RAUMSCHIFF BLUEFOX – NCC 1701-E

Folge 10: Katerstimmung

 STARRING

Matthias Currat

ALS

Cpt. Matthew Bluefox

Andreas Kägi

ALS

Cmdr. Andrew Ceagy

Brent Spiner

ALS

Lt. Cmdr. Lore

Nicole Streich

ALS

Dr. Nicole Strike

Daniel Chollet

ALS

Lt. Cmdr. Danny Chollet

Stephanie Knecht

ALS

Cnslr. Steevy Knight

Ramon Baur

ALS

Lt. Ramon Boer

Thierry Weidmann

ALS

Chief Thierry Whiteman

Fabian Blatter

ALS

Lt. Fabius Blater

Nadine Humbel

ALS

Lt. Nadine Humble

Isabel Schneider

ALS

Dr. Izy Snyder

Judith Baumann

ALS

Lt. Judy Boeman

Deborah Grossniklaus

ALS

Dr. Debbie Crossnicholls

Monika Heusser

ALS

Lt. Monique Hewsser

Denise Werffeli

ALS

Lt. Denise Werwealy

Jasmin Grossniklaus

ALS

F. Jazzy Crossnicholls

Sarah Bärtschi

ALS

F. Sarah Bearchy

Andrea Berger

ALS

F. Andrea Berger

GUEST STARRING / ACTORS IN A SECOND ROLE

Roland Peter

ALS

Cpt. Rowland Peter

Sepp Schneider

ALS

Cpt. Joseph Taylor

Hannes Morger

ALS

Cpt. Stephen Wish


Öffentliches Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, Sternzeit 77777.7

 

««Als ich am gestrigen Abend Zehn-Vorne besuchte, verschlug es mir buchstäblich die Sprache! Ich hätte niemals gedacht, daß ich von der Crew derart überschwenglich empfangen werde! Insbesondere Andrew hat wieder mal genau das gesagt, was ich mir niemals gedacht hätte. Er konnte es natürlich nicht lassen und hat ein paar Zitate gebracht, die mir mal entflogen sind. Es war wirklich eine tolle Feier und ich möchte mich mit diesem öffentlichen Logbuch noch einmal bei allen dieser Crew bedanken für diesen wunderbaren Abend! Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht und ich muß lange zurückblicken, bis ich eine Nacht finde, die so lang war wie die Letzte! Ich wundere mich nur über eine Sache: Hat Captain Rowland Peter mein Wiegenfest verschwitzt oder hat er etwas ganz Besonderes vor? – Und zum Schluß noch etwas: Ich denke nicht, daß dieser speziellen Sternzeit noch etwas hinzuzufügen ist.»»

 

Nach dieser sehr langen Feier von Cpt. Bluefox’ 47. Geburtstag hatte natürlich auch der eine oder andere aus der Bluefox-Familie zwei oder drei Zehntelpromille zu viel im Blut und dementsprechend war es dann auch am nächsten Morgen: Den meisten dröhnte der Kopf und es wäre diesen Leuten viel lieber gewesen gar nicht erst aufzustehen oder höchstens einen Rollmops zu essen und danach sofort wieder ins Bett zu steigen. Aber auch auf der Bluefox, dem seit kurzer Zeit offiziellen Flaggschiff der Föderation immerhin, war es in der eigenen Verantwortung am nächsten Morgen so fit zu sein um den Dienst normal absolvieren zu können. Wenn das wegen Unfähigkeit oder Unwilligkeit nicht der Fall war, weil ein bißchen zuviel gebechert wurde, dann mußte diese Schicht doppelt nachgearbeitet werden. Gerade die Führungsoffiziere mußten ein gewisses Vorbild abgeben für den Rest der Crew und gerade weil die Crew so klein war, mußte theoretisch jeder anwesend sein, da es sonst wirklich Engpässe geben konnte, die dann nicht kompensiert werden konnten.

