Menschen, die sich selbst verletzen haben häufig ein geringes Selbstwertgefühl, unterdrücken ihre Aggressionen lange Zeit und sind oft chronisch ängstlich. Neben dem Aspekt der Selbstbestrafung spielt auch der Abbau von Druck, Unruhe und Spannungen durch das Schneiden eine Rolle. Der Selbsthass und die (Selbst-) zerstörungswut sind häufige Begleiter der Selbstverletzung. Die Selbstverletzung nimmt nach einiger Zeit suchartige Züge an. Das Schneiden tritt immer häufiger auf.

Als Sinn des Selbstverletzens werden zum Beispiel die Tatsache angegeben, dass der seelische Schmerz, der die Kranken plagt, durch den körperlichen Schmerz "überdeckt" wird und so erträglicher erscheint. Manche Kranken haben das Bedürfnis sich zu spüren. Sie fühlen sich innerlich tot und leer und fühlen erst durch den Schmerz das sie leben. Das fließen des Blutes ist für viele ein wichtiges "Lebenszeichen". ("Ich blute, also bin ich!") Für die einen steht das Blut im Vordergrund, für den anderen der Schmerz oder die Wunden. Alles in allem sind Selbstverletzungen immer ein Zeichen tiefer innerer Konflikte der Seele.

Formen der Selbstverletzung

sich selbst schneiden
sich selbst verbrennen
sich selbst beißen
exzessiver Sport
Schlafentzug
sich selbst blaue Flecken zu fügen
sich selbst an den Haaren ziehen/ Haare ausreißen
sich selbst kratzen

Die häufigste Art der Selbstverletzung ist das Schneiden oder auch "Ritzen". Die meisten Betroffenen verletzen sich am linken Arm. Häufig finden sich aber auch verletzte Stellen an den Beinen, da es dort von den Mitmenschen nicht so leicht entdeckt wird.

Alternativen zur Selbstverletzung

Das sind Alternativen, die aber keine Therapie ersetzen.

Drücke Eiswürfel gegen deine Haut
Mache eine ganz feste Faust und drücke deine Fingernägel in den Handballen.
Dusche kalt
Vermeide es dich in Versuchung führen zu lassen, indem du dich nicht dort aufhältst wo der Gegenstand ist, mit dem du dich verletzt
Vermeide es allein zu sein
Prügele auf ein Kissen ein
Schrei deine Wut heraus
Schreibe in dein Tagebuch oder einen Brief, was dich gerade eben verletzt hat, oder dich wütend gemacht hat
Richte den Gegenstand mit dem du dich verletzt gegen etwas anderes, als gegen dich selbst
 

Mein SVV

Ich selbst begann mit 12 zu ritzen. Damals war ich das Opfer von massiven Mobbingattacken. Für mich war es am Anfang eine Art "Ersatzbefriedigung". Denn durch das Blut, sah ich, dass auch ich ein Mensch war.

Damals dachte ich, dass mich keiner gern hat, außer meine Eltern, die ich natürlich nicht mit dieser Nachricht "überraschen" wollte. (meine Mutter hat es erst erfahren, als ich schon 18 war, mein Vater weis bis heute nichts).

Ich fühlte mich unzulänglich und ungeliebt, weshalb ich auch Aceton schnüffelte. Einfach um alles "zu vergessen".

Meistens ritzte oder verbrannte ich mich an den Beinen. So konnte ich mich beim Sport darauf hinausreden, dass ich "beim Rasieren abgerutscht" sei. Ich kratzte mich an den Armen bis ich blutete und stach mich mit Nadeln. Mit 14 unternahm ich meinen ersten (und letzten) Suizidversuch. Die Narbe am rechten Handgelenk erinnert mich daran, dass nichts und niemand es wert ist, sich dafür selbst aufzugeben. Mit 14 (und somit mit dem Schulwechsel) gab sich das ganze wieder. Endlich hatte ich Freunde, die mich so akzeptierten wie ich bin. Kein SVV... Keine Panikattacken. Einfach nur ich-sein.

Bis zu der sexuellen Nötigung. Ich war so fertig, dass ich wieder die Klinge zur Hand nahm. Ich spürte keinen Schmerz. Ich glaube, ich bin immun dagegen. Ich wollte nur einfach wieder "leben". Das Blut zu sehen war eine Art Befriedigung.

Erst zu Ostern 2004 habe ich zu ritzen aufgehört. Ich habe es meinem Wolf versprochen. Und bis heute hab ich mich daran gehalten.

Ja ich habe den Drang danach mir weh zu tun. Aber ich gebe ihm nicht nach. Ich will nicht und ich darf nicht. Obwohl ich könnte.

 
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