Kinder und Trauer 
  

Was sollen wir ihnen nur sagen?

Wenn uns - erwartet oder unerwartet - der Tod begegnet, sind wir meist hilflos. Wir wissen auch nicht, was wir unseren Kindern sagen sollen, wenn ein Haustier, Oma oder Opa, ein Elternteil, Bruder oder Schwester gestorben ist und wenn die Kinder mit all ihren Fragen kommen: Warum sterben Tiere oder Menschen? Wie ist das, wenn man tot ist? Was geschieht mit den Toten? Kommen auch Hunde in den Himmel? Was hat das Leben f�r einen Sinn, wenn man doch eines Tages sterben muss?

Noch vor wenigen Jahrzehnten hielt man es f�r p�dagogisch sinnvoll, das Sterben und den Tod vor Kindern zu verbergen. Man traute Kindern, zumindest solchen unter zehn Jahren, nicht zu, dass sie etwas vom Tod verstehen k�nnten oder dass sie imstande w�ren zu trauern. Forschungen haben jedoch ein ganz anderes Bild aufgedeckt. Die Auseinandersetzung mit dem Sterben geh�rt in die geistig-seelische Entwicklung von Kindern. Eltern, die ihr Kind vor der Besch�ftigung mit dem Tod bewahren wollen, enthalten ihm Lebenserfahrung vor.

Die Todesvorstellungen von Kindern entwickeln und ver�ndern sich mit fortschreitendem Alter. F�r kleine Kinder, zwischen drei und sechs Jahren, ist der Tod noch nichts Endg�ltiges. Das tote Tier, der verstorbene Mensch sind nur vor�bergehend weggegangen oder eingeschlafen. Als die bekannte �rztin Elisabeth K�bler-Ross zur Herbstzeit mit ihrer 4-j�hrigen Tochter den Hund der Familie begrub, sagte das Kind: "Im Fr�hling, wenn die Tulpen kommen, dann kommt er auch wieder und spielt mit mir."

Mit 6 bis 9 Jahren erfassen Kinder allm�hlich den Unterschied zwischen "tot" und "lebendig". In dieser Zeit qu�lt sie manchmal die Angst vor dem Tod der Eltern, und sie fangen an, die Endg�ltigkeit des Todes zu begreifen. Sie interessieren sich f�r tote Tiere, Friedh�fe, Begr�bnisse und Todesanzeigen. Der Gedanke, dass der K�rper eines verstorbenen Tieres oder Menschen zerf�llt, ist den meisten Kindern so unertr�glich, dass sie - unabh�ngig von ihrer Religionszugeh�rigkeit - an eine Unsterblichkeit zu glauben beginnen. Der eigene Tod ist f�r sie aber immer noch weit weg.

Ab etwa 10 Jahren erkennen Kinder, dass alle Lebewesen irgendwann sterben m�ssen - auch sie selbst - und dass in der Regel Alter und Krankheiten die Ursache daf�r sind. Sie begreifen den Tod als unumkehrbaren Schlusspunkt des diesseitigen Lebens.

Viele allt�gliche Situationen bieten M�glichkeiten, unsere Kinder schon fr�h mit Abschiednehmen und Sterben vertraut zu machen, zum Beispiel die Kreisl�ufe in der Natur: Herbstliche Bl�tter trennen sich von ihrem Baum und werden Nahrung f�r neue Bl�tter im Fr�hling. Verbl�hte Blumen im Garten werden abgeschnitten und kompostiert zum D�nger f�r neue Pflanzen. Aus L�wenzahnbl�ten werden Pusteblumen, aus Raupen Schmetterlinge.

Das hei�t, eine Lebensform verschwindet, damit sich eine andere entwickeln kann. Auch das Durchbl�ttern von Fotoalben, wo Bilder von verstorbenen Verwandten oder Haustieren aufbewahrt werden, ist eine allt�gliche Gelegenheit, �ber den Tod zu sprechen und Erinnerungen hervorzuholen. Das Kind bekommt so eine Ahnung davon, dass Tote in den Gedanken der Familie weiterleben k�nnen. Es ist gar nicht schlimm, wenn wir bei solchen Gespr�chen auch einmal zugeben m�ssen, dass wir selber keine klare Antwort wissen oder dass es auf manche Warum-Frage keine Antwort gibt.

Begegnen Kinder dem Tod in seiner schmerzlichsten Form, wenn sie von einem geliebten Familienmitglied oder Haustier Abschied nehmen m�ssen, dann sollten sie den Schmerz der Erwachsenen teilen d�rfen und in die Trauergemeinschaft einbezogen werden. Was Erwachsene als Schonung verstehen, empfinden viele Kinder als Ausgeschlossenwerden, als Zur�ckweisung. Trauernden Kindern hilft es - nicht anders als bei Erwachsenen - wenn sie ihre Trauer ausdr�cken d�rfen, im Weinen, im Sprechen �ber das tote Familienmitglied oder auch in irgendeiner Besch�ftigung. Sie k�nnen zum Beispiel ein Bild malen, ein Gedicht oder einen Brief schreiben, das Grab schm�cken, etwas zur Freude in der Familie beitragen. In der Trauerphase sind auch Kinder sehr verletzlich und besonders in dieser Zeit angewiesen auf einen Halt gebenden, verl�sslichen Partner. Das soll nicht hei�en, dass trauernde Erwachsene ihre eigene Traurigkeit und ihre Stimmungsschwankungen verbergen m�ssten; sie sollten das Kind nur sp�ren lassen, dass sie die schwere Zeit gemeinsam bew�ltigen wollen. Wenn m�glich sollte die Familie ihren gewohnten Tagesablauf beibehalten; auch die �u�ere Normalit�t hilft mit, dass Kinder wieder Zutrauen in die Zukunft fassen.

Nicht selten entwickeln Kinder in ihrer Trauer auch Wut auf die Verstorbenen, weil sie einfach weggegangen sind und damit solchen Kummer verursacht haben. Die Wut kann sich in aggressivem, provozierenden Verhalten �u�ern. Oder Kinder empfinden sich selber als schuldig am Tod der Verstorbenen. Sie werfen sich vor, nicht immer lieb genug gewesen zu sein. Solche Gef�hle m�ssen in Gespr�chen aufgedeckt und zurechtger�ckt werden. Man kann Kindern dann die Todesursache erkl�ren, damit sie die Zusammenh�nge begreifen und von ihren Vorw�rfen wieder loskommen. Wenn die Kinder erfahren konnten, dass sie auch einen toten Menschen, ein totes Haustier weiter lieb haben k�nnen, weil die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse unverlierbar ist, dann k�nnen sie sich neu orientieren. Vielleicht gelang es den Kindern in der Trauerzeit auch, Trost in dem Gedanken finden, dass die Seelen der Verstorbenen weiterleben bei Gott.


aus www.interfit.ch



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