 

Selbst nach so einem Abend wie dem Vorherigen gelang es allen Mannschaftsmitgliedern sich mehr oder weniger pünktlich zum Dienst zu melden. Dies gaben die jeweiligen Abteilungsleiter Lt. Cmdr. Lore, Lt. Cmdr. Chollet, Dr. Strike und Cmdr. Ceagy an Cpt. Bluefox weiter. Der lobte wiederum die Einstellung seiner kleinen, aber feinen Crew. Auch der Captain selbst hatte fast nichts zu tun, bis dann doch mal etwas geschah. Es kam gegen den Abend für ihn im Bereitschaftsraum wenigstens eine Nachricht herein. Er war aber auch froh, daß nichts zu tun war, denn so konnten sich er und seine Leute ideal ausruhen und auch die Pausen etwas verlängern. Als die Nachricht auf seinem Computer aufleuchtete, öffnete er sie und las halblaut mit:

««An die U. S. S. Bluefox, hier spricht Captain Stephen Wish von der Samihra. Sie hätten mich sicher schon am Gesicht erkannt, nicht wahr? Ich habe eine aktuelle Meldung, die Sie als Vertreter der Föderation sicher interessieren wird: Ich trete der Sternenflotte bei, Captain! Ich konnte mit dem Romulanischen Sternenimperium einen friedlichen Vertrag aushandeln, der es mir erlaubt, in den Diensten der Sternenflotte zu handeln, solange ich nichts über die Romulaner und deren Technologien und Strategien erzähle. Ich finde dies eine faire und vor allem machbare Sache und habe eingewilligt. Nun bin ich noch auf der Suche nach einem geeigneten Schiff für mich. Ich will es jedoch selbst führen, nicht bloß an Bord sein und keine Entscheidungen treffen können. Ich bin sicher, die Sternenflotte hat noch einen Platz frei für einen Mann, der diplomatisch und taktisch so viel Erfahrung hat wie drei Captains der Föderation zusammen! Nichts gegen Sie persönlich, Captain, aber Romulaner können sehr alt werden, wie Sie wissen. – Ich bin stolze 137 Jahre alt! Seit ich 52 Jahre alt bin, kommandiere ich Raumschiffe. Das sind bereits volle 85 Jahre Dienstzeit. Kein Mensch könnte jemals so lange bei vollen Kräften ein Raumschiff kommandieren. Gute und qualifizierte Menschen schaffen vielleicht gerade noch die Hälfte. Wenn Sie jemanden wissen, rufen Sie mich wieder. Also, bis dann. Wish, Ende.»»

