Projekt Hand:  Dies und Das
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Hand, in der Symbolik der am häufigsten aufscheinende Teil des menschlichen Körpers.

Bereits in altsteinzeitlichen Höhlenbildern tauchen Hand-Negativsilhouetten auf
(z.B. in den Grotten von Gargas und Pech-Merle, Frankreich),
ebenso in der Höhlen- und Felsbildkunst anderer Erdteile wie Südamerika und Australien.

In Gargas (Pyrenäenhöhle) wurden vielfach abgebogene oder verstümmelte Fingerglieder abgebildet,
vielleicht eine Verewigung von Opferakten.

Die Hand kann mehrere Bedeutungen haben und etwa im Sinne der Geste
des Ergreifens oder Wegschiebens
positive oder negative Aspekte ausdrücken.

Berührung mit der Hand ist Ausdruck von Kontaktmagie;
Handauflegung ist Weihe und Übertragung der eigenen Kraft auf den Geweihten;
der Handschlag symbolisiert freundliches Akzeptieren,
erhobene oder gefaltete Hände das Gebet,
bestimmte Fingergesten den Schwur und den Segen.

Im Islam bedeutet die Fünfzahl der Finger:
Glaubensverkündung,
Gebet,
Pilgerschaft,
Fasten
und
Mildttätigkeit.

In der Symbolik der frühmittelalterlichen Balkansekte der Bogumilen weist die Hand,
etwa auf Grabsteinen, auf die »5 Elemente« ihrer Weltordnung hin.

In der christlichen Ikonographie wird Christus als »die rechte Hand Gottes« bezeichnet,
wobei rechts (Rechts und Links) auch sonst vorwiegend positive Bedeutung hat,
so etwa in der Symbolsprache der Magie, wo damit die »weiße Magie« angesprochen wird
(während der »Pfad zur linken Hand« auf Teufelsmagie hinweist).

Bedeckte oder im Ärmel verborgene Hände weisen auf die antike Sitte hin,
in Gegenwart von Herrschern die eigenen Hände aus Ehrfurcht zu verhüllen.
Auf diese Weise empfängt auf vielen Bildern Moses die Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai. -

Der Hand des Königs wurde die Kraft zugeschrieben, durch Berührung Kranke zu heilen.

Die erhobene offene Hand der byzantinischen Herrschergebärde führte zur christlichen Segensgeste.
Zwei erhobene Hände drücken die Hinwendung zur Himmelsregion und die Aufnahmebereitschaft des Betenden aus
(Adoranten- oder Orans-Geste).
Geweihte Gegenstände durften von ungeweihten Personen nicht mit unverhüllten Händen berührt werden.

Die erhobene rechte Hand mit drei ausgestreckten Fingern (Daumen, Zeige- und Mittelfinger)
ruft beim Schwur Gott zum Zeugen des Ausgesagten im Schwur auf.

Für sich selbst sprechen Redensarten wie
»die Hände in Unschuld waschen«,
»eine Hand wäscht die andere«,
»Hand aufs Herz« (eine alte Eidesform),
»für jemanden die Hand ins Feuer legen«
(stellvertretende Unschuldsprobe bei mittelalterlichen Gottesurteilen) -
im Gegensatz dazu:
»sich dafür nicht die Hände verbrennen wollen« -,
»über jemanden die (schützende) Hand halten«,
»um die Hand der Tochter anhalten« u.v.a.

Im Freimaurertum wird der Handsymbolik große Bedeutung beigemessen;
durch sie wurden bereits in den Bauhütten Erkennungszeichen ausgetauscht (»Handschenk«),
und mit ihr wird die Weihe erteilt; verschlungene Hände bilden die »Bruderkette«,
und zwei Hände in der Geste der Handreichung tauchen vielfach als
Zeichen der Brüderlichkeit auf Siegeln und Logenwappen auf. -

Mit Hilfe einer Handzeichensprache konnten sich die sprachlich zersplitterten
Indianerstämme Nordamerikas über die Stammesgrenzen hinweg verständigen.
Einfache Gesten dieser Art zählen wohl zum Urbestand der Menschheit
und werden (wie das Mienenspiel des Gesichts) meist spontan verstanden;

auch die Fingersprache der Taubstummen knüpft an solche Gesten an.  -

In der Renaissance-Wappenkunst bedeuten (nach Böckler 1688)

»die Hände die Stärcke, Treu, Fleiß, Unschuld und Einigkeit,
wie vielmals in den Wappen zu sehen.
Eine Hand mit ausgestreckten und zertheilten Fingern hat die Deutung der Uneinigkeit,
die geschlossene Hand oder Faust - Stärcke und Einigkeit.
Die ineinander geschlossenen Hände bemercken Treu und Vereinigung.
Die Hände nehren uns, sie kleiden uns, und trösten uns;
in aller Menschen Wercken hat man den Händen zu dancken.« -
 

[Lexikon der Symbole: Hand, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 16: Knaurs Lexikon der Symbole, S. 434 (vgl. LdS, S. 178 ff.) (c) 1989, 1994, 1998 Verlag Droemer Knaur]
 

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