich verschwand der Captain im Turbolift nahe des Bereitschaftsraums. Ceagy übergab Lore das temporäre Kommando und begab sich in die noch leere Beobachtungslounge um dort das Briefing vorzubereiten.

Eine halbe Stunde war es dann soweit. Der Captain eröffnete die Sitzung: «Danke, daß Sie trotz der momentan herrschenden Umstände alle kommen konnten. Commander Ceagy hat für uns kurz ein Video des letzten Gefechts geschnitten und die wichtigsten Szenen aufgezeichnet. Hier sehen Sie es.» – Ceagy aktivierte den Bildschirm an der Front und zeigte das Video. Er kommentierte das Geschehen: «Szenario: Unser Phaser trifft den Traktoremitter und der Strahl schaltet sich ab. Ich schalte immer ein Bild pro Sekunde weiter, dann sehen wir alles ganz genau.» Bluefox wandte sich Valter zu und fragte sie: «Commander Valter, haben Sie gewußt, daß ein ständiger Wechsel der Frequenzen etwas nützen würde?» – «Ich habe es geahnt, aber es kam mir auch erst im letzten Moment in den Sinn, entschuldigen Sie. Diese Methode ist aber keineswegs sicher. Wir hatten enormes Glück, daß bei dieser Salve Frequenz und Ziel perfekt stimmten. Das ist selbstverständlich nicht immer so und es verlangt enorme Präzision sowie Konzentration.» erklärte Valter. Andrew Ceagy drehte sich ebenfalls zu Valter hin und sprach: «Sie wissen einiges über die Borg und deren Schiffstypen, Commander. Dieses Schiff ist viel größer als die Kuben vor dreißig Jahren. Ist dies eine komplett neue Generation von Kubus oder nur eine Abart des traditionellen Würfels?» Valter erklärte: «Dies ist ein Kubus mit einem viel größeren Volumen, wie wir alle problemlos erkannt haben. Zudem ist er zu ungefähr neunzig Prozent mit einer zusätzlichen Schutzhülle umgeben. Diese Schiffsart ist auch als „Taktischer Kubus“ bekannt. Er ist vor allem auf hohe Geschwindigkeit und kompakte Verteidigung ausgelegt, daher auch die Schutzplatten. An der Feuerkraft wurde leider nur unwesentlich gespart.» Bluefox sagte zu Lore: «Sie haben ja die Phaser moduliert, Mr. Lore. Konnten Sie die goldene Frequenz speichern?» – «Ja, Sir. Ich werde sie gleich auf unsere Handphaser übertragen. Damit haben wir gute Chancen gegen die Borgdrohnen.» antwortete Lore. Der Einsatzleiter tippte die Frequenz auf seinen Tricorder und übertrug sie auf den Bildschirm an der Front. – Da hakte Ceagy ein: «Halt, das ist nicht so einfach!» Lore fragte stirnrunzelnd: «Warum nicht, Sir?» – «Wir müßten die gesamten Handphaser in ein höheres EM-Band verlegen um eine derart hohe Frequenz zu erzeugen. Das braucht viel mehr Energie. Wir können auf keinen Fall alle Handphaser modifizieren, aber ein paar schon. Ich schlage zehn Exemplare vor.» meinte Ceagy. Tanya Steaner meldete sich plötzlich: «Zudem müssen wir unsere Energie gut einteilen. Wir haben im Moment ohnehin keine überschüssigen Reserven. Die Reparatur der Hülle hat erste Priorität. Dafür brauchen wir einige Stunden. Die Arbeit an den Phasern können wir also noch nicht aufnehmen.» Bluefox nickte und sprach: «Das muß ich wohl oder übel akzeptieren. Wir sind gerade so schön beisammen, daher sollten wir noch eine Alternative ausarbeiten, falls die Borg nur mit dem Schiff angreifen und uns vielleicht gar nicht entern. Mir schwebt da gerade etwas vor: Können wir mit der Bluefox einen hochfrequenten Energieimpuls erzeugen?» Steaner antwortete: «Mit unserem Hauptdeflektor zwischen der Untertassen- und der Antriebssektion wäre es möglich. Damit könnte einerseits eine hohe Frequenz und andererseits eine hohe Energiemenge erreicht werden, aber wenn wir den Impuls senden würden, dann gäben die Schilde der Borg wahrscheinlich einen Feedbackimpuls an uns zurück und die Schilde der Borg sind sehr stark.» – «Was wollen Sie damit sagen?» fragte Ceagy, ahnend, was wohl Steaners Antwort sein würde. Sie sagte: «Der Feedbackimpuls würde unseren Deflektor braten und die gesamte Energie, die wir jetzt noch haben, wäre futsch.» Der Captain fragte die Chefingenieurin: «Können wir mehr Abstand zwischen uns und das Borgschiff legen und dennoch den gewünschten Effekt erzielen?» – «Wir müßten den ganzen Deflektor komplett umrüsten und die Sensoren neu justieren. Das würde einen vollen Tag in Anspruch nehmen, schätze ich.» – Bluefox schaute Richtung Panoramafenster, wo sich die violette Pracht des Andromedanebels offenbarte. – Nach einer kurzen Bedenkzeit entschied er sich wie folgt: «Wir reparieren zuerst gemeinsam die Hülle und dann arbeiten wir parallel an den Handphasern und am Deflektor. Solange die Borg da draußen auf uns warten, kommen wir problemlos voran. Falls uns die Borg jedoch zu früh irgendwie in Gefahr bringen sollten, hoffe ich zumindest, daß wir mit den wichtigsten Reparaturen fertig sind.» Er schritt ans andere Ende des Besprechungstisches und klopfte mit der geschlossenen Faust auf den glasierten Eichentisch. Er powerte seine Mannschaft auf: «Das muß jetzt einfach klappen, Mensch Meier! Das ist noch lange nicht das Ende!» Ceagy stimmte zu: «Der Captain hat Recht. Fangen wir sofort an, bevor die Borg es sich anders überlegen.» – Es vergingen keine fünfzehn Sekunden, bis sich die Lounge vollkommen geleert hatte.