Bluefox war sichtlich erstaunt über diese Nachricht! Stephen Wish sollte also der Föderation beitreten und sie unterstützen? Bluefox hatte dies jedoch nie bezweifelt. Er konnte bei Wish eindrücklich erkennen, daß die Romulaner gar nicht so schlimm sind, zumindest ein Teil von ihnen. Wish war ja sogar von einer menschlichen Mutter erzogen worden. Ob die wohl noch lebte? Als sich Bluefox diese Frage stellte, mußte er lachen. Welch dummer Gedanke, dachte er sich. Woran der Captain aber mehr studierte, war das Schiff, wonach Wish suchte. Gab es denn noch freie Stellen? Ein potentielles Schiff kam ihm in den Sinn. Er sagte leise zu sich: «Die Jackenboy ist schon seit mehreren Wochen ohne ernsthafte Missionen im Einsatz und treibt eigentlich nur sinnlos im All herum. Es ist ein gutes Schiff und man könnte damit einiges erreichen. Ich werde Joseph Taylor mal kontaktieren.» – Gesagt, getan. Er tippte also die Frequenz der U. S. S. Jackenboy ein und wartete auf eine Antwort. – Da kam sie auch schon: ««Hier spricht Captain Taylor von der Jackenboy. Du wolltest mich sprechen, Matt?»» sprach Cpt. Taylor. ««Hallo Joseph, so ist es! Schön dich zu sehen! Ich habe eine Nachricht empfangen von einem gewissen Captain Stephen Wish. Er ist ein Romulaner und gerade frisch vom Sternenimperium in die Sternenflotte gewechselt. Jetzt sucht er einen geeigneten Posten als Schiffsleiter. Das Oberkommando hat festgestellt, daß dein Schiff in den letzten sieben Wochen ganze zweimal das Dock verlassen hat und momentan ohne Auftrag im All schwebt. Ich will dir ja nichts übelnehmen, aber Captain Wish könnte mit deiner Crew, die ja doch relativ groß ist, Schulungen über Taktik und Diplomatie durchführen. Das sind seine Stärken. Er ist bei den Romulanern stolze 85 Jahre Captain gewesen. Erfahrung hat er sicher genug. Soll ich ihn fragen, ob er sich mit dir treffen sollte?»» fragte Bluefox. Sternenflottencaptains waren untereinander in der Regel per du. Taylor entgegnete: «Ein Romulaner auf meinem Schiff? Das ist ja was ganz Neues. Jetzt schicken sie schon Spitzel direkt auf unsere Schiffe. Glaubst du wirklich, daß der aus Überzeugung die Seiten gewechselt hat?» Bluefox meinte: «Du weißt, daß ich keine Vorurteile mag und daher auch keine mache. Ich finde, wir sollten ihm eine Chance geben und schauen, ob er wirklich freien Willens ist. Ich habe mit ihm Verhandlungen geführt. Er hat eine menschliche Mutter gehabt. Die ist jetzt sicher schon in den ewigen Jagdgründen.» – Bluefox mußte wieder lachen bei der Erwähnung von Wishs toter Mutter. Er fand diesen Gedanken einfach komisch, daß es Körper, Nerven und Gehirne gab, die eine doppelt oder dreimal so hohe Lebenserwartung hatten wie normalsterbliche Organe. Selbst für einen Menschen des späten 24. Jahrhunderts schien es einfach fern von jeglicher Realität, daß so etwas nur schon rein biologisch möglich war. – Taylor entgegnete auf Bluefox’ Appell hin: «Also schön, sage ihm Bescheid, er könne mal vorbeikommen, obwohl ich nicht so erpicht darauf bin einen Vertreter einer Spezies zu sehen, der wir seit über einem Jahrhundert nie trauen konnten und mit der wir eigentlich mehr oder weniger verfeindet sind.» – «Schön! Ich glaube, wir sind einem Frieden mit den Romulanern so nahe wie noch nie! Es haben ja vor einem halben Jahr sogar Verhandlungen stattgefunden. Natürlich gibt es noch einige Kriegsfreunde, aber wenn diese langsam begreifen, daß der Trend anders ausschlägt, dann werden sie sich auch überlegen gegen eine plötzliche Übermacht von Friedensfreunden anzutreten. Wenn ich noch ein persönliches Beispiel abgeben darf: Captain Stephen Wish und seine Crew auf dem Romulanerschiff haben uns das Leben gerettet, als wir gegen einen Asteroiden geprallt sind und uns das Wasser wirklich bis zum Kopf stand, respektive die Lebenserhaltung bis zum obersten Deck nach und nach versagte. Ohne ihn wären ich und meine ganze Crew – Lore mal ausgenommen – tot. Lore allein hätte uns nicht herausbringen können. Die Systeme waren alle im Eimer. Wäre Wish ein Kriegsfreund, dann würde ich jetzt nicht mit dir reden.» Taylor schwieg plötzlich und nickte zustimmend. Er begriff, wie sich das Verhältnis zwischen den Menschen und den Romulanern verändert hatte. Er bemerkte lediglich: «Ich erwarte den Mann. Er ist willkommen auf der Jackenboy. Wir werden das dann regeln mit dem Kommando. Du kannst gerne dem Gespräch beiwohnen und als neutrale Partei fungieren, Matt.» Bluefox nickte ebenfalls und meinte abschließend: «Das werde ich gerne tun! – Bluefox, Ende.» Trotz der Katerstimmung, die im Moment auf der Bluefox herrschte und von der auch der Captain selbst nicht verschont blieb, mußte also auch noch eine Außenmission in Angriff genommen werden. Auch Bluefox mußte sich wirklich zusammenreißen und seinen eigenen Schweinehund überwinden. Ginge es nicht um einen weiteren Akt des Friedens zwischen Romulanern und Menschen, wäre er wohl in seinem Sessel wenig später eingeschlafen. Er hatte auch das eine oder andere Gläschen zuviel gehabt am vorigen Abend. Der alkalische Brandy floß für einmal in bedeutend rauheren Mengen, da dieser Anlaß außerdienstlich war. Im Nachhinein wünschte sich der Captain nichts sehnlicher, als daß dieser Abend dienstlich gewesen wäre.

