| Urs Blanks Lebensstil- und Pers�nlichkeitsver�nderung 1.Einleitung 2. Hauptteil 2.1. Der Autor und sein Werk 2.1.1. Der Autor 2.1.2. Inhaltsangabe 2.2. Urs Blanks Lebensstil- und Pers�nlichkeitsver�nderung 2.2.1. Die Pers�nlichkeit des Urs Blanks und sein Lebensstil zu Beginn des Romans 2.2.2. Urs` Charakteristik im Kindheitsalter 2.2.3. Erste Anzeichen einer Pers�nlichkeits- und Lebensstilver�nderung 2.2.4. Der Pilztrip und seine Wirkung auf Blanks Psyche (w�hrend dem Trip) 2.2.5. Psychoaktive Pilze und ihre Wirkung im Vergleich mit Fachliteratur 2.2.6. Blanks ver�nderte Pers�nlichkeit nach dem Trip 2.2.7. Risiken und Folgen eines Trips im Vergleich mit Fachliteratur 2.2.8. Erste Massnahmen 2.2.9. Die Auswirkung des zweiten Trips auf Blanks Psyche (w�hrend und nach dem Trip) 2.2.10. Die Wandlung vom gepflegten Anwalt zum verkommenen Wald 2.2.11. Blanks Erkenntnisse �ber den verh�ngnisvollen Trip 2.2.12 Mao-Hemmer und halluzinogene Pilze im Vergleich mit Fachliteratur 2.2.13. Berichtigung des verh�ngnisvollen Trips 3. Schlusswort 4. Bibliographie 1. Einleitung Per Zufall stiess ich beim Durchbl�ttern des Buchjournals auf den neuen Roman �Die dunkle Seite des Mondes� von Martin Suter. Obwohl ich einst die Absicht hatte, f�r meine Facharbeit seinen ersten Roman zu behandeln, kaufte ich mir den neuen Roman noch am selben Tag. Die Thematik erschien mir n�mlich f�r eine Untersuchung geeigneter und spannender. �Die Geschichte eines Mannes, der seine Gef�hle immer �berm�ssig gez�gelt hat und der auf einmal von seinem dunklen Alter ego �berw�ltigt wird.� 1 Diese Pers�nlichkeitsver�nderung des Staranwalts Urs Blank interessierte mich um so mehr, da sie durch einen Pilztrip ausgel�st wurde. Zum einen hatte ich ein paar Tage zuvor eine Sendung �ber psychoaktive Pilze gesehen, zum anderen kenne ich selbst Leute, deren Pers�nlichkeit sich wegen Drogen ver�ndert hatte. Deshalb war mir schon vor Lesebeginn klar, dass ich vermutlich die Pers�nlichkeitsver�nderung der Romanfigur Urs Blank untersuchen werde. Beim Lesen konzentrierte ich mich verst�rkt auf seinen Charakter. Als ich das Buch zum zweiten Mal las, achtete ich mich zus�tzlich auf die Wandlung seiner Lebensart. Ich erkannte, wie eng diese beiden Faktoren miteinander verkn�pft sind, ja sogar zusammen geh�ren. Sein Lebensstil ver�ndert sich schliesslich aufgrund seiner Pers�nlichkeitsver�nderung. In meiner Arbeit untersuche ich nun die Lebensstil- und Pers�nlichkeitsver�nderung des Anwalts Urs Blank. Nebst den Angaben aus dem Roman werde ich auch Fachliteratur zum Thema Drogen und psychologische Literatur verwenden. Es scheint mir wichtig, das Verhalten von Blank und die Ursachen f�r seine Pers�nlichkeitsver�nderung etwas genauer zu betrachten, um seine Wandlung exakter erl�utern zu k�nnen. Des weiteren m�chte ich die Angaben im Buch zum Thema Drogen �berpr�fen und falls n�tig erg�nzen. 2. Hauptteil 2.1. Der Autor und sein Werk 2.1.1. Der Autor Martin Suter ist ein Schweizer Autor, der 1948 in Z�rich geboren wurde. Nebst Romanen schrieb er auch Kolumnen und Drehb�cher. Zur Zeit lebt er mit seiner Frau in Spanien und Guatemala. Sein erster Roman �Small World� hatte bereits internationalen Erfolg. �Die dunkle Seite des Mondes� ist sein zweiter Roman, auf den noch im selben Jahr die Kolumnensammlung �Business Class� folgte. Die Autorenvorlesung des Buches �Die dunkle Seite des Mondes� fand passend zum dessem Thema im Wald statt. Zum Essen gab es nicht wie �blich Aperogeb�ck, sondern ein Pilzgericht. 2.1.2. Inhaltsangabe Der erfolgreiche, f�nfundvierzig j�hrige Wirtschaftsanwalt Urs Blank f�hrt ein geregeltes Leben. Doch auf dem H�hepunkt seiner Karriere wird er von einer m�nnlichen Midlife-Crisis gepeinigt. Auf einem Flohmarkt lernt er das sch�ne, junge Hippiem�dchen Lucille kennen. Ihren Einfluss empfindet der seines Workaholic-Daseins �berdr�ssige Blank als bewusstseinserweiternd. Nachdem ihn seine Freundin Evelyn Vogt aus der Wohnung geschmissen hat, zieht er in eine Suite des Luxushotels Imperial. Mit Lucille raucht Urs nicht nur seinen ersten Joint, sondern nimmt auch an einem �meditativen Wochenende� teil. Dort lernt er die magische Welt der halluzinogenen Pilze kennen. Der Pilztrip endet f�r Urs jedoch recht �bel, da ein unbekannter zyanblauer Pilz seine Pers�nlichkeit ver�ndert hat. W�hrend des Trips kam er zur �berzeugung, dass es nur eine Wirklichkeit g�be und die heisse Urs Blank. Vergleichsgr�ssen wie gut, b�se, ich, du etc. existieren keine mehr. K�nftig kann er seine Gef�hle nicht mehr im Zaum halten und sein Gewissen schaltet sich aus. Er dreht Lucilles Katze den Hals um, provoziert einen t�dlichen Unfall und schockt seine Mitarbeiter. Auch sein Freund, der Psychiater Alfred Wenger, kann ihn mit einer Wiederholung des Trips unter Aufsicht nicht kurieren, weil der seltsame Pilz fehlt. Blank fackelt ein Haus und mit ihm den Veranstalter des Pilzrituals ab, �berf�hrt einen Drogens�chtigen, der ihn erpresst hat, w�rgt einen Journalisten, st�sst Todesdrohungen aus, ohrfeigt den Gesch�ftspartner Pius Ott und verletzt Lucilles neuen Freund lebensgef�hrlich. Blank zieht sich zunehmend mehr in den Wald zur�ck, um seine Egomanie auszuleben, ohne eine Bedrohung f�r seine Umwelt darzustellen. Schliesslich plant er seinen Abgang samt Abschiedsbrief. In der zivilisierten Welt glaubt man deshalb, er habe sich das Leben genommen. Urs lernt im Wald zu �berleben, w�hrend er auf der Suche nach dem zyanblauen Pilz ist, um sein Gewissen wieder einzuschalten. Mitten im Dickicht hat er sich auf einer Lichtung ein Versteck mit einer Feuerstelle, einem Tisch, einer Latrine und einem Zelt eingerichtet. Eines Tages ermordet er einen J�ger, weil dieser in sein Revier gedrungen ist, indem er ihn �ber eine Felskante st�sst. Vorerst sch�pft die Polizei aber noch keinen Verdacht! Erst als ein Spazierg�nger Blanks Versteck findet, wird die Polizei auf den unbekannten Waldmenschen aufmerksam. Ein paar Polizeibeamte durchsuchen die Lichtung und wollen ihn festnehmen. Urs kann jedoch fl�chten, nachdem er den schnellsten Verfolger, einen Polizeihund, erstochen hat. Unabh�ngig von diesem Ereignis werden Blanks ehemalige Arbeitskollegen aufmerksam: Bei einer heimlichen Suche nach Pilzinformationen an einem Computer der Anwaltskanzlei, hat Urs Spuren auf der Festplatte hinterlassen. Weil Pius Ott sich noch immer wegen dem Schlag an Blank r�chen will, beginnt er ihn zu verfolgen. Zudem soll er verhindern, dass die Polizei Blanks Verbrechen aufdecken k�nnte, um das Ansehen der Kanzlei zu wahren. Nach monatelangem Suchen findet Urs endlich den seltenen Pilz. Er wiederholt den Trip in der Hoffnung auf Besserung. W�hrend Blanks Abwesenheit findet Ott sein neues Versteck im Wald und auch die Polizei ist ihm dicht auf den Fersen. Es kommt zu einem Kampf zwischen Ott und Blank, bei dem Blank die Gelegenheit h�tte, Ott zu erstechen. Etwas hindert ihn jedoch daran zuzustossen. Blank wehrt sich auch nicht, als Ott sein Pistole hervorzieht und ihn erschiesst. Nachdem Ott Urs im Wald vergraben hat, nimmt ihn die nun eintreffende Polizei fest. 2.2. Urs Blanks Lebensstil- und Pers�nlichkeitsver�nderung 2.2.1. Die Pers�nlichkeit des Urs Blanks und sein Lebensstil zu Beginn des Romans Urs Blank ist 45 Jahre alt und einer der brillantesten Wirtschaftsanw�lte des Landes. Nach seinem Jurastudium hatte er bei der Anwaltskanzlei Geiger, von Berg und Minder die Knochenarbeit erledigt, seine Doktorarbeit geschrieben und das �bar exam� in New York bestanden. Damit erreichte er, dass sein Name im Briefkopf der Anwaltskanzlei aufgenommen wurde. Seine amerikanische Zulassung machte ihn zum Experten f�r Firmen�bernahmen und Fusionen mit schweizerisch-amerikanischer Beteiligung. Er verdient viel Geld, hat jedoch kaum Zeit, es auszugeben. Er ist geschieden und lebt mit seiner Freundin Evelyn Vogt zusammen. Evelyn ist 35 Jahre alt und unabh�ngig, da sie einen eigenen Laden mit Designerm�beln f�hrt. Sie wohnen in einem herrschaftlichen Haus aus den Zwanzigern, das auf dem Villenh�gel am Stadtrand liegt. Kinder hat Blank auch aus seiner ersten Ehe keine. Urs? Statur wirkt nicht allzu kr�ftig, da er nur mittelgross ist und etwas weich in den Konturen. Auch das t�gliche Training im eigenen Fitnessraum kann die Folgen des guten Essens nicht verdecken. Mit einem Bierbauch hat er aber nicht zu k�mpfen, weil er h�chst selten und wenn, dann nur wenig Alkohol trinkt. Urs tr�gt sein braunes Haar kurz geschnitten. Daf�r geht er zwei mal im Monat zum Coiffeur. Seine Kleider und Schuhe sind allesamt massgeschneidert und stammen aus den vornehmsten L�den. Dementsprechend f�hrt Urs ein s�ndhaft teures Auto, einen schwarzen Jaguar. Urs Blank ist ein sehr ausgeglichener Mensch, der es bestens versteht seine Gef�hle unter Kontrolle zu halten. Da er jede Form von Gewalt prinzipiell ablehnt, hatte er sich sogar zum waffenfreien Sanit�tsdienst gemeldet, obwohl er um seine beruflichen Nachteile wusste. Dank seinem Ehrgeiz, seiner Zuverl�ssigkeit und seinem �berzeugten Auftreten wurde er trotzdem ein Staranwalt. Auch privat ist er ein charmanter und am�santer Weltmann, der in den gehobenen Kreisen gern gesehen wird. Alfred Wenger, ein alter Schulfreund, ist der einzige, mit dem Blank �ber all die Jahre den Kontakt aufrecht erhalten hat. Sie treffen sich jeden Mittwoch zum Mittagessen im �Goldenen�. Genauso routiniert wie diese w�chentlichen Treffen verlaufen beinahe alle Tage in Urs` Leben. 2.2.2. Urs`s Charakteristik im Kindheitsalter Urs Blank ist nicht von Natur aus ein ausgeglichener und friedlicher Mensch gewesen. �Als kleiner Junge hatte Urs �fters Anf�lle von J�hzorn gehabt. Es war vorgekommen, dass er mit der blossen Faust eine Scheibe eingeschlagen oder die F�llung einer Schrankt�r eingetreten hatte. Aber schon damals sch�mte er sich f�r diese Ausbr�che und versuchte sich zu z�geln.� Blank sch�mte sich nicht nur f�r seine Wutausbr�che, sondern versuchte zu-nehmend, die Wut in seinem Innern zu behalten. Ausschlaggebend f�r seine Gewaltabneigung war in erster Linie sein Vater, welcher seine Mutter schlug. Folglich wurde Urs bereits als Kleinkind Zeuge von Gewalt innerhalb der Familie. W�hrend seinem siebten Lebensjahr liessen sich die Eltern scheiden. Urs war ganz und gar nicht traurig �ber diesen Entscheid, denn er hasste seinen Vater aufgrund der Schl�ge. Er weigerte sich sogar seinen Vater zu besuchen. Seit der Scheidung traf Blank seinen Vater nur noch ein einziges Mal, vor vier Jahren, bei der Beerdigung seiner Mutter. Auch in der Schule verzichtete Urs, so gut es ging, auf Gewalt. Leider provozierte er damit seine Mitsch�ler. Sie versuchten ihn so lange zu �rgern, bis er zur�ckschlug. Je �lter er jedoch wurde, um so besser hatte er sich unter Kontrolle. Schliesslich beherrschte er seine Gef�hle dermassen gut, das