 

Knapp zwanzig Stunden waren seit der letzten Sitzung vergangen und die wichtigsten Reparaturen sowie auch bereits die Modulation der zehn Handphaser konnten erfolgreich beendet werden. Man war seit einigen Stunden nur noch am Modifizieren des Deflektors beschäftigt. – Es gab wohl nur selten Momente, in dem Zehn-Vorne nur von einer Person heimgesucht wurde und diese eine Person erst noch die Barkeeperin selbst war. Judy Boeman kam hinter der Theke hervor und setzte sich auf einen der hohen Barhocker. Sie schaute aus den Panoramafenstern hinaus. Diese mysteriösen Nebelschwaden waren zwar eine beeindruckende Sehenswürdigkeit, aber sie bildeten sicherlich auch eine unheimliche Kulisse für eine eventuell kommende Schlacht oder auch die klassische Ruhe vor dem Sturm. Barkeeperin Boeman hielt es kaum für möglich, aber die große Tür öffnete sich und es kam jemand herein! Welch Überraschung, dachte sich Judy, denn es war der Captain. Judy sagte mit einem Schmunzeln auf den Lippen: «Ich dachte schon, ich müßte Ihren alkalischen Brandy selbst trinken! Den stelle ich nämlich jeden Morgen kalt und lasse ihn im Eisfach, bis Sie mal eine Dienstpause haben und sich nichts sehnlicher wünschen als Ihren Brandy.» Bluefox schnalzte mit den Fingern und entgegnete: «Das ist aber sehr nett von Ihnen, Judy! Dann hätte ich in dem Fall gerne einen alkalischen Brandy.» Der Captain lachte kurz. Boeman stellte ihm auf diesen heiteren Moment gleich eine bedrückende Frage: «Sie kommen aus einem bestimmten Grund hierher, nicht wahr? Denken Sie, es ist der letzte Drink?» Doch Bluefox antwortete wie aus dem Phaser gefeuert: «Nein, bestimmt nicht. Dennoch muß ich als Captain des Schiffes eine Tradition einhalten, der alte Kapitäne auf der See früher auch schon nachgekommen sind. Es ist Brauch, daß ein Captain jeden Winkel seines Schiffs inspiziert vor der großen Schlacht. So tue auch ich das. Meine Beine tragen mich fast von alleine durch die Decks und betreten jeden Raum, jede Jeffriesröhre, jeden Turbolift, einfach alles!» Boeman fragte: «Haben Sie ein Gespür für heikle Situationen?» Bluefox gab zur Antwort: «Nach einem Jahr als Captain auf der Bluefox neige ich tatsächlich dazu heikle Momente vorauszusehen oder zu spüren.» Beide schauten nun aus den riesigen Fenstern des Gemeinschaftsraums in die Weiten des Nebels hinaus. Da entluden sich plötzlich grelle Blitze im Inneren der Nebelwolken! Einer traf die Bluefox und brachte sie zum Erbeben! Der Captain funkte sofort an die Brücke: ««Bluefox an Ceagy: Was ist da oben los?» Die „Nummer Eins“ berichtete: ««Die Borg versuchen uns mit gezielten Energiestößen im Nebelinneren aus unserem Versteck zu jagen!»» Bluefox gab zurück: ««Ich komme sofort hoch. Wir halten die Position so lange wie möglich.»» Bevor der Captain bei der großen Tür zum Korridor angelangt war, drehte er sich nochmals zur Barkeeperin um und fragte sie schmunzelnd: «Wären Sie so freundlich und würden Sie den Brandy ein zweites Mal für mich kaltstellen, bis ich Zeit habe ihn vollständig zu trinken?» Boeman fragte zurück: «Zwei Grad?» – «Perfekt!» antwortete Bluefox und verließ die Bar endgültig.

