Tages-Anzeiger vom 15.Feb. 2000
Die Betreiberfirma bestreitet jede Schuld am Giftunglück.
Von Urs Wälterlin, Sydney
Die Firma, der vorgeworfen wird, massgeblich für die Zyanidvergiftung der Donau und ihrer Zuflüsse verantwortlich zu sein, sei eine "hässliche Australierin", die das Ansehen Australiens im Ausland beschmutze. Mit diesen Worten reagierte die Partei der Demokraten vergangene Woche auf die Weigerung des Managements der Goldfirma Esmeralda Exploration Ltd., eine Schuld an der Umweltkatastrophe in Rumänien, Ungarn und Serbien einzugestehen.
Esmeralda, ein kleines westaustralisches Unternehmen, hält eine Beteiligung von 50 Prozent an der Goldminen-Operation im rumänischen Baia Mare. Der Geschäftsführer von Esmeralda stellte noch am Wochenende in Frage, ob das Fischsterben in den Flüssen überhaupt auf das Überfliessen zyanidhaltiger Abwässer aus den Rückhaltebecken der Anlage zurückzuführen sei. Brett Montgomery behauptete darauf, es sei wegen ungewöhnlich starken Regens und Schnees zum Unfall gekommen, nicht aber wegen mangelhafter Konstruktion - eine Version, die vom australischen Rohstoffminister Colin Barnett bestätigt wurde.
Im Gegensatz zu in den Medien gemachten "negativen Bemerkungen" seien die Anforderungen an den Umweltschutz in Rumänien sehr hoch, so Montgomery, "wenn nicht noch höher als in Australien". Es wird angenommen, dass die Firma Bankrott geht, sollten betroffene Anwohner und Regierungen ihre Drohung wahr machen und Esmeralda Exploration auf Schadenersatz verklagen.
Die Aktien des Unternehmens fielen am vergangenen Mittwoch an der Börse Sydney innert weniger Stunden um 37 Prozent, bevor der Handel ausgesetzt wurde. Die Verwendung von Zyanidlösung zum Auswaschen von goldhaltigem Gestein ist in der australischen Bergbauindustrie weit verbreitet. Umweltorganisationen warnen immer wieder vor dieser Methode, zu der es allerdings laut australischen Experten noch keine kostengünstige Alternative gebe.