Unzählige grössere und kleinere Abfalldeponien verunstalten Ungarns malerische Landschaft. Die meisten davon sind illegal und unkontrolliert, und leider finden sich viele in naturkundlich äusserst wertvollen Gebieten. Dadurch werden auch Bestände seltener und geschützter Tier- und Pflanzenarten gefährdet. Folgende Prozesse tragen zu dieser unakzeptablen Situation bei:
- Schnelles Wachstum der Ökonomie und ständig wachsendes Konsumverhalten führen zu einer immer grösseren Abfallproduktion.
- Die für ein geeignetes Abfallmanagement nötige Infrastruktur ist vor allem in abgelegenen Gebieten mangelhaft bis fehlend oder teuer aufrechtzuerhalten.
- Viele Privatpersonen und kleinere Unternehmen versuchen die Kosten einer korrekten Abfallentsorgung zu sparen, indem sie die anfallenden Abfälle illegal deponieren. Über die negativen gesellschaftlichen, gesundheitlichen oder ökologischen Folgen sind sie sich meist nicht im Klaren.
- Abgelegene Orte ohne private ökonomische Bedeutung bieten sich als Deponiestandorte für diese illegalen Aktionen geradezu an. Meist in der Nacht werden die Ladungen abgelagert. Besonders häufig betroffen sind Sandgruben, Altläufe und Waldränder.
- Das Resultat der nächtlichen Aktionen sind weit verstreute Haufen, vor allem bestehend aus Haus- und Bauabfall. Auch Landwirtschaftsabfälle und sogar gefährliche Stoffe wie Öl, Farben und Batterien werden abgelagert. Oft verschmutzen kleine modernde Feuer die Luft der ganzen Region.
- Die illegale Deponien gefährden das Grundwasser, Scherben und
rostige Metallteile gefährden spielende Kinder oder weidende Haustiere,
standortfremde und invasive Pflanzenarten werden eingeschleppt und die
Bestände von geschützen Arten wie beispielsweise Ziesel (Citellus
citellus), Bienenfresser (Merops apiaster), Wachtelkönig (Crex crex)
oder Ungarische Nasenschrecken (Acrida ungarica) können massiv dezimiert
werden.
In dieser Studie wollen wir an einem konkreten Beispiel die bestehenden
Probleme aufzeigen und Wege zur Verbesserung der Situation vorschlagen.
Wir setzen dabei auf eine Aufwertung der Gebiete als Natur- und Erholungsräume
und zeigen, wie das Verhalten der Leute nachhaltig verändert werden
könnte. Mit der Durchführung des vorgeschlagenen Pilotprojektes
könnten wichtige erste Schritte zu einem verantwortungs-bewussteren
Umgang mit Abfall gemacht werden und die Beispielwirkung könnte auf
viele andere Gebiete ausstrahlen.
Der alte Schiessplatz von Nyíregyháza
Charakterisierung des Gebietes:
Trockene, hügelige Grasslandschaft auf sandigem Grund, ca 2km
lang und 500m breit am südöstlichen Ende von Nyíregyháza,
Ostungarn (47°56'N/21°46'E). Aus zwei Sandhügeln sind Sandgruben
ausgehoben worden und am Ostende findet sich eine Mulde mit Resten von
Supfvegetation. Zerstreut sind noch die Spuren der ehemaligen Nutzung als
Schiessplatz zu sehen.
Umgebung:
Am westlichen Ende findet sich ein Familienhauskomplex, von woher auch
die asphaltierte Zufahrt von der Strasse Nyíregyháza-Nagykallo
erfolgt. Das Stadtzentrum von Nyíregyháza liegt ca. 3km entfernt,
bis zu einer kleinen Bahnstation sind es 1.5km. Direkt neben dem Gebiet
befindet sich ein markanter Telekommunikationsturm. Ein Schafstall und
ein Lastenumschlagplatz beginnen am nördlichen Ende des Gebietes,
gefolt von alten Obstbaumanlagen. Am südlichen Rand liegt zuerst eine
gut abgeschirmtes altes Industriegelände, im Übrigen grenzt offenes
Landwirtschaftsland an die Fläche.
Nutzung:
Das Gelände wurde früher als Schiessplatz der Armee genutzt,
weshalb sich eine relativ naturnahe Pflanzen-gesellschaft erhalten konnte.
Das Militär ist noch Besitzer des gesamten Grundstückes. Das
Gebiet wird gegenwärtig intensiv mit Schafen beweidet. Die Schäfer
würden das Land gerne privat besitzen, aber eine Rückgabe in
nächster Zeit ist unwahrscheinlich. Gelegentlich wird das Gebiet von
Motocrossfahrern befahren.
Biologischer Wert:
Eines der letzten Sandwiesenfragement in der Nähe von Nyíregyháza,
eine ehemals dominante Pflanzengesellschaft auf den sandigen Hügeln
der Region. Die Wiesen sind zum Teil überweidet, sodass auch ganz
offene Sandstellen vorkommen. Typische Pflanzenarten sind Polygonum arenarium
und Festuca vaginata. Unter den Insekten sind die zahlreichen vorkommenden
Hymenopterenarten erwähnenswert, sowie die guten Populationen von
der Ungarischen Nasenschrecke (Acrida ungarica), Blauflügligen Ödlandschrecke
(Oedipoda coerulescens) und Rotleibiger Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis).
Wichtige im Gebiet beobachtbare Arten sind Bienenfresser (Merops apiaster),
Uferschwalbe (Riparia riparia), Turmfalke (Falco tinnunculus), Brachpieper
(Anthus campestris), Haubenlerche (Galerida cristata), Heidelerche
(Lullula arborea) und im Winter Raubwürger (Lanius excubitor). Auch
Ziesel (Citellus citellus) bewohnen das Gebiet.