Als der Captain auf der Brücke ankam, verlange er vom Sicherheitschef sogleich einen Schadensbericht. Chollet faßte zusammen: «Wir haben zum Glück nur geringe Schäden auf den Decks 27 und 32.» Andrew Ceagy machte seinem Vorgesetzten einen Vorschlag: «Wir sollten uns den Borg stellen. Irgendwann sind wir gezwungen diesen Nebel zu verlassen und dann sind wir sicher nicht mehr so gut beieinander wie jetzt noch.» – «Einverstanden. Steuermann, bringen Sie uns raus, wie Sie uns reingebracht haben. Erst voller Impuls, danach beschleunigen auf Maximum Warp.» befahl Bluefox. – Mit einem Schlag wuchtete die Bluefox mit Warp 9,7 aus dem Andromedanebel hinaus, das Borgschiff sofort wieder hinterher. Chollet warnte: «Captain, die Borg fliegen mit Warp 9,9. Sie kommen langsam näher!» Da traf der grüne Traktorstrahl des Borgschiffes die Untertassensektion und riß die Bluefox aus dem Warp! Auch das Borgschiff verlangsamte auf Impuls. Valter ärgerte sich lautstark: «Sie haben uns schon wieder am Haken!» – Da erklang ein Geräusch, das sich wie ein Transportvorgang anhörte! Und tatsächlich: Zwei Sekunden später standen zwei Borgdrohnen auf der Brücke! – Chollet zückte sofort seinen Phaser und feuerte auf einen der beiden Borg. Er traf sein Ziel genau. Die Drohne fiel zuckend auf den Boden und rührte sich nicht mehr. Aber da war ja noch der andere Gefährte, der sofort auf den Captain zuhielt! Andrew Ceagy stellte sich ihm in den Weg und wollte der Drohne auf die altmodische Art mit bloßer Faust eins überbraten, aber die kybernetische Lebensform reagierte clever und verpaßte Ceagy ihrerseits einen Kinnhaken! Der taumelte zurück und mußte sich an seinem Sessel festhalten. Auch der Sicherheitschef machte sich für einen Nahkampfeinsatz bereit, jedoch feuerte er erst nochmals einen Schuß aus seiner Waffe ab. Der Borg konnte den Angriff aber problemlos wegstecken, indem er einen grauen Schild um sich herum aktivierte, der die Energie des Phasers komplett absorbierte. Danny Chollet sprang über den geschwungenen Holzbalken oberhalb der drei Kommandosessel und landete direkt zwischen der Drohne und dem Captain, der in seinem Sessel ziemlich eingeengt war! Chollet holte zu einem Hammerschlag aus, aber auch er mußte mit der Unsanftheit des Borg Bekanntschaft machen und eine wuchtige Kopfnuß einstecken! Er stolperte rückwärts und fiel genau zwischen die Sessel des Captains und des Ersten Offiziers! Der Borg hatte nun also freie Bahn zu Bluefox, den er nach wie vor als Hauptziel im Visier hatte. Das Maschinenwesen packte den Captain an dessen Schulter und bohrte ihm auf brutale Weise zwei Röhrchen in den Hals! Bluefox schrie auf vor Schmerz und in dieser Stellung beamten sich beide von der Brücke! Im selben Moment löste sich der tote Borg bei der Ops auf. Ceagy und Chollet erholten sich blitzschnell wieder und besetzten in Windeseile ihre Stationen. Der Sicherheitschef berichtete: «Das Borgschiff entfernt sich mit hoher Warpgeschwindigkeit!» – «Verfolgung aufnehmen!» befahl der noch vom wuchtigen Hammer der Drohne benommene Erste Offizier. Lore warnte: «Commander, die Borg nehmen Kurs auf den Sektor 001.» Ceagy blickte zum Hauptschirm und bemerkte: «Die Erde.»

