Internationale Hilfe nach der Giftkatastrophe in Rumänien

 

NZZ, 16. Feb. 2000b

 

Bukarest verteidigt sich gegen Vorwürfe

(sda/dpa/afp/Reuters) Nach der Verseuchung der Flüsse Theiss und Donau mit Cyanid aus einem rumänischen Bergwerk ist der Streit um die Verantwortung für die Giftkatastrophe entbrannt. Internationale Umweltorganisationen und Anrainerstaaten warfen Rumänien Versäumnisse vor. Ungarn und Jugoslawien streben Schadenersatzklagen gegen die Verursacher der Umweltkatastrophe an. Politiker beider Länder bezeichneten die Verseuchung der Flussläufe als die schlimmste Umweltkatastrophe seit Tschernobyl.

Wie die internationale Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) am Dienstag berichtete, sind die Theiss und die Donau mittlerweile auf einer Gesamtstrecke von 700 Kilometern mit hochgiftigen Blausäuresalzen und Schwermetallen verseucht. Deutlich mehr als 100 Tonnen toter Fische seien bisher aus den Gewässern geholt worden.

Der rumänische Aussenminister Roman widersprach Vorwürfen, die Nachbarländer seien nicht rechtzeitig über die Giftflut informiert worden und sein Land unternehme zu wenig. Was die Massnahmen angehe, sei das Problem unter Kontrolle, sagte Roman am Rande eines EU-Aussenministertreffens in Brüssel.

In der Donau ging die Konzentration von Cyanid etwas zurück. Nachdem am Sonntag der Grenzwert um das 50fache überschritten worden war, sank er am Montag auf das 20fache.

Ungarn als bisher am schwersten betroffenes Land hat bei der EU und der Uno-Umweltorganisation Unep Hilfe für die Sanierung der verseuchten Gebiete angefordert. Die ungarische Regierung wolle eine unabhängige Uno-Expertenkommission, um die Schäden zu evaluieren, hiess es beim Uno-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten in Genf. Die Schweiz stellt dem Uno-Team zwei Umweltschutzexperten aus den Reihen des Katastrophenhilfekorps und vorerst 100 000 Franken zur Verfügung. Wie eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel mitteilte, wird EU-Kommissarin Margot Wallström am Donnerstag sowohl die Schäden in Ungarn als auch das Bergwerk in Rumänien begutachten. In Gesprächen mit den Umweltministern beider Länder, Pal Pepo und Romica Tomescu, wolle Wallström über technische und finanzielle Hilfen der EU sprechen.

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