 

Als Bluefox die Brücke betrat, sah er viele übermüdete Gesichter. Auch sein Erster Offizier im Kommandosessel sah nicht so aus wie sonst. Ceagy durchfuhr mit der rechten Hand seine kurzen braunen Haare, die immer perfekt gekämmt, doch diesmal wirr und ungeordnet seinen Kopf schmückten. Als er den Captain bemerkte, erhob er sich mühsam aus dem tiefen Sessel und machte Platz. Es wurde ihm schwindlig und er mußte sich sofort wieder in seinen eigenen Sessel setzen, damit es ihm vor den Augen nicht noch schwärzer wurde. Eine Ohnmacht hätte er nun wirklich nicht gebrauchen können. – Bluefox befahl Pilot Blater: «Mr. Blater, setzen Sie einen Kurs auf die Koordinaten der U. S. S. Jackenboy, Warp 3.» – «Kurs gesetzt, Geschwindigkeit in zwei Sekunden erreicht.» bestätigte Blater. Da äugte Chollet von der Taktischen Station aus zu den beiden Schiffsverantwortlichen in den Kommandosesseln hinunter und fragte sie: «Warum fliegen wir zur Jackenboy?» Der Captain gab zurück: «Ein Romulaner macht Karriere, Commander. Reicht Ihnen das?» – «Ich lasse mich überraschen!» antwortete der Sicherheitschef, noch relativ heiter klingend. Ramon Boer an der Ops bemerkte dies und fragte Danny Chollet: «Wie lange haben Sie denn gestern gefeiert?»

«Nun, ich war sicher auch bis ungefähr zwei Uhr in der Früh’ dort, aber ich habe keinen Alkohol zu mir genommen, weil ich wußte, daß es eventuelle Ausfälle in den Schichten geben könnte. Und ich bin ja schließlich als Führungsoffizier zum pünktlichen Dienst noch stärker verpflichtet als die anderen Crewmitglieder. Insgeheim bin ich auch froh, wenn der eine oder andere nicht erscheint. Ich habe dann nämlich irgendwann einmal frei und diese Person darf für mich noch einmal eine Schicht absolvieren.» Während Chollet diesen Satz sprach, zog er ein breites Grinsen auf. Boer schmunzelte ebenfalls und meinte: «Genau das habe ich mir heute auch vorgestellt! Hoffentlich kann auch ich davon profitieren. Wenn nicht, dann mache ich es ja immer noch für das Schiff und das ist ja ohnehin nie vergebens.» Matthew Bluefox bemerkte erfreut über diese Wortmeldung des Wissenschaftsoffiziers: «Ich begrüße Ihre Einstellung zum Dienst auf der Bluefox, Lieutenant. Weiter so!»

 

Vier Stunden später – die Stimmung auf der Bluefox war an einem kritischen Punkt angelangt – erreichte das Flaggschiff der Sternenflotte die U. S. S. Jackenboy. Cpt. Joseph Taylor erwartete seinen Kollegen Bluefox bereits, denn auch Cpt. Stephen Wish und seine Samihra waren bereits eingetroffen. – Matt Bluefox machte sich sofort auf den Weg zum Transporterraum. Als er die Tür seines Ziels erreichte, öffnete sich diese automatisch. Wie immer. Um so mehr verwunderte es Bluefox, daß kein Knochen auf dem Posten war um für einen eventuellen Transport im Einsatz zu stehen. Bluefox schüttelte den Kopf und befahl dem Computer zynisch: «Computer, wenn du nicht auch eins über den Durst getrunken hast, dann wärst du bitte so frei und würdest mich in den Transporterraum der Jackenboy beamen? Danke schön.» – «Koordinaten erfaßt. Transport wird initialisiert.» antwortete die langweilig klingende Stimme des Computers.