 

Auf dem Borgkubus herrschte eine graue, düstere Atmosphäre. Grüngelbe und weiße Lichter beleuchteten die Korridore beidseitig. Ebenfalls auf beiden Seiten der Gänge standen in Reih’ und Glied Regenerationskammern für die Drohnen, alle im exakt bemessenen Abstand. – Da kam ein Borg um die Ecke, gefolgt von Bluefox! Dahinter lief wieder eine Drohne. Der Captain wurde zu einem Verteilerpunkt eskortiert. Dort befanden sich mehrere Bildschirme. Alle zeigten Korridore im Borgschiff, links und rechts davon weitere Alkoven. Genau dort hielt der Dreiertrupp an. Bluefox schaute in einen großen Hohlraum. Er stand an einem Geländer. Von dort aus ging es hundert Meter in Länge und Breite, aber auch in Höhe und Tiefe. Unten befanden sich wieder Korridore und Alkoven. Immer dasselbe in Grün, respektive in Grau. Wenn man vom Geländer aus diese hundert Meter in die Ferne des leeren Raums blickte, herrschte gähnende, weiße, ja fast neblige Leere, durch die man kaum hindurchsehen konnte. Dem Captain schienen die unzähligen Korridoretagen mit den Alkoven hinter diesem „Loch“ viel weiter entfernt als bloß hundert Meter. Dieser Nebeleffekt war der Grund dafür. – Da rissen Bluefox mehrere gleichzeitig sprechende, forsche Stimmen aus dem Staunen über das Volumen dieses Schiffes. Sie sprachen, als wäre es eine einzige Stimme. Monoton. Männlich. – «Captain Matthew Bluefox von der U. S. S. Bluefox NCC 1701-E. Sie dürfen jetzt sprechen.» Doch Bluefox erwiderte mit einer ebenso festen, überzeugten Stimme und mit erhabener Haltung: «Ich habe Ihnen nichts zu sagen!» Das Kollektiv erklärte seine Motivation zur Entführung eines einzelnen Individuums: «Sie werden als Sprecher der Borg bei der Ankunft auf Ihrem Heimatplaneten eingesetzt. Die Menschheit sollte ein bekanntes Gesicht sehen und eine bekannte Stimme hören: Eine Stimme der Föderation.» – «Ich werde mich dem Kollektiv mit meiner ganzen Kraft entgegenstellen!» entgegnete Bluefox hart. Die Kollektivstimmen sprachen: «Kraft ist irrelevant. Wir sind Ihnen technologisch weit überlegen. Wenn Ihr Schiff versucht uns an diesem Vorhaben scheitern zu lassen, werden wir es zerstören. Die gesamte Menschheit wird uns dienen. Sie wird uns ergänzen mit ihrem Erfahrungsschatz und ihren technologischen Kenntnissen. Widerstand ist zwecklos.» Bluefox rief kopfschüttelnd: «Eher sterben wir!» – «Der Tod ist irrelevant. Unterwerfen Sie sich.» forderten die Borg. Doch der Captain wehrte sich und schrie: «Niemals! Wir werden siegen! Die Gerechtigkeit wird immer siegen! Sie sind für die unfreiwillige Assimilation sowie für den Tod von unzähligen Rassen verantwortlich!» – Während diesem Satz wurde der Captain von zwei Drohnen erst angeschubst und dann gewaltsam gepackt, als er nicht loslaufen wollte. Er hatte keine Chance und mußte sich fügen. Die Borg äußerten sich noch zu seiner Anschuldigung: «Wir töten keine Lebensformen, wenn sie sich uns ergeben und keinen Widerstand leisten. Wir geben ihnen die Möglichkeit, unter vielen Mitgliedern einer gleichen Spezies zu dienen.» Für Bluefox war diese Antwort absolut unbefriedigend und er beendete das Thema wie folgt: «Ja, aber dafür nehmt ihr ihnen deren Individualität und keine dieser Lebensformen hatte die Wahl sich für oder gegen eine Mitgliedschaft im Borgkollektiv zu entscheiden. Der Verlust jeglicher Einzigartigkeit geht mit dem Tod meiner Ansicht nach Hand in Hand. Und jetzt habe ich keine Lust mehr darüber zu reden. Ich habe Ihnen immer noch nichts zu sagen. Ende der Debatte.»

