Australische Bergbaufirma leugnet Dammbruch

NZZ, 11. Feb. 2000

 

Vergiftung der Theiss angeblich wegen starker Niederschläge

gd. Sydney, 10. Februar

Der Direktor des australischen Bergbauunternehmens Esmeralda Exploration Ltd., Brett Montgomery, hat am Donnerstag nachmittag in Perth im Rahmen einer Pressekonferenz die Vorwürfe der ungarischen Regierung zurückgewiesen, die Verschmutzung der Theiss, des zweitgrössten Flusses des Landes, sei auf einen Dammbruch bei dem von Esmeralda Ltd. und dem staatlichen rumänischen Bergbauunternehmen geführten Aurul-Goldbergwerk in Baia Mare zurückzuführen. Esmeralda Ltd. ist hälftig an einem Unternehmen beteiligt, das in einem alten Bergwerk Gold und Silber mit Wasser und Zyanid aus Rückständen auswäscht. Die ungewöhnlich ergiebigen Niederschläge dieses Winters hätten das Rückhaltebecken zum Überlaufen gebracht, sagte Brett Montgomery; die Gewässerverschmutzung sei nicht auf Strukturprobleme des Dammes zurückzuführen. Überdies sei die Verschmutzung derart weit von dem Bergwerk aufgetreten, dass man nach ganz anderen Ursachen suchen müsse.

Natürliche Ursachen?

Es gebe auch keine Beweise dafür, dass das Fischsterben mit dem Überlaufen des Dammes in Zusammenhang gebracht werden könne, erklärte Montgomery weiter. Das Massensterben der Fische in der Theiss könnte auch natürliche Ursachen haben. Unabhängige Untersuchungen würden seine These stützen, fuhr er fort, aber die betreffenden Testergebnisse könnten vorläufig nicht veröffentlicht werden. Auf den Vorwurf, Esmeralda Ltd. habe sich kaum um Umweltschutzvorschriften gekümmert, reagierte Montgomery mit der Behauptung, Rumäniens Umweltschutzgesetze seien mindestens so streng wie jene Australiens und entsprächen auch den Anforderungen der Europäischen Union - allerdings verbietet die EU die in Baia Mare angewandte Methode des Goldwaschens mit Zyanid. Montgomery erklärte weiter, er nehme nicht an, dass Ungarn und Rumänien Schadenersatzforderungen an sein Unternehmen richten werden.

Der Minerals Council of Australia, die freiwillige Aufsichtsbehörde über australische Bergwerke, gab am Donnerstag zu verstehen, es sei Zeit, dass australische Bergbauunternehmen, die im Ausland tätig sind, den gleichen Vorschriften unterworfen werden wie jene, die im Land selbst nach Rohstoffen schürfen. Die meisten Unternehmen folgen dem freiwilligen Verhaltenskodex des Councils, aber bezeichnenderweise gehört Esmeralda Ltd. weder dem Council an, noch hat das Unternehmen den Kodex unterzeichnet.

Das «hässliche Gesicht» Australiens

Der Council erfuhr von der Katastrophe über das Internet, Esmeralda Ltd. über das staatliche australische Radio. Das Unternehmen hatte 1990, unterstützt von der damaligen Laborregierung, seine Tätigkeit in Rumänien aufgenommen. Damals hatte die rumänische Regierung noch gehofft, dass das Projekt mithelfe, die Umwelt in Baia Mare zu verbessern. Am Donnerstag forderte Labor, heute in der Opposition, Esmeralda Ltd. auf, den Schaden so rasch wie möglich wiedergutzumachen. Die australische Bergbauindustrie ist am Donnerstag von Sprechern der australischen Minderheitsparteien Australian Democrats und der Grünen als das «hässliche Gesicht» Australiens bezeichnet worden. Beide Parteien forderten die Regierung in Canberra auf, die Vorschriften für Tätigkeiten australischer Unternehmen im Ausland zu verschärfen.

Das Fischsterben breitet sich aus

Budapest, 10. Febr. (dpa) Die Verseuchung der Theiss durch Cyanid hat sich am Donnerstag weiter nach Süden ausgebreitet. Inzwischen wird die Giftlauge, die am Mittwoch die Trinkwasserversorgung in Ungarns viertgrösster Stadt Szolnok lahmlegte, in der südungarischen Grenzstadt Szeged erwartet. Experten in Ungarn sprechen inzwischen von unabsehbaren Schäden für die Biotope entlang der Theiss. Nicht nur die Fische, sondern auch die Bestände zahlreicher Tierarten, die sich von Fischen ernähren, seien ernsthaft bedroht. Noch sei nicht klar, wie dieser Entwicklung Einhalt geboten werden könne. In Szeged sei man auf die nahende Giftlauge vorbereitet, meldete das ungarische Radio am Donnerstag. Zu Engpässen bei der Trinkwasserversorgung werde es nicht kommen, weil die Wasserwerke auf ausreichend Brunnenwasser zurückgreifen könnten. Ein Fischsterben im Unterlauf der Theiss, die bei Szeged nach Jugoslawien übertritt, könne jedoch voraussichtlich nicht verhindert werden.

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