 

Wish und Taylor standen zu Bluefox’ Empfang im Transporterraum der Jackenboy bereit. Als sich Bluefox rematerialisierte, begaben sich alle drei Captains ohne Federlesens direkt zur Beobachtungslounge. Dort angekommen eröffnete Matthew Bluefox die Sitzung: «Die Spitzen der örtlichen Parteien, bei denen ich mich hiermit noch offiziell bedanke, sind zusammengekommen um die Situation zu besprechen. Ich für meinen Teil als neutrale Partei kann noch beisteuern, daß die Jackenboy bisher fast keine Missionen geflogen hat und folglich mehrheitlich dienstfrei im All herumtreibt. Warum die Sternenflotte nicht interveniert hat, kann ich leider auch nicht mit Bestimmtheit begründen. Soviel zu den Fakten. Sie können jetzt beginnen.» Wish ergriff sofort das Wort: «Nun, Captain Taylor, wie Sie sehen, bin ich kein Verbrecher. Ich bin jetzt ein Mitglied der Sternenflotte und würde ihr gerne wertvolle Dienste erweisen. Am besten könnte ich dies als Captain eines Raumschiffes im praktischen Einsatz tun. Meine 85jährige Erfahrung dient dabei als ideale Basis zum Aufbauen.» Taylor konterte: «Okay, Sie werden hier also Captain. – Schön und gut. – Aber was werde ich dann tun? Soll ich Ihr Erster Offizier werden oder soll ich mich schon zur Ruhe setzen? Ich bin erst 57 Jahre alt und somit noch über zehn Jahre diensttauglich! Es ist auch mein Wunsch, daß ich in der kommenden Zeit ein Schiff führen kann, denn auch ich verfüge über eine große Kommandoerfahrung. Es wäre schade für die Föderation, wenn sie mich verlieren würde an einen Mann, der gerade frisch zur Föderation gestoßen ist und unsere Regeln, Protokolle und Schriften noch so gut wie gar nicht kennt. Im Moment ist kein anderes Schiff frei, das einen Kommandanten braucht. Alle Posten sind besetzt. Ich wäre also arbeitslos!» Der Romulaner versuchte ruhig die Situation zu erklären. Er war sich nicht gewöhnt, daß Menschen so hartnäckig sein konnten in Sachen Vorurteilen gegenüber fremden Leuten oder fremden Spezies. Er argumentierte: «Hören Sie, Captain, ich bin keiner von denen, die Krieg mit der Föderation wollen. Es gibt zwei verschiedene Sorten Romulaner. Und wenn Sie das nicht verstehen wollen, dann seien Sie doch bitte einfach offen! Ich werde nun also meine Karriere in der Sternenflotte beginnen und für die Föderation arbeiten. Wenn auch nur das Allerwenigste von mir ausgehen wird, falls es zum Krieg kommt, dann können Sie mich zum Tode verurteilen. Das schwöre ich beim eigenen Leben.» Bluefox griff in die Diskussion ein: «Meine Herren, die Todesstrafe ist seit mehr als einem Jahrhundert ohnehin kein Thema mehr. Captain Wish, ich habe mit Ihnen schon verhandelt und Sie haben mir und meiner Crew im Andromeda-Asteroidengürtel das Leben gerettet. Ich kenne Sie und Ihre wahren Absichten.» Bluefox wandte sich zu Taylor und sprach: «Joseph, du kannst diesem Mann hundertprozentig vertrauen. Da gibt es keine Finten oder sonstige Geheimnisse. Das Problem ist lediglich, daß für dich keine Stelle offen sein wird, wenn du deinen Posten auf der Jackenboy aufgeben würdest. Ich biete dir daher folgenden Deal an: Du kannst auf der Bluefox als Erster Offizier arbeiten, bis eine Lösung gefunden ist.» – Taylor überlegte kurz und schaute Wish nochmals in die Augen. Er legte viel Wert auf Bluefox’ Meinung und dessen diplomatische Erfahrung. Schließlich nickte Taylor zustimmend und erwiderte: «Also gut, das ist eine akzeptable Lösung. Damit kann ich leben. Captain Wish, ich übergebe Ihnen mit sofortiger Wirkung das Kommando der U. S. S. Jackenboy und gratuliere Ihnen dafür. Dringen Sie in unbekannte Gegenden im Weltall vor, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist!» – Bluefox klatschte Beifall. Er war wirklich froh, daß dieses Problem vorläufig vom Tisch war. Das Publikum bildete Bluefox allein, aber der Beifall kam von Herzen.