er Wut nur noch in seinen Gedanken und Phantasien zuliess. Wie bereits im Kapitel 2.2.1. erw�hnt, meldete sich Blank wegen seinem Gewaltverzicht zum waffenfreien Milit�rdienst. Urs` Aggressivit�t und Hyperaktivit�t sind Anzeichen f�r eine psychische St�rung in seiner Kindheit. Es ist ihm jedoch gelungen diese St�rungen vorerst zu verdr�ngen. 2.2.3. Erste Anzeichen einer Lebensstil- und Pers�nlichkeitsver�ndrung Bereits aus dem ersten Kapitel des Buches geht deutlich hervor, dass Urs Blank mit seinem bisherigen Lebensstil unzufrieden ist. Erstmals wird seine Lage nach einer Verhandlung mit Klienten in einer Waldgastst�tte angesprochen. �Aber etwas stimmte wohl nicht in seinem Leben, wenn es einer konspirativen Fusionsverhandlung bedurfte, um ihn nach Jahren wieder einmal in den Genuss eines Waldspaziergangs zu bringen.� Nach dem Spaziergang geht Urs zur Vernissage seiner Freundin Evelyn Vogt, wo er einen Gast leise als Arschloch tituliert. Am Abend trinkt er f�r seine Verh�ltnisse zu viel und gesteht Evelyn, dass er momentan etwas depressiv sei. Am n�chsten Morgen schockt Blank seinen Assistenten Christoph Gerber, als er einen Klienten Arschloch nennt. Am meisten �rgert sich Blank jedoch �ber Gerbers Arbeitseifer, der seiner eigenen Art so �hnlich ist. Zum Mittagessen mit Alfred Wenger f�hrt er nicht wie �blich mit dem Taxi. Er geht zu Fuss durch einen Park, wo er sich erstmals in seinem Leben R�ucherst�bchen kauft. Anstelle des obligaten Mineralwassers bestellt Urs einen Rotwein. Am Abend setzt er sich dann entspannt in einen Sessel, z�ndet ein paar R�ucherst�bchen an und trinkt die n�chste Flasche Rotwein. W�hrend er den Duft der R�ucherst�bchen einatmet, denkt er nicht an Evelyn sondern an die junge Flohmarktverk�uferin Lucille. In den folgenden Tagen verst�rken sich Blanks Depressionen und Aggressivit�ten w�hrend der Arbeit zunehmend. Dies bekommen sowohl seine Arbeitskollegen, wie auch seine Klienten zu sp�ren. Schliesslich z�gert er sogar ein Mandat anzunehmen, das eines der erfolgversprechendsten des Jahres ist. Weitaus pr�gender f�r seine Zukunft ist aber die Beziehung zu Lucille. Einerseits versp�rt er aufgrund seiner Verliebtheit wieder mehr Lust zum Arbeiten, anderseits wechseln aber seine Interessen in die entgegengesetzte Richtung. Beispielsweise isst er �ber Mittag mit Lucille Sandwiches im Park, bleibt bis sp�t in die Nacht fort, kommt zu sp�t oder �berhaupt nicht zum w�chentlichen Treffen mit Wenger und verkehrt in Lucilles Kreisen. Als Evelyn ihn aus der Wohnung schmeisst, entschuldigt er sich bei ihr mit der Erkl�rung, eine andere Welt kennen lernen zu wollen. Am n�chsten Tag zieht Urs ins Hotel �Imperial�, wo er sich vollkommen frei f�hlt. Noch in der selben Nacht raucht er mit Lucille den ersten Joint. Um ihr zu beweisen, dass er kein Spiesser ist, erkl�rt er sich sogar mit dem Versuch von psychedelischen Drogen einverstanden. Erw�hnenswert w�re noch die Tatsache, dass der Arbeitskollege Ott in Blank einen Killerinstinkt entdeckt hat. Ein Instinkt, den Blank zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht bemerkt hat, geschweige denn ein anderer. Blanks Verhalten signalisiert also deutliche Unzufriedenheit mit seinem bisherigen Leben. Zudem wird sichtbar, dass er bisher versucht hat, ein perfekter Mensch zu sein. Dabei unterdr�ckte er jedoch seine Gef�hle und ging seinen pers�nlichen Interessen zu wenig nach. Jetzt ist er an einem Punkt angelangt, an dem sein wahres Ich sich wieder durchzusetzen beginnt. Seine eigene Freude und Lucille unterst�tzen ihn bei dieser Lebensstil- und Pers�nlichkeitver�nderung. 2.2.4. Der Pilztrip und seine Wirkung auf Blanks Psyche (w�hrend dem Trip) Am folgenden Wochenende nimmt Blank mit Lucille an einem Pilzritual bei einer Waldlichtung teil. Eine Hippiefrau kl�rt die sechs Teilnehmer �ber die Dosierung von halluzinogenen Pilzen auf: �Drei kleine, trockene Pilze enthalten etwa ein Gramm Psilocybin. Je nach K�rpergewicht braucht ihr mehr oder weniger.� (...) Sie f�llt ein Glas mit Wasser und wirft drei Tabletten hinein. (...) �Reines Vitamin C. �berdeckt den Geschmack und verbessert die Wirkung.� Lucille nimmt vier mittlere Pilze und der zwanzig Kilo schwerere, aber skeptische, Urs nimmt drei mittlere, zwei kleine und einen winzigen zyanblauen Pilz. Bevor Urs die Pilze einnimmt, beschreibt ihm Lucille noch die Wirkung von Psylos. Es sei wie LSD, jedoch sch�ner und organischer. Oder wie ein Joint, der aufmache statt zu. Zehn Minuten nachdem Blank die Pilze gegessen hat, beginnt er wie die anderen mit Schlaginstrumenten zu spielen. Obwohl er sich normalerweise seiner musikalischen Unbegabtheit bewusst ist, glaubt er auf einmal, Musik zu verstehen. Die Gruppe hingegen nervt sich dermassen �ber seinen falschen Rhythmus, dass sie froh ist, als er aufh�rt, weil er umkippt und sich �bergeben muss. Als es Urs wieder besser geht, sp�rt er, wie ihn die Wiese verschlingt. Er selbst f�hlt sich wie ein Glasbeh�lter, der sich mit verschiedenen Farben f�llt. Nachdem ihn die Wiese ausgespuckt hat, glaubt er von Wiesenwichten gefesselt zu werden. Etwas sp�ter zieht es Urs in den Wald. Dort kann er alle seine Freunde und Bekannten in Pflanzen, Tiere, Gegenst�nde und Elemente verwandeln. Dass sie dabei um ihr Leben flehen, l�st keine Gem�tsregung in ihm aus. Blank hat n�mlich erkannt, dass es keine Werte wie gut, b�se, ich, du, richtig, falsch etc. gibt. Das einzige Reelle ist er selbst! Zur�ck bei der Gruppe muss Urs weinen, weil er sich aufgrund seiner Erkenntnisse so einsam f�hlt. Lucille macht sich ernsthaft Sorgen um Urs, weil er apathisch ist und fremd und unheimlich wirkt. 