Die Giftwelle in der Theiss fliesst Richtung Donau

 

NZZ 14. Feb. 2000

 

Heftige Kritik von Umweltschützern

(ap/dpa) Infolge der vor knapp zwei Wochen durch ein Leck im Damm eines der Auffangbecken des Aurul-Goldbergwerks bei Baia Mare in Rumänien ausgelösten Cyanid-Vergiftung sind nun auch nahe der nordserbischen Stadt Senta Hunderte von toten Fischen aus der Theiss geborgen worden. Nach Angaben der Behörden verendeten durch die Giftwelle, die sich mit etwa vier Kilometern pro Stunde bewegt, bereits rund 80 Prozent der Fische. Die serbische Regierung kündigte an, vor einem internationalen Gericht auf Entschädigung für die Umweltkatastrophe zu klagen; die Theiss mündet in die Donau, an der auch Belgrad liegt.

Das rumänische Umweltministerium bezeichnete die Reaktion als übertrieben; die Verseuchung werde verschwinden, sobald das Gift die Donau erreiche, da diese zehnmal tiefer sei als die Theiss. An der Austrittsstelle des Gifts hätten sich bereits 50 Prozent der Mikrofauna wieder erholt; die Cyanid-Konzentration an der Grenze zu Ungarn sei mittlerweile von 130 auf 70 Mikrogramm pro Liter gesunken.

Umweltexperten sprechen dagegen von der schwersten ökologischen Katastrophe in Europa seit dem Atomunfall von Tschernobyl 1986 und kritisierten, dass internationale Unternehmen die laxe Umweltgesetzgebung in ärmeren Ländern ausnutzten, um dort gefährliche Technologien anzuwenden. In hochentwickelten Ländern sei das Auswaschen von Edelmetallen mit Cyanid- Lösung längst verboten. Die Folgen für Ungarn, wo Zivilschützer und Helfer in der vergangenen Woche bereits zentnerweise tote Fische aus dem vergifteten Fluss geborgen hatten, werden als verheerend eingestuft. Da ausgehend von Plankton und Bakterien die gesamte Nahrungskette der Theiss-Biotope betroffen sei, sei das Fischsterben nur das augenfälligste Symptom. Es werde Jahre dauern, bis der Fischbestand wieder ersetzt sei. Bei empfindlicheren Arten wie dem Stör oder dem Donaulachs könne die Ausrottung sogar unumkehrbar sein.

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