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Der Fall in die Freiheit, |
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Depression und Manie werden als affektive Störungen zusammengefasst. Man unterscheidet unipolare Verlaufsformen, das heißt nur die Depression oder - sehr selten - nur die Manie prägen das Krankheitsbild, und bipolare Verlaufsformen, die durch Wechsel von Depression und Manie charakterisiert sind. Typische Symptome der Depression sind traurige Verstimmung, Hemmung von Denken und innerem Antrieb, Schlafstörungen, Angst, Selbstmordgedanken und körperliche Symptome. Die Manie stellt genau das entgegengesetzte Krankheitsbild dar und ist durch unangemessen gehobene Stimmung, Antriebssteigerung, Selbstüberschätzung und Enthemmung gekennzeichnet. Das Risiko an einer Depression zu erkranken, liegt bei 5-12%, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Das Risiko einer bipolaren affektiven Störung, auch Zyklothymie genannt, liegt bei 1% für beide Geschlechter. Die Ursachen sind komplex und bestehen aus genetischer Veranlagung, psychologischen Faktoren und biologischen Veränderungen der Signalübertragung im Gehirn. Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit antidepressiven Medikamenten, wobei entsprechend den vorherrschenden Symptomen und der Verträglichkeit das geeignete Mittel aus der großen Gruppe der Antidepressiva gewählt werden muss. Ergänzend helfen Psychotherapie, in manchen Fällen auch Lichttherapie oder Schlafentzug und Beschäftigungs- oder Arbeitstherapie. Insgesamt dauern die depressiven Phasen mehrere Monate und werden von beschwerdefreien oder manischen Phasen abgelöst. Bei der unipolaren Depression ist mit etwa vier Erkrankungsphasen im Leben zu rechnen. 10-15% der Betroffenen versterben an Selbstmord.
Falsche Ratschläge Appelle: Es ist falsch, den Depressiven aufzufordern, sich zusammenzureissen, sich nicht gehen zu lassen, sich zu beherrschen, sich durchzubeissen, Haltung zu bewahren, Beispiel zu geben usw. Die meisten Kranken sind ohnehin hoffnungslos, willensgeschwächt, entschlussunfähig, resigniert, gehemmt, ohne Schwung und Initiative. Ein solcher missverstandener Aufruf kann die Verzweiflung des Patienten verstärken und sogar eine Suizidgefahr intensivieren. Ablenkung: Es ist falsch, den Depressiven zu Aufheiterungs- oder Zerstreuungsversuchen zu animieren bzw. entsprechende Vorschläge zu machen ('Gönnen Sie sich mal wieder ein Vergnügen..."). Der Depressive will wohl, aber er kann nicht. Das ist ein großer Unterschied. Demzufolge ist es sinnlos, auf die "schönen Dinge in dieser Welt" zu verweisen. Gerade für solche Menschen ist es besonders belastend, wenn sie sich an nichts erfreuen können und dadurch noch Schuldgefühle entwickeln. Überredungsversuche: Es ist falsch, dem Depressiven einreden zu wollen, "es gehe ihm im Grunde doch gut". Wenn es ihm gut geht, dann ist er nicht mehr depressiv und kann das selber empfinden. Ist er aber noch depressiv, dann erlebt er eine solche Äußerung als schmerzliche Verkennung seines Zustandes, als Unverständnis, Misstrauen oder gar Hohn. Ähnliches gilt für die bereits erwähnten oberflächlich wirkenden Versprechungen. Urlaub: es ist falsch, Depressive in den Urlaub zu schicken. Aufgrund ihrer seelisch-körperlichen Einengung, ihrer Merk - und Konzentrationsstörungen, Ratlosigkeit, Verunsicherung, Ängstlichkeit, ihrer Minderwertigkeitsgefühle, vor allem aber aufgrund des Kontaktverlusts und der damit gegebenen Isolationsgefahr finden sie sich in fremder Umgebung noch weniger zurecht als zu Hause. Meist engen sie sich in ihren Gedanken immer mehr auf ihre depressive Symptomatik ein. Geradezu schmerzlich ist die häufig anzutreffende Freudlosigkeit, durch die der Kranke seinen früheren Ferienhobbies [an der See, in den Bergen, bei kulturellen Veranstaltungen) gleichgültig (Fehleinschätzung: "undankbar"), teilnahmslos, furchtsam oder durch schwere Schuldgefühle gepeinigt gegenübersteht. Auch sind viele Depressive durch die - in fremder Umgebung öfter