2.2.5. Psychoaktive Pilze und ihre Wirkung im Vergleich mit Fachliteratur Psychoaktive Pilze geh�ren der Gruppe Halluzinogene an, weshalb sie ziemlich �hnlich wie LSD wirken. Die psychoaktiven Wirkstoffe von halluzinogenen Pilzen sind Psilocybin und Psilocin. Die �bliche Dosis von �Psilocybe semilanceata� liegt bei 10-20 mg Psilocybin, was einem Gramm getrockneter oder 5-10 g frischer Pilze entspricht. Unerfahrene Menschen sollten nur ein halbes Gramm nehmen, da das Wirkungsspektrum von der Dosis abh�ngig ist. Die Angabe �Drei kleine, trockene Pilze enthalten ein Gramm Psilocybin� ist somit fehlerhaft! Es m�sste heissen: Drei kleine, trockene Pilze w�gen etwa ein Gramm und enthalten 10-20 mg Psilocybin. Da Urs sechs verschieden grosse Pilze genommen hat, nahm er mindestens zwei Gramm Pilze zu sich. Damit hat er die empfohlene Anf�ngerdosis mindestens um ein Vierfaches �berschritten. Wenn die Pilze mit Orangensaft oder Schokolade vermischt werden, wird das Gewebe aufgebrochen und das Psilocybin besser aufgenommen. Die Empfehlung der Hippiefrau, die Pilze mit Vitamin C einzunehmen ist also korrekt, wenn man eine bessere Wirkung erzeugen will. Die Wirkung des Trips wird in mehrere Abschnitte unterteilt. Sie beginnt in der Regel ca. 20-30 Minuten nach Einnahme der Pilze und gleicht einem Alkoholrausch. Damit l�sst sich Blanks Selbstsicherheit erkl�ren. Dabei k�nnen unerw�nschte Nebenwirkungen wie Gleichgewichtsst�rungen, Schwindel, �belkeit, Atembeschwerden und Herzrasen auftreten. Es ist also vollkommen normal, dass Urs umgekippt ist und sich �bergeben musste. Nach etwa einer Stunde zeigt sich eine Intensivierung der optischen und akustischen Wahrnehmung, die bis zu f�nf Stunden anh�lt. Bei h�heren Dosen wird die von den Sinnesorganen wahrgenommene Umwelt vom Gehirn in andere Formen und Bilder uminterpretiert. Ab 20 mg Psilocybin k�nnen wahnhafte Verarbeitungen der Wirklichkeit zu einer Isolierung von der Umgebung f�hren. Blank, der w�hrend seinem Trip Trugwahrnehmungen hatte, die ihn zu unrealistischen Erkenntnissen kommen liessen, erlebte einen Trip der intensivsten Sorte. W�hrend dem Ausklingen des Rauschzustandes kommt es zur Erm�dung und Ersch�pfung, teils auch zu Niedergeschlagenheit und Angstgef�hlen. Entsprechend dieser Ph�nomene musste Urs weinen. Dies geschieht aufgrund einer erh�hten Aussch�ttung von Serotonin (Gl�ckshormon) w�hrend des Trips. Da der Serotoninspiegel nach dem Rausch aufgebraucht ist, kommt es zu depressiver Stimmung. 2.2.6. Blanks ver�nderte Pers�nlichkeit nach dem Trip Schon am folgenden Tag, d.h. nachdem Urs etwas geschlafen hat, werden die Folgen des Trips erstmals deutlich: Er glaubt weiterhin an seine Erkenntnisse, die besagen, dass er das einzige Wirkliche ist. Gegen�ber von Lucille verh�lt er sich distanziert und wortkarg. Als Lucille auf der Heimfahrt meint, es sei nicht gut, wenn man nach einem Trip alleine sei, erkl�rt er ihr, dass man immer alleine sei. Diese Aussage ist ein weiterer Hinweis, f�r seine neu gewonnene �berzeugung. Zur�ck im Hotel versucht sich Blank einzureden, dass er sich jetzt in der Wirklichkeit bef�nde und der Trip die Unwirklichkeit gewesen sei. Aber sobald er die Augen schliesst, wird die Unwirklichkeit zur Wirklichkeit. Zur Ablenkung ruft er Lucille an. Doch mitten im Gespr�ch legt er grundlos, ohne sich zu verabschieden, den H�rer auf. Ein Indiz f�r das pl�tzliche Desinteresse an seiner Freundin. Begr�nden l�sst sich dies mit der gest�rten Steuerung von Blanks Unterbewusstsein. Auch am n�chsten Tag unterscheidet Blanks Unterbewusstsein nicht richtig zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem: Bei einer Sitzung mit Klienten verliert er mehrmals den Faden, weil er lieber seine Gespr�chspartner studiert. Als ihn ein Arbeitskollege sprechen will, l�uft er diesem einfach davon, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sogar w�hrend dem Liebesakt mit Lucille verliert er auf einmal das Interesse. Eine weitere Nachwirkung des Trips ist die Unf�higkeit seine Gef�hle zu kontrollieren: Er schreit seinen Assistenten Gerber grundlos an und verh�lt sich gegen�ber seinen Klienten vollkommen unfreundlich. Weitaus erschreckender ist aber die Tatsache, dass Urs Lucilles Katze den Hals umdreht, nur weil sie von ihm gestreichelt werden wollte. Aus psychologischer Sicht gelten diese Verhaltensweisen als eine Art der Schizophrenie. Hinzu kommt noch Blanks fehlendes Gef�hl von Reue! Dies �ussert sich in seinem asozialem und menschenunw�rdigem Handeln: er erschrickt �berhaupt nicht, als er bemerkt, dass er seinen Arbeitskollegen vergessen hat. Und er h�lt es in keinem der zuvor erw�hnten F�lle f�r n�tig, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Er ist sogar im Stande, Lucilles Katze zu verstecken und anschliessend, ohne den Vorfall zu erw�hnen, mit Lucille ins Bett zu gehen. Lucille glaubt deshalb, die Katze sei davon gelaufen und bittet Urs am n�chsten Morgen, Suchplakate zu dr�cken. Er vergisst diesen Auftrag aber, weil sein Unterbewusstsein ihn als unwesentlich betrachtet. Am Abend kommt er nicht zur Verabredung mit Lucille. Nicht weil er ein schlechtes Gewissen hat, sondern weil ihn ihre Sorgen