Anmerkung: Dieses Flugblatt verteilten wir 2008 in M�nchen auf der Demonstration f�r Versammlungsfreiheit, auf der eine Volksfront von den Autonomen �ber die Gewerkschaften bis hin zur FDP die b�rgerlichen Freiheiten hochleben lie�en und idealisierten anstatt deren Wirklichkeit zu kritisieren.

Selbstorganisation statt demokratische Narrenfreiheit

Die Herrschenden schr�nken seit Jahren die von ihnen �gn�dig� gew�hrten Narrenfreiheiten immer st�rker ein. Es ist selbstverst�ndlich sich gegen diese Repression zu wehren. Aber es ist unsinnig die �demokratischen Rechte� gegen den demokratischen Staat zu verteidigen. Wer so handelt, verteidigt seine/ ihre Illusionen in die Demokratie gegen die demokratische Wirklichkeit. Denn die Demokratie ist die Diktatur des Kapitals. Die Pressefreiheit ist die Freiheit der Medien-Kapitalisten ihre kapitalistischen Interessen als ��ffentliche Meinung� zu verkaufen. Wirkliche Pressefreiheit f�r alle kann es nur dann geben, wenn die Druckereien und Medien wie alle anderen Produktionsmittel auch in gesellschaftliches Gemeineigentum �berf�hrt und von freien Produzenten kollektiv und solidarisch selbst verwaltet werden. Erst in einer solchen klassenlosen Gesellschaft wird auch die Versammlungsfreiheit nicht mehr die Freiheit der PolitikerInnen sein, sich gegen uns, die ArbeiterInnen, zu organisieren. Denn Politik beruht auf der Trennung der ArbeiterInnen von den Produktionsmitteln, die kapitalistisches Eigentum sind. Wer nicht frei �ber die Produktionsmittel verf�gt, kann nicht wirklich �ber die eigene Lebenssituation bestimmen. Am Arbeitsplatz sind wir unm�ndige Objekte der kapitalistischen Arbeitsorganisation und gesamtgesellschaftlich werden wir von PolitikerInnen verwaltet. Politik kann gar nichts anderes sein als kapitalistische Elendsverwaltung. Dieser Fakt begr�ndet auch das ganze Elend der politischen Linken. Der Widerstand gegen die allt�glichen Zumutungen des b�rgerlichen Daseins, von denen die staatliche Repression nur ein Teilaspekt ist, kann nur antipolitisch sein. Nur ein sozialer Widerstand gegen alle PolitikerInnen ist auch ein wirklicher Kampf gegen die staatliche Repression. Denn alle diese Lafontaines und Gysis m�gen sich zwar in der Opposition daf�r einsetzen, die demokratischen Narrenfreiheiten gro�z�gig auszuweiten, aber �berall dort wo sie mitregieren, schr�nken sie eben diese demokratischen Narrenfreiheiten mit ein. So sind sie halt, die SozialdemokratInnen: halb Freigeist und halb Polizeispitzel! Auch die meisten partei-�kommunistischen� PolitikerInnen handeln in hochentwickelten privatkapitalistischen Demokratien als radikale SozialdemokratInnen, geben sich also als die Obernarren der b�rgerlichen Narrenfeiheit zu erkennen.
Sie blockieren den sozialen Widerstand gegen den Staat durch ihre demokratische Unterw�rfigkeit. In Osteuropa, Asien, Afrika und in Kuba errichteten die Partei-�KommunistInnen� staatskapitalistische Diktaturen, in denen zwar die Privatkapitalisten enteignet und entmachtet, aber die ArbeiterInnen von den �sozialistischen Staaten� ausgebeutet und unterdr�ckt wurden. Es liegt auf der Hand, dass gemeinsam mit Partei-�KommunstInnen� und sozialdemokratischen PolitikerInnen genau so wenig die staatliche Repression bek�mpft werden kann, wie mit der Bundeswehr der imperialistische Krieg. Die politische Linke geh�rt wie die politische Rechte zur sozialen Konterrevolution. Deshalb m�ssen wir ArbeiterInnen damit aufh�ren auf polizeilich genehmigten Latschdemos den linken Spie�ern hinterher zu laufen. Die auf diesen Demos sichtbar werdende Ohnmacht versuchen viele linke AktivistInnen durch versch�rftes Maulheldentum auszugleichen. Doch die Herrschenden wissen genau: Hunde die bellen, bei�en nicht. Die politische Linke gibt sich gerade auf ihren �machtvollen� Demonstrationen als zahnloses Wauwauchen zu erkennen. Unsere soziale Aktionsf�higkeit liegt woanders, n�mlich �berall dort, wo wir tagt�glich die Macht von Kapital und Staat (�ffentlicher Dienst) produzieren, aber eben auch potenziell zu Fall bringen k�nnen. Das wissen auch die Herrschenden, deshalb setzen sie im Produktionsprozess noch st�rker auf Repression als im politischen Bereich. In ihrer Sorge um die Einhaltung des Betriebsfriedens setzt das Kapital auch auf die Gewerkschaftsb�rokratie. Die Gewerkschaftsbonzen bestimmen �ber Tarifverhandlungen die H�he der L�hne mit, damit sind sie Mitverwalter der kapitalistischen Lohnsklaverei und leben recht gut davon. Denn sie verteidigen also auch ihr Privileg, nicht selbst einer Lohnarbeit nachgehen zu m�ssen. Ihre eigene Funktion macht sie zu erbitterten Verteidigern des Kapitals. Ein mit ihnen ausgehandelter Lohnverzicht entspricht dieser Funktion, aber eine durch selbstst�ndige Aktion der ArbeiterInnen und ohne Gewerkschaften erreichte Lohnerh�hung ist der Anfang vom Ende des Gewerkschaftsmonopols �ber Streiks. Gegen radikalisierte ArbeiterInnen, welche den legalen Gewerkschaftsrahmen verlassen, nimmt die Gewerkschaftsb�rokratie eine offen feindliche Haltung ein. Bei solchen Konflikten verdeutlicht sie, da� sie ein Zivilbulle des Kapitals ist. Dazu passt auch ganz gut in das Bild, da� die Gewerkschaft der Polizei grunds�tzlich die staatliche Repression mit tr�gt.