Gegenwärtige Afallsituation:
Typisches Bild mit weit zerstreuten Haufen aus individuell abgelagertem
Haus- und Bauabfall. Er ist hauptsächlich auf die Sandgrubengebiete
konzentriert, aber auch über das ganze Gebiet verfrachtet. Zahlreiche
Scherben und Rostteile bilden eine Gefahr für spielende Kinder und
die weidenden Schafe. An zahlreichen Stellen wurde die ursprüngliche
Vegetation bereits durch Stickstoffzeiger verdrängt, enthalten die
Abfälle doch oftmals viel organisches Material, welches viel Nährstoffe
in die an karge Verhältnisse angepasste Pflanzengesellschaft einbringt.
Einzig der östlichste Viertel des Gebietes ist noch relativ unverschmutzt.
Sanierungsvorschlag
Der von uns vorgeschlagene Sanierungsplan beinhaltet drei Stufen:
- Abfallentfernung mit Hilfe der Stadt, Anwohnern und Schulklassen
- Umsetzung eines naturschutzorientierten Nutzungsplanes
- Aufbau eines auf 10 Jahre konzipierten Bildungsprojektes und Abfallverwertungskonzeptes
Abfallentfernung
In einer Gemeinschaftsaktion kann der gesamte Abfall in einer Woche
aus dem Gebiet geschafft werden und in den ordnungsgemässen Deponien
der Stadt Nyíregyháza gelagert werden. Dazu werden die dazu
konzipierten Grubenwagen der Stadt mit dem entsprechenden Personal benötigt
und möglichst viele Schulklassen sollten motiviert werden, bei der
Aktion mitzuhelfen (evt. mit finanziellem Anreiz?). Wiederverwendbare Stoffe
sollen separat gesammelt werden. Die Aktion muss einwandfrei organisiert
sein und grosses Gewicht muss auf die Berichterstattung in möglichst
vielen Medien gelegt werden. Geeignet für diesen Zeitpunkt ist der
Herbst oder der frühe Frühling (beispielsweise zum sogenannten
Tag der Erde im April).
Nutzungsplan
Um zu verhindern, dass nach dem Wegräumen des Abfalles langsam
wieder ein Rückfall in die alte Situation entsteht, muss für
das Gebiet ein klares Nutzungskonzept ausgearbeitet und umgesetzt werden.
Dieses muss den naturschützerischen Ansprüchen ebenso entsprechen
wie den angebrachten Anliegen der bisherigen Nutzer. Ebenso sollte der
Naherholungsaspekt des siedlungsnahen Gebietes aufgewertet werden.
Dazu werden folgende Zonen bestimmt: Schutzzonen, Landwirtschaftszonen,
Spiel+Sport-Zonen (Bikestrecke, Beachvolleyballfelder, Kinderspielpark,
Spezialnutzungen (z.B. Kompostieranlage).
Bildungsprojekt
Um eine langfristige Bewusstseins- und Verhaltensänderung bei der
Bevölkerung zu erzielen, ist ein langfristig ausgerichtetes Bildungsprojekt
erfolgsversprechend. Dieses Ziel soll folgendermassen erreicht werden:
- Ausstellung und Veranstaltungen zum Thema Naturschutz, Abfall und
anderen umweltrelevanten Themen in einem neuen Infozentrum auf dem Gelände.
- Positive Verhaltensbeispiele vor Ort (Gebäude aus recycliertem
Bauschutt, Abfallsammelstelle, Kompostieranlage, Abfallkonzept bei den
Freizeitanlagen)
Das Projekt soll auf zehn Jahre konzipiert werden. Nach Projektende
sollen alle Einrichtungen problemlos entsorgt werden können.
Erste phantasievolle und preiswerte Varianten für ein dem Gelände
angepasstes Gebäude hat Michael Güller, Architekt aus Zürich
entworfen.
Umsetzung
Damit ein solch komplexes, langfristiges Projekt umgesetzt werden kann, sind erfolgsversprechende Zusammenarbeiten nötig.
Es wäre empfehlenswert, eine Umsetzungskommission bestehend aus
Vertretern folgender Gruppen zu gründen:
Stadt Nyíregyháza, Umweltamt, NGO's (Pro Theiss, e-misszio,
'Energie Verein'), Anwohner, Grundeigentümer.
Die Umsetzungsverantwortung läge, basierend auf den Beschlüssen
der Kommission, bei der zuständigen Stadtbehörde.
Der Betrieb des Infozentrums sollte mit einer 100% Stelle und drei Praktikumsstellen (z.B. angehende Sportlehrer, Umweltexperten etc.) möglich sein.
Die Finanzierung sollte aus den Mitteln der Stadt, des Umweltschutzministeriums,
der EU und Stiftungen sichergestellt werden.
Kostenschätzung auf 10 Jahre(noch sehr ungefähr):
Abfallräumung, Geländearbeiten: 120'000.- (??)
Kompostierungsanlage: 40'000.-
Infozentrum Gebäude: 70'000.-
Betrieb auf 10 Jahre 100'000.-
Reparaturen 50'000.-
Lohnkosten 120'000 (10x12 Mt) + 3x30'000 (10x5Mt): 90'000.-
Ausstellung: 10'000.-
Sportanlagen: 10'000.-
20 Bikes: 10'000.-
Spielplatz: 40'000.-
Aufwertung Schafstall: 20'000.-
Total 600'000.-