10.6.2003
Nach den Heuschrecken- und Libelleninventaren hat Pro Theiss auch das
Vogelmonitoring und die Nachtfalterbestandesaufnahmen in den Gebieten,
welche in Nyíregyháza als Naturschutzgebiete von lokaler
Bedeutung vorgesehen sind durchgeführt. Mit über 500 brütenden
Uferschwalben, Bienenfressern, Heidelerchen und Brachpiepern, Rotschenkeln,
Rohrdommeln und sogar einem Wachtelkönig leben auf Stadtgebiet ornithologische
Juvelen, welche unbedingt auf den lokalen Schutz warten! Die Pläne
werden im Herbst vom Stadtparlament behandelt.
30.5.2003
Rotschenkel in Nyíregyháza
Pro Theiss hat für den Ungarischen Vogelschutz in der Umgebung
von Nyíregyháza erstmals ein Inventar der brütenden
Rotschenkel erstellt. Mit 40-70 Paaren ist diese in Ungarn streng geschützte
Art in überraschend guter Zahl vertreten.
3.-5.5.2003
Zusammenarbeit zahlt sich aus!
Das Team von Pro Theiss und dem Ungarischen Vogelmonitoring-Centrum
hat das Bird-Race in Szatmár-Bereg gewonnen! Beim von der Nationalparkverwaltung
initiierten Projekt mit dem Ziel, begeisterte Ornithologen in das wenig
bekannte Gebiet zu locken und damit Grundlagendaten auch für den Naturschutz
zu bekommen, konnten wir natürlich nicht wenig vom 'Heimvorteil' profitieren.
Insgesamt 112 Vogelarten beobachteten wir während 24 Stunden, während
alle 10 Teams zusammen auf 163 Arten kamen! Die vom Nationalpark gestifteten
Sonderpreise für die naturschützerisch wertvollste Beobachtung
erhielten die Entdecker eines bisher unbekannten Schwarzstorchnestes, der
Preis für die seltenste Vogelart erhielten die Entdecker eines Steppenadlers,
der sich danach brav allen Teams präsentierte und auch unser Team
erhielt einen Sonderpreis für den zweiten Brutnachweis des Raubwürgers
in Ungarn. Bird-Racen und Naturschutz sind also durchaus vereinbar!
26.1.2002
Bei der Winterzählung der Waldohreulen im Gebiet der Theiss-Überschwemmung
(siehe 17.3.01) konnten wir an den Schlafplätzen in den Dörfern
173 Eulen zählen. Dies ist vergleichbar mit anderen Jahren. Scheinbar
haben in den Dörfern also auch genügend Kleinsäuger das
Hochwasser überlebt, um die Eulenpopulation aufrecht zu erhalten.
Auch Mäusebussarde konnten regelmässig in den am stärksten
betroffenen Gebieten beobachtet werden.
5.1.02
Das erste Pro Theiss Diskussionsforum
In der freundschaftlichen Atmosphäre der Sommerstrasse fand das
erste von Pro Theiss inizierte Diskussionsforum zum Thema Feuchtwiesenmamagement
statt.
Die Zusammenfassung der Statements aus der angeregten Diskussion mit
Fachleuten und Freunden aus Nyiregyhaza und Debrecen finden Sie hier.
2.9.01
Nachdem eine Pollenallergie auf Ambrosia artemisifolia die Pro Theiss
Geschäftsstelle im Spätsommer schach matt setzte, hat mit den
ersten Herbststürmen auch der Vogelzug wieder begonnen. Pro Theiss
und das Monitoring Zentrum der MME stellten am diesjährigen Hortobagy-Bird-Race
ein gemeinsames Team und mit 106 Arten in 24h belegten wir den 5. Platz
von insgesamt 29 Teams. Auch wenn wir den Hortobagy-Profi-Twichern nicht
ganz das Wasser reichen konnten, so konnten wir doch immerhin Kontakte
zu vielen Feldornithologen knüpfen und die Anliegen eines wissenschaftlich
fundierten Monitorings weiterverbreiten. Und mit Terekwasserläufer,
Odinshühnchen, Kleinem Sumpfhuhn und Adlerbussard auf der Artenliste
waren wir sowieso ganz zufrieden. Das Race war der Auftakt zu einer vertieften
Limikolenzählung an 7 weiteren Limikolenrastplätzen in der Region.
12.8.01
Unter Mithilfe von Olivier Olgiatti vom Schweizer Vogelschutz erstellte
der Verein Pro Theiss ein Heuschrecken- und Libelleninventar in 20 Gebieten
der Stadt Nyiregyhaza, welche als Naturschutzgebiete von lokaler Bedeutung
vorgeschlagen sind. Mit seltenen Arten wie der Ungarischen Nasenschrecke,
der Kreuzschrecke, der Heideschrecke oder der südlichen Mosaikjungfer
konnten auch wertvolle neue Schutzargumente gefunden werden. Die lokale
Naturschutzorganisation 'e-misszio' wird die politische Umsetzung des Planes
vorantreiben.
