Stellungnahme des Verein Pro Theiss zur Cyanid-Verschmutzung in der Theiss

Ein ganzes Flussökosystem zerstört!

Die verheerende Cyanid-Verschmutzung der Theiss zerstört eines der letzten intakten Flussökosysteme Europas. Neben bereits über 100 Tonnen Fischen sind auch viele weitere international geschützte Tierarten betroffen. Zum Beispiel wurden bereits mehrere tote Seeadler gefunden, welche von den vergifteten Fischen gefressen haben. Ebenfalls betroffen ist die Population von Fischottern, die vielen der Theiss entlang brütenden Eisvögel und viele geschützte Libellen- und Eintagesfliegenarten. Die Fischerei und der Turismus der Region sind auf lage Zeit hinaus ruiniert. Der von unzähligen Dichtern verehrten 'Blonden Theiss' wurde durch die kurzfristige und rechtswidrige Geschäftspolitik der Bergbaukonzerne die Seele geraubt!

Erst das Cyanid, dann die Schwermetalle

Ob mit der Cyanid-Welle das Schlimmste überstanden ist, ist noch unklar, denn es besteht die Gefahr von länger andauernden Schwermetallvergiftungen. Im ungarischen Theissabschnitt mussten bereits erhöhte Zink- und Bleiwerte gemessen werden. Diese Situation könnte sich mit den im Frühjahr einsetzenden Hochwassern verschlimmern, wenn bisher im Sediment gebundene Schwermetalle zu Tal geschwemmt werden und dort allenfalls auch auf die Felder gelangen.

Hoffnung auf Regeneration

Es gibt aber auch Anlass, die Hoffnung nicht ganz zu verlieren, denn der oberste (ukrainische) Abschnitt der Theiss ist zum Glück verschont geblieben und noch in sehr gutem ökologischen Zustand. Da der ganze Fluss noch sehr naturnah strukturiert ist, bleibt auch zu hoffen, dass die Reinigungs- und Rehabilitationsfähigkeit noch immer gut ist und dass biologische Gleichgewichte bald wieder hergestellt werden können. Beispielsweise sind die zahlreichen Altläufe entlang der Theiss bei Hochwasser noch mit dem Fluss verbunden, so dass mobile Organismen über diesen Weg wieder in die Theiss gelangen können. Diese naturnahen Strukturen auch in Zukunft in ihrer Gesamtheit zu erhalten, sollte daher eines der wichtigsten Anliegen sein zum langfristigen Schutz der Theiss.

Auch andere Gefahren bedrohen den Fluss

Dem gänzlich entgegen wirken neue Autobahn- und Hauptstrassenbaupläne, welche solche wichtigen Auenebensräume in der Oberen Theissregion zerstören würden.

Ebenfalls bestehen Pläne von weiteren australischen Firmen, im bisher verschonten Quellgebiet der Theiss dem rumänischen Unglücksbergwerk entsprechende Goldgewinnungsanlagen zu bauen. Damit wäre auch noch der letzte bisher saubere Teil des Flusses in permanenter Gefahr.

Ebenfalls wurde vor kurzem der Direktor der regionalen Nationalparkverwaltung aus politischen Gründen entlassen. Verantwortlich dafür ist Umweltschutzminister Pepo Pal, der berüchtigt ist für seine absolut kurzfristige Denkweise, den Boykott der wichtigsten Naturschutzanliegen sowie weitgehende fachliche Inkompetenz. Durch diesen Schritt wird der staatliche Naturschutz in der Region auf lange Zeit hinaus entscheidend geschwächt. Namhafte politische Kreise klagen momentan die Rumänen an, öffnen aber einer schleichenden Naturzerstörung genau zum Zeitpunkt dieser Katastrophe Tür und Tor.

Wie weiter?

Der Verein Pro Theiss wird sich nach dieser Katastrophe erst recht mit voller Energie für die Theissregion einsetzen. Die Ausstellung mit dem Umweltschutzgymnasium von Tokaj über die Theiss hat jetzt leider traurige Aktualität erhalten, was uns aber nur anspornt, unsere Arbeit noch gewissenhafter zu machen. Als erste diesbezügliche Aktion planen führt die Tokajer Schule am Dienstag 15. Februar in Tokaj eine 'Nachdenkdemonstration' durch, bei der wir alle ein Zeichen setzen wollen, dass wir gemeinsam an eine lebendige Theiss glauben und uns auch persönlich dafür einsetzen wollen.

Betreffend der Überwachung der Schäden an der Theiss planen wir zusammen mit Wissenschaftlern des Ungarischen Vogelschutzes (MME) ein Monitoringprogramm für Eisvögel und Uferschwalben. Bei letzteren haben wir bereits Federproben über mehrere Jahre gesammelt, worin sich die Schwermetallbelastung des Ökosystems in den vergangenen Jahren widerspiegelt. Durch das Beobachten der Veränderungen dieser Schwermetallzusammensetzung werden wichtige Rückschlüsse betreffend dem Fluss von Giftstoffen durch das Ökosystem möglich sein.

Falls es Ihnen irgendwie möglich ist, unsere Arbeit zu unterstützen, dann würden wir uns sehr freuen!

Hosted by www.Geocities.ws

1