nicht im Geringsten interessieren. Mit diesem Verhalten signalisiert Blank bereits, dass ihn das Leben und die Sorgen anderer herzlich wenig ber�hrt. Der freundliche Urs entwickelt sich zu einem egoistischen, liebloser Einzelg�nger, auf den kein Verlass mehr ist! Neuerdings l�sst sich Urs auch wieder rasch provozieren: Als ihn ein Coup� �berholen will, �rgert er sich im h�chsten Grade. Er bremst ihn aus, so dass dieser in ein entgegenkommendes Auto rast. Schuldgef�hle versp�rt Blank keine! Blanks neuer Charakterzug �nderte sich eindeutig ins Negative. �hnlich wie fr�her, in seiner Kindheit, kann er seine Gef�hle nicht mehr im Zaun halten und wird gewaltt�tig. In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich die Charakteristik seiner Kindheit aber mit seinem neuen Charakterzug: Als Kind war er stets darum bem�ht, keine Gewalt anzuwenden. Doch seit dem Trip belasten ihn keine Scham- und Reuegef�hle mehr. Er folgt jedem Impuls und kennt keine Hemmschwelle mehr. Weil er jetzt all das tut, was er fr�her am liebsten getan h�tte, wird dem Leser deutlich, dass nun sein wahres Ich endg�ltig ausgebrochen ist und sich krankhaft zu �ussern beginnt. 2.2.7. Risiken und Folgen eines Trips im Vergleich mit Fachliteratur Die Wirkung von Pilzen wird nicht nur von der Dosierung, sondern auch von der Person, der Einstellung zur Droge, der jeweiligen Stimmung und der Umgebung bestimmt. Deshalb ist es ratsam einen Trip in angenehmer Atmosph�re, wenn m�glich in der Natur, mit Menschen denen man vertraut einzunehmen. Problematisch waren die vier unbekannten Teilnehmer und die beiden Betreuer. Blank f�hlte sich in dieser Gemeinschaft n�mlich absolut unwohl. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb er die Gruppe instinktiv verlassen hat und in den Wald gegangen ist. Personen die sich mit aktuellen Konflikten besch�ftigen, sollten auf einen Trip verzichten. Da Urs ja offensichtlich gen�gend pers�nliche Probleme hat, ging er mit der Einnahme ein Risiko ein. Vor der Einnahme von Pilzen, ist es ratsam, sich auf den Trip vorzubereiten, indem man sich �berlegt, was man mit dem Trip beabsichtigt. Urs konnte sich jedoch gar nicht auf den Trip vorbereiten, da Lucille ihm nicht erz�hlt hat, dass sie an einem Pilzritual teilnehmen werden. Am wesentlichsten ist jedoch der folgende Punkt: Pilze k�nnen einen starken Einfluss auf die Psyche haben, indem sie tieferliegende Gef�hle zum Vorschein bringen. Bei einer Anf�lligkeit f�r psychische Erkrankungen, muss man deshalb auf einen Trip verzichten, da er eine (bislang verdeckte) Psychose, ein krankhafter Zustand mit erheblicher Beeintr�chtigung der psychischen Funktionen und gest�rten Realit�tsbezug, ausl�sen kann. Diese Tatsache ist Urs zum Verh�ngnis geworden! In seiner Kindheit litt er ja bekanntlich an psychischen St�rungen. Bekannt ist, dass bei entsprechend disponierten Personen, besonders bei Patienten mit einer psychischen St�rung (Schizophrenie) im Kindheitsalter, akute Psychosen ausgel�st werden k�nnen. W�hrend eines Trips zeigt die Aktivit�t des Gehirns einen �hnlichen Zustand wie bei einer schizophrenen Person. Neigt die berauschte Person zu Schizophrenie, so kann sie dadurch ausgel�st werden. 2.2.8. Erste Massnahmen Nat�rlich merkt Urs, dass etwas mit ihm nicht mehr in Ordnung ist, weshalb er beschliesst, seinen Freund, den Psychiater Alfred Wenger, um Hilfe zu bitten. Obwohl Blank nicht von Schuldgef�hlen geplagt wird, will er wieder wie vor dem Trip sein. Haupts�chlich wird ihn wohl die Angst vor allf�lligen Strafen dazu bewogen haben. Im Gegensatz zu seinem Unterbewusstsein funktioniert sein Verstand n�mlich noch weitestgehend richtig. D.h. sein Unterbewusstsein hat die �berhand �ber seinen Verstand gewonnen und regiert seine Handlungen. Er weiss aber, dass er sich falsch und gef�hrlich verh�lt. Blank erw�hnt deshalb alle Details mit Ausnahme des Autounfalls. W�hrend dem Gespr�ch mit Wenger kristallisiert sich die Hauptursache seiner Charakter�nderung heraus. Wenger: �Psylocybin ver�ndert die Sinneswahrnehmungen, die zeitlichen und r�umlichen Wahrnehmungen, den Bewusstseinszustand. Es vermittelt dir ein anderes Selbstgef�hl. Das kann zu einer Ver�nderung im Verhalten, in den Werturteilen und in den pers�nlichen Eigenschaften f�hren. Du hast auf deinem Trip die Einsicht gewonnen, dass es nichts gibt au�er dir selbst. Und dieser Erkenntnis entsprechend verh�lt sich dein Unterbewusstsein. (...) Man sagt, dass Pilze T�ren �ffnen, die du nie wieder ganz schliessen kannst. Nach einem psychedelischen Trip bist du nicht mehr ganz der, der du zuvor warst. Aber die Nachwirkungen gehen (...) nach ein paar Tagen oder Wochen oder Monaten vorbei. (...) Die Nachwirkungen lassen sich behandeln, indem man den Trip unter Aufsicht einer Fachperson wiederholt und korrigiert.