 

Als auch die schriftlichen Formalitäten erledigt waren und sich Stephen Wish eine rote Sternenflottenuniform mit vier goldenen Rangabzeichen am rechten Halskragen übergestreift hatte, beamten sich Matthew Bluefox und Joseph Taylor auf die Bluefox. Die Jackenboy und die Samihra entfernten sich mit Warpgeschwindigkeit vom Flaggschiff der Föderation. Somit war die Bluefox wieder alleine im hiesigen Raumgitter.

 

Drei Tage später passierte an einer Offiziersbesprechung das Unerwartete: Es wurde ein Vorschlag gefunden, wie Joseph Taylor sein kommendes Leben gestalten könnte. Zu dieser Sonderbesprechung trafen sich nur Bluefox, Taylor und Ceagy, der im Moment also nur Zweiter Offizier der Bluefox war. Bluefox sprach: «Ich habe heute Morgen für Captain Taylor die grandiose Möglichkeit gefunden.» Er wandte sich Taylor zu und sprach: «Joseph, ich habe gedacht, du könntest als Admiral in der Föderation das Oberkommando verstärken. Die Admiralität der Sternenflotte wäre nämlich noch schaurig froh, wenn sie eine erfahrene Kraft mehr hätte in ihrem Rat. Ich bin überzeugt, daß du genau der richtige Mann wärst für diesen Job!» – Taylor streckte nur seinen Daumen nach oben, grinste und schüttelte leicht den Kopf. Er dachte sich: «Der Matt hat’s wieder mal gerichtet.»

 

Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, Sternzeit 77779.6

 

««Captain – bald Admiral – Joseph Taylor ist mit meiner Idee zufrieden und hat sich noch am heutigen Nachmittag den Gesprächen mit den anderen Admirälen gestellt. Ich bin überaus glücklich über den Ausgang aus dieser verzwickten Angelegenheit. Und nur als Bemerkung: Auch Commander Andrew Ceagy ist natürlich sehr erfreut über dieses Ende, denn als Zweiter Offizier hat er sich meinem Eindruck nach bereits nicht mehr so wohlgefühlt wie als „Nummer Eins“. Ach ja, die Katerstimmung auf der Bluefox ist total verflogen, dafür lege ich die Hand ins Feuer. Eine Lehre haben ich und ein großer Teil der Mannschaft dennoch daraus gezogen. Sie lautet: „Blau, blau, blau ist der Enzian, aber nicht die Bluefox-Crew mit achtzehn Mann!“»»

 

Der Captain saß in seinem Sessel hinter dem Schreibtisch des Bereitschaftsraums. Er war sich der Sache sicher, daß sich so eine Katerstimmung nie und nimmer mehr ausbreiten könnte, da solche Geburtstage zum Glück selten waren. In Zukunft würde man sicher nicht mehr so ausgelassen feiern. Gerade als Bluefox an dies dachte, kam auf seinem privaten Computer eine Nachricht herein. Es war Cpt. Rowland Peter, ein langjähriger Kollege von Bluefox. Sogleich verkündete Peter mit Begeisterung seine Nachricht: ««Matt, hier ist Rowlin! Ich habe gerade ein Glas Wein in der Hand, wie du siehst, und ich feiere im Gebäude der Sternenflottenakademie meinen Vierzigsten! Kommst du und deine Gilde auch noch vorbei?»» – Bluefox rollte zuerst die Augen und dann vergrub er den Kopf in seinen verschränkten Armen auf dem Tisch!

 

 

ENDE

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