 

Derweil wurde es auf der Bluefox mit der Schiffsenergie aufgrund der Folgen der ersten Schlacht und dem Zwischenfall im Andromedanebel kritisch. – Blater meldete: «Commander, der Warpantrieb wurde beschädigt. Wir können diese Geschwindigkeit nicht mehr lange aufrechterhalten. Wir fliegen im Moment mit Warp 9,86 und das ist ohnehin schon über dem Grenzwert dieses Raumschiffes. Ich kann uns höchstens noch dreieinhalb Stunden im Kielwasser des Borgschiffes halten und deren Geschwindigkeit beträgt genau Warp 9,9. Die Borg müssen irgendwie auf Impulsgeschwindigkeit gebracht werden, sonst erreichen sie die Erde deutlich vor uns.» Valter schlug vor: «Ein Außenteam könnte dies vielleicht schaffen. Wenn wir ein paar Energieknoten zerstören, dann verliert das Borgschiff eventuell Geschwindigkeit.» Ceagy entschied sich, wohl das erste Mal, für Valter und sagte zu ihr: «Einverstanden. Sie, Lore und Chollet begleiten mich.» Doch Valter fragte Ceagy: «Bei allem Respekt, Sir, sollten Sie nicht auf dem Schiff bleiben, wenn der Captain nicht an Bord ist? Ich sollte besser das Außenteam führen. Ich kenne die Struktur eines Borgkubus zudem besser als Sie.» Ceagy negierte: «Nein, Commander. Die Sicherheit des Captains obliegt meiner Verantwortung. Ich führe das Außenteam und dabei bleibt es.» Da schaltete sich plötzlich Cnslr. Knight in die Auseinandersetzung ein, was äußerst selten war, wenn es um die Schiffsführung ging. Sie sagte zum Ersten Offizier: «Commander Ceagy, Ihr Platz ist auf der Brücke. Es wäre unklug, wenn Sie das Außenteam führen. Die Crew hat schon ihren Captain nicht mehr und es wäre ein noch größerer Verlust, wenn auch sein Stellvertreter nicht mehr hier wäre.» Ceagy hielt kurz inne, nahm nun doch wieder im Kommandosessel Platz und gab Valter einen neuen Befehl: «Commander Valter, Sie führen das Außenteam. Ich bleibe hier.» Die sichtlich überraschte Annika Valter anerkannte den Befehl mit einem einmaligen Kopfnicken und verließ die Brücke mit der angeordneten Begleitung.