� Urs beschliesst sich von Wenger psychiatrisch behandeln zu lassen und den Trip kontrolliert zu wiederholen. Die Vorschl�ge von Wenger sind aus heutiger Sicht eindeutig belegt. Der Erfolg von Therapien mit Halluzinogen oder Hypnosen, bei denen ein �hnlicher Zustand erreicht wird, ist aber nicht vorhersehbar. Eindeutig sicher ist jedoch, dass diese Therapieformen Zugang zum Unterbewusstsein verschaffen, wodurch dieses beeinflusst wird. 2.2.9. Die Auswirkung des zweiten Trips auf Blanks Psyche (w�hrend und nach dem Trip) Die Wiederholung des Trips ist ein deutlicher Misserfolg, weil Blank zu neuen Erkenntnissen kommt, anstatt die alten Fehler einzusehen. Dieser Trip unterscheidet sich in folgenden Merkmalen: Urs gibt nicht mehr selbst den Rhythmus an, sondern er l�sst sich von ihm treiben. Er dominiert auch nicht �ber die Natur. Statt dessen glaubt er ein Teilchen des Universums zu sein, das die Naturgesetze versteht. Pl�tzlich h�rt er einen Engel auf lateinisch singen. Im Gegensatz zu Wenger ist Urs vom Erfolg des Trips �berzeugt. Was die beiden jedoch noch nicht wissen ist, dass der Trip nicht gleich wirken konnte, weil Blank dieses Mal keinen zyanblauen Pilz gegessen hat. W�hrend den n�chsten zwei Tagen gibt sich Urs liebensw�rdig, da er sich einbildet, wieder geheilt zu sein. Doch bereits am Abend des zweiten Tages vergisst Urs mitten im Gespr�ch mit Evelyn die Wirklichkeit. Schuld ist nat�rlich sein Unterbewusstsein, welches ein Gespr�ch �ber die gemeinsame Zukunft als unwichtig empfindet. Wortkarg und schroff verl�sst er darauf das Haus. Als er aber zur�ck ins Hotel f�hrt, tut ihm sein Verhalten leid! Der zweite Trip bewirkte also, dass Urs wieder vom schlechten Gewissen geplagt wird. Jedoch meldet sich sein Gewissen anstatt rechtzeitig im Voraus, erst im Nachhinein. Ein weiterer Beleg daf�r ist die folgende Situation: Urs soll einen Journalisten hindern, einen Text �ber eine wichtige anstehende Fusion zu ver�ffentlichen. Weil dieser sich weigert, w�rgt ihn Urs und beschimpft ihn aufs �usserste. Etwas sp�ter bekommt er nicht nur deshalb ein schlechtes Gewissen, sondern auch wegen Lucille, Evelyn, den beim Autounfall t�dlich verungl�ckten Menschen, Gerber etc. Ein paar Tage sp�ter hat Blank schon wieder einen Psychiatertermin. Er benimmt sich n�mlich wie vor dem Trip. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er sich im Nachhinein schlecht f�hlt. Dieser Termin ist von grosser Bedeutung, weil dabei Wichtiges aufgedeckt oder zumindest angedeutet wird. Erstens stellt sich heraus, wie seltsam und unbekannt die Folgen des Trips sind. Bislang wurden Leute, soweit bekannt, nur w�hrend einem Trip und unter zus�tzlicher Einwirkung von h�rteren Drogen gewaltt�tig. Daraus entsteht die Annahme, dass Blank nicht nur psychedelische Pilze bekommen hat. Ein zweiter Hinweis f�r den Verlauf von Blanks Zukunft steckt in seiner Reaktion auf Wengers Frage: �Hast du irgendwann in diesen Tagen das Gef�hl gehabt, du k�nntest nicht nur einer kleinen Katze gef�hrlich werden?� Blank z�gerte einen Moment. Dann sch�ttelte er den Kopf. �Nie. Ausser meinem Psychiater.� Das Z�gern signalisiert, wie unsicher er ist. Schliesslich hat er ja bereits einen t�dlich verlaufenden Unfall provoziert. Wohl um dem �nie� keine zu starke Bedeutung zukommen zu lassen und um von seiner Unsicherheit abzulenken, hat er noch den zweiten Satz hinzugef�gt. Blanks Unsicherheit erweist sich als berechtigt. Am Abend bedroht ihn ein Junkie beim Joggen. Er schl�gt ihn furchtlos nieder und �berf�hrt ihn anschliessend mit dem Auto. Nachts erwacht er schweissgebadet, weil ihn sein schlechtes Gewissen plagt. Im Morgengrauen f�hrt er zum Pilzritualveranstalter. Damit dieser mit der Wahrheit �ber die Zusammensetzung des Trips herausr�ckt, bedroht er ihn mit siedend heissem Wasser. Der Veranstalter gesteht, dass sich irrt�mlicherweise ein unbekannter zyanblauer Pilz unter den Spitzkegeligen Kahlk�pfen �Psilocybe semilanceata� befunden habe, den er selbst ausprobieren wollte. Einmal mehr schnappt Urs in seiner Wut �ber. Er ermordet den Mann und z�ndet das Haus an. Wie �blich plagt ihn im Nachhinein das schlechte Gewissen. Meiner Meinung nach holte der zweite Trip wieder die gute Seite in Blank hervor, welche der b�sen aber unterliegt. Urs` Pers�nlichkeit ist nun zweifellos gespalten. 2.2.10. Die Wandlung vom gepflegten Anwalt zum verkommenen Waldmenschen Seit dem verh�ngnisvollen Trip f�hlt sich Urs in der Natur viel wohler als im Stadttumult. Er zieht deshalb f�r einige Zeit in ein Kurhotel mitten im Wald, in der Hoffnung, sich wieder kontrollieren zu k�nnen. Mit Hilfe von Meditations�bungen und Spazierg�ngen versucht Blank wieder ein sozialer Mensch zu werden. Des weiteren beginnt er sich f�r die Pilzwelt zu interessieren. Alfred Wenger hat ihn n�mlich best�tigt, dass dieser unbekannte zyanblaue Pilz allenfalls einen anderen Wirkstoff als Psylocybin enthalten haben k�nnte, der Schuld an seiner Pers�nlichkeitver�nderung sein k�nnte. Fortan sucht Urs t�glich nach dem seltsamen Pilz, um den Trip zu korrigieren. Dadurch gewinnt er das Interesse an wildwachsenden Kr�utern, Waldgem�sen, Fr�chten und Pilzen, die er eifrig sammelt und kocht. Obwohl Blank w�hrend dem Kuraufenthalt zunehmend ruhiger wird, droht er Evelyn mit dem Tod und schl�gt Ott mit der Faust ins Gesicht. Trotzdem zieht er nach einem Monat in ein Hotel am Stadtrand und beginnt wieder Halbtags zu arbeiten. Seinen Lebensstil �ndert er jedoch vollkommen: Er geht nun beinahe t�glich in den Wald, um Esswaren f�r seine selbst kreierten Gerichte zu sammeln. Seinen Jaguar hat er verkauft und sich einen gel�ndeg�ngigen Range Rover zugelegt. Morgens, vor der Arbeit, unternimmt er bereits Spazierg�nge, weshalb er oft mit Wanderschuhen und Kordhosen zur Arbeit erscheint. Den Kontakt mit Klienten vermeidet er, um sie vor m�glichen Wutausbr�chen zu sch�tzen. Zudem trainiert er w�hrend den arbeitsfreien Tagen das �berleben im Wald. In der Welt des Survivals hat Urs nun endlich eine neue Welt