Br�ckenbauer Nr. 43, 26.10.1999
Mit Kindern trauern

Wenn Kinder trauern, sind Erwachsene oft hilflos. Der �Br�ckenbauer� gibt Anregungen, wie mit dieser schwierigen Situation umgegangen werden kann.

Heute Morgen hat Michi erfahren, dass seine �ber alles geliebte Grossmutter, mit der er immer so viele spannende Dinge unternommen hat, pl�tzlich gestorben ist. Nun sitzt er auf seinem Bett und starrt ins Leere, w�hrend seine H�nde immer und immer wieder �ber den Schal streicheln, den sie ihm zu seinem neunten Geburtstag geschenkt hat.

Erst Stunden sp�ter verl�sst er sein Zimmer und geht nach draussen in den Garten. Dort setzt er sich auf das Steinm�uerchen, auf dem er so oft zusammen mit der Grossmutter gesessen hatte und - weint. Michis Mutter versucht ihren Sohn zu tr�sten, so gut es geht. Doch die richtigen Worte wollen ihr einfach nicht in den Sinn kommen. Zu gross ist der eigene Schmerz.

Eltern und Erwachsene f�hlen sich oft hilflos, wenn sie mit trauernden Kindern konfrontiert sind. Sie reden sich sogar ein, dass Kinder leicht abzulenken sind, schnell vergessen und dass man ihnen die Trauer auch ausreden kann.

Dem ist nicht so. Kinder trauern anders als Erwachsene. Vor allem aber weinen sie nicht immer dann, wenn es von ihnen �erwartet� wird. Das heisst: Sie wollen in den Momenten traurig sein d�rfen, die sie f�r richtig halten.

Kindliche Trauer ist sprunghaft und st�sst bei �unaufgekl�rten� Menschen nicht immer auf Verst�ndnis. Kinder haben auch in jeder Altersphase andere Vorstellungen vom Tod und definieren ihn anders (siehe �So reagieren Kinder�). �Darum ist es besonders wichtig�, sagt Ursi Arpagaus, Katechetin im aargauischen Rudolfstetten, �dass man sich mit dem Thema Sterben, Tod und kindliche Trauer fr�hzeitig auseinandersetzt, und nicht erst dann, wenn es einen unverhofft trifft.�

�Wer Kindern vom Tod erz�hlen will und sie in ihrer Trauer unterst�tzen m�chte, muss selber trauern k�nnen�, meint Ursi Arpagaus. Vielen Eltern und Erwachsenen fehle jedoch der Mut dazu. Eltern m�chten ihre Kinder vor traurigen Gef�hlen sch�tzen und merken dabei nicht, dass sie mit ihrem versteckten Kummer unglaubw�rdig wirken.

Kinder sp�ren sehr genau, was um sie herum geschieht. Gleichg�ltig, ob sie bereits begreifen k�nnen, was �endg�ltig� bedeutet: Sie werden den Verlust und die Trauer realisieren. Der Verlust eines Menschen wird von jedem Kind anders wahrgenommen. Hierbei spielt neben dem Alter vor allem die Beziehung zur verstorbenen Person eine zentrale Rolle.

Entscheidend sind auch die Umst�nde, wie jemand gestorben ist. Oder anders ausgedr�ckt: Es ist etwas anderes, wenn ein alter Mensch stirbt, der schon lange Zeit schwach und krank war, oder der Tod einen Menschen mitten aus dem aktiven Leben reisst.

Wie man mit Kindern trauern kann, damit sie das Endg�ltige besser verstehen und verarbeiten k�nnen, dazu hat sich Ursi Arpagaus f�r den �Br�ckenbauer� ein paar Gedanken gemacht:

Trauer

Trauer ist wichtig, auch wenn sie schmerzvoll ist. Trauernde Kinder brauchen deshalb viel Zuwendung und Anteilnahme.

Nicht nur die Trauer um eine enge Vertrauensperson, sondern auch die Trauer um ein verstorbenes Haustier soll ernst genommen werden.

Begr�bnis

-  Kinder sollen selber entscheiden d�rfen, ob sie am Begr�bnis teilnehmen wollen.

-  Wichtig ist, dass Kinder auf das Begr�bnis vorbereitet werden. Erkl�ren Sie genau, was sich dort
   abpielt. Erz�hlen Sie auch, dass Beerdigungen oft geweint wird und dass auch die Kinder weinen
   d�rfen.

-  Erkl�ren Sie auch, dass es verschiedene Beerdigungsrituale gibt und dass man den Leichnam
   mancherorts vor der Bestattung sehen kann, um sich zu verabschieden. Schliesslich ist es eine  
   Frage des Einf�hlens in das Kind, ob ihm das zugemutet werden kann oder nicht.

-  Schwarz ist die Farbe der Trauer. Kinder sollten das wissen.

-  Informieren Sie den Pfarrer/die Pfarrerin, wenn Kinder an der Beerdigung teilnehmen.

Rituale

Die meisten Kinder denken oft noch lange an die Verstorbenen. Deshalb sind Rituale wichtig:

-  liebevoll �ber die verstorbene Person sprechen

-  ein Liedchen singen, das an fr�hliche Zeiten erinnert

-  Erinnerungsgegenst�nde nicht wegschliessen

-  eine Kerze zum Gedenken anz�nden

-  das Grab besuchen und Blumen giessen

-  gute Gedanken zu jeder Tageszeit

-  ins Nachtgebet einschliessen
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