Sozialer Widerstand

Der allt�gliche Widerstand der ArbeiterInnen gegen das Kapital nimmt oft einen verborgenen und versteckten Charakter an. Das beginnt mit Formen wie langsam arbeiten und krank feiern, geht �ber in Entwendung von kleinen Produktionsmitteln und Produkten zur Aufbesserung des Lohns und endet mit der Aneignung und Sch�digung von Produktionsmitteln. In der bestehenden Arbeitsorganisation sind die Produktionsmittel die Waffen des Kapitals gegen die ArbeiterInnen. Mit ihnen werden sie ausgepresst wie Zitronen und weggeworfen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Im sozialen Widerstand eignen sich die ArbeiterInnen entweder f�r kurze Zeit die Produktionsmittel an, um vor�bergehend Dinge f�r die eigenen Bed�rfnisse zu produzieren oder sie zerst�ren heimlich die Maschinen, um ein wenig Pause zu haben. Alle diese Formen des allt�glichen Widerstandes sind illegal und militant, aber gleichzeitig entwickeln sie sich im Verborgenen. In der scheinbaren Ruhe bereitet sich die soziale Explosion vor.
Sichtbare Formen der ArbeiterInnenselbstorganisation sind wilde Streiks, die sich ohne den Segen der Gewerkschaftsb�rokratie entwickeln. Bei kleineren wilden Streiks, bei denen es nicht zur Bildung von offiziellen Organen (Streikaussch�sse, unabh�ngige ArbeiterInnenkomitees usw.) kommt, ist die unmittelbare Aktion bereits die Selbstorganisation. Gro�- und kleinb�rgerliche Vereinsf�tischisten k�nnen hier nat�rlich nur �Spontaneit�t� sehen, aber keine Organisation. Diese Herren und Damen sehen den Wald vor lauter B�umen nicht. In den so genannten �spontanen Aktionen� �u�ert sich die unmittelbare Selbstorganisation der ArbeiterInnen. Diese unmittelbare Selbstorganisation ist die Grundlage f�r das Entstehen von unabh�ngigen Organen wie Streikkomitees und ArbeiterInnenr�ten. Die wild streikenden Opel-ArbeiterInnen im Oktober 2004 und die selbstorganisierten Arbeitsniederlegungen in �gypten zeigen, da� radikalisierte KollegInnen nicht um demokratische Rechte betteln, sondern selbstbewusst f�r ihre Interessen und Bed�rfnisse streiten.

Revolution�re M�glichkeiten

Revolutionen entwickeln sich durch die extreme Zuspitzung sozialer Konflikte, lassen sich also nicht b�rokratisch organisieren, aber doch praktisch und theoretisch vorbereiten. Die beste Vorbereitung auf m�gliche soziale Revolutionen ist die allt�gliche St�rkung unserer Selbstorganisation. Denn die selbstorganisierte ArbeiterInnenklasse ist die gr��te Gefahr f�r Kapital und Staat. Gegen diese Gefahr werden sich politsche Kr�fte, von den Nazis �ber die Demokraten bis zu Partei-�KommunistInnen� vereinigen. In der revolution�ren Nachkriegskrise in Deutschland von 1918-23 verb�ndete sich die SPD mit den vorfaschistischen Freikorps gegen die ArbeiterInnen. Die ArbeiterInnenr�te l�sten sich selbst aufgrrund sozialdemokratischer Illusionen auf. Gegen die starken revolution�ren Minderheiten w�tete der blutige Noske-Terror. Die konterrevolution�re Sozialdemokratie legte den Grundstein f�r sp�teren Nazi-Terror. In Russland ging die Partei Lenins und Trotzkis ab Oktober 1917 gegen die Selbstorganisation der ArbeiterInnen vor. Sie entmachtete die in der Revolution entstandenen R�te und erstickten jeden Widerstand im �roten� Terror. Die Kronst�dter Matrossen erhoben sich im M�rz 1921 f�r ihre Selbstorganisation gegen den bolschewistischen Staatskapitalismus. Dieses letzte verzweifelte Aufb�umen der russischen ArbeterInnen wurde von Lenin und Trotzki niedergeschlagen. Seit 1921 trennt uns revolution�re ArbeiterInnen ein Meer von Blut vom Partei-�Kommunismus�.
Nur wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen. Wir lassen uns nicht l�nger von SozialdemokratInnen, Partei-�KommunistInnen� und Gewerkschaftsfunktion�rInnen verarschen, sondern wir beginnen uns selbst gegen Kapital und Staat zu organisieren. Wir wollen keine LohnarbeiterInnen mehr sein, sondern wollen freie Menschen sein.

Einige sozialrevolution�re Arbeiter, Arbeitslose und Studenten.

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