10.8.01
Der Plan zur Ausscheidung der ungarischen SPA (Specially Protected
Area unter der Vogelschutzrichtlinie der EU, ein Teil des Natura 2000 Schutzgebietsnetzes)
ist abgeschlossen. Auch Szatmar-Bereg, das Kerngebiet von Pro Theiss, ist
darin eingeschlossen. Bei der parzellengenauen Auswahl der schützenswerten
Flächen von mehr als 50'000ha haben die vom Verein Pro Theiss ermöglichten
langjährigen Beobachtungen die hauptsächliche wissenschaftliche
Entscheidungsgrundlage geliefert.
23.7.01
Vergleichende Bestandesaufnahmen von Tagfaltern im während dem
Frühjahreshochwasser überschwemmten Gebiet ergaben erfreulicherweise,
dass die meisten Arten die Katastrophe scheinbar unbeschadet überstanden
haben. Artenliste
21.6.01
Mähtermine
Entlang der Theiss sind bereits mindestens 3/4 der Wachtelkönigwiesen
abgemäht. Dies bedeutet, dass wohl kaum junge Wachtelkönige überleben
konnten.
25.5.
Im Überschwemmungsgebiet ist die Insektendichte im Vergleich zu
früheren Jahren geringer. Oftmals ist der Boden von einer 1-2cm dicken
Sedimentschicht überdeckt und daher die Vegetation sehr schütter.
Bisher scheint es aber, dass alle Arten noch vorhanden sind und sich das
Gleichgewicht bald wieder einstellen wird. Wie die beiden für das
Gebiet wichtigsten Schmetterlingsarten Maculinea teleius und Gortyna borelii
die Überschwemmung überstanden haben, wird sich jedoch erst im
Spätsommer und Herbst zeigen.
17.3.01
Katastrophales Hochwasser der Theiss
Ein noch nie dagewesenes Hochwasser richtet unglaubliche Verwüstungen an. Bereits wurden nach einem Dammbruch bei Tarpa 15'000 Leute evakuiert und mindestens 500 Häuser sind eingestürzt. In gewissen Dörfern sind mehr als 80% der Häuser unbewohnbar geworden. Vor allem die alten Häuser in traditionellem Stil, darunter einmalige Kulturdenkmäler sind betroffen, da sie meist aus Erdziegeln gebaut sind. Der Schaden ist noch nicht absehbar, momentan wird versucht, die Häuser und Trinkwasserversorgung zu desinfizieren, waren doch zahlreiche Friedhöfe und unzählige Ställe überschwemmt und viele Haustiere starben. Abfalldeponien, Abwasserreservoirs, illegale Benzinschmuggelhöhlen wurden ausgespült.
Auch der Schaden an der Natur ist gewaltig. Um die Siedlungen zu schützen, wird das Wasser mit Sprengungen und Sandsäcke in die unbewohnten Gebiete geleitet, wo wertvolle Wälder und Wiesen der dortigen Schuztgebiete teilweise meterhoch unter Wasser gesetzt. Vor allem bei den Insekten und Reptilien kann es dabei zu irreversiblen Schäden kommen. Die Samen der invasiven Pflanze Amorpha fructicosa wurden in bisher verschontes Gebiet gespült und werden sich nun auch dort ausbreiten. Zuezeit steht ein grosser Teil des Wachtelkönig-Untersuchungsgebietes unter Wasser - zum Glück kommen sie erst im Mai aus Afrika zurück, sodass zu hoffen ist, dass sie wenig betroffen sein werden. Ob sie dann allerdings genügend Nahrung finden werden, ist ungewiss! Unsere Forschungen werden es zeigen.
Auch die Feldstation von Pro Theiss blieb nicht verschont. Das Wasser stand mehr als einen Meter hoch und ein grosser Teil der Einrichtung wurde beschädigt, da die Flut zu schnell kam, um noch schnell alles in den Dachboden zu tragen. Die Station bleibt bis auf weiteres geschlossen.
12.2.01
Naturschutz als Spekulationsobjekt???
An einem Treffen der wichtigsten Naturschützer der Region zum
Thema des geplanten Nationalparkes Szatmar-Bereg hat sich auch der Verein
Pro Theiss beteiligt.
Die Situation ist absolut paradox: Politiker planen einen Nationalpark
und die Naturschützer müssen sich dagegen wehren! Die in der
Region sehr einflussreiche Kleinbauernpartei, kläglich versagender
Koalitionspartner in der bürgerlichen Regierung Ungarns, versucht
sich mit der Schaffung eines fachlich absolut unausgereiften Nationalparkprojektes
Ruhm und vor allem sehr viel Geld für die eigene Tasche und für
alles andere als Naturschutz zu sichern. Daneben blockieren sie nach Kräften
sämtliche fundierten Naturschutzbestrebungen und treiben die Zerstörung
wertvoller Habitate nach Kräften voran.