Als die Mitglieder des Außenteams im Transporterraum angekommen waren, erhielt der ganze Trupp von Chief Whiteman Spezialphaser. Dr. Strike war von der Krankenstation auch noch hinzugestoßen. Der Transporterchef erklärte kurz die Funktionen: «Diese Handphaser wurden mit der Frequenz der Bordphaser programmiert, die zur Deaktivierung des Traktorstrahls führte. Sie können mit diesen Waffen maximal drei Schüsse abfeuern, bevor sich die Drohnen darauf einstellen.» Jede Person nahm sich einen modifizierten Handphaser und stellte sich auf die Transportplattform. Der Chief gab eine letzte Information ans Team: «Für den Transport wird unsere Geschwindigkeit kurz reduziert. Ich beame daher sofort.»

 

Zehn Sekunden später rematerialisierte sich das Viererteam in einem der vielen Korridore des Borgschiffes. Valter gab noch einmal die Missionsziele bekannt: «Ziel 1: Wir müssen Energieknoten finden und diese zerstören. Damit auf einem Schiff dieser Größe Reparaturen vorgenommen werden können, muß auf Impulsgeschwindigkeit verlangsamt werden. Das Kollektiv wird uns sofort als Gefahr ansehen, wenn wir die Energieknoten angreifen. Im Moment sind wir für die Borg ungefährlich und werden deshalb noch ignoriert. Schießen Sie also noch nicht. Ziel 2: Wir müssen natürlich unbedingt den Captain finden und ihn auf unser Schiff zurückbringen. Doktor, Sie scannen mit Ihrem medizinischen Tricorder ständig nach den Biozeichen des Captains, während wir uns hauptsächlich mit der Zerstörung der Energieknoten beschäftigen. Alles klar?» Alle nickten zustimmend.

Eine Viertelstunde später glaubte das Team nicht wirklich vorwärts gekommen zu sein. Man marschierte zwar immer durch verschiedene Sektionen, aber es sah Meter für Meter immer gleich aus. Ab und zu gab es eine Wegkreuzung, aber sonst hätte man sich glatt verirren können. Ohne Tricorderhilfe, versteht sich. – Da hatte Strike ein Signal auf ihrem Tricorder. Sofort meldete sie: «Commander, ich habe das Signal des Captains! Es befindet sich an einer Wegkreuzung, nur ein Deck unter uns. Wir müssen diesen Turbolift dort nehmen und dann noch zwei Kreuzungen passieren.» Sofort machte sich der Suchtrupp auf den Weg.