gefunden, die die Arbeitswelt bei weitem �bertrumpft. In der Kanzlei erscheint er deshalb immer seltener, wor�ber seine Kollegen froh sein k�nnen. Genauso radikal wie sein Kleiderstil hat sich n�mlich auch seine Pers�nlichkeit ge�ndert! Aus dem charmanten, hilfreichen und ausgeglichenen Weltmann ist ein launischer und wortkarger Eigenbr�tler geworden. Abgesehen vom Thema Wald und der Absicht eins mit ihm zu werden kennt Urs �berhaupt keine Interessengebiete mehr. Dass er wegen seiner egoistischen Denkweise sein Ansehen und seine Freunde verliert, bemerkt er wahrscheinlich nicht einmal. Auf alle F�lle belastet es ihn absolut nicht, da er in seinen Augen sowieso das einzig Wirkliche ist. Die einzige Person, die Urs nicht vergessen kann, ist Lucille. Als er von ihrem neuen Freund h�rt, setzt es in ihm wieder aus. Er w�rgt den Neuen, wobei er ihn lebensgef�hrlich verletzt. Lucille wird bewusst, wie gef�hrlich Urs geworden ist. In ihrer Angst schreit sie hinter ihm her, dass die Polizei bereits bei ihr war, weil sie nach ihm fanden. Blank erkennt seine brenzlige Situation, weshalb er noch in der selben Nacht verschwindet und einen Selbstmord vort�uscht. Von nun an lebt der tot geglaubte Urs Blank im Wald. Von Woche zu Woche wirkt er wegen den fettigen, langen Haaren, dem Vollbart und dem beissenden Geruch des Lagerfeuers verkommener. Sein Tagesablauf ist bestimmt von der Nahrungssuche, vom Jagen und von der Hoffnung den zyanblauen Pilz zu finden. Denn obwohl Blank seinen alten Lebensstil nicht vermisst, m�chte er doch wieder ein sozialer Mensch werden. Beim Erlegen eines Kaninchens ist ihm n�mlich seine Gef�hlsk�lte erneut bewusst geworden. In den N�chten qu�len ihn Gewissensbisse und das Gef�hl von Hilflosigkeit. Um nicht entdeckt zu werden und um niemandem etwas anzutun, fl�chtet er stets vor anderen Waldbesuchern. Eines Tages findet ihn aber ein J�ger. Urs, wie �blich blind vor Wut, st�sst den Mann �ber eine Felskante ins Tal. Nachtr�glich setzen die Schuldgef�hle in drei spezifischen Etappen ein: Zuerst der Versuch, die Realit�t zu verdr�ngen, danach die Auseinandersetzung mir der Tat und schlussendlich l�hmende Depressionen. Im letzen Stadium sehnt er die Einsicht herbei, dass nichts ausser ihm z�hlt. Urs verh�lt sich vollkommen widerspr�chlich! Auf der einen Seite will er wieder normal werden, auf der andern Seite w�nscht er sich die verh�ngnisvolle Einsicht schnellstm�glich zur�ck. Das ist ein weiteres Indiz f�r Schizophrenie. 2.2.11. Blanks Erkenntnisse �ber den verh�ngnisvollen Trip Blank realisiert, dass er immer wieder gewaltt�tig werden wird. Der Wald kann ihn weder therapieren, noch die Menschheit vor seinen Attacken bewahren. Er kann ihm nur helfen, seinen ver�nderten Charakter zu ertragen. Wenn er wieder der alte Urs sein will, muss er sich selbst helfen, indem er den Trip korrigiert. Blank beschliesst deshalb, heimlich im Internet der Kanzlei Informationen �ber psychedelische Drogen zu suchen. Obwohl er nichts �ber seine Symptome findet, st�sst er auf einen interessanten Hinweis. Ein Forscher warnt vor der gleichzeitigen Einnahme von Pilzen und Mao-Hemmern, da ihr Zusammenwirken nicht erforscht sei. �Maos sind Stoffe, die zweierlei bewirken: Erstens setzen sie die Enzyme ausser Gefecht, die die Aminos�uren und damit die meisten Drogen im K�rper abbauen. Und zweitens verst�rken sie die Wirkung von Psilocybin im Hirn.� 10 In der Liste der Mao-Hemmer enthaltenden Pflanzen entdeckt er einen seltenen Pilz, conocybe caesia, auf Deutsch Safrangelbes Samth�ubchen, der dem zyanblauen Pilz sehr �hnlich sieht. Dieser Pilz ist sehr selten und kommt nur von August bis Anfang September nach Regenf�llen neben Eiben vor, mit denen er in Symbiose lebt. Nach dem Pfl�cken verf�rbt sich das Gelb des Samth�ubchensblau. F�r Blank steht nun fest, dass er ein Safrangelbes Samth�ubchen finden muss, bevor er weitere Personen beseitigt. 2.2.12. Mao-Hemmer und halluzinogene Pilze im Vergleich mit Fachliteratur Bei meinen Nachforschungen �ber Mao-Hemmer fand ich sogar heraus, dass bei der Einnahme von Mao zwei Gramm psychedelische Pilze wie f�nf Gramm wirken. Somit hat Urs die empfohlene Einsteigerdosis nicht nur um ein Vierfaches, sonder gleich um ein Zehnfaches erh�ht. Desweitern hemmt Mao das k�rpereigene Enzym Mao A, wodurch k�rpereigene wie auch von aussen zugef�hrte Aminos�uren nicht abgebaut werden und die Blut Hirnschranke �berschreiten k�nnen. Mao-Hemmer sind aber nicht generell gef�hrlich. Sie werden n�mlich zur Therapie gegen depressive St�rungen eingesetzt, da sie den Serotoninspiegel kontrollieren, wodurch sie antidepressiv wirken. Ich gehe davon aus, dass bei Blanks erstem Pilztrip die antidepressive Wirkung gegen�ber den schlechten Erkenntnissen eine verschwindende Nebenrolle gespielt hat. Bei einem n�chsten Trip m�sste er also Mao nehmen, um die selbe hohe Wirkung wie beim ersten zu erzielen. Theoretisch w�re es dann m�glich das Unterbewusstsein zu beeinflussen (vgl. Kap. 2.2.8.). 