Das Projekt ist äusserst undurchsichtig und strotzt nur so von
Vetternwirtschaft. Bisher durchgesickert ist bloss, dass ein Grossteil
des Geldes in die Restauration von zerfallenden Kurien fliessen soll (von
den Kleinbauern mit Naturschutzgeld bereits mehrfach ausgereiztes Spielchen)
und dass ein Kernprojekt die sogenannte Renaturierung eines vor mehr als
50 Jahren hundertprozentig zerstörten Sumpfgebietes sein soll. Der
Hintergrund dieses Projektes ist, dass einige reiche Grossgrundbesitzer
das unproduktive Land zu übersetzten Preisen verkaufen können
und sich die Wasserbauingenieure neue Arbeit verschaffen können. Mit
Naturschutz lassen sich die vorliegenden Pläne jedenfalls nicht begründen,
handelt es sich doch weitgehend um höhergelegene Parzellen, die für
eine Rückführung in Feuchthabitate absolut ungeeignet sind. Leidtragende
werden die normalen Bauern sein, auf deren tiefergelegene Parzellen das
aussickernde Wasser abfliesst und auch diese Felder unfruchtbar macht.
Demgegenüber sind die dringendsten Probleme des Naturschutzes in der Region massgeblich durch die Kleinbauernpartei verursacht, beispielsweise die Blockierung der dringend notwendige Erweiterung des bestehenden Landschaftsschutzgebietes (welche übrigens beinahe den gleichen Schutzstatus haben wie Nationalparke) oder die Planung einer Autobahn weitab jeglicher Wirtschaftszentren durch wertvolle Landschaften mit Lebensräumen für grosse Populationen europaweit geschützter Tiere und Pflanzen (die Autobahn sei übrigens unbedingt nötig für die Erschliessung des Nationalparkes und führt verdächtig nahe an der Geburtsregion von ex-Minister Torgyan vorbei!). Ebenfalls setzen sich Exponenten der Kleinbauernpartei vehement für die Rodung geschützter Wälder ein, verwandeln wertvolle Altläufe in sterile Fischteiche, subventionieren die monotone Aufforstung wertvoller Feuchtwiesen und wehren sich aus Jagdinteressen gegen die Unterschutzstellung wertvoller Wälder!
Wir setzen uns angesichts dieser verfilzten Situation für eine
sachlich fundierte Lösung ein:
- Erste Priorität muss die von Fachleuten detailliert ausgearbeitete
Schutzgebietserweiterung haben. Damit werden die wichtigen Naturwerte der
Region geschützt und es ist auch vorgesehen, dass momentan geschützte
Gebiete, welche nicht sehr wertvoll sind, wieder aus der Schutzzone ausgezont
werden. Dies betrifft vor allem Ackergebiete und es profitieren hauptsächlich
verantwortungsbewusste Bauern davon.
- Die Ausarbeitung der Natura 2000 Gebiete muss unbeirrt und nach fachlichen
Gesichtspunkten weitergeführt werden, da sonst empfindliche Geldeinbussen
von Seiten der EU her zu erwarten sind, was wieder den Bauern zum Schaden
gedeiht.
- Wenn diese Naturschutzanliegen besiegelt sind, soll ein wissenschaftlich
fundiertes und politisch unabhängiges Landschaftsentwicklungskonzept
für die ganze Region erstellt werden, unter der Aufsicht der Ungarischen
Akademie für Wissenschaft und unter explizitem Einbezug von Aspekten
von nachhaltiger Regionalentwicklung und Naturschutz. Dies bietet die beste
Gewähr für eine positive Entwicklung der ländlichen Bevölkerung.
- Langfristiges Ziel sollte ein grenzübergreifendes Biosphärenreservat
nach internationalen Kriterien sein, in welchem klare Managementpläne
das Zusammenspiel von Mensch und Natur regeln.
4.2.01
Pro Theiss stellte diesen Winter über 120 Beobachtungsdaten von
europaweit geschützten Vogelarten zur Verfügung, um die Auswahl
der Natura2000 Gebiete Ungarns zu optimieren. Grosse Teile von Szatmar-Bereg
dürften damit auch auf europäischer Ebene geschützt werden.
Wie die schönen Pläne allerdings politisch umgesetzt werden,
bleibt noch abzuwarten.
10.1.01
Der diesjährige International
Conference of the European Bird Census Council findet vom 26.-31.3.2001
in Nyiregyhaza statt. Walter Wettstein, Pro Theiss Geschäftsführer
in Ungarn, wird Teile der bisherigen Wachtelkönigresultate vorstellen.
1.1.01
Im vergangenen Jahr wurden in Szatmar-Bereg bei den von Pro Theiss
initiierten Fischotterkontrollen an über 60 Stellen Fischotterspuren
gefunden (alle ausserhalb der grossen Flüsse Theiss und Szamos). Dies
lässt auf 15-20 Reviere schliessen.
18.11.00
In der Theissaustellung am Tokaji Ferenc Gymnasium wurden Tonträger
aus der 'Theissnacht' gestohlen und auch andere Beiträge mutmasslich
beschädigt. Die Tücken einer erlebnisorientierten Ausstellung,
welche nicht ständig überwacht ist, scheinen sich langsam zu
zeigen. Wir suchen nach Lösungen.