Alles klappte wie am Schnürchen und das Außenteam erreichte den von der Chefärztin angegebenen Ort zwei Minuten später. – Endlich änderte sich einmal etwas an der optischen Aufmachung des Schiffsinterieurs. Valter erblickte in einer Wand integrierte Schubladen mit Ziehgriffen daran. Strike meinte aufgeregt: «Hier müßte er sein. Das Lebenszeichen ist hier am stärksten.» Lore trat an die Wand heran und zog eine Schublade heraus. – Leer. – Er schob sie wieder hinein und öffnete das nächstuntere Fach. Was das Außenteam da drinnen sah, ließ die Hoffnung von hundert auf null absacken, denn in der Schublade befand sich nur noch die Uniform des Captains mit dem Kommunikator, der auch die Biozeichen aussandte. Danny Chollet bemerkte mit einem Zwangsgrinsen: «Ich finde Ihr Versteckspiel langsam nicht mehr witzig, Captain.» Valter hatte es bereits gesehen und forderte das Team auf: «Suchen wir also die Energieknoten.» – Kaum hatte die Teamleiterin dies gesagt, wurde sie auch schon fündig. An einer Wegkreuzung leuchtete an der Decke eine Konsole blau auf. Valter zeigte auf das Licht und informierte: «Das ist jetzt so ein Energieknoten. Er versorgt jedoch nur diese Sektion. Wir müssen noch mehr finden.» Sie zielte mit ihrer Waffe auf den Knoten und feuerte, aber komischerweise regte sich nichts. Valter schaute kurz zu Lore hinüber. Der verstand sofort und zielte auch auf den Knoten. Sie feuerten gemeinsam für einige Sekunden. Da explodierte der Verteiler tatsächlich und die grünen Lampen an der Decke erloschen! Nur wenige Sekunden später jedoch leuchteten sie wieder auf voller Stärke, denn die Borg schafften es bereits Energie aus den umliegenden Knoten abzuziehen und in die beschädigte Sektion umzuleiten. Der Knoten, den das Außenteam zerstörte, blieb jedoch außer Funktion. Valter informierte: «So, jetzt muß es schnell gehen. Sie werden uns jetzt angreifen. Wir müssen noch mindestens zwei weitere Knoten zerstören.» Wenige Meter weiter vorne trafen die vier Offiziere auf den nächsten Verteiler. Wieder schossen zwei Leute gleichzeitig, diesmal Chollet und Strike. Die Apparatur hielt dem Doppelfeuer nach fünf Sekunden nicht mehr stand und explodierte mit einem lauten Knall. Wieder erloschen die Lampen, wenn auch wieder nur kurz. – Auf einmal waren Geräusche zu hören, die sich wie das Klicken von Schnallen anhörten. Und da erschien auch schon eine Drohne, die sich mit diesem Geräusch aus ihrem Alkoven gelöst hatte. Valter drückte sofort die Feuertaste ihres Phasers. – Der getroffene Borg zuckte am ganzen Körper, taumelte ein paar Schritte rückwärts und knallte auf den harten Gitterboden. Ein weiterer Kollektivgenosse näherte sich dem Außenteam von rechts. Lore reagierte genug schnell und tötete die Drohne problemlos. Chollet konnte es nicht lassen und landete wieder einen seiner beliebten Sprüche: «Auf dieser Kreuzung gilt leider kein Rechtsvortritt!» Die Teamführerin funkte an das Mutterschiff: ««Valter an Bluefox: Es ist zum Kampf gekommen! Der Captain ist irgendwo hier drinnen. Wir haben die Uniform und den Kommunikator gefunden. Bisher konnten wir zwei Energieknoten zerstören. Mindestens einen müssen wir noch außer Funktion setzen, bis sie Priorität auf die Reparatur ihres Schiffes legen.»» – ««Hier Ceagy, ich habe verstanden. Machen Sie weiter!»» erwiderte der Erste Offizier und schloß die Verbindung wieder. Währenddem Valter mit Ceagy redete, feuerten Chollet, Lore und Strike je einen weiteren Schuß aus ihren Phasern ab und trafen ihre Gegner allesamt perfekt.
Es verstrichen lediglich drei Minuten, bis das Außenteam auf einen weiteren Energieknoten stieß. Sofort feuerten Valter und Lore auf den Verteiler, doch es geschah nichts! Chollet machte sich ebenfalls feuerbereit. Alle außer dem Doktor feuerten zusammen, bis der Apparat nach sieben Sekunden dem gemeinsamen Feuer nicht mehr standhielt und in die Luft flog. Wieder gingen die Lichter aus und diesmal bedeutend länger als vorher. Erst nach zehn Sekunden schaltete sich die Lichtanlage wieder ein. Lore bemerkte: «Das Licht hat sich um vierzig Prozent verringert.» Ceagy meldete sich: ««Das Borgschiff wird langsamer, gute Arbeit! Kommen Sie wieder zurück, wir brauchen Sie hier.»» – Gerade als Valter auf ihren Kommunikator drücken wollte um den Befehl zu bestätigen, rief Strike auf einmal zu ihr: «Commander, sehen Sie!» Der Doktor zeigte mit zitterndem Finger auf eine Drohne. Doch dies war nicht irgendeine Drohne, es war Matthew Bluefox! – «Mein Gott!» gab Valter mit dunkler Stimme von sich. Chollet konnte sich nicht beherrschen und rief kochend vor Wut: «Was habt ihr mit ihm gemacht, ihr Schweine?» Valter senkte den Kopf und schaute auf den grauen Gitterboden. Sie antwortete: «Sie haben ihn assimiliert. Er ist einer von ihnen.» Alle hofften, daß dies nur ein böser Traum war, aber das war es nicht, sondern die bittere Realität. Zum Resignieren blieb jedoch keine Zeit, denn eine ganze Armada von Drohnen marschierte auf das Außenteam zu! Sie strömten von allen Seiten herbei! Chollet jedoch war dies egal und rannte los! Er wollte zum Captain hin um den Borg in ihm zu deaktivieren. Er wollte ein Kabel herausreißen! Es gelang ihm irgendwie durch die anderen Drohnen hindurchzugelangen. Unmittelbar vor der Berührung mit Bluefox wurde der Sicherheitschef durch ein Kraftfeld zurückgeschleudert! ««Valter an Bluefox: Nottransport! Holen Sie uns sofort hier raus!»» rief Valter.