zu erwartenden - neuen bzw. ungewohnten Situationen rasch überfordert und geraten schnell in umschriebene, aber auch diffuse Angst-, ja panikartige Reaktionen. Kuraufenthalt: Es ist falsch, Patienten mit einer Depression zur Kur zu schicken. Die Probleme sind dabei im wesentlichen die gleichen wie in den Ferien. Auch ist die überwiegende Mehrzahl dieser Häuser weder personell, noch ausbildungsmäßig, noch von ihrem diagnostischen und therapeutischen Schwerpunkt her auf depressive Patienten vorbereitet. Ein Depressiver evtl. noch mit suizidalen Tendenzen, kann deshalb - unabhängig von seinen eigenen Schwierigkeiten - auch für die dortigen Ärzte, das Pflegepersonal sowie die Mitpatienten zu einer erheblichen Belastung werden. Allerdings kann unter günstigen familiären, medikamentösen, ärztlichen und psychosozialen Voraussetzungen sowie bei manchen depressiven Zuständen (z.B. Erschöpfungsdepression] ein gut durchorganisierter Urlaub oder eine Kurverschickung in einem entsprechend ausgestatteten Haus auch erfolgreich sein. Dies setzt allerdings eine gezielte Verlaufsuntersuchung, fundierte organisatorische Planung und entsprechend motivierte/ instruierte Angehörige bzw. Therapeuten voraus. Wahnideen: Es ist falsch, mögliche Wahnideen ausreden zu wollen. Dies betrifft vor allem den Krankheitswahn ("Mein Leiden ist unheilbar"), den Verarmungswahn ("mittellos, Schulden, jetzt frisst die Krankheit noch das restliche Vermögen auf...") oder einen Schuld- und Versündigungswahn ("ein schlechter Mensch, rechtswidrig gehandelt, verdient Strafe"), Nicht nur der schizophrene, auch der depressive Wahn ist mit logischen Argumenten oder Gegenbeweisen nicht zu korrigieren. Lässt man sich auf eine solche nutzlose Auseinandersetzung ein, läuft man nur Gefahr, das Wahnsystem zu vertiefen. Auch kann ein solches "Misstrauen" des Therapeuten das Vertrauensverhältnis gegenüber dem verunsicherten Patienten untergraben, da sich dieser unverstanden, lächerlich gemacht oder gar attackiert sieht. Entscheidungen: Es ist falsch, während einer Depression wichtige Entscheidungen treffen zu lassen, auch wenn sie vom Kranken oder seiner Umgebung noch so dringend gefordert bzw. von der jeweiligen Situation nahegelegt werden. Häufig geht es um tiefgreifende und folgenschwere Entschlüsse (z.B. Ehe, Familie, Beruf, Erbe, Kauf oder Verkauf). Die Erfahrung lehrt aber, dass nach Abklingen der Depression die Mehrzahl der u.U. so unüberwindlich drohenden Probleme und Konflikte weitgehend bewältigt werden kann, und zwar von einem gesunden Patienten mit seiner gewohnten Konzentrationsfähigkeit, Willens- und Entschlusskraft. Beruf: Vor allem ist es in diesem Zusammenhang falsch, während einer Depression irgendeine berufliche Änderung zuzulassen, es sei denn, sie diene dem eindeutigen Vorteil des Betroffenen. Viele (insbesondere endogen) Depressive neigen aufgrund ihrer schmerzlich empfundenen Unfähigkeit und der scheinbar plötzlich erschwerten Lebenssituation dazu, die Schuld an ihrem derzeitigen Zustand einzig und allein bei sich selber zu suchen. Sie glauben organisch krank zu sein, den Anforderungen ihres Berufes nicht mehr gerecht zu werden, dem Arbeitgeber und den Kollegen zur Last zu fallen und diesem Dilemma nur dadurch entgehen zu können, dass sie sich versetzen oder niedriger einstufen lassen, kündigen oder gar einen Rentenantrag stellen. Hier ist die ruhige Aufklärung und konsequente Haltung des Arztes mindestens so wichtig wie eine erfolgreiche Psycho- und Pharmakotherapie. Er muss sich schützend vor seinen Patienten stellen und dem Arbeitgeber oder Personalchef unzweideutig klarmachen, dass es unredlich ist und am entschiedenen Widerstand des Therapeuten scheitern wird, eine solche Situation auszunützen. Auch kann der Betrieb nach Abklingen des Leidens nicht nur wieder mit der vollen Arbeitsleistung, sondern auch mit der Dankbarkeit des Betroffenen rechnen, d.h. mit seiner gewohnten Zuverlässigkeit, Motivation und Einsatzfreude.
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