2.2.13. Berichtigung des verh�ngnisvollen Trips Als Urs zur�ck ins Waldversteck kommt, wird er bereits von der Polizei erwartet. Ihm gelingt jedoch die Flucht, weil er den Spurenhund erstochen hat. Tagelang wandert er nun durch den Wald in ein anderes Gebiet, wo noch vereinzelt Eiben stehen. Dort errichtet er sich in einer H�hle ein neues Lager, in der Hoffnung eines Tages ein Samth�ubchen zu finden. Nat�rlich ist sich Urs im Klaren, wie sehr die Zeit dr�ngt, zumal die Polizei eifrig nach ihm fahndet. Hingegen ahnt er nicht, dass ihm auch Ott auf den Fersen ist. Nach einem Regentag findet er endlich zwei Safrangelbe Samth�ubchen. Um den Trip unter den selben Bedingungen zu wiederholen, marschiert er sogleich zur Lichtung, wo er einst diese drastischen Pilzerfahrungen machte. Als er die Ruine des verbrannten Hauses sieht, sp�rt er wie erwartet keine Regung. W�hrend dem Trip verwandelt er seine Freunde, Feinde, Geliebten und Verflossenen wieder zu Pflanzen. Dieses Mal l�scht er sie nicht aus, sondern verwandelt sie zur�ck in ihre richtige Gestalt. Zusammen mit ihnen wird er ein Teil des Universums. Am n�chsten Morgen entdeckte Blank Spuren vor seiner H�hle. Er wartete neben dem H�hleneingang mit aufgeklapptem Jagdmesser auf die Person, die sich in der H�hle befand. Als er den hinaustretenden Mann anspringt, bekommt dieser sein Messer zu fassen. Trotzdem besiegt Urs den Mann, der sein ehemaliger Gesch�ftspartner Pius Ott ist. Blank will ihn erstechen, was ihm aber nicht gelingt, weil ihn sein Geist daran hindert. Er l�chelt und f�hlt sich gut, obwohl er sieht, dass Ott seine Pistole z�ckt und ihn erschiesst. Ott vergr�bt ihn im Wald, damit er eins mit ihm werden kann. Es ist offensichtlich, dass die Berichtigung des Trips bei �quivalenter Zusammensetzung erfolgreich verlaufen ist. Urs konnte Ott nicht ermorden, weil sein Gewissen wieder zwischen Gut und B�se unterschieden hat. Des weiteren ist er auch nicht mehr der �berzeugung gewesen, das einzig Reelle zu sein. Dies zeigt sich n�mlich bereits w�hrend dem Trip, als er seine Bekannten wieder in ihre richtige Gestalt umgewandelt hat und sie zusammen ein Teil des Universums geworden sind. Sein Ende ist das Beste, was ihm passieren konnte, wenn man bedenkt, dass er f�r seine zahlreichen Verbrechen schwer bestraft werd 3. Schlusswort Ich m�chte nun zum Schluss nochmals auf die wesentlichsten Punkte �ber Urs Blanks Lebensstil- und Pers�nlichkeitsver�nderung eingehen: Urs Blank hatte w�hrend seiner Kindheit gelernt seine psychischen St�rungen, insbesondere seine Aggressivit�t zu verdr�ngen. Jahrelang f�hrte er ein geregeltes Leben, z�gelte seine Gef�hle �berm�ssig, lebte f�r die Arbeit und nahm sich kaum Zeit f�r sich und die Spass vollen Dinge im Leben. Sein Verhalten wurde ihm jedoch zum Verh�ngnis! Urs wurde zunehmen depressiver aus Unzufriedenheit mit seinem Leben. Langsam kam sein wahres Ich wieder zum Vorschein. Er war �fters aggressiv, vernachl�ssigte seine Arbeit und versuchte mittels einer jungen Freundin eine neue Welt kennen zu lernen. Sein erster Pilztrip enthielt nebst halluzinogenen Pilzen noch Mao-Hemmer, wodurch der Trip viel zu stark wirkte. Er gelangte dabei zur �berzeugung, dass er das einzig Wichtige sei. Folge dessen kamen die schlechten Seiten in Blank endg�ltig zum Vorschein. Er verhielt sich egoistisch, desinteressiert, asozial, und war unf�hig seine Gef�hle zu kontrollieren, sowie richtig zwischen Wesentlichem und Unwesentlichen zu unterscheiden. Da Blank der Risikogruppe angeh�rte, l�ste der Trip eine Psychose und Schizophrenie aus. Das Unterbewusstsein hatte die �berhand �ber sein Bewusstsein gewonnen. Urs tat hemmungslos alles, was er schon immer wollte und bislang unterdr�ckt hatte. Im Gegensatz zu seiner Kindheit kannte er keine Reue- und Schamgef�hle mehr. Bei einem zweiten Trip unter psychiatrischer Aufsicht, gelang es, die gute Seite in Blank wieder hervorzuholen. Diese unterlag aber dem B�sen vollkommen. Dadurch bekam er nach jeder schlechten Tat Gewissensbisse. Seine widerspr�chlichen Verhaltensmuster haben die Erkrankung an Schizophrenie eindeutig belegt. Der zweite Trip wirkte jedoch anders und viel schw�cher, weil er keine Mao-Hemmer enthielt. Blanks Verstand funktionierte trotzdem noch weitest gehend richtig. Ihm war durchaus bewusst, wie gef�hrlich er f�r die Umwelt war, da er vor skrupellosem Morden nicht zur�ckschreckte. Erst ein dritter Trip, der der Zusammensetzung des ersten entsprach, heilte ihn, weil er dabei die falschen Ergebnisse korrigieren konnte und der Mao-Hemmer antidepressiv wirkte. Der Tod erl�ste Urs von seinen zahlreichen Verbrechen. R�ckblickend kann ich sagen, die Untersuchung war sehr aufschlussreich und spannend. Bei der genaueren Betrachtung der Mao-Hemmer w�re ich aber beinahe stecken geblieben, da �ber ihre Wirkung mit Psilocybin wenig bekannt ist. Ohne fremde Hilfe h�tte ich auch mit den ausf�hrlicheren psychologischen Betrachtungen Schwierigkeiten gehabt. 4. Bibliographie Prim�rliteratur: Suter, M. (2000). Die dunkle Seite des Mondes. Z�rich: Diogenes Verlag. Fachliteratur: Freyberger, H. J., Stieglitz, R. (1996). Kompendium der Psychiatrie und Psychotherapie (10. Aufl.). Basel: S. Karger. Leu, D. (1980). Drogen � Sucht oder Genuss (3. Aufl.). Basel: Lenos Verlag. Schmidbauer, W., vom Scheidt, J. (1989). Handbuch der Rauschdrogen (2. Aufl.). Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag. Quellen im Internet: KiP: Kordination + Information f�r Partydrogen. Online in Internet: URL: http://www.drogen-online.de [3. 11. 2000] Drogenaufkl�rung: Thema Psilocybin. Online in Internet: URL: http://www.drogen-aufklaerung.de [19. 11. 2000] |
| Inhaltsverzeichnis |
| Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes |
| � Natalie Greh; Maturarbeit 2000 |
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