 

Chief Whiteman handelte sofort und holte das Außenteam gerade noch vor dem Unheil auf die Bluefox zurück. Er konnte zum Glück auch Danny Chollet erfassen. – Als die vier auf der Brücke ankamen, erwartete sie dort bereits ein sehr besorgter Andrew Ceagy. Er fragte sofort: «Und? Haben Sie den Captain gefunden?» Valter antwortete enttäuscht: «Ja, das haben wir.» Ceagy fragte verwirrt: «Warum sind Sie denn alle so niedergeschlagen?» Valter erklärte ihrem Vorgesetzten die Frustsituation: «Der Captain ist bereits assimiliert worden. Er arbeitet schon gegen uns.» Ceagy wurde es mulmig ums Herz. So mulmig, daß er sich zwangsweise in den Kommandosessel setzen mußte. Er konnte es ebenso wenig fassen wie die anderen Brückenoffiziere. – Da berichtete Monique Hewsser, die während der Außenmission für ihren Chef Danny Chollet an der Taktik eingesprungen war: «Commander, die Borg rufen uns.» «Auf den Schirm, Monique.» befahl Ceagy. Matthew Bluefox, oder das, was die Borg aus ihm gemacht hatten, war auf dem Schirm zu sehen. Er stand alleine vor einer Kommunikationskonsole und schaute in den Bildschirm. ««Captain?»» kam es aus mißtrauisch aus Ceagys Mund. Da begann Bluefox zu sprechen. Seine Stimme wurde von mehreren mit ihm sprechenden Borgstimmen verfälscht. Diese Kombination klang grauenhaft und furchterregend! Er sagte: ««Ich bin Andronus von Borg. Commander Ceagy, Sie und Ihre Mannschaft werden sich dem Kollektiv ergeben und ausschließlich uns dienen. Jeder Widerstand ist zwecklos. Ihr Wissen sowie Ihre Erfahrungen werden dem Kollektiv hinzugefügt. Sie werden Ihre Schutzschilde deaktivieren und auf unser Schiff beamen, Nummer Eins.»» – Andrew Ceagy staunte nur noch Bauklötze über solche Sätze! Wie konnte das überhaupt möglich sein? Zwei Nadeln in den Hals und schon wird eine Persönlichkeit ausgelöscht? Das konnte weder verstanden noch toleriert werden. – Da informierte Chefingenieurin Steaner per Funk: ««Maschinenraum an Brücke: Die Arbeiten am Deflektor sind beendet und der Energiestrahl kann abgefeuert werden. Wir können den Impuls aber nur bei Unterlichtgeschwindigkeit benutzen!»» – Ceagy stand vor einer verdammt harten Entscheidung. Sollte er nun versuchen seinen Freund und Captain mit allen Ressourcen auf die Bluefox zurückzuholen oder sollte er im Dienste der Föderation und der Menschheit die Erde vor einer Invasion bewahren? Ceagy hatte es in der Hand. Er konnte das Borgschiff zerstören und neun Milliarden Menschen auf der Erde das Leben, oder besser ausgedrückt, die Individualität retten und dafür seinen Captain opfern. Er konnte aber auch versuchen ihn zu retten. Das Borgschiff könnte aber wieder Warpenergie erlangen und die Erde assimilieren. Keiner wußte, wie lange die Borg keine Energie für ihren Warpantrieb hatten. – Ceagy erhob sich aus dem Kommandosessel und sprach langsam einen auf jeden Fall folgenschweren Befehl aus: «Feuer!»

 

 

TO BE CONTINUED IN THE SECOND SEASON . . .

 

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